Unser Familien-Arzt Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode

Part 10

Chapter 103,047 wordsPublic domain

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll, auch während des Anfalles.

Gelbes Fieber.

Diese Krankheit kennzeichnet sich durch die gelbliche Hautfarbe und das Erbrechen einer dunkeln Flüssigkeit. Sie ist besonders in warmen Klimaten vorherrschend und eine Witterung von 79 oder 80 Grad, welche 2 oder 3 Monate hindurch anhält, wurde bisher zu seiner Hervorrufung für nothwendig gehalten. In der Regel erscheint sie im Spätsommer oder im Anfange des Herbstes und verschwindet nur mit dem Eintritte des Frostes.

+Ursachen.+ -- Die Verwesung von Pflanzen- und thierischen Stoffen und Uebervölkerung. Die hervorragendsten Ursachen sind eine zu starke thierische oder reizende Kost, unregelmäßige Lebensweise, geistige Angst und Druck, Thränen, Kummer und das Aussetzen gegen Luft und heiße Sonne.

+Symptome.+ -- Die ersten Symptome sind Schwindel, Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, Frost, Uebelkeit und ein Gefühl von Ohnmacht.

+Zweites Stadium.+ -- Nachdem die obigen Symptome einige Stunden lang angehalten haben, tritt eine Rückwirkung ein. Das Gesicht ist geröthet, die Haut heiß und trocken, die Augen sind roth und funkelnd, heftige Schmerzen im Kopfe, Rücken und den Gliedern; Unbehaglichkeit im Magen, sehr schnelles Athmen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, Mund und Hals trocken, bei großem Durst und zuweilen Delirium, die Zunge mit einem klebrigen, weißen Schleim überzogen, mit rothen Rändern, hin und wieder böser Mund, so daß dadurch das Schlucken erschwert wird. Der Kranke klagt über ein Gefühl von Schwere und Beklemmung in der Magengrube und der Magen ist sehr reizbar, alles was verschluckt wird, wieder von sich gebend.

Nachdem diese Symptome 25 bis 36 Stunden angehalten haben, wird dem Kranken wieder leichter, ausgenommen das höchst unangenehme Gefühl im Magen, bei Uebelkeit und Erbrechen.

Dieses Stadium kann einige Stunden lang anhalten und kann dabei ein leichtes Schwitzen vorhanden sein, worauf die früheren Symptome noch heftiger zurückkehren. Der Magen wird jetzt außerordentlich schmerzhaft und empfindlich. Unaufhörliches heftiges Erbrechen einer Flüssigkeit von dunkler Farbe, bei großem Durst. Die Haut und die Augen werden gelb und der Kranke wird ruhelos und unstät. Die Schmerzen im Kopfe, Rücken und in den Gliedern sind weniger heftig als zuvor und der Puls, die Zunge und die Haut können sehr natürlich sein.

Dieses Stadium kann 12 bis 48 Stunden anhalten, dann tritt das letzte Stadium ein, das sich durch Erbrechen einer grünlichen, gelblichen, bräunlichen oder claretfarbigen Masse, welche das schwarze Erbrechen genannt wird, kennzeichnet. Die Temperatur der Haut fällt unter ihren natürlichen Zustand, der Kranke wird sehr schnell schwach, der Puls sinkt, die Zunge wird trocken, schwarz und zusammengeschrumpft, das Athmen unregelmäßig und beschwerlich, Krämpfe befallen die Eingeweide und die Waden, das Gesicht verzieht sich und verliert seinen lebendigen Ausdruck, Hände und Füße werden kalt; Diarrhöe, Schweiß, Blutflüsse und schließlich Krämpfe treten ein.

+Behandlung.+

~Eclectische und Kräuterkur.~ Beim Beginn des Anfalles kann ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia gegeben werden, worauf die Eingeweide mit Folgendem, was sehr empfohlen worden ist, geleert werden sollten:

Essig und Castoröl, von jedem ½ Weinglas voll. Salz 1 Theelöffel voll.

Mische es zu einer Dosis und wiederhole es jede Stunde, bis die Wirkung eintritt.

Zur Verminderung des Fiebers sollte kaltes Wasser auf der Oberfläche des Körpers angewendet werden, zu welchem Behufe der Kranke in ein großes Faß oder irgend ein anderes dazu passendes Gefäß gebracht werden muß, Ströme von kaltem Wasser werden über den Nacken und Körper des Kranken gegossen, bis das Gesicht blaß wird, worauf der Kranke lebhaft abgerieben und in ein warmes Bett geschafft werden sollte. Während des Frost-Stadiums der Krankheit lege man ein großes Blasenpflaster über den Magen und gebe folgendes:

Gemeines Fußblatt (~Podophyllin~) 1 Gran. Leptandrin 2 Grane.

Mische es in einem Mörser mit 10 Granen weißen Zuckers und gib es auf eine Dosis mit stündlicher Wiederholung. Dies wird das Erbrechen vermindern.

Wenn der Frost eine lange Zeit anhält, lege man den Kranken in ein warmes Bad, das mit Senf gemischt ist, wobei Thee von grüner Münze (~spearmint~), Katzenmünze (~catnip~) oder Salbei (~sage~) getrunken werden sollten, um Schweiß hervorzurufen.

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) kann in Dosen von 4 bis 6 Granen jede Stunde oder alle 2 Stunden gegeben werden. Limonade und Cideressig lasse man unbeschränkt trinken. Kann der Magen diese nicht behalten, gebe man vermittelst Einspritzung folgendes:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane. Weinsteinsäure (~Tartaric acid~) 12 „ Limonade oder Citronensaft 1 Unze.

Mische es und gib es als Einspritzung; wenn nöthig, jede Stunde oder alle zwei Stunden zu wiederholen.

Dr. Nott von Mobile empfiehlt Kreosot (~creosote~) während des Fiebers zu geben. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, 20 Tropfen Kreosot mit 6 Unzen Minderers Geist (~Spirits of mindererus~) mit hinlänglich Alcohol, um den Kreosot zu lösen. Man gebe alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll. Waschen der Haut mit kaltem Wasser und Essig wird die Hitze und Trockenheit vermindern. Auch können Senfpflaster längs des Rückgrats gelegt werden.

Während der fieberfreien Zeit oder bei Sinken der Kräfte sollte mit Chinin fortgefahren werden, auch Terpentinöl (~Oil of turpentine~) ist mit Vortheil in diesem Stadium angewendet worden. Gebe jede Stunde, oder alle 2 Stunden 10-15 Tropfen mit 2 oder 3 Granen spanischen Pfeffers (~Capsicum~) in Limonade oder andern säuerlichen Getränken.

Wenn der Kranke sehr hinfällig ist, gebe man das folgende:

Branntwein (~Brandy~) 4 Unzen. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ½ Drachme.

Wozu eine oder zwei Unzen Terpentinöl, wenn nöthig, gefügt werden können. Alle halbe Stunde oder jede Stunde einen Theelöffel voll.

Bei Wiedergenesung muß große Sorgfalt gegen einen Rückfall beobachtet werden. Die Kost sollte aus Pflaumen, Datteln (~Tamarinds~) oder Aepfelwasser mit ein wenig Wein bestehen. Starke Rindssuppe, indischer Mehlschleim, gekochter Reis und andere leichte Nahrungsmittel mögen gegeben werden. Als ein stärkendes Mittel dienen kalter Aufguß von virginischer Schlangenwurzel (~Virginia snake root~), oder ein Aufguß von Buschklee (~Shrubby Trefoil~).

=Homöopathisch.= Sobald die ersten Symptome erscheinen, sollte sogleich ~Ipecacuanha~ gegeben werden, besonders bei Schwindel, Frost, Schmerzen im Rücken und in den Gliedern, unbehaglichem Gefühle im Magen, Uebelkeit und Erbrechen.

~Belladonna.~ -- Rothes und aufgedunsenes Gesicht; Augen hell, roth und funkelnd oder starr; Zunge weißlich, gelblich oder bräunlich; trockene, brennende Hitze; scharfe, ziehende Schmerzen im Kopf bei klopfender, schmerzhafter Schwere, krampfartige Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, Druck, krampfartige Schmerzen im Magen, Neigung zum Erbrechen oder heftiges Erbrechen während der fieberfreien Zeit, Tiefsinn, Niedergeschlagenheit. Bei eintretender Rückwirkung große Erregtheit, beständiges Herumwerfen und Angst.

~Bryonia.~ -- Haut gelb, Augen roth oder stumpf, glasig oder wässerig, Zunge trocken, weiß oder gelb belegt, starker Schmerz im Magen, mit Erbrechen besonders nach Trinken, brennender Durst, Schmerz in dem Rücken und den Gliedern, Kopfschmerz durch Bewegung erhöht, Augen bei Bewegung schmerzhaft, Gefühl von Vollsein und Druck im Magen und den Eingeweiden, Angst, Furcht und Besorgniß, Schwinden des Gedächtnisses.

~Rhus toxicodendron.~ -- Haut trocken und gelb, Augen glasig und eingefallen, Zunge trocken und schwarz, Lippen trocken und bräunlich, Puls schnell und schwach, Delirium; Betäubung, schnarchendes Athmen, beständige Bewegung, unangenehmer Schmerz oder Brennen im Magen, Uebelkeit und Erbrechen, die unteren Theile gelähmt, Krämpfe in den Eingeweiden, Kolik, Diarrhöe, schwieriges Schlucken oder Schmerz beim Schlucken, Begriff stumpf und umwölkt.

~Arsenicum.~ -- Gesicht bläulich oder gelblich, Augen blaß und eingefallen, Körper kalt, bei kaltem und klebrigem Schweiß, Nase zugespitzt, Lippen und Zunge braun oder schwarz, schneller Puls, schwach und unruhig oder zitternd, große Hinfälligkeit, dumpfer, klopfender oder stechender Schmerz im Kopfe, brennende oder scharf ziehende Schmerzen im Magen oder in der Gegend der Leber; steife Glieder, häufiger zwingender Stuhl, oder die Entleerungen sind schmerzlos und finden ohne Wissen des Kranken statt, Brustbeklemmung, schnelles ängstliches Athmen, Krämpfe in den Waden, ziehende und krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Gefühl als wenn ein schwerer Gegenstand auf die Eingeweide drücke, Gedächtnißschwäche, Betäubung und Bewußtlosigkeit.

~Aconitum.~ -- Im ersten und zweiten Stadium anwendbar, wenn eine brennende, trockene Haut, rothe Augen, gegen das Licht empfindlich, Gesicht roth, Lippen und Mund trocken, Gefühl von großer Hitze, Durst, Schmerzen in den Schläfen, der Stirne oder den Seiten des Kopfes, Schwindel beim Aufstehen, große Hitze und Reizbarkeit des Magens, kurzes und sehr schnelles Athmen vorhanden sind.

~Nux vomica.~ -- Haut gelb, besonders um Nase und Mund, Augen entzündet, Ringe um die Augen, Zunge weiß oder gelb belegt, oder trocken, aufgesprungen, braun mit rothen Rändern, brennende Schmerzen im Magen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, heftiges Schlucken, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zittern der Glieder, Verlangen nach Bier, Branntwein oder andern Reizmitteln, Entleerungen von einer blutigen oder galligen Masse aus den Eingeweiden, Kälte und Krämpfe in den Beinen, große Angst, Todesfurcht, Bewußtlosigkeit und Delirium mit Murmeln.

~Mercurius.~ -- Gelbe Hautfarbe, Augen roth, die Blutgefäße sind angefüllt, Zunge mit dickem weißen Pelz oder trockenem und braunem Schleim belegt, starke Neigung zum Schlafe oder Ruhelosigkeit, je nach dem Zustand der Nerven, Gefühl von Ermüdung, schnelles Sinken der Kräfte, heftiges Erbrechen einer galligen Schleimmasse, brennende Schmerzen und Empfindlichkeit des Magens, Kälte der Arme und Füße bei Krämpfen.

~Veratrum.~ -- Gesicht gelblich oder bläulich, kalt und mit kaltem Schweiße bedeckt, Augen trüb, gelblich oder wässerig, Lippen und Zunge trocken, braun und aufgesprungen, Schlucken, Kälte der Hände und Füße, Entleerungen der Eingeweide, dünn, schwärzlich oder gelblich, Zittern, Krämpfe in den Füßen, Händen und Beinen, Sinken der Kraft, schwieriges Schlucken, sehr starker Durst, Erbrechen von grüner Galle, oder Schleim, oder schwarzer Galle und Blut, Krämpfe im Magen, den Eingeweiden und Gliedern.

~Sulphur.~ -- Gesicht blaß und gelblich, Puls hart, geschwind und voll, Schwindel und starke Schmerzen in dem Kopf, Jucken oder brennende Schmerzen in den Augen, Brausen in den Ohren, Schmerzen im Rücken und in den Seiten.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Dosis: 6 Kügelchen, oder man löse 20 Kügelchen in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine Dosis.

=Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten mit 10 Gran Calomel geöffnet und folgendes gegeben werden:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~) 10 Grane. Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel. Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern (~Compound infusion of senna~) 5½ Unzen. Sennesblätter oder Jalappenwurzel (~Tincture of senna or jalap~) 3 Drachmen. Spiritus von flüssigem Salz (~Spirits of sal volatile~) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: 2 bis 3 Eßlöffel. Dies sollte alle Stunde oder wenn nöthig alle halbe Stunde wiederholt werden.

Anstatt des Calomels kann auch folgendes gebraucht werden:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze. Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 1 „ Reines Wasser 1 Pint.

Mische es. Dosis: Ein Weinglas voll.

Während des Frostes gebe man ein Senf-Fußbad; als Getränk Pfeffermünz-, (~Peppermint~) Isop- oder Salbei-Thee. In der fieberfreien Zeit oder dem Stadium der Ruhe gebe ein Reizmittel und suche durch warme Getränke und die Tinktur von ~Veratrum Viride~ oder das folgende Mittel Schweiß hervorzurufen:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 12 Grane. Aromatische Schwefelsäure (~Sulphuric acid~) 24 Tropfen. Syrup 1 Unze. Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~) 1 „

Mische es und gebe jede Stunde einen Theelöffel voll.

Während des dritten Stadiums sollte anschließend an das Chinin-Präparat (~Preparation of quinine~) Branntwein (~Brandy~) nach Ermessen gegeben werden. Ist Schmerz und ein Frostgefühl auf der Magengrube vorhanden, sollten Blutegel angesetzt und nach deren Entfernung ein erweichender Umschlag auf den Magen gemacht werden. Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) auf die Magengegend gesprengt, wird, nachdem es Blasen gezogen hat, hin und wieder die Reizbarkeit vermindern.

Gegen Schmerz im Kopf sind Blutegel an die Schläfe und in den Nacken, sowie auch Kaltwasserumschläge sehr zu empfehlen.

Der aufschäumende Trank des ~United States Dispensatory~ wird die Reizbarkeit des Magens vermindern und das Erbrechen einstellen.

Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche möge folgendes gegeben werden:

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of ammonia) 1 Drachme. Potaschen-Chlorid (Chloride of potash) 2 Drachmen. Laudanum 1 Drachme. Cinnamon- oder Pfeffermünz-Wasser 12 Unzen.

Alle Stunden einen Eßlöffel voll.

Drittes Kapitel.

Geisteskrankheiten.

Hypochondrie, Schwermüthigkeit (~Hypochondria~).

Dieser Geisteszustand ist die Folge von Nervenschwäche und tritt in der Regel gemeinschaftlich mit Verdauungsbeschwerden auf.

+Ursachen+ mögen eine Herabstimmung und Kraftverminderung des Nervensystems werden, wie solche durch anhaltendes und angestrengtes geistiges Arbeiten oder auch durch Ausschweifungen, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, Mangel an Schlaf, große geistige Angst, lang anhaltenden oder Unterdrückung des regelmäßigen Stuhles entstehen.

+Symptome+ bestehen in Mattigkeit, Verdrossenheit, Mangel an Willenskraft, Unthätigkeit. Der Kranke leidet Schmerzen im Unterleib und der Brust, besonders unter der falschen Rippe. Das Gesicht nimmt einen schwermüthigen Ausdruck an, der Kranke bewacht beständig alle Symptome und vermeint unter einer Menge von Krankheiten zu leiden, spricht stets von seiner Gesundheit und glaubt, nicht lange mehr leben zu können. Er wird von Verdauungsbeschwerden belästigt, leidet an Verstopfung, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zunge belegt, Gesichtsfarbe bleich oder dunkelbraun, Füße kalt und unruhigen Schlaf. Vielleicht wird er Wochen lang und länger das Bett hüten, fortwährend in der Einbildung, daß er an einer heftigen Krankheit leidet, und der Versuch, ihn davon abzubringen, wird ihn mehr oder weniger beleidigen. Dieser Gemüthszustand kann dauern, bis Personen und Gegenstände gesehen werden, die gar nicht vorhanden sind, ebenso bildet sich der Kranke ein, Geräusch zu hören. Ein beständiges Verlangen nach Medizinen für diese und jene Krankheit äußert sich. Die Hypochondrie ist in der Regel am Morgen schlimmer und legt sich gegen Mittag und Abend.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Große Sorgfalt muß bei Behandlung solcher Fälle beobachtet werden; der Kranke darf weder verspottet, noch sollte ihm das Vorhandensein einer Krankheit bestritten werden, da dies seinen Zustand nur verschlimmern würde. Man suche vielmehr seine Gedanken von düsteren Gegenständen und Vorstellungen abzulenken und neuen, zerstreuenden Dingen zuzuwenden, höre die Klagen des Kranken so an, als ob sie in Wirklichkeit durch ein ernstes Leiden begründet wären. Tägliche Bewegung im Freien, wie Schießen, Reiten und Fischen sollte erzwungen werden, und heitere Genossen, die da versuchen, ihre Heiterkeit auf das Gemüth des Kranken zu übertragen, sollten zu dessen Umgang gewählt werden. Der Leidende muß früh zu Bette gehen, auf einem harten Lager schlafen und früh wieder aufstehen, um, wenn es das Wetter zuläßt, Bewegung im Freien zu machen. Kalte Bäder, denen man ein lebhaftes Reiben folgen läßt, sollten häufig besucht werden. Die Kost muß leicht, nahrhaft und fein sein, wobei alle Fettigkeiten, Säuren, Spirituosen, Thee und Kaffee zu vermeiden sind.

