Part 44
+Ursachen.+ Kinder eines empfänglichen, reizbaren Temperaments oder Gemüthes sind denselben mehr als andere ausgesetzt. Die gewöhnlichsten Ursachen sind: Reiz der Eingeweide in Folge unverdaulicher Nahrung, schwieriges Zahnen, Würmer, übermäßiges Schreien und Schmerzen, Aerger und Freude. Eine gefährliche Form bildet sich in Folge von Ueberladung des Magens mit unverdaulichen Speisen, wie Nüsse, Aepfel u. s. w. Ausschlagsfieber, wie Scharlach, Pocken und Masern werden häufig von Krämpfen angemeldet, welche aber schnell bei Erscheinen des Ausschlages verschwinden und nicht für gefährlich gehalten werden. Wenn sie aber während des Verlaufs der Krankheit eintreten, so sind sie sehr zu fürchten. Krämpfe werden auch dadurch hervorgerufen, daß die Milch der Mutter durch große geistige Erregung, wie Zorn, vergiftet wurde, ebenso durch das Stillen des Kindes, wenn übermäßig erhitzt.
+Symptome.+ Der Anfall zeigt sich in der Regel beim Anfange in den Augen, welche starr auf einen Punkt gerichtet sind, sich aber bei weiterem Vorschreiten des Falles bewegen und unter das obere Augenlid drehen und nur das Weiße sichtbar lassen; die Augenlider sind zuweilen offen und hin und wieder geschlossen, die Augen selbst kreuzen sich häufig und die Pupille mag sich erweitern oder zusammenziehen. Die Muskeln des Gesichts werden zunächst angegriffen und die Zusammenziehungen verursachen zu Zeiten schreckhafte Verzerrungen; der Mund wird in verschiedenen Arten verdreht. Bei heftigen Anfällen, wenn sich die Krämpfe über den ganzen Körper erstrecken, geräth derselbe in Verzuckungen; der Kopf wird nach rückwärts oder nach einer oder der andern Seite gezogen; der Körper kann steif oder verschiedenartig verzerrt werden; die Finger sind eingekniffen, die Arme rück- oder vorwärts gezogen oder gestoßen und in alle nur denkbare Stellungen gekrümmt. Die unteren Glieder werden ebenfalls angegriffen, aber in der Regel weniger heftig. Ein Anfall kann nur einige Minuten dauern oder auch mehrere Stunden anhalten. Ein Kind mag zuweilen mehrere Anfälle während des Tages haben, aber es wird immer zwischen jedem Krampf ein Zwischenraum sein.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Das erste, was geschehen muß, ist, ein warmes Bad zuzubereiten, in das das Kind sobald als möglich zu legen ist. Wo nur eine leichte Verzuckung stattfindet, wird ein Fußbad mit ein wenig Senf im Wasser hinreichen, in anderen Fällen aber muß der ganze Körper gebadet werden. Während sich das Kind im Bade befindet, gieße beständig kaltes Wasser auf den Kopf und halte damit an, so lange der Kopf noch ganz heiß oder so lange bis die Anfälle vergehen. Wenn aus dem Bad genommen, hülle man es in einen warmen Flanell oder in eine wollene Decke und halte sich nicht einmal mit Abtrocknen auf. Es muß 10 bis 20 Minuten, oder bis die Convulsion aufhört, im Wasser gehalten werden. Wenn sich der Patient in Folge dessen nicht bessert, gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser, das mit einem Eßlöffel voll süßen Oels und ein wenig spanischen Seifen- (~Castile soap~) Wassers vermischt werden mag, und wiederhole es so oft als erforderlich, um eine Entleerung der Eingeweide hervorzurufen.
=Eclectische und Kräuterkur.= Bringe den Patienten in ein warmes Bad. Man gebe die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) in Dosen von 15 bis 20 Tropfen. Nachdem die Verzuckung aufgehört hat, gebe man als ein Abführmittel Enterozoa-Pulver (~Enterozoic powder~), besonders wenn Würmer vorhanden sind. Ist das Zahnfleisch die Ursache, so schneide man es auf. Nach dem Anfall wird das folgende als ein gutes stärkendes Mittel gefunden werden. Man nehme Enzian (~Gentian~), Gelbwurz (~Golden seal~), Balsam (~Balmony~), je 1½ Drachme in Pulvern; Kardamon- (~Cardamon~) Samen, Sassafrasrinde, stachliche Eschbeeren (~Prickly ash bark~), je eine Drachme, gemahlen; guten Branntwein, ein halbes Pint. Mische und lasse es einige Tage stehen. Dosis: Dreimal des Tages einen halben oder ganzen Theelöffel voll in versüßtem Wasser. Wenn die Convulsionen Folge von Würmern sind, gebe man Salz mit Wasser und folgende Einspritzung: Balsam (~Balmony~) eine Unze, Alraun (~Mandrake~) drei Drachmen, Wasser ein halbes Pint; koche und seihe es durch und füge dann hinzu: Stinkasant-Tinktur (~Tincture of asafetida~) 5 Drachmen, Molasses 4 Unzen, Salz 3 Drachmen. Rührt die Convulsion von überladenem Magen her, so gebe man die zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Compound tincture of lobelia and capsicum~) mit folgender Einspritzung:
Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblätter (~Senna~) zu gleichen Theilen und hinreichend Wasser, um davon eine starke Abkochung zu machen; zu jedem Pint der Abkochung füge man drei Drachmen Salz und je eine Drachme Gagelrinde (~Bay berry bark~) und Lobelia hinzu. Gib alle 10 oder 15 Minuten eine Einspritzung.
=Allöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die Convulsionen Folge von Ueberladung des Magens oder der Eingeweide sind, gebe man ein schwaches Brechmittel, entweder Brechwurz-Syrup (~Syrup of ipecac~) oder Antimonwein (~Antimonial wine~). Lege Senfpflaster auf die Arme und Beine und gieb eine milde Einspritzung, wie warmes Wasser. Stuhlgang verschaffe man vermittelst kleiner Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) oder Magnesia. Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) wird, wenn gleich beim Erscheinen der Symptome in Dosen von 8 oder 10 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde gegeben, das Eintreten zuweilen verhindern.
=Homöopathisch.= Bringe das Kind in ein warmes Bad. Wenn die Convulsion Folge überladenen Magens ist, gebe man sogleich ein Brechmittel von lauwarmem Wasser, dessen Wirkung durch das Kitzeln des Halses mit der Fahne eines Federkiels beschleunigt werden mag. Die Heilmittel, welche zu geben sind, sind folgende:
~Nux Vomica.~ -- Wenn Verstopfung vorhanden war, die Krämpfe heftig sind und von Schreien, Rückwärtswerfen des Kopfes verbunden und die Augen verdreht sind. ~Pulsatilla~ mag abwechselnd gegeben werden.
~Veratrum.~ -- Wenn das Kind blaß und kalt ist und der Schweiß auf der Stirne steht.
~Ipecacuanha.~ -- Wenn Anstrengungen zum Erbrechen gemacht werden.
Wenn die Krämpfe durch Zahnen verursacht werden und das Zahnfleisch roth und geschwollen ist, so schneide es mit einem scharfen Federmesser auf. ~Belladonna~ und ~Coffea~ mögen alle 10 oder 15 Minuten abwechselnd gegeben werden. Bei starkem Fieber gebe man ~Aconitum~, besonders wenn große Unruhe, Schreien und Auffahren damit verbunden sind. Zucken die Muskeln der Augen und des Gesichts convulsivisch, bei Drehen des Kopfes von einer Seite zur anderen, eine Wange roth und die andere blaß, gebe man ~Chamomilla~ und, wenn dies allein nicht wirkt, abwechselnd damit ~Belladonna~.
~Cina~ -- Wenn die Convulsionen von Würmern verursacht werden, die Krämpfe sich auf die Brust erstrecken und der ganze Körper steif wird. Man möge ~Mercurius~ folgen lassen oder es abwechselnd damit geben.
~Ignatia.~ -- Wenn der Patient plötzlich mit einem heftigen Schrei aus dem Schlafe auffährt.
~Hyosciamus.~ -- Bei plötzlichen Anfällen nach dem Essen, das Kind schreit auf und wird unempfindlich, Zucken der Gesichtsmuskeln, Schaum vor dem Munde und große Wildheit.
Wenn die Convulsionen beim Beginne von Ausschlagfiebern, wie Masern, Scharlachfieber oder Pocken erscheinen, gebe man ~Coffea~ und ~Aconitum~. Darauf ~Bryonia~ und ~Belladonna~, die in der Regel den Ausschlag zum Durchbruch bringen.
Erscheint die Convulsion im Verlauf eines Fiebers, so gebe man bei Scharlachfieber ~Belladonna~ und bei Masern ~Bryonia~. Gewähren diese keine Linderung, so gebe man ~Cuprum~ abwechselnd mit ~Belladonna~. Tritt innerhalb zwei Stunden keine Besserung ein, so gebe man ~Stramonium~ und ~Cuprum~. Convulsionen in Folge von Schreck erfordern ~Opium~, besonders wenn ein Zittern des ganzen Körpers stattfindet, das Kind daliegt, als ob es betäubt wäre, schwer und schnarchend athmet und das Gesicht fast blau ist. Hilft ~Opium~ nicht, so gebe man ~Stramonium~ oder ~Ignatia~. ~Hyosciamus~ bei Schaum vor dem Munde, Zucken der Gesichtsmuskeln. Treten Convulsionen in Folge von Schlägen oder Fallen aus den Kopf ein, so gebe man ~Arnica~.
Zuweilen treten Convulsionen ein, wenn eine Erkältung sich von den Lungen nach dem Kopfe zieht. In solch einem Falle bringe das Kind in ein warmes Bad, mache Kaltwasser-Umschläge auf den Kopf und beharre in dessen Anwendung, bis die Ursache nach den Lungen zurückkehrt, was an dem schwierigen Athmen, Rasseln &c. erkannt werden kann. Innerlich gebe man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd; später ~Opium~ und ~Camphor~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Verlängere die Zwischenräume mit dem Besserwerden des Kindes.
Zahnen (~Teething -- Dentition~).
Das Zahnen ist mit beträchtlicher Gefahr für das Kind verbunden und das Durchbrechen der Zähne beginnt in der Regel in einem Alter von 5 bis 7 Monaten. Es kündigt sich durch Röthe, Hitze und Empfindlichkeit des Zahnfleisches, sowie durch den Speichelfluß an. Zuweilen ist damit Thränen der Augen, Fieber, Verdrießlichkeit, gestörter Schlaf verbunden. Häufige Entleerungen der Eingeweide finden statt.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Wenn das Zahnfleisch heiß und geschwollen ist und besonders wenn ein Blutandrang nach dem Kopfe bei Zucken der Muskeln stattfindet, sollte das Zahnfleisch sogleich über dem Zahn geöffnet werden, was in der Regel sofortige Linderung verschaffen wird. Auch mag man das Kind auf einen harten Gegenstand, wie einen Elfenbeinring, beißen lassen.
=Allöopathisch.= Bei Diarrhöe, wässerigem Stuhlgang und Grimmen gebe man das Folgende:
Bleizucker (~Sugar of lead~) 8 Grane. Essig 8 Tropfen. Weißer Zucker 1 Drachme. Weiches Wasser 1 Unze.
Mische es. Dosis: Drei- oder viermal des Tages einen Theelöffel voll.
Oder auch:
Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) ½ Gran. Wasser 6 Unzen.
Mische es. Dosis: Alle eine oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, bis die Diarrhöe theilweise gestopft ist. Wenn der Stuhlgang hartnäckig ist, mag auch ein kleines Pflaster hinter dem Ohre Linderung gewähren. Wird das Kind schläfrig, schreckt aus dem Schlafe auf und hat Hitze bei Röthe des Gesichts, so sollten 3 oder 4 Blutegel hinter die Ohren gesetzt und Kaltwasser-Umschläge auf den Kopf gemacht werden. Gleichzeitig gebe man zur Beförderung des Stuhlganges folgendes:
Castoröl 1 Dessert- löffel voll. Hundekamille (~Mayweed~) 1 „
Reibe beides zu einem Teig und gib es als eine Dosis.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- kann bei starkem Fieber, Unruhe und wenn das Kind aufschreckt und schreit, gegeben werden.
~Belladonna.~ -- Besonders wenn das Kind nervös ist, der Kopf heiß, das Gesicht geröthet, das Zahnfleisch geschwollen und roth, die Pupillen erweitert und der Körper steif wird.
