Verfall und Triumph, Erster Teil: Gedichte

Part 6

Chapter 62,776 wordsPublic domain

In schönen Gegenden bald aufgegangen, Wir in den Wäldern, wir am Flusse stehn, Abwaschend unsere geschminkten Wangen: Als Engel groß wir durch die Räume gehn.

Wir sind die Heiligen, die euch beglücken, Mit unserem Atem löschend Brände leis. Nach den Gestrauchelten wir gern uns bücken, Wir bringen heim den irrgewordenen Greis.

O blicket auf! Wir fliegen über dem Geschwärle Der irdischen Mädchen, die zum Schluchzen schön, Wo brüllet laut der Biergesang der Kerle, Die gierig schwärmen wie der Lenze Föhn.

Frühlingsgesänge

I

Wir wallen, von Trompetenbraus umbrandet, Und unter Strahlen, die sich kreuzen schräg. Wir treiben los vom Fels, auf dem gestrandet, Wir nicht mehr hofften, daß ein Sturm fortfegt

Uns Wracks. In goldenen Äthers Glast gewandet Uns Adler öffnen den verworrenen Weg. Verhüllet noch von Dunst der Ufer Lande. Wir schwanken auf der Wogen jähem Steg.

Nochmals Musik in unerhörtem Schwalle! Die Arme strecket aus, begrüßend alle Auftauchend aus Verschüttung neue Stätte!

Noch klirren unter furchtbarem Krawalle Gewaltiger Kriege langer Donner Ketten. Doch Himmel, Himmel sinken, die uns retten.

II

Wir sind zermalmt für euerer Freuden Welt. Ja, unter Lobgesängen in der großen Stunde Wächst hoch zu Gott empor in ewigem Bunde Die Menschheit. Unserer Schmerzen Leib zerfällt.

Wir sind zermalmt für euerer Freuden Welt. Wenn Donner dröhnend in die Runde kracht, -- Kanonenfutter wir in letzter Schlacht -- Da unser Sturm an Salven breit zerschellt.

Im hellen Abende gehn blütenblaß Die Engel mit verwundenen Strahlenfächern. Sie führen schwarzes Volk aus dem Gelaß

Der Kerkerschluchten und aus Burgenlöchern. Es splittert grüner Himmel dünnes Glas. Die Ouvertüre rattert jubelnd-blechern.

III

Glorie der Freude in dem harten Glanz Des Tages. Tag, der jauchzend auferstanden! Da unsere Städte prasselnd niederbrannten, Leid, unser Leid -- in Nächte Feuer schwands.

Frisch wehet Luft. Die Gegend scheint gereinigt. Die weite Wiese sanfter Strom zerschneidet. Wir laben unsere Körper, schlimm gepeinigt, In mildem Bade, abendlich bereitet

Aus zarter Röte, dünnen Äthers Fülle. Wie lange lag mein heiliges Land doch brach! -- Ein alter Herr spaziert mit goldener Brille,

Dem tänzeln Knabenkinder kreischend nach. Die Straße, schmal von Grün besäumt und flach, Wirft sich empor. Signale stehen stille.

IV

Der Dichter, der die reichen Bürger haßt, -- o heiliger Tag! -- ward heute früh geschaßt. Die Erde, Erde dreht im Sonnenglast Und wölbt sich jauchzend hoch, ein Goldpalast.

»Ein wenig seid ihr alle aufgewacht, Seid atemlos ins helle Glück Entführte. Ein wenig seid ihr alle Aufgeschürte, Da dürftige Glut ward lodernd angefacht.

Ihr solltet in den kleinen Wolken baumeln, Als gelbe Schmetterlinge trunken taumeln! Wir werden unsere mürben Glieder schwingen,

Die wir noch mit der Auferstehung ringen, Daß uns die Lüfte ätzend-scharf durchdringen. Durch unsere Adern warme Länder raunen.«

V

Die große Glocke in die Runde tackt. Die Sonne hat das grobe Eis zerhackt. Gott füllt den Raum, ein leuchtender Smaragd. Vollbusig wackelt eine Kindermagd.

Vom Wirtschaftsgarten tutet ein Konzert. (. . . ein runder Flötenbläser alfredkerrt . . ) Der Kürassier klirrt mit dem Säbelschwert. Die Landschaft qualmt. Die Straße wird geteert.

Ein weißer Strom sich durchs Geklüfte zwingt. Den Gnadenfraß ein gelber Kranker schlingt. Ein heller Stern in trübem Schwall aufblinkt.

Vorm Spiegel sich das kleine Mädchen schminkt, Das bald vom hohen Turm aufs Pflaster springt. Am Himmel leuchtend sich ein Engel schwingt.

Kino

I

Das Warenhaus wird gleich zusammenstürzen. Die Löschfahrzeuge durch die Straßen flitzen. Es heult und zischt die große Feuerspritze. Das Warenhaus wird gleich zusammenstürzen.

Kurt schluckte einen Apfelsinenkern. Hofdamen ihre seidenen Schleppen raffen. Die Schwindsucht-Mutter kann es nicht mehr schaffen. Kurt starb an jenem Apfelsinenkern.

Volksmassen trümmern ein die Kirchenfenster Und kippen um die sanfte Straßenbahn. Um _Dagny aber heulen wir Gespenster,_ Ganz ausgefretzt von Morphium-Salvarsan.

II

Ein Polizist im Vorstadtviertel strolcht. Schon bröckelt aus der stählerne Kassenschrank. Das Liebespaar schläft selig auf der Bank. Ein Offizier ward in dem Park erdolcht.

Die stolze Festung sei im Sturm genommen! Die Hafenstadt zwing man zur Übergabe! Man trägt den Staatsminister nachts zu Grabe. In den Kasernen brüllen dumpf die Trommeln.

Mit Knall erfolgt jetzt eine Explosion. Die Arbeiter erklären stracks den Streik. Die Residenz ersäuft in Flammen schon. Der Kaiser heimlichst in ein Auto steigt.

III

Von Fahnen blühn die Gräber überdeckt. Zum Jahrestag macht man ein schönes Fest. Ein großer Chor die Marseillaise bläst. Man wird frühmorgens aus dem Schlaf geweckt.

Auf weitem Platze wird ein Zug gestellt. Die Säbel blitzen herrisch in der Runde. Ein Priester benedeit die Freiheitsstunde. Der Böller Schar im nahen Haine bellt.

Die Mädchen sind mit frischem Laub bekränzt, Sie schweben Engel weißlich, zart geneigt. Die Kathedrale in die Höhe glänzt. Ein Adler in die reinen Lüfte steigt.

Hymne an die ewige Geliebte

Als wir morgens aus Träumen auffuhren, War das kleine Zimmer voll Hyazintenduft, Die Mutter Gottes schwebte auf einem Silbernen Seile In der blauen Nacht, Schwarzen Gewandes, Nur die kleinen goldenen Schuhe glänzten Und das schmale Gesicht (. . . verwesungs-grün . . .). Christus aber brach aus der feuchten Wand Mit grünen aufgequollenen Füßen, Sich krümmend und heulend.

Unsere Straße baut sich immer höher empor Von den vielen Heimwegen. Das Trottoir glänzt, Die Pappeln rauschen, Die Bogenlampen zerwerfen sich, Der Spritzwagen der Straßenreinigungsgesellschaft Rattert herum, ein Mensch hängt immer Über einer Bank.

Du stehst mir bei in meinen Zusammenbrüchen, Ich stütze dich bei deinen Ohnmachten. Man hilft sich. Wir haben noch zwei Mark fünfundsechzig. (. . . Café -- Kino -- Automat . . .) _Wie herrlich leuchtet die Sonne in_ _Unser letztes Geschwank!! --_

Dein Gang schwebt im Gefäll der frühen Winde. An deinem Munde trink ich Leben, Tod. Dein Leib reißt Trunkenen mich zu Hölle, Grab. Dein Lächeln, das der Greisin, das des Kindes, Und deine Haare wie Gebüsche rot Voll Feuersbrunst. Dein Antlitz blaß-zernagt.

Der Weg steigt durch die Nächte hoch und frei, Am Ende er in Morgenröte sticht. Er schwebet in den Lüften wie ein Boot. Die Städte fallen um mit viel Geschrei. Hernieder saust des eisigen Monds Gewicht. Ein schwarzer Engel steht in Brand und loht.

Ich will dich in dem Bett, wo wir zu zweit Erwarten Gottes Stoß und Überfall, Warm decken mit des Mantels warmem Tuch. Da deine Augen fließen, Meere weit, Da wirbeln toll der Stürze Schaum und Schwall . . . Wir tun ergeben treu dem letzten Spruch.

Die Große Stunde

I

Daß meine Schritte deinen gleicher werden, Daß deine Male meinen Körper zieren, Daß deine Leiden heftig in mich dringen, Daß mich Verlästerung und Schande treffen, Bis mich Triumph aus ekler Not verklärt! Daß ganz dein Aug aus ewig lichter Sphäre In meinen Blick, in meine Art verwachs! Ich gab mich hin, ward voll in dich gelassen, Einst aufgesprungen groß aus deinem Blut Mir deine Worte brausen jetzt vom Munde. In deinem Sinn erwidere ich der Welt. Dein Wunsch dem Jünger Fügung und Gebot.

II

Du zürn mir nicht, wenn ich berauscht umarm, Erpresse dir Tribut von Bett und Glück, Wenn ich zurück mich aus den Tagen stürz Jäh hin verzweifelt -- falb an deine Brust: Zerhack mich Messer Strahl, durchzück mich Stoß! Da Körper ächzt, ein Wrack, das Hirn zerwirkt, Das Auge quillt, der rote Mund zerschleißt . . . Was soll ich Ärmster noch, wenn du mich nicht Zum Opfer annimmst, schwach und unscheinbar? Der nie noch Heimat fand, er schwankt im Sturm. Er heult auf Dächern deinen Namen weit. Dumpf wie ein Stier er brüllt und bäumt sich krumm.

III

Ich wart auf dich, wenn furchtbar schwirrt die Nacht. Wo hinterm Wald der Brünste Lohe steigt. Zu Funken stiebt den Brand dein Atemstrahl, Da auf den Berg du schwingest dich als Stern, Wo niederrutscht ins Tal der Wasser Fall. Ja überall im Dunkel schwebt dein Bild, Endlos wirkt deine Gnade, deine Güte weit, Weit wie das Meer und wenn in Abgrund taucht Mein Schiff und wirbelt um im Strudelschlund, Bleibt doch in Lüften hoch dein silberner Schrei, Dein Adlerschrei, _der mich Zerschlafenen weckt,_ _Das Steuer umreißt und den Bug hochschraubt._

IV

Ich fühlte mich im Traum mit dir vereint. Wir schlossen uns zum ewigen Bruderbund, Und schallt Trompetenschrei in grauser Nacht, Du wirst mich kämpfend dir zur Seite finden. _Das Kreuz muß leuchtend sich am Himmel zeigen._ _Das Kreuz soll aus den Gründen flammend steigen._ _Das Kreuz wird als Gespenst im Nebel wanken._ _Das Kreuz wird dämmern aus der Meere Glast._ Um das geheiligte Denkmal braust die Schlacht. Du streckest vor der Arme dünnes Schild. Die Lanzen knicken wie Schilfrohre ab. Dein Atem fegt die Höllischen hinweg.

V

Der späte Jünger sei nicht minder treu. Du hast dich herrlich um sein Schild geschrieben. Im Morgen schreiten blonde Engel aus, Die schwarzen Geister sind am Licht zerschellt. Du streifst vorbei im weißen Sonnenfluß, Du tost hinab in falbe Finsternis, Wo Weg zerschleißt, ein tückisches Gespenst. In starrer Zeit wir lernten dir vertrauen, Da Hoheit wich, Mord waltet und Verrat. Geharnischt züngeln um das Haus die Flammen. Wir tauen auf aus Haß, Verachtung. Schutt Von unserer Stirne bricht. (. . . o Lilienkranz! . . .)

VI

Gehässig zischeln auf wir. Reich die Hand! Wir dürfen singend über Trümmern schweben, Da Fels riß auf uns, Ebene rieb uns wund, Der Wald trieb ein den Stachel, Fluß grub spitz. Durch hohlen Körper drang dein weiches Licht, Auf die versengte Erde fiel dein Kuß. Du gehst behäbig still durch unsere Stadt, Du liest den Anschlag auf der Litfaßsäule, Im leichten Auto kommst du angeeilt. Schrill branden um uns Kinder Jammerschreie. Ein Weib ersäuft. Ein Arbeiter erstickt. Es schraubt die Nacht sich hoch. Tief krümmt sich Tag.

VII

Jetzt flacken wir zerknirscht vor dir im Staub. Die Helfer mögen uns nicht aufwärts raffen. Schon wandeln wir geruhig durch Ölbergs Garten, Da fern dein Kreuz sich wie ein Streitroß bäumt. Du stiebtest Retter aus Empörungsgrüften, Du schlugst des Mantels himmelblaues Tuch Um uns, trugst uns hinweg, die schwache Beute, Die Brut der Kinder aus verseuchtem Nest. Der Fels blitzt rot. Steil wächst die Mittagsstunde. Es schwillen Rufe aus der Unterwelt. Gesichter springen auf in Flammengarben, Dadurch die Engel mit Posaunen steigen . . .

VIII

_So ward der Irrfahrt Ende Lob und Preis._ Das Schiff schwenkt in den Hafen, froh geschmückt. Auf allen Plätzen flammt ein Feuerwerk. Der Berge Riesen springen jubelnd hoch, Die Wälder brennen und die Meere sprühen. Da regnet nieder farbenes Gefäll. Aus finsteren Schluchten tauchen Prozessionen. Es flattern Mäntel in den Lüften weiß. Gespanne sausen auf des Himmels Bogen. (Hoch wölben Strahlen über das Geklüft.) Du fährst voran dem großen Hochzeitszug. Die Erde donnert, klafft und bricht entzwei.

Die Geißler

Karl Otten, meinem Kamerad!

Hah! Wie der Eisen Wut im Leibe haust, Der zucket hin, der krümmt sich hoch als Brücke, Darunter Blut in hellem Strome braust. Ein Sturm auf spitzem Kopf sich Haare pflücket.

Sie tanzen zugewandt dem Firmament. Sie brechen heulend in die Kniee nieder. In ihrem Schlund, dem Krater, Lava brennt. Wie Raben scheuchen auf die düsteren Lieder.

Aus Mund und Nase gischtet weißer Schaum. Von falber Wange Schweiß und Tränen fließen. Sie schläfern hin in süßer Ohnmacht Traum.

Die Augen sie vor großer Helle schließen. Gräulich umstarrt von Helmenblitz und Spießen, Den Körper strecken sie am Marterbaum.

Drei geistliche Lieder

I

Wiedergeburt

Durch finsterer Straßen Gang, Der Schlöte Qualm und Gier . . . _Wir sind ohne Belang,_ Wir angehören dir. Du hüllest die Geschwulst. Am Ende du uns lullst (. . . im Hemde dürr und klein . . .) In süßen Schlaf-Tod ein.

Gebrochen und zerhackt, Du zogst uns in Kontrakt, Du herrschest bitter-streng. Wir taumeln im Gedräng. Du zwangst uns dich zu rufen, Du schleudertest den Speer. Wir stürzten bei den Stufen Des Tempels, bläßlich-leer.

Du streckest aus die Hände, Gewaltig weckst du uns. Gelöst sind die Verbände. Zu weißen Äthers Dunst Hebst du uns auf den Flügeln Von Schwanenengeln licht. Entrückst uns Fluren, Hügeln, Dem irdischen Gewicht.

II

Anfechtung und Geißelung

Fahl ziehen auf die Höllen, Gespenst und geller Schrei. Die blechernen Tuben gellen. Rot rauscht ein Schwarm vorbei. Die schwarzen Engel schlagen Aus Flügeln Schlangenbrut. Die nackten Toten jagen Einher mit spitzem Hut.

Legt um die eisernen Riemen! Der Knochen Mark zerbricht. Es streicht ein blutiger Striemen Querüber das Gesicht. Die Haare sind zerrissen Von Hände Krampf und Zorn. Gedärm quillt. Aufgeschlissen Der Bauch von Stacheldorn.

Jetzt tupft mit eisernen Pinseln! Schon regt sich Glauben wach. Ja, röchelnd schwer und winselnd Wir stürzen ab vom Dach, Wir brechen in die Gosse. Du bist vorbeigerauscht, Du hast dich aufgebauscht . . . Wir sind in dir zerflossen.

III

Tod

Verwelkt wir liegen ganz In deiner Hut. Gefaltet Ruhn unsere Hände. Glanz Auf unseren Stirnen waltet. Hoch schwankt die düstere Lade Voraus dem trüben Blick. Du hast bewahrt vor Schaden Uns und vor Mißgeschick.

Du machtest uns zufrieden, Du hast uns wohl bestellt, Du hast uns nicht gemieden. In graue Unterwelt, Wo wir verhurt, verlaust In Sumpfes Löchern staken, Bist du hinabgebraust, Als Strahl aus heiterem Tage.

Umschleicht ein böser Sinn. Nah uns! Komm her! Nimm hin! Es raschelt finsteres Laub. Ein Wagen blitzt im Staub. Winkt da nicht Ufer schon, Ist das nicht Fluß, dies Park? _Und dies der einstige Ton,_ _Der uns vorirdisch barg?!_

Ruhe

Für Leonhard Frank

Wir lagen in der Wiese feuchtem Nest, Vergraben unsere Köpfe, hart wie Stein, Derweil die Sonne sank im kühlen West In grauer Berge langgestreckten Schrein.

Mit schnellen Vögeln Abendtöne flogen. Auf schwarzen Wegen schwankten Kinderreihn. Durch unsere Glieder weiche Gräser zogen. In unsere Augen bogen Blumen ein.

Schon rauschte, Wassersturz, der Hunde Bellen, Da unsere Körper sanken auf den Grund Vergessener Meere: laues Spiel der Wellen,

Der trägen Fische angestaunter Fund. Es raschelten wie feine Silberschellen Korallenbäume auf verborgenem Sund.

Der Tod

Für Annie Oppelt

Der Tod, der in dem blassen Mädchen weinet, Der aufgerollt liegt in der Alten Haar, Der, was er bös oft trennet, besser einet, Der jauchzet ungestüm durch manche Bar.

Der gell erschallt im Volkstumult furchtbar, Als Feuerschrift an schwarzer Wand erscheinet, Als Strolch mit Hund und Messer nächtlich streunet, Da werden ihn wohl viele bleich gewahr . . .

Welch schönes Kleid hat er sich ausgesucht, Da tat er ab den Flaus aus Kot und Schimmel! Es bauschet sich in unerhörter Wucht

Sein Mantel, jener zarte Lilahimmel, Der Herbstzeitlose Kelch, endlose Bucht, Aufsaugend uns und irdisches Gewimmel.

Triumph

Wir wollen heut bei goldenen Wolken ankern, In Traumbezirken jener Seligen Andern. Wo Engel winkend mit den Beinchen schlänkern, Da werden wir in milden Häfen landen.

