Unter den Wilden: Entdeckungen und Abenteuer

Part 20

Chapter 203,571 wordsPublic domain

Ich kann nicht unterlassen, hier der Freigebigkeit der Schwarzen zu gedenken, wenn ich sie beschenkt oder ihnen etwas versprochen hatte. Sie fuhren alsdann behend zur Erde, ergriffen ein Stückchen Holz, oder was sie sonst erwischen konnten, und steckten es mir zum Zeichen der Dankbarkeit in die Hand. Wenn sie mir nun ein Huhn oder eine Schüssel Reis brachten, wollte ich mich auch ihrer Mode bedienen. Aber das wollten sie nicht gelten lassen: sie waren vielmehr der Ansicht, solcher Brauch sei nur bei den Schwarzen, nicht aber auch bei den Weißen Mode!

Des andern Tages warf ein dänisches Kaperschiff bei unserer Festung Anker und begrüßte sie mit fünf Schüssen. Ich fuhr zu ihm, erquickte meinen Geist mit gutem Zerbster Bier und übernachtete hernach im »Kurprinzen«. Als ich im besten Schlafe lag, berichteten mir meine Leute die Ankunft einer heimlichen Gesandtschaft, die mich sprechen wollte. Weil aber den Schwarzen nicht allzeit zu trauen ist, zumal des Nachts nicht, ich auch den Grund dieses nächtlichen Besuches nicht erraten konnte, gab ich ihnen zunächst keine Audienz. Als sie mir aber keine Ruhe ließen, nahm ich ein paar Pistolen unter den Rock und ließ sie vor. Ich erkannte in ihnen Eingeborene aus Accada, die mich überreden wollten, unsern Berg zu verlassen und bei ihnen ein Fort zu erbauen. Als ich sie wegen ihrer Untreue tadelte, sprach der Gesandte: »Herr, sieh, hier bin ich ein Häuptling, dieser ist mein Bruder, da ist seine Frau und sein Kind; die lasse ich dir als Geiseln. Begehen wir eine Untreue an dir, so tue ihnen, was dir gefällt.« Ich beschied sie auf den andern Tag wieder, da ich erst über ihr Angebot Rat halten mußte. Wir teilten ihnen dann mit, sie müßten sich gedulden, bis wir übers Jahr mit unseren Schiffen wiederkämen; dann ließe sich darüber reden, was in dieser Sache zu tun wäre.

Folgenden Tags brachte ich den Vertrag zu Papier, den ich mit den Häuptlingen geschlossen; es wohnten nunmehr deren vierzehn auf dem Berge, und sie hatten mehrmals darauf gedrungen. Als ich ihnen von der Gesandtschaft aus Accada Mitteilung machte, waren sie noch mißtrauischer und hatten Furcht, wir könnten sie im Stich lassen. Deshalb berief ich sie in mein Zelt, begab mich mit dem Kommandanten Blonck und ihnen zu Tisch, setzte ihnen noch einmal die einzelnen Punkte des Vertrags auf portugiesisch auseinander und verlangte, sie sollten diese Punkte beschwören. Sie forderten zunächst bestimmte Waren, wofür sie uns den Berg und die Umgegend zu Eigentum verkaufen wollten. Dann ließ ich eine Schale mit Branntwein, Wermutextrakt und Violensaft zubereiten, nahm einen Löffel zur Hand und fragte den Ältesten, ob er gewillt sei, Fetisch zu trinken. »Ja, ich trinke,« sagte er, »die Punkte, die man mir vorgelesen hat, zu halten, unter dieser über uns wehenden Flagge zu leben und zu sterben. Breche ich meinen Eid, so lasse mich der große König im Himmel augenblicklich sterben.« Einige der Häuptlinge wollten zwar Fetisch trinken, könnten aber, sagten sie, mit den Ihrigen nicht vor Verlauf von 3, 4-6 Monaten den Berg beziehen, was die andern nicht zugeben wollten. Nachdem sie nun alle den Eid geleistet, nahm der älteste Häuptling die Schale in die Hand und begehrte: Ich sollte nebst dem Kommandanten ihnen allen schwören, sie wider ihre Feinde zu beschirmen und in keiner Not zu verlassen, ihnen Weib und Kind nicht fortzunehmen oder zu verkaufen und sie namentlich gegen die Holländische Kompagnie zu verteidigen. Wir versprachen ihnen, das alles zu halten, ausgenommen, wenn sie den Holländern Anlaß zu einem Eingriff gäben oder etwas entwendeten. Damit steckte mir der Häuptling einen Löffel voll des Tranks in den Hals, daß ich sechs Wochen davon genug hatte. Dann kam der Kommandant an die Reihe, der scherzweise äußerte, wenn er nicht die Frauen und Kinder nehmen solle, so müßten sie ihm ein Weib geben. Sogleich fiel ihm einer der Häuptlinge in die Rede: Wenn wir nach Landesbrauch uns verheiraten wollten, so würden sie uns ihre Töchter geben. Wir nahmen das Anerbieten im Scherz an, beschenkten die Häuptlinge und ließen sie ziehen.

Andern Tags ließ sich der Faktoreileiter von Axim bei mir melden, er habe einen Auftrag auszurichten. Als ich ihn zu mir entbieten ließ, kam er feierlichst mit zwei Fähnlein angezogen. Ich sandte ihm einen der Ingenieure entgegen mit der Bitte, er möchte doch seine Begleitung und die Fahnen unten am Berge lassen; denn der Berg vertrüge nicht mehr als eine Fahne. Er gab dem Ansuchen auch statt. Als meine Soldaten in Reih' und Glied standen und die Trommeln und Pfeifen ertönten, stieg der Herr Gesandte den Berg herauf. Er trug einen scharlachenen Rock mit durchbrochenen, silbernen Knöpfen; auf der Schulter, am Hut und Degen hatte er einen großen Busch von Bändern, wie ihn die alten Klopffechter zu tragen pflegten. Unter dem Rocke zeigte sich ein leberbraunes Kamisol, blautaftene Hosen und an einem fleischfarbenen Gürtel ein langes, grünes Degengehenk. Die Schuhe waren gestickt und die Strümpfe von weißer Seide. Wären noch mehr Farben bei den Pariser Krämern zu finden gewesen -- ich wette, er hätte sie sich auch auf den Leib gehängt. Hinter ihm schritten seine zwei Assistenten fast in gleicher Livree. Darauf folgten acht Schwarze, die auf ausgehöhlten kleinen Elefantenzähnen eine seltsame Musik vollführten, zu der ein Kerl auf einer kleinen Trommel mit einem krummen Haken den Takt schlug.

Das klang so, als wenn bei uns auf den Dörfern die Hirten zur Christmesse blasen. Nachdem ich den vornehmen Herrn ins Fort genötigt hatte, ließ er sich durch einen Schwarzen entkleiden, damit wir auch die goldenen Knöpfe, die er an Hemd und Hosen trug, zu sehen bekämen. Er erlabte sich dann an einem Trunk Weins und brachte schließlich einen Protest zum Vorschein. Ich fertigte ihn aber kurz ab, indem ich erklärte: »Wir haben dieses Gebiet von den Schwarzen gekauft«; wollten sie dagegen protestieren, so möchten sie das in Berlin tun. Würde er aber mit seiner Kompagnie unser Freund bleiben, so wollten wir ihm von unserer Seite alle Gegenfreundschaft erzeigen. Andernfalls stände ihnen frei, zu tun, was sie nicht lassen könnten. Hierauf ward noch etlichemal getrunken, und dann verabschiedete er sich.

