Part 21
Beim Fortschreiten der Krankheit werden die Symptome immer heftiger, der Athem sehr schwierig; das Schlucken wird so schmerzhaft, daß der Patient durchaus nichts mehr genießen will; der Speichel träufelt aus dem Munde und aus der Nase scheidet sich faulige stinkende Flüssigkeit. Der Puls ist schnell und schwach, der Athem wird außerordentlich widerwärtig und die Krankheit nimmt solche Gestalt an, daß selbst die besten Freunde des Patienten ihm nur mit Widerwillen zu nahen vermögen. Das Gesicht ist erdfarben, die Haut kalt und runzlig; der Kranke wälzt sich von einer Seite zur andern und kämpft um Athem, die Stimme wird immer undeutlicher und heiser, Hals, Nacken und Gesicht sind furchtbar angeschwollen und der Patient stirbt an schneller Erschöpfung in den Lebensorganen oder an Erstickung, dadurch hervorgerufen, daß sich die falsche Schleimhaut in die Luftröhrengänge ausgedehnt hat. Manchmal wird der Patient im Anfangsstadium eines heftigen Diphtheritisanfalls von starkem Erbrechen erfaßt und bricht alsdann eine dünne, gelblichweiße, sehr übelriechende Flüssigkeit, worauf große Erschöpfung und Abstumpfung folgt. Manchmal liegt der Kranke lange in tiefem Schlaf, so daß man ihn nur mit Mühe wecken kann. Frägt man ihn, ob sein Hals wund ist, so mag es leicht sein, daß er die Antwort gibt, solches sei nicht der Fall, wodurch sich sehr Viele täuschen lassen. In vielen Fällen tritt die Betäubung gleich zu Anfang der Krankheit ein und währt bis der Tod den Leidenden erlöst. Manchmal findet sich ein weißlicher Ansatz am Munde, welche Substanz dem gemahlenen Gips (~Plaster paris~) ähnlich sieht. An verschiedenen Körpertheilen entstehen schwarzblaue Flecken und der Stuhlgang führt weißliche Materie ab.
Manchmal befällt diese Krankheit den Patienten in einer Form, daß er gar keine Ahnung von dem Anfall hat, und erst dann gewahrt, daß er krank ist, wenn sein ganzer Organismus angegriffen ist. Sodann wird der „wehe“ Hals, den man vielleicht gänzlich unbeachtet ließ, plötzlich schlimmer; ein Crouphusten tritt ein und entweder verschlimmert sich der Zustand dermaßen, daß in zwei oder drei Stunden keine Rettung mehr vorhanden ist, oder der Kranke mag noch einige Tage mit zeitweiligem Aufflackern der Lebenskraft leben, um dann an Erschöpfung zu sterben. Der Diphteritis folgen manchmal verschiedenartige Störungen im Organismus, worunter namentlich Lähmung (~Paralysis~) hervorzuheben ist. Wer einen starken Körperbau hat, bei dem darf man eher auf Rettung ohne nachtheilige Folgen zählen, falls nemlich mit der Behandlung bald begonnen wurde. Wurde jedoch hiermit ein oder zwei Tage verzögert, so ist der Erfolg ein sehr unsicherer. Das Erbrechen im Anfangsstadium ist ein sehr bedenkliches Symptom, und je länger die „falsche“ Haut zu ihrer Ausbildung braucht, desto ungünstiger ist die Aussicht auf Rettung.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut gelüftetes, trockenes Zimmer und in ein reinliches Bett gebracht werden; die Temperatur sei mäßig warm. Niemand darf im Zimmer bleiben als der oder die Wärter, und um dem üblen Geruch entgegenzuwirken, thut man wohl, Gefäße mit Chlorkalk und Essig (~Chloride of lime and vinegar~) umherzustellen.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~, ~Kali Bi-Chromicum~, ~Proto-Iodide~ oder ~Bin-Iodide of Mercury~ -- sind gegen diese Krankheit die Hauptmittel.
