Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 36

Chapter 362,973 wordsPublic domain

Bei dem weiblichen Geschlechte muß die Scheide mit einem von den obigen Präparaten drei- oder viermal des Tages gebadet und Einspritzungen von demselben gemacht werden.

Folgendes wird mit ausgezeichnetem Erfolge innerlich angewendet:

Canadischer Balsam (~Canada balsam~) 1 Unze. Süßer Salpeter-Spiritus (~Spirits of sweet nitre~) 4 Unzen. Terpentinöl (~Oil of turpentine~) 2 Drachmen. Pulverisirter Kampher (~Powdered camphor~) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Wenn die Entzündung nachgelassen, so füge dem obigen noch eine Drachme pulverisirten Kino bei. Gleichzeitig mag der Patient einen Aufguß von Eibisch (~Marshmallow~) und Klette (~Burdock root~) trinken.

Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

Cubebenöl (~Oil of Cubebs~) 1 Unze. Anisöl (~Oil of anise~) 1 „ Copaiva-Balsam (~Balsam of copaiva~) 1 „ Laudanum 1 „ Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tinct. of muriate of iron~) 1 „

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Bei Eintreten der ~Chorda venerea~ des Nachts nehme 30 oder 40 Tropfen Laudanum beim Zubettgehen oder folgendes:

Pulverisirtes Opium (~Powdered opium~) 1½ Grane. Kampher (~Camphor~) 10 „

Mische und nimm es als eine Dosis.

Wird die Krankheit chronisch oder nimmt sie die Form eines Samenflusses an, so bediene man sich einer Einspritzung von gewöhnlichem grünem Thee mit je 5 oder 6 Tropfen Bleizucker (~Sugar of lead~) und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~) auf jede Einspritzung. Gleichzeitig nehme man folgendes:

Gehärteter Copaiva-Balsam (~Solidified balsam of copaiva~) 1 Drachme. Venetianischer Terpentin (~Venice turpentine~) 30 Grane. Entenfuß (~Podophyllin~) 10 „

Mische es, bringe soviel als möglich pulverisirten Rhabarber (~Pulverized rhubarb~) hinein und theile es in 30 Pillen. Dosis: zwei oder drei Pillen zweimal des Tages, bis sie auf die Eingeweide wirken, dann täglich zweimal eine Pille.

=Homöopathisch.= Während des ersten Stadiums wird salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von zwei oder drei Granen auf eine Unze Wasser, oder schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~), im Verhältniß von vier Granen auf eine Unze Wasser, als Einspritzung gebraucht, einen Anfall kurz abschneiden. Der Patient muß während dieser Zeit große Mäßigkeit beobachten und Ruhe pflegen. ~Aconitum~ kann zu derselben Zeit, alle zwei oder drei Stunden eine Dosis, gegeben werden.

~Cantharides~ oder ~Cannabis~ gebe man abwechselnd mit ~Aconitum~.

Aufguß von ~Hydrastis Canadensis~ wird als Einspritzung empfohlen und zwar im Verhältniß von einer Unze der pulverisirten Wurzel auf ein Pint Wasser. Sollte jeden Abend in die Harnröhre gespritzt werden.

~Cantharis~ mag gegeben werden, wenn sich die Entzündung auf die Blase ausdehnt und ein Brennen längs der Harnröhre, sowie ein häufiges Drängen zum Urinlassen vorhanden ist. Kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) wird als Einspritzung empfohlen. Löse eine Drachme in einer Unze Wasser und gebe während 12 Stunden jede Stunde eine Einspritzung. Dies wird in den meisten Fällen erfolgreich sein.

Andere innerliche Mittel sind: ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Cubebae~, ~Pulsatilla~, ~Copaiva~, ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen.

=Allöopathisch.= Zu Anfang der Krankheit gebe man eine Einspritzung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von 5 bis 10 Granen auf eine Unze Wasser. Dies wird gewöhnlich hinreichen. Zur Erhaltung eines gehörigen Stuhlganges sollte Bittersalz (~Epsom salts~) genommen und Leinsamenthee getrunken werden. Wenn die Krankheit dennoch weiterschreitet, möge folgendes angewendet werden:

Balsam Copaiva 1 Unze. Cubebenöl (~Oil of cubebs~) 2 Drachmen. Laudanum 1 Drachme. Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum Arabic~) 2 Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of lavender~) 3 Drachmen. Kampherwasser 4 Unzen. Weißer Zucker 2 Drachmen. Mitchellöl (~Oil of partridge berry~) 5 Tropfen.

Mische es. Dosis: drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

Die folgende Einspritzung ist gut:

Balsam Copaiva 5 Drachmen. Gummi-Extrakt von Opium (~Gum of ext. of opium~) 1 Gran. Wasser 7 Unzen. Ein Eidotter.

Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

Gegen die ~Chorda venerea~ nehme beim Zubettgehen eine Pille von Kampher und Belladonna, im Verhältniß von 5 Granen des ersteren auf ein Gran des letzteren.

Bei Samenfluß bediene man sich folgender Einspritzung:

Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 1 bis 4 Grane. Wasser 1 Unze. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 8 Grane. Gerbersäure (~Tannin~) 1 Skrupel. Wasser 5 Unzen.

Mische es.

Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.

Erstes Kapitel.

Menstruation oder monatliche Reinigung.

Ehe wir darüber reden, auf welche Weise Störungen in der Menstruation zu behandeln seien, sollten wir uns klar darüber werden. 1) Was man unter Menstruation versteht. 2) Durch welche Ursachen dieselbe erzeugt wird. 3) Welchen Zweck sie im weiblichen Organismus hat. Vielleicht wird keine körperliche Funktion von den Frauen weniger verstanden als diese. Sie können zwar angeben, wie oft die Menstruation eintritt und wie lange sie währt, aber über die Ursache sind die meisten im Unklaren, worüber man sich nicht zu wundern hat, wenn man bedenkt, daß selbst die Aerzte darüber in früherer Zeit im Dunkeln waren und erst neuerdings zum vollen Verständniß kamen. Seit Alters bis auf unsere Tage wurden zahllose Theorien aufgestellt; jede derselben aber mußte der in ihr enthaltenen Widersprüche wegen wieder aufgegeben werden; bis man zuletzt zu einer klaren, unzweifelhaften Anschauung gekommen ist. Unter den Alten herrschte bezüglich der Menstruation viel Aberglauben. Weil sie regelmäßig jeden Monat eintritt, so nahm man an, daß der Einfluß des Mondes dieselbe regulire. Daß diese Behauptung durchaus nicht stichhaltig ist, liegt auf der Hand, denn wäre auch nur einige Wahrheit daran, so müßten alle Frauen eines Erdtheils wenigstens zugleich menstruiren. Professor E. G. Meigs von Philadelphia hat sich um die Darstellung der Ursachen dieser eigenthümlichen Funktion große Verdienste erworben, und ihm sind wir für die in diesem Artikel niedergelegten Thatsachen und Beobachtungen zum Dank verpflichtet.

„~Omne vivum ex ovo~,“ (alles Lebendige entspringt aus einem Ei oder Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst, das Rothkehlchen und der Elephant -- alle entstehen aus Keimen und beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt, seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest, daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen; denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren, regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die Scheide (~Tube~), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (~congested~) und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung (~Congestion~) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den Zeugungstheilen (~Genitalia~) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird. Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit, mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein, dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr, so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann. Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere, Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit. Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen, und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert, weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage, je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten. Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind: Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein. Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich, und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel, sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.

Zweites Kapitel.

Störungen der Menstruation.

Verzögerte und unterdrückte Menstruation.

Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“ Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf. Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt, und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.

+Symptome.+ Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut, langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib legen.

Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei Wochen vor der Periode nehme eine Dosis ~Gelseminum~ jeden Abend, und eine Dose ~Belladonna~ jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder vier Stunden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.

~Bryonia.~ -- Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.

~Lycopodium.~ -- Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.

~Phosphorus.~ -- Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist, schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.

~Arsenicum.~ -- Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.

~Sulphur.~ -- Wenn obige Heilmittel nicht wirken.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang. Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine Woche lang jeden Morgen ~Sulphur~.

=Allöopathisch.= Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (~Pill of aloes~), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man folgendes:

Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (~Tincture of aconite leaves~) 2 Drachmen. Belladonna-Tinktur 1 Drachme. Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur 1 „ Morphium 3 Grane. Syrup 4 Unzen.

Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.

Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes gebraucht werden:

Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate of iron~) 5 Drachmen. Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (~Extract of conium~) 2 „ Peru-Balsam 1 Drachme. Alcohol 4 Unzen. Wintergrünöl (~Oil wintergreen~) 20 Tropfen. Syrup 8 Unzen.

Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

Oder:

Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 1 Unze. Rosenwasser 7 Unzen. Salzsaure Eisentinktur 1 Unze.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser dreimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Patientin robust ist, so gebe zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (~Compound powder of leptandrin~). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:

Pulverisirter Rhabarber 1½ Unze. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~) 1 „

Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~). Zur selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (~Penny royal~), Rainfarn- (~Tansy~), schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) oder Raute- (~Rue~) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen. Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:

Wiesenrauten-Stammblatt (~Caulophyllin~) 10 Grane. ~Aletridin~ 8 „ Belladonna-Extrakt 1 Gran.

Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine dreimal des Tages zu nehmen ist.

Oder:

Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 7 Grane. ~Cimicifugin~ 3 „ Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Gran.

Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten. Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.

Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (~Oils of savin~) und Rainfarn (~Tansy~), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5 oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.

Die Bleichsucht (~Chlorosis or Green Sickness~).

Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich, die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich zur Zeit der Mannbarkeit (~Puberty~) ein und äußert sich durch Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.

+Ursachen.+ Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern; die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee, Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.