Verfall und Triumph, Erster Teil: Gedichte
Part 5
_»Als aber das Zeichen des Kreuzes in den Wolken_ _erschien, umgeben von Engeln, die einen himmlischen_ _Päan anstimmten, fanden die Kämpfenden_ _wieder neuen Mut.«_
Berlin
Der Süden wird verbluten in der Sonne Stunden. Der Taten Gott erzürnt aus Lavagrüften schlug. Es kreiset um das Land der Berge Flammenrunde. Da brachen auf wir schwarz, ein dünner Totenzug.
Der Süden ist bestimmt zu ewiger Trauer Schlafe. Wir haben unserer Träume Barken ausgebrannt. Wir winken mit den Fackeln nach dem stillen Hafen, Die streichet aus der Finsternisse Mutterhand.
Des Südens Atem klebt an unseren krummen Rücken Mit Winden lau und dumpfer Glocken Grabgedröhn. Betrübet euch! Des Abends rote Nebelmücken Bestürmen euch mit Sang. Laßt uns vorübergehn!
Maultiere brechen hart von schartigem Messergrate. Lawinen übertünchen uns mit Liebe weißem Fächer. Wildbäche überblitzen hoch der Brücken Drahte. Geysire platzen aus der brüchigen Felsen Köcher.
Wir sanken morgens in der Spalten grüne Kammern. Wir tauchten mittags ein in Gletschermühle Becken. Es sauste nieder des Erdrutsches Keulenhammer. Des Winters Sturm riß uns aus wohligem Verstecke.
In Höhlenlöchern warteten die zarten Wunder. Mit Gerten schlugen wir uns Labung aus dem Stein. Wir stürzten ab mit nasser Büschel Fleckenschrunde. Wir starben in den Kelchen der Enziane klein.
Wir tauten auf beim Hirtengruß und dem Geblöke Der Herden. Aus der Blumen Grunde warmem Lauch Sog uns zu Funkengärten schräger Purpurkegel. Es trug uns Raub der neuen Heimat Wirbelhauch.
Aus Dächerfirnen strahlt der Meere Glanzgebreite, Urwälder sind in Schlot und Balken hochgewachsen. Der Rauche rußiger Hain beschattet die Gemäuer. Der Krater Trichter schrumpften, schiefe Aschenzacken.
Der Wiesen Fluren tanzen um als Wimmelplätze. In langer Straßen Schluchten weinen Abendröten. Ein Quellenstrudelschwarm zum Himmel hetzet Bei Kellertunnel-Not und Krach der Speicherböden . . .
Berlin! Du weißer Großstadt Spinnenungeheuer! Orchester der Äonen! Feld der eisernen Schlacht! Dein schillernder Schlangenleib ward rasselnd aufgescheuert, Von der Geschwüre Schutt und Moder überdacht!
Berlin! Du bäumst empor dich mit der Kuppeln Faust, Um die der Wetter Schwärme schmutzige Klumpen ballen! Europas mattes Herze träuft in deinen Krallen! Berlin! In dessen Brust die Brut der Fieber haust!
Berlin! Wie Donner rattert furchtbar dein Geröchel! Die heiße Luft sich auf die schlaffen Lungen drückt. D er Menschen Schlamm umwoget deine wurmichten Knöchel. Mit blauer Narben Kranze ist dein Haupt geschmückt!
Wir wohnen mit dem Monde in verlassener Klause, Der wandelt nieder auf der Firste schmalem Joche. Der Tage graue Gischt zu sternernen Küsten brauset. Auf Winkeltreppe ward ein Mädchen wüst zerstochen.
Wir lungern um die Staatsgebäude voll Gepränge. Wir halten Bomben für der Wagen Fahrt bereit. Die blonde Muse längs sich dem Kanale schlängelt, Quecksilberlicht aus Läden lila sie beschneit.
Auf Pflaster Nebeldämpfe feuchte Wickel pressen. Auf trägem Damme erste Stadtbahnzüge schnaufen. Die alten Huren mit den ausgefranzten Fressen, Sie schleichen in den bleichen Morgen, den zerrauften . . .
O Stadt der Schmerzen in Verzweiflung düsterer Zeit! Wann grünen auf die toten Bäume mit Geklinge? Wann steigt ihr Hügel an in weißer Schleier Kleid? Eisflächen, wann entfaltet ihr der Silber Schwinge?
Auf prasselnder Scheiter Haufen brennet der Prophet. Der Kirchen Türme ragen hager auf wie Galgen. Die Haare Flachs. Sein Leib auf Messingfüßen steht, Im Ofen heiß wie glühender Erzkoloß zerwalket.
Und seine Stimme schwillt wie Wasserrauschen groß, Da löschet aus des Brandes Qual auf heiliges Zeichen. Ein fahles Schiff, das löset sich vom Ufer los, Sich das Gerüste hebt und in die Nacht entweichet. --
Einst kommen wird der Tag! . . . Es rufet ihn der Dichter, Daß er aus Ursprungs Schächten schneller her euch reise! Des Feuers Geist ward der Geschlechter Totenrichter. Es zerren ihn herauf der Bettler Orgeln heiser.
Einst kommen wird der Tag! . . . Die himmlischen Legionen, Sie wimmeln aus der Wolken Hitze mit Geschmetter. Es schlagen zu mit Knall der Häuser Särgebretter. Zerschmeißen euch. Es hallelujen Explosionen.
Einst kommen wird der Tag! . . . Da mit des Zorns Geschrei Der Gott wie einst empört die milbige Kruste sprenget. Im Scherbenhorizonte treibt ein fetter Hai, Dem blutiger Leichen Fraß aus zackichtem Maule hänget.
Mensch im Abend
Für Josef Amberger
Er treibet durch die Straßen voller Ruh, Indes des Himmels Gründe Purpurröte färbet, Die Arme weit, die weißen Augen zu. Da flacher Bläuen Strahl ihn nicht verderbet
Und nicht zerreißt mehr, ihn erhabenen Sinn. -- Wo wirst du landen, Streuner, diese Nacht? An welche Ufer schlägst du müde hin? Verweinet und zerstöret? Ob du lachst?
Ob du vielleicht dich in den schwarzen Träumen So tief eingräbst, daß dich nicht Schrei aufschreckt? Ruhend, da Laub fällt von den Bäumen, Auf weichem Boden gut, sanft zugedeckt?
Ob du vom Hügel aus, der Nacht entrücket, Ins Land ausschaust, das heller Zukunft brennt? Ob du verweilest schwer, wo Ausschlag drücket Man in die Hand sich, Strom im Dunklen flennt?
Da Dottermond durch flatterndes Gerippe Verbrannter Wolkenstädte rennet, Teilst du verzweifelt Äste und Gestrüppe Und flehest, daß dich Jener Stimme nenne?
». . . Schon hebet sich mein Blick, an Lampenmonden Entlang sich findend. Städteplatz schon brauset. Ich schlage wieder diesen Weg ein, den gewohnten, Doch mild, und Sterne nicht zerkrampfend in der Faust.
Ein wenig aus dem Bleietag mich aufzuschwingen Kam ich und daß zu dir empor ich eile, Geneigte Trösterin, mit heller Flöten Singen Den Bann entzaubernd die Gebresten heilend.
Vor meinen Augen flimmern Leuchtemücken, Erst Punkte schwarz, die tanzen Surrerunden. Die Schatten schlagen schwarze Tücherbrücken. Es steigen Leitern, gläsern mondumwunden.«
Rimbaud
Aus öligem Hafen schwenken jetzt die Schiffe. Im Straßenschachte ein Betrunkener schlappt. Im Schein des vollen Monds, des blankgeschliffenen, Er strolcht durch seine große Stadt verkappt.
Der Engel hütet Kranke. In den Stieren Entschleudert er gewaltigen Aufruhrsang. Die Berge schauernd graus in Nächten frieren, Doch Wiesen psaltern lieblich bunt am Hang.
Es werden Arm und Beine amputiert. Im dunklen Bauch des Krebses Blüte schwiert. Da wehet Lenzluft milde durch Spitäler. Er hocket stumm im Flackerschein der Mähler.
Ein finsteres Los ist allen uns gefallen. Nichts ward uns ganz und ungetrübt zuteil. Auf Dächergletschern wir verzweifelt wallen. Du zerre uns empor am Führerseil!
Der irdische und der himmlische Gesang
Die Lebenden
Wie öffnet schauerig sich der Hölle Pforte! Jäh aufgerissen starrt der Erde Scholle. Geheul von einem Hund schwirrt in der Luft. Es schütteln schwarze Engel ihr Gefieder, Und durch die Nacht zuckt flammend Gottes Stoß.