Allmählich begannen meine Leute, einer nach dem andern, krank zu werden. Ich arbeitete so lange mit den Schwarzen, bis auch mich die schwere Landseuche (Malaria) durch ein grausames Fieber niederwarf. Als das Fieber auf einen Tag etwas nachgelassen, kamen unsere Häuptlinge mit ihren Frauen und brachten mir und dem Kommandanten unsere Bräute. Es waren Kinder von 9 Jahren, und sie waren mit allerlei Farben bemalt. Ich mußte mich in meinem Schlafpelze mit dem Kommandanten zu Tische setzen, und unsere Zukünftigen nahmen neben uns Platz. Ein rechtes Hochzeitsmahl wurde zugerichtet, und daß der Wein nicht fehlen durfte, kann man sich wohl denken. Die Männer saßen dabei nach Landesbrauch abseits und tranken treulich auf den Branntwein los. Hernach wurden uns unsere Bräute von den Eltern übergeben und empfohlen. Unterdessen begannen die Frauen mit solchem Geschrei zu tanzen, daß ich gezwungen ward, die angenehme Gesellschaft zu verabschieden und mich wieder zu Bett zu begeben. Weil unsere Bräute kein Portugiesisch verstanden, ließen wir ihnen durch meinen Jungen sagen, sie sollten jetzt nur wieder nach Hause gehen; wenn wir sie nötig hätten, würden wir sie schon holen lassen. Meine Krankheit machte mir viel zu schaffen; mein schwarzer Engel besuchte mich täglich, was freilich meistenteils deswegen geschah, den hungrigen Magen zu füllen und etwas geschenkt zu bekommen.

Diese grimmige Landseuche nahm so überhand, daß von 40 Mann nicht mehr als ihrer 5 Wacht tun konnten. Wir andern lagen alle zu Bette. Ich war oft besinnungslos und raste, der Kommandant, die Ingenieure, der Feldscher und alle Soldaten konnten sich nicht rühren. Täglich starb einer und so schleunig, daß man tagsüber nichts zu tun hatte als Gräber zu machen. Mich selbst hatte man schon zweimal für tot gehalten. Ich war in so elendem Zustande, daß die Häuptlinge alle ihre Mittel versuchten, mir zu helfen. Als ich einmal in tiefer Ohnmacht lag, kam einer mit einem Haufen Riemen, an denen eiserne Nägel hingen; die zählte er über meinem Kopfe hin und her und sprach dazu bestimmte Worte, die meine Leute nicht verstehen konnten. Ein anderer segnete mich mit einem Ei. Ein dritter brachte einen jungen Hund, in den er all meine Krankheit bannte; hinterher ertränkte er das Tier. Unterdessen fraß der Tod die beiden Ingenieure, den Sekretär, einen Sergeanten, zwei Matrosen und vier Soldaten.

Die angefangene Arbeit blieb liegen, weil auch unsere zwei Zimmerleute krank waren. Endlich kam der »Morian« zurück. Von dem nahmen wir 15 Matrosen an Land, die nebst einigen noch gesunden Soldaten das Wohnhaus und die Baracken fertigstellten und die Palisadenumzäunung mit Erde ausfüllten.

Kaum war unser Werk getan, da schickte der Häuptling von Axim seinen Sohn und ließ uns warnen, wir möchten gute Wache halten. Denn die Neger von Adom wollten uns binnen zwei Tagen mit drei- bis viertausend Mann überfallen. Mir war bei der Sache nicht wohl zumute. Waren wir doch nur ungefähr fünfzig Mann, die vom Schiffe mitgerechnet, und zweihundert wohlbewaffnete Schwarze.

Am nächsten Tage kamen in aller Frühe unsere Häuptlinge mit der Bitte, wir möchten doch ihr Weib und Kind, Hab und Gut ins Fort nehmen; denn der Feind wäre schon da. Zugleich hörten wir auch etliche tausend Mann unweit im Gebüsch mit ihren Musketen knallen. Wir hatten uns auch fertiggemacht und unsere Kanonen mit Kartätschen geladen. Da nun der Feind, der vielleicht meinte, wir sollten vor Schreck davonlaufen, unter stetem Schießen näher rückte, befahl ich, mit einem Sechspfünder unter sie zu schießen. Die Kugel schlug recht in den größten Haufen ein. Damit hatte der Krieg ein Ende; denn die Mohren können nichts weniger als das grobe Geschütz vertragen. Sie hörten auf zu schießen und flohen in aller Eile. Unsere Schwarzen setzten ihnen noch ein gut Stück Weges nach.

Als nun der »Krieg« beendet und unsre Festung in Verteidigungszustand versetzt war, stellte ich den Kommandanten als solchen den Soldaten vor, nahm Abschied von meiner Truppe und den Häuptlingen und begab mich, noch schwer krank, auf den »Morian«. Alle Leute zweifelten an meinem Wiederaufkommen, da ich einem Toten ähnlicher sah als einem Lebendigen. Und was das ärgste war: ich kam in ein Schiff, das nichts anderes hatte als verschimmelte Zwiebäcke, dreißig Pfund verdorbenen Stockfischs, verdorbenes Fleisch und faule Erbsen. Davon konnte ein Kranker nicht genesen. Dieser Proviant benahm mir selbst und allen meinen kranken Leuten die Hoffnung. Aber Gott verläßt die Seinen nicht. Nachdem wir voneinander Abschied genommen, beabsichtigten wir, über den Äquator zu schiffen. Zu der Kranken Glück trieb aber ein ungünstiger Wind uns längs der Küste nach der Insel St. Thomas, wo wir uns mit Schweinen, Hühnern, Zuckerrohr, Kokosnüssen und andern Erfrischungen reichlich versehen konnten, die uns auch unsre Gesundheit wiederherstellten.

Geschichtliches und Geographisches zu den Berichten der Entdecker

Bald nach Antritt seiner Regierung faßte Georg III. von England den Entschluß, Schiffe auf Entdeckung unbekannter Länder auszusenden, um dadurch die Ausbreitung des englischen Handels zu befördern. Wir, die wir im Zeitalter des Dampfes und der Elektrizität leben, können uns kaum vorstellen, welche Schwierigkeiten sich der Ausführung solches Planes damals entgegenstellten. Ein Segelschiff ist einzig und allein auf den Wind als die Quelle eigener Fortbewegung angewiesen. Widrige Winde werfen es aus seinem Kurs, halten es im Hafen fest oder fern von ihm, lassen es zum Spielball gefährlicher Strömungen und der Brandung werden. Monate-, ja, jahrelang war der Seefahrer oft von aller Kultur wie abgeschnitten: die unsichern politischen Verhältnisse und Völkerrechtsanschauungen mußten ihn so in jedem Schiff anderer Nationen einen zu fürchtenden Feind sehen lassen; Kaperschiffen aller seefahrenden Völker waren die Meere erwünschte Jagdgebiete. Zur Unkenntnis der Erdkunde, die sie ja durch ihre Fahrten erst erhellen sollten, gesellten sich für die kühnen Seefahrer die Schwierigkeiten der Verpflegung: der Skorbut, jene bei ausschließlichem Genuß von gepökeltem Fleisch und Konserven und dem Mangel frischer Pflanzennahrung auftretende Blutkrankheit, raffte sie zu Hunderten dahin. Auf Cooks (spr. kuhks) zweiter Reise um die Welt (1772), auf der die beiden berühmten deutschen Naturforscher und Philosophen Johann Reinhold und Georg Forster (Vater und Sohn) seine Begleiter waren, nahm man deshalb -- das mag hier der Kuriosität halber erwähnt sein -- sechzig große Faß Sauerkraut und die kurz vorher in England erfundenen, aus frischem Rindfleisch, Knochen und Abfall verfertigten »Bouillonkuchen«, wir würden heut sagen: Bouillonwürfel, mit gutem Erfolge mit.

