Verbrüderung: Gedichte

Part 2

Chapter 22,508 wordsPublic domain

Um den 30. Juli 1915 herum fiel -- gegen Frankreich verschickt -- der vierundzwanzigjährige jüdische Handlungsreisende (mir Freund und Dichter) Albert Michel aus Allach (oder München). Nicht daß er sich noch kühn selbst gelang, aber immerhin der Wenigen einer, die disziplinvoll genug, erkämpftestem Führer vertrauend sich anschlossen. 2. bayrisches Reserve-Infanterie-Regiment! Soldaten der 3. Kompagnie! Erkennet ihn groß --: euerer ewigen Fahne wahrhaften Träger! Ihn -- Geist vom Geist!

I

O Morgen der uns Hyazinthe scheint! Nicht klopfet mehr so der Geschütze Fieber. Zu nah Geduckten gleiten wir hinüber, Auch euch Zerschaufelten im brüchigen Schrein

Der Grüfte. Brei gehackt im Labyrinth. Ihr bei Loretto . .! Gase Pest Steigt Gloriole grause an dem Hügel. Da -- erdenen Röcken wuchsen Engelsflügel!

Aufschweben wir umsäumt von rosenem West. Im Nebel hocken Regimenter blind. Wir lüften euch Verwirrten bald die Schleier.

Und stürzten wir -: der große Tag bleibt euer. Hört: führt herauf -- es strahlt! -- zum Totenfest _Europa!!_ Blut kitt ungeheuerst!!!

II

Soldaten! Brüder! Um Kolben euerer Gewehre blühen Tannen -- Wälder, und Räume einer heiligen Saat! Die Sterngefilde blanker Bajonette spannen Sich neigend über dem entsunkenen Staat.

III

Wir Schaukler durch die nächtigen Ozeane. Vor weißer Küste fraß uns der Taifun. In Augs verschlossenem Spiegel kreuzen Fahnen. Vergilbte Schärpen in den Leibern nun.

Das Haupt zerstrahlen jene breiteren Dämme, Kolonnen überschwellt. Ein Brückenbau. Die Kathedrale, deren Türme stemmen Auf den Azur. Ein Drahtverhau

Biegt sich als Dornenkrone um der Stirne Rund. Gleißend Das Regiment, elastischer Panzer, zieht Empor die Serpentine um die Brust. Geleise Am Horizont nach dem Gestirne kniet.

Wie denken wir euch Brüder in den Städten! Dich jungen Dichter, in den Platz gestellt! Ein Monument, um das des Volks Schwarm bellt. Du der sich brüllend aus dem Jahr muß fretten.

Doch der sich bohrt durch Höllen-Abenteuer. Am End der Heros. Vor Europa führt. Evangelist der Zeit. Ein Jäher. Neuer. Einst Pyramide er. Bengalisch Feuer. Ja --: dess Gesang die Massenlöcher schürt.

IV

An den General

. . . Verreckend schau ich feistes Antlitz dich. Wie spaltest du, elendes Wrack, entzwei! Aus dess Gehirn entsprang uns Stich bei Stich. Anschob die Faust purpurene Bastei. Armeeen stampftest in ein Höllgrab du. Wozu?!

Schon finstere Haufen sich zusammendrängen. Es malmt zu Brei dich heulender Ballast. Die aber schraubten jubelnd hoch sich, schwängen Wirr tanzend auf der Dächer Silberglast. Dein Sturz der Völker Paradiesgeläut. Antönt es heut.

Das muß enorm von Raum zu Räumen schwillen. Zersplittert Mauern! Rast! Durchbohre Damm! Da öffnen donnernd sich des Tags Ventile, Verschoß in Blitzazur der Nächte Schlamm. Verfluchte ihr des Todes Lieferanten! Kasernen stranden.

Die Straßen (Häuserchöre streichen) wallen. Es zückt die Stadt. O weißlich Sommerfest. Ein Vogellüster auf und niederfallen. Zu Rieselhalm verwandelt Bajonett. Umarmt von Tieren Menschen ziehen, Gestreift süß bunter Melodien.

-- So will ich gern dir deine Falten glätten. Ich fühl mich als des Daseins Untergrund. Der mußte uns in Knochenwirrnis betten. Zur Fahn entknospet sich mein Lippenmund, Daraus elektrisch blättert Strahl um Strahl: Mein General.

Der Entfernte · Georg Trakl

Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. . . . und würgt und würgt. Da gern es schlafend trägt Ihn, hängt er sich ins Horn des Hirsches ein.

