Part 43
+Symptome.+ Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt; zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten mit dem zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (~Compound powder of jalap~), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt, gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von Bitterkräutern wie Wasserdost (~Boneset~), Hopfen und Rainfarn (~Tansy~). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:
Süßes Oel 2 Unzen. Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 2 „ Kreosot 1 Unze. Laudanum 1 „
Mische es und mache zweimal des Tages einen Umschlag. Ein Aufguß von Hopfen und Essig kann als ein anderes Mittel in derselben Weise angewendet werden.
Thee von Flöhkraut (~Smart weed~) und Hundekamille (~May weed~) mag oft und viel getrunken werden, um dadurch Schweiß hervorzurufen. Wird die Krankheit chronisch, so sollte das Bein täglich mit einer Abkochung von Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~) und Hopfen gebäht (~steamed~) und die erstgenannte Salbe angewendet werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, brennenden Schmerzen und Hitze.
~Belladonna~ -- ist für den Anfang in den meisten Fällen vielleicht das beste Mittel, besonders wenn die Schmerzen scharf und stechend sind, bei Schwere in den Lenden und in dem unteren Theile des Unterleibes, bei heftigem Fieber mit brennendem Durst.
~Bryonia.~ -- Wenn schießende und scharfe Schmerzen von der Hüfte nach dem Fuße zu vorhanden sind, bei Schwitzen, außerordentlicher Empfindlichkeit gegen Berührung oder Bewegung. Kann auch abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.
~Pulsatilla.~ -- Wenn nach ~Belladonna~ oder ~Bryonia~ keine Besserung eintritt.
Andere Mittel sind: ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Nux Vomica~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe 6 Kügelchen einmal in 2 Stunden.
=Allöopathisch.= Flanell in heißes Wasser und Essig getaucht sollte auf das Bein gelegt und öfters wiederholt werden.
Oertliche Waschungen mit einer Mischung von warmem süßen Oel, zwei Theile und Laudanum, einen Theil, dann mit Flanell bedeckt werden gut gefunden werden. Der Umschlag von heißem Wasser und Essig, sowie heißem Oel und Laudanum sollte alle 5 oder 6 Stunden abgewechselt werden. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man folgendes:
Pulverisirte Sennesblätter (~Powd. Senna~) ½ Drachme. „ Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane. „ Gewürznelken (~Powd. Cloves~) 10 „
Mische und nimm es als eine Dosis in versüßtem Wasser. Folgendes wird zuträglich sein:
Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen. Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1½ Unze.
Mische es. Dosis: Alle 4 oder 5 Stunden einen Eß-Löffel voll.
Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum viride~) in Dosen, welche hinreichen, einen mäßigen Schweiß hervorzurufen, sollte während der Entzündung gegeben werden.
Der wunde Mund der Stillenden.
Stillende Mütter leiden hieran zuweilen sehr. Der ganze innere Mund wird sehr roth und so empfindlich, daß es der Leidenden Schwierigkeit macht, irgend welche feste Speise zu sich zu nehmen.
Ist das Leiden hartnäckig und die Patientin kommt dabei von Kräften, so wird es nothwendig, das Kind zu entwöhnen, zu welcher Zeit dann die Krankheit verschwindet.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das wichtigste Mittel und mag abwechselnd mit ~Nux Vomica~ oder ~China~, besonders mit ~China~ wenn große Schwäche und Erschöpfung vorhanden ist, gegeben werden.
~Acidum Nitre~ -- kann gegeben werden, wenn ~Mercurius~ keine Linderung gewährt. ~Borax~ und ~Sulphur~ sind auch vortreffliche Mittel dagegen.
+Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme alle 6 oder 8 Stunden oder auch öfter, wenn der Fall heftig ist, einmal 6 Kügelchen. Bei ~Sulphur~ wird eine Dosis Morgens und Abends hinreichen.
=Allöopathisch.= Die Verstopfung der Eingeweide zu beseitigen, nehme man folgendes:
Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract of senna~) 2 Drachmen. Flüssiger Jalappenwurzel-Extrakt (~Fluid extract of jalap~) 2 „ Aufguß von Gewürznelken (~Infusion of cloves~) 2 Unzen.
