Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 52

Chapter 523,646 wordsPublic domain

Wenn ein Bruch stattgefunden hat, sollte der Patient mit der größten Sorgfalt weggeschafft werden, und wenn es in einer gewissen Entfernung vom Hause geschah, sollte man ihn aus ein Brett oder eine Thüre legen, oder auf irgend eine Weise fortschaffen, die ihm eine bequeme Lage gestattet; das verletzte Glied darf nicht hängen gelassen oder hin und her geworfen werden, muß vielmehr vermittelst Kissen von Stroh, Blättern u.s.w. in eine ruhige Lage gebracht werden. Gebrochene Glieder, besonders wenn Anschwellung vorhanden ist, sollten vor den ersten 3 oder 4 Tagen, oder wenigstens nicht vor einigen Stunden nach dem Unfalle verbunden werden, denn ein Verband, der durch das Anschwellen beengt wird, kann den Blutumlauf hemmen und so die Ursache zum Brande werden. Der gebrochene Knochen muß in eine möglichst bequeme Lage gebracht und dort ruhig gelassen werden, bis die Anschwellung nachgelassen hat. Sofortige Aufmerksamkeit sollte Brüchen des Schlüsselbeines oder der Rippen geschenkt werden.

Um den Knochen wieder einzurichten, lege man den Patienten auf ein Brett oder eine Matratze, und befinden sich die Schnitte des Bruches nicht genau gegenüber, so sollte einer der Wärter den unteren Theil des gebrochenen Gliedes erfassen, während der andere den oberen Theil hält, beide sollten dann sanft ziehen und zwar in entgegengesetzter Richtung, so daß durch die Ausdehnung und das Zusammenschieben schließlich der Knochen wieder in die rechte Lage gebracht wird. Dann mögen die Schienen und der Verband angelegt werden, und um das Aufreiben der Haut oder eine Verletzung zu verhindern, sollte eine dünne Lage Watte untergelegt werden. Die Schienen müssen von einer oder zwei Personen gehalten werden, während der Wundarzt den Verband anzulegen beginnt, und zwar immer an dem unteren Theile des Gliedes zuerst anfängt. Nachdem das Glied so verbunden, lege man es auf ein Kissen in einer gebeugten Stellung oder in einem eigens dazu angefertigten Bruchkasten oder in einer Schlinge. Man nehme den Verband nach Verlauf einer Woche ab, um sich zu versichern, daß sich die Theile in gehöriger Lage befinden, und verbinde dann wieder.

Bruch des Nasenbeines

wird leicht an der Mißgestaltung erkannt.

+Behandlung.+

Die Knochen werden eingerichtet, indem man mittelst eines silbernen oder hölzernen Stiftes oder irgend eines ähnlichen Instrumentes in der Nasenhöhle die gebrochenen Knochen herausdrückt, währenddessen man durch einen Gegendruck mit den Fingern von außen das zu weite Hervortreten derselben verhindert. Um die Entzündung und das Anschwellen zu unterdrücken, mache man nasse Umschläge von kaltem Wasser oder einer kalten Arnica-Lösung durch mehrere Tage hindurch.

Bruch des untern Kinnbackens.

Der untere Kinnbacken kann an mehreren Stellen gebrochen werden und der Bruch mag ein einfacher oder zusammengesetzter sein. Er wird an dem Schmerz bei Bewegung des Gaumens, durch das Lockerwerden der Zähne und an dem knirschenden Gefühle beim Bewegen der Knochen erkannt.

+Behandlung.+

Lege über das Kinn eine Lage Watte oder Charpie, und forme dann nach dem Kinn und unter der Oberfläche des Gaumens ein Stück dicker Pappe welche zuvor in Wasser erweicht wurde, zu einer Schiene. Dann befestige man dieselbe mittelst eines Wickelbandes von zwei Zoll breit an den Gaumen, presse den unteren Kinnbacken gegen den oberen und binde die Bandage vorn und unter dem Kinn quer über den Scheitel. Dieser Verband sollte nicht vor drei bis vier Tagen behufs Nachsehens entfernt werden. Sollte es schwer sein, die Bruchstücke an ihrem Platz zu halten, so sollten die dem Bruch auf beiden Seiten nächststehenden Zähne mit einem feinen Eisen- oder Silberdrath zusammen gezogen werden.

Bruch der Rippen.

Ein Bruch der Rippen kann durch einen heftigen Schlag oder Fall verursacht werden und ist an dem schwierigen Athmen und an einem leichten Krachen, welches gehört oder gefühlt werden kann, wenn man die Hand über den verletzten Theil legt, während der Patient einen langen Athemzug thut, zu erkennen. Der Patient klagt bei jedem Athemzug über einen stechenden Schmerz in der verletzten Seite.

+Behandlung.+

Schneide Heftpflaster in Streifen von ein und einem halben Zoll breit und 15 bis 18 Zoll lang, und wenn erwärmt, lege man sie auf die verletzte Seite. Ein Ende von jedem Streifen ruhe auf dem Brustbein und ziehe sich dann nach unten und außen, so daß sie den Bruch kreuzen und bis zum Rückgrat reichen. Diese Streifen sollten die Oberfläche der verletzten Stelle zwei oder drei Zoll über und unter dem Bruche bedecken und aufgelegt werden, während der Patient die Luft so viel als möglich aus den Lungen zieht. Oder ein breites, starkes Band mag um die Brust herum befestigt werden, damit verhindert wird, daß sich die Rippen während des Athmens bewegen.

Bruch des Schlüsselbeines

kommt häufig vor und erfordert sofortige Behandlung. Er kann daran erkannt werden, daß die Schulter an der verletzten Seite tiefer ist als die an der andern, an dem Schmerz bei Bewegung, der Patient kann die Hände nicht an den Kopf heben, der Arm an der verletzten Seite fällt auf die Brust, an den knirschenden Ton oder crepitus, der bei Bewegen des Armes oder der Schulter wahrgenommen wird, oder die gebrochenen Enden können, wenn man mit der Hand längs des Schlüsselbeines streicht, gefühlt werden.

+Behandlung.+

Man lege ein Polster in die Armhöhle, welches hinreichend dick ist, den Arm von dem Körper zu halten. Dann hebe man den Ellbogen vermittelst einer Schlinge ähnlich einem Rockärmel, die sich vom Handgelenk nach dem Ellbogen erstreckt, ziehe ihn rückwärts und lasse die Schiene auf der gesunden Schulter ruhen, während der Arm an der verletzten Seite ruhig an dem Körper gehalten werden muß.

Bruch des Schulterblattes.

Das Schulterblatt wird selten gebrochen, ausgenommen in Folge unmittelbarer heftiger Verletzungen. Wenn der Knochen gebrochen ist, so wird eine schmerzhafte Anschwellung, sowie auch Steifheit und Unfähigkeit den Arm der betreffenden Seite zu bewegen, eintreten.

+Behandlung.+

Mache eine Compresse über den Sitz des Bruchs und bringe den Knochen durch das Anlegen eines festen Verbandes oder durch Streifen von Heftpflaster in eine unbewegliche Lage.

Bruch des Oberarms.

Dieser Bruch findet häufig in der Mitte des Armes statt. Er kann daran erkannt werden, daß der Patient den Ellbogen oder Vorderarm nicht heben kann und an dem knirschenden Gefühl, das empfunden wird, wenn sich die Bruchstücke an einander reiben.

+Behandlung.+

Man forme eine Schiene von Sohlenleder, das zuerst in Wasser erweicht wird, der äußeren Fläche des Armes angemessen, und dehne diese bis zur Schulter gehörig aus; befindet sich der Bruch näher unter dem oberen Ende des Knochens, mache ein Polster unter die Achsel oder in die Armhöhle; lege eine kurze Schiene von Sohlenleder an die innere Seite des Armes und befestige dieselbe vermittelst eines Wickelbandes von den Fingern aufwärts. Wenn sich der Bruch weiter vom Gelenk ab befindet, kann das Polster ausgelassen werden.

