Verbrüderung: Gedichte

Part 1

Chapter 13,332 wordsPublic domain

VERBRÜDERUNG

GEDICHTE VON JOHANNES R. BECHER

LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG 1916

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. Februar 1916 als fünfundzwanzigster Band der Bücherei »Der jüngste Tag«. / Die Gedichte »Verbrüderung« wurden in den Jahren 1915 und 1916 in Berlin geschrieben Sie sind meinen Freunden gewidmet

COPYRIGHT 1916 BY KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG

Erster Teil

Kreuzzug / Ekstasen der Zärtlichkeit / Abschied von den Frauen

Nicht daß wir zärtlich-feig oft in die Lauben uns stahlen -- Kampf war auch dies. Krieg. Vergewaltigung. Versuch: wütigen Vorwärtsstemmens, Überallhin zündend Brüderlichkeit zu entfalten, _Paradies erarbeiten!_ Aber, Gott zu säen in die Gefilde des Weibs: Wie noch vergebens . . .

Ödipus

I

Der Knabe wartet auf die Mutterblüte, Die unter bauschenden Gewändern thront. Da kommt sie strahlend weich: die Mutterblüte, Von keinem Mann, von ihm nur fern bewohnt.

Der Vater muß verreisen in den Norden. Niemand herein in unsere Nächte stört. (. . . ach Vater du wie oft um sie gemordet . . .) Der Mutterblüte tief er angehört. --

Er fuhr dazwischen. Spät. Mit Ofenhacken. Der jagt ihn, Sturm, aus süßem Wiegenbett. Nun wird er gleich, ein Vieh, die Mutter packen. Schnurrbart spritzt rechts und links gleich Bajonett.

Sie spült herauf. Davon die Fleische klirren. Entfloh ihm taumelnd, als der Zug noch stand. Die Mutterblüte muß ihn arg verwirren. Manchmal auszackt sie wie der Hölle Brand.

II

An den Vater

Schlangenader längs der Stirne rollt. Gabel stößt er pfeifend in Salat. Weißer Suppe krummes Maul träuft voll. Makkaroni würgt aus Nase grad.

In den Weinberg kroch er, dichtes Laub, Den Kniefällen seiner Kinder taub: Dorther wächst und wächst ein Donnerschnarchen. Die ihn sucht, sich bückt --: sie schreckt die Blöße. Auf den Lippen gischtet Spülichtschlamm. Szepter in der Faust des Patriarchen. Füße Schweiß mit ihren Haaren klamm Wäscht sie. Arme Braut des Bösen.

Später, da er vor den weiten Plätzen Ängstigend sich preßt in ihren Arm -- Seufzer schickt sie den Erbarmungsblicken, So ihr zu oft glänzende Herren nicken . . . (Mancher stößt sich in sie rauschend warm). Die ihm dient als Boot zum Übersetzen. Ausgeleiert. Nur ein Ausstück. Fetzen.

Finger birgt sie, die erfroren rot Von Stricknadeln (Messerwald) durchlöchert. Aus geschwollener Augen Köcher Spritzeln Tränen auf zerdrehtes Brot.

Niederstürzt sie, die er täppisch rupft, An die sich heraufwälzt stumpfer Bauch. Zitternd in ihr kleines Bett sie schlupft: Ausgesogen, starr. Ein windiger Schlauch.

Bei dem Löffel in die Teller Klirren --: Hund am Tisch du! Klaffender Tyrann! Wo dein Sohn, Indianer, dir auflauert Zwischen Zähnen Beil er fiebernd kauert Vor dem Schlafgemach -- bis schwirrend Saust das Beil! Das Beil --: es fällt dich an!

Mädchen

I

Franziska

Du Engel ihm vom Zigarettenladen! Ein Ingenieur pflückt dich als Bräutigam. Wir dürfen nachts im Raum der Gärten baden. Wenn orgeln Sonntags gute Bettler am Geblümten Weg, mit Karussells beladen, Der Isarstrom verzweigt in grünen Bändern -- Die Augen sich mit dessen Schein berändern.

