Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 45

Chapter 453,115 wordsPublic domain

=Eclectische und Kräuterkur.= Senfpflaster sollten über die Eingeweide, in den Nacken, auf die Handgelenke und die Knöchel gelegt und kalte Wasserumschläge auf den Kopf gemacht werden. Behufs gehörigen Stuhlganges gebe man ein Gran Fußblatt (~Podophyllin~) und einen Theelöffel voll Cremor Tartari, was alle drei Stunden wiederholt wird, bis sich die Wirkung zeigt. In einigen Fällen ist folgendes dienlich:

Elaterium 4 Grane. Salpetersäure (~Nitric Acid~) 6 Tropfen. Alcohol 1 Unze.

Mische es. Dosis: 5 bis 10 Tropfen in Wasser für ein Kind von zwei Jahren. Wiederhole es so oft als erforderlich.

Die Behandlung dieser Krankheit sollte einem geschickten Arzte überlassen werden.

Remittirendes Fieber der Kinder.

Zu Anfang ist gewöhnlich große Mattigkeit durch mehrere Tage hindurch, Reizbarkeit, Uebelkeit, trockne, aufgesprungene Lippen, Auffahren aus dem Schlafe, Schläferigkeit und Betäubung vorhanden. Diese Symptome nehmen zu, das Fieber tritt ein, sehr schneller Puls, belegte Zunge, trocken und roth an den Rändern, kalte Endglieder, Stöhnen, Knirschen mit den Zähnen, Zupfen an der Nase, dem Munde oder den Augen, sind vorhanden, der Unterleib schwillt an, Verstopfung oder Diarrhöe von Schleim, stinkender Substanzen, der Urin sieht aus, als ob er mit Milch gemischt wäre.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Anwendung des kalten Wassers wird bei dieser Krankheit zuträglich gefunden werden. Während des Fiebers hülle das Kind in ein nasses Tuch und halte es gehörig zugedeckt, bis es schwitzt, dann nehme es heraus und wasche es mit lauwarmem Wasser ab. Wenn der Kopf heiß ist, so lege Tücher, in kaltem Wasser getränkt und gehörig ausgerungen, auf denselben und wechsele sie häufig.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- mag zuerst gegeben werden, und zwar alle 3 oder 4 Stunden durch einen Tag hindurch ein Kügelchen, dann ~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 3 Stunden durch zwei Tage hindurch, halte hierauf einen Tag lang mit der Medizin ein; wird der Patient besser, so gebe ~Sulphur~. Wo die Hauptsymptome vorhanden sind, gebe man ~Belladonna~ oder ~Opium~ alle 3 oder 4 Stunden ein Kügelchen. Bei beträchtlichem Fieber, trockener, heißer Haut, gelbe, schleimige oder grüne Diarrhöe, Schmerz im Magen oder den Eingeweiden bei Druck gebe man ~Chamomilla~ oder ~Ipecacuanha~. Wenn die Verstopfung hartnäckig ist, eine brennende Hitze über den ganzen Körper zieht, gelegentlich Krämpfe und sichtbare Zeichen von Leber- oder Magenbeschwerden eintreten, gebe man ~Nux vomica~. Wird ein Leiden der Lungen durch trockenen, hackenden Husten, schmerzhaftes, ängstliches und beschleunigtes Athmen, heiße Haut, Durst, Stiche in der Seite, nächtliches Delirium bemerkbar, gebe man ~Bryonia~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 2 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Reinigungsmittel von Rhabarber (~Rhubarb~) und Magnesia mag gegeben, und Senf-, Knoblauch- oder Zwiebelpflaster auf die Füße, sowie ein Umschlag zu gleichen Theilen von Essig und Wasser auf den Kopf gelegt werden. Gegen Störung der Eingeweide gebe man das zusammengesetzte Rhabarber- (~Rhubarb~) Pulver, einen kleinen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Wenn das Fieber ankommt, gebe man reichlich einen warmen Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~), Balsam (~Balm~) oder Flieder (~Elder flowers~). Ist das Fieber vorüber, so gebe man: Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~), Schlangenwurzel (~Black cohosh root~), Salomons Siegelwurzel (~Solomon’s seal root~), in Pulvern, je ein Eßlöffel voll und ein Quart kochendes Wasser. Lasse es in einem bedeckten Gefäße 4 Stunden lang ziehen, und wenn kalt, seihe es durch und versüße es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Rufe eine Thätigkeit der Eingeweide vermittelst 2 oder 3 Grane Kalomel, dem man 8 bis 10 Grane der zusammengesetzten Jalappenwurzel- (~Compound Jalap~) oder Windenharz- (~Scammony~) Pulver folgen läßt, hervor. Gegen die Fieber-Symptome gebe man folgendes:

