Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 34

Chapter 343,116 wordsPublic domain

~Arsenicum.~ -- Gesichtsfarbe bleich und wachsartig, Wangen, Lippen und Augenlider bläulich und geschwulstig, Mund und Zunge trocken, Urin spärlich, dunkel und trübe oder schleimig, große Hinfälligkeit, Ohnmacht, Herzklopfen, schwieriges Athmen, Appetitlosigkeit, Schwere und Steifheit der Glieder und des Körpers.

~Digitalis.~ -- Besonders wenn die Wassersucht durch Herzkrankheit verursacht wird, auch bei Gesichtsblässe, Anschwellen der Augenlider, Unregelmäßigkeit der Eingeweide, scharfes Stechen in der Gegend des Herzens.

~Apocynum~ -- ist bei allen Formen der Wassersucht ein außerordentlich schätzbares Mittel.

Andere Heilmittel sind: ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Cannabis Indica~, ~China~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe bei harten Fällen alle 3 oder 4 Stunden eine Dosis von dem gewählten Mittel; bei chronischen Fällen nur ein- bis zweimal des Tages. Werden die Kügelchen gebraucht, so gebe man 6 auf eine Dosis. Bei Anwendung der Auflösung löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Folgendes kann mit großem Vortheil angewendet werden:

Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen. Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 1½ Unzen.

Mische es. Dosis: Alle 4 bis 5 Stunden einen Eßlöffel voll.

Als Trank kann man einen Aufguß aus 2 Theilen Haarmoos (~Haircap moss~) und je einen Theil Wachholderbeeren (~Juniper berries~) und Attichrinde (~Dwarf elder bark~) nehmen.

Folgendes ist sehr empfohlen:

Pulverisirtes Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammony~) 12 „ Springgurke (~Elaterium~) 2 „ Krotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden, bis es wirkt, eine Pille.

Schwefelsaure Potasche wird in Dosen von einer Drachme in einem Aufguß von geschabtem Meerrettig (~Horse-radish~), Wachholderbeeren (~Juniper berries~), und Senfkörnern (~Mustard seed~), gestoßen, eine halbe Unze von jedem in 1½ Pint kochenden Wassers empfohlen. Die Mischung sollte 2 Stunden lang stehen und dann abgeseiht werden. Ein Viertel davon als eine Dosis zu nehmen.

Einreiben des Unterleibes mit der Salbe von Potaschen-Iodide (~Ointment of Iodide of potassium~) wird empfohlen, während des Tages nehme man folgende Mischung:

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Fingerhut-Tinktur (~Tincture of digitalis~) ½ Drachme.

Kampher-Mischung hinreichend, um 6 Unzen zu machen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Cremor Tartari (~Cream of tartar~) täglich in großen Dosen genommen, wird zuweilen wohlthätig sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn- (~Dandelion~) Thee wird bei diesem Leiden sehr empfohlen. Er kann folgendermaßen zubereitet werden:

Man schneide die Wurzel in Stücke, gieße kochendes Wasser darüber und lasse es eine bis zwei Stunden am Feuer ziehen. Man nehme 2 oder 3 Becher voll während des Tages.

Ein Aufguß von Petersilie (~Parsley~) mag zuweilen mit gutem Erfolge angewendet werden.

Es ist gut, zwei- oder dreimal des Tages die Eingeweide mit der Hand zu reiben und zu kneten; bleibt irgend welche Empfindlichkeit nach dem Reiben zurück, so gebrauche folgende Salbe vor der Wirkung:

Wachholderöl (~Oil of juniper~), Sassafrasöl (~Oil of sassafras~), Cajeputöl (~Oil of cajeput~), grünes Münzöl (~Oil of spearmint~), von jedem eine halbe Unze. Mische es.

Dr. Gunn empfiehlt die Rinde von gewöhnlichen Weintrauben. Sie sollte zu Asche gebrannt und in Dosen von einem Theelöffel bis zu einem halben Eßlöffel voll in einem Glas Catawbawein dreimal des Tages gegeben werden. Gehöriger Stuhlgang sollte stets durch Salz, das zusammengesetzte Pulver von Jalappenwurzel oder irgend ein anderes mildes Abführmittel erhalten werden.

Dreizehntes Kapitel.

Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechtsorgane.

Nierenentzündung (~Inflammation of the Kidneys -- Nephritis~).

Diese Krankheit ist eine Entzündung sowohl der Nierenmasse als auch der sie einfassenden Schleimhaut, und wird gewöhnlich in Begleitung von Krankheiten der Blase und Urin-Werkzeuge gefunden.