Mische und nimm es als eine Dosis.
In einigen Fällen wird folgendes stärkende Mittel dienlich sein:
Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 40 Grane. Wasser 2 Unzen. Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.
Mische es. Dosis: Zwanzig bis vierzig Tropfen alle drei Stunden.
Zum Gurgeln bediene man sich des folgenden:
Abkochung von Chinarinde (~Decoction of Peruvian bark~) 3 Unzen. Orangenschalen-Syrup 1 Unze. Chlorsaure Soda (~Chloride of soda~) 1 „
Mische es. Oder auch:
Chlorsaures Eisen (~Chloride of iron~) ¼ Unze. Starke Hydrochlorsäure (~Strong hydrochloric acid~) 40 Tropfen. Wasser 1 Pint.
Mische es.
=Eclectische und Kräuterkur.= Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel:
Man löse 2 Drachmen in 4 Unzen Wasser und nehme zweimal des Tages einen Theelöffel voll. Als Gurgelwasser wird eine Abkochung von Gägelrinde (~Bay berry bark~), Gelbwurz (~Golden seal~), Sumachbeeren (~Shumac berries~) und ein wenig gebrannter Alaun (~Burned alum~) oder Borax zuträglich gefunden werden.
Dritter Theil. -- Kinderkrankheiten.
Kleidung des Kindes.
Die Kleidung der Säuglinge sollte die freie Bewegung der Glieder gestatten, dick genug sein, sie zu beschützen und warm zu halten. Flanell ist aus mehreren Gründen der geeignetste Stoff zu Unterkleidern der Säuglinge, denn erstens ist er kein Wärmeleiter, indem er das zu schnelle Verfliegen der animalischen Wärme des Körpers verhindert, und zweitens verursacht er eine sehr zuträgliche Anreizung, vermittelst welcher eine unbemerkbare Ausdünstung hervorgerufen wird. Die Bekleidung muß leicht sein, damit das Kind dadurch nicht belästigt wird, einfach, damit das An- und Ausziehen leicht vor sich geht und weit genug, damit das Wachsthum und die Ausdehnung der Formen nicht beeinträchtigt wird.
Bezüglich der Kleidung sagt Dr. Tarry in seinem: “~Mother and her offspring~”:
„Ich will den Geschmack durchaus nicht weiter beeinflussen als nothwendig ist, um dem Kinde eine warme, leichte und bequeme Bekleidung zu sichern. Es muß wohl sogleich in die Augen fallen, daß kurze Aermel und um den Hals tief ausgeschnittene Kleider nicht passend für Kinder sind.“
Der dazu verwandte Flanell muß weiß und fein sein und öfters gewechselt werden, damit der Körper beständig rein gehalten wird.
Scheintod (~Apparent Death -- Asphyxia~).
Zuweilen trägt es sich zu, daß, wenn die Wehen lang und stark waren, das Kind scheinbar todt ist und sofortige Behandlung verlangt. Man bringe das Kind sofort in eine Lage, welche einen ungestörten Blutumlauf durch die Nabelschnur gestattet; reinige den Mund vom Schleim und hülle den Körper in weiche, warme Flanelle ein, auch reibe Füße, Hände und das Rückgrat mit der flachen Hand. Diese Mittel reichen in der Regel hin, den Blutumlauf herzustellen, Pulsiren in der Nabelschnur wird wahrgenommen, dem bald darauf Athmen folgt, worauf die Schnur gebunden und abgeschnitten werden kann. Nachdem 5 oder 10 Minuten verstrichen sind, innerhalb welcher das Kind kein Lebenszeichen von sich gegeben hat, muß die Nabelschnur abgeschnitten und gebunden und das Kind in ein warmes Bett gebracht werden. Das Reiben der Füße, Hände und des Rückgrats setze man fort und tauche die Hand in kaltes Nasser oder Spiritus und reibe damit die Brust oder gieße zwei oder drei Fuß hoch aus einer Theekanne einen Strom kalten Wassers auf die Brust. Bleibt dies alles ohne Erfolg, so fülle man die Lungen künstlich mit Luft. Dies mag geschehen, indem man ein seidenes Taschentuch lose über den Mund legt, um dadurch die Kraft des Athems zu brechen, und durch dasselbe sanft Athem in den Mund einbläßt; gleichzeitig schließe man die Nase des Kindes mit dem Daumen und dem Zeigefinger, wodurch der Luft der Ausgang versperrt wird. Wenn so die Lungen mit Luft gefüllt sind, treibe man die Luft durch einen sanften Druck auf die Brust wieder aus und fahre so eine Zeitlang fort. Leichte elektrische Schläge mögen zuträglich sein; man setze zu diesem Behufe einen Pol an den oberen Theil des Rückgrats und den andern auf die Brust.