Betaute Wiege. Doch erwacht er grell Matt gießen Mond und Sterne sich herein. Ein wenig plätschert er im schwarzen Quell. Er schlürft berauscht vom bitteren Abendschein.

Seltsam durchmischt verblieben die Geräusche Aus jener Stadt, die knospet auf im Blut. Von zweien Kindern ausgebrochenes Kreischen. Wie Blasen steigend Böller Festsalut.

Auf einmal dann --: gestreckte Schlote zischen. Andante-Baß der Straße bunter Ton. Wo Brüllen . . . Haufen schleifen an. Lang Wischen -- Am Ende schlüpft heraus ein Grammophon. --

Er geht durch Wälder. Lautlos unbewegt. Wo gar kein Raum ist in der Luft zum Schrein. . . . nur manchmal wie umarmend schlägt Den Kopf er brüderlich ins Moosgestein.

An den Tyrannen

Mittelpunkt du rasender Geschwüre! Deine Poren brachen auf, nun blähen Geysirs Blut daraus. Gewölbe knallen Dir zu Häupten. Orkus faucht dich an!

Völker zogen singend dir zu Füßen (Frauen hackend ein der Väter Arm, Kindlein flattern an Musiken: Fetzen --), Völker brausen in die Gruft der Schlacht.

Eiter spritzt zu goldener Hüfte Planken. Auch Gestrüpp von Därmen wirrt sich drum. Große heilige schöne buntere Schiffe, Lächelnde Delphine, Prunkpaläste . . . .

Schiffe menschbesät, o morgenfrische Süßest gleich Geliebten, Schauklerinnen Schwarzer Meere, rinnende Sternenküsten -- Ah, dein Atem spießt sie jäh zu Grund.

Nicht Gewitter-Trommeln dich Erlauchten rühren, Finster rollend ob der Leichen Flur, Nicht daß Weiber, klopfend kaum an Türen . . . . Weichen sie doch, zückst du Messer nur! Grauser: neu gewelkten Brand zu schüren Jüngst dein Wort durch die Gemarke fuhr -- -- -- Explodier o Raum! Fern der Menschheit Traum! Ordenspanzerbrust absplittert Dolch und Schwur!!!

Nein! Tyrann! Nicht würgten Barrikaden Dich zuend. Noch Salven Höllenflug. Pyramiden Liebe auf dein Haupt wir laden. Schmilz o schmilz vor freiester Güte Bug! Sänge überspülend in Kaskaden Monument dich. Auf all Himmel schlug. Nebel zünden, rings Gewölk zerrann. Arme breiten Völker dir Tyrann!

An Zola

Hinauf, Menschen! Heraus aus euerem Schmutz, den ich nachmale, euerem Elend und euerer Schande, die ich nackt hinstelle. Hinauf mit mir: arbeitend ihr und ich. Wir sind Brüder. Nicht viel Worte davon. Es heißt seine Pflicht tun.

Zola

Um dich gruppieren sich die Neuen Städte. Zementene Quadern. Dächer Überfall. Um dich Fabriken klares Frühmeß-Schmettern. Der Donnerzüge steilster Kurvenwall. Um dich gruppieren sich die Neuen Städte.

Es starren Dickicht rund die finsteren Völker: Dornkranz der wie von Höllen widerscheint. Zerzauste Himmel drauf (Ruinen) welken. Die Riesenpyramide aus Gebein. So starren Dickicht rund die finsteren Völker.

Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter: Koloß der Arbeit. Krachend aufgetürmt. Hah: Massen wälzen! Von Tribünen spricht er Der Hymnische. (-- Du Leite mir und Schirm -- ). Zu dir verstrecken sich die jungen Dichter.

Da knospet auf aus deinem Inselgarten -- Und strahlt! -- der Menschheit blaue Morgenwelt. Du schwebst ihr vor. Zurück aus Orkus-Fahrten. Ein jeder groß und blühend eingestellt. Wir knospen auf aus deinem Inselgarten.

Ja leucht und sprieß und schaukel in den Winden Purpurnes Schiff! Die faßt wohl alle sie. Asyle platzen und Kasernen schwinden, Durchdrungene von der Brudermelodie. Purpurnes Schiff! Demokratie!!

Zola --: es soll uns selbst der kleinste Traum zersplittern! O Trinität des Werks: Erlebnis-Formulierung-Tat! Gehirn ein Block Kristall heiß durchgeschliffen. Fanfare brüll! Schaut: diese Straß biegt grad Hinein in den Tumult und durch! Gewitter Sie hängen drum. Emporgestemmt von ewigen Imperativen.