Der erste der Entdecker, deren Berichte hier nach dem Werke von John Hawkesworth (spr. hohksuöß) mitgeteilt sind, Kapitän Samuel Wallis (spr. uohls), trat seine Weltumseglung am 22. Juli 1766 von Plymouth (spr. plimmes) aus auf dem »Dolphin« (d. h. »Delphin«) an, einem »Kriegsschiff sechsten Ranges«, das 24 Kanonen führte, und dessen Bemannung aus 3 Offizieren, 37 Unteroffizieren und 150 Mann bestand. Ihn begleitete anfänglich Kapitän Philipp Carteret (spr. kahtert) auf der Schaluppe »Swallow« (spr. suollo, d. h. »Schwalbe«), der aber von der Magalhaensstraße (spr. machaljahngs) an ein besonderes Ziel verfolgte. Nachdem Wallis zunächst Patagonien einen Besuch abgestattet hatte, wandte er sich mit nordwestlichem Kurs der Südsee zu und entdeckte neben einigen kleineren Inseln der Paumótugruppe am 18. Juni 1767 Tahiti oder Otaheite, das er »Königs Georg III.-Insel« nannte. Die Entdeckung schildert unser Bericht, dem wir nur noch hinzufügen wollen, daß die Insel bereits im Jahre 1605 von dem spanischen Seefahrer Pedro Fernandez de Quiros gesehen worden war. Auf seiner weiteren Fahrt fand Wallis noch einige kleine Inseln südlich der Samóa- und in der Gilbert- und Marshall-(spr. mahschell-)Gruppe auf. Seine Reise endete auf den Marianeninseln, von wo aus er über Batavia und das Kap der Guten Hoffnung am 13. August 1768 England wieder wohlbehalten erreichte.

Unser zweiter Bericht erzählt von einem Besuche des Kapitäns Cook auf Tahiti. Der Anstoß zu dieser Reise ging von der »Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften« zu London aus, die im Februar 1768 dem Könige den Wunsch aussprechen ließ, zur Beobachtung des für das Jahr 1769 zu erwartenden »Venusdurchgangs«, d. h. des Vorüberziehens des kleinen Planeten Venus vor der Sonnenscheibe, eine Expedition in die Südsee zu entsenden, um auf einer günstig gelegenen Insel dort das wichtige astronomische Ereignis beobachten zu können. Der König willfahrte dem Wunsche der gelehrten Gesellschaft, und die Admiralität stellte die Bark »Endeavour« (spr. endiwe, d. h. »Streben«) zur Verfügung, ein Schiff von dreihundertundsiebzig Tonnen, das ursprünglich für den Kohlenhandel bestimmt und ein ausgezeichneter Segler war. Das Kommando darüber wurde dem damaligen Leutnant in der Königlichen Marine James (spr. djehms) Cook übertragen. Dieser nachmals berühmteste aller englischen Entdecker war damals schon vierzig Jahre alt.

Als Sohn eines Landarbeiters am 27. Oktober 1728 in dem Dörfchen Marton (Grafschaft York, Nordengland) geboren, hatte Cook nur den einfachsten Schulunterricht genossen und war dann mit 13 Jahren zu einem Hutmacher und Krämer in die Lehre gekommen. Dieser selbstgewählte Beruf gefiel ihm aber nicht: schon nach einem Jahre entlief er seinem Lehrherrn und wurde Schiffsjunge auf einem Kohlenschiffe. Als solcher machte er Reisen nach Petersburg und Norwegen mit und wußte sich dabei das Geld für den Unterricht in der höheren Nautik (Schiffahrtskunde) zu ersparen und zum Untersteuermann aufzurücken. Den im Jahre 1755 zwischen England und Frankreich ausbrechenden Krieg um die nordamerikanischen Kolonien machte er als Vollmatrose auf einem Kriegsschiffe mit und kehrte erst 1759 wieder nach England zurück. Durch Fürsprache seines bisherigen Kapitäns erhielt er nunmehr die Stellung eines »Master« (spr. mahste, d. h. Lotsen) auf der »Mercury« (spr. mökjuri, d. h. »Quecksilber«). Jetzt hatte er, zitiere ich Hennigs Darstellung, Gelegenheit, seine glänzenden Fähigkeiten, seine große Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit in der Aufnahme von Seekarten zu beweisen, die seine späteren Entdeckungen zugleich zu einem wertvollen Erwerb der geographischen Wissenschaften machen sollten. Die Zuverlässigkeit seiner Aufnahmen im St. Lawrence- (spr. lorenz-) Strom und -Golf, die den Flottenangriff auf die Stadt Quebec (spr. kwibek) vorbereiten halfen, ist um so bemerkenswerter, als die Arbeit angesichts des Feindes, teilweise bei Nacht, ausgeführt werden mußte, und rechtfertigte das Vertrauen, das sich in seiner Versetzung an Bord des Admiralschiffes aussprach. Hier trieb er -- im strengen Winter der nordamerikanischen Küste -- die für seinen Beruf so notwendigen mathematischen und astronomischen Studien. Nach der Eroberung von Neufundland (1762) kehrte er für ein paar Monate in die Heimat zurück und vermählte sich hier mit Elisabeth Battes, einer Kaufmannstochter. Er wurde bald wieder nach Neufundland zurückberufen, und im vierjährigen Vermessungsdienste hier erweiterte und festigte er seine nautischen und astronomischen Kenntnisse. Seine Arbeiten trugen ihm die Beförderung zum Leutnant und die Berufung zur Führung der wissenschaftlichen Expedition zur Beobachtung des Venusdurchganges ein.

