Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 15

Chapter 153,055 wordsPublic domain

Jod (~Iodine~) 10 Grane. Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 2½ „ Strychnin (~Strychnia~) 1 „ Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (~Cohosh~) hinreichend um aus Obigem Pillen zu machen.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das zusammengesetzte Theerpflaster (~Compound Tar Plaster~) im Nacken aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann, dort bleiben soll.

=Homöopathisch.= Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den folgenden Mitteln: ~Pulsatilla~, ~Sulphur~, ~Belladonna~, ~Calcarea~, ~Phosphorus~. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.

Gegen gänzliche Erblindung.

~Belladonna.~ -- Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen, theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz, Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen. Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe es abwechselnd mit ~Hyosciamus~.

~Nux vomica.~ -- Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht, Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit ein, so gebe man zuerst ~Aconitum~, dann ~Mercurius~ alle zwei oder drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.

~China.~ -- Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu, weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine Hinfälligkeit.

~Phosphorus.~ -- Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages, schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme des Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.

~Stramonium.~ -- Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie, Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis des gewählten Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den Heilmitteln angegeben sind.

=Allöopathisch.= Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt &c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten Tag zu geben.

Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung 1½ Unze. Safran- (~Colchicum~) Tinktur 20 Minims.

Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die Sennesblätter-Mischung (~Senna mixture~) so oft als nöthig, um eine vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die Eingeweide offen bleiben.

Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

Aufguß von Enzian (~Gentian~) 5½ Unzen. Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesquicarbonate of ammonia~) ½ Gran. Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Cardamon~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen. Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (~Compound tincture of bark~) 6 Drachmen. Orangenschalen-Syrup 2 „ Verdünnte Schwefelsäure (~Deluted sulphuric acid~) 1 „

Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (~Bay berry root~) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet, ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) ein Gran auf eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.

Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:

Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of iron and strychnine~) 1 Drachme. Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen. Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Kurzsichtigkeit (~Myopia~).

Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt, daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.

Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man hohlgeschliffene Brillen tragen.

Weitsichtigkeit (~Presbyopia~).

beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.

Schielauge (~Squinting~, ~Strabismus~).

Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als nach Außen gerichtet.

~Ursachen.~ Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die Lage in der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Bei Schielen auf- oder auswärts, das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts, Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche schließlich unempfindlich gegen Licht wird.

~Alumina.~ -- Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb, Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und dunkel.

~Digitalis.~ -- Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.

~Camphor.~ -- Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.

Andere Mittel sind: ~Secale~, ~Spigelia~, ~Phosphorus~ und ~Sulphur~.

=Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch Salz und Sennesblätter (~Senna~) gegeben und die Kost sorgfältig geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu verbleiben.

Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:

Strychnin (~Strychnia~) 2 Grane. Verdünnte Phosphorsäure (~Diluted phosphoric acid~) 1 Unze. Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~) 3 Pints.

Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Oder:

Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of Iron and Strychnine~) 1 Drachme. Orangenschalensyrup (~Syrup of Orange peel~) 2 Unzen. Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.

Fremde Körper im Auge.

Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten, wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren, möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (~Solution of nitrate of silver~) oder schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), und zwar im Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.

Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen, daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.

Sechstes Kapitel.

Ohrenkrankheiten.

Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden Theile.

Unter dem äußeren Ohr versteht man die s. g. Ohrmuschel, die man gewöhnlich Ohr nennt, sowie den Gehörgang (~Meatus~). In der Ohrmuschel wird der Schall gleichsam gesammelt, der Gehörgang aber führt denselben weiter zur Ohrtrommel (~Tympanum~). Der die Ohrmuschel einfassende Rand wird ~Hilex~, der Rand innerhalb des ~Hilex~ -- ~Anti-hilex~ genannt. Die Aushöhlung, die vom ~Anti-hilex~ umgeben ist, nennt man ~Concha~, weil sie einer „Muschel“ ähnlich sieht. Das Ohrläppchen, der Theil, an dem die Ohrringe getragen werden, ist der unterste Theil des Ohres.

Ohrenentzündung (~Inflammation of the Ear, Otitis~).

Die Ohrenentzündung kommt sehr häufig bei Kindern vor, findet sich jedoch auch bei Erwachsenen. Es ist eine Entzündung der Ohrtrommel und eine sehr schmerzhafte Krankheit, welche andere Theile des Ohres afficirt und namentlich verursacht, daß der Gehörgang oft bedeutend anschwillt, so daß derselbe manchmal geschlossen wird.

+Symptome.+ Bedeutende Hitze, stechende Schmerzen tief im Ohre und auffallende Röthe. Manchmal ergreift die Entzündung das Gehirn und es mögen in diesem Falle Krämpfe oder Delirium eintreten. Oft folgt diese Krankheit dem Scharlachfieber und anderen Krankheiten.

+Ursachen.+ Dieselben sind: das sich Aussetzen der kalten Luft, oder wenn der Kopf kaltem Luftzug ausgesetzt wird. Manchmal entsteht das Uebel auch durch das Eindringen fremder Körper in’s Ohr, z. B. Watte, Papier, Bohnen, Insekten &c.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Ein oder zwei Blutegel (~Leech~), die an die Schläfe oder hinter die Ohren gesetzt, oder ein Pflaster, das hinter dem Ohr aufgelegt wird, werden gute Dienste thun. Auch mögen Umschläge von Flachssamen, Hopfen oder Brod und Milch angewendet werden; sowie das folgende:

Zubereitete Kreide (~Prepared chalk~) 36 Grane. Kamille (~Chamomile~) 12 „ Ipecacuanha (~Ipecac~ -- Brechwurz) 4 „ Bilsenkrautextrakt (~Extract of Hyosciamus~) 6 „

Hieraus mache man 12 Pulver und nehme eines derselben vor dem Schlafengehen. Während des Tages gebe kleine Dosen Magnesia oder Bittersalz und Sennesblätter (~Salts and Senna~).

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung durch Erkältung erzeugt wurde, so verordne man ein Fußbad und lege warme Hopfenumschläge auf das Ohr. Manchmal wird der Schmerz gelindert, wenn man einige Tropfen süßes Mandelöl (~Sweet oil of Almonds~) und einen Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Dies mag zwei- oder dreimal des Tages gebraucht werden. Auch kann man hierzu manchmal Zwiebelsaft und Laudanum -- gleiche Theile von jedem -- verwenden. Oder:

Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) ½ Drachme. Olivenöl (~Olive oil~) 1 „ Pulverisirter Kampher (~Powdered Camphor~) 15 Grane.

Mische und löse den Kampher in den Oelen auf. Einige Tropfen dieser Mischung mögen warm ins Ohr geträufelt werden. Ist der Schmerz sehr heftig, so lege man ein Senfpflaster hinter das Ohr und gebe Castoröl, oder Bittersalz oder ein anderes mildes Abführungsmittel.

=Homöopathisch.= Das Waschen des Ohrs mit aus spanischer (~Castile~) Seife zubereitetem Seifenwasser mag sehr wohlthätig wirken. Auch kann man Watte (Baumwolle), die mit warmgemachtem, süßem Mandelöl begossen wird, auf das Ohr legen. ~Pulsatilla~ ist gegen diese Krankheit ein sehr wichtiges Heilmittel. Man gibt dasselbe namentlich dann, wenn der Kranke brennende stechende Schmerzen empfindet, die so heftig werden, daß beinahe Delirium eintritt.

~Belladonna.~ Wenn der Schmerz sich dem Gehirn mittheilt, Unruhe der Hände, Zerren der Muskeln und Mundecken und große Empfindsamkeit und Erregtheit. ~Aconitum~ mag mit ~Belladonna~ abwechselnd gegeben werden, wenn das Fieber sehr stark ist. Auch kann ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~ in Anwendung kommen, namentlich wenn der Patient große Unruhe zeigt. Setzt sich ein Geschwür an, was sich durch heftigen, stechenden Schmerz und ein eigenthümliches Klopfen anzeigt, so gebe man ~Mercurius~, ~Lachesis~ oder ~Hepar Sulphur~. Letzteres Mittel ist das beste.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen des betreffenden Heilmittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede halbe Stunde einen Theelöffel voll, oder jede Stunde, alle zwei oder drei Stunden, je nach den Symptomen.

Ohrenschmerz (~Earache, Otalgia~).

Dieses Uebel sollte nicht mit der Ohrenentzündung verwechselt werden, da es ganz und gar verschiedener Natur ist, weil dabei kein Fieber vorherrscht und der Schmerz eher rheumatischer Art ist. Die Anfälle treten plötzlich ein und sind von kurzer Dauer. Oft ist der ganze Kopf eingenommen und die Ursache hat man gewöhnlich in einer Erkältung zu suchen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende ist ein gutes Mittel: Man röste drei oder vier Knoblauchzwiebel (~Garlic~) und zerdrücke sie während dieselben warm sind; gieße einen Eßlöffel voll Salatöl, einen Eßlöffel voll Honig und einen Eßlöffel voll Laudanum hinzu. Drücke den Saft aus und träufle denselben warm dann und wann ins Ohr. Der Dampf von bitterem Kräuterthee, über welchen man das Ohr hält, sowie ein Hopfenumschlag werden sich als ausgezeichnete Mittel erweisen.

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen dieses Uebel; namentlich wenn der Schmerz reißend und zuckend ist, als ob sich etwas aus dem Ohre drücken wolle. Wenn das Ohr heiß, roth und geschwollen ist, oder wenn der Patient stechende, reißende Schmerzen in der ganzen Seite des Gesichts fühlt. Dieses Mittel ist hauptsächlich bei Frauenzimmern und Personen anwendbar, die leicht frösteln.

~Chamomilla.~ -- Namentlich bei acuten und stechenden Schmerzen, wie die von einer Messerwunde, hauptsächlich auf eine Erkältung, wo dem Schweiß plötzlich Einhalt gethan wurde, wenn die Schmerzen stechend, reißend sind und der Patient sehr erregt und übler Laune ist.

~Belladonna.~ -- Wenn Blutandrang nach dem Kopfe stattfindet und reißende, stechende Schmerzen sich nach dem Halse zu ziehen.

~Hepar Sulphur~ -- mag gegeben werden, wenn sich die bei ~Belladonna~ angegebenen Symptome zeigen, namentlich wenn dieses Heilmittel nicht lindert; ebenso wenn der Schmerz klopft, zuckt und zaust.

~Mercurius.~ -- Im Falle ~Pulsatilla~ und ~Chamomilla~ nicht mildern; auch wenn der Schmerz zerrend ist und sich nach den Wangen zieht, wenn die Schmerzen im warmen Zimmer sich vermehren und eine fröstelnde Empfindung im Ohr verspürt wird; oder der Patient viel schwitzt, ohne daß ihm hierdurch Linderung würde.

~Nux vomica.~ -- Wenn die Schmerzen heftig, stechend und zerrend sind und sich bis zu den Schläfen und der Stirne erstrecken, sowie hinab zu den Kinnbacken.

~Spigelia.~ -- Wenn der Schmerz empfunden wird, als ob ein Nagel im Ohr stecke und der Patient in den Kinnbacken Reißen und Zerren empfindet.

~Rhus.~ -- Brauchbar wenn das Ohrenweh durch Erkältung verursacht wird.

~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz bei der geringsten Veranlassung wiederkehrt, bei großer Empfindlichkeit und man ein Sausen um das Ohr herum verspürt. Hauptsächlich bei nervösen, empfindsamen Personen anzuwenden.

~China.~ -- Ist namentlich anzuwenden nach ~Arnica~ oder ~Pulsatilla~, hauptsächlich wenn die Schmerzen reißend sind und mehr am äußeren Theil des Ohres gefühlt und bei Berührung vermehrt werden und Sausen im Ohr verspürt wird.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede 15 Minuten, halbe Stunde oder zwei Stunden, je nachdem es die Symptome erfordern. Manchmal fühlt der Kranke, nachdem die heftigsten Schmerzen gehoben sind, eine gewisse Wundheit und dumpfen Schmerz; dagegen gebrauche ~Sulphur~ oder ~Calcarea~. ~Carbonica~ -- eine Dosis Morgens und Abends.

=Allöopathisch.= Das Ohrenweh mag gelindert werden, indem man drei oder vier Tropfen Oliven- oder Mandelöl mit einem Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Amerikanische Blutegel (~American leeches~) hinters Ohr gesetzt sind manchmal von guter Wirkung. Glycerin und warmes Wasser, von jedem einen halben Eßlöffel voll. Mische und träufle die Mischung vermittelst eines Theelöffels ins Ohr. Dieses Mittel schafft oft baldige Linderung. Oder nehme einen halben Theelöffel voll warmes Olivenöl mit zehn Tropfen Laudanum und träufle dies ins Ohr. Das folgende wird manchmal ausgezeichnet wirken, wenn ein Stärkungsmittel (~tonic~) nöthig ist.

Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 1 Drachme. Strychnin 1 Gran. Pomeranzschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen. Weiches Wasser ½ Pint.

Mische. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Ohrensausen, Ohrenklingen (~Humming and Buzzing in the Ears~).

Diese Symptome nimmt man gewöhnlich beim Ohrenweh, Ohrenlaufen oder Entzündung des Ohres wahr und sollten dieselben wie diese Uebel behandelt werden. Manchmal wird das Ohrenlaufen &c. auch durch Blutandrang im Kopfe und durch Erkältung verursacht.

Schwerhörigkeit (~Hardness of Hearing, Surditas~).

Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge, einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe ~Arnica~. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach Fieber- und Fieberfrösten gebe ~Carbo vegetabilis~ alle Abend eine Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine Besserung eingetreten, gebe ~Graphitis~, namentlich wenn Ohrensausen und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so gebe ~Lachesis~, ~Nitric acid~, ~Petroleum~, eines nach dem andern in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem Kopfe hervorgerufen, so gebe ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Nux vomica~, ~Sulphur~ oder ~Silicea~ -- eine Dosis jeden Morgen und Abend, beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel den Masern, so gebe ~Pulsatilla~ und ~Carbo Vegetabilis~; wenn dem Scharlachfieber, ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphur~; wenn nach den Blattern, ~Mercurius~ und ~Sulphur~, eine Dosis jeden andern Abend abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden, greife man zu ~Chamomilla~, ~Arsenic~, ~Lachesis~, ~Mercurius~, ~Sulphur~ oder ~Pulsatilla~. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das durch Chinin kurirt wurde, so gebe ~Carbo Vegetabilis~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~; jedes Mittel eine Woche, eine Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, ~Pulsatilla~, ~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Hepar Sulphur~ zwei oder drei Tage lang, ein Heilmittel einmal des Tages.

=Allöopathisch.= Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen; ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze einige Wochen damit fort:

Kamphorirtes Oel (~Camphorated oil~) ½ Unze. Seifen-Liniment ½ Drachme.

Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Essigsäuerlicher Colchicum- (Zeitlose) Extrakt (~Acetous extract of colchicum~) 1 Skrupel. Präparirtes Schweinefett 1 Unze.