Die Erde soll entfleuchen unseren Augen, Die bald als Inseln wirbeln im Ozean Beruhigter Bläue. Da des Äthers Lauge Zersetzte unseres Körpers eklen Tran.

Laßt uns behaglich in den Lüften schreiten, Die sind verwandelt, ölig und begehrlich-weich. _Verhaßten Bürgern wollen wir entgegenbreiten_ _Wohl Arme und ein Antlitz, himmlisch-bleich._

Da Wunden schillern groß als Sonnenseee. Geschwüre schweben, Wolken sanfte Matten. Ihr fühlet euch geborgen in der Nähe Der Fächerstrahlen und von Teppichschatten.

Auswurf gesegnet sei und Schmerz gepriesen Und jede Trennung schön und wunderbar! Ins Heilige sei jeder Haß verwiesen! Wir fassen uns ans Herze, innig-wahr.

Einst wankten wir durch Gassen wirre Netze, Zerdacht die Stirnen und von Fluch bedrückt. Tod deckte auf die Herrlichkeiten-Schätze, Wir voll erlebend, stumm und unzerstückt.

Ausgang

Die Toten wachten auf im Karneval. Sie renken ein die vielen Gliederknochen. Die Erde raucht, zerklafft und aufgebrochen. Die Toten rüsten sich zum Faschingsball. Sie hetzen durch die Straße mit Gebrüll, Sie klappern mit den Fingern, trommeln, pfeifen, An Pflanzenfasern sie die Särge schleifen, Die Leichenkleider bergen sie zerknüllt. Bei diesem fehlt das rechte Nasenstück, Blut rinselt dem um die zerfranzte Fresse. Sich brauner Lehm auf jenes Augen drückt, Geschwüre sich im Nacken schimmelig pressen. Sie wedeln uns mit Federn durchs Gesicht, Auf dünner Flöte sie erschauernd blasen. Sie halten auf dem Markte Hochgericht. Wie Kühe manche auf den Dächern grasen. Sie halten Kerzen in der Hand beim Tanz, Weihrauch in schweren Düften schwelt und zischt. Sie setzen johlend über Stuhl und Tisch Und baumeln an dem hohen Lüsterkranz. Es glühn wie Eisen rot die Schädel kahl. Sie singen laut und kotzen sich beim Mahl . . . Die Toten ziehen um in langem Zug, Gedämpft erschallen Flüche und Gebete. Ein Knabe schleppt sich mit dem Urnenkrug. Schon wirbeln Trommeln laut zur Abschiedsrede. Sie biegen vor und wallen durch das Tor. Da stiebt herab der Schneee bleicher Schleier. Noch einmal tönet gell der Tusch im Chor, Da man versammelt sich zur Heimkehrfeier. -- . . . Wo seid ihr hin, ihr Toten, mit Geklinge Und Schellenlaut und Rasseln und Gedröhn? Flogt ihr empor auf unsichtbarer Schwinge, Fuhret ihr nieder, hingestürzt vom Föhn? Ihr habt vergessen uns, die traurig heulen, Verzweifelt winseln stier aus Dunkelheit. Steht einer nicht von euch hinter den Säulen Und flattern dort nicht euere Mäntel weit? Wir schleichen nach euch in den stummen Jahren. O, daß die Erde jäh in Flammen tauch, Daß eisiger Sturm scharf in die Runde fahre, Ein heißer Schwefelquell entsetzlich pfauch! In düsterer Nacht wir um die Toten greinen Und wandeln Frühjahrs auf der Gräber Deck. Ein Trauerbaum die hageren Äste streckt Zum Himmel auf. Die blassen Marmorsteine Zersprungen, überwuchern Kraut und Moos. Durch unseren Körper jagt ein harter Stoß. Ein böser Krampf den vollen Bauch zerhackt. Das ragende Gerippe schwankt und zittert. Das herrliche Gehirn wie Glas zersplittert. _Vom hohen Turm die große Stunde tackt._