Doch bald --: er explodiert mit Bombenschritten _Ein neuer Vater!_ in dem Schlafgemach!! Der Faust entrasseln paukende Gewitter. Und tausend Väter kollern heulend nach! Gepeitschte aller Welt in uns erzittern. Rückflüchten wir. Es brennt die heimlichste der Lauben. Sie wollte nurmehr -- aus -- dem Browning glauben.

Dein Jüngling schrie durch jene finsteren Nächte An seine Mutter. Auch sie --: fühllos kalt. Sie wird kein Wort in solche Zuckung sprechen. Doch dess Gehirn durchrauscht soviel an Wald, Gebirg, Veranden: überwölbt von Bächen Azur, inmitten bunt die Sonne platzt. O, Frühjahrsregen an die Fenster kratzt.

Die läßt ihn nicht. Hoch seine Schulter kriecht Sie wie Gewürm. Du kannst mir nicht entfallen! Da --: in die Brüste ihr die Kugel sticht. Und draußen muß man mit dem Frühstück lallen. Bald löscht auch er. -- Bis groß die Tür ausbricht: Schutzleute stehn enorm mit Riesenbeilen, Behelmte Götter sich im Raum verteilend.

II

Dorka

Sie --: Dorka. Die ein orphischer Erdsturz braust. Ihn aufwarf und bereißt. Entsog. Zerstückte. Ihm Helferin zu seinem ersten Bau.

Um deren Mund sich Sturm aus Bajonetten zückte. Armeeen sich im Abgrund ihres Nabels schlugen. (-- vor der er sich zum Trank der Gosse bückte --)

Wie lang schlief er in solchen Leibes Fuge. Nie je war Nacht so fabelhafte Nacht. Mit Engeln, die uns auf der Wolken Samtbett trugen.

Sie Dorka. Die ein schmetterndes Orchester lacht! Am Horizont aufsteht sie, wachsend ungeheuer. Die Sterne purzeln tönend in den Schacht

Des Schoßes. Wolkgemäuer Treibt vor und schäumt und klebt sich in die Haut. Von Küsten euch o Lippen sprudelt Feuer! Feuer!!

Vor dem der Dachstuhl aller Kathedralen taut. Der Haare schwarze Fahn zuhöchst dem Haupt gehißt. . . . und von Morästen braut

Es, untermischt mit Wiesen, um den Flor Der Wimpern, die gleich Lanzengittern niederschatten. Um Locken Waldung sprießt ein Natternchor.

An Schläfen Nester triefender Kasematten.

III

Mary

Gefügt aus Kurven, die sich mystisch paaren, Ellipsenscheiben; Pyramidenwald Muß deinem Haupt zu wehendem Turm sich scharen. Der Finger Lilie gen die Sonn gekrallt . . . Café das Beet, aus dem du lächelnd sprießt. Wie oft wir uns um diesen Hals schon rankten! So laß dich tragen! Eisiger Mondschwamm fließt. Und Wind zerrt knisternd deinen Hut, den schwanken. Umstellt dich Reih starrfunkelnder Laternen: Gebogenheit an solchem Leib zu lernen.

Man wird stets denken: Atem dieser Brüste! Und morgens lösch ich mit der Frühe aus! Die Nacht zerrauscht an deiner Glieder Küste. Man hört hindurch der schwarzen Meere Braus. Ein Rundes schält sich aus ovalen Zeichen, Die wieder drehn in Linien Zickzack unter. Heut aber willst du Tier mit Park uns reichen Im Kelch des Worts --: Millionen Fischlein munter

Läßt du ein Wirrnis durch die Lüfte strahlen. Der Silberlöwe fährt, ein Tollpatsch, drein. Ein Zebra mußt du auch den Dom anmalen. Eidechsen Ornament dich benedeit. An Gitterästen kleben Spülichtratten, Wie sauberweiß! Von rosenem Flaum betan. Gleich frommen Hündlein hüpfen auf und ab dir Nattern. Sich tönend neigt, jahrtausendalt, der Schwan.

Die Zauberin ins Paradies. Gefieder Der Schneee wogt durch dampfende Mittagsluft. Da steigst du auf. Kehrst du am Abend wieder?! . . . nur wimmernd ächzet die Matratzengruft . . . Der Stadt Geräusche schrillen ineinander. Kanäleschiffe schnellen rings vorbei Du balanzierst auf des Gebirges Kante, Faltest die Kerker, Heilige, entzwei.

IV

Emmy

Du deren Mund an Horizonte knüpfte Einst düsteren Dichter --: er beträumt dich schwer. Du hausest Engel tief in Unterschlüpfen. Versammlerin an kaum betretenem Ort.

Fanatisch du gestreckt von Jenes Wort -- Hah! Schwingst allein dich drehend schon auf Barrikaden! Im Schrein aller Gehirn Reliquienfetzen.

Ja --: Satzgefüge tollste meißeln dich: Geschwür. Wirr deinen Körper geißelt Der Menschheit Auf- und Niedersteigen. Jäh der Treppen Schritt . . .

Und diese Hand so schlug _sprengt!_ deine Brüste. O! Jungfrau von Orleans unsere! Fahnen: Gesänge hüllen dich.

Aus den Sonetten um C.

I

Er hüpfet lächelnd kraus von Schleierwinken Durch Wiese, loh im Scharlachabend brennend. Schlägt von der Marmorberge Postament, Bis rauhe Lippen solcher Süße trinken:

Ein wenig Mond mit Firmament gemischt, Stöße von Nacht und Träume Intervallen. Daß seine Augen auf die Städte fallen, Gläsern und trunken. Kühl ihr Weißes lischt.

. . . Ihr Bögen dürftet nicht den Strom mehr drücken Der gleich Palästen aufgestauten Brücken. Alleeen rinnen hoch der Finsternis,

Kaum flockt zerbrochenen Mondes grüner Firnis. Er aber schläft. Sein blutig Lid es hängt Ein jäher Dorn in Hyazinthenfrühe öd.

II

Sie streift ihn kaum. Doch deinen dunklen Gärten Ward er zum Bräutigam wie unbemerkt. Nun tanzt und wiehert er mit lichten Pferden. Besingt den Mondtag als sein schönstes Werk.

Voll bunter Knospen stehn in Brand die Haare. In Ohres Muscheln flüstern Samoware. Ein weicher Strom verzückt ums Aug sich streut. Der Stirne Golf im weiten Strahl sich freut.

Ein Tod er trifft ihn schlafend unverwundet. Zypressentraum herbstlicher Nächte mundet. Von Cymbeln hingerafft ins Blau . . . Noch fand

An ihren Lippen Ruh die steife Hand. Und Küsse lang wie Nektar ausgeschlürft. Als hieß es heut zum erstenmal: »Ihr dürft . . .«

III

Ihr Angesicht erfüllt von nächtigem Mohne, Drum kräuseln rührend spitze Lilaschatten: Ein Lächeln, das einst fremde Länder hatten, Bevor sie Frauen wurden, Stadt und Ton.

Die Zedernfüße steigen kaum im Schwung Von Tänzerinnen. Doch der Mund ist schon. Sie pendelt kurz, ein blankes Medaillon. Auf dessen Schildrund rückt die Dämmerung

Nur manchmal. Horizonte Ungefähres Webt feucht darin. Geborstene Türen klinken. Um ihretwillen müssen Damen schminken,

Kraß Tuben klexen in ein höhnisch Leeres Zerrissenes Oval. Asyle stinken. Sie _steht!_ Ihr die Verrufenen winken -- --.

IV

Der Räuber Tod ließ dich wie einen Zeiger Auf deinem Blatte vor der Stunde stehn. Der Atem hört ein Schlagwerk auf zu gehn. (. . . Und Menschen rings auf Plätzen wirr gesteigert . . .)

Ein Pferd will sich vor rosenem Schoß leicht schmiegen. Im laubichten Haar versammeln sich die Fliegen. Aus Augen Waben träuft ein Honigmet. Geborstene Schatten winken noch . . . zu spät.

Die Sonne strömt. Aus Seliger Revier Spült der Choral (er schmilzt den Kerker) --: Wir!! Dein Triller wie auf höchstem Seile blinkt.

Schwank über Frühjahrs krummen Regenbogen Er schaukelt, dreht . . . gleitend hinabgezogen. Bis ers Finale der Posaunen bringt.

