Versuch einer Ethnographie der Philippinen
Part 14
Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmariñas durch die chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flösste zuerst Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zählten, sich gegen die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000 Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian (Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639 bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit, wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao im Kriege lagen. Erst im März 1640 wurde der Aufstand bewältigt, nur 7000 Chinesen überlebten das Ende desselben. Die spanischen Behörden liessen sich durch diese Vorfälle zu keinem Verbote der chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen sie allgemein. Als bald darauf der König Kogseng von Formosa den Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings die Chinesen Manila's, wurden aber besiegt und die Überlebenden, ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung nahm zwar geringere Dimensionen an, hörte jedoch nicht auf. Um der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die ledigen christlichen Sangleyes Manila's in dem ihnen zugewiesenen Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstädten Binondo und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen lebenden Chinesen sollten womöglich in besonderen Quartieren vereinigt werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder es haben vielleicht die Colonialbehörden Vorstellungen beim Rathe von Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings erlassen. Als 1709 der kühne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga, Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst für Gewerbe und Industrie unentbehrlich waren. 1721 plünderten sieben chinesische Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen, auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber man begann sie immer argwöhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im steten Wachsthum begriffen war.
Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732 allein trug die Licenzengebühr, welche die chinesischen Krämer für die Ausübung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche Gerücht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man eine grosse Anzahl Verdächtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgeführt und zugleich der Handel mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl, wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen, so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevölkert. Als die Briten Manila's sich bemächtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknüpfen liess. Als 1763 die Briten Manila räumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778-87) suchte durch die Anlage eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila's noch mehr zu heben, stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken aufgeben musste. Dagegen gründete er bei Candava eine Ackerbaucolonie von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschränkter Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschäftigt waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches die ausgerückten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der Licenzen für chinesische Krämer zu reformiren. Die weisen Maassregeln wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollständigt, von nun an sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den übrigen ausländischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehörde ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer und Feldarbeiter befördern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.
Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind entweder Krämer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425 Ackerbauer. Diess ist um so merkwürdiger, als die Leyes de Indias nur die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden Chinesen gestatten (Cañamaque, Recu. I, 278; Scheidnagel 71). Nach Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran, welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen [41]. Nach einigen Werken (Cañamaque, Recu. I, 202; Scheidnagel 70) ist die Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlässigkeit der Behörden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227) erwähnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der Philippinen 193 Frauen.
Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache noch nicht erlernt hat, beschäftigt sich der Neuling lediglich mit Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und Geschäftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um sich dann später einen Laden einzurichten. In verhältnissmässig kurzer Zeit hat sich der betriebsame Zopfträger ein kleines Capital erworben, mit dem er sich in die Heimath zurückzieht. Der gesammte Kleinhandel ist in ihren Händen vereinigt, "den Aufkauf der Colonialproducte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen" (Jagor, Reisen 274). In jedem grösseren Pueblo ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. Über die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860, n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).
Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate unmöglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele taufen, sobald sie einen "guten" Pathen finden. Die Abschliessung einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermögen sich erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland zurückzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.
Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation, insbesondere huldigen sie übermässigem Genusse des Opiums, welcher in den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet die spanische Regierung den Genuss dieses gefährlichen Reizmittels, für welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen müssen, welche für 1877 auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de l'Oriente 1877, n. 3, p. 9).
Wo die Chinesen in grösserer Anzahl vorhanden sind, wie in Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend höheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier eine Cabecería, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo oder Capitan, dessen Amtsgehülfen der Teniente, Alguacil mayor und die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil mayor müssen immer Christen sein.
Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:
1585 1 000 Seelen 1603 30 000 Seelen (in Manila allein) 1639 40 000 Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur über 30 000) 1815 5 000 Seelen allein in der Provinz Tondo 1828 5 708 Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 5279 1830 8 640 Seelen 1834 5 000 Seelen 1836 9 038 | 1837 10 168 | 1838 10 877 | Seelen allein in der Prov. Tondo 1839 11 575 | 1840 5 729 | 1842 10 000 Seelen 1847 5 736 | allein in der Prov. Tondo 1848 7 422 | 1849 9 331 Seelen 1850 9 158 Seelen nach Diaz Arenas 9 901 Seelen nach Buzeta und Bravo 1870 23 242 Seelen 1876 30 797 Seelen 1880 ca 20 000 Seelen in Manila allein.
