Unter den Wilden: Entdeckungen und Abenteuer

Part 15

Chapter 153,587 wordsPublic domain

Den 12. März verloren wir das Land aus dem Gesicht und setzten unsere Fahrt ununterbrochen bis zum 27. fort, da wir auf der Reede von Madras vor Anker gingen. Man hielt unsere Fahrt in dieser Jahreszeit für außerordentlich schnell. Nachdem wir unsere Passagiere gelandet und noch allerlei Vorräte von Lebensmitteln an Bord genommen hatten, machten wir uns segelfertig und stachen am 7. April in See. Man hatte es während unseres Aufenthaltes an nichts mangeln lassen, was zu unserer Aufmunterung und Unterstützung dienen, und was von Güte und Aufmerksamkeit gegen uns zeugen konnte. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß zur Zeit unserer Abreise von Bengalen alle Arten von Schiffsvorräten dort so schwer zu erhalten waren, daß unser Schiff nur karge Provisionen auf ein Jahr mitbekommen hatte. Unsere Lebensmittel reichten nicht einmal für diesen Zeitraum aus, und man sah es für unmöglich an, unter solchen Umständen eine Reise von dieser Art zu vollbringen. Auf Madras hatten wir uns daher gewissermaßen verlassen, und mit der Hilfe, die uns dort zuteil ward, hofften wir nunmehr 18 Monate auszukommen. Unser Schiff hatte eine starke Bemannung. Allein, sie war so beschaffen, daß nur die Not unsere Wahl rechtfertigen konnte. Den Zahlmeister, den Wundarzt, fünf Offiziere und den Bootsmann miteinbegriffen, waren wir unser vierzig Europäer, zu denen wir in Madras noch zehn Laskaren annahmen. Aber alle Bemühungen, einen Schiffszimmermann zu bekommen, schlugen fehl, und diesen Mangel fühlten wir während der ganzen Reise auf das empfindlichste.

Am 23. Mai erreichten wir Malakka nach einer ungewöhnlich langen Fahrt, die dem Skorbut Zeit ließ, sich unter uns zu zeigen. Schon in dieser frühen Periode unserer Reise verloren wir unseren Bootsmann, einen der vortrefflichsten Männer an Bord, dessen Verlust unersetzlich blieb. In Malakka erfuhren wir, daß Kapitän Tipping schon abgesegelt war, nachdem er sein Geschäft hier beendet hatte. Wir versorgten uns mit Holz, Wasser und Erfrischungen, von welch letzteren wir so viel an Bord nahmen, daß wir nicht nur die schon verbrauchten Lebensmittel ersetzten, sondern uns auch im Stande sahen, Kapitän Tipping auf alle Art behilflich zu sein, wenn wir ihn an der Küste von Amerika anträfen. Am 29. Mai gingen wir in See, nachdem wir das holländische Fort mit neun Kanonenschüssen begrüßt und einen Gegengruß von gleicher Anzahl zurückerhalten hatten. In sehr wenigen Tagen kamen wir in das Chinesische Meer und setzten dann mit Hilfe eines starken südwestlichen Monsuns unsern Lauf bis zum 22. Juni fort. An diesem Tage kamen die Baschi-Inseln in Sicht. Es währte indes bis zum 26., ehe wir bei der Grafton-Insel in einer kleinen anmutigen Bucht Anker werfen konnten. Rund um diese Bucht ist das Land hoch und bis an die Gipfel der Berge angebaut. Die Pflanzungen, die überall mit sehr netten Zäunen umschlossen sind, gewähren einen freundlichen Anblick. Auf einer sanften Anhöhe unweit der See lag ein Dorf; Gruppen oder Haine von schönen Bäumen schmückten romantisch den Abhang der Berge, von denen ein munterer Bach hinunter ins Tal rauschte. Die ganze Gegend prangte wirklich in außerordentlicher Schönheit. Die Spanier hatten etwa vier Jahre vorher diese Inseln in Besitz genommen, weil sie hofften, daß sie in dem Innern der Gebirge edles Metall finden würden. Der Gouverneur und seine Besatzung begegneten uns mit vieler Höflichkeit und versuchten es auf keinerlei Weise, unsern kleinen Tauschhandel mit den Eingeborenen, allem Anschein nach ganz harmlosen Menschen, zu stören. Wir hielten uns hier vier Tage lang auf und bekamen während dieser Zeit gegen rohes Eisen eine Menge Schweine, Ziegen, Enten, Hühner, Yams und süße Bataten.

Am 1. Juli verließen wir die Baschi-Inseln und richteten unseren Lauf nordostwärts längs der japanischen Inselgruppe, die wir indes nicht zu Gesicht bekamen. In den Karten findet man verschiedene Inseln, über die wir hätten hingesegelt sein müssen, wenn sie richtig angegeben gewesen wären. Sobald wir über den 25. Grad nördlicher Breite hinausgekommen waren, hatten wir einen undurchdringlichen Nebel, der oft so dicht war, daß wir keine Schiffslänge weit voraussehen konnten. Am 1. August, nachdem wir die vorige Nacht beigelegt hatten, vermuteten wir in der Nähe Land, und bei Tagesanbruch erblickten wir es auch wirklich durch die Nebelbänke hindurch. Es waren die Inseln Amluk und Atscha. Wir näherten uns der ersten und lagen daselbst zwei Tage lang vor Anker, wobei uns sowohl die Russen als die Eingeborenen besuchten. Auf unserer Fahrt von hier nach Unalaschka trieben wir zwischen fünf Inseln hindurch und sahen uns so auf allen Seiten von Gefahr umringt; denn wir waren außerstande, unseren Weg zu erkunden. Dennoch kamen wir glücklich und unbeschädigt heraus. Seitdem wir über den 35. Grad nördlicher Breite gekommen waren, hatten wir des ununterbrochenen Nebels wegen nur zweimal Gelegenheit gehabt, die Sonnenhöhe zu beobachten. Desto glücklicher konnten wir uns schätzen, eine astronomische Uhr an Bord zu haben, die uns die größten Dienste leistete.

Die fünf Inseln, zwischen denen wir in so große Verlegenheit gerieten, beschreibt Coxe in seinen russischen Entdeckungen unter dem Namen Pjät Sopka (das heißt die fünf Vulkankegel), und er nennt auch viele zwischen diesen Inseln und Kamtschatka verunglückte russische Seefahrer. Sie sind unbewohnt und scheinen weiter nichts als ungeheuere Felsenmassen zu sein. Zwei davon sehen einander sehr ähnlich und haben ziemlich genau die Form eines Zuckerhutes.

Am 5. August sahen wir um uns her eine Menge Kanus, die, nach Kleidung und Sitte der darin befindlichen Leute zu urteilen, von einer oder der anderen dieser Inseln gekommen sein mußten, obgleich wir eigentlich nach unserer Rechnung viel zu weit gegen Süden sein mußten, als daß sie sich hätten herauswagen dürfen. Diese kleine Flottille beschäftigte sich mit dem Walfang. Nachdem die Leute eine kleine Weile innegehalten hatten, um unser Schiff anzugaffen, wobei sie die äußerste Verwunderung zu erkennen gaben, verließen sie uns und ruderten nordwärts. Wir jedoch steuerten noch etwas südlicher, weil wir sowieso gegen unsere Berechnung, wahrscheinlich durch die Strömung, etwas zu weit nördlich geraten waren. Der Nebel blieb immer noch so dicht, daß man unmöglich 20 Schritt weit vom Schiff irgend etwas erkennen konnte. Die Menge der Kanus, bei denen wir vorübergeschifft waren, schien indes aller Wahrscheinlichkeit nach anzudeuten, daß Land, vermutlich kein anderes als die Insel Amuchta, in der Nähe wäre. In der folgenden Nacht erschreckte uns plötzlich das Geräusch von Wogen, die sich an der Küste brachen. Wir legten das Schiff augenblicklich um; aber als wir etwa zwei Stunden lang in der neuen Richtung gelaufen waren, hatten wir von einem ähnlichen Geräusch einen neuen Schrecken. Nun legten wir nochmals um, und bei Tagesanbruch erblickten wir in der Höhe des Mastkorbes das Land auf einen Augenblick. Es schien mit Schnee bedeckt zu sein. Bald verdichtete sich aber der Nebel wieder vor unseren Augen und machte die ängstliche Ungewißheit unserer Lage nur noch schrecklicher. Vier Tage lang suchten wir, aus der Finsternis der Luft und ebenso unserer Gemüter einen Ausweg zu finden, überall schienen wir eingesperrt zu sein. Das Rauschen des Wassers an dem Felsenstrande vertrieb uns von der einen Seite, damit wir bald wieder derselben furchtbaren Warnung auf der andern Seite gehorchten. Wir hatten alle Ursache, zu vermuten, daß wir durch irgendeinen engen Eingang in einen von gefahrvollen Ufern umringten Meerbusen geraten wären, aus dem nur der einzige Kanal, durch den wir hineingekommen waren, uns zurückführen könnte.

