Part 18
+Diät.+ Wer an Neuralgie leidet, sollte weder Kaffee noch grünen Thee trinken, und muß überhaupt auf die Speisen Acht haben, die er nicht ertragen und nicht verdauen kann.
=Allöopathisch.= Ein wirksames Lokalmittel ist Laudanum oder Paregoric, welche man auf ein Stück Zeug anbringt und geölte Seide (~Oil silk~) darüber breitet, um die Verdünstung zu verhüten, und das ganze alsdann auf die betreffenden Theile legt. Bei heftigen Anfällen mag das Laugensalz der Nießwurz (~Veratrea~) -- zwanzig Grane zu einer Unze Schweinefett -- gebraucht werden.
Auch wird das Folgende empfohlen:
Destillirtes Wasser 2 Unzen. Baldriansäure (~Valerianic acid~) 1 Unze. Kohlensaures Natron (~Subcarbonate of ammonia~) genug, um die Säure zu neutralisiren. Alkoholischer Baldrianextrakt (~Alcoholic extract of valerian~) 2 Skrupel.
Man gebe dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
Oder das Folgende:
Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 2 Grane. Blausaures Kalium (~Cyanide of potassium~) 4 „ Baldrianextrakt (~Extract of valerian~) 4 „
Man bereite hiervon 24 Pillen. Dosis -- eine Pille dreimal des Tages.
Oder:
Bilsenkrautextrakt (~Extract of hyosciamus~) ½ Drachme. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 3 Grane. Strychnin 2 „ Pulverisirter Cayennepfeffer ½ Drachme. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 15 Grane.
Verfertige 30 Pillen. Dosis -- eine Pille viermal des Tages.
Manchmal greift man auch zur Aether- oder Chloroform-Einathmung gegen außerordentlich heftige Schmerzen. Ist die Neuralgie durch Störung in den Verdauungswerkzeugen (namentlich in dem Darmkanal) entstanden, was an der belegten Zunge, Appetitlosigkeit und Hartleibigkeit erkannt werden kann, so gebe das Folgende:
Koloquintenextrakt (~Extract of Colocynth~) ½ Drachme. Zusammengesetzte Mutterharzpille (~Compound galbanum pill~) 1 „ Crotonöl 1 Tropfen.
Verfertige hieraus Pillen, jede von 5 Granen, und nehme eine derselben vor dem Schlafengehen.
Die folgende Salbe wird sehr gut empfohlen:
Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~) 1½ Unzen. Schwefeläther (~Sulphuric ether~) 1½ „ Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) ½ Unze. Salatöl ¾ „ Nelkenöl (~Oil of cloves~) ½ „ Chloroform 1 „
Mische dies gut in einem acht Unzen haltenden Arzneikolben, welcher gut zu verschließen, an einen dunklen Ort zu stellen und zur Vorsicht noch in ein dickes Papier oder Stück Zeug zu wickeln ist, da das Licht die Wirkung der Medizin zerstört. Dieses Recept wird sehr gut gegen Kopfweh, Verrenkungen u. s. w. empfohlen.
Das folgende Liniment wird sich in manchen Fällen wirksam erweisen:
Aconitumextrakt (~Extract of Aconite~) 1 Skrupel. Seifenliniment 1 Unze. Zusammengesetztes Kampherliniment (~Compound liniment of camphor~) 1 Unze.
Mische dieses.
=Eclectische und Kräuterkur.= Das Folgende ist empfehlungswerth:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 Grane. Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~) 1 Drachme.
Löse das Chinin in dem Elixir auf und füge bei:
Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~) 14 Drachmen.
Mische und gebe alle 2 Stunden 20 Tropfen in einem Eßlöffel voll Wasser.
Heiße Hopfenbähung auf die betreffenden Theile gelegt verursacht gewöhnlich Linderung. Auch wird dem Patienten durch ~Hot drops~ (heiße Tropfen?), die in jeder Apotheke zu haben sind, manchmal Erleichterung verschafft. Pulverisirter Baldrian (~Valerian~) ist ebenfalls ein ausgezeichnetes Arzneimittel -- einen Theelöffel voll alle zwei Stunden. Manchmal mögen die Schmerzen gelindert werden, indem man ein ~Compound tar plaster~ hinter die Ohren legt und zugleich das Folgende einnimmt:
Feinpulverisirtes Ammoniaksalz (~Sal ammoniac~) 2 Drachmen. Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~) 8 Grane. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 4 „ Kampher 2 „
Mische dieses sehr gut und theile die Mischung in 4 Pulver. Dosis -- ein Pulver alle zwei oder drei Stunden, je nach der Heftigkeit der Anfälle.
Das folgende wird von guter Wirkung sein:
Chloroform 1 Unze. Aconitumtinktur 1 „ Kamphertinktur 1 „ Laudanum 1 „
Mische und reibe etwas von der Mischung über die afficirten Theile zwei- oder dreimal des Tages.
Gesichtsflecken (~Freckles~).
Gesichtsflecken sind eine durch Aussetzung an die Sonne hervorgerufene Entfärbung der Haut und haben ihren Sitz in der äußeren und mittleren Hautlage. Ehe man irgend ein Mittel anwendet, wird man wohl thun, die betreffende Oberfläche mittelst eines linden Balsams oder Schleims zu erweichen, wofür folgendes empfohlen wird:
Honig 2 Unzen. Gereinigtes Wachs (~Purified wax~) 1 Unze. Bleiglätte (~Litharge~) ½ „ Myrrhen ½ „
Mische dieses gut, während es über einem langsam brennenden Feuer steht, und parfümerire die Mischung mit kölnischem Wasser, Rosenöl oder irgend einer anderen Parfümerie.
Nachdem die Hautoberfläche erweicht ist, kann folgendes gebraucht werden:
Bittere Mandeln (~Bitter almonds~) 1 Unze. Gerstenmehl 1 „
Mische mit so viel Honig, daß ein Brei entsteht, mit welchem man das Gesicht vor dem Bettgehen einreibt.
Auch kann das folgende in Anwendung kommen:
Citronensaft 2 Unzen. Pulverisirter Borax ½ Drachme. Zucker 1 „
Mische und lasse die Mischung in einem gläsernen Gefäß einige Tage stehen, bis sie zum Gebrauch tauglich ist, und reibe das Gesicht zwei- oder dreimal des Tages damit ein.
Manchmal wird eine Mischung von kölnischem Wasser und Kleesäure (~Oxalic acid~) gebraucht.
Das folgende wurde von der bekannten Madame de Maintenon angewendet:
Venetianische Seife 1 Unze. Citronensaft ½ „ Bitteres Mandelöl (~Oil of bitter almonds~) ¼ „ Flüssiges Weinsteinöl (~De-liquidated oil of tartar~) ¼ „ Rhodiumöl 3 Tropfen.
Gesichts- und Kinnbackenlähmung (~Paralysis of the Face and Jaw~).
Diese Krankheit tritt gewöhnlich mit der Lähmung anderer Körpertheile auf, ob dieselbe nun eine theilweise oder gänzliche ist, und muß deshalb, wie Lähmung im Allgemeinen, behandelt werden. Siehe für Behandlung Abtheilung ~IV.~ -- verschiedene Krankheiten.
Starrkrampf, Kinnbackenkrampf, Mundklemme (~Lock Jaw~).
Dies ist eine gefährliche Krankheit und besteht in der Zusammenziehung aller Körpermuskeln. Wird der Körper bei den Anfällen vorwärts gebeugt, so nennt man es ~Emprosthotonos~ (Starrkrampf der Beugungsmuskeln nach vornen); wird der Körper rückwärts gebeugt, so heißt es ~Opisthotonos~ (Rückenkrampf, Starrkrampf mit Beugung nach hinten). Ist der Krampf aber blos auf die Kinnbacken beschränkt, so wird die Krankheit Kinnbackenkrampf, auch Mundklemme oder Mundsperre -- engl. ~Lock Jaw~, lat. ~Trismus~ -- genannt.
+Symptome.+ -- Der Starrkrampf tritt oftmals plötzlich und manchmal allmählig ein. Die ersten Symptome sind ein leichtes Gefühl der Steifheit im Nacken und Hals, welche Steifheit immer bedeutender wird, so daß der Patient nur mit größter Schwierigkeit und unter Schmerzen seinen Kopf bewegen kann. Auch ist er nicht vermögend, den Mund leicht zu öffnen; die Kinnbacken kneifen allmählig zusammen und stehen fest, Engigkeit in der Brust, große Schmerzen im Brustbein, unbequeme Erregtheit an der Zungenwurzel, Krämpfe in der Magengrube und den Muskeln des Mastdarms. Die Leiden sind manchmal schrecklich anzusehen; blasse Gesichtsfarbe, Augbrauen zusammengezogen, Runzeln an der Stirne, starre Augen, Nasenhöhlen weit ausgedehnt, Mundecken eingezogen und Zähne blosgestellt, die Züge zu schrecklicher Grimmasse verzerrt, Athmen schwer und schwierig, Puls schwach und schnell, der Verstand ist jedoch ungetrübt. Der tödtliche Ausgang dieser Krankheit wird theilweise durch Erstickung, theilweise durch Erschöpfung verursacht.
+Ursachen.+ -- Geisteskrankheiten, Kälte und Feuchtigkeit, lokale Beschädigungen, z. B. Schnitte und andere Wunden, namentlich an den Fußsohlen und an der inneren Hand. Wenn fremde Körper in der Wunde verbleiben; Wunden, die durch Splitter, Glas- oder Nagelstücke entstanden, erzeugen sehr häufig Starrkrampf, da die fremden Körper die Nervenäste sehr stark drücken.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll Brandy alle zwei oder drei Stunden mit Milch und Fleischthee (~beef-tea~), wobei man einen Gran Opium alle drei oder vier Stunden gibt. Chloroform oder Aether, entweder eingenommen oder eingeathmet, sind werthvolle Mittel. Gegen Hartleibigkeit verordne man einen oder zwei Tropfen Crotonöl in einem Theelöffel voll Schleim (~Gruel~). Man bringe den Kranken in ein heißes Bad und tauche ihn unter und gebe eine Einspritzung (~Injection~) von einer Unze Castoröl oder derselben Quantität Terpentin. Gleich nach dem Bade sollte etwa eine Drachme Laudanum gegeben werden. Indianischer Hanfextrakt (~Indian hemp~) erweist sich in manchen Fällen sehr wirksam. Dosis: Drei Grane alle zwei oder drei Stunden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt einen halben Theelöffel voll zusammengesetzte Lobelia-Tinktur (~Compound tincture of lobelia~) und spanischen Pfeffer (~Capsicum~), welches Mittel man langsam in die Mundecken träufeln läßt. Die Dosis alle fünf Minuten zu wiederholen, bis der Patient wieder schlucken kann. Zur selben Zeit nehme man eine Einspritzung von einer Unze Wasser und einer Unze der obigen Tinktur vor, und wiederhole dies alle 10 oder 20 Minuten.
Kann der Kranke wieder schlucken, so sollte eine große Dosis zusammengesetztes Jalappenpulver (~Compound powder of Jalap~) gegeben werden.
Ist der Starrkrampf durch eine Wunde an den Fußsohlen oder am Innern der Hand erzeugt worden, und wurde diese Wunde geheilt, so muß sie wieder mittelst eines scharfen Messers geöffnet werden. Man sollte nie zugeben, daß Wunden an diesen Körpertheilen von Außen nach Innen heilen, sondern immer besorgt sein, daß die Heilung Innen beginnt und nach Außen hin fortschreitet, was dadurch bewirkt werden kann, daß man die Stelle mit Silbersalpeter (~Nitrate of silver~) so lange „brennt,“ bis eine laufende Wunde entsteht.
Man mag eine starke Lobelia- oder Cayennepfeffer-Tinktur, zwei Theile Lobelia und ein Theil Cayennepfeffer in Theelöffel voll Dosen geben. Dieselben Mittel mögen zu Einspritzungen (~Injections~) gebraucht werden. Sobald der Krampf beseitigt ist, sollte man dem Patienten erlauben, viel von dem Abguß der ~Nervine~ Wurzel zu trinken.
=Homöopathisch.= Wurde der Starrkrampf durch eine Wunde verursacht, so sollte dieselbe vergrößert und ein Brod- und Milch- oder Flachssamenumschlag darauf gelegt werden.
~Arnica.~ -- Anfänglich äußerlich als Waschmittel und innerlich eine aus vier Kügelchen bestehende Dosis oder ein Tropfen alle 2 Stunden.
~Belladonna~ oder ~Lachesis~. -- Nehmen die Krämpfe zu, so gebe diese Heilmittel abwechselnd in den bei ~Arnica~ vorgeschriebenen Dosen.
~Hyosciamus~ und ~Opium~. -- Wenn nach zwölf Stunden keine Besserung eingetreten ist.
~Nux vomica.~ -- Namentlich wenn die Krämpfe häufig sich wiederholen aber nur von kurzer Dauer sind und der Patient beim völligen Bewußtsein ist, krampfartige Schmerzen in der Magengegend.
~Stramonium.~ -- Wenn die Daumen und Finger krampfhaft zusammengezogen sind, wilder, starrer Blick, schmerzhaftes, schwieriges Athmen und Schlucken. Gebe dieses Heilmittel abwechselnd mit ~Hyosciamus~ und ~Cicuta~.
~Secale.~ -- Wenn der Zustand des Kranken sich in der Wärme verschlimmert.
~Rhus~ und ~Ignatia~. -- Abwechselnd, wenn der Körper bogenartig rückwärts gekrümmt ist. Gebe dies so wie die anderen Heilmittel.
=Wasserkur.= Das Wasser leistet bei dieser Krankheit sehr gute Dienste. Der Patient sollte in einen Badzuber voll kaltes Wasser gebracht und lange tüchtig gerieben und sodann ins Bett gebracht und mit trockenen wollenen Zeugstücken wiederum gut gerieben werden. Tritt in einer oder zwei Stunden keine Veränderung ein, so sollte diese Behandlung wiederholt werden.
Dr. Colby von Massachusetts empfiehlt folgende Behandlung: Das Wasser sollte beinahe zum Gefrieren kalt sein und mittelst eines Kruges über den Patienten gegossen werden; etwa ein Eimer (~bucket~) voll alle fünf Minuten, womit man eine halbe Stunde anhält. Sodann trockne man den Kranken mit trockenen Handtüchern gut ab und wickele ihn in Flanell, bringe ihn ins Bett, wo er zwei oder drei Stunden zubringen sollte, bis ein tüchtiger Schweiß erzeugt ist, woraus der ganze Körper mit kaltem Wasser mittelst eines Schwammes gewaschen wird.
+Bemerkung.+ -- Die Behandlung dieser Krankheit sollte immer nur von einem fähigen Arzte unternommen werden, falls ein solcher zu haben ist.
Neuntes Kapitel.
Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.
Zahnweh (~Odontalgia~).
Dieses so schmerzhafte Leiden ist nur zu gut bekannt und bedarf keiner weiteren Beschreibung. Einige besitzen dazu erbliche Anlagen, andere ziehen es sich dadurch zu, daß sie sich den Witterungseinflüssen zu sehr aussetzen, oder es kann rheumatischen Ursprungs sein, auch die Zerstörung der Zähne und der unmäßige Genuß von Kaffee und Calomel können es verursachen. Gewöhnlich aber rührt es von schadhaften Zähnen her. Der Nerv des Zahnes wird durch die Beschädigung der Zahnmasse blosgestellt und kommt so mit der Luft und fremden Körpern in Berührung, wodurch jener so äußerst empfindliche Schmerz hervorgerufen wird. Ebenso kann es auch durch die Entzündung der Schleimhaut, welche die Zähne einfaßt (~Periosteum~), durch Druck beim Kauen, durch Knirschen der Zähne oder auch durch solche Zähne, die höher als die übrigen stehen und deshalb stärker auf die entgegengesetzten pressen, verursacht werden.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Zahnschmerz kann dadurch gestillt werden, daß in die Höhle des Zahnes ein Stück Watte mit einem Tropfen Nelken- oder Cajeputöl, oder auch Kreosot befeuchtet, gesteckt wird. Man sollte womöglich verhindern, daß der Kreosot in den Mund läuft.
Folgendes wird sehr empfohlen:
Kohlensäure (~Carbolic acid~) 2 Drachmen. Collodion 1 Drachme.
Eine gallertartige Masse wird ausgezogen und ein kleines Theilchen, das in die Höhle des kranken Zahnes gebracht wird, wird sofortige Linderung verschaffen.
Rührt der Zahnschmerz von schadhaften Zähnen her, so wird er vielleicht dadurch, daß man Branntwein, Whiskey, Rum oder verdünnte Cayenne-Tinktur (~Tincture of cayenne~) in den Mund nimmt, oder auch durch äußere Anwendung von Laudanum, Senfpflaster, Blasenpflaster hinter den Ohren, sowie auch durch Hopfen in Alcohol eingetaucht, entfernt. Alaun und Salz zu gleichen Theilen fest in die Höhlung des Zahnes gedrückt, verschafft zuweilen Linderung, so auch ein kleines Stück Watte mit Morphium getränkt, aber es sollte Sorge getragen werden, daß nichts von dem Morphium verschluckt wird.
Die im achten Kapitel unter „Neuralgie“ empfohlene Salbe gegen Kopfschmerz, Verstopfung u. s. w. wird bei äußerlichem Gebrauche auch hier für gut befunden werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes ist zu empfehlen:
Alaun, fein gepulvert 4 Drachmen. Salpeter-Aether (~Nitric ether~) 14 „
Oder auch:
Nelkenöl (~Oil of cloves~) 1 Drachme. Cajupetöl (~Oil of cajupet~) 1 „ Amberöl (~Oil of amber~) 1 „ Pulverisirter Kampher (~Pulv. Camphor~) 1 „
Mische und gebrauche es.
Oder:
Kampher (~Camphor~) 4 Drachmen. Chloroform 2 „ Ammoniakwasser (~Water of ammonia~) 1 Drachme.
Mische und gebrauche es wie das vorhergehende. Eine Pille aus Kampher-Gummi (~Gum Camphor and Opium~) in den wehen Zahn gebracht, wird selten verfehlen, den Schmerz zu lindern.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei Fieberhaftigkeit, großer Angst und Unruhe, heftig klopfenden und schlagenden Schmerzen, wenn Erkältung die Ursache, begleitet von Gesichtshitze, Röthe der Wangen, Anschwellen des Gesichts. Verschafft dieses Mittel nur für eine kurze Zeit Linderung, so lasse man ~Belladonna~ oder ~China~ folgen.
~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz durch Verletzungen, wie Ausziehen oder Verstopfen verursacht. Man löse es auf und zwar ein Theil Tinktur auf fünf bis sechs Theile Wasser, und bringe es auf den verletzten Theil.
~Belladonna.~ -- Bei einem Gefühl von Eiterung in den Zähnen, rasende, schießende, schneidende Schmerzen in den Zähnen, im Gesicht und den Ohren, schlimmer des Abends beim Niederlegen, Zahnfleisch heiß und geschwollen, Schmerz im Freien oder beim Berühren der Zähne mit kalten oder warmen Speisen erhöht; Hitze und Röthe des Gesichts, des Nachts Verschlimmerung.
~Bryonia.~ -- Ziehender, stechender Zahnschmerz, bei einem Gefühle, als ob die Zähne locker und zu lang wären, oder bei Zahnschmerz durch nasses Wetter hervorgerufen, auch wenn der Schmerz durch das Nehmen von Wasser in den Mund erhöht wird. Es wird gut sein, es nach ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ oder abwechselnd mit ~Rhus~ zu geben, wenn nasses Wetter oder rheumatische Anfälle Anlaß zu Zahnschmerzen sind.
~Chamomilla.~ -- Heftig stechende, ziehende, schießende Schmerzen, schlimmer des Nachts wenn der Leidende im Bett ist, Anschwellen und Röthe der Wangen, oder eine Wange roth und die andere blaß, Anschwellen des Zahnfleisches, Vergrößerung der Drüsen unter dem unteren Gaumen, Schmerzen nach heißen Getränken, besonders nach Kaffee heftiger.
~Coffea.~ -- Heftige Schmerzen während welchen der Kranke ganz außer sich ist, Zittern, Weinen, Unruhe und Aufgeregtsein. Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.
~Mercurius.~ -- Schmerzen in der Zahnhöhle, an der Wurzel der Zähne, schießende Schmerzen durch die Seiten des Gesichts nach den Ohren zu, durch warme oder kalte Getränke erhöht, Anschwellen und Entzündung des Zahnfleisches.
~Calcarea.~ -- Bei Zahnweh von schwangeren Frauenzimmern, Schmerzen in hohlen Zähnen oder lockeren Stumpfen; klopfende, ziehende und brechende Schmerzen, Zahnfleisch geschwollen, weh und leicht blutend, Schmerzen durch Erkältung verursacht und durch Geräusch erhöht.
~Carbo Vegetabilis.~ -- Ziehende, rasende oder klopfende Schmerzen in den Zähnen, Zahnfleisch leicht blutend, Gefühl von Lockersein und Eiterung der Zähne, bei feuchter Witterung und wenn heiße, kalte oder salzige Gegenstände in den Mund kommen, schlimmer.
~Pulsatilla~ -- entspricht mehr bei jungen Mädchen oder Leuten sanfter Gemüthsart, schießende Schmerzen, die sich von der leidenden Seite bis zum Ohr ziehen; stechender Schmerz, als ob der Nerv zusammen gezogen und dann wieder plötzlich ausgedehnt würde, besonders auf der linken Seite Schmerz, durch Wärme oder Ruhe erhöht, besser während des Gehens, besonders im Freien, Zahnweh begleitet von Ohren- und Kopfschmerz.
~Nux vomica~ -- für Leute, die ein ruhiges Leben führen, oder welchen Kaffee und starke Spirituosen zusagen; Zahnfleisch schmerzhaft und geschwollen, Schlagen wie bei einem Geschwür, klopfende, brennende oder kneipende Schmerzen in den Zähnen, durch Essen und Aussetzen der freien Luft erhöht. Auch abwechselnd mit ~Mercurius~.
~Hyosciamus.~ -- Heftige, rasende Schmerzen, die sich von den Wangen nach der Stirn erstrecken, nach Erkältungen im Freien zugezogen, Gesicht roth und heiß, große nervöse Aufregung, Augen roth, strahlend und wild blickend.
~Ignatia.~ -- Für eine Person von empfindlicher Natur, Gefühl als ob die Zähne gebrochen würden, auch wenn der Schmerz von Erkältung oder geistigen Leiden herrührt, wenn schlimmer nach Kaffee trinken, Tabak rauchen, nach dem Niederlegen oder am Morgen beim Erwachen.
~Hepar Sulphuris.~ -- Passend bei Leuten, die zu viel ~Mercurius~ genommen haben, wenn sich nach dem Zahnschmerz Zahnfleischgewächse bilden.
~Rhus.~ -- Besonders bei rheumatischem Zahnschmerz während feuchter Witterung, begleitet von Schmerzen in den Gliedern und im Kopf, Frösteln und Unruhe, rasende, schießende, stechende Schmerzen, schlimmer im Freien, oder des Nachts, wenn der Leidende sehr unruhig ist und die Schmerzen durch äußerlich angewendete Hitze gelindert werden. Kann auch abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden.
~Creosotum.~ -- Gegen Schmerz in schadhaften Zähnen mit Anschwellen des Zahnfleisches und Blutandrang nach demselben verbunden.
~Sulphur.~ -- Rasende, schlagende Schmerzen, begleitet von Anschwellen der Wangen, schießende Schmerzen in den Ohren, Zahnschmerz am Abend oder des Nachts durch die Bettwärme sowie auch im Freien oder durch Zugluft verschlimmert.
~Staphysagria.~ -- Bei hohlen Zähnen und Stumpfen, der Schmerz dehnt sich bis auf die Ohren und den Kopf aus, die Wangen schwellen an, sind nicht heiß und der Schmerz wird durch das Einathmen der kalten Luft oder durch kalte Getränke gesteigert, schlimmer während oder nach Tische, auch bei Berühren oder nur nach Mitternacht.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Alle 15 Minuten, halbe oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
In einigen Fällen, wo der Schmerz von hohlen Zähnen herrührt, wird es von gutem Erfolge sein, einen kleinen Theil ~Arsenicum~ in die Höhlung zu bringen, und dies kann doch auch geschehen, daß man ein kleines Stückchen Watte zu diesem Behufe mit einem Häkchen versehen, anfeuchtet, und darauf ein ganz klein wenig weißes Arsenikoxyd (~White Oxide of Arsenic~) bringt, was den Schmerz fast augenblicklich stillt.
Verfall der Zähne (~Caries~)
beschränkt sich weder auf Alter, noch Geschlecht und Stand, sondern wird unter allen Klassen gefunden.
+Ursachen.+ -- Heiße Getränke oder Speisen, welche mit den Zähnen in Berührung kommen und den Zahnschmelz verletzen, üppiges Leben, wodurch der allgemeine Gesundheitszustand heruntergebracht und wodurch eine ungesunde Speichelabsonderung verursacht wird, ebenso das Hängenbleiben von Speiseresten, die unter allen Umständen durch sorgfältiges Reinigen der Zähne nach jeder Mahlzeit entfernt werden sollten; Quecksilber in größerer Menge genommen, wird Verfall nach sich ziehen, auch Tabak ist für die Zähne schädlich. Das Ansammeln von Weinstein (der sich aus dem Speichel, welcher sich anfänglich weich an die Zähne ansetzt, sich bald aber verhärtet und braun oder schwarz wird) ist nicht selten die Ursache.
+Behandlung.+