Citronensäure (~Citric acid~) 1 Drachme. Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel. Salpeter (~Nitre~) 2 „ Zimmetwasser 2 Unzen. Destillirtes Wasser 4 „

Mische es. Dosis: alle 4 bis 6 Stunden einen Eßlöffel voll. Wenn die Hauptsymptome besonders hervortreten, gebe man:

Auflösung von Essigsaurer Ammonia (~Solution of acetate of ammonia~) 3 Drachmen. Antimon-Wein (~Antimonial wine~) ½ Drachme. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ „ Opium-Kampher Tinktur (~Camphorated tincture of Opium~) 1 „

Hinreichend Wasser, um 2 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.

Wenn die Diarrhöe von blasser oder lehmiger Farbe, gebe ein oder zwei Grane des ~Gray powder~ (Merkur mit Kreide) jeden Abend. Bei großer Hitze der Haut verbinde mit dem ~Gray powder~ ein Drittel oder ein halbes Gran Brechwurz- (~Ipecac~) Pulver und dieselbe Quantität von zusammengesetztem Jalappenwurzel-Pulver (~Compound jalap powder~). Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man jeden Morgen eine kleine Dosis Castoröl. Haben die Entleerungen ihren widerwärtigen Geruch verloren und sehen mehr natürlich aus, so gebe folgendes:

Aufguß von Columba oder Cascarilla 5½ Unzen. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tinct. of cardamons~) ½ Unze. Verdünnte Salpetersäure (~Dilute nitric acid~) 1½ Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll. Die Kost sollte bei dieser Krankheit von der leichtesten Art sein, wie Haferschleim, geröstetes Brod in Milch oder Wasser getaucht, Pfeilwurz (~Arrow root~), Tapioca oder Sago Gelee. Bessert sich das Kind, so gestatte man Brühen von Hühner-, Kalb- oder Hammelfleisch.

Cholera Infantum.

Dies ist eine der gefährlichsten Krankheiten der Kindheit und tritt in der Regel während des ersten und zweiten Sommers ein. Die Zeit während des Zahnens ist besonders geneigt dazu, da der Organismus ungewöhnlich aufgeregt ist. Geringfügige Ursachen, wie Diätfehler, das Aussetzen der Nachtluft, Ermüdung, welche zu anderen Zeiten ohne alle Folgen bleiben, werden zu dieser Zeit verhängnißvoll. Die Hauptursache besteht in Diätfehlern. Es ist sehr gefährlich, während des Zahnens die Kost zu wechseln, das Kind zu entwöhnen und dagegen künstliche Nahrungsmittel zu geben. Dies sollte nur im äußersten Nothfalle geschehen.

