Part 19
Folgendes sind Mittel, die zum Reinigen der Zähne angewendet werden mögen:
Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 2 Unzen. Pulverisirtes Myrrhenharz (~Pulv. Gum Myrrh~) 6 Skrupel. Kampher (~Camphor~) 10 Grane.
Wasser in hinreichender Menge.
Ein anderes ist:
Präparirte Kreide (~Prepared chalk~) 2 Unzen. Pulverisirte Veilchenwurzel (~Pulv. orris root~) 2 „ Pulverisirter Bimsstein (~Pulv. pumice stone~) 1 Unze.
Von irgend einem besseren Oele einige Tropfen.
Folgendes wurde von Dr. C. H. Cleveland als ein ausgezeichnetes Waschmittel für die Zähne empfohlen:
Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~) 1 Unze. Chinarinden-Tinktur (~Tincture of peruvian bark~) 1 „ Enzianwurzel-Tinktur (~Tincture of Gentian root~) 1 „ Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~) 1 Drachme. Reines Wasser ½ Pint.
Mische es und bürste damit die Zähne nach jeder Mahlzeit.
Ein gutes Zahnpulver besteht aus gleichen Theilen von pulverisirter ~Chinchona~, Gelbwurz (~Golden seal~), Veilchenwurz (~Orris root~) und Holzkohle mit ein wenig Honig angemacht.
Gewöhnliche spanische Seife ist ein ausgezeichnetes Mittel, ebenso gewöhnliches Tischsalz jeden Morgen und Abend angewendet. Letztes besonders macht den Geschmack mild und angenehm.
Widerwärtiger Geruch des Athems
entsteht aus verschiedenen Ursachen, zu denen zu zählen sind: Schadhafte Zähne, verdorbene Absonderung der Munddrüsen, Vernachlässigung des Reinigens der Zähne, Weinstein oder Hängenbleiben der Speisereste. Die hartnäckigsten Fälle rühren von einer unvollkommenen Verdauung durch Störung der Leber oder anderer Organe her.
+Behandlung.+
Wenn schadhafte Zähne die Ursachen sind, so sollten sie entfernt, oder wenn dieselben noch nicht zu sehr angegriffen sind, ausgefüllt werden. Der Mund ist öfters mit spanischer Seife und Wasser zu reinigen, und wenn es von den Schleimabsonderungen des Mundes herrührt, sollte derselbe mehrere Male des Tages mit 8 bis 10 Tropfen Soda-Chlorid (~Chlorid of soda~) in einem Glas voll Wasser gewaschen werden. Ist die Haut trocken und aufgesprungen, muß sie ein- bis zweimal des Tages mit weichem Wasser, dem ein klein wenig Whiskey hinzugefügt ist, gewaschen werden.
Mit folgendem geben wir einige Mittel, um dem Athem einen besseren Geruch zu geben:
Pulverisirte Myrrhen (~Powdered myrrh~) 2 Unzen. Chinarinde (~Peruvian bark~) 8 „ Zimmetöl (~Oil of cinnamon~) 32 Tropfen. Nelkenöl (~Oil of cloves~) 32 „ Präparirte Kreide 4 Unzen. Veilchenwurz (~Orris root~) 8 „ Rosennelke (~Rose-pink~) 3 „
Mische es gut. -- Oder:
Katechuharz (~Gum catchu~) 2 Unzen. Weißer Zucker 4 „ Veilchenwurzpulver (~Orris powder~) 1 Unze.
Mache es zu einem Teig und füge 2 Tropfen ~Verdi~ hinzu.
=Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn durch Entzündung des Zahnfleisches und der Nackendrüsen veranlaßt.
~Arnica~, ~Nux vomica~, ~Belladonna~, ~Silicea~ oder ~Sulphur~. -- Wenn dafür kein besonderer Grund vorhanden, oder wenn es nur am Morgen gefunden wird.
~Chamomilla~, ~Nux vomica~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er nach den Mahlzeiten wahrgenommen wird.
~Pulsatilla~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er des Abends oder Nachts eintritt.
+Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis 6 Kügelchen jeden Abend ein oder zwei Wochen hindurch, ehe zu einem andern Heilmittel gegriffen wird. Rührt der Geruch vom Essen von Zwiebeln oder Knoblauch her, so kann er durch das Trinken von ein wenig Wein, das Essen einer Birne oder gekochten rothen Rübe beseitigt werden.