Eine Hure
Die Stiege, die ich nächtlich schwank, knarrt düster. Wir krümmen uns im Schweiß der Kavaliere. Der Sonne Tag blitzt falb, voll Blut und Gräuel. Wer mag an einer rauhen Brust leis wimmern? Ein Kleines rutscht in den Abort. Es platscht.
Ein Mörder
Die Straße, die ich finster schreit, glotzt feindlich. Bin ich der Feind? Das Dunkel schwillt zum Loch. Die schlanke Brücke soll mich heute bergen. Mein Kopf zerplatzt, der Klumpen Haut und Blut. Die Straßenbahn stürzt die Allee herab.
Chor der schwarzen Engel
Wir kauern an den Türen grau-versteckt. Des Haares Strähne baumelt schwank als Strick. Jetzt klatscht aus unseren Mänteln Wassersturz. Wir schlagen auf die großen Nebelflügel. Wir rinseln durch die Finsternis als Brand.
Der Dichter
Es jagt mich durch der Straßen Schächte hin. Ich hoffe Wunder, doch Verderbnis lauert. Wenn ein Klavier mich aus dem Wege schlägt . . . Ich kenne sie an ihrem Trippelschritt Und Hängetasche, schiefem Federhut.
Chor der blonden Engel
Wir tragen unsere Haare glatt gekämmt, Wir müssen auf gespannten Seilen tanzen. Vom Platze wirbelt Militärmusik. Der Fledermäuse-Schwestern falbe Wangen, Wir wollen sie mit weichen Händen streichen.
Eine Hure
Nur manchmal darf man sich im Schlafe strecken So lang und müd, daß alle Glieder singen. Und manchmal kann man in den schönen Abend stelzen Allein und in dem hohen Dome knieen Und fallen süß zurück in einen Park.
Ein Mörder
Daß sie vielleicht ein holdes Lächeln zeigt! Noch Tage Aufschub und noch manche Nacht Und spitz am Ufer blinkt ein kleines Licht. Ein schönes Schiff mit vollem Dampfe fährt. Triumphgeschmetter kreischet die Fabrik.
Der Dichter
Ich pralle feuerig wider Gott und Welt. Ich spei Vernichtung, Haß, Verrat und Gift. In meinen Muskeln strömt Empörungskraft. Ein Akrobat ich mich im Zirkus schwinge, Ich spiel mit Kugeln, schleudere Messer weit.
Die Toten
In unseren Grüften zieht es eisig-streng. In unseren Särgen schwiert ein kleines Loch. Jetzt hat ein toter Wurm den Ritz verstopft. Grün schillern Gase, steigen Dämpfe matt. Mit zackichter Fresse wandeln wir Gespenster.
Die Huren
An langer Mauer stehn die Huren, angereiht wie Perlen. In Wolken duckt des Mondes grüne Katze sturzbereit. Der Sturm der Herbste wird die seidenen Spitzenröcke schwellen, Die werden leuchten auf wie Tulpen rot in nächtiger Zeit.
Die Alten recken spähend ihrer welken Hälse Stiele Und züngeln, Flämmchen trübe, dünn empor am Kirchenhaus. Die Jungen stelzen üppig im Bazargewühle Und suchen Herrn mit Stöcken gold und neuem Ulsterflaus.
Sie schweben Statuen auf morscher Brücken Nebelpfade, Von kleinem Kreuz beschirmet, in des hölzernen Heiligen Hut. Sie streichen aus der Kammern Höhlengruft im Regenbade, Das platzet zischend, Bombenknall, in die verstörte Brut.
Sie leuchten wieder, Lämpchen von der niederen Häuser Klippen Und duften süßlich nach Parfüms und dem Odor der Seuche. Auf ihren samtenen Mützen weiße Reiherfedern wippen Und schlummern sanft auf Polsterkissen runder Fuhrmannsbäuche.
Sie stehen vor Gericht als Mordes einzige Eideszeugen. Sie sind des Uhrenraubs verdächtigt oft und angeklagt. Des Strizzis sicheren Aufenthalt beharrlichst sie verleugnen. Grauhaariger Onkel sie des Tags mit wüsten Lüstchen plagt.
