Part 32
~Chamomilla.~ -- Gallige, wässerige oder schleimige Diarrhöe, der Stuhl ähnelt geschnittenem Stroh und riecht wie faule Eier, belegte Zunge, Anschwellen der Eingeweide, bitterer Geschmack im Munde. Besonders anwendbar gegen Diarrhöe in Folge von Erkältung, Furcht oder Zorn, und bei Kindern, wenn sie die Beine in die Höhe werfen, sich ärgern, quälen und getragen sein wollen.
~Rheum.~ -- Sauer riechender Stuhl bei krampfartiger Kolik in den Eingeweiden. Ein Schauder während des Stuhlganges; Diarrhöe in Folge von Magensäure; saurer Geruch, der von dem Kinde ausströmt und auch nicht durch Waschen gehoben wird. Besonders anwendbar bei Diarrhöe von Kindern und Frauen im Wochenbett. Wenn ~Rheum~ keine Linderung verschafft, so gebe man ~Chamomilla~.
~Mercurius.~ -- Bei fast jeder Art von Diarrhöe anwendbar, besonders wenn mit Kneipen vor und Brennen im After nach dem Stuhlgange verbunden; große Hinfälligkeit, Zittern, Entleerungen gallig, schleimig, schaumig oder mit Blut gemischt, heftige Kolik, schlechter Athem. ~Nux Vomica~ wird zuweilen Linderung geben, wenn ~Mercurius~ angezeigt zu sein scheint, aber nicht den gewünschten Erfolg hat.
~Colocynthis.~ -- Gallige oder wässerige Diarrhöe mit starken krampfartigen Schmerzen.
~Podophyllin.~ -- Diarrhöe mit krampfartigen Schmerzen in den Eingeweiden, leicht gefärbtem widerwärtigem Stuhl, Entleerungen schaumig und schleimig.
~Pulsatilla.~ -- Diarrhöe in Folge von Unverdaulichkeit, bei wässerigen, widerwärtigen Entleerungen, besonders des Abends, bitterer Geschmack im Munde, faulige Zunge.
~Bryonia.~ -- Diarrhöe in Folge der Sonnenhitze.
~Arsenicum.~ -- Diarrhöe brennend, mit starken Kolikschmerzen. Mag abwechselnd mit ~Veratrum~ oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden, wenn die Diarrhöe faulig ist und aus unverdauten Nahrungsmitteln besteht, oder bei wässerigem, schleimigem, brennendem Stuhl.
~Magnesia.~ -- Aehnlich dem Schaum eines Froschteiches, grün und schaumig.
~Nux Vomica.~ -- Wenn häufige und spärliche Stuhlgänge einer wässerigen und grünlichen Masse erfolgen und Drängen und drückender Schmerz. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden, der Strenge des Schmerzes und der Häufigkeit der Stuhlgänge angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Pillen gebraucht, so gebe man 3 bis 4 als eine Dosis. Bei chronischen Fällen gebe man jeden Morgen und Abend eine Dosis.
=Allöopathisch.= Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche mag in Dosen von einem Eß-Löffel alle Stunden gegeben werden, bis die Magensäure bewältigt und der Reiz vermindert ist. Pfeffermünz- (~Peppermint~) und grüne Münze- (~Spearmint~) Essenz kann hin und wieder mit gutem Erfolg hinzugefügt werden. Bei Uebelkeit und Erbrechen mache Senfpflaster auf den Magen und gebe einige Tropfen Laudanum. Folgendes wird bei leichten Anfällen entsprechend gefunden werden:
Gewürzter Rhabarber-Syrup (~Spiced syrup of rhubarb~) ½ Unze. Magnesia 15 Grane. Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 2 Drachmen. Kampherwasser 2 „
Mische es und nimm die Hälfte der Mischung als eine Dosis und wiederhole dies alle drei Stunden.
Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:
Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 50 Tropfen. Laudanum 15 Tropfen. Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser 3 Unzen.
Dosis: Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll.
Bei heftigem, kneipendem Schmerz gebe folgende Einspritzung:
Castoröl 2 Unzen. Tinktur von stachliger Eschenrinde (~Tinct. of prickly ash bark~) ½ Unze. Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel- Tinktur (~Comp. tincture of Virginia snake root~) 2 Drachmen. Laudanum 20 Tropfen. Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~) ½ Pint. Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Pint.
Mische und gib es als eine Einspritzung.
Aehnelt die Diarrhöe der Ruhr (~Dysentery~), so sollten Einspritzungen von Stärke angewendet und gleichzeitig folgende Pillen gegeben werden:
Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 1 Gran. Opium ½ „
Mache eine Pille daraus und wiederhole diese alle 3 oder 4 Stunden.
Bei chronischer Diarrhöe wird zuweilen ein Theelöffel voll Branntwein in ein wenig versüßtem Wasser mehrere Male des Tages gegeben, heilen. Es wird sehr zuträglich sein, bei Behandlung eines chronischen Falles von Diarrhöe ausgenommen Milch und Kalk- (~Lime~) Wasser, so wenig als möglich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei beträchtlicher Schwäche mögen folgende Pillen gegeben werden.
Chinin (~Quinine~) ½ Drachme. Pulverisirte Catechu 1 „ Pulverisirtes Opium 15 Grane.
Mische es und mache 32 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages 1 Pille.
Ruhr (~Dysentery -- Bloody Flux~).
Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut der großen Eingeweide.
+Symptome.+ Die Krankheit beginnt in der Regel mit Appetitlosigkeit, Verstopfung, Frösteln, Hitze der Haut, außerordentlichem Durst &c. Hin und wieder beginnt sie mit Diarrhöe, die Stuhlgänge sind unbedeutend und häufig, sie sind mit Schleim vermischt und mit Blut gestreift, beständiges Dringen und Verlangen nach Stuhl, starkem Schmerz vor und nach jedem Stuhlgang, schmerzhaftes Grimmen des Afters, auch ~Tenesmus~ genannt.
+Ursachen.+ Plötzlicher Wechsel von heißer zu kalter Witterung, unreife oder saure Früchte, verdorbenes Gemüse oder Fleisch, das Trinken von kaltem Wasser, wenn man erhitzt ist.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Es sollte dem Patienten nicht erlaubt sein, aufzubleiben, er muß sich vielmehr sehr ruhig verhalten. Als Nahrung nehme man Mehlsuppe, gehörig gekocht, Reiswasser, Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago. Bei Besserwerden möge ein wenig Schöpsenfleischbrühe erlaubt werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schmerz in den Eingeweiden, gallige oder dünne, wässrige Entleerungen mit Schleim gemischt und zuweilen mit Blut gestreift, Schmerzen im Kopf, Nacken und Schultern, Puls stark und schnell.
~Arsenicum.~ -- Passend bei Fällen, wo die Stuhlgänge unfreiwillig erfolgen und einen fauligen Geruch haben, da, wo der Kranke sehr schwach ist, brennende Schmerzen in den Eingeweiden, Athem kalt. Kann allein oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden.
~Belladonna.~ -- Wenn ~Aconitum~ keine Minderung gewährt und wenn Trockenheit im Munde und Hals vorhanden ist, Empfindlichkeit der Eingeweide, Zunge belegt und an der Spitze roth.
~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei Ruhr und ist in allen Stadien anwendbar, besonders wenn ein Drängen, als ob die Eingeweide herauskommen wollten, vor und nach dem Stuhle, vorhanden ist, eine Entleerung von hellem Blute, zuweilen mit Schleim gestreift oder von einer grünlichen Masse nach starkem Drängen, hin und wieder gleicht der Stuhl aufgeschlagenen Eiern, heftige Kolik, Uebelkeit, Frösteln, Erschöpfung, Zittern, kalter Schweiß auf dem Gesichte, Verschlimmerung des Schmerzes zur Nachtzeit. Kann abwechselnd mit ~Colocynth~ gegeben werden, wenn starke kneipende Kolik-Schmerzen vorhanden sind, oder abwechselnd mit ~Aconitum~ oder ~Belladonna~, wenn Fieber damit verbunden ist.
~Chamomilla.~ -- Zuweilen nach ~Aconitum~ entsprechend, wenn noch Fieber mit Kopfschmerz, Uebelkeit und Durst vorhanden sind. Besonders nützlich, wenn der Anfall durch plötzliche Schweißunterdrückung verursacht wurde.
~Colocynthis.~ -- Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden und die Entleerungen mit einer grünen Masse gemischt, oder sie sind mit Schleim und Blut gemischt. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.
~Podophyllin.~ -- Krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Entleerungen hell gefärbt und höchst widrig, oder schaumig und schleimig.
~Ipecacuanha.~ -- Besonders zuträglich bei Eintreten der Krankheit im Herbste, oder wenn der Schleim oder schleimige Stuhlgänge später mit Blut gestreift sind. Mag mit Vortheil abwechselnd mit ~Petroleum~ gegeben werden.
~Nux Vomica.~ -- Schwache und häufige Entleerungen von blutigem Schleim, starke Hitze, großer Durst, brennender, schneidender Schmerz in der Gegend des Nabels. Kann abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden.
~Sulphur.~ -- Vortheilhaft gegen hartnäckige Fälle, gelegentlich eine Dosis.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so gebe man die Dosen in größeren Zwischenräumen. Bei chronischer Ruhr ist eine Dosis des betreffenden Mittels dreimal des Tages hinreichend.
=Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen gebe man einen Theelöffel voll Castoröl und zwei Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) einmal des Tages; oder eine Dosis Castoröl mit 10 oder 15 Tropfen Laudanum, wenn das Mittel zu Anfang gegeben wird. Leinsamen oder schlüpfriger Ulmen- (~Slippery elm~) Thee kann als Getränk verwendet werden. Bei Schmerz in den Eingeweiden gebe ein Senfpflaster. Einspritzungen von Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum werden außerordentlich wohlthätig gefunden werden. Der zusammengesetzte Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) ist in einigen Fällen anwendbar und in Dosen von einem Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden zu geben. Folgendes möge in dem ersten Stadium gegeben werden:
~Blue Mass~ 18 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 6 „ Kampher (~Camphor~) 12 „
Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille. Oder:
Kampher (~Camphor~) 18 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 6 „ Opium 3 bis 6 „
Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier Stunden eine Pille.
Bei chronischer Ruhr gebe man folgendes:
Orangenschalen-Syrup 1 Unze. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphia~) 2 Grane. Zimmet- (~Cinnamon~) Tinktur 6 Drachmen. Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur 2 „
Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
Bei chronischen Fällen von Ruhr von langer Dauer, wird folgende Einspritzung zuträglich gefunden werden:
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Grane. Laudanum 40 Tropfen. Leinsamenthee 4 Unzen.
Ein Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) oder die Tinktur von stachligen Eschenbeeren (~Prickly ash berries~) werden als Einspritzungen gut gefunden werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen wird der unter Diarrhöe empfohlene pulverisirte gebrannte Rhabarber (~Rhubarb~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages gegeben, gut gefunden werden. Gebrannter Branntwein wird in einigen Fällen sofortige Linderung verschaffen. Ein Theelöffel voll Castoröl und ein und einen halben Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) gemischt und einmal des Tages genommen, reicht zuweilen hin. Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden mögen heiße Bähungen von Hopfen, oder von Hopfen und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern über den schmerzhaften Theil gemacht werden. Sind die Entleerungen häufig und schmerzhaft, so wende man Einspritzungen an von 3 Theilen Stärkewasser und einem Theil zusammengesetzter Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) an; ungefähr eine halbe Unze sollte eingespritzt und nach jedem Stuhlgang wiederholt werden; der Patient halte es so lange als möglich zurück. Kann man die Tinktur nicht erhalten, so nehme man 10 bis 20 Tropfen Laudanum. Folgendes wird empfohlen:
Türkischer Rhabarber, gestoßen (~Turkey rhubarb, bruised~) 1 Unze. Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 Unzen. Ueber-kohlensaure Soda (~Super-carbonate of soda~) 1 Unze. Zimmet- (~Cinnamon~) Rinde 1 „ Weißer Zucker ½ Pfund.
Lasse das Ganze eine Stunde lang in ein und einem halben Pint kochendem Wasser, dann seihe und drücke es aus. Dosis: einen Eßlöffel voll oder weniger, dem Alter angemessen, alle halbe, ganze oder zwei Stunden, im Verhältniß zu den Symptomen.
Folgendes wird bei einigen Fällen ausgezeichnet gefunden werden:
Reife Brombeeren (~Ripe blackberries~) 2 Quarts. Stückzucker 1 Pint. Cayennepfeffer (~Cayenne~) ½ Unze. Zimmet ½ „ Gewürznelken (~Cloves~) ½ „ Allspice ½ „
Koche alles zusammen eine kurze Zeitlang; wenn kalt, seihe es durch und füge ein Pint von ~fourth proof Brandy~ hinzu. Dosis: dem Alter angemessen, ein Eßlöffel bis ein Weinglas voll. Zuweilen ist es gut, durch gehöriges Zudecken des Kranken im Bette und die Darreichung von warmen Getränken, bestehend in Leinsamen-, Balsam-, Salbei- (~Sage~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee Schweiß hervorzurufen.
Folgendes soll beim Beginn der Ruhr helfen:
Leptandrin 10 Grane. Morphium (~Morphia~) 1 Gran.
Mische es und mache mit Gummi Arabicum Schleim 3 Pillen daraus und gebe alle 6 bis 12 Stunden, den Symptomen angemessen, eine Pille.
Nachstehendes ist eine gute Einspritzung, welche, nachdem die Krankheit mehrere Tage angehalten hat, angewendet werden kann.
Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) 1 Unze. Laudanum 10 bis 20 Tropfen.
Gebrauche es als eine Einspritzung.
Innerlich zu geben wird empfohlen:
Guajak (~Guaiacum~), fein pulverisirt 5 Drachmen. Gummi Arabicum Schleim 3 Unzen. Gewöhnlicher Syrup 3 „ Wasser 8 „
Mische es. Dosis: alle 4 Stunden ½ Weinglas voll.
Gegen chronische Ruhr gebrauche man folgendes:
Rhabarber (~Rhubarb~) 4 Unzen. Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 2 „ Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~) 2 „ Storchschnabel (~Geranium~) 2 „
Mische es und gieße auf diese Bestandtheile 2 Pint Branntwein und 2 Pint Wasser. Lasse die Mischung 5 bis 6 Tage stehen, schüttle es häufig um und seihe es dann ab. Füge 4 Pint Wasser zu dem Bodensatze, koche es bis zu 2 Pint ein, seihe es ab, füge dies der bereits früher abgeseihten Tinktur bei und versüße das Ganze mit Stückzucker. Dosis: jede Stunde oder alle 2 bis 3 Stunden einen Eßlöffel voll.
Cholera Morbus (Brechdurchfall).
Dies ist eine Krankheit, die gewöhnlich in den wärmeren Gegenden vorkommt und sich durch Erbrechen, Abführen, heftiges Kneipen, Kälte und Krämpfe der Endglieder kennzeichnet.
+Symptome.+ Der Anfall tritt ganz plötzlich mit Erbrechen und Abführen ein, wird von starken, kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden und im Magen begleitet, dem große Angst folgt. Die Entleerungen der Eingeweide bestehen in Koth und später aus einer wässerigen, galligen Masse; jeder Entleerung gehen heftig kneipende und schneidende kolikartige Schmerzen, besonders in der Nabelgegend voraus und begleiten dieselbe; in den Zwischenräumen der Entleerungen ist Uebelkeit und Unbehagen des Magens und in der Regel großer Durst vorhanden; Flüssigkeiten, sobald sie der Patient zu sich genommen hat, werden wieder erbrochen. Wird der Krankheit nicht rechtzeitig Einhalt gethan, so dehnen sich die Krämpfe auf Arme und Hände aus, die Endglieder werden kalt, der Puls wird schwach, die Gesichtsfarbe bleich, die Augen fallen ein, kalter klebriger Schweiß bricht aus und der Tod tritt ein.
+Ursachen.+ Sonnenhitze, besonders wenn die Tage heiß und die Abende kühl sind, plötzlicher Wechsel der Luft, ungehörige Substanzen im Magen, wie unreife Früchte, Säuren, Hummern (~Lobsters~), Melonen, Gurken, Jähzorn.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Man mache ein großes Senfpflaster über der Gegend des Magens und der Leber und gebrauche gleichzeitig folgende Mischung:
Ammoniak (~Ammonia~) 1 Drachme. Magnesia 1 „ Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser 4 Unzen.
Wenn die Diarrhöe sehr stark ist oder der Zustand hat schon eine Zeitlang angehalten, füge dem Obigen noch zwei Drachmen Paregoricum (~Paregoric~) bei. Dosis: Alle 20 Minuten einen Theelöffel voll; bei jedesmaligem Einnehmen schüttele man die Mischung gehörig um.
Flanelle, in einer heißen Abkochung von Mohnköpfen (~Poppies~) und Kamillenblüthen (~Chamomile flowers~) getränkt und über den Magen und die Eingeweide gelegt, wird in einigen Fällen entsprechen.
Das aus Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) zusammengesetzte Pulver kann in Dosen von einem Theelöffel voll alle halbe Stunden, bis sich Uebelkeit und Erbrechen einstellen, gegeben werden; ist es nothwendig, füge jeder Dosis noch 5 bis 10 Tropfen Laudanum bei. Der Patient sollte viel und öfters warmes Wasser und Leinsamenthee trinken, was den Magen und die Eingeweide gehörig auswäscht. Ein Umschlag aus Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet, von jedem einen Theelöffel voll, Mehl mit Branntwein angefeuchtet, einen Eßlöffel voll, bestehend, wird in einigen Fällen dienlich gefunden werden.
Auch entspricht zuweilen folgendes:
Morphium (~Morphine~) 1 Gran. Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 30 Grane. Versüßte Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur 1 Unze.
Mische es. Dosis: Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein gutes Mittel, sowohl den Magen in Ordnung zu bringen als auch den Durchfall einzuhalten, besteht in
Gemahlenem schwarzem Pfeffer (~Ground black pepper~) 1 Eßlöffel voll. Tischsalz 1 „ Warmem Wasser ½ Bierglas voll. Cideressig ½ „
Dosis: Nimm nach einigen Minuten einen Eßlöffel voll. Rühre es um und mische es gehörig, bis das Ganze genommen ist.
Warme Thees von Katzenmünze (~Catnip~), oder Wasserdost (~Boneset~) mögen hin und wieder angewendet werden, um Erbrechen hervorzubringen; nachdem das Erbrechen eine Zeitlang angehalten hat, lege man ein großes Senfpflaster über den Magen und die Eingeweide und gebe den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) alle halbe Stunden in Dosen von einem Eßlöffel voll. Hierauf mag in einigen Fällen Paregoricum (~Paregoric~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz und Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~), von jedem einen Eßlöffel voll, Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur ein halbes Pint, angewendet werden. Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll bis Erbrechen und Durchfall aufgehört haben. Pfeffermünz- (~Peppermint~) Thee mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus wird den Magen hin und wieder beruhigen.
Füße und Arme sollten in warmem Saleratuswasser gebadet und eine warme Bähung von Hopfen und Essig auf die Eingeweide gemacht werden. Nachdem die Kraft der Symptome gebrochen, mag eine starke Abkochung von gebranntem Korn mit Vortheil verwendet werden. Ebenso ist auch eine starke Abkochung von Brombeerwurzel (~Black berry root~) mit Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet (~Cinnamon~) gut. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theetassenkopf voll. Auch gebrannter Rhabarber ist ein ausgezeichnetes Mittel.
=Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Besonders bei heftigem Erbrechen kann zu Anfang eines Anfalles abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden. Wenn bei heftigem Schmerz in den Eingeweiden häufige und schwache Entleerungen mit Drängen nach Unten stattfinden, gebe man ~Nux Vomica~ abwechselnd mit ~Ipecacuanha~.
~Arsenicum.~ -- Heftige Diarrhöe einer wässerigen, galligen, schleimigen, grünlichen oder schwärzlichen Masse, große Hinfälligkeit, kalte Endglieder, heftiger Durst; Zunge und Lippen trocken, aufgesprungen, bräunlich; ein brennendes Gefühl in der Magengrube. Kann abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.
~Veratrum.~ -- Bei denselben Symptome wie ~Arsenicum~, verbunden mit Wadenkrämpfen, blasse Gesichtsfarbe, große Hinfälligkeit, Zusammenschrumpfen der Haut.
~Colocynthis.~ -- Heftige Kolik, gleichsam als ob die Eingeweide zwischen zwei Steine eingeklemmt wären, Erbrechen einer grünlichen Masse, krampfartiger Schmerz, Zusammenziehen der Eingeweide mit schneidenden Schmerzen, wie von einem Messer herrührend.
~Cuprum.~ -- Wenn starke Gliederkrämpfe, Krämpfe in den Fingern und Zehen vorhanden sind.
~China.~ -- Wenn der Anfall die Folge von Unverdaulichkeit; ebenso gegen die Schwäche nach einem starken Anfall.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 30 Minuten, der Strenge des Anfalles angemessen, einen Theelöffel voll. Wenn nach mehreren Dosen noch keine Linderung verspürt wird, wähle man ein anderes Heilmittel. Die Zwischenräume zwischen den Dosen sollten mit dem Besserwerden des Kranken verlängert werden. Die Kost möge aus Stoffen wie Haferschleim bestehen und kaltes Wasser verwende man zum Trinken. Vorsichtig müssen alle Gemüse sowie alle Stoffe, die nicht mit dem Zustande des Magens übereinstimmen, vermieden werden.
Asiatische Cholera (~Cholera Asiatica~)
ist eine der gefährlichsten Krankheiten.
+Symptome.+ Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.
Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen, dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer Durst ist vorhanden.