Part 6
Durch den Ausfall steigen wir in die Tiefe hinab, und kommen über einen von alten Mauern umschlossenen Rasenplatz, der einst die Wirthschaftgebäude enthielt, auf eine Felsenebene, wo wir auf einem günstigen Standpunkte in die furchtbare Tiefe des +Bärgartens+ hinab schauen, und jenseit des Thales den +Hockstein+ empor ragen sehen. Der +Bärgarten+, wohin sowohl vom Schlosse, als von dem Städtchen ein Weg führt, wurde 1609 angelegt, um hier Bären, deren es damahl noch in den umliegenden Wäldern gab, aufzubewahren. Auf der, nach dem Städtchen gekehrten Seite waren die Fänge angebracht, durch welche die Bären in Kasten gelockt wurden, so oft sie zu den Thierhetzen in Dresden und Sedlitz gebraucht werden sollten. Auf der untern Seite befand sich ein Wasserhaus mit großen Rädern, um die starken Eisengitter aufzuziehen, die den Bären den Ausgang sperrten. Die Thiere pflanzten sich hier über 150 Jahre fort, bis sie endlich, da sie zuweilen die Felsenumgebungen überstiegen und den Umwohnern gefährlich wurden, um das Jahr 1756 erschossen wurden. Hier ward auch der gezähmte Bär aufbewahrt, den August II. aus Polen mitgebracht, und in seinem Zimmer erzogen hatte, bis endlich das erwachsene Thier den König bedrohte, der es einst im gefährlichen Kampfe mit dem Hirschfänger verwundete, und dann in den +Bärgarten+ verbannte.
Die zu dem Schlosse gehörende Landwirthschaft ist schon seit langer Zeit vor das Städtchen verlegt worden, und bildet ein ansehnliches Kammergut, das einer der ersten Sitze der veredelten Schafzucht in Sachsen war.
Dem Schlosse gegenüber erhebt sich, ganz abgesondert von den umliegenden Felsenwänden, der
Hockstein,
ein steiler über 500 Fuß hoher Sandsteinfelsen, im Hintergrund des +Polenzthales+, worein wir von +Hohnstein+ hinab steigen. Wir kommen hier über die, durch +Hohnstein+ laufende Gränze, wo Granit und Sandstein sich scheiden. Dem Wege folgend, der das Thal durchschneidet, sehen wir, hoch über uns, eine im Jahre 1821 angelegte kühne Brücke, welche über eine tiefe Schlucht gespannt ist, um den Hockstein mit einem andern Felsen zu verbinden. Durch diese Anlage, die man den preiswürdigen Bemühungen des königlichen Forstbeamten in Hohnstein, Herrn von Carlowitz verdankt, ist der Felsen zugänglicher geworden, dessen Erklimmung seither sehr beschwerlich war. Man mußte auf dem Wege von +Rathewalde+ den steilen +Wartenberg+ hinab gehen, um aus einer tiefen und engen Felsenschlucht, dem +Kohlicht+, den Felsen zu erklettern; eine Oeffnung am Fuße des Felsens bildete den einzigen Zugang zu dem Gipfel, den man in einem, die ganze Höhe des Felsens theilenden engen Spalt, wo nur eingehauene Falze, wahrscheinlich Ueberreste alter Bevestigungen, das Klettern erleichtern, mühsam ersteigt, bis man endlich auf einen freien Platz tritt, der nur auf drei Seiten von Felsen eingeschlossen, auf der vierten in einen Abgrund stürzt; von hier aber mußte man noch eine 40 Fuß hohe steile Wand erklimmen, um auf den freien Gipfel zu gelangen. Die 12 Ellen lange Brücke, welche über die, gegen 75 Ellen tiefe Schlucht zum sogenannten +kleinen Hockstein+ und von diesem auf die Straße nach +Rathewalde+ führt, erleichtert den Besuch des Felsens, wohin man nun am bequemsten von +Rathewalde+ oder +Lohmen+ geht. Von der Brücke führen zwanzig in den Felsen gehauene Stufen auf den höchsten Gipfel. Die 150 Schritt lange und 60 Schritt breite Fläche der Felsenkuppe zeigt uns auffallende Spuren ehemahliger Bewohnung, z. B. ein Wasserbehältniß, breite in ein großes Behältniß führende Stufen, und die Ueberreste eiserner Haken an der äußersten Spitze eines zugänglichen, kühn vorspringenden Felsenhornes, wo man, außer einem Mühlenspiel, wie man es auf Damenbretern findet, auch Nahmen ausgehauen sieht. Wahrscheinlich gehörte der +Hockstein+ als Warte zu dem benachbarten +Hohnstein+, und jene Haken dienten vielleicht zu einem Hebewerke, das den einsamen Bewohnern des Felsens ihre Bedürfnisse heraufbrachte. Diese Verbindung gab ohne Zweifel Anlaß zu der ungereimten Sage, die beide Felsen durch eine lederne Brücke vereinigt. Die Aussicht vom Gipfel umfaßt eine Landschaft, wo über Felsenschluchten und Waldwipfel der +Königstein+ hervor schaut, während gegen Mitternacht die +Polenz+ aus einem freundlichen Thale in ein wildes Felsenbett hinab fließt.