+Symptome.+ Die Krankheit kann plötzlich oder allmählig eintreten. Das Kind wird plötzlich von heftigem Erbrechen und Abführen befallen oder kann auch nur durch mehrere Tage hindurch eine leichte Diarrhöe gehabt haben. Der Magen wird so reizbar, daß er durchaus nichts annimmt. Die erbrochene Substanz besteht aus dem Inhalt des Magens, unverdauter Nahrung, mit Schleim und galligem Eiter gemischt, wenn alles ausgebrochen ist, wird sich ein starkes Würgen und erfolglose Anstrengung zum Erbrechen einstellen. Dies mag jedesmal nach dem Genuß von Nahrungsmitteln, oder auch nur zwei- oder dreimal des Tages eintreten. Diarrhöe ist eines der wichtigsten Symptome und die Entleerungen bestehen zuerst in unverdauter Nahrung und werden grünlich gestreift; zuweilen gleichen sie gehacktem Gemüse. Sie können gelblich, sehr wässerig sein und der Geruch ist schlecht und äußerst widerwärtig. Auch mögen starke Schmerzen, wie bei der Ruhr, vorhanden sein, und die Entleerungen können Blut und Schleim enthalten. Beträchtliches Fieber ist vorhanden, ebenso schneller Puls, Mund heiß und trocken, großer Durst, Zunge schmutzigweiß oder gelblichweiß belegt, ausgenommen an den Rändern, welche roth sind, Endglieder kalt, Kopf heiß, Augen eingesunken, Nase zugespitzt, das Gesicht eingeschrumpft und vertrocknet wie bei alten Leuten, der Bauch geschwollen und zuweilen empfindlich gegen Berührung; das Fieber ist gewöhnlich während des Nachmittags und Abends schlimmer.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Da die Krankheit gewöhnlich während des Zahnens eintritt, so sollte stets vor allem nach dem Zahnfleisch gesehen werden. Ist es geschwollen, heiß, hart und roth, so schneide man es auf, was ebensowohl vermittelst eines scharfen Federmessers als mit der Lanzette geschehen kann. Da bei der Behandlung dieser Krankheit viel von der Diät abhängt, so sollte dieselbe sorgfältig geordnet werden. Womöglich sollte das Kind nicht vor dem zweiten Sommer entwöhnt werden, wenn es aber geschehen ist, so möge dann die Diät der Natur jedes einzelnen Kindes angemessen sein. Da in der Regel großer Durst vorhanden ist, so lasse man das Kind so viel Wasser, als es wünscht, haben. Frische Kuhmilch ist unzweifelhaft das beste, was gegeben werden kann. Folgendes Mittel wird vortrefflich gefunden werden: Löse einen Theelöffel voll Milchzucker in drei Tassenkopf Wasser, koche es auf zwei Tassenkopf ein, füge einen Tassenkopf frische Milch hinzu und lasse es das Kind, während es noch warm ist, essen. Wenn Milchzucker nicht zu haben ist, gebrauche man Stückzucker, der erstere ist jedoch bei Weitem besser. Reismehlschleim gibt eine gute Kost. Bereite es wie folgt zu: Man nehme je einen Theelöffel voll Reismehl und Milch, rühre es in einander, füge ein wenig Salz und nahezu ein Pint warmes Wasser hinzu, mische es gehörig und koche es 15 Minuten lang; wenn kalt hat es ungefähr die Dicke von Stärke und muß mit ein wenig Zucker versüßt werden. Ist der Magen sehr schwach, nehme man einen Theil Sahne auf fünf Theile Wasser und füge ein wenig Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago oder Tapioca hinzu. Unter „Kost statt des Säugens“ befindet sich ein von Dr. Meigs empfohlenes Rezept, welches besser ist. Eine andere Sache von Wichtigkeit ist, daß das Kind möglichst viel frische Lust haben sollte. Wenn möglich, schaffe es auf das Land, und wenn dies nicht geschehen kann, lasse es in dem Hofraum, in Parkanlagen oder auf den Straßen herumtragen. Ist das Kind zu krank, trage es aus einem Kissen in ein geräumiges, gut ventilirtes Zimmer. Ein lauwarmes Bad, gelegentlich gegeben, wird zuträglich gefunden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist der zusammengesetzte Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) oder die Neutralizing mixture. Man gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, sodann mögen die Zwischenräume auf drei bis vier Stunden verlängert werden. Es wird gut sein, hieraus einen oder zwei Tage später einen von den nachstehenden Thees folgen zu lassen, nämlich von Brombeerwurzel (~Black berry root~), Erdbeerblätter und Wurzel (~Strawberry leaves and root~), Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~), eine kleine Quantität Zimmet (~Cinnamon~) und Nelken (~Cloves~), mit weißem Zucker versüßt. Wenn das Erbrechen stark ist, gebe ein Senfpflaster auf das Rückgrat und über die Gegend des Magens. Bei starkem Erbrechen, Schmerz in den Eingeweiden, Durchfall und Kneipen, wird sich folgende Einspritzung wirksam erweisen: Schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) oder Stärkewasser eine flüssige Unze, zusammengesetzte Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~), fünf bis zehn Tropfen stachlige Eschbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash berries~) zwei flüssige Drachmen. Nehme davon die Hälfte zu einer Einspritzung. Ist die Krankheit besonders hartnäckig und hält eine lange Zeit an, so nehme man Columbawurzel (~Colombo~), Stachlige Eschbeeren (~Prickly ash bark~), ~Swamp mill weed~, von jedem, zerstoßen, eine halbe Unze, zwei Pints Branntwein; lasse es ungefähr 10 Tage stehen. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen halben Theelöffel voll in ein wenig versüßtem Wasser. Sind die Entleerungen mehr oder weniger mit Blut gemischt und sind nur schwach bei öfterer Wiederholung, so gebe man folgendes:

Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane. Leptandrin 3 „ Brechwurz (~Ipecac~) 3 „ Weißer Zucker 1 Skrupel.

Stoße alles zusammen in einem Mörser und mache 8 Pulver daraus, wovon alle 3 oder 4 Stunden eines zu geben ist. Nachdem diese auf die Eingeweide gewirkt haben, gebe man eine gelegentliche Dosis des zusammengesetzten Syrups von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Sicherlich bade das Kind ein- oder zweimal in warmem Saleratuswasser und trockne es mittelst einer sanften Reibung ab. Folgendes wird bei hartnäckigen Fällen empfohlen:

Ammoniak-Opium-Tinktur (~Ammoniated tincture of opium~) 2 Drachmen. Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) 3 „ Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) 1 „ Catechu-Tinktur (~Tincture of catechu~) 2 „ Gewöhnlicher Syrup 4 Unzen. Kochendes Wasser 4 „

Löse den Extrakt von Blauholz (~Extract of logwood~) in dem Wasser und füge dann die anderen Artikel hinzu. Gebe alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Als Trank gebe man Gummi Arabicum, oder schlüpfriges Ulmen- (~Slippery elm~) Wasser.

=Allöopathisch.= Wenn das Erbrechen stark und hartnäckig ist, gebe man folgendes:

Kampher (~Camphor~) 1 Drachme. Schwefel-Aether (~Sulphuric ether~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden 10 Tropfen.

Wenn dies nicht einhält, gebe:

Bleizucker (~Sugar of lead~) 4 Grane. Essig 6 Tropfen. Stückzucker 4 Drachmen. Weiches Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle ein oder zwei Stunden einen Theelöffel voll.

Zuweilen wird ein Gewürz- (~Spice~) Pflaster, auf den ganzen Unterleib gelegt, sofortige Linderung verschaffen.

Gegen die Diarrhöe gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Wenn die Stühle sauer, dunkelgefärbt und höchst widrig sind, gebe man:

Pulverisirte Holzkohle (~Powd. charcoal~) 1½ Drachmen. „ Rhabarber (~Powd. rhubarb~) 35 Grane. „ Brechwurz (~Powd. ipecac~) 6 „ Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~) 10 „

Mische es, mache 12 Pulver daraus und gebe alle drei oder vier Stunden eins.

Oder:

Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 35 Grane. Weiches Wasser 2 Unzen. Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 20 bis 40 Tropfen. Diese zwei Mischungen mögen alle drei Stunden abwechselnd gegeben werden, wenn eins allein nicht den gewünschten Erfolg hat. Zuweilen wird Nachstehendes mit Erfolg angewandt:

Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 20 Grane. Leptandrin 10 „ Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 35 „ Pulverisirter Zimmet (~Pulv. cinnamon~) 10 „

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane.

=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha~ -- ist gewöhnlich das wichtigste Mittel, und wird bei Uebelkeit, Erbrechen, Diarrhöe, grünen oder gegohrenen Stühlen mit weißen Flecken, belegte Zunge und großem Durst gegeben.

~Veratrum.~ -- Wo die Anfälle heftig waren, sowie bei großer Erschöpfung nach dem Erbrechen, oder wenn das Erbrechen krampfartig wird und nach der geringsten Bewegung eintritt; bräunliche oder wässerige Entleerungen, Kälte der Endglieder, blasses Gesicht, eingefallene Augen, großer Durst.

~Chamomilla.~ -- Schleimiges oder saures Erbrechen, die Entleerungen sehen aus wie ausgeschlagene Eier, oder sind grün oder schleimig mit kolikartigen Schmerzen, Fieber des Nachts. Angenehmer für Kinder, wenn sie in Folge des Zahnens wunderlich oder verdrießlich sind.

~Mercurius.~ -- Die Stühle sind von Kolik und Anstrengung begleitet; die Entleerungen grün, sauer und zuweilen mit Blut gemischt; das Kind riecht sauer. ~Rheum~ ist ebenfalls gut bei denselben Symptomen.

~Podophyllum.~ -- Krampfartige Schmerzen, Stühle schaumig, schleimig und höchst widrig; das Kind stöhnt im Schlafe und wirft den Kopf hin und her.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Die Stühle haben einen fauligen Geruch sind sehr dünn und werden von einem brennenden Schmerz begleitet.

~Arsenicum.~ -- Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche, Uebelkeit, Alles wird wieder erbrochen, Stühle braun, grün oder gelblich und höchst widrig, Haut trocken, oder kalt und klebrig; Lippen und Zunge schwarz und aufgesprungen, Stöhnen während des Schlafs, Unterleib hart und geschwollen.

~Calcarea.~ -- Bei Fällen von langer Dauer, bei großer Abmagerung und Schwäche, Unterleib hart und geschwollen; Stühle mollig und lehmfarben; Haut zusammengeschrumpft und trocken.

~Sulphur.~ -- Dieses Mittel ist ungefähr bei denselben Symptomen wie bei ~Calcarea~ angezeigt. Wenn die Krankheit den Kopf anzugreifen scheint: ~Aconitum~, ~Helleborns~, ~Belladonna~ oder ~Bryonia~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Wo der Anfall plötzlich eintritt, löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten oder halbe Stunden, bis das Kind besser wird, einen Theelöffel voll. Wo der Fall längere Zeit anhält, gebe alle 2 oder 4 Stunden eine Dosis.

Häutige Bräune (~Croup -- Cynanche Trachealis~).

Man theilt die Bräune in zwei Formen, die krampfartige und die häutige. Die erstere wird zuweilen auch die falsche und die letztere die wahre Bräune genannt. Kinder unter 5 Jahren haben mehr Neigung dazu als andere, obgleich auch ältere Personen, sogar Leute von 70 Jahren Anfälle gehabt haben. Sie ist wegen des plötzlichen Eintrittes und der Geschwindigkeit, mit der sie einen tödtlichen Verlauf nimmt, äußerst beunruhigend.

+Ursachen.+ Sie ist am häufigsten in kalten, feuchten Gegenden und wird gewöhnlich durch plötzlichen und öfteren Witterungswechsel hervorgerufen. Von Einigen wird angenommen, daß sie erblich ist, Und sie scheint auch so zu sein, denn es ist eine Thatsache, daß die Kinder einiger Familien bei der geringsten Blosstellung dazu geneigt sind.

