Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 20

Chapter 203,009 wordsPublic domain

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn Quecksilber die Ursache des Speichelflusses ist, sollte Schwefel (~Sulphur~) und Cremor Tartari (~Cream of tartar~), 2 Theile von dem ersteren und ein Theil von dem letzteren genommen werden. Mische es mit ein wenig Molasses oder Honig. Dosis: einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

Man nehme ferner Schwefel in den Mund und zwar so, daß er mit den angegriffenen Theilen in Berührung kommt. Das Besprengen der Eiterbeulen mit pulverisirter rother Kreide (~Red chalk~) hat sich zuweilen bewährt.

Zum Gurgeln bediene man sich:

Salbei (~Sage~) 2 Unzen. Hartriegelblätter (~Privet leaves~) 2 „ Gelbwurz (~Golden seal~) 2 „

In zwei Pint Wasser eingekocht, durchgeseiht und einen Theelöffel voll gebrannten ~Alaun~, sowie dieselbe Menge Borax.

Schwierigkeit beim Sprechen -- Stammeln.

Das Stammeln besteht in einer gestörten deutlichen, fließenden Aussprache, und wird in der Regel von einem Ausdruck der Anstrengung und Verzerrung der Mienen, auf dem Gesicht erkennbar, begleitet. Zuweilen ist Mißbildung der Zunge oder anderer Sprechorgane die Ursache.

Die Kur liegt gewöhnlich im Bereich der Möglichkeit und ist zuweilen sehr leicht, denn das Hinderniß erwächst nicht selten aus der Anstrengung, während des Athemschöpfens zu sprechen. Der Patient sollte daher, bevor er zu sprechen beginnt, die Brust gehörig mit Luft füllen, und sodann ein Wort nach dem andern langsam und deutlich auszusprechen suchen. Der Stammelnde muß, gerade wie beim Singen, nach jedem Worte, sowohl beim Lesen als Sprechen, eine Pause machen. Reicht dies nicht hin, so verfahre er ebenso bei den Silben, und nach einiger Zeit versuche er es mit Worten und dann mit Sätzen. Befolgt er diese Methode immer eine Stunde lang zu gewissen Zeiten, so wird er bald über die Gewohnheit in vielen, wenn nicht in allen Fällen, hinwegkommen.

Solchen Leidenden sollte sowohl von Seiten der Eltern als auch der Lehrer, besonders wenn ihnen Lectionen überhört werden, oder wenn dieselben Auskunft über etwas zu geben haben, gütige Behandlung zu Theil werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Lachesis~, ~Strammonium~, ~Natrum Muriaticum~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~ sind Heilmittel, die eine allgemeine Empfindlichkeit des Nervensystems vermindern.

+Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis des gewählten Mittels sollte 6 Wochen jeden Morgen und Abend gegeben werden, bevor zu einem anderen Mittel gegriffen wird.

Zehntes Kapitel.

Halskrankheiten.

Weher Hals oder gewöhnliche Halsentzündung (~Sore Throat~ -- ~Quinsy~, ~Angina Faucium~).

Diese Krankheit ist durch die Entzündung und das Anschwellen des untern Halstheils, des Gaumens und der Mandeln gekennzeichnet, wodurch mehr oder weniger Schwierigkeit im Athmen, sowie öfters auch Fieber verursacht wird. Die Störung mag eine nur geringe sein, oder es mögen sich im Halse und an den Mandeln Geschwüre ansetzen, wodurch das Uebel ein sehr schmerzliches wird.

+Symptome.+ Diese Krankheit beginnt gewöhnlich mit Ruhelosigkeit, Fieber, leichtem Husten und mehr oder weniger Wundheit im Halse, die sich namentlich beim Schlucken äußert. Die Mandeln und der Hals sind glatt und roth, im Angesicht zeigen sich Fiebersymptome, der Athem ist kurz und schnell, die Stimme tief und das Sprechen verursacht oft Schmerzen und Schwierigkeit; die Wangen sind geschwollen, die Entzündung bedeutend und oft in Geschwüren an den Mandeln und umliegenden Theilen endigend, so daß das Athmen immer schwieriger wird; endlich brechen die Geschwüre auf. Zur genauen Untersuchung des Halses sollte der Patient den Kopf weit zurücklegen, worauf man die Zunge mit einem Löffelstiel herabdrückt.