~Chamomilla.~ -- Vorzugsweise gut, wenn das Kind des Nachts verdrießlich und unruhig ist, bei dem geringsten Geräusch auffährt, im Schlaf zusammenzuckt und sich herumwirft, Röthe einer Wange, ächzt und stöhnt, bei Diarrhöe einer wässerigen, grünlichen Masse. ~Chamomilla~ kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.
~Coffea.~ -- Wenn das Kind unruhig ist und nicht schlafen kann und etwas Fieber hat. Kann abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden.
~Ignatia.~ -- Bei fliegender Hitze, plötzlichem Auffahren aus dem Schlafe und durchdringendem Schreien. Wenn die Diarrhöe gelblich, bald darauf weißlich schleimig wird und gerinnt, gebe man ~Coffea~, ~Ipecacuanha~, oder ~Calcarea Carbonica~. Wenn sie grünlich ist, ~Mercurius~, ~Magnesia~, ~Chamomilla~ und ~Sulphur~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, dem Falle angemessen, als Dosis einen Theelöffel voll von der Lösung.
Verstopfte Nase oder Schnupfen (~Snuffles -- Cold in the Head~).
Dies ist ein gewöhnliches Leiden bei Kindern und ist die Folge einer Entzündung der Schleimhaut, welche die Nasenhöhle einfaßt und durch Erkältung hervorgerufen wird.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Schmiere die Nasenhöhle mit Fett, süßem Oel oder Schöpsentalg ein und befördere den Stuhlgang vermittelst ein wenig Castoröl und Molasses, was gewöhnlich hinreichen wird, oder gebe dem Kinde eine Dosis Katzenmünz- (~Catnip~), Isop- (~Penny royal~), Salbei- (~Sage~) oder Balsam- (~Balm~) Thee. Kampher-Olivenöl (~Camphorated olive oil~) auf der Oberfläche der Nase eingerieben, wird zuweilen Linderung verschaffen.
=Homöopathisch.= ~Camphor~ -- ist das beste Mittel bei den ersten Symptomen. Kann man nichts anderes als den gewöhnlichen Kampher-Spiritus bekommen, so gebe man ein bis zwei Tropfen auf ein Stück Zucker, löse dasselbe in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.
~Arsenicum.~ -- Wenn ~Camphor~ nicht hilft und besonders wenn folgende Symptome vorhanden sind: Verstopfung der Nase, Ausfluß eines wässerigen ätzenden Schleimes, welcher Röthe und Anschwellen der betreffenden Theile verursacht. Gewährt dies keine Linderung, so gebe man ~Ipecacuanha~.
~Nux Vomica.~ -- Besonders wenn die Nase nur wenig läuft, auch bei Hitze im Gesicht und Verstopfung.
~Chamomilla.~ -- Wenn das Leiden Folge unterdrückten Schweißes, bei Röthe und Entzündung der Augen, Anschwellen des Gesichts, und wenn das Kind wunderlich und verdrießlich ist.
Ist die Krankheit hartnäckig, so gebe man eines der folgenden Mittel: ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~, ~Euphrasia~, ~Silicea~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle eine, zwei, drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll.
Mundschwamm (~Thrush or Apthæ~).
Dies ist eine Krankheit, zu der kleine Kinder innerhalb des ersten und zweiten Monats oder auch des ersten Jahres nach der Geburt besonders geneigt sind. Es besteht in einem eiternden wehen Munde, und zeigt sich zuerst durch eine Röthe auf der Oberfläche der Zunge und rings am Zahnfleische, sowie auch durch eine starke Trockenheit des Mundes. Bald erscheinen weißliche Flecke, die sich bald auf die ganze Oberfläche des Mundes ausdehnen. Hält dieser Zustand eine längere Zeit an, so wird der allgemeine Gesundheitszustand angegriffen, die Krankheit dehnt sich auf den Magen und die Eingeweide aus und hat Diarrhöe, Fieberhaftigkeit und Abmagerung zur Folge.
+Ursachen.+ Mangel an Reinlichkeit ist gewöhnlich die Veranlassung zu dieser Krankheit. Der Mund des Kindes sollte nach jeder Mahlzeit, besonders wenn es aus der Flasche genährt wird, mit einem nassen Läppchen gereinigt werden. Nähren des Kindes mit Zucker und Molasses, oder das Saugenlassen von Zucker und Brod aus kleinen Beutelchen sind andere Ursachen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Das wichtigste ist, den Mund des Kindes rein zu halten. Einige Grane Borax in einem Theetassenkopf voll Wasser aufgelöst und als Waschung verwendet, wird sich gewöhnlich als erfolgreich bewähren. Ein gutes Mittel besteht auch in einer halben Drachme aufgelösten Borax, einer Drachme Glycerin und einer Unze Wasser. Dies mag bei gelinden Fällen angewendet werden.
=Allöopathisch.= Man gebe einen oder zwei Grane pulverisirten Rhabarber (~Rhubarb~) und 5 Grane Magnesia in etwas Dille oder anderem aromatischem Wasser täglich, um den Säurezustand des Magens, der vorhanden ist, zu bewältigen. Bei Diarrhöe, einem wässerigen Stuhlgang und Grimmen gebe man folgendes:
Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 1 Skrupel. Leptandrin 10 Grane. Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 2 Skrupel. Pulverisirter Zimmet (~Pulv. Cinnamon~) 10 Grane.
Mische es. Dosis: Alle drei Stunden 3 oder 4 Grane. Bei Hinfälligkeit und großem Kraftverlust gebe man folgendes:
Aufguß von Calumba oder Cascarilla 5½ Unzen. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of cardamons~) ½ Unze. Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 1½ Drachme.
Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
=Homöopathisch.= ~Borax~ in der Form von Pillen gegeben ist das beste Mittel; man löse davon 12 in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Eine Auflösung von Borax -- einige Grane auf einen Theetassenkopf voll Wasser -- möge als Gurgelung verwendet werden, in welchem Falle es nicht nothwendig ist, dasselbe noch in irgend einer anderen Form zu geben.
~Mercurius.~ -- Bei Speichelfluß und Neigung zur Eiterung. Hilft dies nicht, so lasse ~Sulphur~ folgen.
~Arsenicum.~ -- Wenn Mund und Hals zu eitern anfangen, der Eiter von einer schwarzgelben Farbe und Diarrhöe bei großer Schwäche vorhanden ist. Entspricht dies nicht, so gebe man ~Acidum Nitri~.
~Coffea~ und ~Chamomilla~. -- Entweder allein oder abwechselnd, wenn der Mund trocken, heiß und sehr roth ist.
Wenn Verstopfung folgt, gebe dreimal des Tages ~Nux Vomica~. Die anderen Heilmittel müssen ebenso wie ~Borax~ gegeben werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Tritt eine Störung in den Eingeweiden ein, so gebe man den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~). Dosis: Alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll. Wasche den Mund mit einem starken Aufguß von blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh root~) und Gelbwurz; versüße ihn mit ein wenig Zucker oder Honig und füge etwas Alaun (~Alum~) hinzu. Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~), einige Grane in ein wenig Wasser aufgelöst, wird empfohlen, den Säurezustand der Eingeweide zu bewältigen; oder bei lockerem Zustande gebe man präparirte Kreide (~Prepared chalk~) und lasse beiden einen Tag um den andern eine gelinde Dosis Castoröl folgen. Ein schwacher Aufguß von Anissamen (~Anise seed~), oder Katzenmünze (~Catnip~), dem eine kleine Quantität minderkohlensaure Soda (Sodasalz -- ~Subcarbonate of soda~ -- ~Sal Soda~) und ein oder zwei Tropfen Paregoricum (~Paregoric~) beigefügt ist, wird dienlich gefunden werden, das Kind zu beruhigen und die Entleerungen zu reguliren. Das folgende ist ein gutes Gurgelwasser für den Mund des Kindes: Man nehme Salbei (~Sage~), Isop (~Hyssop~) und Sumachbeeren (~Sumach berries~) zu gleichen Theilen und mache eine starke Abkochung davon, versüße es mit Honig oder Zucker und gebe zu einem halben Pint einen halben Theelöffel voll pulverisirten Borax. Wasche den Mund häufig damit. Auch Abkochungen von Salbei (~Sage~), Krätzwurzel (~Gold thread~), Brombeerwurzel (~Black berry root~), rothe Himbeerblätter (~Red raspberry leaves~) werden zuträglich gefunden werden.
Verstopfung und Diarrhöe.