Schlechter Geschmack im Munde
mag die Folge verschiedener Krankheiten sein, wird aber am häufigsten bei Fiebern und verdorbenem Magen gefunden. Wegen der Behandlung desselben sehe man die Ursachen, aus denen er entspringt. Zuweilen tritt er indessen auch allein stehend auf.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Cuprum~, ~Rhus~ und ~Cocculus~. -- Wenn der Geschmack kupferig ist.
~Lachesis~, ~Mercury~ und ~Nux vomica~. -- Wenn der Geschmack metallisch ist.
~Arnica~, ~Bryonia~, ~Sulphur~, ~Rhus~, ~Mercurius~ und ~Pulsatilla~. -- Wenn der Geschmack faulig ist.
~China~, ~Pulsatilla~ oder ~Mercurius~. -- Wenn der Geschmack erdartig (~earthy~) ist.
~Bryonia~, ~Pulsatilla~, ~Arnica~ und ~Chamomilla~. -- Wenn der Geschmack bitter ist.
~Mercurius~, ~Nux vomica~, ~Arsenicum~, ~Tartarus emeticus~ und ~Carbo vegetabilis~. -- Wenn der Geschmack salzig ist.
+Verordnung der Heilmittel.+ Nehme eine Dosis (4 Kügelchen) des gewählten Heilmittels zweimal des Tages.
Zahnfleischschwären (~Gumboils~)
sind Geschwüre in Folge von Entzündungen, die sich auf dem Zahnfleisch bilden. Sie werden von schadhaften Zähnen, Durchbrechen der Zähne und andern Ursachen hervorgerufen.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Der Mund mag mit Salz und Wasser, und zwar im Verhältniß von einem Theelöffel voll Salz auf ein halbes Pint Wasser, gewaschen werden.
Die Eingeweide sollten dabei mit folgendem in Ordnung gehalten werden:
Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 15 Grane. Magnesia 15 „ Pfeffermünzwasser (~Peppermint~) 10 Drachmen. Mohnsaft (~Laudanum~) 15 Minims. Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) 20 „ Ingwersyrup (~Syrup of ginger~) 1 Drachme. Rhabarbertinktur (~Tincture of Rhubarb~) 1 „
Mische und nimm es als eine Dosis.
Wenn die Zahnfleischschwären durch einen schadhaften Zahn hervorgerufen werden, so sollte man denselben ausziehen lassen.
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- abwechselnd, wenn beträchtliche Entzündung und Anschwellung bei Hitze und Schmerz, alle 2 Stunden eine Dosis, bis Linderung eintritt.
~Mercurius.~ -- Bei klopfendem und schlagendem Schmerz. Kann abwechselnd mit ~Hepar Sulphur~ gegeben werden.
~Silicea.~ -- Wenn die vorhergehenden Mittel ohne Erfolg gegen das Wachsen des Geschwüres angewendet werden und sich Eiter gebildet hat.
~Aconitum~ und ~Chamomilla~ -- abwechselnd zu geben, wenn die Zahnfleischschwären in Folge von Entzündung beim Durchbruch des Weisheitszahnes entstehen.
+Verordnung der Heilmittel.+ Während der Entzündung mögen die Mittel alle Stunden einmal und nachher alle zwei Stunden gegeben werden. Von ~Silicea~ oder ~Calcarea~ gebe jeden Abend und jeden Morgen eine Dosis.
Entzündung und Anschwellen der Zunge
kennzeichnet sich durch Schmerz, Hitze und Anschwellen mit Trockenheit des Mundes und überreichen Speichelfluß. Sie kann so anschwellen, daß der Mund ganz gefüllt ist, wodurch das Schlucken und Sprechen sehr erschwert wird, und Erstickung droht.
+Symptome.+ Zuerst innerliche Schmerzen und Anschwellen der Zunge. Der Patient fröstelt, ist appetitlos, leidet an verdorbenem Magen, dumpfe Schmerzen im Kopfe und Rücken, Hitze der Haut, sehr schnellen Puls, klopfender und stechender Schmerz in der Zunge.
+Ursachen.+ Unmittelbare Beschädigungen, wie von verbrennenden Getränken, Wunden oder Verbrühungen, Bisse oder Stiche von giftigen Insekten, Speichelfluß nach Quecksilber, Pocken.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- Beim Beginn der Krankheit, wenn das Fieber und die Entzündung stark und von heftigen, schneidenden Schmerzen begleitet sind.
~Aconitum~ und ~Arnica~ -- abwechselnd, wo die Entzündung von örtlichen Verletzungen herrührt. Abwechselnd jede Stunde oder alle 2 Stunden.
~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei heftigem Schmerz, Anschwellen und Verhärtung, die Zunge roth, trocken oder feucht, Puls rasend schnell und ungehindert, Athem beschwerlich, klopfende oder stechende Schmerzen in der Zunge und der Mund und Hals von der Geschwulst angefüllt, schlimmer des Nachts, schnelles Sinken der Lebenskraft.
~Belladonna.~ -- Gesicht roth, Augen mit Blut unterlaufen, Zunge entzündet, roth trocken und geschwollen, heftiges Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, klopfender Schmerz im Kopfe, Haut heiß und trocken, Augen gegen Licht empfindlich, klopfende, schießende, ziehende Schmerzen in der Zunge, Gefühl von Erstickung.
~Mercurius~ und ~Belladonna~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn eins oder das andere, allein gegeben, keine Linderung verschafft.
~Aurum Muriaticum~, Potaschen-Hydriodat (~Hydriodate of potassa~), ~Acidum Nitri~ oder ~Hepar Sulphuris~. -- Wenn das Anschwellen von der Anwendung des ~Mercurius~ herrührt.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder auch alle zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
In Fällen, daß die Anschwellung so bedeutend wird, daß Erstickung zu befürchten steht, so zögere man nicht, nehme ein Messer und mache einen Einschnitt längs der Zunge, indem dadurch der Andrang des Blutes gelindert wird.
Mundkrebs (~Stomacace~).
Diese Form eines bösen Mundes wird in der Regel bei Kindern von 5 bis 10 Jahren gefunden und von Einigen für ansteckend gehalten. Es ist eine Entzündung der Schleimhaut des Mundes, über welche sich eine gelbliche Flüssigkeit ergießt, die, wenn sie nicht eingehalten wird, eine sehr zerstörende Form annimmt und tiefe schwarze Geschwüre verursacht.
+Symptome.+ Zuerst Schmerz und ein unbehagliches Gefühl im Zahnfleisch, das bald heiß, trocken und sehr empfindlich wird, begleitet von Ermattung, Unlust zum Spiel oder zur Bewegung, Appetitlosigkeit, Durst, das Zahnfleisch schwillt an, wird schwammig und blutet bei Berührung. Die innere Fläche der Wangen und des Zahnfleisches ist mit Flecken falscher Haut, unter denen Eiter erscheint, bedeckt. Bei einigen Fällen fehlt die falsche Haut, der Eiter hat ein gräuliches oder schwarzgelbes Ansehen. Ist die Krankheit heftig, so schwellen die Drüsen unter dem Gaumen an, werden hart und schmerzhaft, der Athem wird sehr widerwärtig und die Absonderung des Speichels erhöht sich beträchtlich. Zuweilen werden auch die Zähne locker und fallen aus. Auch kann ein überreicher Auswurf eines widerwärtigen, blutigen Eiters aus dem Munde stattfinden, der Athem stinkend, fast knochenfraßartig werden. Die Bewegungen des Gaumens werden steif und können durch Anschwellung ganz verhindert werden, gleichzeitig von bösem Nacken und Hals begleitet. Die Kräfte des Kranken sinken rasend schnell und er wird außerordentlich hinfällig.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Sind die Eingeweide verstopft oder nicht gehörig in Ordnung, so gebe man ein wenig Calomel, dem man einige Stunden darauf eine Dosis Castoröl folgen lassen kann. Potaschen-Chlorid (~Chloride of potassa~) ist bei dieser Krankheit ein wichtiges Mittel. Man bediene sich einer Waschung zusammengesetzt aus 3 Granen Potaschen-Chlorid, welches in einer hinreichenden Menge versüßten Wassers aufgelöst wird. Kann einem drei Jahre alten Kinde und 5 Grane einem Kinde von acht bis neun Jahren gegeben werden.
Wenn die Eiterbeulen langsam heilen, mögen sie mit einer Lösung von Borax und Wasser 15 Grane auf eine Unze, oder Chlorkalk (~Chloride of lime~), oder auch mit einer schwachen Lösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) -- ein Gran auf eine Unze, gewaschen werden.