An den Frieden

O süßeste: Traum der streicht wie Sommer lind! Doch bald mußt du wohl mehr sein als ein Ahnen. Da blüht er auf wie kleinster Duft von Wind. Ein Engel durch der Leichen Schlucht sich bahnend.

Dein Tag --: er wölbt! Die Stadt birst vor Geläut. Der Sonne Fluß erbraust in jeder Straße. Gemäuer hoch sprießt goldener Strahl-Efeu. Fanfarenmünder Halleluja blasen.

Das Blutgefild verbaut zu weichem Beet, Zu Wald und See mit Stern und Wolk darein. Millionen Toter schwarze Fahne weht Breit auf vom Grund. Zerpeitschte Lüfte schrein.

Wird sich ein Blitz zum Mord im Abend zücken!? Nein. Menschen wallen Heilige im Chor. Auf Promenaden mögt ihr Frauen pflücken. Ein Bund von Freunden tritt im Platz hervor.

Ihr --: laßt uns gern vom ewigen Frieden reden! Ja, wissend sehr, daß er Gestalt gewinnt Noch süßester Traum nur. Unsere Hände jäten Das Unkraut aus, das jenen Weg bespinnt. Ertön o Wort, das gleich zur Tat gerinnt! Das Wort muß wirken! Also laßt uns reden!!

Tod des Fliegers über der Stadt

Da -- ein Meteor sich ab die Bombe löste. Rings blüht, Geschmetter, auf sie in der kleinen Stadt. Er aber brüllte an den Engel, daß er höre . . . Herab floß in Spiralen der. Gewitter töste.

Bald fliegend neben ihm, bald bog er auf. Verfolgend ihn. Ah, klirrendes Gerenn. Propelleratem streift ihn, Höllensturm. ». . . Ich laß dich nicht, du segnetest mich denn . . .«

Dann schrieen sie in wirrester Diskussion Einander zu. Da schäumt von Bein und Fetzen Gestrüpp um ihn. Tragflächen schmolzen. Aufkreischt der Motor. Dessen Brust klafft schon

Entzweigekreuzt. Es kippt der Apparat Und saust und bohrt. Und _eines_ Rauches Säule Steht mitten auf. Durchschnittene Äther heulen. Enorm. Ja --: eines Rauches Säule grad.

Der Sockel --: Trichter aufgefüllt mit Kehricht. Jehovas Wächterengel aber rauschend schwebt Durch Lüfte quer. Errichtend tausend Säulen Ob heimgesuchter Städte grausem Wundenmal.

Verbrüderung

Wie geschah, daß nicht zusammenfanden Du und du. Daß wir uns einsam-wund Hah! verzweifelt an Nacht-Häuser banden, Kaum erkennend --: Flügel _eines_ Munds. Von erhellten Räumen ausgeschlossen Wir Verdammte zu der Straßen Flur. Lüster (Kelche) Licht aus Fenstern gossen, Uns Glanzschleier, lockend Tränen nur.

O --: wer hat zuerst dich angesprochen Göttlich Du!? Ein Bruderfirmament Wer erbaute es?! Zerstochener Leib des Freunds, da er sich von uns trennt?! Spieen es die Mäuler der Haubitzen Jenes Urwort belfernden Geschreis?! Scheinwerfer mit schrägem Strahle blitzend?! Rollt es mit den Zügen stets vorbei --?!

Brüder! Brüder! Kann es längst vergessen Ein sich spinnen in entfernter Bucht?! Dostojewskis Feueraugen fressen. Rasend Tolstoi in der Weite sucht. Haben Mütter euch zum Mord geboren?! Euer Schicksal --: schwank und qualgehetzt, öffnet, öffnet euerer Brust die Tore, Drein Azursee stürzt!!!

Wallen mögen hier die breiten Scharen Jener Toten. Düsterer Trommelzug. Wald erglänzt von aufgelösten Haaren. Münder strecken sich zu Siegfanfaren, Langsam steuert schimmernder Brüste Bug. Rings die Mädchen flattern gleich Libellen. Droschkengäule tönend eingereiht. Wir Zentrale. Städte, Länder schellen. Welt gerinnt. Harmonisches Geläut.

Und so wird die blanke Zukunft tagen: Heiliger Staat, der quillt aus unserem Blut. Keine Frauen an den Männern nagen. Freunde schreiten groß und hochgemut. Noch wir durch der Nacht Gewimmel jagen, Auch bespült von stinkichtem Ekelsud. Denn --! die Menschheit ist verrückt, Längs und quer zerstückt: Räuber-, Mörderbrut.