Zu der eben beschriebenen Wanderung und dem nächsten Rückwege über +Hohnstein+ brauchen wie ungefähr 7 Stunden, und wer vom +Hockstein+ auf dem früher (S. 41.) angedeuteten Wege durch den +Amselgrund+ nach +Schandau+ zurück kehren will, hat einige Stunden mehr nöthig. Ein dritter, sehr anziehender aber längerer Rückweg führt über den +Waizdorfer Berg+, +Gosdorf+ und den +Kikelsberg+, den +tiefen Grund+ und den +Ochelgrund+. Wir werden diesen Weg in der Folge erst beschreiben, und wollen an die vorgeschlagene Wanderung die Reise nach +Stolpen+ knüpfen. Diejenigen, welche den +Hockstein+ früher schon besucht haben, und den geraden Weg von +Hohnstein+ wählen, brauchen zur Ausführung dieses Reiseplans, mit Einschluß des Rückweges, eine Tagereise. Wir kommen von Hohnstein auf einem angenehmen Wege nach +Heeselicht+ und weiter über +Langenwolmsdorf+, in dritthalb Stunden nach
Stolpen,
das am Abhange eines Basaltberges liegt, auf dessen Kuppe, 1010 Paris. Fuß über dem Meere, das alte Schloß mahlerisch sich erhebt. Die Stadt, die 1000 Einwohner zählt, welche sich meist von Landwirthschaft und Brauerei nähren, verdankt dem König eine 1789 angelegte Wasserleitung, die das Wasser eine Stunde weit führt, und eine Inschrift am Ausgusse der Hauptröhre rühmt diese Wohlthat. Auf dem Markte sehen wir ein, im Jahre 1818 am Tage der Jubelfeier des Königs errichtetes Denkmahl, das aus erlesenen, 7 Ellen hohen Basaltsäulen besteht, die eine obeliskenförmige, von einem metallenen Eichenkranze umschlungene Gruppe bilden, deren oberste Säule durch seltene Größe und Stärke sich auszeichnet. Eine Inschrift auf einem, an die Säulen gelehnten Granitblocke spricht die Widmung des Denkmahls aus, das ein Kreis von kleinen Basaltsäulen, den vier junge Eichen beschatten, umschließt.
Der hiesige, wegen seiner regelmäßigen Säulengestalt berühmte Basalt, zieht die Aufmerksamkeit des Naturfreundes vorzüglich an. Wir dürfen nur einen Blick umher werfen, um uns zu überzeugen, in welcher Reichhaltigkeit diese Massen sich hier finden, da außer dem großen Schlosse, auch die Mauern der Stadt, die Stadtkirche und das Straßenpflaster von Basalt sind. Der Berg, auf dessen Kappe die Säulen hervor ragen, läuft von allen Seiten sanft an, bis er an der Stelle, wo der Basalt zu Tage ausgeht, sich steil erhebt. Der Basalt ist auf einem ziemlich grobkörnigen Granit gelagert, doch lassen sich die Gränzen, wo dieser aufhört, und die hervorragenden Basaltsäulen anfangen, nicht genau bestimmen, und man kann dieselben nur bei dem Anfange des steilern Ansteigens, wo man keinen Granit mehr findet, vermuthen. Der Basalt zieht sich um das Schloß in dicht an einander stehenden Säulen, die im Durchmesser 6, 8, 10 bis 12 Zoll haben, zwar zuweilen über 12 Ellen lang zu sein scheinen, aber in dieser Länge senkrecht, oder auch gebogen auf einander stehen, da man keine über 7 bis 8 Ellen lange Säulen zu Tage ausgehend findet. Die meisten sind sechsseitig. Die schönsten zu Tage ausgehenden Säulen sieht man im Thiergarten und im ersten Schloßhofe. Der Basalt ist schwärzlich, auf dem Bruche uneben, mit Zeolith, kleinen Hornblendekristallen, seltner mit Olivin, Hornstein und Augit vermischt, und zeichnet sich durch starkes Polarisiren aus. Nach des Schottländers Macdonald[7] Bemerkung, hat der Basalt zu +Stolpen+ in seiner Masse viel Aehnlichkeit mit dem Basalte in der Fingalshöhle zu +Staffa+, und besonders fand er die querliegenden Basalte im Schloßbrunnen den Säulen auf dem südwestlichen Theile von Staffa ungemein ähnlich. Der Basalt wird gebrochen, und besonders auch zu Amboßen, und Schlagsteinen für Buchbinder benutzt.
Das Schloß, das wir nun besuchen, ist älter als die Stadt, sorbischen Ursprungs und kam nebst dem Städtchen, das in frühern Zeiten +Jokrim+ hieß, und in der Gegend des nahen Dorfes +Altstadt+ lag, im Jahre 1222 an die Bischöfe von Meißen, die sich um den Anbau dieser Gegend große Verdienste erworben haben. +Stolpen+ blieb seitdem dem Bisthum eigen und wurde in der Folge der beständige Wohnsitz der Bischöfe. Im 15ten Jahrhunderte verwüsteten die Hussiten das alte Jokrim, und der Ort ward alsdann am Fuße der Burg wieder aufgebaut, und nach dieser benannt. Eine blutige Fehde zwischen dem meißnischen Bischofe und dem Rittergeschlechte Carlowitz, gab im Jahre 1559 dem Kurfürsten August Anlaß, sich der Burg zu bemächtigen, die seitdem landesherrliches Besitzthum blieb. Seit dem Jahre 1716 bewohnte die Gräfinn Cosel, Augusts II. verstoßene Geliebte, das Schloß, und zwar anfänglich den Johannisthurm, späterhin bequemere Zimmer, bis sie im Anfange des siebenjährigen Krieges daselbst starb. Die Preußen nahmen 1756 die unbeschützte Veste ein, die darauf zerstört und endlich 1787 ganz abgetragen wurde. Während des Feldzugs 1813 wurde +Stolpen+ in die Linie gezogen, durch welche Napoleon seine Stellung an der Elbe deckte.
Die vier Höfe des Schlosses, das unmittelbar auf den Säulen des Basalts sich erhebt, sind durch Brücken verbunden. In dem ersten Hofe, oder der sogenannten Klengelsburg, sehen wir ein, in den Basalt gebrochenes Wasserbehältniß, und den ehemahligen bischöflichen Marstall, wo jetzt das Amtsarchiv und einige Ueberreste der Altäre und Verzierungen der abgetragenen alten Schloßkirche aufbewahrt werden. Man zeigt uns in der Nähe das furchtbare Gewölbe, das vor Zeiten die Marterkammer war. In diesem Hofe fiel am 8. September 1756 der erste feindliche Schuß, der den siebenjährigen Krieg eröffnete, als der preußische Generalmajor Warneri, der das Schloß mit seinen Husaren überrumpelte, den sächsischen Befehlhaber der Veste, welcher eben im Begriff war, seinen Degen abzugeben, durch einen Pistolenschuß tödlich verwundete. Aus dem zweiten Hofe führt eine Brücke längs schöner Basaltsäulen zu einem doppelten Thore. Durch das erste Thor kommen wir zu einem schmalen Gange, der zu einem unterirdischen Kerker führt, worein die Gefangenen durch ein Loch hinabgelassen wurden. Das zweite Thor führt uns in den Hof selbst, und wir erblicken links den +Johannisthurm+, den wir besteigen, um eine, nach Mitternacht und Morgen reiche und anziehende Aussicht zu genießen. In dem vierten Hofe sieht man die Ueberreste der alten Schloßkirche und den Basaltbrunnen. Dieser merkwürdige, in seiner Art einzige Brunnen wurde im Jahre 1608 angefangen, und in den durch Feuer erweichten Basalt 287 Fuß tief gebrochen, bis man nach einer Arbeit von 22 Jahren Wasser fand, das in der Folge 7 bis 8 Ellen stieg und wechselweise wieder fiel. Seit dem Ueberfalle der Burg durch die Preußen im siebenjährigen Kriege, bei welchem diese alte eiserne Kanone, Gewehre und Kugeln in den Brunnen stürzten, ist er bis auf beinahe drei Viertheile seiner ehemahligen Tiefe verschüttet. Der von Naturforschern oft ausgesprochene Wunsch, den Brunnen geräumt zu sehen, um die seltene Gelegenheit zur Untersuchung des Innern eines Basaltberges benutzen zu können, möge hier 45 Jahre nach dem Ersten, der ihn dringend aussprach[8] wiederhohlt werden.
Auf dem Rückwege vom Schlosse gehen wir über den Kirchhof, wo sich das dem Geschichtschreiber Stolpens, dem verstorbenen Pfarrer Gerken errichtete Denkmahl auszeichnet, zu dem +Thiergarten+. Kurfürst August bestimmte diesen Platz ursprünglich zu einem Obstgarten, welchen er aber, als die Anpflanzung mißlang, in einen Thiergarten verwandelte, wohin er weiße Hirsche und andere seltene Thiere versetzte. Auch von dieser Anlage ist längst keine Spur mehr übrig. Den Weg am Fuße des Schloßberges fortsetzend, verweilen wir einen Augenblick bei dem Basaltbruche, wo wir die regelmäßigsten Säulengestalten erblicken, und gehen dann weiter zu der sehenswerthen königlichen Schäferei, welche mit dem nahen Vorwerke +Rennersdorf+ den Hauptsitz der veredelten Schafzucht in Sachsen bildet. Schon 1765 wurden, um die inländischen Schäfereien zu veredeln, über 200 spanische Stähre und Mutterschafe, von zwei spanischen Schäfern begleitet, nach Sachsen gebracht, und im Thiergarten aufgenommen. Späterhin (1778) wurde dieser Stamm durch einen Zuwachs von erlesenen Merinoschafen aus den beßten Heerden in Leon und Castilien vermehrt und zur Erweiterung der Zuchtanstalt auch in +Lohmen+, +Rennersdorf+ und +Hohnstein+ Schäfereien angelegt. Die Schäferei in +Stolpen+ hat seitdem durch fortgesetzte Sorgfalt einen vorzüglich feinwolligen Stamm erhalten. Von hier wurde die Schäferei in +Lohmen+ veredelt, die sich in der Folge selbst fortpflanzte, und noch immer wird aus dem Stamm im Thiergarten die Zuchtanstalt in +Rennersdorf+ verbessert. Die Stammschäferei in +Stolpen+, ist die einzige ursprünglich spanische Schäferei in Sachsen, und Spanien selbst, behauptet man, habe jetzt keine Heerde mehr aufzuweisen, die dem 1765 nach Sachsen gekommenen Stamm vollkommen gleich wäre. Sie hat auf die Veredlung der Schafzucht in Sachsen, und dadurch auf Landwirthschaft und Gewerbfleiß überhaupt, wohlthätig eingewirkt, da von 1779 bis 1811 über 10,000 Stähre und Mutterschafe an andere inländische Schäfereien gegen vestgesetzte sehr billige Preise abgegeben wurden. Das Kriegsjahr 1813 hat zwar auch dieser Anstalt, besonders den Schäfereien zu +Stolpen+ und +Rennersdorf+, großen Verlust gebracht, den man jedoch seitdem zu ersetzen eifrig und mit Erfolg bemüht gewesen ist.[9]
[5] S. Götzingers angeführtes Werk.
[6] Seine Geschichte erzählt +Engelhardt+ in den Denkwürdigkeiten aus der sächsischen Geschichte, Bd. I. S. 1. ff.
[7] In einer Anmerkung zu +Wiedemann’s+ Uebersetzung von Faujas de Saint Fond’s Reise durch England, Schottland und die Hebriden. Band 2. (Göttingen 1799. 4) S. 36.
[8] Mineralogische Geographie der chursächsischen Lande, von +J. F. W. Charpentier+ (Leipzig 1778. 4.) S. 37.
[9] S. Ueber die spanischen Schäfereien bei Stolpen, zu Rennersdorf und zu Lohmen -- im 18ten u. 19ten Stück des Gouvernementsblattes für Sachsen (1814). In der schätzbaren Schrift des Freiherrn von +Ehrenfels+: Ueber das Electoral-Schaf (Prag 1822) findet man Manches über die sächsische Schafzucht, und Winke, die aller Beherzigung werth sind.
II. Reise in den Ochelgrund, auf den Waizdorfer Berg und den Kikelsberg.
Wir kommen auf dem nächsten Wege von Schandau über das +Kiefericht+ (s. S. 45.), die Straße nach +Altendorf+ durchschneidend, zur +Kohlmühle+ an der +Sebnitz+. Ein höherer Genuß aber erwartet uns, wenn wir am +Lachsbach+ hinauf gehen, und dann entweder durch den +tiefen Grund+ nach dem +Waizdorfer Berg+ und dem +Kikelsberg+ wandern und durch den +Ochelgrund+ zurück kehren, oder aber oberhalb der +Porschdorfer Mühle+ (s. S. 69.) an der +Sebnitz+ hinauf gehen, die uns aus dem Thale entgegen kommt. Wir folgen einem schmalen Pfade, welcher, von dichten Baumwipfeln und Gesträuchen beschattet, sich um die vorspringende Felsenecke der +Ochelwände+ windet, und uns in den
Ochelgrund
bringt. Bald umfängt uns ein erweitertes anmuthiges Thal, dessen heitre Wiesenmatten von prächtigen Felsenwänden umschlossen sind, die wie Trümmer empor ragen. Das Thal verengt sich wieder, und in reizender Abwechselung erheben sich die Felsen. Von einer glatten Wand, die wir rechts am Wege bemerken, stürzte vor mehren Jahren ein Felsenblock in den Bach herab, und hemmte dessen Lauf mit solcher Gewalt, daß Wasser und Fische an die jenseitige Wand geschleudert wurden. Zwischen hohen Felsenwänden hinauf wandernd, die aus einem gelblichen, zu Bausteinen untauglichen weichen Sandsteine bestehen, kommen wir zum +schwarzen Loch+ im +Mordgrunde+, wo wir in eine weite Höhle blicken. Der Bach rauscht zwischen üppigen Wiesen fort, und bald öffnet sich links der, von schönen Felsenwänden eingeschlossene +Kohlgraben+, durch welchen der Weg nach +Gosdorf+ läuft. Nicht weit von hier erblicken wir die +Kohlmühle+, wo wir an die, von +Waizdorf+ und +Hohnstein+ herabfallende Gränze zwischen dem Granit und Sandstein kommen, jenseit welcher wir, statt nackter Felsen, meist grüne Höhen finden, an deren Fuße schöne Wiesen sich zum Bache hinab senken.
Wir steigen die Anhöhe links hinan, und erreichen bald den +Hankenhübel+, der aus einer, in Basalt übergehenden Wacke besteht, die bald säulenförmig und bald tafelförmig in viele kleine Stücke zerfällt, womit auch die umliegenden Felder besäet sind. Große Basalthaufen bezeichnen den Weg zu dem nahen +Gosdorf+, wo wir im Lehngerichte Bewirthung und einen Führer finden, mit welchem wir das
alte Schloß
besuchen. Der Weg führt über Feldfluren und Waldboden auf eine schmale Erdzunge, welche, auf beiden Seiten dicht bewaldet, in tiefe Schluchten abstürzt. Wir kommen bald an eine Vertiefung, wo nach der Ueberlieferung die erste Zugbrücke gewesen ist, und weiter zeigt man uns die Stellen der zweiten und dritten Brücke, bis endlich der Bergrücken am Ende der schmalen Erdzunge, um deren Fuß der +Schwarzbach+ dem +Sebnitzbache+ zuströmt, zu einer weitern Rundung wird. Hier erblicken wir die Trümmer, die in dickem Gemäuer, Oeffnungen tiefer Gewölbe bestehen, und einen in den Granit gearbeiteten Brunnen. Man hat hier alte Pfeile und Spornen ausgegraben. Am Abhange des steilen Berges findet man wieder Ueberreste von Mauern, so wie auch unten auf der Wiese, die noch den Nahmen der Schloßwiese führt. Alles, was man von dieser Burg erzählt, beruht bloß auf Ueberlieferung, da die beglaubigte Geschichte durchaus keine Nachricht davon aufbewahrt.
Wir kehren über die Wiesen am +Schwarzbach+ nach +Gosdorf+ zurück, und besuchen zuerst den
Waizdorfer Berg,
wohin uns durch das Gebüsche der Weg führt, den eine seltsam verkrüppelte Fichte, der Ziegenstrauch genannt, bezeichnet. Linden krönen den Gipfel des Granitberges, der sich über dem Dörfchen +Waizdorf+ erhebt, wo es keine Sperlinge geben soll. Die Aussicht, die sich hier vor unserm entzückten Blicke öffnet, gehört zu den reizendsten und reichsten, die wir von irgend einem Standpunkte des Berglandes genießen. Alle Felsenthäler von +Liebethal+ bis +Hohnstein+, selbst der nahe +tiefe Grund+, der +Ochelgrund+ und das Elbthal sind von dunkeln Waldwipfeln verhüllt, aus welchen hier und da weiße Felsenspitzen hervor schauen. Von dem +Weifberge+ bei Hinterhermsdorf zieht sich über den +großen Winterberg+, den +Schrammstein+ und +Falkenstein+ bis zu den +Bärsteinen+ ein mächtiger Felsenbogen, über welchen der +Zschirnstein+ und am westlichen Gränzpunkt der +Königstein+ hervor ragt, von welchem nach +Dresden+ hin eine heitre Landschaft sich ausbreitet. Der +Kaltenberg+ mit den Trümmern des Schlosses +Chemnitz+, der +Rosenberg+, der Rücken des +Schneebergs+, der +Sattelberg+ und +Geiersberg+ mit dem benachbarten +Schönwalde+, der +Kahlenberg+ und +Geiersberg+ bei Altenberg und der von hier nach +Dippoldiswalde+ laufende Bergzug, der +Luchberg+ und +Hirschberg+ bilden den Hintergrund. Wenden wir uns gegen Abend und Mitternacht, so erblicken wir den +Augustusberg+ bei Königsbrück, die +Pulsnitzer+ Gebirge, näher den +Unger+ und gegen Morgen endlich Böhmens Gebirge. Oestlich von hier, unweit +Losdorf+, erhebt sich der
Kikelsberg,
welcher, wie der mit ihm zusammenhangende +Hankenhübel+, ein Basaltberg ist. Er steigt ziemlich steil empor, und ist überall mit Basaltstücken bedeckt. Am Abhange auf der Morgenseite ist ein offener Bruch, wo man sehr starke Säulen sieht. Dieser, dem Granit aufgelagerte Basalt ist von schwarzgrauer, ins Blaue spielender Farbe, von dichtem und unebenem Bruche und zuweilen ist Olivin, Augit, Hornblende und Zeolith sparsam eingemengt. Er findet sich theils in unregelmäßigen Stücken, theils in Säulen von 3, 4 und 5 Seiten, oder größern und kleinern Tafeln, oder auch kegelförmig. Die Aussicht von dem Gipfel ist nicht so reich, als wir sie auf dem +Waizdorfer Berg+ gefunden haben, nur ist sie offener und freier nach den Gegenden von +Neustadt+, +Sebnitz+ und +Hohnstein+.
