Part 38
Bereite hieraus 25 Pillen mittelst Bilsenkraut- (~Hyosciamus~) Extrakt und nehme alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Pille, je nach den Symptomen. Ein Dunstbad (~Spirits vapor bath~) leistet in manchen Fällen ausgezeichnete Dienste. Auch wird Gelsamin-Tinktur (~Tinct. of Gelseminum~) in Dosen von ½ Theelöffel voll alle Stunden oder öfters zu nehmen, empfohlen. Sind die Schmerzen sehr heftig, so füge man 5 Tropfen Sturmhut-Tinktur (~Tinct. of Aconite~) zu jeder Dosis. Zwischen den Perioden gebrauche folgendes:
Kampher 1½ Skrupel. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 35 Grane. Stechapfel-Extrakt (~Extract of Stramonium~) 20 „
Bereite hieraus mittelst Aletridin 80 Pillen und nehme 1 Pille alle 4-5 Stunden.
Der zusammengesetzte Syrup der Mitchella (~Partridge berry~) wird für hartnäckige Fälle sehr empfohlen und muß lange Zeit damit fortgefahren werden.
Unterdrückte Menstruation (~Supression of the Menses -- Amenorrhœa~).
Hierunter versteht man ein Ausbleiben der Monatsperiode, nachdem dieselbe bereits eingetreten, und mag dieses Uebel entweder acut oder chronisch sein.
+Ursachen.+ Erkältungen, die sich die Betreffende während des Blutausflusses durch nasse Füße &c. zugezogen hat, Furcht, Erschrecken, Gemütsbewegungen, Angst, Fieber und andere acute Krankheiten. Chronische unterdrückte Menstruation kann entweder durch die acute herbeigeführt, oder durch geschwächten Körperzustand und Krankheiten des Eierstocks und der Gebärmutter verursacht werden. Auch mag dieses Uebel durch ein verschlossenes Hymen entstehen, in welchem Falle es von einem Arzte aufgeschnitten werden muß.
+Symptome.+ Folgende Symptome zeigen sich bei solchen Frauen, deren Körper und Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt sind: Kopfweh, Fieber, heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schwere, Vollheit und Pochen im Mittel- und Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände. Frauen, die nervös und von zartem Körperbau sind, haben hysterische Anfälle und selbst Epilepsie. Die Symptome der chronischen Periodenunterdrückung sind: Abnahme der Gesundheit, Appetitlosigkeit, Fahlheit der Haut, Schmerzen im Rücken und den Seiten, Hartleibigkeit und Kopfweh.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Ist die Periodenunterdrückung durch eine Krankheit verursacht, so muß diese gehoben werden, ehe die Menstruation wieder eintreten kann. Gegen plötzliche Unterdrückung gebrauche man warme Sitz- oder Fußbäder. Auf den Unterleib lege man in warmes Wasser getauchte Tücher und trinke viel warmes Wasser. Ist die Unterdrückung chronisch und die Patientin von zartem Körperbau, so gebrauche man zwischen den Perioden das Sturzbad oder den Badzuber (~full bath~) und verwende dazu kaltes oder lauwarmes Wasser und reibe den Körper mittelst eines rauhen Handtuchs tüchtig ab, namentlich am Unterleib, den Lenden und den Geschlechtstheilen.
=Allöopathisch.= Ein warmes Hüftbad wird den Blutausfluß gewöhnlich herbeiführen. Ist die Gebärmutter entzündet, so verordne das folgende:
Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of Aconite leaves~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze. Syrup 3 Unzen.
Dosis: einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.
Kann der Ausfluß nicht herbeigeführt werden, so warte, bis die Zeit kommt, wo die nächste Periode eintreten sollte. Einige Tage vor derselben sollten die Eingeweide vollkommen geöffnet werden und in diesem losen Zustand bis zur Zeit bleiben, wo der Ausfluß beginnen sollte. Die Aloe- und Eisen- (~Aloes and Iron~) Pillen vom Vereinigten Staaten Dispensatorium sind hierfür eines der besten Mittel. Man verwende von 1 zu 3 Pillen täglich. Wenn keine Ursache für die Unterdrückung der Monatsregel -- z. B. Schwangerschaft, Entzündung des Mutterhalses, und die Frau leidet durch die Unterdrückung, so verordne das folgende:
Caulophyllin (Wiesenrautenstammblatt) 1 Drachme. Sturmhut-Extrakt 8 Grane. Aloe 10 „ Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~) 10 „
Hieraus bereite 40 Pillen. Dosis: 2 oder 3 Pillen Morgens und Abends.