Bei Verstopfung der kleinen Kinder ist es nicht rathsam, Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz (~Epsom salts~) &c. zu geben, statt deren bediene man sich einfacher Einspritzungen von warmem oder kaltem Wasser. Diese wirken milder und mehr naturgemäß. Diarrhöe ist eine nicht seltene Plage der Kinder und wird in der Regel durch übermäßiges Füttern, Erkältung, ungesunde Kost, Zahnen &c. verursacht. Sorge sollte getragen werden, daß die Diarrhöe nicht zu plötzlich gestopft wird, besonders wenn stark wirkende Medizinen angewendet werden.
Wegen der Behandlung dieser Zustände siehe Abtheilung ~I~, Kapitel 12.
Kopfwassersucht (~Hydrocephalus~).
Dies ist eine Ansammlung von Wasser im Schädel und befällt Kinder sehr häufig.
+Symptome.+ Eine Entzündung, welche Wassersucht hervorruft, geht in der Regel sehr langsam und allmählig vor sich und es treten daher keine sehr heftigen Symptome ein. Eines der gewöhnlichsten Symptome ist Schläfrigkeit; der Patient legt seine Hände auf das Haupt und gibt so augenscheinliche Zeichen des Leidens und Schmerzes; die Zunge ist mit einem weißen Schleim bedeckt, der Kopf ungewöhnlich heiß, das Athmen schwierig und mühsam, die Augen stumpf und schwer, der Puls ist schwach, während die Adern des Nackens und der Schläfe heftig schlagen, der Kopf vergrößert sich allmählig, die Eingeweide sind verstopft, der Appetit verschwindet. Schreitet die Krankheit vor, so ist das Kind geneigt, fortwährend zu schlafen.
+Ursachen.+ In einigen Familien scheint eine Anlage hierzu vorhanden zu sein. Unter den hervorragendsten Ursachen mögen Zahnen, Diarrhöe, Schläge, Fallen, Erkältung, chronische Entzündung des Gehirns gezählt werden.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Helleborus~ -- sind die Hauptmittel, besonders wenn das Kind schläferig ist, der Kopf heiß, die Füße kalt, bei Schlafen mit halboffenen Augen.
Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn dies nicht innerhalb einer kurzen Zeit hilft, so gebe man ~Opium~ und ~Sulphur~ in derselben Weise. Nachher ~Belladonna~ und ~Helleborus~ in derselben Weise.
Dr. Pulte in Cincinnati empfiehlt, daß, wenn das Kind schläfrig wird oder heißer Kopf, halb offene Augen und andere Symptome erscheinen, Eiswasser in einem kleinen aber beständigen Strom aus den Kopf gegossen werden sollte, bis das Kind erwacht oder in einen sanften Schlaf verfällt. Innerlich giebt er ~Bryonia~ und ~Helleborus~ abwechselnd; alle halbe Stunden einen halben Theelöffel voll und verlängert allmählig die Zwischenräume. Diese Behandlung sollte nothwendig 24 Stunden fortgesetzt werden, bis das Kind außer Gefahr ist. Es ist wichtig, daß das Wasser fortwährend erneuert und der Strom ununterbrochen erhalten wird. Ist der Stuhlgang locker, gebe man ~China~ und ~Acidum phosphoricum~ allein oder abwechselnd, alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll von der Lösung.
=Allöopathisch.= Aeußerlich wende folgende Salbe an:
Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Schweinefett 2 Unzen.
Mische es und reibe damit jeden Abend die Kopfhaut ein.
Den Stuhlgang erhalte man vermittelst des folgenden:
Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~) 6 Grane. Crotonöl 4 Tropfen. Pulverisirter Stückzucker 16 Theelöffel voll.
Mische es in einem Mörser. Alle ein oder zwei Stunden gebe einem Kinde bis zu sieben Jahren einen Theelöffel voll.
Gleichzeitig nehme man folgendes:
Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) 1 Drachme. Wasser ½ Unze.
Mische es. Dosis: für ein Kind bis zu sieben Jahren alle Stunden 30 Tropfen.
Oder auch:
Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1½ Unzen. Schwefelsaure Potasche (~Sulphate of potassa~) ½ Unze. Pulverisirte Meerzwiebel (~Pulv. squills~) 2 Drachmen. Brechweinstein (~Tartar emetic~) 2 Grane.
Mische es. Dosis: vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.