2. Chinesische Mestizen.
Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht, und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen, von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180 000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf, denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen, multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit 4-1/2, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet, da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders in den Censuslisten geführt werden.
3. Japanen.
Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung [42]. Von derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in den Tagalen auf.
IV. WEISSE UND ANDERE BEVÖLKERUNGSBESTANDTHEILE.
1. Weisse und deren Mischlinge.
Die weisse Bevölkerung der Philippinen war nie eine beträchtliche. Sie erhielt am Anfange des XVII. Jahrhunderts einen Zuwachs durch jene portugiesischen Familien, welche nach der Eroberung der Molukken durch die Holländer sich nach den Philippinen flüchteten. Was unseren Archipel von allen übrigen spanischen Colonialländern scharf schied, war das gänzliche Fehlen eines weissen Grundbesitzerstandes; die Hacenderos und Mineros von Neu-Spanien und Peru waren hier nicht vorhanden, denn die Philippinen lieferten bis zur Regierung des thätigen Gobernadors Basco nichts Nennenswerthes an Bodenproducten, sie waren nur ein Entredépôt des chinesisch-spanischen Handels. Nach dem westphälischen Frieden wanderten nur Wenige ein, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass man von Spanien nach Manila nur den Weg über Mejico und durch den Stillen Ocean nehmen durfte, und dass der jährliche Verkehr zwischen Neu-Spanien und Manila sich nur auf ein einziges Schiff beschränkte. Die Einwanderer waren Beamte, Soldaten, Mönche, politische Verbrecher, mitunter auch Abenteurer dunkler Vergangenheit und wenige Kaufleute. Fast die gesammte weisse Bevölkerung concentrirte sich in Manila, die von den ersten Conquistadoren begründeten Städte mit spanischer Bevölkerung und Municipalverfassung verödeten, wie Cebú, N. Cáceres, N. Segovia oder wurden wieder zu Indier-Dörfern, wie Arevalo auf Panay. Die wenigsten von den Eingewanderten trugen sich mit dem Gedanken, sich hier bleibend niederzulassen, sondern kehrten nach einer Reihe von Jahren in ihr Vaterland zurück, da überdiess die Zahl der eingewanderten Frauen eine geringe war, so konnte sich nicht jene mächtige Creolenkaste bilden, die in Spanisch-Amerika noch heute dominirt.
Als das Festland von Amerika sich von Spanien losriss und eine Militärrevolte in Manila Statt fand, verwies die spanische Regierung alle die zahlreichen Mejicaner und Peruaner, welche seit Basco zahlreich nach den Philippinen gewandert waren. Die Regierung erschwerte auch in einer dem Gedeihen der Colonie sehr hinderlichen Weise die Ansässigmachung von Weissen auf dem Lande, und erst in neuerer Zeit haben Erleichterungen Platz gegriffen. Trotzdem nimmt die Einwanderung der Weissen mit jedem Jahre zu, und demgemäss beginnt sich auch eine zahlreiche Creolenkaste zu bilden, da viele von den Einwanderern sich bleibend niederlassen. Die weisse Bevölkerung steigert sich auch in den Provinzen. Die Ordensgeistlichkeit besteht ausschliesslich nur aus Weissen.
Die spanischen Mestizen widmen sich nur dem Plantagenbau als kleine Grundbesitzer oder sie wählen sich die Beamtenlaufbahn. Jene der niederen Klassen tragen europäische Beinkleider und Schuhe, über den Pantalons aber das Hemd, dann eine bunte Cravatte und Cylinderhut. Die Zahl der Mestizen ist in Wirklichkeit viel grösser als die Censuslisten aufweisen, indem bei der Nachgiebigkeit der Indierinnen, besonders der Frauen, von den Spaniern viele Kukukseier gelegt werden, wenn ich mich dieser vulgären Redewendung bedienen darf. Nach Jagor (Reisen 64) fällt einem in allen Gegenden, wo Spanier häufig sind, die weisse Farbe der Eingeborenen auf, was auf eine starke Blutmengung hinweist, wenn auch diese officiell als "Indios" angeführt werden. "Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen, rechnen sich dieses fast zur Ehre. Noch mehr ist diess der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist" (Jagor 129). Die spanischen Mestizen zahlen ebenso wie die Weissen keine Kopfsteuer.
Weisse Mestizen Zusammen
1575 540 [43] ? ? 1830 6 000 ? ? 1842 1 500 Spanier 20 000 25 000 3 500 Creolen 1849 ? 8 475 [44] ? 1850 4 050 [45] 8 584 12 634
Die neueren Censuslisten lassen die Zahl der Weissen und spanischen Mestizen nicht mit Sicherheit feststellen, da sie die von der Kopfsteuer befreite Bevölkerung, d. h. die Weissen und deren Abkömmlinge, nach der Beschäftigung aufzählen, andererseits die in der Armee und Flotte Dienenden zusammen mit den Indiern aufgeführt werden. Die Differenzen in den obengenannten Zahlen weisen einerseits nur auf blosse Schätzungen hin, dann sind ein Mal die europäischen Soldaten mit eingerechnet, ein anderes Mal wieder nicht.
2. Sonstige Bevölkerungsbestandtheile.
In den vergangenen Jahrhunderten bis zu den Jahren 1821-23 bestand die Linientruppe der Philippinen, soweit sie sich nicht aus Eingeborenen ergänzte, zumeist aus mejicanischen Indianern und Mestizen. Zwar blieben die Soldaten auch nach vollendeter Dienstzeit im Lande und verheiratheten sich mit eingeborenen Frauen, aber ohne irgendwie eine selbständige Kaste zu bilden, sie gingen einfach in den Malaien auf. Dasselbe gilt von den Negern, Kaffern und Papuas, welche in geringer Anzahl nach den Philippinen im Beginne der spanischen Conquista von portugiesischen Sclavenhändlern gebracht wurden; da aber bereits Philipp II. durch ein Decret die Aufhebung der Sclaverei auf den Philippinen bewirkte [46], so blieben die Philippinen von dem Fluche einer Negerkaste befreit. Die wenigen Sclaven, welche 1565-90 den Spaniern aus Siam, Cambodscha und Borneo zugeführt wurden, kommen gar nicht in Betracht.
ANHANG.
Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.
Fernando Magallanes erreichte am 16. März 1521 die Insel Jomonjol in der Surigao-Gruppe und wurde so der Entdecker der Philippinen, denen er den Namen S. Lazarus-Archipel verlieh, doch hat diese Benennung wenig Anklang gefunden, und wir werden sehen, dass diese so reiche Inselgruppe bis zum Empfange des heutigen Namens von den Spaniern gewöhnlich "Islas de Poniente" genannt wurde, d. h. die Inseln des Westens, während sie die Portugiesen die "Islas del Oriente", d. h. die Inseln des Ostens, hiessen. Magallanes trat mit den Bewohnern Jomonjols in freundlichen Verkehr, setzte aber, sobald seine Kranken sich ein wenig erholt hatten, seine Reise fort, auf welcher er die grosse Insel Leyte und zwar die Südostküste entdeckte, zwischen welcher und der kleinen Insel Panaon er zu dem Inselchen Limasaua [47] gelangte, deren Radjah ihn freundlich aufnahm. Von dort begab er sich nach Butuan an der Nordküste von Mindanao. In Butuan zog er genaue Erkundigungen über die grosse Insel ein, insbesondere über die Ostküste derselben, deren Namen Caraga sein Chronist Pigafetta in Calagan verzerrte. Da aber in Mindanao keine Lebensmittel aufzutreiben waren, so kehrte Magallanes nach Limasaua zurück, deren Radjah sich ihm selbst als Lootsen erbot, um die Spanier nach dem Centrum der Visayer-Inseln, nach Cebú zu führen. Die Expedition brach also unter der Führung des Radjahs auf und segelte zunächst nach Norden, entlang den Gestaden Leyte's. Diese grosse Insel führt bei Pigafetta zwei Namen, der südliche Theil wird dort Ceylon, der nördliche nach einem Orte der Westküste Baybay genannt. Von Baybay wandte sich die Expedition nach Westen, erreichte die kleine Inselgruppe der Camotes, segelte dann Südwest und gelangte so zur Insel Cebú [48] und nach Passirung des Canales, welcher Cebú von der Insel Mactán trennt, nach der wichtigsten Stadt jener grossen Insel, welche ebenfalls Cebú hiess.
Da es nicht meine Aufgabe ist, eine Geschichte der Fahrt Magallane's zu geben, sondern nur die auf die Philippinen bezüglichen Entdeckungen kurz zu registriren, so sei erwähnt, dass nach dem unglücklichen Ende des kühnen Magallanes seine Expedition sich nach der Westküste von Bohol wandte und von dort zwischen der Südspitze von Negros und der Insel Siquijor ihre Richtung gegen Südwesten nahm. Die Spanier entdeckten einen neuen Theil der Mindanaoküste und zwar jenen, welcher westlich von Dapitan beginnt und ungefähr bei der Punta Gorda endigt. Nach dem im Osten der Punta Gorda befindlichen Cap Quipit nannten sie die ganze Strecke, die sie vielleicht für eine besondere Insel ansahen, Isla de Quipit ó Quepindo. Dann folgte die Entdeckung von Palawan, welches von den Spaniern Paragua genannt wird; die Spanier entdeckten ferner auf ihrer abenteuerlichen Flucht von Borneo Sulu (Hauptinsel), die Südküste von Mindanao und die Serangani-Inseln, von wo aus sich die Reste der Magallanes-Expedition nach den Molukken wandten und somit das Gebiet der Philippinen verliessen.
Durch diese spanische Expedition wurden die Portugiesen auf die Philippinen aufmerksam, sie schickten einzelne Schiffe dahin ab, welche aber keine neuen Entdeckungen machten. In Spanien hatte man sich inzwischen entschlossen, eine neue Expedition nach den Molukken auslaufen zu lassen, nachdem ein in Elvas und Badajóz tagender Congress spanischer und portugiesischer Geographen und Seefahrer resultatlos auseinandergegangen war; der Congress hatte über die Frage entscheiden sollen, ob die Molukken zum spanischen oder zum portugiesischen Weltantheil gehörten. Die neue Expedition bestand aus sieben baskischen Schiffen, welche unter dem Befehle des Johanniters Don Fray García Jofre de Loaisa standen, zu dessen eventuellem Nachfolger der erste Weltumsegler Don Juan Sebastian de Elcano bestimmt war. Nach schweren Verlusten erreichte die Expedition die Südsee, wo rasch hintereinander Loaisa und Elcano starben; den Oberbefehl übernahm nun Toribio Alonso de Salazar, welcher, nach kurzem Aufenthalte in den Ladronen, am 8. October 1526 die Islas de Poniente erreichte und zwar an der Ostküste von Mindanao. Salazar wurde so der Entdecker der Caraga-Küste. Er lief in den Hafen von Liangan ein, starb aber bald, worauf der muthige Baske Martin Iñiguez (Yañez) de Carquizano Chef der Expedition wurde. Carquizano versuchte nach Cebú zu gelangen, widrige Winde hinderten ihn daran, und so begab er sich nach den Molukken, wo er mit seinen Leuten gegen die Portugiesen kämpfte. Salazar soll den Islas de Poniente zuerst den Namen "Philippinen" beigelegt haben, doch ist diess ein Irrthum. So war durch Loaisa's Expedition nur die Ostküste von Mindanao entdeckt worden.
Eine Expedition nach den Islas de Poniente und den Molukken sollte bald darauf Neu-Spanien verlassen. Auf Befehl Kaiser Karl's V. rüstete der glorreiche Eroberer von Méjico D. Fernando Cortés in dem kleinen pacifischen Hafen Neu-Spaniens Zacatula oder Civatlanejo eine Flotte von drei Schiffen aus, welche unter der Führung des D. Alvaro de Saavedra am 31. October 1527 auslief. Da das Hauptziel dieser Expedition der Molukken-Archipel war, so berührte Saavedra nur flüchtig die Philippinen und zwar an der Ostküste von Mindanao, von wo er nach den Molukken aufbrach, so dass diese Expedition nicht in der Lage war, neue Entdeckungen in dem Archipel zu machen. Von den Molukken aus versuchte Saavedra zwei Mal ohne Erfolg durch das Stille Meer nach Méjico zurückzukehren, wobei Sulu von den Spaniern wieder aufgesucht wurde.