Folgendes wird von Dr. Dewees als eine Waschung der Eiterbeulen empfohlen:
Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 10 Grane. Pulverisirtes Chinchona 2 Drachmen. Pulverisirtes Mutterzimmtharz (~Pulv. Gum Cassia~) 1 Drachme. Honig 2 Drachmen. Wasser 3 Unzen.
Die Eiterbeulen sollten hiermit zweimal des Tages vermittelst eines Kameelhaarpinsels bestrichen werden.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Waschmittel:
Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) ½ Drachme. Wasser 1 Unze.
Zweimal des Tages auf die Beulen zu bringen.
Oder auch:
Weißes Vitriol (~White vitriol~) 1 Unze. Weiches Wasser 2 Drachmen.
Mische es und füge hinzu:
Honig 2 Drachmen. Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~) 2 „
Zweimal des Tages anzuwenden.
Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, möge folgendes angewendet werden:
Weißeichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze. Wasser 1 Pint.
Koche und seihe es durch, füge ferner hinzu:
Alaun (~Alum~) 1 Skrupel.
Mit einem weichen Schwamme wasche man hiermit die Eiterbeulen mehrere Male des Tages.
=Eclectische und Kräuterkur.= Der Mund sollte öfters mit einem warmen zusammenziehenden Aufguß ausgespült werden, wozu folgendes dienen mag:
Gelbwurz (~Golden seal~) } Geranium (Storchschnabel) } Gleiche Theile. Alaun (~Alum~) }
Oder:
Ein Aufguß von Rothwurzel (~Red root~), Rüsterrinde (~Witch hazel bark~) und Geranium.
Eisenchlor-Tinktur (~Tincture of chloride of iron~) ist ein schätzenwerthes Mittel zur äußerlichen Anwendung. Wird das Kind schwach, so kann schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) oder Wein gegeben werden.
=Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Dieses Heilmittel ist fast in jedem Falle mit Erfolg anwendbar und kann bei Beginn der Krankheit gegeben werden, ausgenommen wenn sie durch ~Mercurius~ veranlaßt sein sollte, in welchem Falle dann ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~ oder ~Acidum Nitri~ zu geben ist.
~Nux Vomica.~ -- Eiterbeulen faulig und schmerzhaft, Anschwellen des Zahnfleisches, stinkender Eiter ist über die ganze Mundfläche verbreitet. Verstopfung ist vorhanden.
~Arsenicum.~ -- Eiterung der Zungenränder, heftige brennende Schmerzen, geschwollenes Zahnfleisch, leicht blutend, große Unruhe und einem öfteren Verlangen zu trinken.
~Capsicum.~ -- Besonders bei starken Personen, die ein ruhiges Leben führen und wo Blasen oder Bläschen auf der Zunge vorhanden sind mit Anschwellen des Zahnfleisches verbunden.
~Acidum Nitri.~ -- Wenn ~Mercurius~ keine Linderung verschafft oder wenn das Zahnfleisch anschwillt, weißlich licht und leicht blutend, begleitet von einem Lockerwerden der Zähne, Speichelfluß von fauligem Geruch aus dem Munde.
~Carbo Vegetabilis.~ -- Eiterung des Zahnfleisches und der Zunge bei starker Blutung, begleitet von einem brennenden Gefühle und außerordentlich üblem Geruch des Eiters.
~Sulphur~ -- wird am Ende der Kur gegeben, wenn Anschwellen des Zahnfleisches verbunden mit schlagendem Schmerz, Blasen, welche beim Essen brennen, widerwärtiger oder saurer Geruch aus dem Munde, Verstopfung oder grüne schleimige Diarrhöe.
Behufs Waschung bediene man sich kalten Wassers, zuweilen Citronensafts, Salbei- (~Sage~) Thee; auch eine schwache Mischung von Branntwein mit Wasser wird sich bewähren.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle zwei, drei oder vier Stunden einen Eßlöffel voll.
Scharbock, Scorbut (~Scurvy~, ~Scorbutus~)
ist eine Krankheit, die auf einem verdorbenen Zustande der Säfte beruht und die sich bis zur Eiterung und Auflösung der festen Theile ausstreckt. Er wird am häufigsten im Felde, in belagerten Städten, auf Schiffen, die lange Reisen machen, gefunden, überhaupt überall da, wo den Menschen frische Lebensmittel versagt und sie der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind. Auch beständige Kost salziger Nahrungsmittel und geräucherten Fleisches, sowie auch Unterdrückung von regelmäßigen Ausflüssen, wie die monatlichen Regeln, sind zuweilen Ursache.
+Symptome.+ -- In der Regel bestehen die ersten Symptome in Erweichung, Eiterung, Blutung und Anschwellen des Zahnfleisches, das schwammig und die Ursache eines verdorbenen Athems wird. Die Glieder schwellen an und eine große geistige und körperliche Schwäche, Ermüdung nach der geringsten Bewegung tritt ein. Dunkle, purpurne Flecken erscheinen an verschiedenen Theilen des Körpers, Blutungen aus der Nase, dem Hals, dem Magen und den Eingeweiden finden statt und das Gesicht nimmt eine Bleifarbe an und ist mit Blut unterlaufen. Die Eingeweide sind verstopft und an verschiedenen Stellen des Körpers erscheinen Eiterbeulen, die Gelenke schwellen an und werden straff. Die Haut ist trocken und der Puls klein und schwach; zuweilen brechen alte längst vernarbte Wunden wieder auf und ganz hinfällig in Folge von Blutflüssen, Diarrhöe u.s.w. stirbt der Kranke.
+Ursachen.+ -- Die Entbehrung von Pflanzenstoffen, welche zur Erhaltung der Gesundheit nothwendig sind, solche Ursachen, welche das Nervensystem herabstimmen, Einfluß von Kälte und Feuchtigkeit, Mangel an Bewegung und übermäßige Ermüdung.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die Ursachen der Krankheit müssen gehoben werden, sind diese z. B. eingesalzene Nahrungsmittel, so müssen frische an deren Stelle gesetzt werden. Man lasse den Kranken Ueberfluß an frischen Früchten, Gemüsen, Orangen, Citronen, Aepfelwein (~Cider~), Sprossenbier, Sauerkraut, Erdbeeren, Aepfel &c. genießen. Kartoffel sind während dieser Krankheit ein wichtiger Bestandtheil der Kost, mögen sie nun einfach gekocht, oder geröstet mit Essig gegessen werden. Eine Auflösung von Citronensäure, versüßt, dem ein wenig Essig oder Porter beigefügt wird, wird zuträglich sein, ebenso hat sich 2 bis 4 Unzen Salpeter (~Nitre~), aufgelöst, und ein Quart Essig als ein vorzügliches Heilmittel bewährt. Kalksaft (~Lime juice~) ist ein wichtiger Bestandtheil der Kost und sollte, mit der dazu erforderlichen Menge Zucker gemischt, täglich gegeben werden. Milch und Rindfleischbrühe mögen zur Nahrung dienen, wenn der Kranke wegen des wehen Zahnfleisches keine festeren Speisen genießen kann. Der Kranke sollte sich vollständig ruhig verhalten, da zuweilen die geringste Bewegung eine schlimme Wendung verursachen kann.
=Eclectische und Kräuterkur.= Sollte das Zahnfleisch in Eiterung übergehen, gebrauche man folgendes:
Myrrhen (~Myrrh~) 1 Unze. Aloe 1 „ Lakritzen-Extrakt 1 „
Pulverisire es und füge acht Unzen oder zwei Theetassenkopf voll heißes Wasser hinzu. Mische es und wenn erkaltet, gieße das ganze in eine Flasche und gebe ein wenig guten Branntwein hinzu. Lasse die Mischung vier oder fünf Tage lang stehen, seihe es dann durch ein Stück Flanell und gebrauche es viermal des Tages als Waschung. Bei Diarrhöe kann ein Aufguß von Brombeeren-Wurzel (~Black berry root~) oder Geranium (Storchschnabel) gegeben werden. Gegen Säure im Magen kann zusammengesetztes Rhabarber- (~Rhubarb~) und Potaschen- (~Potassa~) Pulver gegeben werden. Ein Preiselbeer- (~Cranberry~) Umschlag über die Eiterbeulen wird sehr zuträglich gefunden werden. Bei Schmerzen und Zusammenziehungen der Glieder, Anschwellen der Gelenke bediene man sich Bähungen von bitteren Kräutern (~bitter herbs~) und reizender Salben.
Sobald der Kranke wieder zu genesen anfängt, können stärkende Mittel erforderlich werden, wie:
Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen von 20 bis 30 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages in einem Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~), Enzian (~Gentian~) oder Bitterwurzel (~Quassia~).
=Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn nicht zuvor gebraucht, bei folgenden Symptomen: Rothes, schwammiges, eiterndes und leicht blutendes Zahnfleisch, begleitet von brennenden Schmerzen des Nachts, Lockerwerden der Zähne bei üblem Geruch aus dem Munde, übermäßige Absonderung eines widerwärtigen und blutigen Speichels, dunkelrother Urin, große Erschöpfung und Schwäche.
~Carbo Vegetabilis.~ -- Besonders bei Personen, welche zu viel Merkur genommen haben, oder bei brennenden Eiterbeulen im Munde, welche häufig bluten und einen ätzenden, übelriechenden Eiter absondern.
~Arsenicum.~ -- Eiterungen an den Rändern der Zunge bei heftig brennenden Schmerzen, geschwollenem und leicht blutendem Zahnfleisch, große Hinfälligkeit und Unruhe, Eiterbeulen schwarz und schwarzgelb, Haut bläulich, kalt und sehr trocken. Andere Heilmittel sind: ~China~, ~Hamamelis~, ~Acidum Sulphuris~, ~Secale~ und ~Phosphorus~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in einen Theetassenkopf voll Wasser aus und gebe alle 2, 4 oder 6 Stunden einen Theelöffel voll.
=Allöopathisch.= Zuweilen wird eine Waschung mit einer Auflösung von Tannicsäure (~Tannic acid~) oder Myrrhen- (~Myrrh~) Tinktur und verdünnter Glycerin oder Alaun (~Alum~), Branntwein und Wasser gegen das Zahnfleisch gebraucht.
Folgende Pillen mögen gegeben werden:
Blaue Pillen (~Blue pill~) 1 Skrupel. Zusammengesetzte Rhabarberpillen (~Rhubarb~) 2 „
Mische es und theile es in 12 Pillen. Dosis: gelegentlich eine oder zwei.
Weinsteinsaures oder chlorsaures Potaschensalz (~Tartrate or chlorate of potassa~), in dem Verhältniß von einer Drachme auf ein Pint Wasser aufgelöst, kann täglich genommen werden.
Als ein stärkendes Mittel ist folgendes empfohlen:
Rindenabkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen. Zusammengesetzte Rindentinktur (~Compound tincture of bark~) 6 Drachmen. Orangenschalensyrup 2 „ Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 Drachme.
Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.
Sind die Eingeweide verstopft, so trinke man nach Belieben Cremor Tartari (~Cream of tartar~) in Wasser aufgelöst. Bei Schlaffheit der Eingeweide wende man Morphium, Laudanum, Campescheholz- (~Logwood~) Thee oder Geranium an.
Chinin (~Quinine~) ist ein vorzügliches Mittel gegen diese Krankheit und kann in Dosen von je 2 oder 3 Granen zwei- bis dreimal des Tages gegeben werden.
Speichelfluß (~Salivation -- Ptyalism~)
wird durch Mißbrauch des Quecksilbers (~Mercury~) und durch Erkältung hervorgerufen, oder begleitet zuweilen Fieberanfälle, wie Scharlachfieber, rührt auch zuweilen von angegriffenen Zähnen her.
+Symptome.+ Uebermäßige Speichelabsonderung, die Drüsen des Mundes und Halses geschwollen und entzündet, in schlimmen Fällen von Lockerwerden oder Ausfallen der Zähne, Eiterung des Halses, des Zahnfleisches und der Zähne, sowie Anschwellen der Zunge begleitet.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~, ~Belladonna~, ~Opium~ oder ~Sulphur~. -- Wenn der Speichelfluß von ~Calomel~ oder irgend einem Quecksilber- (~Mercurius~) Präparat herrührt.
~Mercurius.~ -- Ist der Speichelfluß durch Erkältung hervorgerufen, sowie auch bei schmerzhaftem Anschwellen der Drüsen des Mundes, Uebelriechender Absonderung aus dem Munde, Eiterbeulen auf der inneren Seite der Wangen.
+Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll.
Zum Waschen bediene man sich nichts anderem als Wasser und Milch.