Auf der mit 10 Kanonen und 12 Drehbassen für die Fahrt ausgerüsteten »Endeavour« befanden sich außer der 84 Mann starken Besatzung der Astronom Green (spr. grihn), der gemeinsam mit Cook die Beobachtung machen sollte, der junge Gelehrte Josef Banks, ein wohlhabender Mann, der aus Liebe zu den Naturwissenschaften die gefahrvolle Reise mitmachte und als seinen Assistenten den schwedischen Botaniker Dr. Solander, einen Schüler Linnés, bei sich hatte. Diesen beiden Forschern verdankt, nebenbei bemerkt, die Naturwissenschaft die Kenntnis einer großen Anzahl von Pflanzen und Tieren, die auf den von Cook entdeckten Inseln gefunden wurden. Dem hier mitgeteilten Hawkesworthschen Berichte liegen so neben Cooks eigenen Aufzeichnungen auch die Tagebücher von Banks zugrunde.

Am 26. August 1768 lichtete die »Endeavour« in Plymouth die Anker und steuerte über Madera und Rio de Janeiro (spr. riu de janehru) zunächst nach Feuerland, wo interessante Beobachtungen an den Eingeborenen, der Tier- und Pflanzenwelt gemacht wurden. Über Kap Horn ging es dann nach dem im Jahr zuvor entdeckten Tahiti, um hier den Venusdurchgang zu beobachten. Das Leben auf Tahiti schildert nach dem Bericht von Cook und Banks unser »Südsee-Idyll«; Cook hatte Befehl, nach Erledigung des astronomischen Auftrags weitere Entdeckungen in der Südsee anzustellen. So wandte er sich denn nach genauer Vermessung und Umschiffung Tahitis und Auffindung der übrigen Gesellschaftsinseln südwestlich, um das Südmeer nach dem schon im Altertum vermuteten großen »Südkontinent« abzusuchen. Am 13. August 1769 entdeckte er eine der Inseln der Tubuai-Gruppe und richtete seinen Kurs dann auf Neuseeland. Durch Umsegeln, wobei er im Januar 1770 die nach ihm benannte Cookstraße entdeckte, stellte er fest, daß Neuseeland aus zwei Inseln besteht. Er richtete hierauf seinen Kurs westlich nach der Ostküste Australiens und landete am 28. April in der von ihm nach den zahlreichen hier gefundenen Gewächsen benannten »Botany-Bai« (spr. bŏteni, d. h. Botanik). Der Küste entlang nach Norden ziehend, am großen Barrierriff beinahe scheiternd, fand er am 21. August die Torresstraße wieder auf, jene Durchfahrt zwischen Australien und Neuguinea, die von dem kühnen Steuermann des schon erwähnten Spaniers de Quiros, Luis Vaez de Torres, im Jahre 1605 den Namen empfangen hatte, der wissenschaftlichen Welt und den Seefahrern des 18. Jahrhunderts aber nicht mehr bekannt war. Von Neuguinea aus segelte die »Endeavour« nach Batavia und über das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück, wo er am 12. Juli 1771 vor Dover Anker warf. »Unser Tauwerk und die Segel«, schrieb Cook schon Mitte Juni in sein Tagebuch, »waren jetzt so schlecht, daß täglich das eine oder das andere in Stücke ging.«

Die außerordentlichen Erfolge Kapitän Cooks brachten es mit sich, daß er bald von neuem mit einer Weltumseglung beauftragt wurde. Die Aufgabe, die man ihm nunmehr stellte, galt der Erforschung des sagenhaften, sich angeblich bis zum 30. Grad südlicher Breite erstreckenden »Südkontinents«. Trotzdem Cook auf der ersten Reise, bis zum 40. Grad südlicher Breite vorstoßend, nirgends ein Festland gefunden hatte, glaubte man in den Kreisen der Geographen doch nach wie vor (s. a. u.), es müsse wie im Norden der Erdhalbkugel auch in ihrem Süden ein großes Festland vorhanden sein -- »zur Erhaltung des notwendigen Gleichgewichts,« wie Georg Forster in seiner Würdigung der Verdienste Cooks launig spottet, »um, ich weiß nicht welch ein Überschlagen unsres Planeten zu verhüten«. Cooks Instruktion lautet demnach, die Sommermonate der südlichen Halbkugel (d. h. also unsre Wintermonate) zu Entdeckungen in der Richtung auf den Südpol anzuwenden, die stürmischen, trüben Wintermonate aber zu genauerer Erforschung der kürzlich entdeckten Südseegebiete zu benutzen. Fände er keinen Südkontinent, so sollte er, so nahe dem Südpol als nur möglich, ostwärts fahren, bis er die Erdkugel umsegelt hätte.

Wieder wählte Cook wie bei seiner ersten Reise aus Gründen der Zweckmäßigkeit gut segelnde und geringen Tiefgang habende, dabei verhältnismäßig sehr geräumige Kohlenschiffe für die Fahrt. Das größere, 462 Tonnen haltende und mit 16 Kanonen bestückte Schiff, die »Resolution« (spr. resolljŭhschn, d. h. »Entschluß«) führte er selber. Er hatte 112 Mann Besatzung, und an Bord befanden sich die schon erwähnten beiden deutschen Naturforscher Reinhold und Georg Forster, der Astronom Wales (spr. uéhls) und der Landschaftsmaler Hodges (spr. hŏdjs). Am Kap der Guten Hoffnung kam noch der schwedische Naturforscher Andreas Sparrmann dazu. Das kleinere Begleitschiff, die »Adventure« (spr. edwĕntsche, d. h. »Abenteuer«), stand unter dem Befehl des Kapitäns Fourneaux (spr. furnoh).

Am 13. Juli 1772 verließen die beiden Schiffe Plymouth und segelten über das Kap der Guten Hoffnung hinaus in die südlichen Polargegenden. Hier trennte ein Sturm die Schiffe, die sich der Verabredung gemäß erst in Neuseeland wieder vereinigten. Die folgenden Südsommer immer wieder mit neuen Vorstößen ins Südliche Eismeer zubringend, entdeckte Cook nach der Rückkehr in die Südsee am 23. September 1773 die Cook- oder Hervey-Inseln (spr. hérweh); am 1. Oktober fand er die von dem Holländer Abel Tasman 1643 entdeckten Tonga-Inseln, am 11. März 1774 die Osterinsel und am 8. April die Marquesasgruppe (spr. markēsas) wieder auf. Im Juli und August des Jahres stieß er auf die von de Quiros und kurz vorher von dem Franzosen Bougainville (spr. bŭgängwil) schon gesehenen Neuen Hebriden, und am 4. September entdeckte er Neukaledonien. Die Rückkehr führte über Feuerland und das Kap der Guten Hoffnung, und am 30. Juli 1775 ließ die »Resolution« auf der Reede von Spithead (spr. spítthed) die Anker fallen. Die »Adventure«, die die Verbindung mit dem Hauptschiff bei der zweiten Ankunft auf Neuseeland endgültig verloren hatte, war schon ein Jahr früher heimgekehrt.