+Symptome.+ In der Regel beginnt die Bräune mit Symptomen von Katarrh oder Schnupfen, trocknem Husten, heißer Haut, schnellem Puls, Durst, Rasseln im Hals und großer Unruhe des Nachts; das bestimmteste Symptom ist die Heiserkeit, da der Patient seine Stimme fast ganz verliert. Der Husten ist trocken und kurz. Diese Symptome mögen ein oder zwei Tage lang anhalten, dann ungefähr um Mitternacht wird das Kind durch einen heftigen Anfall von Husten erwachen, der Husten ist heiser und bellend, und wer ihn einmal gehört hat, wird ihn nimmer wieder vergessen. Das Athmen wird beschleunigt und zischend, das Gesicht geröthet, die Haut heiß und dichter Schweiß bricht aus, das Kind wirft sich wild von einer Seite auf die andere, die Hände sind eingekniffen und die Augäpfel treten hervor. Bei Annäherung des Morgens nehmen die Symptome ab und das Kind verfällt in Schlaf und scheint während des Tages, mit Ausnahme der Heiserkeit und etwas Fieber, wohl zu sein. Gegen Abend aber nimmt die Heiserkeit zu und der Patient fährt mit einem heftigeren Krampfanfall als an dem Abend zuvor aus dem Schlafe auf. Der Husten wird würgender und schwieriger, die Störung in der Luftröhre wächst, das Gesicht nimmt eine dunkle, bleierne Farbe an, der Puls ist schwach, die Stimme gebrochen und unterdrückt, der Kopf wird zurückgezogen, um das Athmen zu ermöglichen, und das Gesicht ist geschwollen. Die Muskeln des Nackens, der Brust und des Unterleibes sind außerordentlich thätig und das Athmen ist laut und zischend; das Kind wirft sich auf dem Bette herum und sucht vergeblich nach Linderung, sein ganzes Aussehen bekundet ungemeine Angst und Leiden, es greift nach dem Hals, als ob es dort die Ursache seiner Schmerzen entfernen könnte, Schläferigkeit tritt nach und nach ein, das Athmen wird unterbrochen, das Kind keucht convulsivisch und der Tod macht der fürchterlichen Scene ein Ende. Bräune oder Croup kann aber auch ganz plötzlich eintreten, das Kind geht ganz wohl zu Bette und wird des Nachts davon befallen. Diese Form ist, wenn nicht vernachlässigt, ohne Anstrengungen, sie einzuhalten, weniger gefährlich. Auch hier mag das Kind einen heiseren, croupartigen Husten durch mehrere Tage hindurch haben, und gerade zu einer Zeit, wo es die Eltern am wenigsten erwarten, stellt sich eine heftiger Anfall ein, der eine schlimme Wendung nehmen mag. Ein Anfall von Bräune kann 24 Stunden bis 15 Tage dauern. Wenn sie mit Luftröhrenentzündung oder Brustentzündung verbunden ist oder tritt sie nach Scharlachfieber, Masern oder Halsentzündung ein, so ist sie bei weitem gefährlicher.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wenn bei dem Kinde Husten mit Heiserkeit und Stimmlosigkeit eintritt, so werden prompte Maßregeln den Anfall in diesem Stadium verhindern. Reinige die Eingeweide mit einer kleinen Dosis Kalomel und nach einer Stunde gebe eine Lösung von einem Gran Brechweinstein (~Tartar emetic~) in einer Unze Wasser, von welcher alle 15 Minuten ein Theelöffel voll gegeben werden sollte, bis Erbrechen eintritt. Senfpflaster oder heiße Kleie- (~Bran~) Umschläge sollten in den Nacken gelegt werden. Auch wird empfohlen, einen ziemlich großen Schwamm in Wasser getränkt, so heiß es ertragen werden kann, auf den Hals zu legen und dies, so bald der Schwamm kühl wird, zu erneuern. Fahre damit fort, bis die Haut sehr roth aussieht oder das Kind besser ist. Diese Mittel können aber nur beim Anfang der Krankheit angewendet werden. Schlägt es nicht an, so gebe man folgendes:

Dover’sche Pulver (~Dover’s powder~) 15 Grane. Kalomel 5 „

Mische es. Mache 10 Pulver daraus und gebe alle 3 Stunden eines.

Der Hals mag mit kaltem Wasser gewaschen und folgende Salbe eingerieben werden:

Olivenöl 1 Unze. Auflösung von Potasche (~Solution of potassa~) 2 Drachmen. Merkurial-Salbe (~Mercurial ointment~) 1 Drachme.

Ein Brechmittel von Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) kann in Dosen von einem Theelöffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt. Der Dampf von heißem Wasser und Wollkrautblättern (~Mullein leaves~), von dem Kinde eingeathmet, wird gleichfalls gut sein.