Bruch des Ellbogens.

Der Ellbogen kann gebrochen werden, was an dem Schmerze an dem betreffenden Theile und daran, daß der Patient den Arm biegen aber nicht wieder strecken kann, an dem knirschenden Gefühle, das bei Vorwärts- und Einwärts-, dann langsam Rückwärts- und Einwärtsbiegen wahrgenommen wird, erkannt werden kann. Bei Bewegen des Armes sollte der Wundarzt eine Hand auf die Stelle des Bruches legen, während er mit der andern das Glied bewegt.

+Behandlung.+

Dehne den Arm vollständig aus und lege an die innere Seite eine lange, gerade Holzschiene, dann lege eine feste Compresse über den Bruch des Knochens, bringe ihn in seine gehörige Lage vermittelst Streifen von Heftpflaster, welche an der Schiene und an dem Arm befestigt werden, so daß ein Vorschieben nicht möglich ist.

Bruch des Vorderarmes.

Es gibt zwei Knochen in dem Vorderarm. Der eine wird ~Ulna~, der andere ~Radius~ genannt. Wenn beide Knochen gebrochen werden, so wird der Bruch leicht entdeckt, dies kommt aber selten vor. In der Regel ist Schmerz an der gebrochenen Stelle vorhanden, die Hand ist steif und ein knirschendes Gefühl wird bemerkt werden, wenn das Glied über oder unter dem Bruch fest angegriffen wird und die Enden der Knochen gegen einander reiben.

+Behandlung.+

Zwei gerade dünne Stücke Brett, lang genug, daß sie von dem Ellbogen bis zu den Fingerspitzen reichen, gehörig wattirt und ein wenig breiter als der Arm, sollten eines an die innere und das andere an die äußere Seite des Vorderarmes gelegt und die Lage derselben durch den Verband so gesichert werden, daß, wenn der Vorderarm auf die Brust gelegt wird, der Daumen aufwärts gerichtet ist.

Fingerbrüche.

Wenn das erste oder zweite Glied des Fingers gebrochen wird, kann es leicht entdeckt werden, bei dem dritten Gliede aber ist es schwieriger.

+Behandlung.+

Man lege eine dünne schmale Schiene aus einer Schindel oder aus anderem passendem Material geschnitten an die innere Seite des Fingers und befestige sie mittelst eines schmalen Verbandes.

Schenkelbruch.

Dieser Bruch kann an irgend einer Stelle des Schenkelknochens vom Knie bis an die Hüfte eintreten, findet aber häufiger in der Gegend der Mitte oder an dem oberen Theile statt. Der Bruch kann an dem Schmerze, der Unfähigkeit das Glied zu bewegen, oder irgend ein Gewicht darauf zu ertragen, sowie an dem knirschenden Geräusche, wenn die Enden gegen einander reiben, erkannt werden. Wenn der Bruch schief ist, so wird das Glied kürzer, ist die Kugel gebrochen, so dreht sich das Knie und der Fuß nach Auswärts und das Glied ist ungefähr einen Zoll kürzer als das andere.

+Behandlung.+

Wenn ein Bruch der Kugel stattfand, so mag das Glied in eine mit doppelter Biegung versehene Schiene (siehe Holzschnitt) mit gekrümmtem Knie gelegt und so weit erhöht werden, daß der Körper etwas nach unten zieht, damit die möglichst volle Länge erhalten bleibt.

Wenn sich der Bruch in der Mitte des Knochens befindet, sollte eine lange gerade Schiene angelegt werden; an dem unteren Ende ist der Fuß zu befestigen und an dem oberen Ende, fast bis zur Armhöhle reichend, sollte sich ein gehörig wattirter Gurt befinden, der, sich durch die Schamleiste ziehend, rings um den verletzten Schenkel geht. Man strecke den Schenkel bis zu seiner vollen Länge aus, die Schiene möge befestigt und wenn nöthig, mögen die Bruchstücke noch besonders durch kurze Schienen von Sohlenleder und etwas Verband gestützt werden.

