Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 14

Chapter 143,199 wordsPublic domain

=Allöopathisch.= Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens, wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen, die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden. Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.

Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:

Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 12 Grane. Laudanum 2 Drachmen. Destillirtes Wasser 12 Unzen.

Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind, möge folgende Waschung angewendet werden:

Rosenwasser 4 Unzen. Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.

Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (~Dilute nitrate of mercury ointment~), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern, je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung, getragen werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Erweichende Umschläge von pulverisirter schlüpfriger Ulmenrinde (~Pulv. slippery elm bark~), mit warmer Milch und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die verwelkten Blätter des Stechapfels (~Stramonium~) mit Fett gemischt zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.

Entzündung des Augapfels (~Ophthalmia~).

Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.

+Symptome.+ -- Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen. Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände. Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.

+Ursachen.+ -- Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben, plötzlicher Witterungswechsel.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie folgt, gegeben werden:

Pulverisirter Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane. Pulverisirte Sennesblätter (~Pulv. senna~) 12 „ Springgurke (~Elaterium~) 2 „ Crotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen. Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.

Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine, bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~), 4 Grane derselben auf eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden. Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein, der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren, so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~) fort. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen. Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) wie folgt angewendet werden:

Rosenwasser 4½ Unzen. Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.

Mische es.

=Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende Augenwaschung ist empfohlen:

Bleizucker (~Sugar of lead~) ½ Drachme. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) ½ „ Gewöhnliches Salz 1 „ Stückzucker (~Loaf sugar~) 1 „ Destillirtes Wasser ½ Pint.

Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis dreimal des Tages damit.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:

Grüner Thee ½ Unze. Gelbwurz (~Yellow root~) ½ „ Kochendes Wasser 1 Pint.

Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück weißen Flanells.

Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das folgende angewendet werden:

Aconit-Tinctur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme. Eine Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden seal~) 1 Unze.

Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.

Ein anderes Heilmittel ist:

Gelbwurz (~Golden seal~), Hexennuß-Blätter (~Witch Hazel~), von jedem ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver 10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.

=Homöopathisch.= Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) möge in dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser angewendet werden.

~Aconitum.~ -- Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große geistige Aufregung.

~Belladonna.~ -- Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels, Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen, oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen, welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider, rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.

~Euphrasia.~ -- Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen dieselben Symptome als bei ~Belladonna~ angewendet werden, wenn ~Belladonna~ keine Linderung gewährt.

~Nux vomica.~ -- Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen und Kopfweh jede Nacht.

~Pulsatilla.~ -- Kann ~Aconitum~ folgen, wenn die schlimmste Entzündung nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und zum Weinen geneigt.

~Ignatia.~ -- Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen, welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.

~Spigelia.~ -- Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der Augapfel zu groß wäre.

~Arsenicum.~ -- Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen, Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels, welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.

~Mercurius.~ -- Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der Augen erhöht.

+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.

Chronische Augenentzündung.

Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer Schwächung des Organismus eintreten.

+Symptome.+ -- Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der Thränen.

+Ursachen.+ -- Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder Dämmerlicht.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Es wird gut sein, ein- oder zweimal in der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.

Ungesalzene Butter 2 Unzen. Weißes Wachs 2 Drachmen.

Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme pulverisirtes schwefelsaures Zink (~Pulv. sulphate of zinc~) ein. Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup (~Gum Camphor~) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die Augen 2 bis 3 Mal des Tages.

=Homöopathisch.= Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) oder salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~) in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser. Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur innerlichen Anwendung sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Sulphur~, ~Silicea~, ~Nux vomica~, ~Graphites~ und ~Phosphorus~.

=Allöopathisch.= Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:

Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Ointment of nitrate of mercury~). 1 Theil. Salbe von Spermaceut oder Präparirtem Schweinefett 2 Theile.

Mische es.

Auslösung von essigsaurem Blei (~Acetate of Lead~) oder schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), oder auch schwefelsaurem Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet werden.

Chronisch skrophulöse Augenentzündung.

Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren, doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten Arzte überlassen bleiben.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der Augenlider und des Augapfels, ~Aconitum~ und ~Belladonna~.

~Dulcamara.~ -- Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung nachgelassen hat, gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~ und ~Silicea~. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen) von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist ~Silicea~ gegeben worden, so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von ~Silicea~ in einem halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den Augen gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~, ~Silicea~, ~Calcarea Carbonica~ und ~Acidum Nitri~ in derselben Weise.

=Allöopathisch.= Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von Alaun (~Alum~), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), 2 Grane auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (~Mercury~) mit Kreide (~Chalk~), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate (~Preparations of iron~), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um den Organismus zu stärken.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgender Syrup möge angewendet werden, den Organismus zu reinigen:

Gelbe Parillawurzel 2 Pfund. Kletten (~Burdock~) und Grundwurz (~Yellowdock~) von jedem 1 „

Wurzelrinde von

Bittersüß (~Bitter sweet~) und Sassafras von jedem ½ „ Maiapfel (~May apple~) und Blutwurzel (~Bloodroot~) von jedem 2 Unzen.

Brühe es in 5-6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein, füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal des Tages ein Weinglas voll.

Gerstenkorn (~Stye~) am Augenlid.

Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch, sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen, zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures Quecksilber (~Diluted nitrate of mercury ointment~) an. Salz und Wasser wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.

Behandlung

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- ist das wichtigste Mittel. Eine Dosis 2 Mal des Tages. Verschafft es keine Linderung, so gebe man Merkur abwechselnd mit ~Hepar Sulphuris~ oder ~Staphysagria~. Eine Dosis 2 oder 3 Mal des Tages eine Woche hindurch von diesen Heilmitteln wird zuweilen deren Erscheinen verhindern. ~Calcarea Carbonica~ kann in derselben Weise gegeben werden.

Nasse oder thränende Augen.

Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen, in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase und die Knochen der Nase können angegriffen werden.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes einreibt.

=Homöopathisch.= Entspringt das Thränen der Augen aus einer allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann ~Euphrasia~ und ~Spigelia~ abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen gegeben werden. Andere Mittel sind ~Belladonna~, ~Pulsatilla~, ~Calcarea Carbonica~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, welche in der aufgeführten Ordnung gegeben werden können.

Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.

Schwarzer Staar (~Cataract~, ~Glaucoma~).

Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.

+Symptome.+ Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich, um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das Auge gänzlich versperrt.

+Ursachen.+ Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck, Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte, Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist, Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben sollen, und diese sind folgende: ~Silicea~, ~Graphites~, ~Hydriodate of Mercury~, ~Calcarea Carbonicum~, ~Conium~ und ~Digitalis~ -- eine Dosis ein- oder zweimal in 24 Stunden.

Augenschwäche (~Weakness of Sight~, ~Amblyopia~)

ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig gelähmt, so ist es ~Amblyopia~, bei gänzlicher Lähmung Blindheit oder ~Amaurosis~. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das allmählig abnimmt, bis sich ~Amaurosis~ vollständig einstellt. In einigen Fällen beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert sich das Leiden mehr und mehr der ~Amaurosis~, wird der Blick von Nebel verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.

~Amaurosis~ wird dadurch vom Staar (~Glaucoma~) unterschieden, daß die Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt. Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch einen weißen Flor gesehen, was bei ~Amaurosis~ nicht der Fall ist.

Kennzeichen der Annäherung von ~Amaurosis~ sind Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (~Amaurosis~) abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen, welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

+Ursachen.+ -- Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln, Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft, Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna, Stechapfel (~Stramonium~), Opium, Blei und Chinin.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen, Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und leicht verdaulich sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum Einnehmen: