Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 41

Chapter 413,240 wordsPublic domain

=Allgemeine.= Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit, darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird. Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback- oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht, daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden, so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide, oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

=Homöopathisch.= ~Arnica.~ -- Wenn durch einen Fall, Schlag, Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große körperliche Anstrengung verursacht.

~Cinnamonium.~ -- Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.

~Secale.~ -- Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben, oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.

~China.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~, wenn der Blutfluß beträchtlich ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes, Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.

~Hyosciamus.~ -- Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.

~Ipecacuanha.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~ bei Magenschwäche, Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.

~Belladonna.~ -- Abwechselnd mit ~Platina~ bei starken Schmerzen in den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem Blute.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen Mittel.

=Eclectische und Kräuterkur.= Sind Symptome eines annähernden Abortus vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3 Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (~Compound powder of Ipecac and Opium~). Nehmen die Symptome dennoch zu, so lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (~Oil of fleabane~) oder ~Oil of fireweed~ mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (~Sugar of lead~) in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (~Alum~) Auflösung oder einer Abkochung von Weißeichenrinde (~Decoction of white oak bark~) getränkt, verstopft werden.

=Allöopathisch.= Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung gegeben werden:

Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme. Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel. Salpeter (~Nitre~) 2 „ Zimmetwasser 2 Unzen. Wasser 4 „

Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:

Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) 2 Drachmen. Gewöhnlicher Syrup 2 „ Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (~Citric acid~), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist das folgende zu empfehlen:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen. Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion of roses~) 5 „ Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.

Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40 Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren Dosen.

Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane. Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „

Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (~Alum~) mit 3 Granen geriebener Muskatnuß (~Nutmeg~), in Honig oder Syrup gemischt, und gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.

+Bemerkung.+ Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie bei einer natürlichen Geburt vorgehen.

Falsche Wehen (~False Pains~).

Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den ächten Wehen sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken, sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Eingeweide verstopft sind, gebe man folgende Einspritzung:

Warmes Wasser 1 Pint. Salz 2 Theelöffel voll. Gewöhnlicher Molasses 2 Eßlöffel voll.

Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) und wiederhole dies alle zwei Stunden, wenn nicht früher Linderung eintritt.

=Allöopathisch.= Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz des Schmerzes eingerieben werden mag:

Ammoniak (~Ammonia~) 2 Unzen. Opium-Tinktur (~Tincture of opium~) 2 „ Seifen-Salbe (~Soap liniment~) 1 Unze.

Schüttele es vor dem Gebrauch um.

=Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Wenn der Schmerz ziehend und sich in dem Unterleib und den Lenden befindet.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.

~Nux Vomica.~ -- Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung sind.

~Aconitum.~ -- Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf, trockene Haut. ~Belladonna~ kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

Behandlung der Brüste (~Preparation of the Breasts~).

Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann. Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs oder einen Warzenschild (~Nipple shield~). Dies sollte beständig getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus folgen kann.

Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen Warzen:

Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden, jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.

Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt, eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden. Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (~Pomegranate~). Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.

Fünftes Kapitel.

Entbindung oder Kindbett.

Geburtswehen (~Labor~).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher oder später ein.

+Symptome.+ Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim, „Blutanbrechen“ (~show~) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig, lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des Kindes bereit gehalten werden.

Schmerzen bei den Geburtswehen (~Labor Pains~).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird. Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind mehr nach unten drängend.

Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist, schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt, ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt und die Nachgeburt oder ~Placenta~ kommt. Starkes Ziehen sollte zur Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige Wehen hin, dieselbe auszustoßen.

Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist, wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.

Verbinden des Nabels (~Dressing the Navel~).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug, daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.

Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig, die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.

Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf, obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern länger als es wünschenswerth ist.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 30 Tropfen. Kampherwasser (~Camphor water~) 1 Unze. Laudanum 1 Drachme. Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.

Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden bei Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf ~Nux Vomica~ folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

~Coffea~ und ~Aconitum~. -- Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

~Pulsatilla~ -- möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

~Secale.~ -- Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren haben.

~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang, Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit ~Opium~ bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem begleitet.

=Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge einer Abbrühung von gleichen Theilen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mit ein wenig Whiskey oder anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden. Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.

Blutfluß (~Flooding -- Hæmorrhage~).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden, bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

~Belladonna.~ -- Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl, als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

~Chamomilla.~ -- Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche Schmerzen vorhanden sind.

~China.~ -- Kann abwechselnd mit ~Ipecacuanha~, wenn Schwindel und Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten Fällen entsprechen.

~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse ~Crocus~ oder ~Sabina~ folgen.

Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes Wasser trinken.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt, verlängere die Zwischenräume.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn sich der Blutfluß vor der Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von Ratanhia (~Rhatany~), Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) und Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit Erfolg angewendet werden.

=Allöopathisch.= Folgende Pillen mögen genommen werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane. Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „

Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.

Dauer des Kindbetts.

Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis fünfzehnten Tag zu gehen.

Diät und Regeln während des Kindbetts.

Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen. Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird; jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser, entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten Trank.

Lochien oder Geburtsblutfluß.