Oder dies:
Aloe 1 Drachme. Myrrhen 1 „ Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of Iron~) 1 „ Schwarzer Nieswurz-Extrakt (~Extract black hellebore~) 1 „ Sabinöl (~Oil of savine~) 1 „
Mache 30 Pillen daraus. Dosis: 1 Pille drei- bis sechsmal täglich.
Diese Mittel sollten immer einige Tage vor der Zeit, wo die Periode eintreten sollte, genommen werden. Ist die chronische Unterdrückung die Folge irgend einer acuten Krankheit, so muß immer die Gesundheit zuerst wieder hergestellt werden, denn bei geschwächtem, kränklichem Körperzustand die Menstruation mit Gewalt herbeizuführen, ist schädlich. Ist die Gesundheit wieder fest, so nehme man unmittelbar vor der Rückkehr der Periode ein warmes Hüftbad alle Abend, sechs Abende hinter einander, und eine der folgenden Pillen dreimal des Tages:
Frisch pulverisirtes Roggenmutterkorn (~Fresh powd. ergot of rye~) 50 Grane. Barbadös Aloe 12 „ Wesentliches Wachholderbeerenöl (~Essential oil of juniper~) 12 Tropfen.
Mache mittelst Schleim oder Syrup hieraus 12 Pillen und verschlucke jede mit einer Theetasse voll am. Ysop-Thee (~Pennyroyal~).
=Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Patientin hartleibig, so gebrauche das Jalappenpulver (~Powder of jalap~). Lege auf den Unterleib Umschläge von Hopfen oder Rainfarn (~Tansy~). Amerikanischer Ysop-, Rainfarn-, Ingwer- (~Ginger~) oder Mutterkraut- (~Motherwort~) Thee kann oft getrunken werden. Auch mag in kurzen Zwischenräumen die zusammengesetzte Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben werden. Gegen Hartleibigkeit mögen die bei schwerer Menstruation empfohlenen Pillen aus Aloe, Gummigutt und Entenfuß gegeben werden. Einige Tage vor der Zeit der Periode ist dreimal des Tages eine halbe Theetasse voll Thee aus Eisenhand (auch Eisenkraut, englisch ~Vervine~) zu trinken. Dies wird sehr empfohlen.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn die Unterdrückung durch Schreck oder Erkältung herbeigeführt worden, mit Blutandrang im Kopf und der Brust, geröthetes Gesicht, Uebelsein, Ohnmachtanfälle, Schwindel. Dies Mittel mag abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden. Bewirken die Arzneien nur theilweisen Erfolg, so gebe man ~Opium~.
~Belladonna.~ -- Für robuste Patientinnen, bei denen alle andern Funktionen in Richtigkeit sind. Kopfweh und Pulsiren im Kopfe, geröthetes Gesicht, Blutandrang im Kopf und der Brust, großer Durst.
~Bryonia.~ -- Kopfweh und Schwindel, welche durch Bewegung, und wenn die Patientin mit der Bewegung aufhört, vermehrt werden, Schmerz im Magen, saures Aufstoßen, Hartleibigkeit, Nasenbluten.
~Pulsatilla.~ -- Dies ist gegen die Krankheit das wichtigste Heilmittel und wird angewandt, wenn die Unterdrückung durch Erkältung verursacht ist, heftiges Kopfweh, namentlich an einer oder der andern Seite des Kopfes, mit schießenden Schmerzen, die sich ins Gesicht, zu den Ohren und Zähnen ziehen; Schwindel mit Ohrensausen, Herzklopfen, kalte Hände und Füße, Hitze, Uebelsein und Erbrechen, Druck im Unterleib, Erstickungsgefühl bei der geringsten Anstrengung, häufige Neigung zum Urinlassen, weißer Fluß, Traurigkeit.
~Sepia.~ -- Nervöses Kopfweh mit abwechselndem Frösteln und Hitze, Kolik und Schmerzen in den Seiten, blasse Hautfarbe oder gelbe Flecken im Gesicht, Weinen, hysterische Störungen; namentlich dann anzuwenden, wenn weißer Fluß vorhanden ist.
~Veratrum.~ -- Nervöses Kopfweh, Uebelsein und Erbrechen, kalte Hände und Füße, Schwäche und Ohnmachtanfälle.
~Sulphur.~ -- Kopfweh, namentlich im Hinterkopf, Gefühl der Schwere und des Vollseins im Kopf, Pulsiren, fahle Gesichtsfarbe mit rothen Flecken im Gesicht, saurer Magen, Druck im Unterleib, Hartleibigkeit, unerfolgreiche Anstrengungen zum Stuhlgang, oder Diarrhöe mit schleimigem Abgang, Hämorrhoiden, weißer Fluß mit Jucken an den Geschlechtstheilen, Schmerzen in den Lenden, Schwerathmen, aufgeregter Gemüthszustand und Traurigkeit. Bei chronischen Fällen, wenn die Patientin sehr schwach ist, gebe entweder ~China~, ~Graphites~, ~Arsenicum~ oder ~Natrum Muriaticum~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe 1 Theelöffel voll alle 1 oder 2 Stunden, je nach den Symptomen. Wenn der Ausfluß sich nicht einstellt, wohl aber die Symptome gehoben sind, so höre mit der Medizin auf und beginne wieder einige Tage vor der nächsten Periode.
Aufhören der Menstruation oder Uebergangszeit (~Cessation of the Menses -- Change of Life~).
Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:
+Symptome.+ Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen, Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen, Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den Lenden, Blässe und Schwäche.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten, bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.
=Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (~Compound powder of jalap~) oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (~Compound powder of leptandrin~).
=Homöopathisch.= Die am meisten zu benützenden Mittel sind ~Pulsatilla~, ~Lachesis~, ~Bryonia~, ~Cocculus~, ~Ignatia~ und ~Sulphur~. Gewöhnlich kann die Behandlung mit ~Pulsatilla~ und ~Lachesis~ begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von ~Pulsatilla~ vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage lang auf und darnach gebe ~Lachesis~ in derselben Weise. Werden die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die Patientin auf der Besserung befindet. ~Bryonia~ giebt man, wenn Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und ~Ignatia~, wenn die Patientin erregt und nervös ist.
=Allöopathisch.= Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:
Mercurial-Pillen 1 Gran. Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~) ½ „ Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound rhubarb pill~) 3 Grane.
Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden Abend.
Oder eine Unze ~Hicra Picra~, oder pulverisirte Aloe und Castella mit einem Pint Wachholderbeeren-Branntwein (~Gin~) vermischt. Die Mischung sollte von 4 zu 5 Tagen stehen bleiben, worauf ein Eß-Löffel voll in ein Glas Wasser jeden Morgen oder alle andern Morgen, je nachdem, zu nehmen ist.
Ist die Patientin korpulent, feist und robust, so wird das folgende empfohlen:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen. Zusammengesetzter Rosenaufguß 5 „ Zimmetwasser 1 Unze.
Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll einmal täglich.
Sind nervöse Symptome vorhanden, so gebe:
Baldriansaures Zink (~Valerianate of zinc~) 8 Grane. Baldrian-Tinktur (~Tincture of Valerian~) 2 Drachmen. Orangenblumen-Wasser 3½ Unzen. Rother Mohn-Syrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.
Mische dieses. Dosis: ein Eßlöffel voll alle 6 Stunden.
Drittes Kapitel.
Vorfall der Gebärmutter (~Falling of the Womb -- Prolapsus Uteri~).
Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals, welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm. Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der Scheide zwischen die Beine drängt.
+Ursachen.+ Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen, so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen. Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen, enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den „Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.
+Symptome.+ Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs nöthig hätten. Diese Träger (~Supporters~) richten jedoch viel Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt, vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig, die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument -- Mutterkranz (engl. ~Pessary~, lat. ~Pessarium~) genannt. Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer Spritze (~Syringe~) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht stimulirend sein.
=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Kranke im Unterleib ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte, Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib, große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke Menstrualblutung.
~Sepia.~ -- Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem, röthlichem oder fauligem Ausfluß.
~Nux Vomica.~ -- Druck abwärts, namentlich während oder nach dem Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.
~Calcarea Carbonica.~ -- Ausgezeichnet für Personen mit schwachem Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.
Man beginne die Behandlung mit einer Dosis ~Nux Vomica~ alle 4 Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche setze aus und die dritte verordne eine Dosis ~Sepia~ Morgens und Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von ~Belladonna~ hin, so verordne dieses anstatt ~Nux Vomica~.
=Eclectische und Kräuterkur.= Gebrauche einen Aufguß von Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist, ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur (~Tincture of aconite~), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und Opium (~Compound powder of Ipecac and Opium~) mit Einspritzung von Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.
Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen Pfirsichblätter, Smilacine (~Solomon’s seal~) und Hopfen bereiten. Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man einen aus Eibisch (~Marsh mallow~) und Münze (~Spearmint~) bereiteten Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat, z. B. citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) und Chinin (~Quinine~), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~).
=Allöopathisch.= Gebrauche das folgende Stärkemittel (~Tonic~):
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate quinine~) 25 Grane. Citronensaures Eisen (~Citrate of iron--soluble~) 35 „
Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“ angegeben ist.
Der weiße Fluß (~Whites -- Flour Albus -- Leucorrhœa~).
Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs entfernt werden können.
Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa -- die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der Gebärmutter kommt.
+Ursachen.+ Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren, Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses Uebel kann sich auch vererben.