Part 25
Engbrüstigkeit ist ein Lungenübel, welches dadurch gekennzeichnet wird, daß der Kranke krampfhaften Anfällen von Schwerathmigkeit ausgesetzt ist, wobei das Athemholen einen keuchenden, schnarrenden Ton verursacht. Die Anfälle treten gewöhnlich bei Nacht ein. Es gibt zwei hauptsächliche Arten des Asthmas, nämlich das nervöse, krampfhafte (~dry, nervous or spasmodic~) und das feuchte, schleimige Asthma. Das erstere überfällt den Patienten plötzlich und tritt sehr heftig auf; die Brust wird zusammengezogen; leichter Husten mit nur wenig Auswurf. Die andere Art, das feuchte, schleimige Asthma (~humid or moist asthma~) tritt allmählig mit Schwerathmen, heftigem Husten und vielem Auswurf ein.
+Symptome.+ Vor dem Anfall verspürt der Patient gewöhnlich eine Art Vollsein in der Magengegend mit Schläfrigkeit, Schwäche, Kopfweh und Uebelkeit. Ueber die Brust fühlt er sehr beengt, athmet schwer und sein Athmen bringt einen keuchenden Ton hervor. Die Anfälle treten gewöhnlich des Nachts ein, nachdem der Betreffende zu Bett gegangen ist. Oft wird er nach dem Husten von so bedrückendem Gefühl heimgesucht, daß er sich an ein offen stehendes Fenster flüchten muß, um frische Luft zu schöpfen. Das Athmen ist schwerfällig und langsam, das Gesicht purpurartig gefärbt und aufgeblasen, oder blaß und eingefallen; die Zunge ist belegt und der Körper mit kaltem Schweiß bedeckt; die Füße sind kalt, der Puls schwach, der Patient hat Herzklopfen und erbricht sich manchmal. Diese Symptome dauern mehrere Stunden, und des Morgens wird der Kranke ziemlich wohl fühlen, obgleich die Beengung über die Brust und das Schwerathmen nicht weichen, so daß Zeichen für die Wiederholung des Anfalls vorhanden sind, die öfters dann auch des Abends eintritt.
+Ursachen.+ -- Engbrüstigkeit mag von einer Zusammenziehung der Muskel-Fibern der Luftröhre herrühren und durch Erkältung, feuchte Luft, plötzliche Witterungsveränderung, das Einathmen ungesunder, störender Dünste oder staubiger, rauchiger Luft, heftige geistige Aufregung, übermäßige Anstrengung &c. verursacht werden.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~) ist gegen diese Krankheit das hauptsächlichste Heilmittel. Auch kann Senf -- ein Theelöffel voll eine Dosis -- gegeben werden, falls Lobelia nicht beschafft werden kann. Das folgende hat nicht allein schon öfters den Krampfanfällen Einhalt gethan, sondern auch die Kur bezweckt:
Lobeliasame (~Lobelia seed~) 1 Unze. Stinkkohl (~Skunk cabbage balls~) 1 „ Preiselbeerrinde (~High cranberry bark~) 2 Unzen. Stechapfelsame (~Stramonium seed~) ½ Unze. Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) ½ „ Alcohol 5 Pinten.
Mische diese und lasse die Mischung zwei Wochen lang stehen, während welcher Zeit dieselbe oft geschüttelt werden muß. Dosis: Von 20 zu 60 Tropfen dreimal des Tages oder während der Anfälle so oft als nöthig ist.
Pulverisirtes Alaun (~Powdered alum~) -- ein Theelöffel voll mit Molasses, welche Dosis alle 15 Minuten so lange wiederholt wird, bis das Mittel wirkt, ist eine erfolgreiche Medizin.
Gebraucht man getrocknete Lobeliablätter, so sollte eine Unze derselben in einem Pint Wasser erweicht und dem Patient alle 15 Minuten ein Eß-Löffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt.
Auch leistet Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) in Theelöffel-Dosen -- alle halbe Stunde zu geben, oft gute Dienste.
Ein sehr wirksames Mittel ist ein mit 30 Tropfen Laudanum in einem Weinglas voll Wasser vermischter Theelöffel voll Aether (~Ether~). Dieses Mittel sollte aber blos alle 4 oder 6 Stunden gegeben und nicht mehr als zwei Dosen sollten hintereinander verordnet werden.
Gegen das krampfhafte Asthma hat man folgendes empfohlen:
Tauche unglasirtes Papier in Salpeterauflösung und lasse das Papier 15 oder 20 Minuten lang in derselben; sodann falze und trockne dasselbe in einem Backofen und bewahre es zum Gebrauch auf. Sobald der Anfall eingetreten, zünde das eine Ende des Papiers in dem Zimmer des Patienten, das wohl verschlossen sein muß, an, damit er den durch das Verbrennen entstehenden Rauch einathmet.
Oefters schafft ein starkes, auf Brust und Magen gelegtes Senfpflaster Linderung. Das folgende wird empfohlen:
Aether, Castor-Tinktur und Opium-Tinktur, von jedem 1 Unze. Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll, so oft die Symptome dazu veranlassen. Treten die Anfälle zu bestimmter Zeit ein, so wird das folgende gut empfohlen:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Skrupel. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 1 „ Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 6 „ Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 20 „
Mische und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: eine Pille drei- oder viermal des Tages. Manchmal wird Linderung verschafft, indem der Patient Stechapfelblätter raucht.
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Personen mit sanftem Temperament, heller Hautfarbe, hellen Haaren und Augen, und wenn das Asthma durch Unterdrückung des Hautausschlags, oder Unterdrückung oder Störung der Menstruation, oder durch Einathmung von Schwefeldunst verursacht wurde. Die Symptome sind -- kurzes, erstickungsartiges und schwieriges Athmen, dicht belegte Zunge, widerlicher Geruch des Athmens, bleiches und oft geröthetes Gesicht, krampfhaftes, aber nicht bedeutendes Zusammenziehen der Brust, kurzer krampfhafter Husten, Uebelkeit, Schmerz im Vorderkopf.
~Ipecac.~ -- Nächtliche Erstickungsanfälle und krampfhafte Zusammenziehung des Halses, durch Schleimansammlung verursachtes Röcheln, kurzer, trockener Husten, große Aengstlichkeit, Todesfurcht, Erregung, kalte Gliedmaßen, Herzklopfen, Uebelkeit, Erbrechen.
~Arsenicum.~ -- Schwerathmen nach dem Essen und Druck in der Brust, Verschlimmerung durch Bewegung, wenn der Patient z. B. geht, eine Treppe steigt, lacht &c., Brustzusammenziehung, Brennen im Magen, Uebelkeit und Erbrechen, entweder blasses oder geröthetes Gesicht, schmerzhaftes Brennen im Hals.
~Nux vomica.~ -- Druck und Zusammenziehung in der Brust, Verschlimmerung der Symptome bei Nacht oder nach dem Gehen oder Essen, oder wenn der Patient liegt. Hitze und Brennen in der Brust, Herzklopfen, kurzer, trockener, krampfhafter Husten, Sodbrennen.
~Lobelia.~ -- Wenn dem Anfall ein Prickeln im ganzen Organismus entweder vorangeht oder dasselbe während des Anfalls vorhanden ist; kurzes, röchelndes, ängstliches Athmen, Uebelkeit und Erbrechen, Schwindel und Kopfweh, krampfhafter Husten, Zittern der Gliedmaßen, kalte Schweiße.
~Phosphorus.~ -- Wenn die Engbrüstigkeit sich Abends oder während sich der Patient Bewegung macht, verschlimmert; Blutandrang in der Brust, mit Stechen, Vollheit oder Hitze im Halse und Herzklopfen.
~Tartar emetic.~ -- Für ältere Personen und Kinder, namentlich wenn Abends fürchterliche Erstickungsanfälle mit Röcheln und Keuchen in der Brust eintreten. Kann abwechselnd auf ~Phosphorus~ gegeben werden.
~Belladonna.~ -- Blutandrang in den Lungen, Stiche unter dem Brustbein, Vollheit in der Brust, nächtlicher trockener Husten; manchmal tiefes und dann wieder schnelles, kurzes Athmen, Erstickungsgefühl mit Verlieren des Bewußtseins.
~Aconitum.~ -- Für leicht erregbare, empfindsame Personen, und wenn das Asthma leicht durch geistige Erregung verursacht wird.
~Bryonia.~ -- Wenn das Uebel durch Bewegung und des Nachts schlimmer wird; Schmerzen in der Brust. Mag auf ~Ipecac~ folgen.
~Coffea.~ -- Wenn durch plötzliche Freude hervorgerufen; kurzer, trockener Husten.
~Opium.~ -- Erstickungshusten mit blaurothem Gesicht, tiefes, röchelndes Athmen; namentlich wenn durch Furcht verursacht.
~Ignatia.~ -- Wenn durch Furcht oder Entrüstung verursacht; namentlich für Frauenzimmer; Mangel an Luft beim Gehen, beim Ruhen, Husten.
~Spongia.~ -- Mangel an Luft, Erstickungsanfälle auf jegliche Bewegung, Hitze im Gesicht, Blutandrang nach Brust und Gesicht.
~Veratrum.~ -- Erstickungsanfälle beim Aufstehen und während des Gehens; mag ~Ipecac~, ~Arsenicum~ oder ~China~ folgen.
Andere Heilmittel sind ~Cocculus~, ~Chamomilla~, ~Cuprum~, ~Lachesis~ und ~Silicea~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der gewählten Arznei in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle halbe, alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, je nach der Heftigkeit der Symptome. Bei chronischen Fällen gebe einen Theelöffel voll zweimal des Tages, bis Besserung erfolgt. Mittelst nasser Tücher und Binden mag man auf Brust und den Unterleib während der Nacht Wasser appliziren. Hierdurch wird manchmal dem Anfall vorgebeugt. Der Kranke sollte sich öfters in kaltem Wasser waschen und sich Bewegung in frischer Luft machen.
+Kost.+ Personen, die mit Asthma behaftet sind, dürfen weder Kaffee, noch Fleisch, noch fettige Speisen genießen, sondern müssen leichte aber nahrhafte Nahrungsmittel wählen.
=Allöopathisch.= Das folgende ist empfohlen:
Jod (~Iodine~) 6 Grane. Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) 12 „ Brechwurz-Tinktur (~Tincture of Ipecac~) 1 „ Tolubalsam-Tinktur (~Tincture of Balsam of Tolu~) 6 Drachmen. Aetherische Schierling-Tinktur (~Ethereal tincture of conium~) 1½ „ Alcohol ½ Pint.
Mische es. Dosis: ein bis zwei Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten in etwa einem Gill heißen Wasser einzuathmen. Zur selben Zeit gebrauche das folgende:
Jod-Kalium (~Iodide of Potassium~) 1 Drachme. Sarsaparillasyrup 4 Unzen.
Mische es. Dosis: zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.
Das folgende ist manchmal ausgezeichnet:
Lobelia-Tinktur und Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~), eine halbe Unze von jedem.
Mische es. Dosis: einen halben Theelöffel voll jede halbe Stunde, bis Uebelkeit und Auswurf erfolgt.
Tabakrauchen oder das Rauchen der Stechapfelblätter wird in manchen Fällen ganz besonders empfohlen, sowie das Einathmen der Luft, in welcher Papier verbrannt wurde, das in Salpeterauflösung getaucht worden.
Brustwassersucht (~Dropsy of the Chest -- Hydrothorax~).
Brustwassersucht wird durch Wasseransammlung in der Brust gekennzeichnet. Die Krankheit mag allein oder in Verbindung mit Wassersucht überhaupt vorkommen. Sie wird gewöhnlich durch irgendwelche vorhergehende Störung in den Lungen, im Herzen oder im Brustfell, oder der das Herz umgebenden Haut verursacht. Diese Krankheit sollte von einem tüchtigen Arzte behandelt werden.