+Symptome.+ Der Krankheit gehen in der Regel die gewöhnlichen Symptome des Fiebers, wie Frost, besonders im Rücken und den Lenden, voraus, dem Fieber folgt. Darauf folgt ein tiefsitzender Schmerz in den Lenden, der sich bis zur Blase erstreckt und durch den Druck und bei Bewegung erhöht wird; gewöhnlich ist Uebelkeit und zuweilen Erbrechen vorhanden, ebenso eine Erstarrung des Schenkels der angegriffenen Seite, der Schmerz zieht sich bis zur Schamleiste, die Hode auf der kranken Seite wird nicht selten in die Höhe gezogen, der Urin ist spärlich, stark gefärbt und öfters blutig beim Beginne der Krankheit und kann nur tropfenweise abgelassen werden. Sind beide Nieren angegriffen, so kann der Urin ganz unterdrückt werden, Betäubung stellt sich ein und der Tod folgt sehr schnell; die Eingeweide sind verstopft.

Nierenkrankheit kann vom Hüftweh (~Lumbago~) dadurch unterschieden werden, daß sich der Schmerz auf eine Seite beschränkt und durch die Bewegung der Glieder erhöht wird und ebenso dadurch, daß bei Hüftweh kein Schmerz im Hodensack, kein Fieber und keine Erstarrung des Schenkels vorhanden ist.

+Ursachen.+ Erkältung, Anwendung von spanischen Fliegen (~Cantharides~), Terpentinöl und andern harntreibenden Mitteln (~Diuretics~), heftige Bewegung, das Uebertragen von Rheumatismus oder der Gicht, Bildung von Gries in den Nieren oder dem Harnweg (die Röhren, welche von den Nieren nach der Blase führen).

Bei chronischer Entzündung der Nieren ist in der Regel in der Nachbarschaft der Nieren ein dumpfer schwerer Schmerz und eine Schwäche im Rückgrat vorhanden. Der Urin geht öfters spärlich ab und ist zuweilen weiß und milchig.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Camphor~ -- sollte gegeben werden, wenn die Krankheit die Folge der Anwendung der spanischen Fliegen (~Cantharides~), oder wenn der Urin nur spärlich fließt, bei Brennen in der Blase und ~Penis~, oder bei Unterdrückung des Urin. Man gebe einen oder zwei Tropfen ~Camphor~ auf einem Stück Zucker alle Stunde oder alle zwei Stunden, bis es besser wird.

~Aconitum~ -- sollte zuerst entweder allein oder abwechselnd mit anderen Mitteln gegeben werden. Heilt zuweilen ohne irgend eine andere Medizin.

~Cantharis~ -- ist das Hauptmittel bei schießenden, rasenden, schneidenden Schmerzen, der Urin geht langsam, tropfenweise ab; großer Schmerz ist vorhanden; der Urin ist zuweilen mit Blut gemischt.

~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen zuweilen schlimmer sind und von den Nieren hinab in die Blase schießen, bei Kolikschmerzen. ~Hepar Sulphuris~ kann ~Belladonna~ folgen.

~Pulsatilla.~ -- Bei zarten Frauen, wo sich die monatliche Reinigung eingestellt hat oder sehr spärlich ist, oder wenig Urin abgelassen wird.

~Nux Vomica.~ -- Bei Spannung, Druck und Gewicht in der Leber, Congestion des Unterleibes; oder da, wo die Krankheit von der Unterdrückung der Hämorrhoiden herrührt.

~Arnica~ -- sollte gegeben und äußerlich angewendet werden, wenn äußerliche Verletzungen die Krankheit herbeiführten.

Man lasse die obigen Mittel ~Arnica~ folgen, wenn sie angezeigt erscheinen.

Andere Mittel sind: ~Cannabis~, ~Terebinth~, ~Balsamus Copaivae~.

Wurde die Entzündung durch das Passiren der Steine durch den Harngang verursacht, so mache man warme Bähungen von Hopfen mit Tabaksblättern gemischt über den Sitz der Krankheit und gebe die oben erwähnten Heilmittel.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Ein Sitzbad von lauwarmem Wasser, häufig wiederholt, wird wohlthun.

=Allöopathisch.= Es sollte ein heißes Senffußbad gemacht oder Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem man heiße Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern und Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (~Wormwood~) oder Rainfarn (~Tansy~) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind, zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur oder durch die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann. Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (~Epsom salts~), Cremor Tartari (~Cream of tartar~) oder Einspritzungen von warmem Wasser.

Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (~Upland cranberry~) Thee mit 20 Tropfen Potaschen-Liquor (~Liquor of potassa~) empfohlen.

Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß von ~Pipsissewa~, Bärentraube (~Uva Ursi~), Grundstrauch (~Trailing Arbutus~), Buchublättern, wilden Mohrrüben (~Wild carrot~), Fingerhut (~Fox glove~) angewendet werden.

In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von Hopfen, Wermuth (~Wormwood~) und Rainfarn (~Tansy~), mit Essig und Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man gleichzeitig:

Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen. Süßes Mandelöl (~Oil of sweet almonds~) 2 „ Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) 1 Unze.

Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll in warmem grünem Münzthee (~Spearmint tea~). Der Kranke trinke öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (~Mullen~) Blättern, oder Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) oder Haarmoos (~Haircap moss~). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (~Aconite~) Wurzel-Tinktur in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelsemium~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt werden.

Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so oft als zu diesem Zwecke nothwendig.

Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein solcher zu haben ist, behandelt werden.

Blasenentzündung (~Inflammation of the Bladder -- Cystitis~).

Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.

+Symptome.+ Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und heiße, trockene Haut sind vorhanden.

Chronische Blasenentzündung

kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat, bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen, das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w. vorhanden.

+Ursachen.+ Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung von spanischen Fliegen (~Cantharides~) und Terpentin, durch säuerliche Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache, nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch- (~Marsh mallow~) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.

Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu, Grundstrauch (~Trailing arbutus~), Bärentraube (~Uva Ursi~).

Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:

Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Skrupel. Wasser 2 Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze. Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur 20 Tropfen.

Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.

Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen Auslösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) mag in einigen Fällen gut sein.

=Homöopathisch.= Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch folgendes gegeben werden: ~Hyosciamus~, bei Krämpfen im Blasenhalse. Wenn ~Cantharides~ das Brennen während des Urinablasses nicht mindert, gebe man ~Arsenicum~ und ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd. ~Sulphur~ und ~Calcarea~ mögen bei der chronischen Form gegeben werden.

Wegen Verordnung der Heilmittel siehe Nierenentzündung.

Harnverhaltung (~Retention of Urine -- Ischuria~).

Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen. Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden, so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des Bauchfelles eintritt.

+Ursachen+ -- mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben, Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll in den meisten Fällen wirksam sein:

Man mache ein Pint starken grünen Münz- (~Spearmint~) Thee, füge eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (~Holland gin~) und eine Unze Salpeter-Spiritus (~Spirits of nitre~) hinzu. Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.

Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort 15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen an.

Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.

Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man folgendes an:

Strychnin 1/16 Gran. Spanische Fliegen (~Cantharides~) ⅛ „ Pulverisirte Arnicablätter (~Powdered arnica leaves~) 3 bis 5 Grane.

Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf von 24 Stunden.

Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so sollte diese Medizin eingestellt werden.

Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange anstehen, ehe dieses gethan wird.

=Homöopathisch.= Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen (~Cantharides~) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man ~Camphor~, ~Pulsatilla~, ~Apis~ und ~Aconitum~.

Wenn durch Erkältung zugezogen: ~Nux Vomica~, ~Mercurius~, ~Dulcamara~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~, ~Apis~.

Wenn die Folge von Schreck: ~Aconitum~.

Nach einem Fall oder Schlag: ~Arnica~.

Bei krampfartiger Harnverhaltung: ~Chamomilla~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Opium~, ~Hyosciamus~.

Gegen Blasenlähmung: ~Agnus Castus~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~, ~Arsenicum~, ~Dulcamara~.

Wenn in Folge von Blasenentzündung: ~Aconitum~, ~Cantharides~, ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~. (Siehe Blasenentzündung.)

Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Dieselbe wie bei Nierenentzündung.

Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser, ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden werden.

Der Harnfluß (=~Incontinence of Urine~ -- ~Enuresis~=)

wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt. Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.

+Ursachen.+ Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer, Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Von ~Silicea~ kann jeden Abend eine Dosis gegeben werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe ~Sepia~ in derselben Weise.

~Sulphur~, ~Arsenicum~ und ~Carbo Vegetabilis~ können abwechselnd gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.

Andere Heilmittel sind: ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Cantharides~, ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Mercurius~, ~Cina~.

Ist die Entzündung Folge der Lähmung: ~Cantharides~, ~Nux Vomica~, ~Rhus~, ~Uva Ursi~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe Morgens und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6 auf eine Dosis.

=Allöopathisch.= Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es den Urin abläßt.

Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:

Benzoesäure (~Benzoic acid~) 2 Drachmen. Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann mit gutem Erfolg angewendet werden:

Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze. Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) ½ „

Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters dreimal des Tages.

Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Wurzel trinken.

Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden werden:

Man nehme Hausenblase (~Isinglass~) eine Rolle, koche sie in einem Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu, stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit Stückzucker und reibe Muskatnuß (~Nutmeg~) darauf. Wenn es ordentlich gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (~Custard~). Einem Erwachsenen mag dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger. Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur gebe man einem Erwachsenen zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig weniger.

Harnträufeln, auch Harnruhr (~Diabetes~)

ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen, zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.

+Symptome.+ Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst, trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches, Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe, der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt worden ist.

+Ursachen.+ Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (~Mercury~), Erkältung.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Alaun (~Alum~) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2 Tropfen dreimal täglich.

Auch spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) kann angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:

Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Skrupel. Wilde Preiselbeerblätter (~Wild cranberry bark~) 1 „ Opium ½ Gran.

Mische und nimm es dreimal des Tages.

Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (~Beets~), Pastinaken (~Parsnips~) und anderes Gemüse.

=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst kleinen Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) dreimal des Tages oder durch andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.

Ein Aufguß aus gleichen Theilen von ~Unicorn root~ und Wasserandorn (~Bugle weed~) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein. Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet werden:

Kurzblätteriges Dreiblatt (~Beth root~) 4 Unzen. Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 4 „ Storchschnabel- (~Geranium-~) Wurzel 4 „ Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) 4 „

Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.

Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen: