Part 42
Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind; in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.
Unterdrückung der Lochien.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Man öffne die Eingeweide vermittelst eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz (~Epsom salts~), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut (~Motherwort~) so heiß als möglich und öfters wiederholt trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme Umschläge von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) auf den Unterleib und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einem Theil Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tincture of aconite root~), 8 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei Stunden zu wiederholen.
=Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Kann gegeben werden bei Vollsein und Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz, Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien vorhanden sind, gebe man ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd.
~Pulsatilla.~ -- Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße und häufigem Verlangen zum Uriniren.
~Dulcamara~ und ~Pulsatilla~. -- Abwechselnd wenn die Unterdrückung die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.
~Coffea~ und ~Chamomilla~ -- gebe man abwechselnd, wenn die Patientin sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.
Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Crocus.~ -- Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt, schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort etwas Lebendiges wäre.
~China~ und ~Ipecacuanha~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.
~Aconitum.~ -- Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist. Zeigt sich ~Aconitum~ unzureichend, so gebe man ~Calcarea carbonica~.
~Rhus.~ -- In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie bereits aufgehört hatten.
~Silicea.~ -- Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn das Kind an die Brust gelegt wird.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6 Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde, Storchschnabel (~Geranium~) und Rüster-Rinde (~Witch hazel bark~) kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte. Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in kühlem Wasser.
Milchfieber.
Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen gethan werden.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane. Lakritzen-Extrakt (~Ext. of Liquorice~) 1 Skrupel. Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen. Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (~Tinct. of senna and jalap~) 3 Drachmen. Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of Sal volatile~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als erforderlich.
Nachher gebe das folgende:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of acetate of Ammonia~) 3 Unzen. Wasser 3 „ Laudanum ½ Drachme.
Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.
=Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (~Ipecac~) und Opium gegeben werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, heißer Haut, Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.
~Bryonia.~ -- Wenn die Symptome theilweise von ~Aconitum~ gelindert wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte Brust, Beklemmung.
~Belladonna.~ -- Kann nach ~Aconitum~ oder abwechselnd mit diesem oder ~Bryonia~ gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe und Aufregung vorhanden, so gebe man ~Coffea~ und ~Chamomilla~ abwechselnd.
~Pulsatilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
Ausbleiben der Milch.
Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen, wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe, wenn irgend möglich, zu verhüten.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- wird in der Regel hinreichen, den Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die Folge von Erkältung ist.
~Belladonna~ und ~Bryonia~ -- mag abwechselnd bei Blutandrang nach dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.
Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man abwechselnd ~Aconitum~ und ~Coffea~, besonders wenn geistige Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.
~Calcarea Carbonica.~ -- Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier Stunden zwei Theelöffel voll.
Uebermäßige Ansammlung der Milch.
Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und andere Störungen des Nervensystems folgen.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Calcarea Carbonica~ oder ~Phosphorus~ -- wird gewöhnlich Linderung gewähren.
~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- werden zuträglich gefunden werden, wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang vorhanden sind.
~China.~ -- Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.
+Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.
Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (~Cotton batting~) ist sehr zu empfehlen.
Wunde Brustwarzen
kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt. Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese Beschwerde verhindern oder entfernen.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung beträchtlich ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Ulmen und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) auf eine Unze Wasser mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:
Schöpsenfett (~Mutton tallow~) ½ Unze. Peruvianischer Balsam (~Balsam of peru~) ½ Drachme. Glycerin ½ „ Honig ½ „
Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf die Brustwarzen.
=Homöopathisch.= In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet, die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt werden.
Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen gestreut wird, ebenso von Benzoe- (~Benzoin~) oder Benjamin-Tinktur vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.
Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der schlüpferigen Ulme (~Slippery elm~) aufgelöst ist eine vorzügliche Waschung. Töpferthon (~Potters clay~) auf die Warzen gestreut, wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind folgende:
~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:
~Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites, Sepia, Calcarea Carbonica.~ Von ~Chamomilla~ mag alle vier oder sechs Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.
=Allöopathisch.= Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden werden:
Löse entweder Alaun (~Alum~), Borax, schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch eine Auflösung von Gerbersäure (~Tannic acid~) wird zuträglich gefunden werden.
Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:
Glycerin 1 Drachme. Tannin 1 „
Mische es.
Aufgebrochene Brüste (~Broken Breast -- Mastitis~).
Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche Verletzungen u.s.w. verursacht.
+Symptome.+ Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben (~Carrots~) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder empfindlich wird, so sollte ~Belladonna~ und ~Bryonia~ entweder allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem, zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man alle 6 Stunden eine Dosis ~Mercurius~. Bleiben Knoten in der Brust zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte ~Hepar sulphuris~ gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von Eiter nehme man ~Phosphorus~ allein oder abwechselnd mit ~Hepar sulphuris~. ~Silicea~ mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.
~Graphites~ oder ~Calcarea Carbonica~ kann besonders bei hartnäckigen Fällen angewendet werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Zu Anfang, wenn ~Belladonna~ und ~Bryonia~ genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.
Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.
Werden ~Sulphur~ oder ~Calcarea~ angewendet, so ist Morgens und Abends eine Dosis hinreichend.
=Allöopathisch.= Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag zur äußerlichen Anwendung dienen:
Belladonna-Tinktur (~Tinct. of belladonna~) 1 Unze. Kampher-Tinktur (~Tinct. of camphor~) 1 „
Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.
Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:
Eisenhut-Tinktur (~Tinct. of aconitum~) 2 Drachmen. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) 2 Grane. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze. Wasser 3 Unzen.
Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.
Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:
Zusammengesetzter Talgbaum- (~Stillingia~) Syrup 8 Unzen. Potaschen Jodid (~Iodide of potash~) 2 Drachmen. Fowler’s Solution 1½ „
Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.
=Eclectische und Kräuterkur.= In den ersten drei oder vier Tagen wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je einer Unze Kampher (~Camphor~), Sassafrasöl und Cajeput- (~Cajeput~) Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:
Feingeschnittene spanische Seife (~Castille soap~) 1½ Unze. Gelbes Bienenwachs ½ „ Schweinefett 1 „
Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig acht Drachmen Jamaica-Spiritus (~Jamaica spirits~), in dem zuvor 30 Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch, streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von schlüpferiger Ulme (~Slippery elm~) oder von Brod und Milch. Frische Kermesbeere (~Poke root~) in Asche weich geröstet und zerdrückt, mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser gemischt, wird zuträglich gefunden werden.
Verstopfung und Diarrhöe.
Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe Kapitel 12, erster Theil.
Kindbettfieber (~Childbed Fever -- Puerperal Peritonitis~).
Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die Eingeweide bedeckt.
+Symptome.+ Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß, Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz auf, was ein Zeichen des Endes ist.
+Ursachen.+ Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung, Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige Erregungen.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden; geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder Indischem Mehl (~Indian meal~) folgen, werden keine Blutegel gesetzt, so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz (~Ipecac~), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur von Nießwurz (~Veratrum Viride~), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird. Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel, im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey geben.
=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Krankheit mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:
Entenfuß (~Podophyllin~) 2 Grane. Leptandrin 4 „ Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 10 „
Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Tinct. of Lobelia and Capsicum~) in einer oder zwei Unzen warmem Wasserdost (~Boneset~), Sennesblätter oder Lobeliathee kann gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (~Tincture of horsemint~), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (~May weed~) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-, Katzenmünze- (~Catnip~) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von Fingerhut (~Digitalis~) und Stechapfel (~Stramonium~) jede Stunde oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (~Stramonium~) Blätter sind zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche Theile von pulverisirter Blutwurzel (~Blood root~), Kalmus (~Blue flag root~) und Salpeter (~Nitre~) in Dosen von 15 Granen alle drei Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die innere Seite der Lenden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel, besonders wenn die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt, bei schnellem Puls.
~Belladonna.~ -- Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe, ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht, glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes.
~Bryonia.~ -- Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes, Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.
~Pulsatilla.~ -- Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.
Andere Mittel sind: ~Apis~, ~Arnica~, ~Arsenicum~, ~Hyosciamus~, ~Chamomilla~, ~Rhus~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Im Anfange ist es das beste, ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12 Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu geben.
Die weiße Schenkelgeschwulst (~Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens~).
Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht möglich ist.