Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 11

Chapter 113,032 wordsPublic domain

=Allgemeine.= Die Kranke sollte an die frische Luft gebracht und die Kleider gelockert werden, so daß ein ungehinderter Blutumlauf und freies Athmen stattfinden kann. Kopf und Gesicht wasche man mit kaltem Wasser und zuweilen wird das Uebergießen mit einem Eimer kalten Wassers den Krampf der Kranken beendigen.

=Allöopathisch.= Während eines Krampfanfalles gebe man einen großen Theelöffel voll flüssigen Baldrianextrakt (~Fluid extract of valerian~) in ein Weinglas voll versüßten Wassers, was öfters wiederholt werden sollte; oder eine Drachme frisch gepulverter Baldrianwurzel, in 4 Pulvern getheilt, wovon als Dosis eines gegeben werden kann. Wenn die Kinnbacken geschlossen sind und nicht geöffnet werden können, nehme man in die Zipfel einer Serviette 2 Stücke Eis, ungefähr von der Größe eines Eies, und presse eins auf jeder Seite der Kinnbacken, was in der Regel ein Nachlassen des Krampfes verursachen wird. Ein Theelöffel voll flüchtigen Salzes (~Sal volatile~), Aether oder Stinkasant (~Asa fœtida~) kann, wenn zuträglich, gegeben werden. Hin und wieder wird auch eine Priese Erleichterung verschaffen. Hält der Anfall eine beträchtliche Zeit an, sollte eine Einspritzung, bestehend aus Terpentin, Spiritus, Castoröl, Stinkasanttinktur (~Tincture of asa fœtida~), von jedem eine halbe Unze mit einem Pint Haferschleim gemacht werden. Während der Zeit zwischen den Anfällen muß versucht werden, die Hauptursachen zu denselben, wie unregelmäßige Reinigung, Verstopfung oder gestörte Verdauung zu entfernen. Die Eingeweide mögen mit nicht zu heftig wirkenden Mitteln offen gehalten werden. Bei großer vorhandener Schwäche gebe man eins von den folgenden Mitteln:

Zink-Baldrian (~Valerianate of zinc~) 8 Grane. Baldriantinctur (~Tincture of valerian~) 2 Drachmen. Orangenblüthewasser 3½ Unzen. Rothen Mohnsyrup (~Syrup of red poppies~) 2 Drachmen.

Mische es. Dosis: Alle 6 Stunden einen Eßlöffel voll.

Als stärkendes Mittel Folgendes:

Enzianaufguß (~Infusion of Gentian~) 5½ Unzen. Anderthalb kohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate of ammonia~) ½ Drachme. Zusammengesetzte Kardamontinktur (~Compound tincture of cardamon~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: 2 oder 3 Mal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~) 1 Skrupel. Pulverisirte Aloe (~Pulverized aloes~) 2 „

Mische es und mache 20 Pillen daraus.

Dosis: zweimal des Tages eine Pille. Bei großer Zartheit des Rückgrats sollte die Crotonölsalbe (~Croton oil liniment~) angewendet werden, bis eine starke Entzündung eintritt.

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei harten Fällen wird das folgende Mittel zuträglich gefunden werden:

Stinkender Pothos (~Skunk-cabbage root~) ½ Unze. Schildkraut (~Skull-cap~) ½ „ Frauenschuhwurzel (~Ladyslipper root~) ½ „ Lobelia ½ „ Spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 2 Drachmen. Alcohol 1 Pint. Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of Lavender~) 1 Pint. Aether und Ammoniak, von jedem 4 Unzen.

Mische und lasse es bei häufigem Umschütteln zwei Wochen lang stehen.

Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll, so oft als erforderlich.

In der Zwischenzeit der Anfälle öffne man mit einem der folgenden Mittel die Eingeweide:

Aletridin 12 Grane. Senegin (~Senecin~) 12 „ Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 „

Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

Oder:

Belladonnaextrakt 1½ Grane. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 6 „ Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Alcoholic extract of black cohosh~) 18 „

Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

Eine Pille aus Entenfuß- (~May-apple~) Extrakt mit ein Wenig Chinin (~Quinine~) oder gestoßenen Gewürznelken (~Cloves~) zusammengesetzt, sollte jeden Abend oder einen Abend um den anderen genommen werden. Ein gelindes Brechmittel einmal in der Woche aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (~Ipecacuanha~) mit Isop- (~Pennyroyal~) Thee, wird zuträglich gefunden werden.

Wenn der Kranke schwach ist, kann auch ein Pulver aus Narde (~Spikenard~), Enzian (~Gentian~), Camillen- (~Chamomile~) Blüthe zusammengesetzt, mit ein wenig Gewürznelken (~Cloves~) oder Muskatnuß (~Nutmeg~) in Wein oder Spiritus gegeben werden.

=Homöopathisch.= Wenn der Anfall von Verstopfung herrührt und zugleich von einem bitteren sauren Geschmack im Munde begleitet wird, bei Vollheit und Schmerz im Magen, Uebelkeit, Schwäche, Kopfschmerz, Schwindel, sollte ~Nux Vomica~ Abends und ~Sulphur~ Morgens gegeben werden.

~Pulsatilla~, ~Sabina~, ~Silicea~. Wenn der Anfall von einer Störung des Geschlechtsorganismus herrührt.

~Ignatia~, ~Hyosciamus~, ~Belladonna~ und ~Coffea~. Wenn der Anfall eine starke geistige Aufregung, wie Aerger oder Schrecken, zur Ursache hat.

+Verordnung der Heilmittel.+ Während der Anfälle gebe von dem gewählten Heilmittel eine Lösung von 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser. Dosis: Alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.

In der Zwischenzeit der Anfälle werden alle 12 Stunden 6 Kügelchen hinreichend sein.

Melancholie, Trübsinn

ist eine krankhafter Zustand, unter dessen Einfluß der Kranke niedergeschlagen, mürrisch, wunderlich ist, oder wo er unter der Einbildung einer Schuld, eines großen Verbrechens, das er sich gegen den Himmel oder die Menschen zu Schulden kommen ließ, leidet. Der Appetit ist veränderlich, Stimme schwach, Puls tief und der Schlaf unvollkommen. Dessen Behandlung ist fast dieselbe, als die der Hypochondrie, auf die wir verweisen.

Manie, Irr- oder Wahnsinn

ist eine Störung des Geistes, die sich verschiedenartig äußert. Die Symptome sind so zahlreich und so verschieden, daß es unmöglich ist, irgend eine Beschreibung davon zu geben.

+Ursachen.+ Unter den zahlreichen Veranlassungen hierzu mögen Schläge auf den Kopf oder Rückgrat, Schlagfluß, Lähmung, heftige geistige Aufregung, wie großer Aerger, Eifersucht, Furcht, religiöse Aufregung, geschlechtliche Ausschweifungen und Verdauungsbeschwerden hervorgehoben werden.

+Behandlung+ -- sollte nur einem dazu befähigten Arzte oder den Instituten für derartige Kranke überlassen werden.

Viertes Kapitel.

Krankheiten des Kopfes.

Congestion oder Blutandrang nach dem Kopfe.

Viele Personen leiden an sogenanntem Blutandrang nach dem Kopfe. Es ist dies ein Zeichen von Blutüberfluß oder gestörtem Blutumlauf und kann auch als ein Kennzeichen von Neigung zu einem Schlagfluß betrachtet werden.

+Ursachen+ -- können von einer Krankheit des Herzens, Schwächung durch Blutflüsse, Unverdaulichkeit, Verstopfung und geistiger Anstrengung herrühren.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Bei Verstopfung der Eingeweide gebe man Salz, oder Salz mit Sennesblättern (~Senna~), oder auch Castoröl. In einem ernsten Falle sollte ein warmes Fußbad gegeben und ein Senfpflaster auf den Unterleib gelegt werden. Nachdem Linderung eingetreten ist, sollten die Eingeweide in Ordnung, die Füße warm und die Haut in einem gesunden Zustande erhalten werden. Die Kost muß einfach sein. Folgendes wird als ein vortreffliches Linderungsmittel gefunden werden:

Belladonna-Tinktur ½ Unze. Stechapfel- (~Stramonium~) Tinktur ½ „ Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur 1 „

Mische es und nimm 20 Tropfen einmal des Tages.

=Homöopathisch.= Der Kranke muß sich aller spirituosen Getränke, des Kaffees und Thees enthalten und häufig Waschungen mit kaltem Wasser vornehmen.

~Aconitum~ -- ist das erste Mittel gegen Kopfschmerz, besonders bei einem Schmerz über den Augen, als wenn der Kopf springen wollte, fühlbarer beim Bücken oder Husten.

~Belladonna~ -- allein oder abwechselnd mit ~Aconitum~, wenn der Schmerz mehr auf der rechten Seite des Kopfes, oder bei einem heftigen Drucke auf die Stirne, welcher bei Bewegung, Geräusch und Licht zunimmt, sowie auch bei Summen in den Ohren.

~Opium.~ -- Wenn der Anfall durch Schreck oder das Trinken von kaltem Wasser, wenn erhitzt, hervorgerufen wird mit folgenden Kennzeichen: Schwindel, Summen in den Ohren, Betäubung, bei vom Kopfe strömendem Schweiß, auch anwendbar in jenen Fällen, wo lang anhaltende Verstopfung vorhanden, die sehr hartnäckig ist, während der Kranke gar kein Verlangen nach Stuhl hat.

~Coffea.~ -- Wenn der Anfall durch große Freude -- oder bei Kindern durch das Zahnen, Schlaflosigkeit und Gemüthsbewegung hervorgerufen wird.

~Nux vomica.~ -- Sind anhaltendes Studiren, Trinken von Spirituosen oder heftiger Zorn die Ursache; auch bei vorhandenem schmerzhaften Gefühle im Kopfe beim Gehen oder Bewegen, Druck in den Schläfen, matten Augen, verstopften Eingeweiden mit erfolglosem Verlangen nach Entleerung, verschlimmerten Symptomen am Morgen oder im Freien.

~Bryonia.~ -- Bei schmerzhaftem Druck in den Schläfen oder einem Gefühle beim Bücken, als ob etwas aus den Schläfen fallen wollte, bei Nasenbluten ohne Linderung.

~Rhus toxicodendron~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 15 Minuten bis eine halbe oder 2 Stunden der Strenge der Symptome angemessen einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

Minderers Geist (~Spirit of mindererus~) 2 Unzen. Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.

Mische es und nehme dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Eine Dosis von einem gelinden Mittel wie Castoröl, Salz, oder Salz mit Sennesblättern (~Senna~) sollte am Abend und dem darauffolgenden Morgen gegeben werden.

Rochelle-Salz 2 Drachmen. Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Skrupel. Wasser ½ Pint.

Mische es.

Dieser Mischung füge

Weinstein-Säure (~Tartaric acid~) 35 Grane.

hinzu und nehme das ganze während des Aufschäumens.

Schwindel (~Vertigo~)

ist in der Regel einer Ueberfüllung der Blutgefäße des Kopfes zuzuschreiben und mag ein Symptom von Verdauungs-Störung, Hysterie, Schlaganfall oder Epilepsie sein.

+Ursachen+ -- sind in der Regel ein in Unordnung gekommener Magen, übermäßige Entleerungen; zu starke Befriedigung in Spirituosen und Betäubungsmitteln, Opium, oder Fallen und Schläge auf den Kopf.

+Symptome.+ -- Der Kranke wird plötzlich von einem schwimmenden Gefühle im Kopfe befallen, Alles erscheint matt und als ob es sich herumdrehe, was ein Taumeln und eine Neigung zum Fallen verursacht. Der Anfall dauert nur einige Augenblicke lang.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schwindel mit Uebelkeit und Erbrechen, umwölktes Auge und Verlust des Bewußtseins.

~Pulsatilla.~ -- In Unordnung gekommener Magen bei Uebelkeit und Erbrechen, Ekel gegen Nahrung, Schwindel beim Herumblicken.

~Arnica.~ -- Schwindel nach Ueberladung des Magens, oder während des Essens, mit Uebelkeit, Verdunklung des Blickes und rothem Gesicht.

~Nux vomica.~ -- Schwindel während oder nach dem Essen, oder während eines Spazierganges im Freien, beim Bücken oder Nachdenken, des Morgens schlimmer als am Abend und wenn auf dem Rücken liegend, ein Gefühl, als ob sich alles um Einen herumdrehe, Ohnmachten und Verlieren des Bewußtseins.

~Opium.~ -- Wenn der Anfall von Schreck verursacht, bei Zittern, Verdunkelung des Blickes, Schwindel, beim Aufstehen stärker und den Kranken zum Niederlegen zwingend.

~Mercurius.~ -- Am Morgen und Abend stärkerer Schwindel, verschwommener Blick beim Aufheben des Kopfes, Verlangen, sich niederzulegen.

~Bryonia~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders wenn beim Bücken und Wiederaufrichten ein Gefühl von Blutandrang wahrgenommen wird.

~Ipecacuanha.~ -- Schwindel und Taumeln beim Gehen.

~Belladonna.~ -- Flimmern der Augen bei Bewegung, beim Bücken zunehmend, theilweises Verlieren des Bewußtseins.

~Antimonium Crudum.~ -- Uebelkeit und Erbrechen, Abneigung gegen Speise, Magen in Unordnung. Diesem kann man ~Pulsatilla~ folgen lassen.

~Sulphur.~ -- Schwindel des Morgens oder Abends, beim Ersteigen einer Anhöhe, oder nach dem Essen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6 Kügelchen von dem gewählten Mittel. Dies wird in der Regel zur Linderung hinreichen, oder es ist ein anderes Heilmittel erforderlich.

=Allöopathisch.= Wenn Verdauungsbeschwerden dem Schwindel zu Grunde liegen, sollte der Kost Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei Verstopfung öffne die Eingeweide mit Kaltwassereinspritzungen oder gebe folgendes:

Castoröl 1 Unze. Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 2 Unzen. Gewöhnlicher Syrup ½ Unze. Ein Eidotter.

Mische und nimm es auf einmal.

Oder auch:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Cremor Tartari 1 „ Reines Wasser 1 Pint.

Mische es. Ein Weinglas voll zweimal des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wird der Schwindel durch Magenunordnung verursacht, kann ein Abführmittel wie pulverisirter Entenfuß (~Powdered May apple~), oder Thee von Isop (~Penny royal~), Pfeffermünz (~Peppermint~), Salbei (~Sage~) oder Balsam gegeben werden.

Schlagfluß (~Apoplexy~).

Dieses Leiden kennzeichnet sich durch einen plötzlichen, mehr oder weniger vollständigen -- Verlust des Bewußtseins und der freien Bewegung, ohne den Blutumlauf oder das Athmen zu unterbrechen. Es wird durch einen Druck auf das Gehirn hervorgerufen.

+Ursachen.+ -- Was immer einen Andrang des Blutes nach dem Gehirn veranlaßt, wie heftige Bewegung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, der Gebrauch von Betäubungsmitteln, plötzliche und große geistige Aufregung, wie Furcht oder Aerger, üppige Lebensweise, übertriebene Anwendung von Reizmitteln, Mangel an Bewegung, Unterdrückung von Nasenbluten, übermäßige geistige Anstrengung, allgemeine Hinfälligkeit, Schwäche nach großer körperlicher Anstrengung, Krankheit oder hohes Alter. Auch Krankheiten des Herzens und der Schlagadern, sowie der Lungen können die Veranlassung dazu werden. Ferner kann derselbe auch erblich übertragen worden sein. Leute mit großen Köpfen, kurzem Halse, rothem und blutunterlaufenem Gesichte sind besonders zu Anfällen geneigt.

+Symptome.+ -- Obgleich der Anfall zuweilen ganz plötzlich eintritt, so gehen doch in der Regel Symptome voraus, die auf dessen Annähern schließen lassen. Zu diesen zählen große Neigung zum Schlafe -- unerquickender und durch Träume unterbrochener oder langer und schwerer Schlaf -- mit mühsamem und tiefem Athmen, beständigem dumpfem Schmerz im Kopfe, mit einem Gefühl von Gewicht und Schwere, Schwindel, häufige Anfälle von Alpdrücken, heftige Schmerzen im Gehirn, die Stirnadern dick und angeschwollen, die Adern des Halses und der Schläfe heftig pulsirend, heißer Kopf, Läuten und Summen in den Ohren, Flimmern vor den Augen, zur Nachtzeit Krämpfe in den Beinen, beständige Neigung zum Seufzen, Verlust des Gedächtnisses, Reizbarkeit des Gemüths, ein Gefühl von Erstarren der Beine und Füße, das Niederfallen des oberen Augenlids, veränderlicher Gang, Unregelmäßigkeit in dem Zusichnehmen der Nahrungsmittel, unnatürliche Eßlust, Verstopfung und andere Kennzeichen einer schlechten Verdauung.

Hat der Kranke einen Anfall, so ist das Gesicht gewöhnlich stark gefärbt, die Redeweise wird verwirrt, das Gehör vermindert sich und ein plötzliches Zusammensinken, gleichzeitig mit Verlust des Bewußtseins, mehr oder weniger des Gefühls oder der freien Bewegung tritt ein.

In anderen Fällen wird der Kranke plötzlich von einem Schmerz im Kopfe befallen, wird blaß, schwach und ohnmächtig, erbricht sich und sinkt in einem halb bewußtlosen Zustande nieder, der Puls ist schwach und eine Verzuckung kann eintreten. Diese Betäubung kann einige Minuten bis mehrere Tage anhalten und wenn sie nicht mit dem Tode endet, so wird doch die Genesung nur allmählig vor sich gehen.

Bei der Wiedergenesung wird in der Regel beobachtet werden, daß die Muskeln auf der einen Seite des Körpers gelähmt sind, was nach einigen Stunden verschwinden, aber auch Monate und Jahre anhalten kann. Der Geist ist zuweilen geschwächt und das Gedächtniß mehr oder weniger mangelhaft.

Schlagfluß kann von Epilepsie durch die bei dem ersteren vorhandenen Verzuckungen unterschieden werden. Bei Epilepsie findet man in der Regel Schaum vor dem Munde, Knirschen mit den Zähnen und ein Geschrei, das dem Bellen eines Hundes gleicht. Das Athmen findet hierbei sehr laut und schnarchend statt.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Der Kranke sollte in einen kühlen luftigen Raum geschafft werden. Die Kleider um den Hals müssen entfernt und der Kopf erhöht werden. Uebergießen des Kopfes und Halses mit kaltem Wasser wird sehr zuträglich sein, ebenso starkes Reiben der Fußsohlen.

=Allöopathisch.= Ein Abführmittel bestehend aus 10 bis 15 Granen Calomel sollte das Erste sein. Kann der Patient nicht schlucken, so sollte der hintere Theil der Zunge mit 2 bis 3 Tropfen Crotonöl eingerieben und eine Einspritzung, bestehend aus 2 oder 3 Eßlöffel gewöhnlichen Salzes und ein wenig Oel oder Butter in einem Pint warmen Wassers gemacht und alle 2 Stunden wiederholt werden.

Folgendes ist als eine gute Einspritzung zu empfehlen:

Castoröl 1 Gill. Pulverisirter Cayennepfeffer 10 Grane. Molasses 1 Gill. Salz 1 Theelöffel voll. Warmes Wasser 1 Pint.

Wird der Kranke kalt, oder der Puls klein und schwach, das Gesicht von Schmerz verzogen und die Haut blutlos, so sollten warme Flanells und heiße Steine auf die Oberfläche des Körpers gebracht und folgendes gegeben werden:

Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) ½ Drachme. Kampher-Wasser 1 Unze.

Mische es.

Wenn der Kranke schlucken kann, gebe man ein Abführmittel von einem Aufguß aus Sennesblättern mit schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of magnesia~), Kaltwasserumschläge oder Blasen mit Eis auf den Kopf werden zuträglich sein. Um spätere Anfälle zu verhindern, sollte der Kranke der Kost Sorgfalt zuwenden und die Verstopfung der Eingeweide zu verhüten suchen, täglich Bäder nehmen, jede Aufregung, sowie körperliche und geistige Anstrengung vermeiden. Das Trinken von betäubenden Getränken muß unterbleiben und die Kleidung warm und bequem sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Waschungen des Kopfes und Gesichts mit kaltem Wasser, und ein Bad der Beine und Füße in warmem Wasser, dem pulverisirter Senf oder Pfeffer beigefügt wird, ist sehr zuträglich. Wenn sich der Kranke nicht schnell wieder erholt, kann eine Einspritzung von dem folgenden gemacht werden:

Castoröl 1 Gill. Zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Compound tincture of Lobelia and Capsicum~) 2 Drachmen. Warmes Wasser 1 Pint. Molasses 1 Gill. Feines Salz 1 Drachme.

Mische und verwende es zu einer Einspritzung, was alle 15 Minuten, wenn nothwendig, wiederholt werden kann.

Ein oder zwei Tropfen Crotonöl auf ein Stück Zucker, das so weit als möglich nach hinten auf die Zunge geschoben wird.

Wird der Anfall durch Trunkenheit hervorgerufen, kann ein Brechmittel von Salz, Senf oder Lobelia gegeben werden.

Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ~Composition powder~ und lasse Isop- (~Pennyroyal~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee trinken.

Ist Opium die Ursache des Anfalles, so muß der Kranke starken Kaffee trinken und gezwungen werden, zwischen zwei Begleitern eine lange Zeit hindurch zu gehen.

Nach der Erholung sei man in Bezug auf Kost und Kleidung sehr vorsichtig, vermeide alle starkgewürzten Speisen, Wein und Spirituosen, bade häufig und mache viel Bewegung im Freien.

=Homöopathisch.= Wenn Gift vermuthet wird, so sollte es durch ein starkes Brechmittel, wie schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~), oder durch die Magenpumpe entfernt werden. Ist ~Opium~ oder ~Belladonna~ die Ursache, gebrauche man starken Kaffee.

~Opium.~ -- Trifft der Anfall alte Leute, begleitet mit Summen in den Ohren, Harthörigkeit, Röthe des Gesichts, Unfähigkeit zu antworten, Schwierigkeit beim Aufstehen, mühsames und schnarchendes Athmen, kalter Schweiß im Gesicht, starkes Pulsiren der Adern an den Schläfen.

~Belladonna.~ -- Gesicht geschwollen, bläulich oder dunkelroth, Anschwellen der Adern des Kopfes und Halses, die Pupillen erweitert und die Augen mit Blut unterlaufen, Knirschen der Zähne, Unterdrückung oder unfreiwillige Entleerung des Urins. Wenn sich der Kranke erst wieder etwas erholt, kann dieses Mittel gegen Schwindel, klopfende Schmerzen, Schwere und Druck, krampfartige Schmerzen im Gesicht und in den Gliedern, Brausen in den Ohren, Verstopfung, Erhöhung der Schmerzen bei Bewegung oder Berührung gegeben werden.

~Coffea.~ -- Schlagfluß bei nervösen Personen durch heftige Bewegungen verursacht.

~Aconitum.~ -- Andrang oder plötzliches Schießen des Blutes nach dem Kopfe, Summen in den Ohren, tödtliche Blässe des Gesichts, Schmerz im Kopfe und Erbrechen, brennende und klopfende Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, Pupillen der Augen erweitert, Gesicht geschwollen, roth und erhitzt, Lähmung der Zunge, Schwierigkeit beim Schlucken.

~Nux vomica.~ -- Bei Personen von sitzender Lebensweise, oder jenen die gewöhnt sind, Spirituosen zu trinken, besonders bei Kopfschmerz auf der rechten Seite, Schwindel kann dasselbe abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden.

~Hyosciamus.~ -- Der Kranke stürzt plötzlich mit einem heftigen Schrei zusammen, Verzuckungen, mühsames Athmen, dem Anfalle folgt Mattigkeit und zeitweilige Bewußtlosigkeit, Neigung zum Schlaf, oft und zu lang, Erschrecken, Auffahren aus dem Schlaf, der Körper mit übermäßigem Schweiße bedeckt, häufige Anfälle von Schwindel, Gesicht schwarzgelb, Stimmung traurig und gereizt, Augen roth, funkelnd, starr und aus den Höhlen hervortretend.

~Arnica.~ -- Bei Beschädigungen des Kopfes, die Schlagfluß herbeiführen.

~Mercurius.~ -- Schmerz im Kopfe und ein Gefühl, als ob derselbe springen wollte, Unbehaglichkeit und Schwere in den Gliedern, Anfälle von Verlust der Sehkraft, Summen in den Ohren. Dies kann nach ~Belladonna~ gegeben werden.

~Ipecacuanha.~ -- Wenn die Ueberladung des Magens mit zu reicher Nahrung die Ursache ist.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 15 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten während des Anfalles, nach dem Anfalle alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

Gehirn-Entzündung.

Zur Behandlung dieser Krankheit siehe zweites Kapitel -- „Gehirnfieber.“

Sonnenstich (~Sun Stroke~)