Oefters werden die Mandeln durch wiederholte Anfälle chronisch erweitert, in welchem Falle, wenn nämlich andere Mittel fehlschlagen, dieselben von einem Wundarzte ausgeschnitten werden müssen.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Ist der Puls stark und voll, und wenn der Patient Schmerzen im Kopfe hat, so mag man Ader lassen und ein Abführmittel -- Sennablätterthee mit schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of magnesia~) geben; oder Calomel, oder Jalappe (~Jalap~). Gewöhnlich aber ist außer Bittersalz (~Epsom salts~) kein anderes Reinigungsmittel nöthig.

Nach diesem Mittel gebe man Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~), zwanzig Tropfen alle drei Stunden, mit einem zeitweiligen Schluck Flachssamenthee oder Flachssamen-Limonade. Ist die Anschwellung, die Hitze und der Schmerz sehr bedeutend, so sollten sechs bis zehn Blutegel angesetzt werden. Bei milderen Fällen, oder wenn der Patient schwach ist, lege man einen Flachssamenmehl-Umschlag, wozu Schweinefett und Laudanum gefügt wurde, auf. Wird mit dem Umschlag gewechselt, so wasche man den Hals mit Ammonium- oder Seifenliniment, wozu man Ammoniumwasser (~Aqua ammonia~) fügt.

Das folgende Mittel zum Gurgeln wird gute Dienste leisten:

Honig 1 Eßlöffel voll. Essig 2 „ Genug Salbeithee oder Wasser, um ein halbes Pint zu bereiten.

Auch mag ein Aufguß von rothen Rosen (~Red roses~) oder Salbei mit Rosenhonig (~Honey of roses~) als Gurgelmittel gebraucht werden, sowie eine schwache Alaun- (~Alum~) Auflösung, wenn sich in den Mandeln Eiter sammelt und die Geschwüre aufbrechen. Die Kost sollte nahrhaft sein und man sollte dem Kranken Wein oder das folgende stärkende Mittel geben:

Colomba- oder Cascarilla-Aufguß 5½ Unzen. Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur ½ Unze. Verdünnte Salpetersäure 1½ Drachme.

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Sind die Mandeln nach Heilung der Krankheit immer noch vergrößert, so mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Kampher-Liniment 6 Drachmen. Seifen-Liniment 6 „ Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur ½ Unze.

Mische und reibe die Außentheile des Halses zweimal des Tages mit der Mischung.

Manchmal werden die Mandeln auf ihre natürliche Größe reduzirt, indem man sie mit einer starken Tannin- (Gerbestoff) Auflösung oder mit Schwefelsilber tupft; auch wird hierzu eine starke Alaunauflösung oder Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) öfters angewandt.

=Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein Brechmittel -- Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) und lasse den Patienten zu gleicher Zeit warmen Salbeithee trinken; auch wird es gut sein, wenn er den Dampf einer Abkochung von Hopfen, Salbei (~Sage~), Wermuth (~Wormwood~), Wasserdost (~Boneset~), Andorn (~Hoarhound~), Katzenmünze (~Catnip~), von jedem eine Handvoll -- einathmet und die Dämpfe den Hals umziehen läßt. Kann man nicht alle diese Kräuter erhalten, so gebrauche man drei oder vier derselben.

Das folgende Liniment mag als ein äußerlich anzuwendendes Mittel gebraucht werden:

Sassafrasöl 2 Unzen. Salatöl 2 „ Kampher-Spiritus 2 „ Hirschhorn-Spiritus (~Spirits of hartshorn~) 2 „ Amerik. Isop- (~Penny royal~) Oel 2 „ Chinin- (~Quinine~) Tinktur 2 „ Terpentingeist 2 „

Hiermit wasche man den Hals sehr oft ab und wickle ein Stück Flanell um denselben.

Als ein Gurgelmittel kann das folgende in Anwendung kommen: Eine kleine Handvoll Salbei und ebenso viel Sumachbeeren und Rinde wird in drei Pinten Wasser so lange gekocht, bis noch ein Pint übrig ist, sodann füge man von jeder der folgenden Substanzen einen Theelöffel voll bei: Pulverisirter Alaun (~Alum~), Borax und Salpeter; dieses seihe durch, versüße die Mischung mit Honig und gurgle den Hals damit.

Auch mag Citronensaft und Honig -- mit einander vermischt -- oft anstatt eines Gurgelmittels eingegeben werden; diese Mischung ist sehr erfrischend.

Man sollte öfters ein Fußbad in schwachem Laugenwasser nehmen, und der Körper sollte ebenfalls zwei- oder dreimal des Tages gewaschen werden, namentlich falls der Patient viel Fieber hat.

Auch leistet ein Umschlag von frischer Kermesbeerenwurzel (~Poke root~), die man röstet, abwäscht und mehrere Male des Tages warm auflegt, gute Dienste.

Befürchtet man, daß die Krankheit chronisch werde, so gebrauche man folgendes:

Gesättigte Salzammoniak-Auflösung (~Saturated solution of sal. ammoniac~) 4 Unzen. Cayenne-Tinktur 1 Unze.

Mische und gurgle mehrere Male des Tages.

Schwellen die Mandeln und bleiben in diesem Zustande, so mag das folgende gebraucht werden:

Jod (~Iodine~) 1 Skrupel. Rosenointment 1 Unze.

Salbe hiermit mittelst eines Pinsels die Mandeln Morgens und Abends mehrere Monate lang ein.

Oder wende folgendes an:

Gerberstoffsäure (~Tannic acid~) 20 Grane. Kochsalz 40 „ Blutwurzel-Extrakt (~Extract of blood root~) 10 „ Rosenointment 1 Drachme.

Mische und wende es an wie das vorige Mittel.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Dies sind die zum Beginne der Behandlung geeignetsten Mittel, namentlich wenn sich folgende Symptome zeigen: Heftiges Fieber, voller Puls, große Hitze, Durst, Ruhelosigkeit, beständiger Kitzel zum Schlucken, Schlucken verursacht Krämpfe im Hals, wodurch Flüssigkeit aus der Nase gedrängt wird, Trockenheit des Halses, Schmerzen in Mandeln und Ohren, Anschwellung des äußeren Halses, viel Speichel, rothes geschwollenes Gesicht, heiße trockene Haut, widerlicher, bitterer Geschmack im Munde.

~Mercurius.~ -- Uebelriechender Athem, Mund trocken, Speichel zäh, das Zäpfchen erscheint verlängert und roth, Mandeln dunkelroth, entzündet und vergrößert, heftiger Pulsschlag am Hals und den Ohren, viel Speichelabsonderung, Fieberfrösteln des Abends, welchem Hitze und Schweiß folgt, Schmerzen in den Mandeln bei Bewegung der Kinnbacken, oder beim Schlucken, Appetitlosigkeit und Widerwillen gegen Speise.

~Bryonia.~ -- Trockenheit im Halse, Schwierigkeit beim Sprechen, Heiserkeit, schwieriges Athemholen, schmerzliches Gefühl im Halse, Schmerz beim Schlucken, etwas Fieber mit oder ohne Durst, Frösteln, Schmerzen in den Gliedern und dem Hinterkopf. Dies mag abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.

~Chamomilla.~ -- Namentlich wenn die Krankheit durch Kälte oder Aussetzung in der kalten Luft verursacht wurde, Anschwellen der Mandeln, kurzer Husten, rothe Wangen, oder eine blasse und eine rothe Wange, Abends Fieber mit Hitze, die Drüsen unter dem Kinn und Mandeln sind stark geschwollen.

~Lachesis.~ -- Dies hat sich als ein sehr gutes Heilmittel erwiesen, wenn ~Mercurius~ und ~Belladonna~ ohne Wirkung hervorzubringen gebraucht wurden, und namentlich bei folgenden Symptomen: Schwellen und Röthe mit einem Wundheitgefühl in Mandeln und Gaumen, Trockenheit im Halse, beständige Neigung zum Schlucken, Gefühl als ob eine Beule &c. im Hals sei, schlimmer des Nachmittags und Morgens, sowie nach dem Schlafen oder bei auch nur sehr leichtem Druck gegen den Hals; kleine Eiterbeulen am Hals und an den Mandeln zur Linken.

~Hepar Sulphuris.~ -- Wenn die Geschwüre an den Mandeln am Aufbrechen sind, wird dieses Mittel solches befördern; mag auch zu Anfang der Krankheit gegeben werden, wenn der Kranke stechende Schmerzen im Hals spürt -- abwechselnd mit ~Mercurius~.

~Nux vomica.~ -- Mag gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ nicht wirkt, auch wenn Wundheit vorhanden ist, als ob der Hals geschabt worden wäre.

~Pulsatilla.~ -- Gewöhnlich für Frauenzimmer oder Personen mit sanftem Charakter geeignet -- wenn der Hals innen geschwollen ist, Mandeln und Gaumen dunkelroth, stechende Schmerzen in den Mandeln und gegen das Ohr hin, wenn der Patient schluckt, Frösteln gegen Abend, worauf Hitze folgt.

~Nitric Acid.~ -- Geeignet, wenn ~Mercurius~ gegeben wurde oder in Abwechslung damit, wenn der Hals mit kleinen Geschwüren von weißlichem Aussehen angefüllt ist.

~Capsicum.~ -- Wenn die Symptome auf ~Nux vomica~ hindeuten, dieses Mittel aber nicht gewirkt hat, Brennen und Rauhheit im Halse mit Steifheit und Zusammenziehung, und Nasen- und Augenlaufen.

Der Gebrauch des kalten Wassers wird sich als sehr heilsam erweisen, wenn es in folgender Weise angewandt wird. Beim Bettgehen umbinde man den Hals mit einer nassen Binde, welche mit einem trockenen Zeugstück befestigt wird; diese Binde lasse man während des Tages am Halse und wechsele öfters.

Solche Personen, die diesem Uebel besonders ausgesetzt sind, sollten als Vorbeugungsmittel jeden Morgen Hals und Brust gut waschen und mit kaltem Wasser spritzen und begießen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von der gewählten Medizin 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf, gieb einen Theelöffel voll dieser Auflösung alle Stunde, zwei oder drei Stunden. Fällt dem Patient das Schlucken sehr schwer, so kann man ihm 3 Kügelchen -- eine Dosis -- geben, damit er dieselben sich auf der Zunge auflösen lasse.

Eiternde und putride oder bösartige Halsentzündung (~Malignant Quinsy~, ~Angina Gangrenosa~).

Diese Krankheit wird häufig epidemisch und ist dem wehen Hals in der bösartigen Form beim Scharlachfieber sehr ähnlich und tritt gewöhnlich bei feuchter Witterung ein. Schwachgebaute Personen, sowie solche, die in niederen, feuchten, schlechtgelüfteten Häusern wohnen, sind diesem Uebel am meisten blosgestellt.

+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit Frösteln, worauf Fieber folgt, Druck in der Brust mit oder ohne Erbrechen, scharlachrothe Wangen, Hals und Mandeln mehr oder weniger entzündet, säuerliche Absonderung aus Mund und Nase, schwacher, schneller Puls. Der Hals ist immer hochroth und geschwollen, und wird bald nebst den Mandeln mit Geschwüren überzogen. Der Athem ist sehr übelriechend, die Nackendrüsen schwellen an, die Haut des Gesichts und Nackens ist glänzend, das Gesicht sinkt ein und Erbrechen und Diarrhöe findet statt.

Die Haut, welche zu Anfang der Krankheit heiß und trocken war, wird im Verlauf von Schweiß belegt; endlich tritt Schläfrigkeit ein und der Kranke stirbt.

+Ursachen.+ Die Krankheit wird für ansteckend gehalten und wird auch durch Erkältung &c. erzeugt. Die Behandlung sollte immer nur ein Arzt unternehmen, wenn einer zu haben ist.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein Brechmittel und folge mit einigen Abführungsmitteln, falls Hartleibigkeit vorhanden ist. Das Waschen des Halses mit Myrrhen- und Cayenne-Tinktur oder mit dem gegen wehen Hals vorgeschriebenen Liniment, wird sich als sehr wirksam erweisen. Auch sollte man dem Patienten häufig einen Löffel voll Hopfenhefe (~hop yeast~) eingeben und Porter, Ale oder Bier verordnet werden.

Das folgende mag gebraucht werden: Einen Theelöffel voll Cayenne und einen Eßlöffel voll Salz lasse man in einem Pint Wasser und gutem Essig gelinde kochen und seihe, sobald die Mischung kalt ist, durch.

Auch das folgende Gurgelmittel ist gut:

Sumach- (~Sumach~) Beeren 1 Unze. Weißeichenrinde 1 „ Roth-Ulmenrinde 1½ Unzen. Brombeerwurzel (~Blackberry root~) 1½ „

Bereite mittelst genügendem Wasser eine Abkochung und füge zu jedem Pint ein Stückchen Alaun (~Alum~) von der Größe einer Walnuß bei, seihe und gurgle damit, nachdem es kalt geworden.

=Homöopathisch.= ~Belladonna~ und ~Mercurius~ -- abwechselnd beim Anfang, namentlich bei Trockenheit im Mund, Ruhelosigkeit oder Delirium.

~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- mag zu Anfang, wenn das Fieber sehr stark ist, nöthig sein -- einige Dosen.

~Mercurius.~ -- Zu geben, sobald die Trockenheit des Halses und Schwierigkeit beim Schlucken sich zeigt.

~Nitric Acid.~ -- Wenn ~Mercury~ nicht wirkt und die Geschwüre größer und schmerzhaft werden. Allein oder abwechselnd mit ~Mercury~ zu nehmen.

~Arsenicum.~ -- Dies ist eins der hauptsächlichsten Mittel und sollte gegeben werden, wenn der Patient zusehends und schnell schwächer wird; ebenfalls, wenn die Geschwüre dunkelroth und mit Schorf (~Scabs~) bedeckt sind, Zähne und Lippen sind mit einer schwarzen krustartigen Substanz überzogen, fortwährendes Gemurmel und Delirium, Schwierigkeit beim Athmen, säuerlicher Ausfluß aus Mund und Nase, wodurch die Haut aufgeschärft wird. Dieses Heilmittel mag entweder allein, oder abwechselnd mit ~Lachesis~ verordnet werden.

~Lachesis.~ -- Namentlich wenn Hals und Nacken geschwollen und entfärbt sind und die Zunge bei äußerem Druck schmerzt.

~Carbo vegetabilis.~ -- Wenn der Eiterfluß aus den Schwären dünn und der Quantität nach groß ist und der Patient bedeutende Schwäche fühlt.

~Secale.~ -- Bei großer Schläferigkeit, oder wenn der Kranke im schlummernden, halbbewußtlosen Zustand sich befindet.

~Opium~ -- falls ~Secale~ nicht die gewünschte Wirkung hervorbringt.

~Bryonia~ und ~Hellebore~. -- Wenn der Patient mit halbgeschlossenen Augen schläft.

~Nitric Acid.~ -- Morgens und Abends eine Dosis, wenn die Schwären, nachdem die Gefahr vorüber, nicht schnell heilen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe zu Anfang des Anfalls alle Stunden einen Theelöffel voll, indem man später alle 2, 3 oder 4 Stunden verordnet, wenn die Symptome nämlich nachlassen.

Die Kost sollte aus Reis, Pfeilwurz (~Arrowroot~), Cornstarch, dünnem Mehlschleim (~Flour gruel~) und dergleichen bestehen. Ist der Mund sehr heiß und trocken, so mag man denselben mit etwas Milch und Wasser befeuchten. Der Kranke sollte in ein großes, trockenes, luftiges Zimmer gebracht werden, das beständig gut ausgelüftet gehalten werden muß.

=Allöopathisch.= Man sollte den Stuhlgang mittelst einer Dosis von schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of magnesia~) oder Rochellesalz in Ordnung halten.

Als Gurgelmittel gebrauche eine Mischung von rothem Pfeffer, Essig und Wasser.

Wenn eine starke Auflösung von Salpetersilber (~Nitrate of silver~) -- zwanzig Grane zu einer Unze Wasser -- mit einem langen Kameelhaarpinsel auf die Mandeln aufgetragen wird, so wird dies die Entzündung dämmen.

Auch mögen hierzu gleiche Theile Salzsäure (~Muriatic acid~) und Honig verwandt und dies kann, verdünnt mit Wasser als Gurgelmittel gebraucht werden.

Eberle sagt, daß starker Aufguß von der Indigowurzel als Gurgelmittel verwendet, gute Dienste leiste.

Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens (~Swelling or Elongation of the Palate~).

Dieses Uebel wird gewöhnlich durch eine leichte Erkältung oder Unverdaulichkeit hervorgerufen, und besteht in einer leichten Entzündung des Zäpfchens, wodurch die Verlängerung und ein Gefühl entsteht, als ob es herabgefallen wäre.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Weißeichrinde-Abkochung, worin man ein wenig Alaun auflöst, mag als Gurgelmittel benützt werden. Oft wird mittelst Pfeffer, Salz oder Senf Linderung verschafft.

=Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Das beste Heilmittel. Dosis: Drei oder vier Kügelchen alle zwei Stunden.

~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Sulphur~ -- sollte verordnet werden, falls ~Nux vomica~ nicht wirkt. Dosis, wie bei ~Nux vomica~. Kaltes Wasser äußerlich und innerlich angewendet, thut gute Dienste.

Diphtheria.

Dies ist eine verhältnißmäßig neue Krankheit, mit der wir bis vor wenigen Jahren nur wenig bekannt geworden. Sie ist außerordentlich gefährlich und ansteckend, verschont kein Alter, befällt aber namentlich die Jugend und hauptsächlich vollblütige, fette Kinder. Erwachsene werden selten damit behaftet, es sei denn durch Ansteckung.

+Ursachen.+ Hierüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Manche halten Diphtheria für eine bösartige Form der Halsbräune (aber Diphtheria unterscheidet sich ganz bedeutend von der Bräune), während andere sagen, es sei eine Art Scharlachfieber. Es ist jedoch eine Krankheit, welche den ganzen Organismus angreift, jedoch hauptsächlich im Hals auftritt.

+Symptome.+ Diese sind sehr verschieden. Das erste Symptom ist in beinahe allen Fällen eine Heiserkeit, mit schwacher Stimme, leichtes Frösteln (wenigstens wurde das schon beobachtet) und Fieber, heftiges Kopfweh, worauf in sehr kurzer Zeit Wundheit im Halse und Schwierigkeit beim Schlucken eintritt. Der Kranke mag einige Tage vor dem Anfall leichtes Unwohlsein fühlen und schnell ermüdet werden. Nebst der Wundheit im Halse fühlt der Patient ein stechendes Gefühl an der Zungenwurzel, und die Drüsen in den Ecken der unteren Kinnbacken schwellen an und werden empfindsam. Schmerz in den Knochen, Mattigkeit, Störung im Magen, Appetitlosigkeit. In vielen Fällen wird der Hals so wenig affizirt, daß sich die Freunde und Eltern des Kindes nur schwierig von dem gefahrvollen Zustand desselben überzeugen können. Manchmal klagt das Kind gleich von Anfang über Wundheit und Steifheit im Halse. Aeußerlich sind die Mandeln vergrößert und weich, während innen die Entzündung deutlich wahrzunehmen ist. Dieselbe gibt den betreffenden Theilen bei Erwachsenen das Aussehen, als ob sie (die Theile) mit Mahoganifirniß überzogen seien, während sie bei Kindern eine rosige Farbe haben. Der Hals ist mit kleinen Flecken, die sich wie Stückchen Haut ausnehmen, überzogen, und wenn diese Hautstückchen sich ablösen, so zeigen sich unter denselben rohe, rothe Stellen. In allen Fällen ist mehr oder weniger Fieber mit Kopfweh vorhanden, was manchmal ganz unerträglich und heftig wird. Der Geruch des Athems ist so eigenthümlich, daß Personen, die mit dieser Krankheit bekannt sind, dieselbe daran zu erkennen vermögen. Der hintere Theil des Halses ist gewöhnlich mit einem Schleimhäutchen überhäutet, das, durch das Athmen zerrissen, sich sogleich wieder bildet. Bei heftigen Anfällen ist das Fieber sehr stark, mit Hitze, brennender Haut, erröthetem Angesicht, schnellem Puls, großer Schwierigkeit beim Schlucken und beschleunigtem Athem. Die Zunge ist mit einer dicken, zähen, schmutzig aussehenden, weißlichen, gelblichen oder grünen Substanz bedeckt und der Kranke ist sehr schwach und erschöpft. Die Mandeln schwellen außerordentlich an und der Mund wird innen ganz mit einer „falschen“ Schleimhaut überzogen.