Ein Dirigent hat heller Geigen Stimmen angefacht. Sie gähnen in Cafés und torkeln in den Bars besoffen. Sie knieen überrascht vor der Monstranze Pracht. In braunen Wirtschaftsgärten lungern sie, zerrauft und offen.
Sie prangen bunt in Reicher Galerieen, konterfeit. In blauen Höfen zucken ächzend sie bei Kämpfen wild. Die Harfenfrauen zittern in verworrener Dunkelheit. Papierlampione pendeln über großer Nummern Schild.
Auf Karrenwagen rollen sie bewacht ins Hospital. Sie richten auf sich, schlagen Lärm und trümmern ein die Scheiben Und brechen aus und dringen kreischend in den Sitzungssaal . . . In euere schmutzigen Winkel euch die Bajonette treiben!
Mit eueren Locken blond seid ihr die Musen blöder Dichter! Myrthenbekränzet schwebet ihr aus schwälender Feuer Pfuhl. Es wehen durch der Dämmer Fall die narbigen Gesichter. _Ihr seid gestellt einst, Schwerterwächter, um der Gnade Stuhl . . .!_
Sie schlendern langsam und gebückt in lauer Jahre Zug, _Bis früher Frühling einst Gewand und Fleisch zerschleißet._ Sie strecken ihre fahlen Arme aus zu letztem Flug. Sie schmücken sich in ihren Stuben kalt zur weiten Reise.
». . . O warme Nacht, du breitest milde Sterne und Gefieder Um uns und schaukelst Walzer heimnisvoll an unseren Gang. Oft ists, als stückelten uns ruckweis ab der Körper Glieder Und finden plötzlich uns gealtert in den Spiegeln bang . . .«
Die habend heut beim Kriegerfeste schönes Geld geerbet, Sie kleben an den Tischchen frohvergnügt der Automaten. Das Holzklavier laut rasselnd sie zum Schiebertanze werbet. In Ecken und bei Weißbier sitzen steif die Akrobaten.
Zerkratzet sind die käsenen Wangen und der Leib voll Flecken. Ein Ankerwappen blüht, im Oberarm blau tätowiert. An den gespreizten Fingern gelbe Kettenringe stecken. Ein Nadelriß an dem verschminkten Rosenmunde schwiert.
Sie treten auf als Tänzerinnen und als Wunderdamen. Sie kreiseln singend auf den Pferdchen zahm der Karuselle. Sie steigen flüchtig durch Hotels, oft ändernd ihre Namen. Verschlupfen plötzlich über Winter in Provinzbordellen.
Sie promenieren in den Lüften auf gespannten Seilen. Sie zirpen Heimwehlieder traurig-matt im Cabaret. Sie sammeln Kupfermünzen, Waisenmädchen, an den Säulen. Sie lösen schluchzend sich bei Grammophonkonzert mit Tee.
». . . Sind wir gewandelt unsere schlimmen Stunden grimmigheiser! Es ist, als sei ein Brief von fern gekommen, der uns ruft. Laternen strömen über, unserer Wege schale Weiser. Verlassen wollen wir Quartier dich, feuchter Tränen Gruft! . . .«
Sie packen fiebernd ein, sie stapeln hoch der Wäsche Körbe. Vergilbte Vorhänge bedecken Wirtinnen verweint. Sie reißen hoch sich, schlingend um der schwarzen Mäntel Schärpe. Sie sammeln sich wie dürre Rabenschar in finsterm Hain.
Sie stampfen auf und schwenken dröhnend ihre Hängetaschen Und flüstern, wie ein Hauch im Wald, sich zu des Kriegs Parole _Und ordnen sich zum Vorwärtsmarsch, die himmlischen Apachen,_ Mit der Kapellen Chor, die bläst des Schlummers Barkarole.
». . . Wir kommen mit der schwefelnden Sonne Glanzesflor bekleidet, Wir tauchen Wildnis auf vor euch und jagender Schrecken Heer. Wo ist der starke Mann und wo das Meer bereitet Für uns, die Wasserbrunnen aus den zerstürzten Schächten her?
Ihr Mütter! Mütter! Wahret euere Söhne in den Häusern! Wir spritzen Gift, in spätem Abende erweckte Nattern. Ihr Mütter höret: -- unsere armen Püppchen quietschen leise. Wir fegen wie die Föhne durch die Straßen mit Geratter.
Wacht auf! Wacht auf! Wir schnellten blitzend aus der Gräber Schluchten. Wacht auf! Wir ticken an die stummen Fenster, die zerspringen! Wacht auf! Euch schmettern nieder die Posaunen der Verfluchten. Wacht auf! Wir flammen haßgeschürt und spucken Galle bitter!
Wir werden sein verruchter Jugendliebe grause Rächer. Auf fetter Bürger Buckel flitzen unsere Peitschengürtel. Wir jauchzen, Böller krachend, auf in höllischem Gelächter. Der Erde Festen wanken. Himmel brechen ein erschüttert.
Empfanget uns: die wir aus eisigen Särgen aufgefahren, Die wir auf schattenen Koturnen herrlich sternwärts schwanken. Die kranken Schwestern tragen wir verzückt auf Sträucherbahren. In unseren gebleichten Haaren spielen Strahlenranken.
_Die Huren werden grinsend euere Einsamkeit belauern._ _Die Huren werden euch in böser Träume Schlaf erwürgen._ _Die Huren werden um die Kindheit furchtbar opfernd trauern._ _Die Huren werden euerer Städte gläsernen Bau zerwirken!« . . ._
-- -- -- Sie ziehen heulend auf, Gewitter in den Höhen finster. Der Horizonte Augenlid eröffnet sich, entzündet. Sie schreiten aus im Morgenrot, scharlachene Gespenster, Mit silbernen Schwanenflügeln, die klirrend tönen in den Winden.
Der Wald
Ich bin der Wald voll Dunkelheit und Nässe. Ich bin der Wald, den du sollst nicht besuchen, Der Kerker, daraus braust die wilde Messe, Mit der ich Gott, das Scheusal alt, verfluche.
Ich bin der Wald, der muffige Kasten groß. Zieht ein in mich mit Schmerzgeschrei, Verlorene! Ich bette euere Schädel weich in faules Moos, Versinkt in mir, in Schlamm und Teich, Verlorene!
Ich bin der Wald, wie Sarg schwarz rings umhangen, Mit Blätterbäumen lang und komisch ausgerenkt. In meiner Finsternis war Gott zugrund gegangen . . . Ich nasser Docht, der niemals Feuer fängt.
Horcht, wie es aus schimmlichten Sümpfen raunt Und trommelt grinsend mit der Scherben Klapper! Versteckt in jauchichtem Moore frech posaunt Ein Käfer flach mit Gabelhorn auf schwarzer Kappe.
Nehmt euch in Acht vor mir, heimtückisch-kalt! Der Boden brüchig öffnet sich, es spinnt Euch ein mein Astwerk dicht, es knallt Gewitter auf in berstendem Labyrinth.
Doch du bist Ebene . . . Voll Sang, mit flatternder Mähne, Von sanftem Luftzug glatt zurückgekämmt. Gekniet vor mich, von stechender Hagel Tränen Aus globiger Wolken Schaff grau überschwemmt.
Ich bin der Wald, der einmal lächelt nur, Wenn du ihn fern mit warmem Wind bestreichst. Weicher umschlinget dürren Hals die Schnur. Böses Getier sich in die Höhlen schleicht.
Die Toten singen, Vögel aufgewacht, Von farbenen Strahlen blendend illuminiert. Heulender Hund, verreckt die böse Nacht. Duftender Saft aus Wundenlöchern schwiert.
Du bist die Ebene . . . Hoch schwanket die Zitrone Verfallenden Mondes über deinem Scheitel grad. Du schläferst ein mich Strolch mit schwerem Mohne, Du, die im Traum ihm, blonder Engel, nahst.
Ich bin der Wald . . . Goldbäche mir entsprungen, Sie rascheln durch Schlinggräser mit Geflüster. Wie Schlangen sanft mit langen Nadelzungen. Es raset über mir der Sterne Lüster.
Ich bin der Wald . . . Aufprasseln euere Länder In meines letzten Brandes blutigem Höllenschein. Es knicken um der eisigen Berge Bänder, Gell springt der Meere flüssiges Gestein.
Ich bin der Wald, der fährt durch abendliche Welt, gelöst Vom Grund, verbreitend euch betäubenden Geruch, Bis meine Flamme grell den Horizont durchstößt, Der löscht, der deckt mich zu mit rosenem Tuch.