An C.

Manchmal meine ich, Du könntest eine Geschichte aus mir machen und mir ist, als ob das Sterben, jetzt oder später, leichter würde, wenn man weiß: ich selber konnte wohl nichts tun, aber es geschah irgend etwas durch mich.

C.

Der Nacht quoll: schief verworren Wölbt sich jetzt Morgen grad. Du kannst ihn schreiten sehen Ganz Wind und Schwebezeit.

Sein Aug umstreichen Flüsse. Tosender Wälder Schwung Flackt um der Berge Schulter. Des Tages Purpurküsse.

Du kannst ihn schreiten sehen. Nicht Qual fretzt ihn. Kein Dorn. Der Nacht quoll: schief verworren Ganz Wind und Schwebezeit.

Aus Lilienfinger geußt dem Gekrümmten Schwangeren Balsam. Säuglingen, den Asylen Träuft er der Lippen Brod.

(. . . einst stürzten Worte Unflat, Nun schmilzt ein Mond im Tönen. Wie Quell springts aus der Flöte Horn. Jetzt kaum noch Mietskasernen stöhnen . . .)

Du kannst ihn schreiten sehen -- die goldenen Wagen rauschen -- Mit schmetterndem Tempostampfen, Wo sich vor brüchigem Tor Sein Volk in den Azur löst.

II

Mond im Fluten Traums verweht, Nachtigallen dich besuchen. Wickelst dich aus schweißigem Tuche, Tanzest auf Balkonen spät,

Flackert noch ob dem Staket Morgens klein der bunte Shawl. Purpurküsse ausgesät Schlürft er in den Städten fahl.

In der Autos Röcheltuten Gluckst ihm dünn dein Husten ganz. Sprengt er laut entzwei die Buden. Zirpt der Karusselle Kranz.

». . . Jäh in Huren die hohl kichern Schnappt dein höchster Triller über. Rette uns zu dir hinüber Engel . . .« Herbstlaub wischt der Dichter.

Unter Türen, Räderspeichen Kauert brüchig das Gebild. Harfenfinger in die Leichen Krallt es schüttelnd, tönend wild.

»Wiesen streust du aus. Im Gang Kräuseln Wälder. Ströme Falten Zündeln hoch in mystischem Schwang. Kniee stoßen grad basalten. Um die Schläfe schmiegt dein Gang.

Langsam schmilzt der Stern ins Haar. Flöte summt der Samowar. Weite Weite gräbt sich trüber. Rollt ein Atem -- Nächte Wind. Pferdeaugen blühn im Kind. Engel rette uns hinüber! . . .«

III

Wir möchten uns begreifen Hindurch, ja ganz das Unsere In tauben Küssen fühlen. Das alles: Bett, Fluß, Stühle, Im Haar von Rosa Schleifen . . . Das aber schreit als Unseres: Im Schoß das Haupt zerwühlen, Wie Stürme fetzend durch die Körper schweifen.

Oft nächtens wir uns tönend schwingen Aus brüchigem Mund zu vollerem Baum. Empor aus Tier und öliger Straße fingen Auf Lüften selig gleitend ein wir Gott und Sternen-Raum. Da stürzten Väter borstig-jähe Herab den Trunkenen aus den Sphären. Schwangere Mütter kreischend scheren Ihm ab der Locken Schnee.

Das Grab klafft uns bereitet. Flößte uns Gifte ein im Trunk. In Herbst-Laub fahl gekleidet Wir schwieren in der Dämmerung Der großen Städte. Quollen Nicht Fahnen Ruß aus Stein und Schlot. Man Nebel schlürft zum Abend-Brot. Die Därme gleich Fabriken schollen.

Und Echo brüllte tausendfach. Da rinnen Augen klein. Erwacht Des Engels Daseins-Blüte?! Er geußt die Lilien-Hand. Ein Strich Bog ab der Brust den Messer-Stich. Neu formt er Rock und Hüte.

Wie Bläue hell durchs Land geweitet Schlug auf in uns er Zelt und Pfühl. Am Firmament heroisch schreiten Wir aus, zu Flöte süßestem Spiel.

Ekstasen der Zärtlichkeit

Du Einzige, Die mich verstand Die meine glühenden Verbrechen Selig verwand. Die meinen tiefen Schöpfergram Ins Heilige gemildert In ihren Geist hinübernahm.

Mombert

I

Dein Gang elastisch. Die Gelände wirbeln. Ein roter Dorfturm stach verzückt ins Blau. Die Rinnsal-Straßen mögen dich nie fassen. Turban deines Haupts --: Spirale blumigen Regenbogenflusses.

So müssen immer Städte dich besingen, Der grünsten Falterwiese zirpende Schalmei, Von Reisauflauf ein Ruch dich ganz bedringen. Da Kinder kehren Wäsche unterm Arm vom Baden heim.

Du: die Entfaltete. Geblümte Möbel reihen sich dir zum Halsband schlicht. Ists auch kein Sieg der aus den Gewaltmärschen längs der Küste deiner Lippen blüht. Immer aber schon ein Streif Paradies aus dem Tau deiner Haare sich löste. Jener Märtyrer-Brüder Phalanx sucht sich in dir zurück.

Libellen muntere über dem See im Spiegel deiner Ovalnägel wiederfanden sie sich. Der aber als violettes Zebra im Gitterkäfig, von der Mondschlucht Weich beraunt . . . O geschnitzte Karussellpferdchen dich melodisch umkreiselnd! Du heilige Jungfrau, Mutter unsere! Palast in dem der Mann vergeht zu Urkindwildnis, Jünglinge siedende gossen sich sterbend über die Planke deiner Hüfte. Oft. Und einer um den anderen. Je nachdem . . .

Viel Ozeandampfer hängen in Korallenzweigen, Mit Fischen ziehend durch das Lochgebiß. Dein Lächeln könnte sie zusammenfügen, Die schwebten wieder groß im Meer gewiß.

Wie tausend Tote gleich Geliebten kauern, Sie spreitzen sich gens wolkichte Gebild. Wind stutzt die Dornen der Granatenbrände: Atem dein auch glättend den Berserker wild.

Mütter so dich immer wiederholen: Schreiterin im sprühenden Ornat. Vielecksonnen breiten auf den Wangen, Dem vom Schleier überzogenen Gletscherfeld.

II

. . . und immer muß sie aus Geräuschen brodeln, Hinflutend auch im großen Nächtewind. Symphonisch Klirren der entfachten Fenster Aus derer Augen zuckend bräunstem Rund.

Die Teiche vor der Stadt sie lächeln dich. Dich meint die Heimkehr tönender Soldaten. Zu deinen Füßen baut sich Strich um Strich, Und Plätze mit der Sonne schwer beladen.

Wie klar es ist: daß dich der Zug nur will, Der von der Brück ab in den Äther springt. Die Transparente blitzen deinen Namen. Du aller Kinos dröhnendes Plakat.

Und wenn dich noch die kleinen Dinger rufen, Rot aus dem Bauch in spitzigen Glast geschält. Auf Bänken Strolche sich in dir verankern. Dich jeder ausspricht der ins Dunkel stürzt.

Erlöste Tiere ruhen in deiner Fächer-Hände Schatten, Weit Menschenvölker spielend miteinand. Die müssen bunte Fahnen um dich flattern. Muster eingewoben dem Gewand.

III

Zinnobere Bäche. Mosaik der Wälder. Gehäuft ob Bergen Trichter Sonne gell. Firnis des Monds. Verschlungener Täler Brausen. Geborstene Städte -- brüllende! -- Schalmei.

Und Niederknallen blökender Idioten -- Und Dächerbalanzieren, sternwärts Taumeln -- Und Liebender Geflüster vom Kanal -- So buntgeflickte Segel hissen dich!!

Er wird dich durch die vielen Länder tragen Der junge Dichter, strahlende um ihn. Ein Himalaya muß er tönend ragen, Um den die Schwärme, Stern und Wolken jagen, Zu dessen Füßen neue Städte knien.

Wie schlingt sich wirr um ihn dein Haargefieder. Der Küsse Knospe reiht sich dicht zum Kranz. Ein zitternd Fragen, Hin und her Erwidern. Das zuckt wie Harfe aus den Lüften gell. Der Geist, der Geist er muß Gewalt beenden, Die stinkicht aufquoll: Krieg an allen Enden!

Den Geist der Tat, du wirst ihn heftig läutern Beginnen! rufen. Zeigen vor uns wild.

Hah! Schon zu Hunderten Kasernen meutern. Nun werden sich die alten Staaten häuten. Du trägst dich vor uns gleich ein Palmenschild. Schwebst, Heiland licht, durch tödliche Gewimmer. Sichtbar am Horizont als Rosenschimmer.

IV

Du Hüterin! . . . Da reißt sich schief Grimassenhäuser Front, da packen Der Gäule Hufe ins Gehirn. Ein Dom treibt Widerhaken. Du Hüterin . . . Die ziehst du all Heraus magnetischer Streichelhände. . . . O Haupt im Tabernackelschoß . . . Laß mich, dir gut, vollenden!

Und Tag! und Tag! Hah grellstes Licht Peitscht an, rings Züge sausen. Ein lilabrauner Himmel schwer Presst tief. Im Pflaster scheint uns wer. Gespenstertote hausen. Man brüllt nach Du. Dein Atem bricht In längsten Samumstößen. Es stockt und ebbt schon der Tumult: Melodisch schwemmen Abendfluren. Wir Fabelschiffe wiegen.

-- Du fütterst ihn. Du ziehst ihn groß. Wie ist er da entsprossen! Gleich Fahne flackert dessen Hos. Vorbei die Kugeln spritzten. Von dir gedacht er: so gefeit. Gestauter Welt ein Zünder. Die Arme wehen Signale weit. Ekstatischer Verkünder!!!

O Einsamkeit -- jetzt überwand Dich heißestes Zerdringen. Mein Prisma du, von mir durchbrannt Zu tausend Strahlen schwingend. Du streichest aus der Frauen dumpf Gehock. Kristallenen Klumpen knetend, Jäh meiner Brust: finster geballt. Ein Labyrinth von Schimmelwald, Erfüllt mit Mord der Schul und Väter.

Wir kehren nicht zurück zum Schoß, Gen Scharlachdämmerungen. Vom Fundament wir bauten los Uns. Tod ward übersprungen. Du Brücke aus der Nacht Revier -- Geharnischte Winter schlagen. Wir schweben fest! Der Kragen Dreht sich zum Strick. Du löst ihn mir.

Du Engel an der Pforte. So bin ich aufgeschält. Es blühen aus Vase meines Munds euch Heimatworte. An deiner Stirn sich reibend auf perlig: ein Lilienfeld. Verhüllte Meere knistern Herein, der Donner breiter Takt. Wir aber landeten an Küsten Mit Gärten, Mond und Freund beflaggt.

Du klaffst: des Eilands Brunnen, Daraus der reine Mann sich schöpft. Nah Aeroplane knurren. Ein Sterngewimmel tropft. Von schaukelnden Tribünen Gleich Flamm der Dichter loht: Der Völker Psalmenhort, Die rings um ihn wie Herden dehnen.

Ja --: brüderlich Verschmelzen! Nicht einsam, sondern _jeder_ sein! Abschraubt des Hochmuts Stelze! Fahrt in die Huren ein! (Schraubt euch auch dumm und klein!) Der Mantel wie ein Drahtzaun Schlingt sich um unsere Hüfte. O lasset uns restlos vertrauen! Geschminkte Masken lüften!!

Du hast es ihm vollbracht: O brüderlich Verschmelzen. Nacht schwillt: Lampione-Nacht. Geteerte Sommer wälzen. Wir blättern strahlend Fächer. Von deiner Augen Süßsee Schlürft oft der Lippe Mal.

Frau Else Hadwiger gewidmet

Gehaßte Frau

». . . So wiß es --: daß ich nachts die Straßen jage: Die Brust sie geht ein Segel auf nach dir! Die Gründe Firmamente spiegelnd tragend Sie tosen wirr. (Nun triumphier!!!)

Dein Lachgeheul sich in Laternen ballend. Die Gäule wiehern ironischen Salut. Des Pflasters Schaukelflur sie springt auf knallend. Durch Frühen schwemme ich. Gebirge Schutt.

Grandioses Vieh . . . wo dick dein Atem webt, Die Stadt zerbeulend. Steigend auf als Säule. Und ich! Und ich! . . . Es schnappen tausend Mäuler: Den der im Sud der trüben Schlämme klebt.

Grandioses Vieh . . . Ins Kugellager des Gehirns verwachsen. Mein Stampfen schlingert. Die Maschine stoppt. So schreite aus --: den abrasierten Kopf Des Männchens eingespreizt in waldigen Schoß.

Grandioses Vieh . . . gehetzt wir schleifen durch Lokale. O wie ich greif und greif nach tausend Skalen. Die Stirn sie knittert. Labyrinth es träuft. Dein Bild verzerrt vor alle Welt zu malen. Mannschaft zu werben. Du! In deren Strahlen Granitenes Monument du schmilzt!! Ersäufst!!!«

Abschied von den Frauen

I

Melodische Gärten taucht ihr langsam unter. Tag dreht herauf, von Blitz und Blitz bestellt. Fortläuten Trams sich durch die Straßen munter. Haar der Alleeen, grünster Flor, sich wellt. Melodische Gärten taucht ihr langsam unter.

Verlerntet ihr es --: bogenes Streicheln kühl?! Auch tobt die Flur, von Explosion durchmessen. Geliebter weit, der euerer Locken Harfe spielt. Pulver Gebraus wird Mond der Lippen fressen. Die ihr verlernt es --: bogenes Streicheln kühl.

Da lösen Promenaden hoch ab sich vom Schmetterlingenhang der Schultern. Haubitzenloch der Sintflut Arie blies. Zu Gräben Gräben! aber wandelten sich um die Pulte. Die Toten sprechen manchmal im Verließ. Ja --: Promenaden lösten hoch sich ab vom Schmetterlingenhang der Schultern. Faust krallt der Männer. Schwimmet zueinander! Zerschmeißet des Geschlechtes Sklaverei! Die rasend unerhörte Höllenpein! Zu neuen Küsten --: Aufbruch! Zug und Landung! _Es müssen Brüder sein!!!_ Vom Chor der Freiheit aufgezückt. Entbrannte. Wo Regenbogen springen kreuzweis mittendurch --: Es schmilzt der Gletscherbrust Gestein.

II

Namenlose alle! Nicht Gesagte! Wo, wo trifft man euer Angesicht?! Euch zu sammeln ist es längst zu spät?! _Klafft_ es heulend --: jenes Angesicht --

Von der Häuser Löcher übersät. Von Kanälen kreuz und quer gekerbt. Von dem Plätze-Pickel bös zernagt. Übergleist vom Mörtel wallenden Laternenlichts.

Langsam muß der Dichter euch entgleiten, Viel zu lange schon bei euch verweilt. Donner rast. Ein endlos Messer flicht Sich dem Körper ein. Granate bricht. Hoch den Dolomiten die sich seilen. Euch umrankend hat er übersehn Den Komet, der schweflicht sich am Himmel wand. Was uns bleibt?! Auf Flur der Leichen gehen. Ach, nicht trocknet mehr vom Blut die Hand.

Fahnen schwebet nach ihm euer Winken. Welche Stunde bringt uns einst zurück?! Auf die Wangen zackichte Sonnen schminkend Bröckelt ihr an Toren: zu gebückt. Ach, wir waren nur uns Opfer beide: Ausgeplündert oder überzückt. Laßt allein uns tilgen aus von jedem Leid. Ohne Schmerzen kehren wir zurück.

Einst gleich Fächern auseinanderstrahlet Unserer Körper eingefallener Bau. Auf den Plätzen stehn wir: Kathedralen! Ein Gestirn kreist wild ob unserem Haupt. Regenbogen in die Landschaft malend Sich das Aug, ein Periskop, rundschraubt. Unsere Stirnen aller Armen Schild. . . . Wanderung im Seligen-Gefild . . .

Zweiter Teil

Verbrüderung

Novus nascitur ordo

Mirabeau, 1. Mai 1789

Getötetem Freund · Vermächtnis des sterbenden Soldaten