Trotzdem -- überherrlich aufgelassen Wälzt durch Münder Schleusen -- gleit o Hass! -- Der Gesänge Strom. Bajonette schwank wie Halmzeug knicken. Schwarze Vöglein hüpfen Brownings nickend. Fetzen Wolken knittert der Pogrom. O --: anhebt ein Zueinandereilen. Nichtmehr Schründe klaffen tödlich-tief. Harfen wiegen. Zwitschern. Gestern Henkerbeile. Kleine Sonne platzend letzte Bombe stiebt.

Weiße Dome schweben auch Fabriken. Frühling in ovaler Fensterbogen Lücken. Flöte dehnt der einst so schrille Pfiff. Liebende auf weichen Dachgeländen Sich dem Hostienmond entgegenwenden, Immer höher steigt ihr Schiff. Spät --: sie werden sich noch dumpf erinnern Der Gezeit aus Tod und Rauch und Pfuhl, . . . Dörfer knistern. Angeschossene wimmern. Marterkinder starben an der Schul.

Ja --: sie müssen sich zusammenfalten In die Lüfte ragend silberner Strauß. Auf und ab als Schaukler Balsamwinde gehen. Monument --: nach Jahren zu bestehen, Wieder wenn aus wütig eingekrallten Menschenknäueln zuckt Gebiß und Faust. Splitternd tanzen um die vielen Plätze Mit der Bürger lautestem Märkteschwall. Brüder! Unser Odem --: Leid zu letzen Streich zurück den noch gewordenen Knall!!

Hört ihr nicht heraus der Tausend Warten?! Wer ist jener, den die Schuld betrifft, Daß das Reich nicht zu uns kommt?! Aber Lanzen stochern, Hellebarden Pflügen auf phantastischer Wolken Trift. Pferde klappern -- -- Brüder! Reisst die Helligkeit hinunter In der Städte ödes Schlachtgefild! Zerrt die Straßen hoch und schmückt sie bunter!! Tausend warten wild -- -- --

Gott du Zünder, so uns geistwärts führst: Gott aus spitzigstem Gehirn geschöpft. Leuchtturmfeuer innigste Eintracht schürend. Zwiespalt Tücke donnernd abgeschröpft! Morgenküsten nähern sich Spelunken, Schmelzend ein Asyl. Ihr --: Gefängnisse von Abends schattener Gnade trunken Müden Engels sanfter Wiegenpfühl.

Wo sich Sonne beißt in Wüstenorte Stellt sich Zephir, milderen Hauchs, bereit. Körper im Aussatz verdorrte Gehen auf Landschaften Edens weit. (. . . Körper von der Väter Hieb zerfleischt . . .) Von der Störche dunklen Herdenschwärmen, Der Balkone Rechteck überdacht. Wunder --: finsterer Klumpen der Gedärme Ward zu knospener Schlingung aufgefacht.

Brüder! Nicht vom Zauberwort Berauschte Weih ein jeder sich der ewigen Tat! Nicht von Orgeln glühend aufgebauscht . . . Unser Psalm befiehlt euch --: heiß und grad. Tretet an den Marsch! Freiheit auf die Fahnen!! Dich antike Welt zertrümmere solcher Schwung! Ein Gestirn enttaucht. Kreuzt ob unserem Plan: Himmel der Verbrüderung.

Die neue Welt

I

Er war hinabgestiegen und er schaute. Da schwankte wie ein Schiff das Fundament. Zum Himalaya hoch ein Blutmeer staute. Land angereiht an Land -- _ein_ Schrei stößt! -- brennt!

Und welche, die Fontänen auseinanderspritzten -- Die Flügelarme flatternd ausgereckt. Und welche hinter Kartenpulten sitzend -- An buntem Plan das feiste Antlitz leckt.

Gekreuzt ob Epauletts die Marschallstäbe. Millionen stapfte solch Gehirn zu Brei. Millionen mußten in den Böden kleben. (. . . O Knall, Dreihunderte zerfetzten eben . . .) Millionen vorgeführt gen die Bastei,

Wo tackend Läufe die Portale zieren. Granate fort der Dome Blüte scheuert. Scheinwerfer (Stromband) in der Runde schmieren. Da waten Regimenter klein durch Feuer.

Und stürzen ineinander. Messermauern jäh. Emporgeschweißt bald. Strahlend zugerichtet. Und stürzen ineinander. Kauernde . . . Posaunen rast ihr einst, o Höllentrichter!

So hängen sie gleich zappelnden Figuren, Exakt an Schnürchen hin und herbewegt. Doch in den Städten hausen schöne Huren. Geschminkt mit Blut die Wangen. Grabwind fegt

Aus deren Poren. Und die Federn nicken Gleich aufgezücktem, umgebogenem Arm. Hah --: dort anblähen pustend sich Fabriken, Bestien fett im wütigen Alarm.

II

Dann kroch er fröstelnd durch Tumulte Hungers. Gespickt mit Aussatz. Überrauscht von Pest. Um spät zur Früh am Straßeneck zu lungern. In jedem Tier, in jedem Mensch verwest.

Aus jedem Mensch, aus jedem Tier erstanden! Er riß den Mantel von der Schultern Bug. In dessen Brust, dem Krater, Sonnen brannten, Umschwirrt von der Gestirne Donnerflug.

Nun trieb, was heulend er oft nachts gedichtet, Heraus --: es scholl: Der Neuen Welt Programm. Du Himmelreich in grauser Schlacht errichtet. Ein Sturm zerschmeißt der Bösen morschen Damm.

. . . Er baute vor sich. Krallend Fäuste kneten. Durch Finsternisse sticht er, kreisendes Plakat. Ein Männer sammeln. Von Tribünen reden. Er tönt, ein Riesenhorn, den Psalm der Tat.

Antike Städte unter Dröhnen knittern. Melodisch schwingt schon nächstes Paradies. Aus Tänzerinnen weichstem Mondgeflitter Noch trüber Wallung voll der Tag sich gießt.

In Elfenbein. Von bunterem Wind gesalbt. Der kämmt zurück der Nächte Schlinghaar falb. Senkt das Gestirn in aufgestemmte Brust. Er hobelt ab verkohlten Leibes Krust. (. . . und Wimmern ebbt und sägendes Gehust . . .)

Er war hinabgestiegen. Auf er bog Mit Höll im Arm, die süßer Mai bezog. Lang tobte Chaos in dess Angesicht. O neue Welt! An jetzt uns Freiheit bricht!!!

III

Da rollen Züge tönend im Gelände, Das auf sich wölbte, breit und wunderbar. Er schwebt -- ein Fluß verknüpft sich noch vorm Ende, Dran Häuser stehn wie weiße Kinderschar.

Lichtsäulen schreiten Menschen überall. Kristallene Wälder blitzen in den Räumen, Verzogen der Gewitter Überfall. Gebirge Katarakte Donner säumen.

Wie tausend Brücken spreizen aus dem Land, Mit Kurvenwirbeln strahlend in den Äther! In Sommerluft, dem Schmetterlings-Gewand Mag steigen ob der Dächer Flur wohl jeder.

O heilig Paar das wie ein Kelch aufsprießt! Von blauer Lämmer hellstem Flor umläutet. Stern an Stern durchflochtene Wies: Spiegelglätte, Nacht und Meeresweide . . .

Entreinigt euch der winterlichen Städte, Der Nebelstraße tauichtem Gebrest! Wir grüßen Sonne dich! Erhabenes Schmettern. (. . . einst Blutschwamm übern Himmel ausgepresst . . .) Nun Scharlachlüster sprühenden Geästs.

Nationen ewige, so ihr befreit Euch -- Tat! -- aus mördrischen Tyrannengriffen!! Wir drehen aus der Kriege Dunkelheit, Emporgeschraubt, wie Morgen rein geschliffen.

Nicht daß mit Peitschen mehr uns Henker bannen. Rings Völker brausen in die Himmel grad. Sterngefilde blanker Bajonette spannen Sich neigend über dem entsunkenen Staat.

Inhaltsverzeichnis

Erster Teil: Kreuzzug · Ekstasen der Zärtlichkeit · Abschied von den Frauen

Ödipus. I u. II 5 Mädchen I--IV 7 Aus den Sonetten um C. I--IV 11 An C. I--III 13 Ekstasen der Zärtlichkeit I--IV 17 Gehaßte Frau 23 Abschied von den Frauen I u. II 24

Zweiter Teil: Verbrüderung

Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten I--IV 29 Der Entfernte · Georg Trakl 32 An den Tyrannen 33 An Zola 35 An den Frieden 37 Tod des Fliegers über der Stadt 38 Verbrüderung 39 Die neue Welt I--III 43

Anmerkungen zur Transkription

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