Es ward der Blumen Wiese Gewölbe meines Grabes. Aus meiner Trümmer Hallen sprießen empor der bunten Sträuße viel. Da jene Ebene sank zu mir hinab, Wie klingen wir schön, harmonisch Orgelspiel.
Ich bin der Wald . . . Ich dringe leis durch euere Schlafe, Da Lästerung und Raub und Mord ward abgebüßt, Ich nicht Verhängnis mehr und schneidende Strafe. Mein Dunkel euere brennenden Augen schließt.
Aufbruch
Schon rüsten Wanderaffen sich und Bambusstangen Die stellen sie als Zeichen vor den großen Zug, Zerzausen meckernd mit der Hände Pranken Gevögel weiß, gehascht aus bitterem Flug,
Und Weite schwillt, das längst verreckte Tier, Zerfault, mit aufgetriebenem Schimmelbauch. In nassen Waldverstecken lauern wir. Rollt bald ein Kugelmond herauf? -- Der giftige Hauch
Von grünen Winden an die Bäume rührt, Die klappern mit den hageren Fingerästen. . . . Bist du der Strom, der über Berge führt? . . .
Nahst du, nahst du, du großer Käfigkasten, Du Sarg mit Segelwolke, rotgeschürt Und hüllest, Nacht du, trauernde Phantasten?!
Die Mutter
Hohe heilige Bläue, Schrei aus Verwesung, Grab und Nacht. Darf ich mich wieder freuen? Ich bin dir dargebracht.
Deine rauhen Hände falten Sich, mir spendend Segen. Deine entzündeten Augen walten, Wie flackernde Lämpchen auf schwarzem Grubenwege.
Deine zerklüfteten Wangen schlagen Leichte an. Es heult ein Hund. Ich schreite entgegen glücklicheren Tagen. Sterne wirbeln rings im Bund.
Ich mich wild empöre, Zornig reißt es mich dahin. Erhöre Mich! Ich stammle auf den Knien.
Wie lang ich noch verweile? Trenn auf des Leibes Naht! Mich raffen hin Verzweiflungs giftige Pfeile. Du aber stürzest mich in Tränenguß und Bad.
O Reinigung du, o Bad! Abkehr irdischen Staubs! Deiner Haare goldenes Laub Belebt den Tod, verklärt die schlimme Tat.
Die Nächte
O schleichet durch die Nächte! Sie erlaben. Da werden Tag und Schmerz und Wunsch heraufgespült. Wir Blinden balde Seheaugen haben, Uns Öfen heiß mildere Witterung kühlt.
Hast du gesehen jenen Mensch, der fiel? Er schnappte feixend in die Welt hinaus. Schon blauet Nacht. Nun ist er Drang wie Ziel, Der Stern im Baum, der fernsten Länder Braus.
Er tönet ausgesöhnt mit allen Stücken Und aufgelöst in den Zusammenhang. Wir Lahmen tuen ab die Holperkrücken Und schreiten aus in fabelhaftem Gang.
Wir Arme füllen uns. Die Trauer tanzet Und alles jauchzet, völlig eingewohnt. Wir schöpfen aus der dunklen Troge Kranze Ewigen Trank, den gelben Wonnemond.
Es dehnet Wald schon weit sich. Helle Wiesen Von dicken Mooren überfließen. Es berstet kreischend irdisches Gewand. Es greifen aus die Berge, gute Riesen. Die Meere nagen an der Himmel Rand.
Das Dreigestirn
Wenn wir im Dunkel schlagen uns zum Flusse, Der Hagel Schauer übers Haupt uns brechen: Erwählte Führer ihr der irdischen Fahrt, Als Flammen Türme in der Wetter Schwall!
Da Leuchten in der Wolken Höhle kriechen, Gerüste zucken nieder im Verfall. Wir rufen euch, wir dünne Schar der Siechen, Die heulet mit der Donner gellem Hall.
Wie Balsamschalen, die einst Engel streuten, Schafft Ruhe ihr dem aufgereizten Land, Daß wild die Pferde vor den Droschken scheuen, Und euer Denkmal loht als Feuers Brand.
Rimbaud, Kleist und Baudelaire -- (. . . um deren Haupt des Ruhmes Binde weht . . .) Euch grüßt der Dichter, der zerrauft und leer, Ein Bettler orgelnd auf dem Platze steht,
Verwahrlost und vertrottelt zu der Helle, Dem Lichte zu wie ein Insekte irrt, Bis sich sein Lumpenflaus entzündet, grelle Er Bundesstern in euerem Bilde schwirrt.
Triumph
_»Und da er auf dem Wege war, und nahe bei_ _Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein_ _Licht vom Himmel . . .«_
Entrückung
Mond in rosa Wolken steht, Die verwittern schnell, verdunkeln. Gletscher fern herüberweht. Fenster und Laternen funkeln.
Heller Gärten Walzer nahen. Nimm mich hin, du schöner Traum! Menschen, Tiere, Häuser klagen. Tief im Fluß vergeht ein Baum.
Ach, ich möchte weiter schicken Körper dich von irdischem Ort! Berge, Städte, Landschaft, Brücken Stehn schon auf und wirbeln fort . . .
Waldung schwanket. In den Haaren Wühlet knöcherne Hand. Es kommen an die heiligen Scharen. Es dröhnet mein Gewand.
Ich ward wie Meer, doch ohne Sturm, Und Ebene ausgestreckt, Aus meinem Munde wächst ein Turm, Wald und Gebirg sich reckt.
Wie herrlich hin ich aufgegangen! In meinen Augen schläft der Mond. In meinem Blut schon Sterne fangen Zu kreisen an mit leisem Ton.
Trauer
Des Nachts muß ich zerpeitscht durch helle Gassen springen, Des Tags soll ich vor euch von Auferstehung singen, Den wunden Körper in die rauhe Kleidung zwingen. Ich möchte schlafend tief in Schmerzen weiterschwingen. Des Nachts muß ich zerpeitscht durch helle Gassen springen.
Ich fühl mich einem roten Weibe ganz verbunden. Was wirft mich Einsamen in giftig-bittere Stunden? Daß schweife ich ein Hund im Mond durch helle Runden. Ach, ihre große Schönheit habe ich erfunden. Ich fühl mich einem roten Weibe ganz verbunden.
Sie wird in einer großen fremden Stadt wohl weilen. Sie muß ihr Bett mit dicken Kavalieren teilen. Soll ich mich zu ihr flüchten, heftig zu ihr eilen? Sie kann allein mich trösten, sie versteht zu heilen. Sie wird in einer großen fremden Stadt wohl weilen.
Ich will dich Liebste nicht in anderen genießen. Du sollst vergöttert sein von mir und hoch gepriesen. Ich will demütig-fromm im ewigen Meer zerfließen. Kalt ists, als ob schon Winters spitze Stürme bliesen. Ich will dich Liebste nicht in anderen genießen.
Oft, wenn ich irre schüchtern tastend schwanken Weg, Läufst du nicht rufend über nassen Fahrdamm schräg? Ein jäher Lichtsturz meinen besten Traum zerschlägt. Die wilde Nacht um mich die scharfen Krallen legt. Oft wenn ich irre schüchtern tastend schwanken Weg.
Kehrst du mir nie zurück von deinen fernen Fahrten? Des Winters stampfe ich durch manchen öden Garten. Darf ich vielleicht dich mit den Blumen bald erwarten? O Erde, Blüten, Winter decket den Genarrten! Du kehrst mir nie zurück von deinen fernen Fahrten.
Elegie
Goldener Mond an weißen Wolkenfasern, Der du Welt zu hellen Klagen stimmst! Tiere schreien auf aus ihren Schlafen. Zug in anderes Dasein schwimmt.
Muß ich wieder denken jener Auf den Bänken oder unterm Tor -- Weih ich Ihnen diese nächtige Träne, Treten sie auf Strahlenbrücken vor.
Ach, durch euch schon längst hindurchgegangen Stadt, Gebirg und Wald! Nehme jetzt im kühlen Flusse Letzten Aufenthalt.
Könnt ich jene fernen Hügel fassen, Wenn Nacht drosselt Zwinkerlampen aus, Mich zu jener Insel glänzend schweben lassen, Wo du bist zu Haus!
Fest
Die Damen blühen, reiche Blumensträuße. Es weben Düfte über Laubgeländen. Die Straßen wandern Bäume. Städtehäuser Vergehen blaß. Theaterplätze blenden.
Wir schwinden, Melodie, in deinen Flügeln, Ihr Schlager einst aus Kneipen und Kaschemmen, Doch unbedingter jetzt! Zu weißen Hügeln, Ein Strom vertraut uns, blöde Tiere, schwemmet.