+Symptome.+ Große Schwierigkeit beim Athmen, was bei Anstrengung oder während der Nacht sich noch verschlimmert. Der Patient kann nicht auf der von der Krankheit noch nicht erfaßten Seite liegen; schmerzhafter Druck in der Brust, bleiches, manchmal purpurrothes Gesicht, öfters Frösteln, kurzer, trockener Husten, Schwere in der Magengrube, Herzklopfen, unruhige Träume, von welchen der Kranke mit einem Gefühl, als müßte er ersticken, aufwacht. Manchmal findet sich in beiden Armen eine Art Gefühllosigkeit; die Augen sind starr, die unteren Augenlider sind häufig geschwollen, der Hals ist trocken. Mit der Vermehrung des Wassers verschlimmern sich die Symptome, und der Patient muß endlich in aufrechter Stellung verbleiben; die Hände, Arme und Füße schwellen an und werden kalt, Schläfrigkeit und Delirium treten ein und der Tod mag, verursacht durch einen Schlaganfall, plötzlich erfolgen; oder der Kranke mag nach und nach an Erstickung sterben.
+Ursachen.+ Erkältung, Verletzungen, Herz-, Leber- oder Magenkrankheiten, unmäßiger Genuß geistiger Getränke &c.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Blasse, kränkliche Gesichtsfarbe, Wangen, Lippen und Augenlider schlaff und aufgedunsen, trockener Mund und Zunge, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwerathmen während des Gehens und nach dem Niederlegen, beängstigender Druck in der Brust, Brennen und Summen in den Ohren und im Kopfe, Appetitlosigkeit, Träume, Störung im Schlaf, Frösteln.
~Apis Mellifica.~ -- Schwieriges und ängstliches Athmen, Schmerz und Empfindsamkeit im Unterleib, welcher durch Druck heftiger wird, die Symptome verschlimmern sich, wenn der Patient niederliegt. Dies ist ein sehr werthvolles Mittel gegen diese Krankheit.
~Digitalis.~ -- Zu gebrauchen, wenn Brustwassersucht von Herzkrankheit herrührt.
Andere Mittel sind: ~Bryonia~, ~China~, ~Hellebore~, ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Apocynum~ und ~Cannabis~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei, drei oder vier Stunden, je nach den Symptomen.
=Allöopathisch.= Man sollte die Brust mit Jod-Tinktur (~Tincture of iodine~) überstreichen und die Wundheit zu erhalten suchen.
Das folgende Abführungsmittel möge verordnet werden:
Pulverisirter Gummi Cambaja (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Elaterium 2 „ Castoröl 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
Mische und bereite 12 Pillen. Dosis: eine Pille alle Stunde, bis die Arznei wirkt.
Oder dieses:
Pulverisirte Jalappe (~Powdered jalap~) 12 Grane. Cremor Tartari 2 Drachmen.
Mische es. Auf einmal in Syrup oder Molasses zu nehmen.
Zu gleicher Zeit nehme das folgende:
Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~) 4 Unzen. Essigsaures Kali (~Acetate of potash~) 2 Drachmen. Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 „ Zimmetwasser 1½ Unzen.
Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei oder vier Stunden.
Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in folgender Weise verordnet, ist ein ausgezeichnetes Mittel.
Jod-Kalium 1 Unze. Flüssiger Pipsissewa-Extrakt 2 Unzen. Wasser ½ Pint.
Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden.
Jod-Kalium kann auch allein in Dosen von fünf oder sechs Granen verordnet werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn (~Dandelion~) wird gegen diese Krankheit empfohlen, und sollte dieses Mittel folgendermaßen zubereitet werden:
Man wasche die Wurzeln, schleiße so viele derselben als man in beide Hände nehmen kann und koche sie zwei oder drei Stunden in siedendem Wasser. Während des Tages sollten zwei oder drei Tassen voll der Abkochung getrunken werden. Auch der Ginster (~Broom~) ist ein werthvolles Heilmittel. Man gebraucht die grünen Enden der Pflanze, indem man eine Hand voll derselben mit einem Pint kochenden Wasser überschüttet und das betreffende Gefäß mehrere Stunden lang nahe bei dem Feuer stehen läßt. Dosis: Eine Theetasse voll zweimal des Tages. Hie und da sollte, um den Stuhlgang in Ordnung zu halten, eine Dosis Bittersalz oder Cremor Tartari verordnet werden. Das Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in Dosen von fünf oder sechs Granen wird sehr empfohlen. Ebenfalls wird gesagt, daß die Rinde der Weinrebe wunderbare Kuren bewirkt habe. Die Rinde wird zu Asche verbrannt und ein Theelöffel voll derselben in einem Weinglas voll oder mehr Catawbawein dreimal des Tages gegeben. Die Dosen sollten je nach Umständen vermindert oder vermehrt werden. Einen vom Patienten beständig zu gebrauchenden Trank bereitet man wie folgt:
~Hair-cap moss~ 2 Unzen. Zwerg-Flieder Rinde (~Dwarf elder bark~) 1 Unze. Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „
Bereite einen starken Aufguß und nehme ein halbes bis ein Weinglas voll alle Stunden, oder wenn immer der Kranke durstig ist.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Rezept:
Senf ½ Unze. Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „ Rosenrothe Apocynum-Wurzel (~Milkweed root~) 1 „ Meerrettig (~Horse-radish root~) 1 „ Schwarze Flieder-Rinde (~Black elder bark~) 1 „ Alraun- (auch Schlafapfel-) Wurzel (~Mandrake root~) 1 „ Zwerg-Flieder Wurzel oder Rinde (~Dwarf elder root or bark~) 1 „ Bittersüßwurzel-Rinde (~Bitter sweet bark from the root~) 1 „
Presse dieses und füge eine Gallone gegohrenen Cider hinzu. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des Tages vor dem Essen.
Auszehrung (~Consumption, Phthisis Pulmonalis~).
Unter Auszehrung versteht man im Allgemeinen die Abnahme des Körpers aus irgend einer Ursache; gewöhnlich aber gebraucht man den Namen nur mit Hinsicht auf die Lungenauszehrung, die durch die Erkrankung der Lungen verursacht wird.
+Symptome.+ -- Die gewöhnlichen Symptome sind Husten, Brustschmerzen, Fieber, heiße Hände, Füße und Wangen, Veränderung der Stimme, gekrümmte Nägel, Ausfallen des Haares &c.
Anfänglich ist der Husten trocken und leicht und tritt öfters nur des Morgens nach dem Aufstehen oder bei irgend einer Anstrengung ein; Schwerathmen, dünner oder schaumiger, dem Schleim ähnlicher Auswurf. Mit dem Fortschritt der Krankheit verursacht das Athmen mehr Schwierigkeit und der Husten wird heftiger und schmerzhafter, die Haut ist roth und heiß, in dem Innern der Hand und öfters auch auf den Fußsohlen, verspürt der Patient ein brennendes Gefühl, der Appetit ist verschieden und der Patient in dieser Hinsicht launisch, der Stuhlgang unregelmäßig. Bei noch weiterem Fortschritt der Krankheit wird der Husten immer heftiger und das Athemholen schwieriger; gegen Abend tritt öfters Frösteln ein, während bei Nacht die Haut heiß ist und sich gegen Morgen Schweiß zeigt, das Gesicht ist gegen Abend bedeutend geröthet, der Appetit verliert sich, die Gesichtszüge sind scharf, in der Brust fühlt der Kranke eine Zusammenziehung und Druck und öfters auf beiden Seiten Schmerz. In diesem Stadium tritt häufig Lungenbluten ein, oft auch hartnäckige Diarrhöe und der Kranke leidet von Schmerz in den Gedärmen, hektischem Fieber und Durst. Je mehr sich die Krankheit entwickelt, desto mehr verschlimmern sich die Symptome. Der Husten hört beinahe nie auf und ist sehr schmerzhaft, die Gesichtszüge werden sehr scharf, die Augen sind eingesunken, das Haar fällt aus, die Nägel stehen einwärts gebogen, die Stimme wird schwach und heiser, Füße und Aenkeln schwellen an und der Patient stirbt allmählig an Erschöpfung, oder an plötzlichem Blutandrang in den Lungen, oder am Lungenbluten, oder aus anderen Ursachen.
+Ursachen.+ -- Diese Krankheit ist gewöhnlich erblich. Andere Ursachen -- alles was überhaupt den Körper schwächt und einen geschwächten Zustand des Organismus hervorruft, z. B. große Aengstlichkeit, Trauer, Enttäuschung, übermäßige Anstrengung, Befriedigung der Leidenschaften, zu frühe Geistesanstrengung, Wohnen in feuchten, nicht gelüfteten Zimmern, festes Schnüren und Gebrauch ungeeigneter Medizinen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die Kost muß bei der Behandlung bedeutende Berücksichtigung finden und sollte die Nahrung kräftig und leicht verdaulich sein. Ochsenfleisch sollte allen anderen Fleischspeisen vorgezogen und halb gar (~rare~) genossen werden; auch sind Hammelfleisch, junges Geflügel, mürbes Wildpret, weichgekochte Eier, Milch, Bier und Fisch zulässig. Leichte Mahlzeiten sind jederzeit besser, als wenn der Patient zu viel ißt. Als Getränk mag Milch, Wasser, Thee oder Cocoa gebraucht werden. Der Kranke sollte sich oft Bewegung im Freien machen, wozu das Reiten sehr dienlich ist; jedoch darf er bei dieser Bewegung nie erschöpft werden. Sehr dienlich ist es, wenn man Brust und Schultern täglich mit Essig und Wasser wäscht oder besprengt, wobei die Flüssigkeit anfänglich warm zu machen ist, nach und nach gebraucht man sie etwas kälter, bis sie endlich ganz kalt in Anwendung kommen kann. Das Schlafzimmer sollte groß und gut ausgelüftet sein. Der Kranke darf weder der Kälte noch plötzlichem Witterungswechsel bloßgestellt werden. Auf der Brust sollte er Baumwollen- oder Wollenstoffe oder Pelzwerk tragen. Der Aufenthalt in mildem Klima ist dem in irgend einem andern vorzuziehen. Man sagt, daß New Mexiko oder das nördliche Texas den Auszehrenden am besten zusagt; sowie auch Minnesota, Florida und Cuba. In Europa suchen die Auszehrenden Pau und Biarritz in Frankreich, oder Malaga, Malta, Sorrento, Palermo, Algier und Madeira auf.
=Allöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) ist bei der Behandlung der Auszehrung sehr werthvoll, und manchmal wird der Patient, wenn er dieses Mittel im ersten Stadium der Krankheit nimmt, kurirt, während es in den folgenden Stadien Linderung verschafft. Es hilft der Verdauung nach und verschafft dadurch dem Kranken Körperkraft und Muskelzulage; es mildert den Husten, sowie alle die gewöhnlichen Symptome. Ein Theelöffel voll Oel dreimal des Tages ist eine Dosis. Das folgende ist eine der Art und Weisen, wie man dieses Mittel verordnen kann:
Leberthran (~Cod liver oil~) 2 Unzen. Ingwer-Syrup 2 „ Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of gum arabic~) 2 „ Nelkenöl (~Oil of cloves~) 6 Tropfen.
Mische.
Oder:
Citronensaures Ammoniak (~Citrate of ammonia~) 10 Grane. Eisen 10 „ Chinin (~Quinine~) 10 „ Leberthran 2 Unzen. Glycerin 2 „
Mische.
Dieses kann in Porter- oder Ale-Schaum oder nachdem man den Mund mit Brandy ausgespült hat, was auch nach dem Einnehmen der Dosis geschehen kann, genommen werden. Manchen schmeckt diese Arznei angenehmer, wenn man sie salzt.
Mit diesem Heilmittel sollte man mehrere Monate oder selbst Jahre lang fortfahren, wenn die Krankheit nicht vorher überwunden wird. Alkohol enthaltende Getränke, Ale und Lagerbier werden empfohlen. Diese Stimulanten sollten in kleinen Quantitäten genossen werden, etwa zwei oder drei Löffel voll Branntwein oder ein halbes Glas voll oder weniger Wein, oder ein halbes Glas voll Ale oder Bier. Man trinke diese Quantität zwei- oder dreimal des Tages.
Kleien- oder Senfaufschläge werden die Schmerzen in der Brust lindern. Dr. Ira Warren von Boston empfiehlt gegen den Husten das “~Pulmonic Cherry Cordial~,” welches große Dienste leisten soll und folgendermaßen zubereitet wird: