Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer wilden Verwandten

Part 5

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Ganz anders liegt die Sache bei den Wildhundarten. Stürzen sie sich infolge ihres schwachen Gesichts, und weil ihre Nase wegen der ungünstigen Windrichtung nichts leisten kann, auf den vermeintlichen Fremdling, so ist es um ihn geschehen. Er ist in kurzer Zeit abgewürgt.

Die ungeheure Gefahr, die einem versprengten Wildhund bei seiner Rückkehr droht, ebenso allen Ankömmlingen, die sich in bester Absicht dem Rudel nähern, machte für die Hundearten ein Signal, also ein deutliches Zeichen für Freundschaft nötig. Das erhielten sie durch das Wedeln mit dem Schwanze.

Da das Auge des Hundes, wie wir wissen, Bewegungen sehr gut sieht, so kann das Signal kaum jemals übersehen werden. Der versprengte Hund braucht bei seiner Rückkehr also nur mit dem Schwanze zu wedeln, um dasselbe zu erreichen, was die Menschen, die sich als Krieger gegenüberstehen, durch Hissen eines weißen Taschentuches bezwecken.

Allbekannt ist es, daß man einen fremden Hund dadurch in eine freundliche Stimmung versetzen kann, daß man mit der Hand auf das Knie klopft und dabei ruft: »Komm, gutes Hundchen, komm her!« Der merkwürdige Erfolg dieser Bewegung erklärt sich einfach als eine Nachahmung des Schweifwedelns. Die Bewegungen des Armes in Kniehöhe erinnern an die Bewegungen des Schwanzes. Das Klopfen ist vollkommen gleichgültig.

17. Warum gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund.

Karo wird jetzt in das Haus gebracht, und uns an seiner Stelle Hektor vorgeführt, ein sehr schöner, kurzhaariger Jagdhund. Beide Hunde vertragen sich ganz gut, sind aber sehr eifersüchtig aufeinander. Jeder Hundebesitzer weiß, daß der Neid unter den Hunden sehr groß ist. Wenn ein Hund einmal nicht fressen wollte, was in Friedenszeiten nicht selten vorkam, so brauchte man nur zu rufen: »Ich werde es dem Pussel, nämlich dem Hunde des Nachbars, oder der Katze geben,« dann packte der Neid den Hund derartig, daß er alles bis auf den letzten Bissen hinunterschluckte.

Da der Wildhund, wie wir am Wolfe sehen, selbst im Sommer nicht kurzhaarig wird, so muß der Mensch den Hunden künstlich die Kurzhaarigkeit angezüchtet haben. Warum hat er das getan?

Der Jäger gebraucht den Hühnerhund, wie wir bereits wissen, besonders bei der Jagd auf Rebhühner. Diese beginnt gewöhnlich im August, wo es manchmal glühend heiß ist. Das andauernde Laufen in der brennenden Sonnenglut kann ein Wildhund nicht vertragen. Denn als nächtliches Tier ruht er zu dieser Zeit irgendwo in einem schattigen Gebüsch.

Ein kurzhaariger Jagdhund kann bei seiner geringen Behaarung der Sonnenglut viel leichter standhalten. Trotzdem macht der Jäger an heißen Augusttagen zur Mittagszeit eine Pause.

Aber nicht nur der Jäger hat von der Kurzhaarigkeit Vorteil. Jeder Hundebesitzer weiß, wie schwierig die Haarpflege bei langhaarigen Hunden ist. Auch kann man dem Ungeziefer schwer beikommen.

In der freien Natur vollzieht sich der Haarwechsel, der im Frühjahr und im Herbst eintritt, sehr schnell. Wölfe und Füchse brauchen nicht gekämmt zu werden, um die alten Winterhaare zu verlieren. Sie krauchen fast alltäglich durch Gebüsch und Dornen, die das Kämmen besser als der Mensch mit einem Kamm besorgen. So sehen freilebende Tiere immer glatt aus.