Am 9. August endlich hob sich des Morgens der Nebel, und wir hatten den grausenvollen feierlichen Anblick der glücklich vermiedenen Gefahren. Aber diese Wirklichkeit selbst schien kaum hinreichend, uns die Möglichkeit begreiflich zu machen. Von allen Seiten umgab uns fürchterliches, hohes Land, dessen Hänge bis auf zwei Drittel ihrer Höhe hinunter mit Schnee bedeckt waren. Die Küste, die das Seeufer bildete, bestand aus einer unzugänglichen, hohen, senkrechten Felsenmauer, die keine andre Unterbrechung hatte als die Höhlungen, an denen das Steigen und Fallen der gewaltigen Wogen jenes warnende Geräusch, das uns rettete, verursachte. Jetzt entdeckten wir zwei offene Kanäle oder Durchfahrten: den einen südwärts, durch den wir hereingetrieben waren, den anderen gegen Nordosten. Hätten wir in dieser Richtung gesteuert, so wären wir gleich aus der schrecklichen Lage befreit gewesen. Allein, wir besorgten, immer nordwärts von den Inseln zu kommen, und dann hätte es, da im Sommer die Strömungsrichtung immer nördlich ist, schwergehalten, wieder zurückzufahren, um so mehr, weil hierzu ein starker Nordwind erforderlich gewesen wäre und in dieser Jahreszeit hier Südwestwinde zu herrschen pflegen. Die Strömung war jetzt wirklich so stark, daß wir nicht wieder durch den südlichen Kanal auslaufen konnten; wir schifften daher nordwärts und dann östlich bis Unalaschka, wo wir mit Hilfe eines starken Nordwindes, der zu unserem Glück einsetzte, durch die Enge zwischen Unimak und Unalaschka hindurchsegelten. Die Strömung lief hier so schnell, daß sie mindestens sieben Seemeilen in der Stunde betrug und auf diese Weise eine fürchterliche, stürmische See erregte. Nachdem wir die Südseite der Insel erreicht hatten, kam ein Russe als Lotse zu uns und führte uns in einen Hafen neben demjenigen, in dem einst Kapitän Cook sein Schiff ausgebessert hatte.

Die hier befindlichen Russen waren von Ochotsk und Kamtschatka in Galeoten hierhergekommen. Diese Fahrzeuge halten etwa fünfzig Tonnen und können jedes sechzig bis achtzig Mann führen. Man legt sie für den Zeitraum von acht Jahren, den die Russen hier zubringen, in bequemen Plätzen an Land; nach Verlauf dieser Zeit kommt eine andere Anzahl Russen und löst die ersteren ab, um Seeottern und andere Pelztiere zu jagen. Die Eingeborenen verschiedener Bezirke müssen ebendiesem Geschäfte nachgehen und die Früchte ihrer Arbeit als einen Tribut an die Kaiserin von Rußland erlegen, der dieser Handel ausschließlich gehört. Sie erhalten dagegen einen geringen Vorrat von Schnupftabak, den sie unmäßig lieben, und sind, wenn sie nur dieser Lieblingsware habhaft werden, zufrieden mit ihrer elenden Lage, aus der sie sich auch, wenigstens sofern man es auf ihre eigene Anstrengung ankommen läßt, nie herausarbeiten werden. Eisen und andere europäische Handelsartikel sieht man bei ihnen so selten wie bei ihren Nachbarn auf dem Festlande.

Die Wohnungen der Russen sind nach dem Modell derer gebaut, die sie im Lande üblich fanden. Nur ist der Maßstab ungleich größer. Es sind Gruben, die man in die Erde gräbt, und die äußerlich so wenig das Ansehen einer Wohnung haben, daß ein Fremder hineinfallen kann, ehe er sich's träumen läßt, daß er sich an einem von Menschen bewohnten Orte befindet. Der einzige Zugang zu diesen unterirdischen Behausungen ist ein oben offen gelassenes, rundes Loch, durch das man auf einem eingekerbten Pfosten hinuntersteigt. Ich sage nicht zuviel, wenn ich von der Gefahr hineinzufallen spreche. Denn sowohl unserem ersten Offizier, als dem Wundarzte widerfuhr schon am ersten Abend nach unserer Landung dieses Unglück. Auf ihrem Rückwege von dem russischen Dorf verschwanden sie plötzlich durch eines dieser Löcher und erschienen der unten wohnenden Familie von Eingeborenen. Beide Teile gerieten in Schrecken. Die Eingeborenen eilten so schnell, als ihre Furcht es zuließ, zum Hause hinaus und ließen unsere Herren in der bangen Erwartung, daß sie nun die Nachbarschaft wecken und ihre Freunde herbeirufen würden, um diesen unschuldigen Überfall mit Mord und Blutvergießen zu rächen. Als sie endlich wieder heraufgestiegen waren, fanden sie, daß die Eingeborenen, deren sanftes und liebenswürdiges Wesen sie damals noch nicht kannten, in ihrer Angst und Verwirrung sich nach dem Dorfe geflüchtet hatten. Am folgenden Morgen erklärte man diesen guten Leuten den Zufall und vergalt ihnen den Schrecken vom vorigen Abend durch ein kleines Geschenk von Tabak.

An den Seiten sind diese Wohnungen durch Verschläge in Schlafstellen abgeteilt, auf denen Tierfelle als Betten liegen. In der Mitte ist der Feuerherd, an dem die Einwohner ihre Speisen bereiten und verzehren. Bei sehr kaltem Wetter brauchen sie Lampen statt des Brennholzes, das überhaupt auf diesen ganz von Bäumen entblößten Inseln äußerst selten ist und nur zufällig vom festen Lande her angeschwemmt wird. Fische mit einer Brühe von Fischöl sind ihre einzige Nahrung. Und selbst die Russen nähren sich auf ebendie Art, nur mit dem Unterschiede, daß sie ihre Speisen kochen, während die Eingeborenen sie roh verzehren. Wir sahen sie oft den Kopf eines Stockfisches oder eines Heilbutts, den sie soeben gefangen hatten, mit allen Zeichen gierigen Wohlbehagens verschlingen. Wilde Sellerie ist das einzige Küchenkraut, das auf diesen Inseln wächst, und die Eingeborenen essen es roh, wie es aus der Erde gerissen wird.

Zwar wohnen seit geraumer Zeit Russen auf diesen Inseln. Allein, sie haben hier noch keinerlei Art von Anbau versucht, und sie besitzen weder zahmes Federvieh, noch irgendein Haustier, Hunde ausgenommen. Ob aber dieser Mangel an Bequemlichkeiten des Lebens, die sich doch sonst so leicht erlangen lassen, ihrer Trägheit und Gleichgültigkeit oder der Unfruchtbarkeit des Landes zuzuschreiben ist, haben wir nicht untersuchen können. Bezüglich ihrer Nahrung verlassen sie sich ganz auf den Ertrag des Meeres und der Flüsse. Wirklich liefern diese auch die vortrefflichsten Fische im Überfluß; und wenn wir nach dem starken, gesunden Aussehen sowohl der Eingeborenen, als auch der neuen Ansiedler urteilen dürfen, gibt ihnen diese Speise Kräfte und Gesundheit in reichlichem Maße.

Die Eingeborenen der Inselreihe, die man unter der gemeinschaftlichen Benennung der Fuchsinseln kennt, sind eine starke, untersetzte Rasse mit rotwangigen runden Gesichtern, auf denen man keine Spur von Wildheit sieht. Sie zerkratzen und entstellen ihr Gesicht nicht so wie die Bewohner des festen Landes und sind allem Anschein nach von einer harmlosen Gemütsart, die niemandem übelwill.

Die einzigen vierfüßigen Tiere dieser Insel sind Füchse, unter denen es einige mit schwarzem Pelze gibt, der sehr hoch im Preise steht. Wir bemühten uns während unseres hiesigen Aufenthaltes, die Russen zum Handel mit uns zu bewegen. Allein, sie schätzen ihre Pelzwaren viel zu hoch ein, um sie uns, wenigstens gegen das, was wir ihnen zum Tausch boten, zu überlassen, und waren um soviel weniger dazu geneigt, da sie im folgenden Jahre abgelöst zu werden hofften.

Am 20. August verließen wir Unalaschka, um längs dem festen Lande jenseits der Schumagins-Inseln hinzuschiffen. Die Wahrheit zu gestehen, wünschten wir uns von den russischen Inseln zu entfernen, wo wir nichts zu hoffen hatten. Den 27. August erblickten wir die Schumagins-Inseln, und vier Seemeilen weit von der Küste kam eine Menge Kanus uns entgegen. Diese waren ganz von derselben Bauart wie die auf den Fuchsinseln. Auch glichen die darin sitzenden Leute den Eingeborenen jener Inseln in Kleidung und Sprache völlig. Die Russen verbieten es, wie es scheint, an solchen Orten, wo sie sich niederlassen, den Eingeborenen aus irgendeiner politischen Vorsicht, größere Kanus zu führen als solche, die nur einen Mann fassen. Diese Kanus sind insgesamt etwa dreieinhalb Meter lang, ein halbes Meter breit und an beiden Enden scharf zugespitzt. In der Mitte, wo der Ruderer sitzt, sind sie etwa ein halbes Meter tief. So gestaltete Kanus findet man auf der ganzen Strecke von der Meerenge an, die die beiden festen Länder trennt, bis an das Kap Edgecumbe. Einige können drei Personen fassen, die meisten aber nur eine oder zwei. Ihr Gerippe besteht aus sehr dünnen Latten oder Brettchen von Tannenholz, die durch Walfischsehnen miteinander verbunden und mit einer Robben- oder Walfischhaut, der zuvor das Haar abgeschabt wird, überzogen sind. Der untere Rand des Rockes oder Hemdes von Leder -- der gewöhnlichen Kleidung der hiesigen Insulaner -- verhindert, sobald er über das Loch im Kanu des betreffenden Insassen gebunden wird, jegliches Eindringen von Wasser. Diese Kanus werden durch Rudern äußerst schnell bewegt, und die Eingeborenen wagen, damit bei jeder Witterung in See zu gehen.

Wir schrieben schon den 28. August, ohne von unserer Reise auch nur den allermindesten Vorteil erzielt zu haben. Da wir indes glaubten, daß wir alle russischen Handelsstationen jetzt hinter uns hätten, so hofften wir, noch vor Eintritt des Winters, der schon mit starken Schritten herannahte, Gelegenheit zu einem vorteilhaften Tausche zu bekommen. In dieser Absicht beschlossen wir, westwärts vom Cookfluß einen Hafen zu besuchen. Indem wir nun längs der Küste hinfuhren, sahen wir eine weite Öffnung, die von einer Insel gebildet schien. Wir steuerten also darauf zu. Als wir uns ihr genähert hatten, schien die Einfahrt sich weit aufwärts in nordöstlicher Richtung zu erstrecken. Jetzt erwarteten wir jeden Augenblick, daß die Eingeborenen zu uns kommen würden. Wir waren zwanzig Seemeilen in der Meerenge vorwärts gekommen, als sich das erste Kanu von der Landseite aus näherte. Es führte drei Mann, von denen einer, ein russischer Matrose, zu uns an Bord kam. Er war ein sehr verständiger Mensch und belehrte uns, daß dies die Insel Kadjak sei, auf welcher die Mannschaften dreier Galeoten ihren Posten hätten, und daß sich noch eine Insel gleichen Namens längs der Küste befände. Diese Nachricht war nicht eben erfreulich; denn sie vernichtete alle unsere Hoffnungen, diesseits des Cookflusses etwas einhandeln zu können. Wir setzten also unsere Fahrt durch die Meerenge fort, die wir, zu Ehren des Herrn William Petrie, »Petries Meerenge« nannten, und kamen endlich bei der Landspitze, die auf Cooks Karte Kap Douglas heißt, in den Cookfluß. Die Meerenge ist über 40 Kilometer lang und etwa 10 Kilometer breit. Sie schneidet ein großes Stück vom festen Lande ab, das die früheren Karten noch als zusammenhängend damit darstellten.

Wir ankerten bei Kap Douglas, und bald darauf kamen Indianer des Cookflusses in ein paar Kanus zu uns. Sie verkauften uns zwei oder drei Seeotterfelle und erhielten für jedes etwa ein Pfund rohes Eisen. Über unsere Ankunft bezeigten sie große Freude, so daß sie uns alles, was sie in ihren Kähnen hatten, zum Geschenk anboten. Tabak wollten sie nicht nehmen, woraus wir denn deutlich sahen, daß sie mit den Russen noch nicht in Verbindung standen. Bei ihren wiederholten Rufen »Englisch, Englisch« konnten wir auch nicht mehr glauben, daß wir die ersten Engländer wären, die sie sahen. Und später zeigte sich wirklich, daß die Schiffe »König Georg« und »Königin Charlotte« vor uns da gewesen waren. Bald verließen uns diese Indianer mit den Kanus, um flußaufwärts mehrere Felle zu holen.

Bereits am nächsten Tage sahen wir zwei andere große Boote mit ungefähr 18 Mann in jedem den Fluß hinunterschiffen. Es waren aber Russen, die von einer kaufmännischen Reise in den Fluß zurückkamen. Jedes Boot führte eine kleine Feldkanone mit sich, und jeder Mann war mit einem kurzen Gewehr bewaffnet. Diese Russen hatten ihren Sommeraufenthalt, nämlich die unterwärts gelegenen Inseln im Cookflusse, jetzt verlassen und standen im Begriff, die Winterquartiere auf Kadjak zu beziehen. Während der Zeit kam der 20. September heran und mit ihm sehr stürmisches Wetter. Wir beschlossen daher, den Cookfluß, wo uns einige sehr heftige Stürme so lange aufgehalten hatten, zu verlassen und uns nach Prince-Williams-Sund zu begeben, um dort womöglich zu überwintern. Als wir dort in der von Cook so benannten »Snug-Corner-Cove« oder der »Bucht des sicheren Winkels« ankamen, stürmte es gewaltig. In drei ganzen Tagen ließ sich keiner von den Eingeborenen sehen, und wir glaubten daher schon, daß sie diese Küste verlassen und sich südwärts begeben hätten, um den Winter bequemer hinzubringen. Auf einer unserer Streifereien am Lande sahen wir jedoch etwas frisch mit einem Schneidewerkzeuge abgehauenes Holz. Wir fanden auch ein Stück Bambus, das uns überzeugte, daß ein Schiff kürzlich vor uns hier gewesen sein mußte; und da dies der bestimmte Ort war, wo wir unsere Gefährten mit der »Seeotter« wiederfinden sollten, so vermuteten wir, daß sie schon wieder nach China abgesegelt wären.

Unsere jetzige Lage ließ uns also nichts als Ungemach erwarten. An der Küste schienen gar keine Eingeborenen zu sein, die uns während eines Winteraufenthaltes Waren zum Tausch oder Lebensmittel bringen konnten. Andrerseits war die Witterung furchtbar geworden; es stürmte unaufhörlich unter Schneegestöber und Schloßen. Verließen wir unsere sichere Stätte, so war es sehr ungewiß, ob wir irgendwo einen anderen Zufluchtsort finden und nicht genötigt sein würden, nach den Sandwichinseln zu gehen. Dieser Schritt aber hätte wahrscheinlich der ganzen Reise ein Ende gemacht, da unsere Leute schon anfingen, große Unzufriedenheit an den Tag zu legen.

Wir beschlossen deshalb, den unwirtlichen Winter in Prince-Williams-Sund allen Erquickungen der Sandwichinseln vorzuziehen, da es uns schwerlich gelungen wäre, die Matrosen zur Rückkehr von jenem angenehmen Aufenthalt an die amerikanischen Küsten zu bewegen. Der Zweck der Reise und das Interesse der Eigentümer erforderten dieses Opfer, dem wir uns auch so wie jedem anderen Ungemach willig unterzogen. Bei einigem Nachdenken über die beschränkte Macht, die der Befehlshaber eines Kauffahrteischiffes hat, und über den daraus folgenden Mangel an Subordination wird man leicht begreifen können, daß unser Entschluß, trotz aller Schwierigkeiten hierzubleiben, ein Beweis von unserm Eifer für unsre Auftraggeber war.

Am vierten Tag besuchten uns einige Kanus, und die Eingeborenen betrugen sich umgänglich und friedfertig gegen uns. Sie nannten uns verschiedene englische Namen, die wir für die Namen der Leute an Bord der »Seeotter« erkannten. Auch gaben sie uns zu verstehen, daß ein Fahrzeug mit zwei Masten erst vor wenigen Tagen mit vielen Fellen beladen von hier abgegangen sei; um die Menge der Felle anzudeuten, zeigten sie uns die Haare auf ihrem Kopfe. Endlich versprachen sie uns nach ihrer Art: wenn wir bleiben wollten, würden sie den Winter hindurch eine Menge Seeottern für uns töten. Wir wußten nun, daß der Sund bewohnt sei, und es fehlte uns nur noch an einem geeigneten bequemen Winterhafen. Unsere Boote fanden einen solchen ungefähr 15 Kilometer ostnordostwärts von dem bisherigen Orte.

Dahin brachten wir am 7. Oktober unser Schiff, takelten es ab und fingen an, uns am Lande mit der Errichtung eines Holzhauses zu beschäftigen, das den Schmieden zur Werkstätte dienen und zugleich, solange unser Schiff in dem jetzigen Zustand wäre, allerlei altes Holzgerät aufnehmen sollte. Die Eingeborenen beehrten uns täglich mit ihren Besuchen und übten sich dabei unausgesetzt in ihrem ganz vorzüglichen Talent zum -- Stehlen. Man hatte Mühe, die Kunstgriffe zu begreifen, mit denen sie sich eiserner Gerätschaften zu bemächtigen suchten. Oft sah man sie den Kopf eines Nagels im Schiffe oder in den Booten, wenn er nur ein wenig aus dem Holz herausragte, mit den Zähnen herausziehen. Und wenn wir die verschiedenen Diebereien und die Art, wie sie ausgeführt wurden, erzählten, so könnte mancher leicht auf den Gedanken kommen, daß wir die diebische Geschicklichkeit dieses Volkes auf Kosten der Wahrheit herausstreichen wollten.