Sind wir auf der Hinreise durch den +tiefen Grund+ gegangen, so wandern wir auf dem nächsten Wege durch den +Kohlgraben+ und den +Ochelgrund+ nach +Schandau+ zurück, und wenn wir auf dem +Birkicht+ oder +Adamsberg+ bei Altendorf, einem runden Hügel, über welchen unser Weg geht, einer reizenden Aussicht uns erfreut haben, gehen wir im Angesichte immer wechselnder Landschaftbilder, am Ufer der +Kirnitsch+ hinab. Wollen wir die beschriebene Wanderung zu einer Tagereise ausdehnen, so können wir vom +Kikelsberg+ über +Ulbersdorf+ erst auf den +Unger+ steigen und über +Lichtenhain+ zurückkehren.
III. Reise über Sebnitz und Neustadt nach dem Falkenberge und Unger.
Wir verbinden diese ziemlich langen Reiselinien, weil wir ihnen, den Rückweg über den +Unger+ mitgerechnet, folgen können, ohne mehr als eine Tagereise nöthig zu haben, wiewohl wir den Genuß erhöhen und zu einigen der anziehenden Abschweifungen, auf welche hingedeutet werden soll, Zeit haben würden, wenn wir wenigstens anderthalb Tage dazu bestimmten, und am ersten Tage in +Sebnitz+, oder besser in +Neustadt+ übernachteten.
Wir reisen von +Schandau+ entweder durch das Kirnitschthal über die +Lichtenhainer Mühle+, oder auf der Fahrstraße nach +Ottendorf+. Wählen wir den letzten Weg. Vom Bade gehen wir am rechten Ufer der +Kirnitsch+ den, auf die Anhöhe sich windenden Pfad, und verweilen auf dem +Grauen+, um uns einer ungemein anziehenden Aussicht zu freuen, die uns das Kirnitschthal mit seinen waldigen Felsenwänden, auf der jenseitigen Höhe das Dorf +Ostrau+, hinter ihm den +Schrammstein+, +Falkenstein+, das +Schrammthor+ und die +hohe Liebe+ zeigt. Wir kommen auf die sogenannte +hohe Straße+, die von +Schandau+ nach +Nixdorf+ in Böhmen führt, und das südlich hervor ragende Felsenland mit seinen mahlerischen Bergfernen in immer neuen Ansichten zeigt. Bei +Altendorf+ zieht sich links der nächste Weg nach +Neustadt+ über +Ulbersdorf+ und am Fuße des +Ungers+ hinauf. Wir folgen der hohen Straße nach +Mittelndorf+ und besteigen den seitwärts sich erhebenden runden Hügel, den +Pfarrberg+, wo wir die reizende Landschaft vom +Buchberge+ bei Sebnitz bis +Rathen+, vom +Unger+ bis zum +Winterberge+, ein herrliches Rundgemählde, überschauen. Von Morgen nach Mittag bilden die böhmischen Gebirge den Hintergrund und von Mittag gegen Abend erhebt sich der Bergzug vom +Schneeberg+ bis zum +Erzgebirge+. Der Weg zieht sich ansteigend nach +Lichtenhain+ fort, einem der ältesten Dörfer dieser Gegend, das auf einer anmuthigen Fläche liegt, wo sich uns ein neuer wunderschöner Standpunkt darbietet.
Wer von hier die östlich von +Schandau+ liegenden Felsengegenden besuchen will, geht hinter dem Dorfe den Weg zur +Lichtenhainer Mühle+ hinab, die sehr reizend am Fuße des +Hausberges+ im Kirnitschthale liegt, und verfolgt den Lauf der +Kirnitsch+, oder bleibt auf der hohen Straße bis oberhalb +Ottendorf+, wo südlich der Fahrweg in den +großen Zschand+ und östlich der Weg nach +Saupsdorf+ und +Hinterhermsdorf+ abläuft.
Wir verlassen die hohe Straße unweit +Ottendorf+, und erreichen bald das Dorf +Hertigswalde+, über welches der
Buchberg