Stubenhunde dagegen, die wenig Bewegung haben, haaren so ziemlich das ganze Jahr und können dem Besitzer fortwährend Arbeit verursachen. Bei langhaarigen Hunden ist das natürlich besonders schlimm.

Kurzhaarigen Hunden im Winter bei strengem Frost eine Decke auflegen, ist also keine Verzärtlichung, wie man häufig hört. Denn wir Menschen haben den Hunden das natürliche Haarkleid, das sie bei großer Kälte brauchen, fortgezüchtet.

Wie schön wäre es doch für uns Menschen, wenn auch uns im Winter die notwendige wärmere Bekleidung von der Natur geschenkt würde, wie es bei den Tieren der Fall ist. Namentlich jetzt bei den so teuren Preisen!

Weil kurzhaarige Hunde im Winter leicht frieren, so hat man ein Mittelglied zwischen ihnen und den langhaarigen Hunden gezüchtet, nämlich stichelhaarige oder rauhhaarige.

Während die Kunststücke beim Pudel nur Unterhaltungswert besitzen, ist die Abrichtung eines Jagdhundes für den Jäger von großem Wert. Er muß stets an der linken Seite gehen, um seinem Herrn beim Schießen nicht hinderlich zu sein, er muß auf den Zuruf »nieder« oder »down (daun)!« sich fest auf die Erde legen. Dadurch erreicht man, daß man den Hund ohne Leine fest in der Hand behält, wenn er beispielsweise bei einer Hetze uns entschwinden will.

Herr Böhm zeigt uns, wie gut Hektor dressiert ist. Er apportiert mit Freuden, selbst eine tote Krähe, was Hunde sonst nicht gern mögen.

Unser Bekannter räumt ein, daß man Jagdhunde nicht zu sehr wegen ihrer Anhänglichkeit auf die Probe stellen darf. Wie groß die Jagdleidenschaft ist, erkennt man daran, daß der gierigste Fresser oft das Essen unbeachtet läßt, wenn es zur Jagd geht.

Ich habe selbst erlebt, daß in dem Jagdrevier eines Freundes, in dem ich jagen durfte, die Jagdhunde ihren alten Wärter im Stich ließen und sich mir, dem Fremden, anschlossen, nur weil ich mit dem Gewehr auf Jagd ging.

Herr Böhm erzählt uns von seinen früheren Hunden. So hat er viele Jahre einen Dachshund »Männe« gehabt. Wie alle Dachshunde war er sehr selbständig und gehorchte seinem Herrn regelmäßig nur dann, wenn es ihm paßte.

Der Unabhängigkeitssinn des Dachshundes im Verhältnis zu seinem Herrn, den man bei anderen Hunden nicht antrifft, muß natürlich seinen Grund haben und hat ihn auch. Der Dachshund wird von den Jägern dazu gebraucht, um Dachse und Füchse, die in ihre Höhle geflüchtet sind, zu stellen, möglicherweise auch zu würgen. Bei diesem unterirdischen Kampf auf Leben und Tod hat der Mensch es sehr leicht zu sagen: »Faß, mein Hundchen, faß!« Das Zufassen wäre in dem Zeitpunkte vielleicht gerade ein großer Fehler, denn es darf nur in einem günstigen Augenblicke geschehen. Der Dachshund hat sich also daran gewöhnt, das, was sein Herr sagt, nicht sonderlich zu achten.

Ganz besonders liebte es »Männe«, Knochen für eine spätere Zeit sich aufzuheben und zu diesem Zwecke zu verscharren. Der Dachshund ist zum Wiederauffinden der verscharrten Knochen ganz besonders geeignet, da seine Nase sehr fein ist und sich obendrein ganz nahe am Erdboden befindet.

Auch einen Windhund »Roland« hat mein Bekannter längere Zeit besessen, hat ihn aber wieder weggegeben, da er für ihn keine Verwendung hatte. Der Windhund nimmt noch eine größere Ausnahmestellung unter den Hunden ein als der Dachshund.

Gerade der Windhund ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß Auge und Nase in einer gewissen Abhängigkeit voneinander stehen. Von allen Hunden sieht er am besten und muß auch am besten sehen, da er als Hetzer vorher das Wild erblicken muß, das er einholen will. Dafür ist auch sein Geruch, wie schon die kleine Nase andeutet, nicht entwickelt genug, um, wie die andern Hunde, mit ihm eine Fährte dauernd zu halten.

Auf dieses geringere Geruchsvermögen des Windhundes führt man es zurück, daß er an den Menschen so wenig anhänglich ist. Man hat nämlich bei säugenden Hunden, die durch einen Unglücksfall ihre Riechfähigkeit eingebüßt, festgestellt, eine wie ungeheure Rolle bei den Hunden die Nase spielt. Sie konnten ihre Mutter nicht mehr finden und später die verschiedenen Speisen nicht unterscheiden. Auch waren sie nicht im geringsten anhänglich an ihren Herrn.

Dieser Mangel an Anhänglichkeit bei riechunfähigen Hunden kommt einfach daher, weil sie kein Mittel haben, um ihren Herrn von anderen Menschen zu unterscheiden. Sie gleichen jungen Affen, denen man die Augen ausgestochen hat. Auch diese würden nicht anhänglich werden, weil sie ihren Herrn von andern Personen nicht unterscheiden können.

Der Windhund dagegen ist deshalb weniger anhänglich, weil er von einer Wildhundart abstammt, die, wie die Katze, gewöhnlich allein jagt. Der Windhund mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit braucht kaum einen Mithelfer, um Beute zu erlangen. Deshalb heult er sich auch nicht mit andern Wildhunden zusammen. Aus diesem Grunde neigt der Windhund sehr wenig zum Bellen.

18. Der Schäferhund als Polizei- und Blindenhund.

Auch einen Schäferhund hat Herr Böhm besessen und will sich einen solchen wieder anschaffen, da Pudel und Jagdhunde, wie wir wissen, als Wächter für Grundstücke weniger passen.

Der Schäferhund hat nicht ganz das Auge des Windhundes, immerhin aber ist es viel besser als bei den meisten andern Hunden. Das rührt von seiner Tätigkeit beim Hüten der Schafe her.

Zum Polizeihund ausgerechnet den Schäferhund zu wählen, wird man kaum gutheißen können. Bei der Jagd hat man eigentlich den Schäferhund nur gebraucht, wenn man Wildschweine ausfindig machen wollte. Diese aber haben eine so strenge Ausdünstung, daß man sie fast mit der Menschennase finden kann.

Trotzdem hat man den deutschen Schäferhund zum Polizeihund gewählt. Das kommt sicherlich daher, weil er der willigste und diensteifrigste Hund ist. Jeder muß den Schäferhund schätzen, weil ohne seine unermüdliche Tätigkeit der Hirte machtlos wäre.

Selbstverständlich ist es nicht der Mensch gewesen, der dem Hunde das Umkreisen der Schafe beigebracht hat. Vielmehr handelt es sich um einen uralten Trieb der Wildhunde, die ein Rudel Pflanzenfresser umkreisen, um sie an Abhänge zu treiben, von denen sie abstürzen und den Feinden zur Beute werden.

Wie sehr auch heute noch in den Schäferhunden das Raubtier schlummert, beweist die Tatsache, daß manche bei großer Langeweile von der »Schafsucht« gepackt werden, indem sie nach Art ihrer Vorfahren Schafe zu würgen beginnen. --

Die Leistungen der Polizeihunde sind erst überschwenglich gelobt worden. Später hat eine wissenschaftliche Kommission Untersuchungen veranstaltet und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die Hunde nicht die Fähigkeit besitzen, einzelne Personen durch ihren Geruch zu unterscheiden.

Demgegenüber muß auf die uralte Tatsache hingewiesen werden, daß erlegtes Wild durch Schreckmittel vor dem Verzehren durch Nasentiere bewahrt werden muß. Hat der Jäger in Afrika eine Antilope erlegt, die er nicht nach dem Lager schleppen kann, so muß er durch ein Taschentuch oder andere Gegenstände Hyänen und Schakale abschrecken. Diese Raubtiere sind nicht schnell genug, um eine Antilope zu fangen. Sowie sie aber verwundet ist, dann folgen sie ihrer Fährte. Genau so ist es in Deutschland mit dem Hirsch und Fuchs und war es früher mit dem Bären. Ein Fuchs oder ein Bär kann keinen gesunden Hirsch einholen oder einen gesunden Rehbock. Haben Hirsch oder Reh aber die Kugel vom Jäger erhalten, so verfolgen die genannten Raubtiere die verwundeten Pflanzenfresser. Ein Nasentier unterscheidet also an der Fährte ohne Frage, ob das Geschöpf gesund oder krank ist. So sehen wir im Frühjahr die männlichen Hasen (Rammler) mit gesenkter Nase in fliegender Fahrt der Spur der Häsin folgen. Der Hase findet also durch die Nase nicht nur die Spur, sondern erkennt auch durch den Geruch, ob es ein Männchen oder Weibchen ist.

Hunde haben so häufig die Spur ihres Herrn unter zahlreichen anderen herausgefunden, daß ein Zweifel daran ausgeschlossen ist. Ich habe es oft erlebt, und es überhaupt nicht für möglich gehalten, daß man eine solche Tatsache bestreiten kann.

Der Mensch kann unzweifelhaft mit seinen Augen seine Bekannten von anderen Leuten unterscheiden. Aber in einer großen Versammlung, in einem vollbesetzten Zirkus vermag er seinen Bekannten nicht herauszufinden. So geht es dem Polizeihund auch in dem Gewirr der Spuren in einer Großstadt. In großen Städten wird die Leistung eines Polizeihundes kaum der Rede wert sein. Dagegen kann er auf dem Lande sehr wohl zur Aufdeckung eines Verbrechens beitragen.

Völlige Klarheit in die Sachlage dürfte erst die Zukunft bringen.

In Jägerkreisen zweifelt kein Mensch an den hervorragenden Leistungen der Hundenase, selbst wenn der Hund dicht an der gesuchten Beute vorbeilaufen sollte. Man sagt sich mit Recht, daß der Mensch die Nasentätigkeit eines Tieres zu schwer beurteilen kann.

Bei Hundeprüfungen, die häufig stattfinden, läßt man deshalb jedesmal zwei Hunde arbeiten, um einen besseren Maßstab für die Beurteilung zu haben.

Viel besser als zum Polizeihund eignet sich der deutsche Schäferhund zum Blindenhund. Hier ist seine Dienstwilligkeit unbezahlbar, und hier kommt ihm sein besseres Auge sehr zustatten. Mit tiefer Rührung habe ich oft zugesehen, wie tadellos er seinen blinden Herrn geführt hat. Allerdings wird nur der Blinde mit seinem Hunde gut auskommen, der etwas Hundeverständnis besitzt.

Das Publikum aber sollte dem Blinden und dem Hunde nach Möglichkeit behilflich sein. Das mindeste aber, was man verlangen kann, ist das, daß man den eigenen Hund festhält, damit er den Hund des Blinden nicht stört. Bekanntlich haben alle Hunde den unbezähmbaren Drang, sobald sie einen Artgenossen wahrnehmen, seine Bekanntschaft zu machen.

19. Die Fütterung des Hundes.

In seiner langjährigen Praxis ist Herr Böhm zu dem Ergebnis gelangt, daß eine einmalige gründliche Fütterung abends für erwachsene Hunde das Zuträglichste ist.

