Unter den Wilden: Entdeckungen und Abenteuer

Part 19

Chapter 193,804 wordsPublic domain

Weil wir unsere Armringe nicht so bald loswerden konnten, bekam der »Morian« den Auftrag, hier noch liegenzubleiben. Am Rio Sueyro de Costa brachten die Neger uns zum ersten Male Gold an Bord. Auch boten sie uns zwei kleine, etwa fünfjährige Mädchen an, die die grausamen Eltern für drei Musketen verkaufen wollten. Auch für das Gold verlangten sie Musketen. Nach geschehenem Kauf begehrte ihr Häuptling ein Geschenk zum Andenken daran, daß er auf unserm Schiffe gewesen sei. Ich antwortete ihm, er solle mir auch ein Andenken geben, daß ich Afrika besucht. Da sagte er: »Ich schwöre bei meinem Fetisch, komm ans Land, so will ich dir nicht allein Palmwein, Hühner und Ochsen geben, sondern auch meine Frau.« Gedachter schwarzer Herzensfreund kam dann allein zu mir und dem Kapitän in die Kajüte, ließ die Tür schließen, um uns im Vertrauen etwas Vorteilhaftes für unsern Handel zu offenbaren, falls ihm der Kapitän dafür eine Flinte und ein Tuch verehren wollte. Als ihm solches versprochen worden war, sagte er: »Lichte deine Anker und fahre weiter nach Isseni; dort wirst du für deine Gewehre noch einmal soviel Gold erhalten als hier, weil sie dort Krieg führen.« Der Kapitän antwortete: »Ich glaube dir nicht, du willst mich betrügen.« Darauf forderte er zum Zeugnis, daß er wahr gesprochen, man solle ihm den Fetisch, den er anbete, zu essen geben. Wir mischten etwas schwarzes Zahnpulver mit einem Löffel Wein, und das schlang er unter entsprechenden Grimassen herunter. Das ist der größte Schwur, den sie tun können; ja, sie glauben fest, daß, wenn sie im Namen ihres Fetischs auch das ärgste Gift nähmen, es ihnen, sofern sie die Wahrheit gesagt, doch keinen Schaden bringen könnte.

An der Goldküste haben vornehmlich die Holländer ihre Faktoreien. Stets liegen hier ihre Kauffahrteischiffe, die Waren hin und Gold zurück nach Holland führen. Vordem waren die Portugiesen Herren der ganzen Goldküste. Die Europäer haben es ihrem Handelsneid selber zu danken, wenn die Mohren nun so klug sind, daß sie manchen Kaufmann im Handel beschämen. Sie sind so verschlagen, daß sie wohl 4-5 Stunden um einen Reichstaler Wert handeln, diese und jene Ware zu schauen begehren, und wenn sie ganz zu unterst im Schiffe verstaut wäre. Wenn an einem Platze zwei oder drei Schiffe liegen, so rudern sie, um einen bessern Preis zu erzielen, von einem zum andern, ehe sie den Kauf abschließen. Das Gold haben sie vorher aufs allergenaueste abgewogen und in kleine leinene Lappen getan, 2-6 Quentchen (= ein viertel Lot; 1,667 Gramm) in jeden. Diese Bündelchen stecken sie in einen hölzernen Schrein und mit dem zusammen in einen schmalen Sack von Bast, den sie an sechs bis sieben Stellen verknüpfen und sich dann um den Hals oder Leib festbinden. Wenn sie nun in das Schiff zu handeln kommen, dauert es wohl drei Stunden, ehe man über den Preis eins wird, und dann disputieren sie noch über das Gewicht. Ist der Kauf abgeschlossen, so zeigt sich, daß das Gold mit Kupfer oder Staub vermengt ist. Der kluge Kaufmann schüttet deshalb das Ganze in eine Schale und trennt durch Blasen das Gold vom Kupfer und Sande. Ich habe oft dabei gesessen, wenn unser Kaufmann so über die Hälfte Kupfer und Sand vom Golde trennte. Zuletzt, nach geschehenem Handel, fordern sie ein Geschenk (»Dassie« genannt), das man ihnen geben muß, sofern sie wieder an Bord kommen sollen. Alle, die mit Gold zu den Schiffen fahren, sind gewöhnlich Makler, die von den im Lande Wohnenden das Gold erhalten und, weil sie der portugiesischen Sprache ein wenig kundig sind, an die Europäer zum Vorteil ihres Landsmannes verkaufen sollen. Es sind meist üble und verschlagene Gesellen. Mein Bootsmann erzählte mir davon ein charakteristisches Beispiel. Als er zwei Jahre vorher an der Goldküste war, kam ein Makler nebst seinem Auftraggeber an Bord. Als der Makler nun das Gold verkauft hatte, sprach er zum Bootsmanne: »Jetzt habe ich Euch dieses Mannes Gold verkauft; was wollt Ihr mir nun für den Kerl selbst geben? Für 15 Stangen Eisen kriegt Ihr ihn.« Der Bootsmann, den des einfältigen Bauern jammerte, schickte aber den Schelm von Makler mit einem Verweise von Bord.

