Part 33
Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an, die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl, die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.
+Ursachen.+ Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt, welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von Menschenleben zum Opfer gefallen sind.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in folgender Weise angewendet:
Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3 oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20 Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte ~Veratrum~ und ~Cuprum~ abwechselnd wie folgt gegeben werden:
Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.
~Arsenicum.~ -- Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher, unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und Trinken sogar des Geringfügigsten. ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ können abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.
~Cuprum~ -- sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb, Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden, Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen in der Seite, großer Angst und Furcht gebe ~Cuprum~ und ~Acidum hydrocyanicum~ abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.
Tritt die Krankheit in das dritte Stadium, so gebe man ~Carbo vegetabilis~, einen Theelöffel voll alle halbe oder ganze Stunden. Verbleibt noch ein heftiges Brennen im Magen, so gebe man ~Arsenicum~ abwechselnd mit ~Carbo vegetabilis~.
~Secale Cornutum.~ -- Besonders bei alten Personen, wenn außerordentliche Hinfälligkeit eintritt, heftiger Durst, Zunge kalt und trocken, eingeschrumpfte Haut.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse 12 oder 15 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 15, 20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis; je nach Besserwerden vermindere die Zahl der Dosen. Die Hitze des Körpers sollte durch heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem Wasser um den Körper des Kranken gelegt, erhalten werden. Reiben mit der Hand oder mit einem Stück Flanell wird die Wärme wieder herstellen und zugleich die Krämpfe in den Muskeln lindern. Kleine Stücke Eis oder Eiswasser mögen zur Stillung des starken Durstes gegeben werden. Einspritzung von kaltem Wasser lindert zuweilen die Kolik und die Krämpfe in den Eingeweiden.
Schutzmittel.
Als ein solches mag Kampher-Tinktur ein- oder zweimal innerhalb 24 Stunden in Tropfen-Dosen gegeben werden. Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt ~Sulphur~, und zwar in der Weise, daß man einen halben Theelöffel voll Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) in jeden Strumpf schüttet und es so beständig trägt.
=Allöopathisch.= Im ersten Stadium gebe man 5 bis 10 Tropfen Laudanum alle 3 Stunden, bis die Diarrhöe eingestellt wird. Dr. Henry Hartshorn empfiehlt folgendes:
Chloroform ½ Drachme. Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) ½ „ Kampher-Spiritus (~Spirits of Camphor~) ½ „ Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) ½ „ Kreosot (~Creosote~) 3 Tropfen. Zimmetöl (~Oil of cinnamon~) 8 „ ~Spirits of Gallic wine~ 2 Drachmen.
Mische und löse einen Theelöffel voll davon in einem Weinglas voll Eiswasser auf und gebe von der Mischung alle fünf Minuten zwei Eßlöffel voll und lasse jedesmal ein Stück Eis folgen. Ein Eßlöffel voll Branntwein sollte jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben werden.
Im zweiten Stadium möge folgendes zur Stärkung der sinkenden Kräfte gegeben werden:
Kampher (~Camphor~) 2 Drachmen. Chloroform 1 Drachme. Ein Eidotter.
Mische und reibe es in einander, dann füge hinzu:
Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~) 1 Unze. Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) 1 „
Mische es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll bis Besserung eintritt.
Im dritten Stadium empfiehlt Professor Chapman von Philadelphia die Anwendung des Eises in Säckchen längs des Rückgrats, beharrlich fortgesetzt. Die obige Behandlung sollte in diesem Stadium mit mehr Kraft angewendet werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Im ersten Stadium wird von Dr. John King folgendes empfohlen:
Zusammengesetzter Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) 4 Unzen. Stachlige Eschenbeeren-Tinktur (~Tinct. of prickly ash berries~) 1 Unze. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz 1 Drachme. Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 4 Drachmen.
Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll, bis es auf die Eingeweide wirkt, dann gebe drei- oder viermal täglich einen Eßlöffel voll.
Folgendes wird empfohlen, wenn das vorhergehende die Diarrhöe nicht einstellt:
Guajacaharz (~Gum Guajacum~) ¼ Unze. Gemahlene Nelken (~Ground cloves~) ¼ „ Gemahlener Zimmet (~Ground cinnamon~) ¼ „ Branntwein 1 Pint.
Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle halbe Stunden, bis die Diarrhöe aufhört.
Um das Erbrechen zu verhindern, gebe man im zweiten Stadium folgendes:
Kampher- (~Camphor~) Wasser 1 Unze. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 1 „ Grüne Münz- (~Spearmint~) Wasser 1 „ Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir 2 Drachmen.
Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle 5, 10 oder 15 Minuten. Stopft dies das Erbrechen nicht, so gebe:
Salz 1 Drachme. Schwarzer Pfeffer 1 „ Essig 5 Drachmen. Heißes Wasser 4 Unzen.
Um die Entleerungen einzuhalten, möge Folgendes gegeben werden:
Kampher (~Camphor~) 1 Gran. Kino-Gummi (~Kino~) 1 „ Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 „ Opium ½ „
Gieb es als eine Dosis alle halbe Stunden und verlängere die Zwischenräume, nachdem der Patient besser wird. Finden häufige Entleerungen statt so sollte die Medizin nach einer jeden gegeben werden.
Um den Krampf der Glieder zu unterdrücken, sollten dieselben heftig mit der Hand und warmem Flanell gerieben werden. Die spanische Pfeffertinktur (~Tincture of capsicum~) mag längs des Rückgrats eingerieben werden, worauf ein Senfpflaster ausgelegt werden sollte.
Im dritten Stadium hülle man den Kranken in Decken, mit heißem Wasser getränkt, ein und gebe gleichzeitig einen Theil Kampher-Tinktur (~Tincture of camphor~) und drei Theile von der stachligen Eschenbeere (~Prickly ash berries~).
Dosis: alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel bis zu einem Eßlöffel voll in Wasser. Dosen von Branntwein sind von gutem Erfolg.
Folgendes ist die berühmte Behandlung von Rev. Dr. Hamlin, eines Missionärs in der Türkei:
Man nehme gleiche Theile von Laudanum, Kampher-Spiritus und Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur, mische es und gebe 30 Tropfen auf einem Stückchen Zucker, was gewöhnlich die Diarrhöe stopft. Deren Rückkehr zu verhindern, sollten alle 4 Stunden Dosen von 10 bis 20 Tropfen gegeben werden. Wirkt die erste Dosis von 30 Tropfen nicht, so erhöhe man dieselbe auf 40, 45 bis 60 Tropfen bei jeder Bewegung der Eingeweide. Sobald aber die Diarrhöe aufhört, müssen die Dosen verringert werden. Bei fortschreitender Diarrhöe sollte eine Einspritzung von gekochter Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum gegeben werden. Bei jeder Bewegung der Eingeweide verordne man ein Drittel.
Zu gleicher Zeit wendet er präparirte Kreide (~prepared chalk~) in Dosen von 10 Granen, mit ein paar Tropfen von Laudanum und Kampher auf je eine Dosis, an. Senfpflaster sollten über die Magengrube gelegt werden. Wenn das Erbrechen und Abführen sehr stark, sowie Krämpfe und Kolikschmerzen vorhanden sind, mögen gleiche Theile von Laudanum, spanische Pfeffer- (~Capsicum~) Tinktur, Ingwer- (~Ginger~) Tinktur, Kardamonsamen- (~Cardamon seeds~) Tinktur angewendet werden. Dosis: 30 bis 40 Tropfen oder einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser und mehr, der Strenge des Falles angemessen. Wenn die erste Dosis erbrochen wurde, so sollte gleich nach dem Erbrechen die zweite gegeben werden.
Im dritten Stadium füge man der zweiten Mischung noch halbstündliche Dosen von einem Eßlöffel voll Branntwein hinzu, erwärme den Kranken vermittelst Flaschen mit heißem Wasser und reibe Glieder und Körper gehörig.
Hämorrhoiden (~Piles~),
ein sehr verbreitetes Leiden, besteht in Vollblütigkeit und einem matten Blutumlauf in dem unteren Theile des Mastdarms. Sie werden äußerliche Hämorrhoiden genannt, wenn sie äußerlich erscheinen, und innerliche, wenn sie innerhalb der Eingeweide bleiben, fließende bei Blutentleerungen und blinde da, wo keine Blutentleerung stattfindet.
+Symptome.+ Dem Anfalle geht in der Regel ein Gefühl von Schwere in dem unteren Theile des Unterleibes mit einem schmerzhaften Jucken am After oder der Oeffnung voraus. Beim Stuhlgang wird ein starker stechender oder brennender Schmerz gefühlt und mehr oder weniger Drängen oder nach Untenziehen ist vorhanden. Bei Blutflüssen ist der Schmerz weniger heftig als da, wo dieselben fehlen.
+Ursachen.+ Alles, was die Unterleibseingeweide reizt, verursacht eine Zusammenziehung des Blutes dort; lang anhaltende Verstopfung, Stuhlzwang, Reiten, üppige Lebensweise, stark gewürzte Speisen, beengende Kleidung, sitzende Lebensweise. Das weibliche Geschlecht ist während der Schwangerschaft durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern des Beckens besonders dazu geneigt.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Gehöriger Stuhlgang ist nothwendig und zu diesem Behufe wende man folgendes an:
Sennesblätter-Zucker (~Confection of senna~) 2 Unzen. Cremor Tartari (~Cream of Tartar~) 1 „ Schwefel (~Sulphur~) 1 „
Hinreichend Ingwer- (~Ginger~) Syrup, um eine steife Paste zu machen.
Mische es. Dosis: ein Stück von der Größe einer Muskatnuß reicht hin, um täglich einen Stuhlgang hervorzubringen. Ein Umschlag von Fett, Talg oder kalter Sahne auf die Hämorrhoiden mildert zuweilen den Reiz. Folgendes ist eine gute Salbe:
Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze. Salbe von Rosenwasser oder Glycerin 1 „ Opium 10 Grane.
Mische und wende es so oft als erforderlich an.
Oder auch:
Belladonna-Extrakt 1 Drachme. Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~) 1 Unze.
Mische es. Anwendbar gegen schmerzhafte Hämorrhoiden.
Waschen mit kaltem Wasser oder ein kühles Sitzbad lindern sie zuweilen.
Ist der Blutfluß stark, so mögen Einspritzungen von kaltem Wasser oder eine schwache Auflösung von Alaun gemacht werden. Eine Salbe zusammengesetzt aus
Fett 2 Unzen. Schwefel 1 Drachme.
Gemischt und zwischen zwei Bleitellern, bis es gehörig schwarz geworden ist, gerieben, soll sich sowohl gegen die fließenden als auch blinden Hämorrhoiden bewährt haben. Bei starker Entzündung kann ein Umschlag, zusammengesetzt aus Schwefel (~Sulphur~), schlüpfriger Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern gemacht werden.
Die Kost sollte einfach sein, wie Kornbrod, reife Früchte, Brod aus ungesiebtem Weizenmehl, Brühen &c.
=Eclectische und Kräuterkur.= Cremor Tartari (~Cream of tartar~) in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup genommen, ist ein ausgezeichnetes Mittel. Gleiche Theile von Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) und Cremor Tartari in Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup gegeben, ist in einigen Fällen von Erfolg. Gleichzeitig sollte der Patient einen Thee aus gleichen Theilen von Flieder (~Elder~) und Wollkraut (~Mullen~) trinken. Bei blinden Hämorrhoiden, wenn beträchtliche Entzündung vorhanden ist, wird ein Umschlag von Kermesbeer- (~Poke~) Blättern als sehr wirksam empfohlen; oder gleiche Theile von Ulmenrinde (~Elm bark~) und Lobeliablättern. Zuweilen wird eine Bähung vermittelst einer Abkochung von bitteren Kräutern wie Rainfarn (~Tansy~), Hopfen und Kermesbeer- (~Poke~) Blättern sehr zuträglich gefunden werden. Folgendes wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet:
Man nehme ein halb Dutzend ~Buckeyes~ oder wilde Kastanien (~Horse chestnuts~) wenn frisch, schäle und schneide sie fein, lege sie in einen Blechnapf mit hinreichend Fett, um sie zu bedecken, lasse sie eine Stunde lang am Feuer stehen und seihe dann das Fett durch. Wenn kalt, ist es anwendbar. Schmiere damit die Geschwulst zweimal des Tages. Frische Butter, Salz, Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~), im Verhältniß von einem Theelöffel des Vorhergehenden auf zwei Theelöffel des Letzteren zusammen gemischt und damit mehrere Male des Tages sowohl Innen als Außen den After eingeschmiert, ist ein ausgezeichnetes Mittel.
Dr. Bodenhammer’s Salbe wird aus gestoßenen Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern oder Jamestown Unkraut zubereitet, welches man in frischer Butter oder Schweinefett, dem ein wenig Laudanum beigefügt ist, langsam kochen läßt. Es sollten dann öfters Umschlage auf die angegriffenen Theile gemacht werden.
=Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Nux vomica~, das bei allen Arten dieser Krankheit anwendbar ist. Abwechselnd mit ~Sulphur~, besonders bei chronischen Fällen zu geben. Eine Dosis des Nachts von ~Nux Vomica~, des Morgens von ~Sulphur~. Entsprechen diese Mittel nicht, so gebe man ~Ignatia~, ~Sepia~, ~Belladonna~, ~Colocynthis~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~. Jedes mag mehrere Tage gegeben werden, bevor zu einem anderen gegriffen wird, weil das vorhergehende keinen Erfolg hatte.
~Hamamelis~ -- ist mit Erfolg bei dieser Krankheit angewendet worden; man gebe entweder die Tinktur oder Ponds Extrakt und zwar 6 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser. Alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebrauche das Mittel, mit einer gleichen Menge Wasser verdünnt, äußerlich. Die Anwendung des Wassers ist sehr zuträglich.
Der Patient sollte häufig kalte Sitzbäder nehmen und Einspritzungen von kaltem Wasser machen.
Mastdarmvorfall (~Prolapsus Ani~)
ist ein Leiden, bei welchem der Mastdarm aus dem After tritt, und wird häufiger bei Kindern und alten Leuten gefunden.
+Ursachen.+ Stuhlzwang, heftiges Husten, der Gebrauch von starken Abführmitteln, Würmer, Hämorrhoiden, Diarrhöe &c.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Trifft das Leiden ein kleines Kind, so sollte dasselbe auf den Rücken, mit den Hüften erhöht, gelegt werden, und die Wärterin mag mit eingeölten Fingern sorgfältig und allmählig den Darm zurückdrängen. Wenn nothwendig, mache man eine Binde aus mehrfach zusammengelegtem Muslin, und zwar in der Form von einem ~T~, was dadurch geschieht, daß man eine Binde über den Hüften ringsum den Leib legt und eine andere zwischen den Beinen durchlaufend vorn und hinten an der Gürtelbinde befestigt.
=Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Abkochung von Eichenrinde (~Oak bark~), oder eine Abkochung aus gleichen Theilen von Solomons Siegel (~Solomon’s seal~) und Gelbwurz (~Golden seal~) mag eingespritzt und so lange als möglich angehalten werden. Irgend eine gute Hämorrhoiden-Salbe, der eine Drachme ~Tannin~ beigefügt wurde, kann mit Vortheil verwendet werden. Folgende Einspritzung ist bei einigen Fällen empfehlenswerth:
Stachelige Eschenbeeren-Tinktur (~Tincture of prickly ash bark~) 4 Unzen. Nux Vomica-Tinktur 3 Drachmen.
Spritze einen Theelöffel voll in den Mastdarm und halte es so lange als möglich zurück. Drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.
=Homöopathisch.= ~Ignatia~ -- ist das Hauptmittel. Es mag einmal alle 24 Stunden, eine Woche hindurch oder länger, gegeben werden; dann setze einige Tage aus und gebe eine Woche lang jeden zweiten Abend eine Dosis ~Sulphur~.
~Nux Vomica.~ -- Bei beträchtlichem Schmerz und Stuhlzwang, besonders bei kleinen Kindern.
~Mercurius.~ -- In einigen Fallen anwendbar, besonders wenn der heraustretende Darm angeschwollen oder bläulich ist und beim Stuhlgang blutet.
~Calcarea.~ -- Vorzugsweise gut bei hartnäckigen chronischen Fällen, wo andere Mittel erfolglos blieben. Häufige Waschungen mit kaltem Wasser werden zuträglich gefunden werden. Obige Mittel sind wie ~Ignatia~ zu geben.
=Allöopathisch.= Folgendes mag zu einer örtlichen Waschung dienen:
Weiße Eichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze. Wasser 1 Pint.
Siede es zu einem Viertel ein, seihe es durch, füge ein Skrupel Alaun (~Alum~) hinzu und trage es vermittelst eines weichen Schwammes auf.
Reife Früchte, in Molasses gedämpft, oder ~Hasty puddings~ und Molasses mögen als Kost dienen; es wirkt dies stärkend auf die Eingeweide.
Brüche (~Hernia~).
Unter Bruch ist ein Hervortreten der Eingeweide aus deren Höhlen zu verstehen und wird häufig bei Arbeitern gefunden, die sich dieselben durch starkes Heben oder Pressen zuziehen. Auch Reiten oder irgend etwas, was die Leistengegend schwächt, kann die Veranlassung dazu werden.