Das stimmt ganz damit überein, daß die Wildhunde als Nachttiere mit Einbruch der Dämmerung auf Raub ausgehen. Haben sie ein größeres Tier erbeutet, so fressen sie sich gründlich satt, was bis zum nächsten Abend vorhalten muß.

Alle Wildhundarten lieben auch pflanzliche Nahrung. Füchse sind arg nach Weintrauben, Wölfe fressen gern Kürbisse, Gurken, Brot und dergleichen. Hunde, die Früchte, ja Aepfel fraßen, habe ich wiederholentlich kennen gelernt. Die reine Fleischfütterung ist also bei dem Hunde unrichtig.

Gesalzene und gewürzte Speisen sind für den Hund nachteilig. Hundebesitzer, die aus Gastwirtschaften das Futter beziehen, pflegen wieder davon abzugehen, weil die Hunde wegen der stark gesalzenen und gewürzten Speisen nicht gedeihen. Bei Schoßhündchen soll es anders sein. Diesen sollen solche Sachen sehr gut bekommen. Aus eigener Wissenschaft weiß ich hierüber nichts.

Ueber den Salzhunger der Pflanzenfresser und die Gefährlichkeit des Salzes beim Raubtier soll noch beim Schwein näher gesprochen werden.

Röhrenknochen vom Geflügel vermeiden viele Hunde aus »Instinkt« (vergleiche Kapitel 69). Durch Zerbeißen entstehen nämlich Knochenenden mit langen scharfen Spitzen, die dem Tiere sehr gefährlich werden können.

An dem Hunde eines Konditoreibesitzers konnte ich im Frieden beobachten, daß andauernder Zuckergenuß Hunden sehr nachteilig ist. Dieser bettelte allen Besuchern durch Schönmachen den Zucker ab und starb nach kurzer Zeit.

Wie die Tiere in den Zoologischen Gärten, die meistens Nachttiere sind, durch die Besucher Tagtiere geworden sind, so hat sich der Hund durch den Verkehr mit dem Menschen daran gewöhnt, am Tage tätig zu sein. An seine alte Tätigkeit erinnert noch folgendes:

Alle Hunde, namentlich Wachhunde, sind mit Einbruch der Dämmerung besonders zu Angriffen geneigt.

Viele Hunde heulen noch heute gern, wenn es Abend wird.

Die meisten Hunde schlafen gern am Tage bei großer Hitze. Hierbei kann man bei ihnen öfter beobachten, daß sie wie die Menschen träumen.

Ihr Schlaf ist sehr unruhig und sie erwachen bei dem kleinsten Geräusch. Auch die Wildhundarten jagen ausnahmsweise auch am Tage, wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet. Bei der Katze ist es ebenso.

Schwerlich würde der Hund ein so guter Wächter in der Nacht sein, wenn er nicht ursprünglich ein nächtliches Raubtier gewesen wäre.

Auf die feine Nase des Hundes wird von den Besitzern gewöhnlich viel zu wenig Rücksicht genommen. Zigarrenhändler, Drogisten, ja Apotheker halten in ihren Läden Hunde, obwohl hier schon den menschlichen Nasen nicht wohl ist.

Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß Menschen und Tiere nicht dieselben Gerüche lieben. Kölnisches Wasser duftet unserer Nase angenehm, aber der Hund wendet sich mit Abscheu ab.

Ebenso kann ihm die schönste Havannazigarre nicht gefallen. Die Scherze, die man mit Hunden macht, indem man ihnen brennende Tabakspfeifen ins Maul steckt, sind also nicht ohne Nachteil für das Tier.

Ist die Hütte voll Ungeziefer, so reinigen wir sie mit Karbol und reiben den Hund mit Insektenpulver ein. Und wir bilden uns noch etwas auf unsere Tierfreundlichkeit ein, wenn wir dem armen Hunde diese Höllenqual bereitet haben.

Was machen denn Wolf und Fuchs, wenn das Ungeziefer und die Wärme in der Höhle im Sommer zu toll wird? Sie schlafen einfach im Freien und zwingen das Ungeziefer zum Auswandern, weil es in der leeren Höhle nichts zu saugen gibt.

Gegen Petroleumfässer war ich früher eingenommen, weil wir einen Hund besaßen, der große Abneigung gegen den Geruch von Petroleum zeigte. Ich schloß auf einen allgemein herrschenden Widerwillen gegen diese Flüssigkeit. Später habe ich mich davon überzeugt, daß unser Hund eine Ausnahme bildete.

Es ist die Vermutung aufgestellt worden, daß das Petroleum tierischen Ursprungs ist. Es soll von den großen Landtieren herstammen, die in Vorzeiten die Erdkugel bewohnten. Diese Vermutung würde dadurch unterstützt werden, daß unsere Hunde Petroleum gern haben, wie sie alle Tierreste lieben.

Auffallend ist es, wie schnell Wunden bei Hunden heilen. Doch kommen auch Ausnahmefälle vor. So zeigt uns unser Bekannter an seinem Hektor eine oberhalb der Nase verlaufende Narbe, die sich erst nach mehrwöchiger Bepinselung gebildet hat. Wie die meisten Praktiker, so schwört auch Herr Böhm darauf, daß die Wunde sehr schnell geheilt wäre, wenn sie der Hund hätte belecken können.

Tatsache ist es jedenfalls, daß die von der heutigen Heilwissenschaft so sehr gepriesene Freiluftbehandlung der Wunden ohne Verband von jeher bei den Tieren üblich war. Alle Hunde haben sich stets den von Menschenhänden gemachten Verband abzureißen versucht. Der Bürgermeister einer kleinen Stadt, in der ich damals wohnte, ließ, um seinen Hund an dem Abreißen des Verbandes zu hindern, eine Blechhülle um den Verband anbringen. Jetzt war der Hund machtlos, aber geheilt ist das verletzte Bein niemals.

20. Die Feinde des Hundes. Hund und Wolf.

Jedes Geschöpf, das sich auf der Erde befindet, hat Feinde. Die Pflanzenfresser haben ihre Feinde in den Raubtieren und die Raubtiere wieder untereinander. Selbst die stärksten Raubtiere haben ihren gefährlichsten Feind im Menschen, der sie an manchen Stellen bereits ausgerottet hat, weshalb man den Menschen als das allerstärkste Raubtier bezeichnet hat.

Die Hunde haben ihre Feinde zunächst in den großen Katzen, namentlich in dem Leoparden und Jaguar, wovon noch näher gesprochen werden soll, wenn wir bei der Katze von dem Haß des Hundes gegen sie sprechen. Sodann stellen ihnen in den heißen Ländern die größten Schlangenarten nach. Besonderen Appetit auf Hundebraten verspürt das Krokodil, weshalb die dort lebenden Hunde nur unter den größten Vorsichtsmaßregeln zur Tränke gehen. Die Bären schlagen wohl Hunde bei ihrer Verteidigung nieder, aber zu fressen scheinen sie ihre Feinde nicht.

Im Gebirge wird den Hunden der Lämmergeier gefährlich, da er sie, wenn sie in der Nähe von Abgründen weilen, hinabzustürzen sucht. Da Adler sich nicht besinnen, einen Fuchs anzugreifen, ebenso auch der Uhu, so werden diese Raubvögel unter Umständen auch jungen Hunden gefährlich, wenn sie von der Mutter nicht verteidigt werden.

In unserem Vaterlande spielen alle diese Feinde keine Rolle. Das einzige Tier, das ihm direkt tödlich werden könnte, ist die Kreuzotter. Trotzdem namentlich Jagdhunde überall umherstöbern, kommt es doch sehr selten vor, daß sie von Kreuzottern gebissen werden. Herr Böhm erzählt uns, daß ihm bei seinen eigenen Hunden noch nichts vorgekommen sei, obwohl die Kreuzotter in der Gegend nicht selten sei. Dagegen habe ihm ein Jagdfreund von einem solchen Fall bei seinem Hunde erzählt. Dieser Hund habe sich selbst geheilt, indem er zu einem Strom lief und die gebissene Stelle ununterbrochen vierundzwanzig Stunden darin hielt. Unmöglich wäre diese Handlungsweise nicht, da Tiere sich auch, wenn man ihnen vergiftete Brocken hinlegt, durch Gegenmittel zu retten wissen (vergl. Kapitel 69).

Der größte Feind der Hundearten ist aber die eigene Verwandtschaft, wie es bei den Menschen auch so häufig der Fall ist. Wer die Fabeln von der Freundschaft zwischen Haushund und Wolf, ebenso die zwischen Wolf und Fuchs ausgeheckt hat, war kein wirklicher Tierkenner.

Ebenso hört man die unausrottbare Ansicht, daß ein verwilderter Hund von den Wölfen zum Anführer gewählt wird. Der Gedankengang ist dabei folgender. Der Hund hat von dem klugen Menschen so viel Klugheit mitbekommen, daß die Wölfe willig seine geistige Herrschaft anerkennen und auch von der Klugheit des Hundes Nutzen ziehen wollen.

In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß die Haushunde im Kampfe mit dem Wolfe in der lächerlichsten Weise übertölpelt werden. Schon im Altertum schilderte man ganz zutreffend, wie leicht ein paar Wölfe ein Schaf erbeuteten trotz der Anwesenheit von dem Hirten und seinem Hunde oder seinen Hunden. Ein Wolf nähert sich der Herde und wird natürlich von der wachsamen Schar der Hunde wahrgenommen und von ihr ingrimmig verfolgt. Unterdessen hat sich unbemerkt der andere Wolf an die Herde geschlichen und trägt in Gemütsruhe ein Opfer fort.

In wolfreichen Gegenden holen sich, wie mir erfahrene Jäger versichert haben, in ähnlicher Weise die Wölfe den starken Haushund, wenn sie der Hunger kühn gemacht hat. Ein Wolf nähert sich dem Tore des Gehöfts. Der Hund ist sich seiner Pflicht bewußt und verfolgt den grauen Räuber eine Strecke weit. Inzwischen hat ein anderer Wolf dem Hunde den Rückzug abgeschnitten und eilt ihm nach. Der verfolgte Wolf dreht sich plötzlich um, und beide stürzen sich auf den Hund, der in kurzer Zeit sein Grab im Wolfsmagen findet.

Trotz der großen Aehnlichkeit zwischen dem Wolfe und manchen großen Hunderassen ist der Wolf unzweifelhaft der an Kräften Ueberlegene. Der Wolf, der am Waldesrande sitzt oder durch den Forst trabt, ist nach Tschudi in Bau und Farbe dem Fleischerhunde so ähnlich, daß er mit ihm verwechselt werden könnte und von gleicher Abstammung zu sein scheint. Und doch hat man von jeher die Erfahrung gemacht, daß beide Tiere einen entschiedenen Widerwillen gegeneinander haben. Der starke Wolf vermeidet es gern, dem viel schwächeren Hunde zu begegnen. Dieser zittert und sträubt die Haare, wenn er den Wolf wittert. In der Schweiz wagen es nur jene starken und treuen Hunde, welche die Bergamasker Schafherden in den Engadiner Alpen bewachen, einzeln auf den die Herde umlauernden Räuber loszugehen und mit ihm in höchster Erbitterung auf Leben und Tod zu kämpfen. Wird der Wolf Meister, so liebt er es, den halbzerfleischten Hund aufzufressen, während der siegreiche Hund selbst den erlegten Wolf noch verabscheut.