Diät der Neugeborenen.
Die geeignetste Kost für den Säugling ist natürlich die Muttermilch und darauf sollte das Kind beschränkt bleiben, bis wenigstens ein Theil der Zähne durchgebrochen ist.
Sogleich nach der Geburt lasse man es an der Seite der Mutter sechs bis acht Stunden schlafen, dann lege man das Kind an die Brust, auch wenn keine Milch vorhanden sein sollte. Wenn die Milchabsonderung noch nicht begonnen hat, füttere man es inzwischen mit gleichen Theilen von Milch und Wasser, durch Stückzucker oder ein wenig Molasses mit Wasser versüßt. Der Säugling sollte während des Tages alle drei Stunden und während der Nacht alle sechs oder acht Stunden an die Brust gelegt werden. Eine gewisse Regelmäßigkeit ist in der Darreichung der Nahrung zu beobachten. Es wird gut sein, den Mund nach jeder Speisung auszuwaschen, da dies das Entstehen der Schwämmchen verhindern wird.
Anschwellen und Verlängerung des Kopfes
tritt sehr häufig besonders nach starken und längeren Geburtswehen ein, so daß das geborene Kind mißgestaltet erscheint, was die Umgebung beunruhigen, aber in ein oder zwei Tagen verschwinden wird. Waschung des Kopfes mit einer schwachen Lösung der Arnica-Tinktur wird gewöhnlich dessen Veränderung beschleunigen.
Anschwellen der Brüste.
In einzelnen Fällen sind die Brüste des Kindes bei der Geburt oder bald darauf geschwollen oder entzündet; dies kann gewöhnlich durch Auflegen von Charpie oder ein Stück weiches Linnen, in süßes Oel getaucht, vermindert werden. Unter keinen Umständen sollten die Brüste in der Einbildung, daß sich in denselben Milch oder eine andere Flüssigkeit befände, was herauszubringen sei, gedrückt werden, denn gerade dies kann eine heftige Entzündung zur Folge haben.
Das Kindspech (~Meconium~).
Dies besteht in einer dunkeln grünen Masse, welche sich in den Eingeweiden des Kindes vor der Geburt ansammelt. Es sollte sobald als möglich nach der Geburt entfernt werden, und die beste Medizin dagegen ist die Muttermilch. Wenn es aber nach Verlauf eines Tages nicht abgegangen sein sollte, so mag eine schwache Dosis von Castoröl gegeben werden.
Der Einfluß von Gemütsbewegungen auf die Milch.
Die stillende Mutter muß dem Zustande ihres Geistes dieselbe Aufmerksamkeit als dem körperlichen Wohlbefinden widmen, denn geistige Erregungen irgend einer Art werden sehr schädlich auf die Milch wirken. Alle aufregenden Unterhaltungen, Romane lesen, Theater gehen oder irgend Etwas, was die Einbildung anregt, sollte vermieden werden. Gram, der zuweilen unvermeidlich ist, kann einen solchen Einfluß auf die Mutter ausüben, daß eine gänzliche Unterdrückung der Milch folgt. Daher sollten Mütter, die sich Kinder von heiterer und guter Gemüthsart wünschen, dieselbe Gemüthsart besitzen. Sir Astley Cooper sagt: „Die Absonderung der Milch geht am besten in einem ruhigen Geisteszustande und bei einem heiteren Temperament vor sich, dann ist gewöhnlich Milch in Fülle vorhanden, welche dem Kind am besten zusagt. Dagegen vermindert eine ärgerliche Gemüthsstimmung die Menge der Milch und macht sie dünn und molkigt, was wiederum Fieber in den Eingeweiden des Kindes und starkes Kneipen zur Folge hat.“ Eine Mutter sollte nie ihr Kind nach einem Schrecken, Zorn oder einer anderen Aufregung stillen, sie muß vielmehr warten, bis sie wieder vollkommen beruhigt ist.
Abgewöhnung.
Die Zeit des Abgewöhnens ist für die Mutter immerhin eine, in der sie aufmerksam sein muß. Ist ihr Gesundheitszustand derart, daß sie das Kind nicht stillen kann, so sollte dasselbe einer Amme übergeben werden, bis die Zeit zur Entwöhnung gekommen ist. Diese mag beginnen, sobald die ersten zwei Zähne erscheinen, oder zwischen dem siebten und achten Monat. Das Kind sollte allmählig an den Wechsel der Nahrung gewöhnt werden, daß es bis zum zwölften oder achtzehnten Monat vollständig entwöhnt ist. Die günstigste Jahreszeit hierzu ist das Frühjahr und der Herbst.
Kost statt des Säugens (~Supplementary Diet of Infants~).
In einigen Fällen, wo die Mutter ihr Kind zwar stillen möchte, aber nicht die hinreichende Menge Milch zu dessen Nahrung besitzt, wird es nothwendig, für ein Ersatzmittel Sorge zu tragen. Es muß dagegen ernstlich gewarnt werden, da, wo es nicht unbedingt nothwendig ist, irgend ein Ersatzmittel für die Muttermilch zu bieten, denn es ist als Thatsache bekannt, daß die Sterblichkeit unter diesen so aufgebrachten Kindern viel größer ist als unter jenen, die ihre natürliche Nahrung haben. Dr. Tracy schreibt über diesen Gegenstand wie folgt: „Die Nahrung, welche ich empfehlen möchte und die in den meisten Fällen zu haben ist, besteht in frischer Sahne von der Milch einer Kuh, die ein junges Kalb hat, mit ein wenig Milch von oben. Eine junge gesunde Kuh sollte zu diesem Behufe gewählt werden, welche reichlich Milch giebt, die nach dem Abrahmen nicht bläulich aussieht, und nur die Milch derselben sollte verwendet werden. Zuerst, nachdem das Kindspech aufgehört hat, im Stuhle zu erscheinen, nehme man einen Eßlöffel voll dieser Sahne, füge die doppelte Menge weiches, warmes Wasser hinzu und versüße es mit Stückzucker, so daß es der Süße der Muttermilch gleichkommt. Dies wird sehr zuträglich sein und mag dem Kinde in einer Quantität gereicht werden, welche erforderlich ist, dem natürlichen Verlangen des Kindes nach Nahrung zu entsprechen. Wird das Kind älter, so nehme man eine größere Portion der Sahne, sowie der Milch mit der Sahne von oben. Dies ist ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel für Kinder, und viele werden dabei ohne irgend welche Muttermilch recht hübsch gedeihen.“ Nicht immer aber ist es möglich, Sahne oder wenigstens reine Milch zu erlangen, und in solchen Fällen müssen wir eben das beste, was wir thun können, statt dessen wählen. Wenn wir jederzeit die Milch von einer Kuh nehmen, sie mit zweimal so viel Wasser verdünnen und mit Stückzucker versüßen, so wird das Kind wahrscheinlich hübsch dabei zunehmen. Die ähnlichste Nachahmung der Muttermilch erhalten wir, wenn wir einen Eßlöffel voll Milchzucker in drei Tassenkopf voll Wasser auflösen, bis zu zwei Tassenkopf voll einkochen und einen Tassenkopf voll frische Milch hinzufügen. In jenen Fällen, wo die Mutter nicht hinreichend genug Milch hat, wird fein gemahlener Reis oder Gerstenmehl eine vorzügliche Kost bilden. Bei einem neugeborenen Kinde nehme man einen Eßlöffel voll -- bei einem älteren Kinde natürlich mehr -- und feuchte es mit +kaltem Wasser+ an, sei aber achtsam beim Umrühren, daß keine Stücke zurückbleiben; dann füge ein wenig Salz und hinreichend heißes Wasser hinzu, koche es zehn Minuten lang, während dessen es sorgfältig umgerührt werden sollte, um das Anbrennen zu verhindern. Nachdem es vom Feuer genommen ist, versüße man es mit Stückzucker, so daß es an Süße der Muttermilch gleich kommt. Die Menge des Wassers richtet sich natürlich nach der Dicke, welche gewünscht wird. Wenn es aus einer Saugflasche gegeben wird, sollte es ganz dünn sein. Gerstenmehl eignet sich am besten für Kinder, die zu Verstopfung geneigt sind, und Reismehl bei solchen, wo der Stuhlgang locker ist. Mütter müssen sorgfältig sein, den Kindern nicht zu viel zu essen zu geben, denn es ist nachtheiliger, den Kindern zu viel als zu wenig zu geben. Weil es schreit oder ein wenig quält, bilde man sich nicht ein, daß es hungert und vollgestopft werden müsse. Als eine allgemeine Regel gilt für ein gesundes Kind von ein bis drei Wochen alt täglich ein Pint Muttermilch oder anderer gleich nahrhafter Stoff. Am Ende des ersten und im Verlaufe des zweiten Monats erhöhe man des Kindes Nahrung allmählig auf ungefähr anderthalb Pint. Wenn eine Saugflasche gebraucht wird, so wasche man dieselbe sorgfältig jeden Morgen und Abend mit +heißem+ Wasser aus, denn sie muß süß gehalten werden, wenn die Milch nicht sauer in des Kindes Magen werden soll. Dr. Tracy sagt: „Wenn das Kind seine Nahrung nimmt, sei es an der Brust, aus der Flasche oder vermittelst des Löffels, so sollte es durch eine halb sitzende Stellung auf dem Arme oder in dem Schoße der es fütternden Person unterstützt und wenigstens 40 Minuten lang, nachdem es die Nahrung empfangen hat, ganz ruhig gehalten werden.“ Der Verdauungsprozeß ist sehr geneigt, durch irgend welche starke geistige oder körperliche Bewegung unterbrochen zu werden, und das Kind sollte daher nach der Mahlzeit nicht geschüttelt oder geschaukelt werden. Dr. Meigs empfiehlt für Kinder, deren Verdauungsorgane schwach und reizbar sind, sowie für solche, wo keine reine Milch zu erlangen ist, folgendes Mittel: Man löse eine kleine Quantität präparirte Gelatine (~prepared Gelatine~) oder russische Hausenblase (~Russian isinglass~) in Wasser, dem ein wenig Milch, Sahne und ein wenig Pfeilwurz (~Arrow root~) oder irgend eine andere mehlige Masse, welche vorgezogen wird, beigefügt ist. Die Art und Weise der Zubereitung und das Verhältniß derselben ist folgendes: ein Skrupel Gelatine -- oder ein Stück von zwei Zoll im Geviert von dem flachen Kuchen, in denen es verkauft wird -- wird eine kurze Zeit in kaltem Wasser erweicht, bis es sich löst, ungefähr 10 oder 15 Minuten, dann wird (unter beständigem Umrühren bis zum Siedepunkt) Milch und Pfeilwurz hinzugefügt; letzteres ist zuvor mit ein wenig kaltem Wasser zu einem Teig zu machen. Nach Hinzufügung der Milch und Pfeilwurz und unmittelbar vor der Wegnahme vom Feuer wird Sahne eingegossen und eine mäßige Quantität von Stückzucker hinzugefügt. Die Menge der Milch, Sahne und Pfeilwurz hängt von dem Alter und der Verdauungskraft des Kindes ab. Einem gesunden Kinde unter einem Monat alt gebe man 3 bis 4 Unzen Milch, eine halbe Unze Sahne und einen Theelöffel voll Pfeilwurz auf ein Pint Wasser. (Zwei Theelöffel voll sind gleich einer Unze.) Bei älteren Kindern sollte die Quantität von Milch und Sahne allmählig auf ein halb bis zwei Dritttheile Milch und von ein bis auf zwei Unzen Sahne erhöht werden. Im Falle das kranke Kind schwächer werden sollte, gebe man eine Zeitlang die erst angegebene Menge.
Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder
können in Folge von Krämpfen, Kolik u.s.w. eintreten. Wegen Behandlung der verschiedenen Formen, welche die Störung verursachen, siehe die betreffenden Kapitel.
Folgendes sind die homöopathischen Heilmittel:
Wenn das Kind ohne irgend eine scheinbare Ursache unruhig und verdrießlich ist, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~, entweder jedes allein oder abwechselnd. Bleibt dies ohne den gewünschten Erfolg, so gebe man ~Chamomilla~, besonders bei Kolik, kneipenden Schmerzen, das Kind zieht die Füße an und krümmt den Körper; Röthe einer Wange.
~Pulsatilla~ oder ~Ipecacuanha~. -- Wenn die Unruhe die Folge eines überladenen Magens ist. ~Opium~ mag gegeben werden, wenn ~Coffea~ und ~Belladonna~ ohne Wirkung bleiben.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe oder ganze Stunden einen Theelöffel voll oder gebe 12 Kügelchen auf eine Dosis.
Durchscheuern und Wundheit der Haut.
Die Haut von Säuglingen ist sehr zum Wundwerden geneigt, besonders bei fleischigen Kindern zwischen den Beinen, unter den Armen und rings herum um den Hals. Die betreffenden Stellen sollten trocken gehalten, mit feiner Stärke bestreut oder mit einer sehr schwachen Lösung Arnica-Tinktur eingerieben werden.
Gelbsucht (~Jaundice -- Icterus~).
Dies ist ein Leiden, welches eine kurze Zeit nach der Geburt des Kindes eintritt und in einer gelblichen Färbung besteht, die sich zuweilen über den ganzen Körper erstreckt und gewöhnlich einer Erstarrung der Leber zuzuschreiben ist.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ mögen abwechselnd zwei- oder dreimal des Tages und ein oder zwei Pillen auf jede Dosis gegeben werden. Leidet das Kind an Verstopfung und ist unruhig, so gebe man ~Nux Vomica~. ~China~ mag gegeben werden, wenn nach ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ keine Besserung eintritt.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~) und Saffran (~Saffron~) mag mit Vortheil angewendet werden. Ein wenig Rhabarber (~Rhubarb~) und Castoröl mag den Stuhlgang befördern. Einige Theelöffel voll Walddost- (~Thoroughwort~) Thee, täglich durch zwei oder drei Tage hindurch gegeben, wird zuweilen die Krankheit entfernen.
Convulsionen, Krämpfe, Gicht (~Convulsions -- Spasms -- Fits~)
sind ein Leiden, das wahrscheinlich Mütter und Ammen mehr erschreckt, als irgend Jemand anders, wegen des schrecklichen Anblickes, den das leidende Kind bietet, und wegen der unerwarteten Anfälle von Krämpfen. Unter dem Wort Convulsion verstehen wir ein unfreiwilliges Zusammenziehen der Muskeln des ganzen oder eines Theiles des Körpers, und wird durch ein Leiden der Rückenmarks-Nerven verursacht. Nicht alle Krämpfe sind gefährlich, obgleich einige sehr gefährlich sind und eine schlimme Wendung nehmen können. Diejenigen, welche am meisten zu fürchten sind, sind jene, welche in Folge eingetretener Gehirnwassersucht stattfinden, nach starken Fällen oder Quetschungen oder nach irgend einem heftigen Anfalle von Gehirn- oder Gedärm-Krankheiten eintreten. Sie zeigen sich wahrscheinlicher vor dem siebenten, besonders während der ersten drei Lebensjahre. Das Gehirn von kleinen Kindern ist sehr empfindlich und in Folge dessen plötzlichem Blutandrang unterworfen, dem es nicht so gut widerstehen kann, wie das eines Erwachsenen.