~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Abwechselnd wenn die Krankheit mit Fieber beginnt, alle Stunden einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt. Wenn sich jedoch die Symptome verschlimmern, so sollten andere Mittel gebraucht werden. ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~, ~Kali Bi-Chromicum~ und ~Bin-Iodide of Mercury~ -- dies sind die noch vorhandenen Heilmittel. Von den drei ersten gebe fünf Tropfen ~Belladonna~, zwanzig Tropfen ~Kali Chloricum~ und ½ Gran ~Kali Bi-Chromicum~ Pulver, jedes in einem halb mit Wasser gefüllten Glas; Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Vom ~Mercurius~ -- ebenfalls ein Pulver -- gebe man eine Dosis so groß wie eine kleine Erbse. Zu Anfang gebe ~Belladonna~, die nächste Stunde ~Kali Chloricum~, die dritte ~Kali Bi-Chromicum~, die vierte ~Bin-Iodide of Mercury~ und die fünfte wiederum ~Belladonna~ und so fort. Ist der Kranke den nächsten Tag etwas besser oder sein Zustand nur um weniges verschlimmert, so mögen die Medizinen nur alle 2 und später alle 3 Stunden gegeben werden. Sind die Halssymptome alle gewichen, so lasse die letztgenannten Medizinen weg und verordne die drei ersten, bis jede Spur der Krankheit verwischt ist.
Einige empfehlen gegen diese Krankheit doppeltchromsaures Kali (~Bi-Chromate of potassa~), welches am besten verordnet werden kann, wenn man zwei oder drei Grane mit einer halben Theetasse voll heißem Wasser in einer Theekanne mischt und den Patienten den aus der Ausgußröhre dringenden Dampf einathmen läßt.
Auf die Kost muß man ein aufmerksames Auge haben, und der Kranke muß genau beobachtet werden. Sobald der Puls abnimmt, die Haut kalt wird und Zeichen der Erschöpfung eintreten, muß zu Stimulanten gegriffen werden, z. B. Portwein, Claret, Champagner, Milchpunsch, und Branntwein und Wasser; Eier mit Brandy geschlagen, heißes Wasser und Zucker sind ein ausgezeichnetes stimulirendes Mittel. Für Kinder gebraucht man am besten Molken (~Whey~) oder Fleischthee (~Beef-tea~) mit Portwein vermischt; oder Pfeilwurz (~Arrow root~) und Portwein. Ist der Patient des Fleischthees müde, so kann durch den weichen Theil der Austern, roh oder gekocht, ein gutes Ersatzmittel geboten werden. Zum Trinken gebe man dem Kranken Gerstenwasser (~Barley water~), Brodwasser (~Toast water~), was man mit etwas Citronensaft säuerlich macht; oder kaltes Wasser mit Himbeer- oder Erdbeersyrup vermischt. Eis und Gefrorenes (~Ice cream~) darf namentlich bei der Genesung verabreicht werden. Als Gurgelmittel gebrauche Salz und Wasser; eine in Salz und Wasser getauchte Binde sollte um den Hals gelegt werden.
=Allöopathisch.= Es ist gut, wenn man gleich zu Anfang eine Dosis citronensaures Magnesia (~Citrate of magnesia~) oder Rochellesalz gibt. Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel. Einem Erwachsenen gebe eine Auflösung von 20 Granen alle drei Stunden. Einem fünf- oder sechsjährigen Kinde gebe folgendes:
Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) 2½ Drachmen. Pfeffermünzwasser 4 Unzen.
Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei Stunden. Auch wird Chlorsaure Eisentinktur (~Tincture of chloride of iron~) sehr viel gebraucht. Einem Erwachsenen gebe 20 Tropfen alle 3 Stunden.
Das folgende ausgezeichnete Rezept enthält das Chlorsaure Kali sowohl als das Chlorsaure Eisen:
Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) 2 Drachmen. Chlorsaure Eisentinktur (~Tinct. of chloride of iron~) 1 Drachme. Syrup 2 Unzen. Pfeffermünzwasser 2 „
Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei Stunden.
Zur Erhaltung der Kraft wird schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) empfohlen. Dosis: Ein Gran alle 2 oder 3 Stunden.
Manche empfehlen ~Per-Manganate of potassa~; eine Drachme in 1½ Pint Wasser ausgelöst. Dosis: Einen Theelöffel voll jede Stunde.
Als Gurgelwasser mag eine halbe Unze der Auflösung von Chlorsaurer Soda (~Solution of chloride of soda~) zu sechs Unzen Wasser gebraucht werden, was man mittelst eines Kameelhaarpinsels anwenden oder mit einer Spritze einspritzen kann.
Durch das Einspritzen einer Auflösung von 2 Granen salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~) und 1 Unze Wasser -- alle 24 Stunden zweimal -- kann dem Ausfluß aus der Nase gewöhnlich Einhalt gethan werden.
Gegen das Anschwellen der Halsdrüsen lege man einen Leinsamenmehl-Umschlag auf. Im Anfangsstadium kann dem Patienten, falls er dazu alt genug ist, dadurch viel Erleichterung verschafft werden, daß man ihn den Dampf von heißem Wasser oder heißem Wasser mit Essig vermischt einathmen läßt. Manchmal ist auch Salzsäure (~Muriatic acid~) und Honig -- gleiche Theile von jedem, mittelst eines Kameelhaarpinsels am Halse anzubringen; oder das gleiche Mittel mit Wasser verdünnt als Gurgelwasser angewendet, von guten Diensten. Erdöl (~Creosote~), von vier zu acht Tropfen in zwei Unzen Glycerin und zwei Unzen Wasser wurde schon mit Nutzen gebraucht. Das Einathmen des Dampfes von Kalkwasser wirkt ebenfalls manchmal sehr wohlthätig. Wenn zu Anfang der Krankheit Hitze der Haut und Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Brechmittel -- 5 oder 10 Grane Brechwurz (~Ipecac~), wornach man einige Grane ~Grey powder~ oder eine Dosis schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) verordnet. Französische Aerzte empfehlen folgendes: Pulverisire Alaun (~Alum~) sehr fein und blase das Pulver mittelst einer Röhre in den Hals, doch so, daß das Ende der Röhre, welches in den Mund kommt, zu besserem Schutz mit einem Gasstoff (sehr feinem, lose gewobenem Zeug) überzogen wird. Jedoch kann der Alaun auf bessere Weise, indem man nämlich einen Schwamm oder einen Kameelhaarpinsel anwendet, applizirt werden.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Gurgelwasser:
Chlornatron (~Chlorinated soda~) 1 Unze. Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) ½ „ Wasser 6 Unzen.
Gebrauche dieses alle halbe oder alle Stunden, namentlich dann, wenn der Athem sehr widerlich riecht.
Wird der Kranke schnell schwächer, so gebe folgendes:
Aromatischer Ammoniakgeist (~Aromatic spirits of ammonia~) 2 Drachmen. Aether 1 Drachme. Laudanum 20 Tropfen. Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 1 Drachme.
Mische. Dosis: Einen halben Theelöffel voll alle ein, zwei oder drei Stunden.
Das folgende ist ein sehr werthvolles Rezept:
Chinin (~Quinine~) 2 Drachmen. Hydrochlorsäure (~Hydro-chloric acid~) 2 „ Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) 2 „ Zimmetwasser 12 Unzen.
Mische. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.
Die Diät wurde bei der homöopathischen Behandlung vorgeschrieben.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Kranke im Anfangsstadium der Krankheit noch kräftig, so wird ein Brechmittel gute Dienste leisten; ist er aber schwach, so sollten weder Brech- noch andere Mittel gegeben werden, die den Organismus schwächen. Man verordne ein warmes, mit vielem Senfmehl vermischtes Fußbad und reibe Füße und Beine tüchtig. Wird der Hals sehr wund und bildet sich die falsche Schleimhaut, so gebrauche folgendes Gurgelwasser:
Doppeltchromsaures Kali (~Bichromate of potash~) 10 Grane. Wasser 4 Unzen.
Mische und lasse den Patienten hiermit alle 4 Stunden den Hals gurgeln. Ist er zu jung zu gurgeln, so sollte der Hals mit dieser Mischung ausgewischt werden. Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~), eine Drachme zu einer Unze Wasser -- sollte alle acht oder zehn Stunden im Hals, namentlich wenn eine Schleimhaut vorhanden ist, angewendet werden. Manche empfehlen Gurgelwasser, das man aus Honig, Essig, rothem Pfeffer und Wasser bereitet; für Kinder jedoch ist der Pfeffer wegzulassen. Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist dieses: Man bringe Asche und Salz in ein Flanellsäckchen, erhitze die Substanz und lege das Säckchen -- so heiß als möglich -- auf den Hals. Schwefelsaures Natron (~Sulphate of soda~) 6 Drachmen zu 12 Unzen Bitterholz- (~Quassia~) Aufguß, ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Zerstörung der falschen Schleimhaut. Dosis: Einen Theelöffel voll drei-, vier- oder sechsmal des Tages.
Gegen übelriechenden Athem ist das folgende Mittel werthvoll:
Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~) ½ Drachme. Salzsaure Eisentinktur (~Tinct. of muriate of iron~) ½ „ Wasser 1 Unze.
Mische. Dosis: Für einen Erwachsenen die halbe Mischung.
Bei großer Schwäche hat man Chinin (~Quinine~) öfters mit großem Erfolg wie folgt angewendet:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ½ Drachme. Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~) 1 „ Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~) ½ Unze. Wasser ½ Pint.
Mische und gebe alle Stunden oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.
Auch wird das folgende sehr empfohlen: Terpentin mit einem Eidotter (~yolk~) vermischt, wozu so viel Syrup gefügt werde, um eine Unze Mischung zu bereiten; abwechselnd alle Stunden mit 20 Granen in Wasser aufgelöstem Ammoniak (~ammonia~) zu geben.
Zeigen sich Symptome der Fäulniß, so mag Gurgelwasser aus gleichen Theilen brenzeliger Holzsäure (~pyreligneous acid~) und Wasser gebraucht werden.
Elftes Kapitel.
Krankheiten der Luftröhre und der Brust.
Heiserkeit (~Raucitas~, ~Aphonia~).
Begleiten diesen Zustand andere Krankheiten, wie Masern, Bräune, Katarrh u.s.w., so sehe man wegen dessen Behandlung unter den betreffenden Krankheiten nach. Zuweilen tritt dieses Uebel aber auch selbstständig auf und dann möge folgendes dagegen angewendet werden.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende mag angewendet werden:
Meerrettig (~Horse-radish root~) 1 Unze. Wasserdost (~Boneset leaves~) 1 „ Heißes Wasser 1 Pint.
Man stelle diese Mischung zwei Stunden lang in einem bedeckten Gefäß dem Feuer nahe und füge dann noch hinzu:
Essig ½ Pint. Molasses ½ „
Lasse es 15 Minuten kochen. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle ein, zwei oder drei Stunden.
Oder auch:
Geschabter Meerrettig (~Grated Horse-radish root~) 4 Unzen. Guten Essig 1 Pint.
Lasse es über Nacht stehen und füge dann ein halb Pint Honig hinzu. Lasse es kochen und durchseihe es dann. Dosis: Ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.
=Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Wenn mit der Heiserkeit starke Absonderung einer ätzenden Flüssigkeit aus der Nase verbunden ist.
~Chamomilla.~ -- Heiserkeit in Folge von Erkältung, Anhäufung eines klebrigen Schleimes im Halse, Husten am Morgen und Abend, bei Stechen im Halse, Heiserkeit bei Schmerzen im Halse nach Ausspucken.
~Hepar Sulphuris.~ -- Heiserkeit mit leiser, hohler Stimme, tiefsitzendem Husten, Heiserkeit bei trockenem Abendhusten, begleitet von einem wehen Gefühl im Hals und der Brust, Stechen im Halse, als wenn Splitter in demselben wären.
~Mercurius.~ -- Heiserkeit, begleitet von einem brennenden, stechenden Gefühle im Halse, dünne wässerige Absonderung aus dem Kopfe.
~Nux Vomica.~ -- Heiserkeit, schlimmer am Morgen, trockene Verstopfung der Nase, rauher trockener Husten, der Kranke leidet abwechselnd an Hitze und Frost.
~Pulsatilla.~ -- Heiserkeit bei beinahe gänzlicher Stimmlosigkeit, Schmerzen beim Schlucken, lockerer Husten mit gelblicher, grünlicher oder übelriechender Absonderung aus der Nase, Schmerz in der Brust.
~Carbo Vegetabilis.~ -- Chronische Heiserkeit, schlimmer am Morgen und Abend, durch Sprechen erhöht, trockener Husten bei Heiserkeit und Rauhigkeit in der Brust, Stechen im Halse.
~Bryonia~ und ~Rhus~ -- gebe man alle zwei bis drei Stunden abwechselnd bei Wehsein des Halses und der Brust, schlimmer nach Sprechen und mit Frösteln verbunden, Schmerzen in den Gliedern und im Kopf.
~Capsicum.~ -- Heiserkeit bei stechendem oder kriechendem Gefühle in der Nase, heftigem Husten, schlimmer gegen Abend, Schmerz im Kopf und anderen Theilen des Körpers.
~Causticum.~ -- Bei hartnäckigen Fällen begleitet von Husten und heftigen Schmerzen in der Brust, chronische Heiserkeit, Morgens und Abends schlimmer.
~Sulphur.~ -- Besonders in chronischen Fällen, in denen Rauhheit und Druck im Halse vorhanden -- Heiserkeit tritt bei feuchtem, kaltem Wetter ein, rauhe Stimme, besonders des Nachts -- eine passende Gabe nach ~Mercurius~ oder ~Pulsatilla~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Obige Mittel können sowohl trocken als auch in Wasser gegeben werden. Wenn in Wasser, löse 12 Pillen in ebenso viel Theelöffeln voll Wasser und gebe alle zwei, drei oder vier Stunden einen Theelöffel voll. Wenn trocken, 4 Kügelchen als eine Dosis. Bei chronischen Fällen wird Morgens und Abends eine Dosis hinreichen. Tritt keine Besserung ein, so sollten die Mittel immer nach Verlauf von 6 oder 7 Tagen gewechselt werden. Die Anwendung des Wassers ist bei diesem Zustande äußerst zuträglich und ein nasser Umschlag um den Hals sollte für die Nacht gemacht und derselbe am andern Morgen mit kaltem Wasser gewaschen werden.
Luftröhrenentzündung (~Bronchitis~).
Diese Entzündung erstreckt sich über die Schleimhaut, welche die Luftgänge der Lungen oder die Luftröhre einfaßt, und kann entweder acut oder chronisch sein.
+Symptome.+ Die acute Form der Luftröhrenentzündung beginnt in der Regel mit denselben Kennzeichen einer gewöhnlichen Erkältung, wie Frösteln, dem bald Fieber. Husten, schnelles Athmen, ein Gefühl von Schmerz und Wehsein des oberen Theiles des Brustknochens, Athmen sehr beklommen, schnell und unregelmäßig, Zusammenziehen, Verengen oder Beklemmung der Brust, die Luftgänge anfänglich trocken bei schmerzhaftem Husten. Schreitet aber die Krankheit vor, so tritt ein Auswurf hinzu, der zuweilen mit Blut gestreift, nach und nach gelblich, dick und klebrig wird. Gewöhnlich ist ein Schmerz in der Stirne vorhanden, der durch das Husten erhöht wird. Auch tritt Appetitlosigkeit, belegte Zunge, Schwäche und Blässe der Lippen ein. Steigert sich die Absonderung im Halse, so wird der Husten etwas vermindert. Bei strengen Fällen treten die Symptome heftiger auf, das Fieber erhöht sich, der Puls wird voll und rasend schnell, die Haut ist heiß und trocken, das Athmen geschieht immer schneller, ist mit Schwierigkeit verbunden und ein Röcheln wird hörbar, führt häufig wiederkehrende Krampfanfälle herbei und Durst und Verstopfung ist vorhanden. Bei Kindern und Leuten von schwacher Körperbeschaffenheit tritt eine Verminderung der Lebenskraft hinzu. Die Oberfläche des Körpers wird kalt und purpurfarbig, der Puls schwach und fliegend. Nimmt die Krankheit eine Wendung zum Schlimmsten, so treten Krämpfe und Gefühllosigkeit hinzu. Im günstigen Falle wird der Kranke nach Verlauf von acht oder zehn Tagen wieder genesen.
+Ursachen.+ Kalter Luftzug, der unmittelbar mit der Schleimhaut des Halses in Berührung kommt, plötzlicher Witterungswechsel, der Wechsel des geheizten Zimmers mit kalter Luft, das Einathmen reizender Gase. Leute, weiche beim Gehen in der kalten Luft den Mund offen zu halten pflegen, sind vor allen anderen für diese Krankheit empfänglich.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia (~Lobelia~) und Blutwurzel (~Blood root~) sollte für den Anfang in Dosen von einem halben Eßlöffel voll alle vier oder fünf Minuten und zu gleicher Zeit Salbei- (~Sage~) Thee gegeben werden, bis das Erbrechen eintritt. Hie und da wird ein Fußbad von heißem Wasser, das Hüten des Bettes, das rings um den Körper des Kranken durch Flaschen heißen Wassers erwärmt wird, hinreichen, einen Anfall zu brechen. Es wird gut sein, die Eingeweide mit gelinden Abführmitteln, wie Seidlitzpulver, Rhabarber (~Rhubarb~) oder Magnesia zu öffnen. Zucker, von Citronensaft angefeuchtet, wird zuweilen den Husten lindern, welchem Zwecke auch das Trinken von Isop- (~Penny royal~), Wasserdost- (~Boneset~) und Blutwurzel-Thee entsprechen wird. Der Schweiß sollte vermittelst der zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~) hervorgerufen werden und gegen den Husten möge man folgendes geben:
Honig 1 Unze. Olivenöl 1 „ Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 „ Citronensaft 1 „
Mische es. Dosis für einen Erwachsenen drei- oder viermal des Tages einen Theelöffel voll.
Oder auch:
Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~) 1½ Unzen. Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~) 1½ „ Tolubalsamsyrup (~Syrup of balsam tolu~) 1 Unze. Blutwurzeltinktur (~Tincture of blood root~) 1 „ Paregoricum-Elixir (~Elixir of paregoric~) 1 „
Mische es. Dosis wie oben.
Oder:
Harz (~Rosin~) 1 Unze. Stückzucker (~Loaf sugar~) 1 „ Gummi Arabicum (~Gum arabic~) ½ „ Tolubalsam (~Balsam Tolu~) ½ „
Mache es zu einem feinen Pulver und mische es in einem Mörser. Dosis: einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser drei- oder viermal des Tages.
Bei chronischer Luftröhrenentzündung kann das folgende gegeben werden:
Gummi Arabicum (~Gum arabic~) 2 Unzen. Essig ½ Pint. Molasses ½ „
Koche es, bis der Gummi aufgelöst ist, dann füge hinzu:
Mohnsaft (~Laudanum~) 1½ Unzen. Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~) 3½ „
Dosis einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.
Oder:
Essigsaure Blutwurzeltinktur (~Acetic tincture of blood root~) 1 Unze. Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~) 1 „ Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~) 1 „ Brechwurzwein (~Wine of ipecac~) 1 „ Süßer Salpeter-Spiritus 2 Unzen.
Mische es. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.
Das Einathmen der warmen Dämpfe des Andorn- (~Hoarhound~), Katzenmünze- (~Catnip~) Thees und dergleichen mehr hat sich in einigen Fällen bewährt. Bei der chronischen Form kann Nachstehendes bestens empfohlen werden:
Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 1 Unze. Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potash~) ½ „
Mische es. Dosis: 5-10 Grane dreimal des Tages in einem Theelöffel voll Wasser. Zuweilen kann auch des Abends folgendes behufs Regulirung der Eingeweide gegeben werden:
Entenfuß (~Podophyllin~) ¼ Gran. Leptandrin 1 oder 2 Grane. Stückzucker (~Loaf sugar~) 5 „
Auf einmal zu nehmen.
Folgende Pillen mögen gegen den Husten gegeben werden:
Bilsenkrautextrakt (~Extract Hyosciamus~) 1½ Unzen. Brechwurz (~Ipecac~) 1½ „ Canadischer Balsam (~Canada balsam~) 1½ „ Salzsaures Ammoniak (~Muriate of Ammonia~) 1½ „
Mische und theile es in Pillen von vier Granen. Dosis: alle drei bis vier Stunden eine Pille.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen chronische Luftröhren-Entzündung: