Versuch einer Ethnographie der Philippinen
Part 5
Grosse Vorliebe hegen die Tagalen für das Theater. Man darf nicht vergessen, dass sie ein eigenes Alphabet besassen, von welchem in Mas (Informe), wie auch in der englischen Übersetzung des Morga Proben gegeben sind. Diese Vorliebe für dramatische Spiele wurde bei der Christianisirung der Tagalen von den Mönchen nicht angetastet, im Gegentheile, letztere übten mit ihren Pfarrkindern Schauspiele in spanischer wie tagalischer Sprache ein (Morga-Stanley 320). Es giebt ein ständiges tagalisches Theater und zwar in Tondo, das sogenannte "Teatro de Tondo" (Scheidnagel 19), doch die eigentlichen nationalen, freilich schon christlich gefärbten Theatervorstellungen der Tagalen muss man auf dem platten Lande suchen, wo dieselben bei Gelegenheit von Kirchenfesten unter freiem Himmel gegeben werden. Die Dramen haben die Kämpfe zwischen Christen und mohammedanischen Piraten--"Moros" der Spanier--zum Gegenstande. Die Vorstellungen sind endlos, indem sie sich oft 3 Tage und Nächte hindurchziehen, auf der Bühne treten oft Hunderte von Personen auf, wobei zu bemerken ist, dass die Darsteller keine professionsmässigen Schauspieler, sondern schlichte Landleute sind. Die Darstellung eines Gefechts nimmt mindestens eine Stunde in Anspruch und die Kämpfenden gerathen mitunter in eine solche Wuth, dass es zu wirklichem Blutvergiessen kommt. Das oft aus 2000 Familien bestehende Publicum nimmt an diesen Gefechtsscenen den lebhaftesten Antheil, besonders an dem Schicksale der Christen, von allen Seiten erschallen lebhafte Verwünschungen und Flüche gegen die Darsteller der Moros &c. Da diese tagelangen Vorstellungen ohne Unterbrechung fortdauern und das Publicum sich nicht eher entfernt, als bis das Drama mit dem Siege der Christen endet, so nehmen die Zuschauer Lebensmittel mit, wer schläfrig wird, schläft ungenirt auf seinem Sitze ein. Bei Nacht werden Fackeln angezündet (Cañamaque, Recu. I, 60 u. f.).
Mitunter werden in den Landstädten von Spaniern Versuche gemacht, spanische Theaterstücke von Tagalen aufführen zu lassen, doch misslingen sie in der Regel, indem die Tagalen in dem fremden Stoffe und der fremden Ideenwelt sich nicht auskennen und sich daher sehr linkisch benehmen (Jagor, Phil. 84).
Auch die lyrische Poesie wird von den Tagalen gepflegt, es sind meist Liebeslieder, welche in Begleitung von Musikinstrumenten gesungen werden. In einem Liebeslied aus Tayabas heisst es: "Wenn mir mein Bräutchen sterben sollte, ich würde mich über ihren Grabhügel werfen, damit nicht ihre Gebeine Kälte leiden" (Oriente 1878, n. 11, p. 20 nach D. Juan Alvarez Guerra). Bei Festgelagen treten Improvisatoren auf, welche bei Begleitung eines Blasinstrumentes vierzeilige Lieder singen (Cañamaque, Recuerdos I, 39).
Am beliebtesten sind zwölfsilbige Verse, die vierzeiligen Strophen haben alle denselben Reim, wobei zu beachten ist, dass bei den Tagalen der Reim lediglich aus dem letzten Buchstaben oder Laute des Verses besteht (Mas, pobl. 115), diess gilt auch, wenn sie in spanischer Sprache dichten, so sind z. B. die Worte: estrellas, cielos, veces, nubes bei ihnen Reime, weil sie mit einem s endigen. Jedes lyrische Gedicht muss von Musik begleitet werden (Mas, pobl. 116). Von ihren Nationalmelodien--wenn ich mich so ausdrücken darf--ist die bekannteste und beliebteste der Comintan, der zugleich ihre Nationalhymne und ihr Nationaltanz ist. Der Comintan ist im 3/4 oder 6/8 Tact gesetzt (Hügel, 307), seine Weise wird ebenso beim Begräbniss von Kindern gesungen, wie bei festlichen Gelegenheiten nach derselben getanzt wird (l. c. 145). Wird der Comintan getanzt, so tritt nur ein Paar auf, welches pantomimisch eine Liebeserklärung darstellt "von dem Ausdrucke des einfachen Wohlgefallens bis zu der heftigsten Leidenschaft" (Hügel, 307). Eine andere Art des Comintans besteht darin, dass die tanzenden Personen körperliche Gebrechen nachahmen (l. c.). Ein anderer Nationaltanz ist der Talindao, er "wird zu vier Personen getanzt, die sich einzeln gegenüberstehen, meistens ihren Platz nicht verlassen und nur mit wenigen Bewegungen tanzen. Die Musik ist höchst romantisch, ernst, und von Zeit zu Zeit fallen alle vier Personen mit rauschendem Castagnettenschlage ein" (l. c.). Baron Hügel sah bei einem Kirchenfeste im Orte Pasig einen Tanz, der nicht wie die beiden erwähnten bereits spanische Einflüsse offenbart, sondern noch ein Überbleibsel aus den Zeiten vor der Conquista zu sein scheint. Die Tänzer waren Tagalen, welche in der Tracht und Bewaffnung, wie sie vor Ankunft der Spanier üblich war, einhergingen. Sie tanzten unter grosser Bravour und Leidenschaftlichkeit eine Art Waffentanz (Hügel, 186). Übrigens tanzen die Tagalen auch alle europäischen und specifisch-spanischen Tänze als Walzer, Polka, Bolero &c. Die Weiber tanzen mit den Chinelas (Pantoffeln) an den Füssen.
Sie sind grosse Freunde der Musik, fast jedes Dorf hat seine Musikbande (Cañamaque, Recu. I, 50). Europäische Musikstücke spielen sie recht brav, insbesondere Märsche (l. c. 35), und die Militärmusikcapellen Manila's, deren Musikanten sämmtlich Tagalen sind, werden von allen europäischen Besuchern belobt.
In früheren Zeiten schrieben die Tagalen sämmtliche Krankheiten dem Einflusse bösgesinnter Nonos zu, weshalb sie in Krankheitsfällen denselben, unter den von ihnen bewohnten Bäumen, Opfer darbrachten, welche im Verbrennen einzelner Kräuter und Deponirung von Speisen, Getränken, Tabaksblättern und Buyo bestanden (Mozo, a. v. St.). Auch glaubten sie früher, dass mannigfache Krankheiten und Irrsinn durch Dämone erzeugt werden (Mas, pobl. 92). Heutzutage ist der Glaube so ziemlich verschwunden, dagegen blühen Kurpfuscherei und Wunderkuren. Tagalische Kurpfuscher und Quacksalber giebt es in jedem Orte. Werden diese zu einem Kranken gerufen, so lassen sie sich vorerst von den Angehörigen desselben gehörig bewirthen und mit Tabak beschenken, dann befühlen sie erst dem Patienten den Puls und verordnen, wie es ihnen gerade einfällt, Umschläge, Aderlässe, Hausmittel und Schröpfköpfe (Ilustr. 1859, p. 121). Schröpfen ist sehr beliebt, da die heutigen Tagalen der Ansicht huldigen, dass die Krankheiten dadurch rasch geheilt würden, wenn die böse verdorbene Luft aus dem Innern des Patienten entfernt werde (Mas, pobl. 88). Unter ihren Hausmitteln ist auch eine Epheu-Gattung ("Malacatmon") zu erwähnen, auch Vanille und die Cardamome werden gern von jenen Volksärzten verwendet (Ilustr. 1860, n. 7, p. 80).
Sobald der Tagale die Sterbestunde herannahen fühlt, wird eiligst zu dem Pfarrer geschickt oder, wenn dieser weit entfernt lebt, der Sterbende hingetragen, um die Sterbesacramente zu empfangen, da sonst ein ehrliches Begräbniss verweigert wird (Mas, pobl. 101). Stirbt ein Kind, so wird es unter grosser Lustbarkeit und den Weisen des Comintans zu Grabe getragen (Hügel, 145), hier haben also die Tagalen die spanisch-christliche Anschauung vollständig adoptirt, nach welcher man über den Tod eines unschuldigen Kindes sich nur freuen müsse, da seine Seele doch sofort unter die Englein aufgenommen würde. Bei den Todtenfesten zu Ehren erwachsener Verstorbenen überwiegen aber vollständig die Bräuche und Sitten des früheren Heidenthums. Sobald ein Erwachsener gestorben ist, wird die ganze Verwandtschaft desselben in das Sterbehaus eingeladen, angeblich, um Rosenkränze zu beten, kaum aber sind einige Gebete heruntergeschnarrt, so wird gegessen, getrunken und getanzt und diess durch volle neun Tage (Mas, pobl. 85, Ilustr. 1859, n. 7, p. 55). Dieses neuntägige Fest, welches mitunter zur Orgie ausartet (Vila 10), heisst Siam-na-arao oder Tibao. Am wichtigsten ist der dritte Tag dieses Festes, denn die Tagalen glauben, dass die Seele des Verstorbenen an diesem Tage wieder in das Sterbehaus zurückkehre, um an dem Festmahl Theil zu nehmen. Es werden deshalb Kerzen angezündet und eine mit Asche bestreute Matte ausgebreitet, letzteres geschieht, um an den allenfallsigen Fussabdrücken in der Asche zu erkennen, ob die Seele des Verschiedenen wirklich erschienen wäre oder nicht Vor die Thüre der Hütte wird Wasser in einem Gefäss hingestellt, damit die heimkehrende Seele sich die Füsse waschen könnte (Mas, pobl. 91). Um diesen "Aberglauben" zu unterdrücken, suchen die Pfarrer auf alle Weise es zu verhindern, dass die Hütte eines Verstorbenen den dritten Tag nach seinem Tode von irgend Jemand besucht wird. Die Bestattung ist ganz und gar katholisch, jede nationale Sitte hat hier der Macht der Kirche weichen müssen. Die Tagalen sterben übrigens mit grosser Resignation, und zwar sowohl in der friedlichen Hütte, wie draussen auf dem Schlachtfeld.
In den Zeiten der Unabhängigkeit gab es unter den Tagalen ebensoviele Staaten als Dörfer, eine Ausnahme hiervon machten nur die kleinen Reiche von Manila und Tondo, von denen einige kleine Vasallengebiete abhängig waren, doch machte sich hier der Einfluss von Borneo bemerkbar. Die tagalische Ständegliederung war damals folgende: Fürsten oder Häuptlinge (Manguinoos, Dattos), freie Leute (Mahaldicas), Freigelassene (Timaua), Vasallen der Dattos (Cabalangay), Leibeigene (Aliping namamahay), Halbsclaven, Sclaven (Aliping saguiguilir). Die Spanier hoben bei der Occupation des Landes die Leibeigenschaft und Sclaverei auf und gewannen dadurch die Sympathien dieser Volksclassen. Die entthronten Dattos wurden in kluger Weise fest mit ihren Interessen an die spanische Herrschaft geknüpft, indem ihnen eine Menge Vorrechte gegeben wurden, so z. B. der Titel Don, und indem man sie mit ihren erstgeborenen Söhnen von der Zahlung des Tributes enthob. Ihre sonstige Gewalt wurde dadurch geschwächt, dass in den neuen Pueblos, welche aus verschiedenen Tribus gebildet wurden, jetzt Leute friedlich nebeneinander wohnen mussten, die früher feindlich gegen einander gesinnt waren, und bald durch Wechselheirathen miteinander vollständig verschmolzen, wodurch die einzelnen Dattos gleichsam ihre früheren Unterthanen verloren. Von diesen Dattos stammt zum grössten Theile die heutige Principalia, der Patricierstand oder der Dorfadel der Tagalen ab. Die Bevölkerung der neuen Pueblos wurde in Abtheilungen eingetheilt, welche Barangayes [11] genannt wurden. Jedem Barangay wurde ein Chef vorgesetzt, welcher Cabeza de Barangay hiess und der Principalia entnommen wurde. Der Cabeza de Barangay sammelt in seinem Barangay den Tribut (Kopfsteuer) ein, für dessen vollständige Eintreibung er haftet. Aus der Principalia wird der Bürgermeister gewählt, welcher Gobernadorcillo oder (im gewöhnlichen Verkehr) Capitan genannt wird.
Der Gemeinderath besteht aus den Cabezas de Barangay, überhaupt aus Mitgliedern der Principalia. Gehört zur politischen Gemeinde noch ein zweites Dorf (visita, barrio, anejo), so besitzt es einen Vice-Chef, den Teniente. Sonstige Gemeindebeamte sind der Teniente mayor (Bürgermeister-Stellvertreter), Juéz mayor de Ganado (Richter für Streitigkeiten, welche Vieh-, Weideangelegenheiten &c. betreffen), Juéz mayor de Sementeras (Richter über Feldstreitigkeiten), ein Juéz mayor für Polizeivergehen, dann der Teniente segundo, der Teniente tercero, ferner zwei Alguaciles (Polizeiwachtmeister), von denen der erstere gewöhnlich "el actual" heisst und gewöhnlich mit der Escortirung von Reisenden betraut wird. Nur der Gobernadorcillo und der Teniente mayor müssen dem Gesetze nach dem eingeborenen Adel angehören. Der Ex-Gobernadorcillo heisst gewöhnlich "Capitan pasado", ein Ex-Teniente "Titulado". Da die Mitglieder dieser tagalischen Municipien, besonders in den Provinzen, selten oder nur schlecht spanisch sprechen oder gar schreiben können, so wird zum Verkehre mit den spanischen Behörden ein Secretär von der Gemeinde aufgenommen, der Directorcillo genannt wird. Jede Gemeinde unterhält ein Haus, Tribunal genannt, in welchem der Gemeinderath tagt, Gericht gesprochen, europäische Reisende untergebracht werden, und das zugleich als Arrestlocal und Zeughaus dient. Die Arrestanten werden sehr gut verpflegt, doch pflegen die tagalischen Richter meist nur Prügelstrafen zu dictiren. Die nicht dem Adel angehörigen Indier sind verpflichtet, 40 Tage im Jahre öffentliche Arbeiten (polos y servicios) bei Strassen- und Brückenbauten &c. zu leisten, eine Woche im Tribunal Dienst zu leisten und eine Woche Nachtwache zu halten. Von diesen Dienstleistungen kann man sich loskaufen, und zwar in Form einer Geldstrafe. Die Leute, welche im Tribunal Dienst zu leisten haben, heissen Semaneros, sie stehen "gegen geringen Tagelohn als Boten oder Träger zur Verfügung der Reisenden" (Jagor, Phil. 37). Zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutz gegen Angriffe von Räuberbanden oder Horden wilder Bergstämme dient eine Art Bürgergarde oder irreguläre Miliz, deren Streiter Cuadrilleros genannt werden.
Der Volksschulunterricht ist obligat, jede Gemeinde hat ihre Schule. Der Unterricht soll in spanischer Sprache erfolgen, was aber bis in die neueste Zeit ausserhalb des nächsten Umkreises von Manila nur selten vorkam, indem einestheils spanisch sprechende Individuen sich selten in die Provinz verirrten und anderntheils die Geistlichkeit mit Händen und Füssen sich dagegen sträubte, dass die Indier sich die spanische Sprache aneigneten, da sie dadurch ihre Vermittlerrolle zwischen den spanischen Behörden und den Indiern verlieren musste. Heute hat die Geistlichkeit diesen Widerstand aufgegeben, und es sieht in dieser Beziehung etwas besser aus. Die Localinspection wird von den Pfarrern ausgeübt. Vor mehr als zwanzig Jahren schon sagte Bastian (Reisen, V. 265) über die Tagalen der Prov. Laguna: "Man erstaunt über die verhältnissmässig grosse Menge derjenigen, die zu schreiben und zu lesen verstehen". Tagalen findet man als Schreiber in allen Regierungsbureaux. Die grösste Freude tagalischer Eltern ist es aber, wenn sie ihren Sohn als Priester erblicken. Die Weltgeistlichkeit besteht beinahe ausschliesslich nur aus Mestizen und Tagalen, Visayern &c. Die farbigen Priester stehen in geringem Ansehen; wenn sie nicht besser sind als ihr Ruf, stehen die Sachen schlimm (m. vgl. darüber: Jagor, Phil. 104, n. Cañamaque a. v. St.). Selbst der ultramontane Baron Hügel sagt hierüber: "Es giebt in der That indische Pfarrer, welche eine Frau haben, mit der sie in der Pfarrei leben, und die Kinder nennen sie nach meiner eigenen Erfahrung ohne Umstände Papa" (Hügel, p. 287), und weiter: "Der Indier ist im Allgemeinen wenig dazu geeignet, die Pflichten eines Geistlichen und Pfarrers zu erfüllen. Ich ..... füge hier nur noch hinzu, dass sie manchmal ausschweifend leben, ihren Pfarrkindern dann ein schlechtes Beispiel geben, und dass ihre Pfarrbücher sich meistens in grosser Unordnung befinden" (l. c. 349). Eine grosse Anzahl von Aufständen hat eingeborene farbige Priester zu Urhebern gehabt, die sich durch Blutdurst und Grausamkeit gegen die Weissen auszeichneten.
Das Christenthum hat bei den Tagalen die unter dem Namen Amoklaufen bekannten Wuthausbrüche nicht beseitigen können, doch kommen derartige Fälle seltener vor als in den übrigen malaiischen Ländern (Jagor, Phil. 131). Die Amokläufer werden "posong" genannt (Mas, pobl. 119).
Die Industrie der Tagalen beschränkt sich meist auf Gewebe und Stickereien. Aus den Fasern der Ananasea sativa werden feine, vollkommen durchsichtige Zeuge gemacht, welche Piña oder Grasscloths heissen, sie werden mit zierlichsten Dessins bestickt und dann oft zu horrenden Preisen--ein Stück 2000 Thaler (Jagor, Phil. 112)--verkauft. Zu den Piña-Webereien werden statt eiserner Messer Bambusspäne benutzt (Jagor, Skizzen 176). Aus Abacá (Manilahanf) werden ebenfalls dünne und durchsichtige Hemdstoffe und Zeuge verfertigt, welche Sinamay und Nipis genannt werden und eine grössere Dauerhaftigkeit aufweisen als die Piña-Zeuge (Scherzer, Novara-Reise I, 600; Diaz Arenas 291). Beim Weben der Nipis-Stoffe pflegen sich die Arbeiterinnen vollständig einzuschliessen, damit nicht ein Luftzug die dünnen Fäden entzweireisse (Cañamaque, Filipinas 27). Tapis-Stoffe aus Seide und Baumwolle, blaucarrirte Baumwollenstoffe (Cambayas) werden ebenfalls von den Tagalen und zwar in ziemlichen Mengen fabricirt (Diaz Arenas, l. c.). Die Tapis-Weberei hat ihren Hauptsitz in der Provinz Bulacán (Jagor, Phil. 48). Aus Abacá werden auch leichte Luxusstoffe, "Júsi" genannt, verfertigt (Scheidnagel 75). Aus der Rohrgattung Nito werden Hüte europäischer Façon, Jalacó's und Matten geflochten (Scheidnagel, l. c.). Hüte und Matten werden noch aus anderen Materialien--z. B. der Burí-Palme--gearbeitet (Scheidnagel 27; Jagor, Phil. 59). Aus dem unteren Ende der Blattstiele einer Calamus-Art werden Cigarrentaschen von ausserordentlicher Feinheit fabricirt, welche zu hohen Preisen, von 2-50 Dollar das Stück, verkauft werden (Jagor, Phil. 48). Kabel und Taue werden nicht nur aus den Fasern des Manilahanfes verarbeitet, auch die Gomuti-Palme (Arenga saccharifera) liefert ein ungemein festes und dauerhaftes Material, den sogenannten Cabo-negro, es ist diess eine schwarze Faser, welche den Ursprung der Blattstiele am Stamme jener Palme bekleidet (Jagor, Skizzen 10). Aus Pandanus-Gattungen, dann aus dem Bambus werden Maurerpinsel gemacht (Jagor, Skizzen 176). Aus der kletternden Mimose "Gogo" wird durch Zerklopfen der Rinde ein Seifenstoff gewonnen, der nicht allein beim Bade und der Kleiderwäsche benutzt wird, sondern auch den Goldwäschern dienlich ist; bei der Goldwäsche "wird dem Wasser der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit leichter vom Goldpulver trennen" (Jagor, Phil. 142). Dem Apíton-Waldbaume wird ein harziges Öl, der Baláo oder Malapájo, abgezapft, welches Eisen zehn Jahre lang vor dem Rosten schützt und zum Firnissen der Schiffe verwendet wird (Jagor, Phil. 230). Aus der Cocos-Palme wird ein Branntwein bereitet, welcher "Tuba" heisst, diese Industrie wird insbesondere am Südufer der Laguna de Bay betrieben (Jagor, Phil. 57, Mozo 89). Auch Öl wird von dieser Palme gewonnen, über deren vielfache Ausbeutung Scheidnagel (p. 74) viel Interessantes berichtet. Das Bambusrohr wird in ähnlicher Weise ausgenutzt, wie in allen übrigen Theilen des ostindischen Archipels. Zu Handwerkern macht Indolenz, Faulheit und Liederlichkeit die Tagalen unbrauchbar (man vgl. Mas, pobl. 66 u. 72). In Manila existirt eine eigenartige Klein-Industrie, es werden kleine Modelle einheimischer Fahrzeuge, Hütten &c. und Figuren zum Verkaufe an Fremde gearbeitet (Scheidnagel 121). Im Schiffsbau stehen sie noch ohne alle chinesische Concurrenz da und leisten wenigstens etwas hierin.
Zum Schlusse sei noch bemerkt, dass die Tagalen sehr starke Beimischungen fremden Blutes in ihren Adern haben, nicht nur Chinesen und Spanier, auch Japanesen (XVI. u. XVII. Jahrhdt.) haben zur Aufbesserung der Rasse beigetragen. Andere Beimischungen sind gering oder verwandter Natur; so fanden die Spanier bei der Besitznahme des von den Tagalen bewohnten Landstriches Luzon (verhältnissmässig) zahlreiche Borneaner angesiedelt, theils als Kaufleute, theils als mohammedanische Priester und Missionäre, wenn ich überhaupt den letzteren Titel ihnen geben darf. Die Spanier hingegen ergänzten die Mannschaft ihrer auf den Philippinen stehenden Linientruppen seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts beinahe ausschliesslich mit mejicanischen (mitunter auch peruanischen) Indianern, welche sämmtlich nach abgelaufener Dienstzeit im Lande blieben und sich eingeborene Weiber nahmen. In Marigondon, an der Bai von Manila, liessen sich auch im Jahre 1661 Ternataner (Insel Ternate der Molukken) nieder.
2. Pampangos.
Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell "tagalisirt". Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.
In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.
Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.
Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden "Tavac" genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.
3. Zambalen (Zambales).
Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.