Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 24

Chapter 243,101 wordsPublic domain

+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen Symptomen des Fiebers, wie Frösteln, Hitze, Trockensein der Haut, Durst und geröthetes Gesicht. Dem folgt ein fliegendes, unvollkommenes Athmen und heftige spießende Schmerzen in der Gegend des Herzens. Diese Schmerzen erstrecken sich zuweilen bis zu den Schultern und werden durch Bewegung oder durch Sitzen erhöht; es ist ein Gefühl von Vollsein und Beklemmung in der Brust vorhanden, Herzklopfen nach der geringsten Bewegung; der Herzschlag ist heftig und unregelmäßig, kurzer, trockener Husten, Athem sehr schnell und schwierig, das Gesicht ist hager und ein Ausdruck von großem Leiden spiegelt sich darauf; die Zunge ist weiß belegt und die Eingeweide sind verstopft. Der Kranke liegt am liebsten ruhig auf dem Rücken und zuweilen treten Delirium und Ohnmachten ein.

+Ursachen+ -- dieser Krankheit bestehen in der Regel in Erkältung, Wunden, Schlägen, Angst oder großer Demüthigung; häufig ist sie auch die Folge eines heftigen Rheumatismus oder der Gicht.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Zur Hervorbringung von Schweiß sollte alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll von der zusammengesetzten Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) und gleichzeitig ein warmer Aufguß der Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel gegeben werden; damit sollte zwei bis drei Stunden oder auch länger angehalten werden, bis Linderung eintritt. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man die zusammengesetzte Jalappenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of jalap~) und füge jeder Dosis 10 Grane Cremor Tartari (~Cream of tartar~) bei. Auch lege man Senfpflaster auf die Füße, über die Brust in der Gegend des Herzens und ebenso auf den Rückgrat. Bewältigt diese Kur die Krankheit nicht, so sollten mehrere Male des Tages warme Bäder in Laugenwasser genommen werden, gleichzeitig gebe man folgendes:

Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen. Eisenhut-Wurzel (~Tincture of aconite root~) 1 Drachme.

Mische es und gebe davon 15 bis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der Kranke Linderung darnach verspürt. Zur Auftrocknung der Flüssigkeit innerhalb des Herzens ist ein Aufguß von Haarmoos (~Haircap moss~) sehr dienlich. Gegen Unruhe, Mangel an Schlaf, mögen 8 bis 10 Grane des zusammengesetzten Pulvers von Brechwurz (~Ipecac~) und Opium gegeben werden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte bei jedem Falle zuerst gegeben werden. Ebenso ~Bryonia~ bei stechenden Schmerzen in der Brust, durch Athmen und Bewegung erhöht, sehr schnellem und schmerzhaftem Athem, trockenem, krampfartigem Husten, scharfem Schmerz, der sich bis zwischen die Schultern und rückwärts bis zwischen die Schulterblätter erstreckt.

~Digitalis.~ -- Scharfes Stechen und zusammenziehender Schmerz in der Gegend des Herzens, Herzklopfen durch Sprechen, Bewegung oder Niederlegen verursacht, ein beängstigendes und beklemmendes Gefühl in der Brust, häufige Anwandlungen von Ohnmacht, allgemeine Schwäche, unbehagliches Gefühl auf der linken Seite der Brust, das sich häufig bis zu den Schultern und Armen ausdehnt. Andere Mittel sind: ~Nux Vomica~, ~Cocculus~, ~Arsenic~, ~Pulsatilla~ und ~Cannabis~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde, oder alle zwei, drei bis vier Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Wenn der Kranke von starkem, kräftigem Körperbau ist, so müssen beim Beginn der Krankheit Aderlässe gemacht werden; ist aber der Patient schwächlich, so mögen statt dessen Blutegel in der Gegend des Herzens angesetzt werden. Zuerst gebe man sodann eine Dosis Bitter- oder Rochellesalz (~Epsom or Rochelle salts~) oder auch citronensaure Magnesia (~Citrate of magnesia~) und lasse diesem Calomel (~Calomel~) und Opium -- von jedem ½ Gran -- folgen. Dreimal des Tages eine Dosis. Wo Rheumatismus die Ursache ist, gebe man folgendes.

Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~) 2½ Drachmen. Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~) 2½ „ Wasser 8 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll. Wenn das Fieber zunimmt, kann ein Pflaster über das Herz gelegt werden. Doverische Pulver (~Dover’s powder~) sind bei Unruhe des Nachts anzuwenden.

Herzklopfen.

Dies ist ein Leiden, das als ein Symptom einer organischen Krankheit des Herzens betrachtet, oder das einer allgemeinen Nervenschwäche, Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) oder irgend einer anderen Krankheit zugeschrieben werden kann.

+Symptome.+ -- Eine erhöhte, stärkere und schnellere Thätigkeit des Herzens, ein sehr schneller Schlag und eine flatternde Bewegung, die, wenn man die Hand auf die Brust legt, deutlich gefühlt werden kann, ist vorhanden. Kurzathmigkeit, Gefühl von Schmerz in der Nähe des Herzens, ebenso ein Zusammenziehen quer über die Brust, blasses Gesicht, Schwierigkeit beim Niederlegen, sehr große Schwäche.

+Ursachen.+ -- Herzklopfen ist gewöhnlich die Folge von Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), oder irgend einer Störung der Verdauungsorgane, auch große geistige Aufregung, Unmäßigkeit, Nervenschwäche, übermäßige Studien, geschlechtliche Ausschweifungen &c.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Jemand, der davon befallen wird, sollte sich auf seinen Rücken legen und die Lungen durch tiefe Athemzüge mit Luft füllen. Personen, die damit behaftet sind, müssen ihre Aufmerksamkeit auf solche Dinge richten, welche Beschäftigung ohne geistige Erregung bieten, wie Musik, häusliche Verrichtungen, Zeichnen, Tanzen, Gärtnerei, Reden und heitere Gesellschaft. Die Kost muß geregelt werden und sollte nahrhaft aber nicht reizend sein. Starker Thee, Kaffee, Spirituosen und Tabak sind zu vermeiden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll sofortige Linderung gewähren:

Castor-Tinktur, Schwefel-Aether und zusammengesetzter Lavendel- (~Lavender~) Spiritus, von jedem eine Unze. Mische es.

Dosis: Alle fünf bis zehn Minuten einen Theelöffel voll, bis Linderung eintritt.

Fingerhut- (~Digitalis~) Tinktur, in Dosen von 10 bis 15 Tropfen, drei- bis viermal des Tages wird zuweilen von gutem Erfolg gefunden werden. Ist Magensäure vorhanden, so gebe man Magnesia, präparirte Holzkohle (~prepared charcoal~) oder kohlensaures Ammoniak. Branntwein oder andere Spirituosen mit ein wenig Cayennepfeffer wird zuweilen sofortige Linderung gewähren.

=Homöopathisch.= Wenn das Herzklopfen durch Schreck verursacht wurde, gebe man ~Opium~ oder ~Coffea~. Ist Furcht und Angst die Ursache, gebrauche man ~Veratrum~. Von plötzlicher Freude, ~Coffea~. Von Blutverlust oder andern Ausleerungen, ~China~, ~Phosphoric acid~, ~Nux Vomica~ oder ~Veratrum~. Trifft es nervöse Personen und hysterische Frauenzimmer, ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Chamomilla~, ~Cocculus~, ~Pulsatilla~, ~Lachesis~ oder ~Veratrum~. Bei Blutandrang, ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Phosphorus~, ~Opium~ oder ~Ferrum~. Bei Täuschung, ~Aconitum~, ~Ignatia~, ~Nux Vomica~ oder ~Chamomilla~. Bei jungen, heranwachsenden Leuten ~Aconitum~ oder ~Pulsatilla~, bei alten ~Arsenicum~ oder ~Lachesis~.

Leidet Jemand an zeitweiligem Herzklopfen, so sind folgende Mittel zu geben: ~Pulsatilla~, ~Arsenicum~, ~Lachesis~, ~Aconitum~, ~Phosphorus~, ~Aurum~ oder ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge des Anfalls angemessen, einen Theelöffel voll. Bei chronischen Fällen kann Morgens und Abends eine Dosis des gewählten Heilmittels gegeben werden. Werden die Kügelchen genommen, so gebe man 4 bis 6 auf eine Dosis.

=Allöopathisch.= Liegen dem Herzklopfen Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), Hysterie oder andere Krankheiten zu Grunde, so ist die Behandlung der Letzteren erforderlich. Bei Blutmangel gebe man folgendes:

Zusammengesetzte Chinarinden-Tinktur (~Compound tincture of peruvian bark~) 4 Unzen. Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 42 Grane. Citronensäure (~Citric acid~) 20 „

Löse die Citronensäure in der Tinktur und füge dann das citronensaure Eisen hinzu. Lasse die Mischung einige Tage stehen und seihe sie dann durch. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Dies kann durch mehrere Wochen fortgesetzt werden, bis Besserung eintritt. Mit Kampher getränkte Opium-Tinktur, in Dosen von einer Drachme gegeben, wird zuweilen Linderung gewähren.

Brustbeklemmung (~Breast Pang~ -- ~Angina Pectoris~)

ist eine schmerzhafte Nervenkrankheit und kennzeichnet sich durch einen starken Schmerz in der Gegend des Herzens, die Krämpfe herbeiführt. Sie sollte von einem Arzte behandelt werden.

+Symptome.+ Der Schmerz schießt von der Brust durch den Rücken und in die linke Schulter, zuweilen unter den Arm, und ist begleitet von großer Beängstigung, Herzklopfen und einem Gefühle von Erstickung. Das Gesicht wird todtenbleich, der Puls sinkt und die Oberfläche des Körpers ist mit kaltem Schweiße bedeckt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz über die ganze vordere Seite der Brust aus, steigt bis zum Kopf und erstreckt sich bis auf die Beine. Dem Patienten scheint es nicht selten, daß er nicht länger mehr leben kann, wenn nicht alsbald Linderung eintritt. Zuweilen endigen derartige Anfälle mit Verzuckungen und Ohnmachten. Der Anfall kann einige Minuten bis eine halbe Stunde oder auch länger dauern. In den Zwischenräumen der Anfälle ist der Patient in der Regel frei von jedem Schmerz.

+Ursachen.+ Zuweilen ist es einer zusammenziehenden oder krampfartigen Wirkung des Herzens zuzuschreiben und befällt jene, die an Rheumatismus, Gicht oder Schlagfluß leiden. Oefters hängt es auch von organischen Krankheiten des Herzens oder der Arterien ab. Die hervorragendsten Ursachen sind alles das, was die Circulation des Blutes beschleunigt, den Geist und Körper erregt, Husten, Anstrengung, Bergaufsteigen und irgend etwas, was die Verdauung stört.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Herzklopfen und große Beängstigung, Fieberhitze, besonders im Gesicht, schneller Herzschlag bei langsamem Puls, Stechen und drückende Schmerzen in der Gegend des Herzens, wie von einer schweren Last, der Patient kann aufrechtstehend nicht gut athmen.

~Belladonna.~ -- Herzklopfen bei unregelmäßigem Puls, große Beängstigung, Brustbeklemmung. Kann nach ~Aconitum~ oder vor ~Lachesis~ gegeben werden.

~Spigelia.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens, mit einem Gefühl von Erstickung und Brustkrämpfe durch Sitzen und Vorwärtsbeugen der Brust erhöht. Kann abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Herzklopfen und große Angst, Verdunklung des Blickes, schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf der linken Seite, Angst und brennender Druck im Herzen.

~Bryonia.~ -- Schwieriges Athmen in Folge von Stechen in der Brust, Herzklopfen und sehr starke Beklemmung. Mag nach ~Aconitum~ gegeben werden, wenn heftige rheumatische Gliederschmerzen sich nach dem Herzen gezogen haben.

~Arsenicum.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens bei großer Angst und Unruhe, große Hitze und Brennen in der Brust bei kalten Gliedern. In solchen Fällen gebe man es abwechselnd mit ~Veratrum~.

~Arnica.~ -- Stechen im Herzen von der linken nach der rechten Seite, Ohnmachtsanfälle, Zittern des Herzens mit einem Schmerz, als ob es zusammengedrückt würde.

~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Herzschlag, große Beängstigung mit einer Schwere auf der Brust, große Schwäche.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe oder ganze Stunde, bis Erleichterung eintritt, einen Theelöffel voll. Wenn nach Verlauf von 1 bis 2 Stunden keine Linderung eintritt, so wähle ein anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise. Ein Senfpflaster kann auf die Brust gelegt, die Füße müssen in heißem Wasser gebadet und der Kranke sollte wohl zugedeckt werden.

=Allöopathisch.= Ist der Puls stark und der Kranke vollblütig, sollte Aderlaß verordnet werden, aber bei Hinfälligkeit und allgemeiner Schwäche würde dies schädlich sein. Heißer Spiritus und Wasser, so heiß und so stark als er vertragen werden kann, kann gegeben werden, dem man eine volle Dosis Schwefeläther (~Sulphuric ether~), Belladonna-Tinktur und Laudanum oder flüchtiges Salz (~Sal volatile~) nachfolgen lassen kann. Der Kranke sollte ins Bett gebracht und ein heißes Senfpflaster oder ein Stück Flanell, mit gleichen Theilen Terpentinöl (~Spirits of turpentine~) und Ammoniak-Liquor (~Liquor of ammonia~) befeuchtet, auf die Brust gelegt werden, und zu gleicher Zeit gebe man 5 Grane Quecksilber (~Mercury~), dem man die zusammengesetzte Aloe-Tinktur (~Compound tincture of aloe~) 1 Unze, Jalappenwurzel-Tinktur (~Tincture of jalap~) 2 Drachmen und einen Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Unze, folgen läßt. Gegen Magenblähungen gebe man Pfeffermünz- oder Aniswasser. Bei Magensäure einen Theelöffel voll Soda in einem Glas voll Wasser, und wenn der Magen mit unverdauten Speisen angefüllt ist, so gebe einen Eßlöffel voll gemahlenem Senf (~Ground mustard~), in einem Tassenkopf voll heißen Wassers umgerührt. Um den Kranken zu beruhigen, mag ein Sechstel Gran Morphin oder das folgende gegeben werden:

Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) 2 Drachmen. Aether (~Ether~) 1 Drachme. Laudanum 20 Tropfen. Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 1 Drachme.

Mische es und gieb davon so oft als nöthig einen Theelöffel voll.

=Eclectische und Kräuterkur.= Gleiche Theile von Laudanum und Aether können zuerst gegeben werden, auf eine Dose einen Theelöffel voll in ein wenig kaltem Wasser. Ein Glas Spiritus und Wasser, so stark, als man es schlucken kann, mag gegeben werden. In einigen Fällen möge ein Senfpflaster auf die Brust gelegt und die Füße in warmes Wasser gestellt werden. Ebenso mag sich auch zusammengesetzte Virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of virginia snake root~), in Dosen von ein bis zwei Theelöffel voll, während des Anfalls immer nach einigen Minuten wiederholt, als zuträglich erweisen, oder gleiche Theile von Aether, Laudanum und Castor-Tinktur, in Dosen von einem Theelöffel voll.

Lungenbluten (~Bleeding from the Lungs~ -- ~Hæmoptysis~).

Beim Lungenbluten entleert sich hellrothes, oft schaumiges Blut aus den Lungen durch die Luftröhre, womit mehr oder weniger Husten und Räuspern verbunden ist. Lungenbluten kann man vom Magenbluten an der Farbe des sich entleerenden Blutes unterscheiden. Kommt dasselbe aus dem Magen, so ist dessen Farbe dunkelroth; auch ist die Quantität bedeutender und gewöhnlich mit andern Substanzen aus dem Magen vermischt.

+Symptome.+ Dem Lungenbluten geht gewöhnlich ein Druck in der Brust und Schwierigkeit des Athmens voraus. Das Gesicht ist erröthet, der Patient ängstlich, verspürt unter dem Brustbein Schmerz, Hitze oder Prickeln und im Mund einen salzigen, bitteren Geschmack. Ehe sich das Blut entleert, fühlt der Kranke im oberen Theile der Luftröhre Kitzeln, was Husten und Räuspern hervorruft und worauf die Blutaussonderung stattfindet. Das Bluten mag mit Frösteln und Schmerzen im Kreuz und Rücken, Müdigkeit in den Gliedern und vollem, schnellem Puls beginnen. Die Quantität des entleerten Blutes mag blos einige Tropfen oder so viel betragen, daß dadurch der Tod eintritt.

+Ursachen.+ Lungenbluten kann durch Herzkrankheiten oder dadurch, daß Blutgefäße in den Lungen geborsten, verursacht werden. Die fernerliegenden Ursachen sind -- heftige Anstrengung, übermäßig lautes Singen, das Einathmen störender Substanzen, eine enge, verkrüppelte Brust, die Unterdrückung gewöhnlicher Entleerung und Auszehrung.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Man bringe den Patienten ins Bett und lege ihn so, daß Kopf und Schultern nicht höher als die andern Körpertheile liegen, entferne die Kleider, damit dieselben den Kranken nicht am Athmen hindern, und halte das Zimmer gut ausgelüftet. Der Patient muß vollkommen ruhig liegen, und Körper wie Gliedmaßen so wenig als möglich bewegen, auch sollte er versuchen, den Husten zu unterdrücken, und man muß auf alle Weise vermeiden, daß er aufgeregt wird.

=Allöopathisch.= Ein voller Theelöffel voll Kochsalz verfehlt selten, dem Bluten eine Zeitlang Einhalt zu thun. Wiederholen sich die Anfälle, so kann man das folgende eingeben:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane. Opium ½ Gran.

Dies ist in einer Dosis zu geben und alle zwei, drei oder vier Stunden mehrere Tage hintereinander zu wiederholen. Eis und Alaun (~Alum~) jedes allein oder zusammen, mag man im Mund während der Dauer der Anfälle schmelzen lassen.

In manchen Fällen mögen, nachdem der Stuhlgang mittelst 3 oder 4 Grane Calomel geordnet ist, 15 bis 20 Tropfen verdünnte Schwefelsäure in Wasser drei- oder viermal des Tages, oder das folgende gegeben werden:

Pulverisirter Alaun (~Alum in powder~) 1½ Drachmen. Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion of roses~) 7 Unzen. Rosensyrup (~Syrup of roses~) 1 Unze.

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Leidet der Kranke viel von Hitze und Fieber, so verordne man folgendes:

Citronensäure 1 Drachme. Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) 4 Skrupel. Salpeter (~Nitre~) 2 „ Zimmetwasser 2 Unzen. Wasser 4 „

Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 4 oder 6 Stunden. Zur selben Zeit verordne man folgenden Trank:

Weinsteinrahm (lat. ~Cremor tartari~; engl. ~Cream of tartar~) ½ Unze; eine halbe Citrone, wobei auch der Saft der Schaale zu benutzen ist; genug Zucker, um diese Mischung zu versüßen und zwei Pinten kochendes Wasser. Rühre das Ganze zuweilen, bis die Masse kalt ist.

Ist der Patient schwach, so gebe man das folgende:

Galläpfelsäure (~Gallic acid~) 2½ Drachmen. Zimmtsyrup (~Syrup of cinnamon~) 4 Unzen.

Mische. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 2, 3 oder 4 Stunden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Man mag einen Theelöffel voll Kochsalz oder Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) verordnen und diese Dosis alle 20 oder 30 Minuten wiederholen, bis dem Bluten Einhalt gethan ist. Ist der Kranke unruhig und ruhelos und die Blutentleerung bedeutend, so verordne man das folgende:

Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 5 Grane. Brechwurz (~Ipecac~) 1 Gran. Opium ½ „

Dies ist in einer Dosis zu geben und man hat damit alle halbe, oder 1 oder 2 Stunden zu wiederholen. Man empfiehlt starken, aus virginischem Wolfsfuß, auch Wasserandorn (~Bugle weed~) bereiteten Thee, und der Kranke sollte, um eine Wiederholung der Blutungen zu verhüten, eine Pinte des Tages kalt trinken.

Können die oben angegebenen Mittel nicht beschafft werden, so gebrauche man folgendes:

Zimmt-Tinktur, Rhatania-Tinktur (~Tincture of rhatany~) und Terpentingeist; von jedem eine Unze.

Dosis: Einen Theelöffel voll so oft als es erforderlich ist.

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn den Anfällen ein Gefühl der Anfüllung in der Brust oder Blutandrang in der Brust vorangeht, mit brennendem Schmerz, Herzklopfen, Ruhelosigkeit und Aengstlichkeit beim Liegen, bleiches Gesicht, bedeutende Blutentleerungen, selbst dann, wenn der Husten nur unbedeutend ist.

