Versuch einer Ethnographie der Philippinen
Part 6
Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10-30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterung begegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eine schwarze Kopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oder Negrito (Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.
Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel "satanische" Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.
Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott ("Malyari"), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst ("Bayoc") weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch--wenn gleich selten--eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den "Cimarrones" oder "Infieles" [12]) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln [13]. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.
Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.
Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.
4. Pangasinanen (Pangasinanes).
Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo's waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganze Hinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.
Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574-76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.
Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).
Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösen Anschauungen wie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das "Remontarse" Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.
5. Ilocanen (Ilocanos).
Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese--freilich geringe--Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.
Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser "Sual", welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls "Cayang" nennen.
Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise "bayon" (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).
Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten "mantas de Ilócos", welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefert Ilócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.
Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnen rettungslos verfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.
6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).
Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen "Bashee"-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): "Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert". Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.
Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.
Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan "timavas", was wohl mit dem tagalischen "timauas" identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.
Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber--zwangsweise--dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber: Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).
Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).
7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).
Mit dem Namen "Igorrotes" wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten "wilden" Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen "Igorroten von Camarínes", "Igorroten von Tayabas" in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.
Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).
Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der "Tierra de Ygolotes" [14] liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für die damaligen Provinzen Pangasinán ("in der Cordillera grande"), Abra und Ilócos Sur angiebt.
Ihre Hautfarbe ist ein "nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen" (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c., Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4' 8'' 2''', bei Weibern 4' 5'' 4''' Pariser Maass.
Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel "ausgezeichnet dolichocephal", "von den Malaienschädeln ganz verschieden" und bemerkt weiter, "er nähere sich mehr den Formen von Palembang". Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.; Buzeta y Bravo I, 52; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91; Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).
Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32; Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: "Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor". Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischen Typus. An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: "Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus". Mozo bemerkt hierüber: "aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta" (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.