Die Brüche werden ihrer Oertlichkeit gemäß in verschiedene Arten getheilt.
Nabelbruch ist das Hervortreten der Eingeweide in der Gegend des Nabels und tritt häufig bei Kindern bald nach der Geburt ein.
Leistenbruch -- befindet sich am Schambug.
Hodensackbruch. -- Wenn der Darm in den Hodensack sinkt.
Bauchbruch. -- Wenn der Bruch sich an irgend einem Theile des Körpers einstellt, wo keine andere Form vorkommt.
Schenkelbruch -- befindet sich in dem oberen vorderen Theile der Lenden.
Der Bruch kann zurückführbar, unzurückführbar und eingeklemmt sein. Er ist zurückführbar, wenn er in die Höhle, aus welcher er getreten ist, zurückgedrängt werden kann. Unzurückführbar, wenn der Darm nicht in den Bauch zurückgedrängt werden kann. Eingeklemmt, wenn der Darm an dem Punkte, wo er aus dem Unterleib tritt, so gepreßt ist, daß der Inhalt nicht durchdringen kann.
+Symptome.+ Ein Anschwellen oder eine weiche Geschwulst zeigt sich an irgend einer Stelle des Bauches, nimmt an Größe zu, wenn der Patient aufrecht steht, und nimmt ab, sobald er sich niederlegt.
+Behandlung.+
Wenn Jemand eine Anschwellung an irgend einem der erwähnten Theile entdeckt, wende er sich sogleich an einen Chirurgen. Ein gut passendes Bruchband sollte Tag und Nacht getragen werden; unter keinen Umständen sollte dies der Patient unterlassen, besonders wenn er aufrecht steht. Beharrliches, monatelanges Tragen eines Bruchbandes mag eine Heilung bewirken, besonders wenn der Patient noch jung ist. Personen, die damit behaftet sind, sollten sehr vorsichtig sein und nicht hartleibig werden, sie sollten dem Rufe der Natur regelmäßig Folge leisten.
Gegen Nabelbruch bei Säuglingen wird ein Mittel von Dr. H. R. Stout in Chicago angewendet, erfolgreich gefunden werden.
Lege auf den Bruch, nachdem der Darm zurückgedrängt worden ist, ein Kupferstück hinreichend groß, um denselben zu bedecken, ziehe von beiden Seiten die Haut über dasselbe und verbinde diese durch Heftpflasterstreifen. Es ist dem Kinde unmöglich, diesen Verband zu entfernen, und eine Heilung muß daher schneller und erfolgreicher sein. Es sollte getragen werden, bis die Kur beendet ist.
Ist der Bruch eingeklemmt, so sollte der Kranke in ein warmes Bad gebracht und Anstrengungen gemacht werden, denselben zurückzubringen. Solche Fälle sollten aber nur von einem erfahrenen Arzte behandelt werden.
Personen, die ein Bruchband tragen, sollten immer zwei von derselben Sorte haben, so daß, wenn eins in Unordnung geräth, das andere, während das erstere reparirt wird, getragen werden kann; denn der Schaden, der dem Patienten daraus erwächst, wenn er das Bruchband auch nur für eine Stunde ablegt, kann vielleicht erst nach Monaten, ja nach Jahren, wieder gut gemacht werden.
Unterleibswassersucht (~Ascites~).
Dies ist eine Ansammlung von Wasser in der Höhle des Unterleibes.
+Symptome.+ Eine Anschwellung des Unterleibes mit einem Gefühl von Spannung und Schwere, begleitet von Appetitlosigkeit, Brustbeklemmung und Verstopfung, tritt ein. Ist die Ansammlung des Wassers bedeutend, so wird das Athmen kurz und schwierig. Das Vorhandensein der Flüssigkeit kann erkannt werden, wenn man die Hand an die eine Seite des Unterleibs legt und an die andere Seite schlägt, wodurch das Wasser nach der ruhenden Hand fließt und so gefühlt wird.
+Ursachen.+ Die Wassersucht kann durch Krankheiten der Leber oder Milz, Krankheiten des Herzens und ebenso chronische Entzündung der Schleimhaut des Unterleibes oder Brustfelles hervorgerufen werden.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Apis Mellifica~ -- hat wunderbare Kuren bewirkt und ist besonders gut, wenn folgende Symptome anwesend sind: Ein Gefühl von Vollsein, oder Erstickung in der Brust, schwieriges Athmen, Schmerz und Empfindlichkeit des Unterleibes.