Part 9
Wer vom +Zschirnstein+ aus, die Wanderung zum +Schneeberge+ machen will, läßt sich über +Kleingießhübel+, das am Fuße des Berges mitten im Walde liegt, nach +Cunnersdorf+ bringen, wer aber nach +Schandau+ zurück kehren will, geht wieder nach +Reinhardsdorf+ und +Krippen+. Haben wir den Morgen auf dem Berge genossen, so werden uns einige Vormittagstunden übrig bleiben, unsre Wanderung zu verlängern. Es winken uns in der Nähe drei mächtige, schroff ansteigende Felsen, der +Hennersdorfer Stein+, der +Papststein+ und der +Gorischstein+. Wir gehen von +Krippen+ über den +Hofeberg+ nach +Kleinhennersdorf+ und von hier nach +Papstdorf+, dessen freundliche Kirche abgesondert vom Dorfe und weithin sichtbar auf der Berghöhe liegt. Wir besteigen von hier den +Papststein+ auf einem ziemlich steilen Pfade, um uns einer belohnenden Aussicht zu erfreuen. Wir sehen über +Pillnitz+ nach +Dresden+. Die Felsen von +Rathen+ erheben sich am jenseitigen Ufer, +Hohnstein+ blickt aus der Ferne hervor und im höhern Hintergrunde +Stolpen+ auf seiner Basaltkuppe. Auf dem Wege vom +Papststein+ zum +Gorischstein+ verweilen wir unweit der Weinberge, wo sich uns eine herrliche Aussicht auf die Felsenwelt von +Schandau+ öffnet, über welche die Gebirge der Oberlausitz in dämmernder Ferne sich erheben. Der +Gorischstein+ ist schwer zu ersteigen. Am Abhange der östlichen Felsenwand stehen mehre Felsen so gegen einander, daß sie eine hohe Pforte bilden, wovon eine Wand auf einem natürlichen Pfeiler ruht. Man nennt sie den +Brömmerstall+, weil die Hirsche zur Brunftzeit hier wechseln, und sich einen Pfad rings um den Pfeiler gebahnt haben. Spuren von Steinkohlen im Sandstein gaben um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu einem Versuchbau Anlaß. Es ist noch das Mundloch eines Stollns am Fuße des Berges davon übrig. Durch den Sandstein streicht eine thonige Masse, die der Walkererde nicht unähnlich gewesen sein soll, so wie man auch eine der lemnischen Erde ähnliche Thonart gefunden haben will.
Wie gehen vom Fuße des Berges durch den +Rietschgrund+ an das Elbufer zurück und folgen dem anmuthigen Pfade, der uns in kurzer Zeit zu der Schandauer Fähre bringt.
IX. Reise nach dem Schneeberg und in den Bieler Grund.
Wir brauchen mit dem Rückwege nach +Schandau+ 10 Stunden zu dieser Wanderung, und gehen auf dem nächsten Wege über +Klein-Hennersdorf+ nach +Cunnersdorf+, das in einem angenehmen Thale liegt. Die Straße von Dresden und Königstein nach +Schneeberg+ und +Tetschen+ geht durch das Dorf. Wir folgen dem Waldwege am Rande eines tiefen Grundes, in welchem der +Fuchsbach+ hinab fließt, der durch +Cunnersdorf+ läuft und am Fuße des +Quirls+ mit der +Biela+ sich vereinigt. Der +Katzstein+ und der +Rothstein+, beide leicht ersteiglich, ragen rechts am Wege aus dem Walde hervor. Nach einer Stunde sind wir in +Rosenthal+, wenn wir nicht, ehe wir in’s Dorf kommen, vom Waldwege links abweichend, eine offene, von zwei Linden beschattete Höhe besteigen wollen, wo uns eine weite und reizende Aussicht überrascht. In den umher liegenden Sandsteinblöcken findet man viele schöne Versteinerungen.
Nach einem kurzen Wege über Felder und Wiesen, umfängt uns bald wieder ein dunkler Wald, und nach einer Stunde erreichen wir das böhmische Gränzdorf
Schneeberg,
das am Fuße des gleichnahmigen Berges liegt. Bei dem östreichischen Zolleinnehmer hohlen wir die Erlaubniß, den Berg zu besteigen, und in einer halben Stunde sind wir auf der Kuppe, die nach neuern barometrischen Messungen 2240 Par. Fuß über das Meer sich erhebt. Auf dem Standpunkte gegen Abend liegt das Gelände vor uns, das der Gebirgkranz umfaßt, der sich vom +Falkenberg+ bis zum +Sattelberg+ ausdehnt, und unser Auge fliegt von diesem Gränzpunkte bis zum +Kolmberge+ und zu den Gebirgen bei +Großenhain+, und von den Anhöhen um +Meißen+ bis zu den +Annaberger+ Gebirgen und zum +Fichtelberg+. Noch weiter ist die Aussicht in der Nähe des Telegraphen. Wir sehen vom Erzgebirge bis zum Riesengebirge und über +Tetschen+ bis zum +weißen Berge+ bei Prag, während im Mittelgrund das reizende Uferland der Elbe sich ausbreitet.
Von dem +Schneeberge+, der den Mittelpunkt des Berglandes auf dem linken oder südöstlichen Elbufer bildet, ziehen sich fast nach allen Richtungen Gebirgstrahlen, von welchen der westwärts längs der Gränze hinab laufende durch einen breiten Gebirgsattel bei +Höllendorf+ mit dem Sattelberge, dem Endpunkte des Erzgebirges, verbunden wird. Es kommt hier die seltene Erscheinung vor, daß sich von derselben Höhe die Bäche nach Mitternacht, Morgen und Mittag in denselben Fluß ergießen.
Wir gehen über die Gränze zurück, und in den
Bielergrund
hinab, der unter dem +Schneeberge+, bei dem böhmischen Dorfe +Eiland+ anfängt und von dem, am Abhange jenes Berges entspringenden +Bielbach+ durchflossen wird. Das mahlerische Thal zieht sich unter den mannigfaltigsten Abwechselungen bis gegen +Königstein+ hinab, wo der Bach in die Elbe fällt. Bald nach dem Eintritte in das Thal, stehen wir vor der Oeffnung einer finstern Höhle, die über 60 Fuß tief in das Innere des Felsens sich zieht, wo sie zu einem breiten Gewölbe sich erweitert, das im dreißigjährigen Kriege den Geflüchteten Schutz gewährte, und daher das +Schwedenloch+ genannt wird. Bei der ersten Mühle, +Ehrlichsmühle+, erweitert sich das Thal; der Wald weicht von den heitern Wiesenufern des Baches zurück, der auf beiden Seiten von den seltsamsten Felsengestalten eingeschlossen ist, welche diesem Thale ganz eigne Reize geben. Auf der Mittagseite erhebt sich eine ersteigliche Felsenkuppe, der +Kanzelstein+, wo zu der Zeit, als die Hammerwerke in diesem Thale betrieben wurden, ein Prediger zuweilen zu seinen unten versammelten Zuhörern gesprochen haben soll. Nicht weit von hier sehen wir die Trümmer eines Hammerwerkes, deren es vor der Mitte des 18ten Jahrhunderts hier mehre gab, die das Eisen aus +Gießhübel+ erhielten. Die nahe +Oberhüttenmühle+ in einer ungemein reizenden Lage, gewährt uns einen Ruheplatz und Bewirthung.
Wollen wir nach +Schandau+ zurück kehren, so folgen wir dem Laufe des Baches bis zu dem Dörfchen, die +Hütten+, das am Fuße des +Königsteins+ in einem anmuthigen Thale, dem +Hüttengrunde+ liegt, der von den zahlreichen Eisenhämmern, die hier vor Zeiten im Gange waren, den Nahmen erhielt. Wir wenden uns hier zu dem +Quirl+, einem Felsenberge, an dessen Fuß auf der Abendseite eine sehr tiefe und breite Höhle, der +Diebskeller+, sich öffnet und uns einen kühlen Ruheplatz bietet, wo wir an heiteren Tagen eine schöne Ansicht des nahen +Königsteins+ und des +Liliensteins+ haben. Auch die Aussicht vom Gipfel des Berges ist anziehend. Oestlich vom +Quirl+ erhebt sich nahe bei +Pfaffendorf+ der +Pfaffenstein+, ein waldiger Felsenberg, an dessen Morgenseite der +Jungfernstein+ empor ragt, dem die Sage eine abenteuerliche Entstehung gibt. Eine Mutter, erzählt sie, schickte am Sonntage ihre Tochter in die Kirche, das Mädchen aber ging auf den Pfaffenstein, um Heidelbeeren zu suchen, wo die Mutter sie endlich fand und in der Aufwallung des Zornes wünschte, die Ungehorsame möchte zu Stein werden, worauf denn alsbald die Jungfrau in einen schlanken Felsenkegel verwandelt wurde. Von hier führt der Weg am Fuße des +Gorischsteins+ (s. S. 124.) an das Ufer der Elbe.
Auch hier aber werden wir uns leicht zu einer Abschweifung verleiten lassen, wozu die westlich nach der +Gottleube+ sich hinziehende Gegend uns einladet. Wir verlassen alsdann den +Bielergrund+ und ersteigen unweit des +Kanzelsteins+ den westlichen Thalrand. Auf einem Waldwege und durch den +hohlen Stein+, einen ausgehauenen Felsenweg, kommen wir bald nach +Markersbach+, das am +Schwarzbach+ in einem tiefen Thale liegt, und einst einen, vor beinahe zwanzig Jahren eingegangenen Eisenhammer hatte. Ungefähr eine halbe Stunde von dem Dorfe erhebt sich der +Hartstein+, auf dessen Gipfel wir das schon von manchen andern Standpunkten gesehene Landschaftbild gern noch einmahl betrachten. In dem großen Halbkreise, der sich von +Hohnstein+ und +Stolpen+ über die Gebirge bei +Königsbrück+ und die Anhöhen um +Meißen+ bis zum +Geisingberg+ und +Sattelberg+ zieht, hebt sich besonders der Zug des Rebengebirges von +Pillnitz+ bis +Meißen+ hervor. Gegen Südwest sehen wir die nahen Gränzdörfer +Höllendorf+ und +Peterswalde+, durch welche die Straße von Dresden nach +Teplitz+, +Karlsbad+ und +Prag+ läuft.
Wir sind hier an der früher (s. S. 7.) angedeuteten Gränze, wo das vorherrschende Sandsteingebirge mit einer andern Gebirgart wechselt. Der südliche Abhang des Erzgebirges zwischen der Freiberger Mulde und der Elbe, den wir hier berühren, besteht größtentheils aus Gneis, der auf Granit liegt. Die Umgegend war im August und September 1813 der Schauplatz vieler blutiger Gefechte. Wer nicht durch den anmuthigen +Oelsengrund+ zu dem Städtchen +Gottleube+ wandern will, folgt vielleicht der Landstraße, die nach +Gießhübel+ führt. Die kräftige, schon in frühern Zeiten viel besuchte Heilquelle dieses Städtchens, das in einem sehr anmuthigen Thale liegt, ist seit 1822 neu gefaßt worden, und überhaupt hat der jetzige Besitzer bei der neuen Einrichtung des Bades und der Verschönerung der Umgebungen so viel Sorgfalt und Geschmack gezeigt, daß der Aufenthalt für die Kranken, die hier Heilung suchen, und für Naturfreunde neue Annehmlichkeiten erhalten hat. Es gibt in der Nähe mehre ausgezeichnet schöne Gegenden, die eines Besuches werth sind, i. B. der +Felsberg+, der +Hohenstein+, der +Jagdstein+, die theils durch reizende Aussichten, theils durch mahlerische Felsenbildungen anziehen. Wir begnügen uns mit diesen Andeutungen[11], und treten den Rückweg an. Folgen wir dem Laufe der +Gottleube+, so kommen wir in die +Zwiesel+, wo eine Mühle und einige Häuser an heitern Bergwiesen liegen. Bald aber umfängt uns ein wildes Felsenthal, das der Bach durchrauscht; der Pfad schlingt sich durch dunkle Waldschatten bis zur einsamen +Buschmühle+, und kaum sind wir eine Viertelstunde weiter gegangen, so sehen wir den +Langhennersdorfer Bach+ zwischen Sandsteinfelsen, die von Baumgruppen umgeben und mit dunklem Wintergrün bekleidet sind, 80 Fuß hoch auf wild zerstreute Blöcke herab stürzen, wo der gebrochene Wasserfall zur +Gottleube+ strömt. Eine Felsentreppe führt am Wasserfall auf die Höhe. Seitwärts öffnet sich eine Höhle, das +Zwergloch+, die tief in den Felsen läuft.
Wir wenden uns von hier zu dem Hammerwerke +Brausenstein+ am +Bieler Grund+, und gehen durch dieses Thal über +Königstein+, oder über +Rosenthal+ nach +Schandau+ zurück.
[11] Mehr über Gießhübel, die neue Einrichtung des Bades und die reizenden Umgebungen, in dem die Abendzeitung begleitenden Wegweiser im Gebiete der Künste und Wissenschaften 1822, St. 55 u. 56.
X. Reisen nach Böhmen.
Wir haben die Wanderungen, die wir von +Schandau+ aus, als dem Mittelpunkte eines großen Kreises, machen wollten, nun vollendet, und bis auf die Gegend, welche wir auf dem Rückwege nach +Dresden+ besuchen werden, das ganze meißnische Hochland bereiset. Bei längerm Aufenthalte in +Schandau+ aber werden wir uns auch in Böhmens reizende Thäler hinüber locken lassen. Eine Reiselinie in die nordöstlichen Gegenden haben wir bereits (S. 96.) angedeutet. Weit anziehender aber sind zwei Reisen, wozu wir, von +Schandau+ aus, nicht mehr als eine, bis anderthalb Tagereisen brauchen.
1. Reise durch den obern Kirnitschgrund zum Tollenstein.
Wir gehen in 4 Stunden nach +Hinterhermsdorf+ (S. 115.), wo wir übernachten, und am folgenden Morgen kommen wir auf dem früher (S. 116.) angedeuteten, sehr anmuthigen Wege an das Ufer der +Kirnitsch+. Der Wald wird dichter; hohe Felsenwände steigen empor, unter welchen einige, zu +Hinterhermsdorf+ gehörende Häuser unter Obstbäumen liegen. Unser Weg geht aufwärts am Bache, und führt uns zu einem einsamen, zur böhmischen Herrschaft +Kemnitz+ gehörenden Jägerhause, +der Jäger+ genannt. Bald sehen wir uns wieder von mahlerischen Felsen umgeben, an deren Fuße der Bach hinab rauscht, und unter reizenden Abwechselungen führt uns das bald offene, bald wieder von hohen bewaldeten Wänden eingeschlossene Thal über die Dörfchen +Khaa+ und +Langengrund+ zu dem freundlichen Städtchen +Schönlinde+, wo das Thal der, hier entspringenden +Kirnitsch+ sich in eine anmuthige Gegend öffnet. Das freundliche Städtchen, das Zwirnmanufacturen und ansehnliche Bleichen hat, und viele Wechselgeschäfte für den innern Verkehr treibt, liegt dritthalb Stunden von +Hinterhermsdorf+, in einem heitern Thale, welches ein Gebirgkranz einfaßt, der von +Rumburg+ längs der Lausitzer Gränze läuft. Ueberall sehen wir in diesem einspringenden Theile des Leitmeritzer Kreises die Spuren reger Betriebsamkeit. In dem großen Dorfe +Niedergrund+, das sich in einem langen Bogen durch das Thal zieht, ist eine bedeutende Manschestermanufactur und eine ansehnliche Kattunfabrik, deren Erzeugnisse neuerlich durch Walzendruck zu höherer Vollkommenheit gebracht worden sind, jedoch nur im Inlande abgesetzt werden. Wir kommen bald auf die von +Rumburg+ nach Prag führende Straße, und immer reizender wird die Landschaft, über welche die hohen Rücken der Lausitzer Gebirge hervor ragen. Das Städtchen +Georgenthal+, anderthalb Stunden von +Schönlinde+ liegt freundlich am Abhange des +Kreuzberges+, und hat seinen Nahmen von Georg von Schleinitz, der es im 16ten Jahrhundert erbaute. Auf der Spitze des Berges steht die Georgskapelle, ein viel besuchter Wallfahrtort. Eine Viertelstunde südlich von der Stadt, nahe an der sogenannten +Kaiserstraße+, erheben sich auf einem steilen, meist nackten Porphyrfelsen die Trümmer der Burg +Tollenstein+, die im Mittelalter dem mächtigen Geschlecht +Schleinitz+ gehörte, das in diesem Theile Böhmens und im angränzenden Meißen ansehnliche Güter (s. S. 73.) besaß. Im Jahre 1337 und vollends 1475 wurde das Schloß, auf Befehl des Kaisers, von Zittau’s Bürgern mit Hilfe der Schlesier zerstört. Man sieht noch einige verfallene Ringmauern, mehre Keller und Thürme. Gegen Mittag ist das Hauptthor. Westlich ruhen die Burgmauern auf Felsen. Südwestlich hinter der Burg ragt der hohe +Dammberg+ empor. Das Volk erzählt sich allerlei Sagen von wunderbaren Schätzen, die besonders im nahen +Meisengrunde+ verborgen sein sollen.
Wir haben von hier noch anderthalb Stunden bis zu dem sächsischen +Waltersdorf+, einem ansehnlichen Weberdorfe, am Fuße der +Lausche+, und auf dem, durch herrliche Aussichten anziehenden Wege über +Johnsdorf+ und den +Johnsberg+ kommt man von +Waltersdorf+ in 2 Stunden auf den +Oybin+. Wir aber kehren von +Georgenthal+ entweder auf dem angegebenen Wege über +Schönlinde+ und +Hinterhermsdorf+, oder auch über +Lichtenberg+, +Carlstein+ und +Hirnischkretschen+ nach +Schandau+ zurück, oder machen den anziehenden Umweg über +Rumburg+, +Ehrenberg+, +Zeidler+, und die +Thomschenke+ nach +Lichtenhain+, oder von +Ehrenberg+ durch das Kirnitschthal nach +Hinterhermsdorf+.
Wollen wir die Reise nach +Tetschen+, das 3 Meilen vom +Tollenstein+ entfernt ist, mit dieser Wanderung verbinden, so gehen wir von +Georgenthal+ zu dem freundlichen Marktflecken +Kreybitz+. Wir sind hier am Fuße des nach Ost und Südost laufenden Zuges der sächsisch-böhmischen Sandsteingebirge, der vom Hochwalde bis an die Elbe gegen 7 Meilen lang ist und das Elbgebirge mit dem Sandsteingebirge um +Zittau+ verbindet. Der Sandstein wird in diesem Landstriche zuweilen von andern Gebirgarten, bald von Hornstein und bald von Granit, am häufigsten von Basalt unterbrochen, bei +Kreybitz+ aber sehen wir wieder die, dem Sandsteine eigenen nackten, zerrissenen Felsenbildungen aufsteigen, die sich hier durch mehre schroffe Seitenthäler fortsetzen. Der +Tannenberg+, wo wir einen großen Theil der Oberlausitz und Schlesiens überschauen, und der +Kaltenberg+, auf dessen Gipfel wir bis +Königstein+ sehen, ragen unter den umliegenden Bergen hervor. Wir gehen weiter über +Wendisch-Kemnitz+ am Fuße des +Rosenbergs+, dessen schöne Kuppe wir auf unsern frühern Wanderungen von so vielen Standpunkten erblickt haben. Der kegelförmige Berg steigt ziemlich steil hinan, aber reich ist die Aussicht, die zwischen den Buchen, die seinen Gipfel krönen, sich uns öffnet. Die Abhänge sind mit schwarzgrauem Basalt bedeckt, der auf der Sandsteinkuppe in vesten, fünf- und sechsseitigen Säulen zu Tage ausgeht. Der Lauf des +Kemnitzbaches+, der den Fuß des Berges bespült, zeigt uns den Weg nach +Hirniskretschen+, setzen wir aber unsre Wanderung in südwestlicher Richtung fort, so kommen wir bald auf eine Höhe, wo wir +Tetschen+ und das reizende Elbthal erblicken.
2. Reise von Schandau nach Tetschen.
Wir brauchen zu dieser Wanderung nur eine Tagereise, und kommen auf der Elbe, oder auf einem der oft angegebenen Wege nach +Hirniskretschen+. Längs dem Strome hinan gehend, bleiben wir, ehe wir das +Belvedere+ (s. S. 66.) erreichen, vor der Oeffnung stehen, wo der +dürre Grund+ sich hinabsenkt, und finden uns reichlich belohnt, wenn wir dem Thale bis zu der Mühle folgen, die wir zwischen ungemein mahlerischen, frisch begrünten Felsen eingeklemmt sehen. Wir setzen den Weg an der Elbe fort. Oberhalb +Elbleiten+ liegt jenseit des Flusses zwischen schroffen und dürren Felsen das Dorf +Niedergrund+, wo das östreichische Gränzzollamt, oder die zweite Elbzollstätte stromabwärts ist, und die Prager Handels- und Schiffahrt-Assecuranz-Gesellschaft seit 1822 ihren Sitz hat, wiewohl gegen die Wahl dieses Ortes als Zollstätte und Umladeplatz, besonders wegen der, aus der Lage desselben hervorgehenden Schwierigkeiten einer Verbindung mit dem Innern Böhmens, gegründete Einwendungen gemacht worden sind. Von hier kommen wir in 2 Stunden nach
Tetschen,
das ungemein anmuthig auf dem rechten Elbufer am kleinen Flusse +Polzen+ im Leitmeritzer Kreise liegt. Das Städtchen, schon im 12ten Jahrhundert als Veste bekannt, gehörte mit der gleichnahmigen Herrschaft um die Mitte des 11ten Jahrhunderts den mächtigen Berka von Duba und Leipa, fiel aber nach der Schlacht am weißen Berge bei Prag, wo der damahlige Besitzer, Rudolf von Bünau, nach Sachsen flüchtete, an das gräfliche Haus von Thun, das es noch besitzt. Ein hoher Sandsteinfelsen über der Stadt trägt das schöne Schloß, das theils gegen Ende des 17ten Jahrhunderts, theils erst im vorigen Jahrhunderte neu erbaut wurde, eine aus dem Felsen gehauene, 936 Fuß lange und 32 Fuß breite Einfahrt und einen, über 70 Klafter tiefen Felsenbrunnen hat. Die Büchersammlung ist ziemlich ansehnlich und die Rüstkammer reich an alten Waffen. Ein Lustgarten umgibt das Schloß, und das Ganze wird von dem geschmackvollen Besitzer immer mehr verschönert. In dem Städtchen, das 1600 Einwohner, eine Kattundruckerei, Baumwollenspinnerei, und viel Handel und Schiffahrt hat, besuchen wir die, im 17ten Jahrhundert erbaute, Lorettokapelle auf dem schönen Marktplatze, die Sakristei in der Stadtpfarrkirche mit guter Bildhauerarbeit, und den Wasserthurm, wo ein vom Mühlbache getriebenes Rad über 40 Eimer füllt und eine in den Schloßgarten geführte Röhre sich ausgießt. Der Fluß +Polzen+, der hier in die Elbe fällt, hebt gewöhnlich im Frühlinge zuerst die Eisdecke des Stromes und veranlaßt dadurch die Ueberschwemmung in Sachsen, während die Moldau bei Prag noch zugefroren ist. Die seit 50 Jahren bekannte Heilquelle, das sehr gut eingerichtete +Josefsbad+, liegt nahe bei dem Dorfe +Weyer+.
Wir sind hier in einer Gegend, die man mit Recht Böhmens Paradies nennt, und gewiß ist kein Theil des Elbthales schöner, als das Uferland von +Tetschen+ bis +Aussig+, wo zwischen mahlerischen Felsengestalten ein reizendes, fröhlich geschmücktes Gelände sich durchschlingt, und hier Felsenstirnen mit Burgtrümmern, dort Weinberge mit Winzerhütten, dort freundliche Dörfer mit ihren Kirchthürmen sich in dem still bewegten Strome spiegeln, den Schiffe und leichte Kähne beleben. Alles ladet uns ein, in dem Städtchen länger zu verweilen, wo ein guter Gasthof uns alle Bequemlichkeiten darbietet. In der Nähe und Ferne locken uns reizende Gegenden. Wir besuchen die anmuthige Meierei +Liewerda+, 3 Viertelstunden von +Tetschen+. Der 2 Stunden entfernte +Schneeberg+ (s. S. 126.) ist von hier am bequemsten zu besteigen. Wir gehen durch +Tichlowitz+, eine Meile aufwärts am rechten Elbufer, zum +Zinkenstein+, auf dessen Gipfel wir von sieben verschiedenen Standpunkten die bezauberndsten Aussichten genießen. Auf dem halben Wege nach +Aussig+, eine Viertelstunde ostwärts von der Elbe, erhebt sich unweit des Dorfes +Nieder-Welhottin+ der schroffe +Spaltenstein+, eine auf grauem Sandstein aufsitzende, dreimahl gespaltene Basaltkuppe, die aus Laubholz- und Tannenwipfeln, gegen 700 Fuß hoch über der Elbe, mahlerisch hervor ragt. Nicht weit von hier ziehen sich am Elbufer die +Podskalsky+-Weinberge nach +Aussig+ hinan, die einen, im ersten Jahre wie Champagner schäumenden weißen und rothen Wein liefern. Oberhalb +Aussig+, das auf dem linken Elbufer liegt, erhebt sich der +Schreckenstein+, ein nackter Porphyrfelsen, dessen von den Hussiten zerstörte Burg auf das blutige Schlachtfeld hinabschaut, wo im Brachmonat 1426 gegen 12000 Meißner und Thüringer, die Friedrichs des Streitbaren großherzige Gemahlinn, Katharina, zum Schutze des Vaterlandes gesammelt hatte, im Heldenkampfe erlagen.
Haben wir uns verleiten lassen, so weit unsere Wanderung fortzusetzen, so miethen wir in +Aussig+ einen Kahn, der uns nach +Schandau+ zurück bringt.
Dritter Abschnitt.
Rückreise nach Dresden.
Wir verlassen +Schandau+ bei Tagesanbruche und wenn wir in einer Gondel hinabschwimmen, landen wir in einer Stunde bei +Halbstadt+, dem Städtchen +Königstein+ gegenüber. Wir sind hier unter dem
Lilienstein,