~Ipecac.~ -- Häufiger, kurzer Husten, Blutgeschmack im Munde, Uebelkeit und Schwäche, mit Blut vermischte Schleimaussonderung.

~Arsenicum.~ -- Herzklopfen mit großer Aengstlichkeit, trockene Hitze.

~Opium.~ -- Namentlich für Personen geeignet, welche gerne Branntwein trinken und wenn der Patient schaumiges, dickes Blut ausspeit, der Husten ist schlimmer, nachdem der Kranke etwas verschluckt hat; Druck und Aengstlichkeit, schwache Stimme, Schläfrigkeit mit ängstlichem Auffahren, kalte Gliedmaßen, Hitze in der Brust.

~Nux Vomica.~ -- Ist nach ~Opium~ und ~Ipecac~ oder ~Arsenic~ zu gebrauchen, namentlich wenn den Kopf affizirender und durch Prickeln in der Brust verursachter Husten vorhanden ist, oder wenn die Blutung durch Erkältung oder Hartleibigkeit hervorgerufen wurde.

~China.~ -- Wenn der Patient viel Blut verloren, oder wenn der Husten heftig, trocken, hohl und schmerzhaft ist und der Kranke einen Blutgeschmack im Munde hat; Frösteln und abwechselnd Hitze, Schwäche, Ohnmachten und Augenschwäche.

~Ferrum.~ -- Mag nach ~China~ gegeben werden, wenn letzteres Heilmittel Linderung verschafft, aber immer noch ein leichter Husten mit etwas Blutspeien vorhanden ist, wobei sich hellrothes Blut entleert, und wenn der Kranke zwischen den Schulterblättern Schmerz fühlt und beim Athmen Schwierigkeit hat.

~Hyosciamus.~ -- Bei Nacht trockener Husten mit Blutspeien, öfteres plötzliches Erwachen und Auffahren.

~Pulsatilla.~ -- In hartnäckigen Fällen, wenn der Kranke sehr dunkles, klumpsiges Blut auswirft und zwar Morgens und Abends in größeren Quantitäten. Hauptsächlich für Frauenzimmer zu gebrauchen.

~Arnica.~ -- Langsame Entleerungen schwarzen, klumpsigen Blutes mit stechendem, brennendem Schmerz, Hitze in der Brust, Herzklopfen, Schwierigkeit beim Athmen. Wenn die Blutung durch Beschädigung, z. B. einen Fall, Streich, schweres Heben hervorgerufen wurde, und wenn der Auswurf hellroth und schaumig ist; räuspernder Husten, Prickeln unter dem Brustbein. Dieses Mittel mag manchmal abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

~Belladonna.~ -- Husten und Prickeln im Halse mit Blutung; Gefühl des Vollseins in der Brust, welches von Blut herzurühren scheint, mit drückendem oder schießendem Schmerz; bei Bewegung verschlimmert sich der Zustand des Kranken.

~Hamamelis.~ -- Husten und Blutung mit schwefelartigem Geschmack im Munde; dumpfer Schmerz im Vorderkopf; beim Erwachen kitzelnder, prickelnder Husten mit blutigem Geschmack; schwieriges Athemholen; Druck in den untern Theilen der Brust und Gefühl des Vollseins im Kopf und Hals.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel voll, bis die Blutung aufhört. Später gebe diese Dosis alle 3, 4, 5 oder 6 Stunden. ~Aconitum~ ist das geeignetste Heilmittel und hat man in allen Fällen mit demselben zu beginnen und darauf ~Ipecac~, ~Arsenic~, ~Opium~, ~Belladonna~ &c. folgen zu lassen. Mittelst eines Stücks Linnenzeug mag kaltes Wasser auf der Brust applizirt werden. Die Kost des Kranken soll aus kalten Speisen bestehen, wobei alle spirituosen und erregenden Nahrungsmittel oder Getränke wegzulassen sind. Reis und Gerstenwasser (~Barley water~) mit Himbeerensyrup (+Raspberry syrup+), Limonade &c. sind sehr zu empfehlen.

Engbrüstigkeit (~Asthma~).