Die Eingeborenen der Goldküste sind meist starke, hochgewachsene Leute, die sehr kriegslustig sind und mit Schießgewehr sehr gut umgehen können, wie ich selbst gesehen habe. Sie sind sehr böse und verkaufen nicht allein die im Kriege erbeuteten Gefangenen, sondern auch Weiber, Kinder und die nächsten Freunde. Ihre Frauen behandeln sie wie Hunde und heiraten so viele, als sie bezahlen können. Weil nun der Preis gering ist, nimmt ein Schwarzer viel Frauen; denn er kann von ihren Eltern eine um einen Ochsen oder ein paar Ziegenböcke kaufen. Selbiger Ochs wird öffentlich gebraten. Dazu lädt man die Freunde von beiden Seiten ein, die sich hier und da ein Stück von dem halbrohen Braten abschneiden und es mit den Zähnen zerreißen, daß das Blut nur so herabrinnt. Dabei jauchzen, schreien und tanzen sie durcheinander wie nicht gescheit.

Wenn ein Neger stirbt, der einigen Reichtum hinterläßt, so hat sein nächster Freund das meiste Anrecht auf das Erbe. Wenn dieser nun das Erbe antreten will, muß er sein Leben der ältesten Frau des Verstorbenen anvertrauen, ihr ein großes Messer in die Hand geben, vor ihr niederknien und den bloßen Hals darbieten. Begehrt das Weib, selbst die Güter zu erben, so hat sie die Macht, dem Freunde den Kopf mit drei Streichen abzuschlagen, aber sie wird vom Dorfe darauf mit aller Verachtung gestraft. Zieht sie jedoch die Ehre vor, so schlägt sie den Freund mit der flachen Seite des Messers auf den Nacken und läßt ihn leben. Alsdann gibt ihr der Freund von dem Nachlasse einen kleinen Teil, und das Weib bleibt ehrlich. Wenn der Mann gestorben und mit großem Geschrei bestattet ist, beweinen ihn die Frauen fünf bis sechs Tage lang. Während dieser Trauerzeit werden sie von den Verwandten besucht; oft kommen an die hundert Frauen zusammen und vollführen ein seltsames Klagegeheul. Nach den Trauertagen kommen die Freunde und beschenken die Leidtragenden mit goldenen Ringen und bunten Tüchern. Der Freund, dem, wie geschildert, das Leben geschenkt wurde, besucht gleichfalls seine Wohltäterin, verehrt ihr einige Ringe, Kleider und wohl gar einen Elefantenschwanz. Dieser Schwanz ist oben mit rotem oder gelbem Zeug benäht, im übrigen Teil mit Öl bestrichen und so schwarz poliert, daß er wie ein Spiegel glänzt. Solchen Schwanz hängt man sich zum Schmuck an den Hals und wehrt damit die Fliegen ab. Diese Schwänze kommen von der Zahnküste, und es gilt hier einer an die zehn Dukaten. Manche tragen sie auch an ihrem Gewehr; denn sie sind sehr selten an der Goldküste.

Während wir vor Abeni drei Tage vor Anker lagen, kamen täglich einige Schwarze mit Gold an Bord. Den ersten Tag hatten wir ein grausames Gewitter mit Blitz, Donner und Regen, dem keines in Europa zu vergleichen war. Denn einmal regnete es so stark, als ob man mit Eimern Wasser gösse. Zudem schlug der Blitz so erschrecklich an die 18 Schläge rund um unsern »Kurprinzen«, daß uns allen die Haare zu Berge standen, und jeder Schlag das Schiff zu zerschmettern drohte. Das Wetterleuchten war so hell, daß man die Bäume am Lande auf eine halbe Meile weit vom Schiffe aus sehen konnte.

Folgenden Tages liefen die Schwarzen am Strande in hellen Haufen umher und schossen unaufhörlich mit ihren Musketen. Darauf kamen drei Kanus mit Jauchzen und Schreien an Bord. Sie hatten ihren Häuptling bei sich, der sein Heer zusammengezogen hatte, um wider die Bewohner von Isseni in den Krieg zu ziehen. Er kaufte von uns einige Fäßchen Branntwein und an 800 Pfund Pulver, hielt sich aber nicht lange auf, sondern sprach: »Wenn ich glücklich aus der Schlacht komme, will ich morgen wieder bei euch sein.« Darauf verfügte er sich wieder zu seinem Heer, das ihn mit vielen Musketenschüssen bewillkommnete. Die Neger ziehen mit großen Streitkräften in den Krieg. Einige gebrauchen Musketen, andere Speere und große Schlachtmesser; sie fechten so rachgierig, daß sie in offener Schlacht niemals Pardon geben, sondern wie blind ins Getümmel sich stürzen und, wenn sie keine Rache üben können, sich selbst mit eigenen Händen ums Leben bringen.

Am Tage darauf langten wir am Kap St Apollonia an. Wieder kamen die Schwarzen mit vielem Gold an Bord. Wohl zwanzig Neger blieben über Nacht bei uns im Schiff und brachten diese mit solchem Gerase zu, daß es unmöglich war, ein Auge zu schließen. Des Morgens kauften sie an 500 Musketen und 400 Pfund Pulver, ihren Krieg fortzusetzen. Abends stieß unsre Fregatte »Morian« wieder zu uns.

Unsre weitere Fahrt brachte uns, vorüber an einigen holländischen Forts und Faktoreien, nach Commende, wo wir wieder Anker warfen. Als wir hier einen Tag lagen, auch bereits eine ziemliche Menge Gold empfangen hatten, schickte der holländische Generaldirektor der Guineischen Küste seinen Oberkaufmann mit zwei Assistenten an unser Schiff, um zu protestieren: wir täten ihrem Handel großen Abbruch und hätten doch gar kein Recht, hier Handel zu treiben. Sie ersuchten uns deshalb, uns mit unsern Schiffen zu packen; andernfalls würden sie sich der natürlichen Rechte bedienen und uns mit Gewalt von dannen treiben. Wir hielten hierauf Kriegsrat und gaben den Deputierten zur Antwort, daß wir verpflichtet seien, dem Befehl Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht von Brandenburg nachzukommen, und weil sie sich Herren der ganzen Goldküste nannten, wären wir damit einverstanden, daß sie ihren Untertanen den Handel mit unsern Schiffen verböten. Weil sie dies aber nicht tun könnten, wäre es klar, daß es sich um ein freies Gebiet hier handle, in dem jeder seinen Geschäften nachginge, den die Eingeborenen zuließen. Würde im übrigen der Generaldirektor sich seiner Machtmittel bedienen, so müßten wir den Ausgang eben abwarten und würden uns unsre Freiheit mit den Mitteln, die wir selbst besäßen, zu bewahren suchen. Wir behandelten die Deputierten sehr höflich und ließen bei ihrer Abfahrt unser ganzes Geschütz scharf Feuer geben, um ihnen zu zeigen, daß wir stündlich bereit wären, denjenigen, der uns hier vertreiben wollte, gebührend zu empfangen. Am anderen Tag sandten wir beschleunigten Befehl an den »Morian«, sich augenblicklich zu uns zu verfügen. Zugleich mit ihm kam ein Lordenträger (Kaperschiff) aus Seeland, »Grau-Gat« genannt, und legte sich nicht fern von uns. Wir nahmen uns vor, hier 6 Tage zu bleiben und zu warten, was die Holländer tun oder lassen würden, und machten uns zum Kampf bereit.

Während wir dergestalt den Feind erwarteten, kamen am nächsten Tage die erwähnten drei Deputierten wieder und ersuchten uns namens ihres Generaldirektors und der ganzen Guineischen Kompagnie, ihnen behilflich zu sein, den seeländischen Lordenträger, der ungefähr auf Schußweite von uns vor Anker lag, zu nehmen und an das Fort zu bringen. Dagegen erboten sie sich, uns allen etwa daraus entstehenden Schaden zu ersetzen und die Beute zur Hälfte mit uns zu teilen. Wir hielten abermals Kriegsrat und beschlossen aus vielen Gründen, dem Ansuchen der Holländer zu willfahren, lehnten jedoch jeden Anteil an der Beute für uns ab. Damit machten wir uns zur Verfolgung des Kapers fertig. Der aber hatte unser Vorhaben bereits bemerkt und floh. Wir setzten ihm mit beiden Fregatten nach, hatten aber das Unglück, daß uns die große Marssegelrahe brach, was uns zwei Stunden in unsrer Fahrt aufhielt, so daß der Kaper entkam. Wir kehrten also um und ließen durch die Deputierten dem Generaldirektor melden, daß es nicht an unserm guten Willen gelegen hätte, sondern daß der Kaper uns im Segeln überlegen gewesen wäre. Am nächsten Tag sandte uns der Holländer durch einen Schwarzen ein Schreiben, darin er sich für unsere Mühe und Hilfe bedankte, zugleich uns aber auch Vollmacht erteilte, alle holländischen Kaper, wo wir sie antreffen würden, nach Belieben zu nehmen.

Weil uns nun gewisse Geschäfte nach dem Kap Tres Puntas riefen, wandten wir unseren Kurs wieder zurück. Vor Bautry trafen wir ein Schiff der holländischen Handelskompagnie, das »Wappen von Sizilien«, an mit einer Admiralsflagge, weil es den neuen Generaldirektor hierhin überführt hatte. Sein Kommandant war der Kapitän de Voß, der Vater unsres Kapitäns. Ich setzte mich mit dem Bootsmann in die Schaluppe und fuhr an das Schiff, den Kapitän zu sprechen, traf ihn aber nicht an, da er im Fort bei dem Faktoreileiter zu Gast war. So ließ ich mich denn dahin rudern. Der Kaufmann und der Kapitän entsetzten sich sehr, daß wir Brandenburger uns trauten, an ihr Fort zu kommen. Als wir ihnen aber das Schreiben des Generaldirektors zeigten, das uns ermächtigte, an alle holländischen Schiffe zu fahren und ihre Bestallungen zu lesen, ob es nicht etwa Kaperschiffe wären, erstaunten sie noch mehr.

Des Morgens früh gingen wir unter Segel und erreichten nach zwei Tagen das Dorf Attaba. Von hier aus zogen wir unser Schiff an einem Wurfanker an die zwei Meilen stromauf und kamen an ein kleines, im Bau befindliches Dorf, dessen Bewohner durch Krieg vertrieben worden waren. Die Neger brachten uns viele Ananasse und Palmwein zum Kauf. Wir bewirteten sie alle mit Branntwein und machten Männer wie Frauen damit trunken. Um sich dafür dankbar zu erweisen, ließ der Häuptling ein Huhn mit Malgette (Pfeffer) zurichten und lud uns zu Gaste. Wir wurden in ein kleines Lehmhäuschen geführt und setzten uns dort zu Tische. Ein jeder hatte ein paar schwarze Dianen zur Seite. Rundherum war die ganze Hütte von Mohren erfüllt, die übel »dufteten«. Der Häuptling steckte alle Finger in die Schüssel und kostete so die Suppe, zum Zeichen, daß wir keine Vergiftung zu befürchten hätten. Ich war zweifelhaft, ob ich meine Augen an den »anmutigen« Frauengestalten oder den Magen an dem »appetitlichen« Huhn sättigen sollte. Ich hätte fast vergessen, das Merkwürdigste bei diesem Gastmahle zu melden: der ganze Tischapparat nämlich bestand lediglich aus dem -- Erdboden. Nach der Mahlzeit ging es wieder an die frische Luft. Zufällig flog ein Raubvogel über uns hinweg. Ich ergriff meine Flinte und schoß ihn im Fluge. Da begannen die Schwarzen, zu schreien und mir Glück zu wünschen, und es hätte nur wenig bedurft, mich für einen Zauberer auszugeben. Mir lag aber an den Glückwünschen herzlich wenig, da sie mir im Hinzudringen beinahe die Kleider vom Leibe rissen.

Wir gingen wieder an Bord und richteten unsern Kurs auf die erste Spitze des Kap Tres Puntas (Dreispitzenkap). Da liegt ein großes, langgestrecktes Dorf Accada, das wir noch am selben Abend besahen. Die Gegend und die ganze Lage gefiel uns so wohl, daß ich bei den Häuptlingen anfragen ließ, ob sie damit einverstanden wären, daß wir hier ein brandenburgisches Fort erbauten. Sie gaben freudig ihre Einwilligung. Ich ersuchte sie deshalb alle, am nächsten Tag auf den »Kurprinzen« zu kommen, und versprach, sie in unsern Booten abholen zu lassen. Am Nachmittage kamen auch acht Häuptlinge zu uns an Bord, mit denen ich zunächst mündlich einen Vertrag abschloß, den ich am nächsten Tag aufsetzen und von ihnen unterzeichnen lassen wollte. Wir bewirteten sie hernach auf Deck unter dem Sonnenzelt, und sie mußten schließlich wegen ihrer Trunkenheit an Seilen in die Fahrzeuge hinabgelassen werden. Sie wollten aber nicht eher vom Schiff, als bis ich sie sämtlich beschenkt hatte.

Obschon wir sehr daran zweifelten, daß an der ganzen Küste von Guinea ein günstigerer Ort zur Erbauung eines Forts zu finden wäre, wollte ich dennoch nichts Schriftliches mit den Eingeborenen von Accada abmachen, bevor ich nicht die Häuptlinge von Tres Puntas, an die ich abgeschickt und mit denen ein Jahr vorher schon Kapitän Blonck einen Vertrag geschlossen hatte, gesprochen und ihr Gebiet gesehen hätte.

Ich fuhr deshalb mit den beiden Kapitänen und Ingenieuren an Land, die Nacht dort zu verbringen und bei Tagesanbruch nach Tres Puntas zu fahren. Die Eingeborenen waren sehr höflich und brachten uns nach Möglichkeit unter. Als wir des Morgens uns erhoben hatten, versprachen sie uns, beim Bau des Forts jede Hilfe zu leisten, worauf wir ihnen einen silbernen Degen zum Pfande ließen, daß wir wiederkommen würden.

Noch in der Ausfahrt trafen wir den Faktoreileiter von Bautry mit einem Boot und vielen kleinen Kanus. Als wir ihn nach dem »Wohin« fragten, gab er zur Antwort: »Ich bin vom Generaldirektor nach Accada gesandt, hier so lange zu wohnen, bis die Faktorei fertiggestellt ist. Der Häuptling von Accada hat mich dazu abgeholt.« Damit fuhr er an Land und ließ auf einem der Häuser die holländische Flagge hissen. Als wir uns so betrogen sahen, fuhren wir ihm nach und verwiesen den Schwarzen ihre Untreue, die uns herzlich gern behalten hätten und uns die Halbinsel zum Bau schenken wollten, wofern wir begehrten, uns neben den Holländern bei ihnen niederzulassen. Weil wir auf dieses Anerbieten nicht eingehen konnten, fuhren wir an unser Schiff. Bei Anbruch der Dunkelheit aber brachen wir wieder nach Tres Puntas auf.

Uns war zwar die Gegend bekannt, in der jene drei Häuptlinge hausten, mit denen Kapitän Blonck seinen Vertrag geschlossen hatte, nicht aber ihre Dorfschaften. So ruderten wir denn beim Morgengrauen an Land, stiegen über hohe Berge, arbeiteten uns durch dichtes Buschwerk hindurch und gelangten endlich in eine weite Ebene, wo wir viele fruchtbare Bäume, jedoch nur eingefallene und verlassene Negerhütten fanden. Wir glaubten, unsere Schaluppe würde uns längs der Küste folgen, sie war aber am Landungsplatz liegengeblieben, weswegen wir vor Durst fast verschmachteten. Die Sonne brannte so heiß, daß wir es nicht eine Stunde mehr hätten aushalten können, wenn nicht Kapitän Blonck von ungefähr eine Quelle in den Felsen entdeckt hätte. Daran erlabten wir uns; trotz aller Bemühungen fanden wir im übrigen jedoch nichts als Verwüstungen. Endlich wurden wir eines hohen Berges gewahr, der eine halbe Meile von uns entfernt lag. Weil die andern uns vor Erschöpfung nicht folgen konnten, machte ich mich mit dem Kapitän allein weiter auf den Weg, in der Hoffnung, Schwarze anzutreffen, die uns Nachricht von den Häuptlingen geben könnten. Diese Hoffnung trog aber; wir fanden nichts als ein großes, zerstörtes Negerdorf, das uns wunderliche Gedanken machte. Während wir nun den Berg einer genauen Musterung unterzogen -- er schien uns zur Erbauung eines Forts sehr günstig --, kamen gegen zwanzig mit Musketen bewaffnete Neger den Berg hinauf, die uns berichteten, daß alle Bewohner dieser Gegend durch die Neger von Adom vertrieben und erschlagen worden wären, welches Schicksal gewiß auch unsere drei Häuptlinge betroffen hätte. Damit gingen sie ihren und wir unsern Weg.

Als wir wieder zu den Unsrigen gelangt waren, berichteten wir ihnen von unsern Erkundungen und sandten einen Neger zu unsrer Schaluppe, mit dem Entschluß, kommenden Tages die Lage des Berges und die ganze Situation noch genauer zu erforschen. Unterdessen stiegen wir alle, um einigermaßen Kühlung zu haben und uns vor der Grausamkeit der unerträglichen Hitze zu bergen, bis an den Hals ins Wasser und fingen mit bloßen Händen viele Fische, die uns, kaum daß wir sie ans Land trugen, von den Raubvögeln gleichsam unter den Händen weggenommen wurden. Deswegen mußte einer nach dem andern bei den Fischen mit bloßem Degen Schildwache halten. Endlich kam unser Fahrzeug, konnte aber wegen der großen Sturzseen nicht landen, sondern wir mußten ihm bis an die Klippen entgegengehen.

Am nächsten Tag fuhr ich mit meinen beiden Ingenieuren und Kapitän de Voß an Land, die Situation des Berges genau zu erkunden und ihn zu vermessen. Als das geschehen, sahen wir 1000 Schritt vom Berge einen kleinen Fluß, zu dem wir gingen und in dem wir beim Loten herrliche Austern in großer Menge fanden. Unterdessen sahen wir neun bewaffnete Neger auf uns zukommen, die uns ausführlich berichteten, wie die drei Häuptlinge ums Leben gekommen und die Einwohner vertrieben worden waren.

Weil wir nun den Berg zur Erbauung einer Festung für sehr günstig gelegen erkannt hatten, beriet ich mich mit den beiden Kapitänen und Ingenieuren darüber, und wir beschlossen, ohne fernere Weitläufigkeiten hier Fuß zu fassen. Ich ließ daher die Soldaten zusammentreten, stellte ihnen vor, daß wir willens wären, hier ein Fort zu errichten, und fragte sie, wer von ihnen Lust hätte, hier eine Zeitlang in Garnison zu bleiben. Darauf meldeten sich unter gewissen Bedingungen sämtliche.

Also zogen wir nach einem Salut von fünf Schüssen unter Trommeln und Pfeifen an Land und erfuhren hier, daß zwei Häuptlinge uns auf dem Berge erwarteten. Mit fliegender Fahne marschierten wir bergan, die Häuptlinge kamen uns entgegen, nötigten uns in eine Hütte, hier gab ich ihnen mein Vornehmen kund, und nach wenigen Worten erklärten sie ihr Einverständnis. Noch am selben Tage ließ ich sechs Feldkanonen auf die Spitze des Berges schleppen, was ohne Hilfe der Eingeborenen unmöglich gewesen wäre; denn der Berg war hoch und der Weg schwierig. Ich ließ mir selber ein Zelt aufschlagen und blieb über Nacht am Lande.

Am folgenden Tage, dem 1. Januar 1683, brachte Kapitän de Voß die große Kurfürstlich Brandenburgische Flagge vom Schiff, die ich alsbald unter Trommeln und Pfeifen aufholen, mit allen unter Gewehr stehenden Soldaten begrüßen und an einem hohen Flaggenstock aufziehen ließ, während ich zugleich mit fünf scharf geladenen Feldstücken das Neue Jahr salutierte; jedes der Schiffe antwortete ebenso, und ich dankte wiederum mit drei Schüssen. Und weil Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht Name in aller Welt groß ist, nannte ich den Berg den »Großen Friedrichs-Berg«. Diesen Tag bauten sich unsere Soldaten ihre Baracken, und ich ließ durch die Neger für mich und meine Offiziere auch eine lange Baracke errichten. Inzwischen berief ich die beiden Häuptlinge zu mir ins Zelt, gab ihnen mein Vorhaben nochmals zu verstehen und begehrte, mich ihrer Treue durch einen Eid zu versichern. Sie antworteten, ich brauchte daran nicht zu zweifeln, sofern ich mit ihnen »Fetisch« trinken würde, daß auch wir es treu mit ihnen meinten, sie nie verlassen und sie gegen ihre Feinde verteidigen wollten. Als ich einwilligte, wurde eine Schale Branntwein gebracht und Schießpulver hineingerührt. Daraus mußte ich die »angenehme« Gesundheit zu trinken anfangen, die beiden Häuptlinge folgten und beschmierten mit dem Reste den umstehenden Schwarzen die Zunge, damit auch sie treu bleiben möchten. Nach Verrichtung dieser herrlichen Zeremonie beschenkte ich die Häuptlinge und ihre Untergebenen reichlich, in der Meinung, ich würde nicht mehr nötig haben, noch weitere Präsente auszuteilen. Allein, die Zeit hat mich nachmals eines andern belehrt. Am selben Tage brachten wir noch zwei Sechspfünder auf den Berg.

Den nächsten Tag ward von den Ingenieuren das Fort abgesteckt. Die Neger schafften Palisaden heran, und meine Soldaten stellten sie auf. Während wir noch an unsrer Arbeit waren, meldete sich bei uns ein Häuptling aus Axim, der eine holländische Flagge bei sich hatte, mit dem Auftrage von dem dortigen Faktoreileiter, diese Flagge auf dem Berge wehen zu lassen, wofern wir noch nicht dort Fuß gefaßt. Er mußte aber, wie er gekommen, wieder abziehen.

Täglich passierten viele Häuptlinge mit ihren Leuten den Berg, weil eine Straße über ihn führte; sie machten fast alle bei uns ihren Besuch und beschenkten uns mit einer Schüssel Reis oder ein paar Hühnern, wofür ich meinerseits Gegengeschenke und vor allem ihnen Branntwein zu trinken geben mußte. Einige zogen weiter, andere blieben bei uns und bauten sich Hütten am Berge zwischen unseren. Zum Kommandanten des Forts ernannte ich Kapitän Blonck, der darauf den »Morian« unter das Kommando von Kapitän de Voß stellte und auf dem Berge bei uns Quartier bezog. Kurz darauf kam ein englisches Schiff; es war das erste, das unsere Flagge mit Kanonenschüssen begrüßte und bei uns ankerte. Kapitän de Voß ging dann mit dem »Morian« nach Kap St. Apollonia, um dort Handel zu treiben.