Bruch des Beines.

Das Bein ist jener Theil des Gliedes, welcher zwischen Knie und Knöchel liegt. Es besteht aus zwei Knochen; der kleinere Knochen an dem äußeren Theile des Beines wird ~Fibula~ und der andere an der inneren Seite ~Tibia~ oder Schienbein genannt. Einer oder beide können gebrochen werden, häufiger aber der letztere. Der Bruch kann daran erkannt werden, daß der Patient weder gehen noch sich auf den Füßen halten kann, am Schmerz, an einer Veränderung der Form und an dem eigenthümlichen knirschenden Gefühl beim Aneinanderreiben der gebrochenen Enden.

+Behandlung.+

Man bringe den Fuß in eine Schiene mit doppelter Beugung (siehe den Holzschnitt auf der vorhergehenden Seite) und gebe dem Fuße einen Halt an dem Fußende; sollten die Bruchstücke anfangen in eine ungehörige Lage zu kommen, so lege man eine kurze Schiene, gehörig wattirt an, damit sie in ihrer Lage bleiben.

Brüche des Fußes.

Dieselben sind häufig von Fleischwunden und Zerreißung des Bandes begleitet und sind gefährlicher als Brüche der Hand.

+Behandlung.+

Ist das Fleisch stark zerrissen und die Knochen gebrochen, sehe man zu, die letzteren wieder an ihren Platz zurückzudrängen, mache Wasserumschläge oder solche von Arnica-Auflösung, und suche die Entzündung zu beseitigen, welche die Hauptquelle der Gefahr ist. Wenn der Fersenknochen gebrochen ist, sollte der Fuß völlig ausgestreckt und eine gerade Schiene, welche von den Zehen bis zum Knie reicht, angelegt werden. Die Knochenbruchstücke sind durch Streifen von Heftpflaster oder Wickelbänder zusammen zu halten.

Zusammengesetzte Brüche

sind von Wunden durch die Haut, welche durch das Herausdringen des Knochens verursacht werden, begleitet, und sind in Folge dessen gefährlicher als einfache Brüche, sind aber bezüglich ihrer Behandlung von den letzteren nicht verschieden. Der Verband aber muß so angelegt werden, daß man die Wunden verbinden kann, ohne dadurch von Neuem eine Störung der Lage des Knochen zu verursachen. Alle Knochensplitter &c. müssen sorgfältig entfernt werden.

Ausrenkungen.

Die Flächen, wo sich zwei Knochen begegnen und gegen einander gleiten, werden Gliederflächen und die Verbindung die Knochenfügung genannt. Die Oberfläche des Knochens ist mit einem glänzenden Knorpel bedeckt und die Glieder werden durch Bänder und Streifen von Knorpel zusammengehalten. Wenn nun ein Knochen vermittelst Gewalt oder durch Erschlaffung der Bänder aus seiner Höhle tritt, so nennt man dies eine Ausrenkung. Ist ein Knochen blos verschoben, so wird dies als eine +einfache Ausrenkung+ bezeichnet, wenn aber dabei die umgebenden Theile verletzt werden, so nennt man es eine +zusammengesetzte Ausrenkung+. Eine Ausrenkung sollte sobald als möglich nach deren Vorgang behoben werden; je länger dies verschoben wird, desto schwieriger wird es sein. Zuweilen findet man einen Bruch und eine Ausrenkung zu gleicher Zeit, und in solchen Fällen muß zunächst die Ausrenkung beseitigt sein, bevor man den Bruch behandeln kann.

Kennzeichen einer Ausrenkung sind die Unmöglichkeit, die Glieder und Knochen zu bewegen; die Kugel des Knochens kann in ihrer unnatürlichen Lage gefühlt werden, und das Glied kann sich verkürzen oder auf andere Weise verschieben. Eine Ausrenkung muß durch ein allmähliges und ununterbrochenes kräftiges Ziehen beseitigt werden, was daran zu erkennen ist, daß das Glied seine natürliche Gestalt wieder annimmt und gewisse Bewegungen wieder machen kann, welche, während der Knochen aus seiner Lage ist, nicht möglich sind. Der Schmerz läßt allmählig nach, nachdem der Knochen wieder eingerichtet ist.

Bei Ausrenkungen der Schulter und Hüfte, macht der Knochen ein schnappendes Geräusch, wenn er in seine Lage zurückgleitet.

Ausrenkung des Gaumens

wird gewöhnlich durch zu starkes Gähnen verursacht und kann auf einer oder auch auf beiden Seiten stattfinden. Der Mund ist weit geöffnet, das Kinn nach einer Seite oder nach unten gezogen, der Patient ist unfähig, den Mund zu schließen und der Speichel tropft.

+Behandlung.+

Man stelle sich hinter den sitzenden Patienten und schiebe einen Kork oder Töpsel von Holz zwischen die Backenzähne auf der ausgerenkten Seite oder auf beiden Seiten, wenn die Ausrenkung beider Seiten stattfand, und hebe das Kinn sanft aber beständig. Wenn die Ausrenkung beseitigt ist, wird sich der Mund sogleich nach dem Herausnehmen des Korkes oder Töpsels schließen.

Ausrenkung des Schlüsselbeins.

Das Schlüsselbein ist mehr zum Bruch als zur Ausrenkung geneigt. Wenn eine solche stattfindet, so steht sie in der Regel mit dem Brustbein in Verbindung. Die Kugel des Knochens kann sich sowohl rück- als vorwärts schieben. Wenn rückwärts gezogen, drückt sie auf den oberen Theil des Brustbeines, während die Kugel wie eine Geschwulst an dem Halse gefühlt werden kann; auch verursacht dies eine beträchtliche Anschwellung. Wird die Kugel vorwärts gezogen, so wird mit der Hand an der Spitze des Brustbeins ein Höcker gefühlt.

+Behandlung.+

Wenn sich der Knochen nach rückwärts geschoben hat, ziehe die Schulter kräftig genug vom Körper weg, damit der Knochen in seine Lage zurückgebracht wird, dann presse die Schulter nach rückwärts und halte sie in dieser Stellung. Fand die Ausrenkung nach vornen statt, so beseitige sie in derselben Weise; beuge die Schulter ein wenig nach vorwärts und lege eine feste Compresse über dem Knochen an, damit eine Wiederholung verhindert wird.

Ausrenkung der Schulter.

Die Kugel des langen Armknochens kann in drei verschiedenen Richtungen ausgerenkt werden, nach unten, in die Armhöhle, nach vornhin, auf die Brustmuskeln und nach rückwärts auf die Rückseite des Schulterblattes.

Wenn die Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, so ist der Arm länger als der andere und der Ellbogen von der Seite gezogen; die Rundung der Schulter ist verschwunden, der Patient kann den Arm nicht heben und die Finger sind zuweilen empfindungslos.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts wird ein Höcker an der Spitze der Schulter gefühlt, der Ellbogen ist von der Seite nach rückwärts gezogen, der Arm ist kürzer und die Kugel kann unter dem Schlüsselbein gefühlt werden.

Wenn die Kugel nach rückwärts an das Schulterblatt gezogen ist, so kann sie durch die Geschwulst an jener Stelle gefühlt werden; der Arm und Vorderarm wird quer über die Brust gezogen.

+Behandlung.+

Wenn eine Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, lasse man den Patienten sich auf den Rücken legen, stelle den nur mit dem Strumpf bekleideten Fuß in die Armhöhle, ziehe dann stark an dem Arme und zwinge so durch das Gegenstemmen des Fußes die Kugel zurück, bis sie plötzlich in die Höhle springt.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts bringe man durch Ziehen des Armes nach aus- und aufwärts die Kugel in die Armhöhle und verfahre dann weiter wie eben beschrieben.

Wenn die Kugel nach rückwärts ausgerenkt ist, so stelle sich der Wundarzt neben den Kranken, anstatt sich, wie auf dem vorstehenden Holzschnitte gezeigt, neben denselben zu setzen. Durch das Ziehen des Armes mehr nach vorne hin wird die Ausrenkung beseitigt.

Ausrenkung des Ellbogens.

Die gewöhnlichste Ausrenkung des Ellbogens ist jene, bei welcher beide Knochen des Vorderarmes rück- und aufwärts gezogen sind. Sie kann daran erkannt werden, daß die Spitze des Ellbogens mehr als gewöhnlich hervorsteht; an jeder Seite des Ellbogens befindet sich eine Höhle und der Vorderarm ist an dem rechten Knöchel der Hand gekrümmt.

+Behandlung.+

Fasse den Arm oben und unter dem Ellbogen, setze das Knie in den verletzten Ellbogen, und währenddem man den Arm um das Knie biegt, ziehe man beständig stark, auf diese Weise werden die Knochen wieder in ihre Lage zurückgebracht.

Ausrenkung des Handgelenkes

kann an dem Schmerz, der Veränderung in der Stellung der Hand verbunden mit einer Anschwellung des vordern und hintern Theiles der Hand erkannt werden.

+Behandlung.+

Man fasse die verletzte Hand fest, während ein anderer den Arm hält, und indem die Hand in die Höhe gezogen wird, drücke man mit der anderen Hand die Knochen in ihre Lage zurück.

Ausrenkung der Knochen der Finger.

Eine solche kann an dem Vorspringen an dem hinteren Theile des Fingers erkannt werden.

+Behandlung.+

Beuge den Finger rückwärts an dem ausgerenkten Gliede, bis es in einem rechten Winkel steht, dann dränge man mit den Daumen den Boden des ausgerenkten Knochens vorwärts und strecke gleichzeitig den Finger aus.

Ausrenkung des Hüftknochens.

Die Kugel oder der Kopf des Hüftknochens kann nach vier Richtungen hin ausgerenkt werden; auf- und rückwärts, nach unten und rückwärts, auf- und vorwärts und rück- und vorwärts.

Die Ausrenkung auf- und rückwärts wird daran erkannt, daß das Bein ungefähr um zwei Zoll kürzer als das andere und das Knie und der Fuß nach einwärts gedreht sind.

Die Ausrenkung nach unten und vorwärts kennzeichnet sich durch die Verlängerung des Gliedes; das Knie ist weit getrennt von dem anderen und Fuß und Knie sind auswärts gedreht, bei einem Versuche, aufrecht zu stehen, wird der Körper mehr vorwärts gezogen.

Die Ausrenkung rückwärts und nach unten wird daran erkannt, daß das Glied ein wenig kürzer ist und Knie und Fuß nach Innen gedreht sind, an dem Aufziehen der Ferse und an Ruhen der großen Zehe auf dem Ballen der großen Zehe des andern Fußes.

Die Ausrenkung auf- und vorwärts wird daran erkannt, daß das Glied ungefähr einen Zoll kürzer als das andere ist und der Fuß und das Knie auswärts gedreht sind.

+Behandlung.+

Bei Ausrenkung auf- und rückwärts -- lege man den Patienten auf den Rücken auf einen niedrigen, festen Tisch, oder was noch besser ist, auf eine zusammengelegte Decke auf die Erde. Der Wundarzt stehe oder kniee an der verletzten Seite und fasse den Knöchel mit der einen Hand und mit der andern das Knie. Dann beuge das Knie auf den Schenkel, zunächst stark anziehend, führe es über den gesunden Schenkel, gleichzeitig auswärts über das Becken in eine Art von Halbkreis bis zum Nabel. Ziehe das Knie sanft nach außen, drehe die Zehen nach auswärts, die Ferse nach Innen und den Fuß quer über das andere gesunde Glied, indem man den Schenkel sanft hin und her bewegt, bis die Kugel in ihre Höhle gleitet, was mit einem leichten Knirschen oder hörbaren Schnappen vor sich geht. (Dr. W. W. Reid in Smith’s Chirurgie).

Wenn nach unten und rückwärts, muß der Schenkel auf den Körper gebeugt und quer über den gegenüberliegenden geführt werden; dann führe ihn langsam vom Körper weg in einer Weise, ähnlich wie die oben beschriebene.

Bei einer Ausrenkung auf- und vorwärts führe man das Glied kräftig vom Körper hinweg, rolle den Fuß noch kräftiger auswärts, bis die Kugel nach unten gleitet; die Ausrenkung ist dann eine solche, wie die nach unten und vorwärts. Der Schenkel sollte dann stark auf den Körper gekrümmt und quer über den andern geführt werden, und wenn bei dem Rollen des Beines die Fußsohle aus- und aufwärts gerichtet ist, wird die Kugel an ihre Stelle gleiten.

Ausrenkung der Kniescheibe.

Die Kniescheibe kann nach Außen und Innen ausgerenkt werden.

Die Ausrenkung nach Außen kann an dem Hervorragen oder der Geschwulst an der äußeren Seite des Kniegelenkes, Steifheit und Unfähigkeit zum Gehen, erkannt werden. Dies ist das gewöhnlichste.

Die Ausrenkung nach Innen ist sehr selten und die Kennzeichen sind dieselben, wie die vorhergehenden, ausgenommen daß die Kniescheibe neben dem Kniegelenk gefunden wird.

+Behandlung.+

Der Patient lege sich auf ein Bett und lege mit völlig ausgestrecktem Beine seine Ferse auf die Schulter einer anderen Person, welche die Kniescheibe mit den Fingern und Daumen in ihre Lage zurückbringt.

Ausrenkung des Kniegelenkes.

Das Kniegelenk kann in vier Richtungen ausgerenkt werden, rückwärts, vorwärts, einwärts und auswärts. Die häufigsten sind die rück- und vorwärts.

+Behandlung.+

Eine Person fasse den Fuß des Patienten und ziehe beständig, aber kräftig, während ein Anderer den Schenkel faßt und in der entgegengesetzten Richtung zieht, dann dem Kniegelenk gegenüber stehend, bringe die verschobenen Knochen wieder in ihre Lage.

Ausrenkung des Knöchels.

Eine derartige Ausrenkung kommt nur selten vor, ausgenommen in Begleitung eines Bruchs. Sie kann vor-, rück-, aus- oder einwärts stattfinden. Die Ausrenkung einwärts ist die gewöhnlichste und kann daran erkannt werden, daß der Fuß nach Außen gezogen wird und die innere Kante auf dem Boden ruht. Auch wird eine harte Geschwulst an der innern Seite des Knöchels und eine Vertiefung an der äußeren Seite gefunden werden.

+Behandlung.+

Ein kräftiges Ziehen an dem Fuße, während Jemand das Bein nahe am Knie hebt, und Beugen des Fußes in solch einer Richtung, welche die Rückkehr des Knochens in seiner Lage begünstigt, wird Ausrenkung des Knöchels, wenn sie nicht von einem Bruche begleitet ist, schnell beseitigen.

Wunden.

Wunden werden in verschiedene Klassen eingetheilt: +einfache Schnittwunden+, von einem scharfen, schneidenden Instrumente herrührend; +Riß- und Quetschwunden+, durch ein stumpfes Instrument, wie eine Säge oder eine Keule, verursacht; +Stichwunden+, von Bayonett, Dolch u.s.w., und +vergiftete Wunden+, in Folge von Stichen oder Bissen giftiger Insekten oder Schlangen.

+Behandlung.+