Der Magen darf nie überladen und die Speisen müssen gut gekaut werden. Unverdaulichkeit, Verdauungsbeschwerden und andere Krankheiten, die daraus entspringen mögen, sind je nach ihren verschiedenen Anzeichen zu behandeln.

=Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Bei Uebellaunigkeit, Lebensüberdruß, unerquickendem Schlafe, Eingenommenheit des Kopfes, heftigen Schmerzen oder einem Gefühle, wie Nadelstiche in das Gehirn, beständigem Verlangen, sich niederzulegen, großer Erschöpfung nach einem Spaziergange, Anlage zu oder Anwesenheit von Geschwüren.

~Sulphur.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, Besorgniß wegen seiner Geschäfte, Gesundheit und seines Seelenzustandes, Unruhe, ängstlicher Ungeduld, körperlicher und geistiger Schlaffheit, Zerstreutheit, Vollsein und Beklemmung des Magens, Verstopfung.

~Calcarea carbonica.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, einer Neigung, öfters zu weinen, Angst, Herzklopfen, eingebildetes Unwohlsein und Unglück, Wahnsinn und Krankheit, Todesfurcht, Unfähigkeit zum Denken oder zur geistigen Arbeit. (Dies, wenn ~Sulphur~ keine Wirkung zeigt.)

~Aurum muriaticum.~ -- Bei unerquickendem Schlafe, schreckhaften Träumen, Furcht vor einem bevorstehenden Ungemache, gänzlicher Mangel an Ehrgeiz und Thatkraft, beständiger Neigung, über eingebildete Krankheiten zu grübeln.

~Natrum muriaticum.~ -- Niedergeschlagenheit, düstere Ahnungen wegen der Zukunft, Lebensüberdruß, Mißmuth, Unfähigkeit zu geistiger Arbeit, Kopfschmerz und Mangel an Eßlust, Unverdaulichkeit nach dem Essen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel einen Tag um den anderen 6 Kügelchen durch 2 Wochen hindurch. Tritt keine Besserung ein, so wähle man ein anderes Mittel.

=Allöopathisch.= Wenn Verstopfung vorhanden ist, lasse man zerstoßenen Weizen essen, oder wenn dies nicht entspricht, gebe man das folgende Mittel:

Pulverisirten Rhabarber (~Pulv. rhubarb~) 2 Skrupel. Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) 1 „ Brechnuß-Extrakt (~Extract of nux vomica~) 5 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: zweimal des Tages eine Pille.

Ein Theelöffel voll kalcinirter Magnesia (~Calcined magnesia~) oder ein Aufguß von Entenfuß (~Thoroughwort~) wird häufig von gutem Erfolge sein.

Bei vorhandener Schwäche kann eines von den folgenden gegeben werden:

Flüssiger Extrakt von Sennesblättern (~Fluid extract of senna~) 1 Drachme. Zusammengesetzter flüssiger Enzianextrakt (~Compound fluid of gentian~) ½ „ Flüssiger Ingwerextrakt (~Fluid extract of ginger~) ½ „ Aromatischer Ammoniakspiritus (~Aromatic spirits of ammonia~) ½ „

Mische und gib es als eine Dosis in einem Weinglas voll versüßten Wassers.

Oder:

Aloe (~Aloes~) 1 Unze. Enzian (~Gentian~) 1 „ Orangenschale (~Orange peel~) 1 „ Wachholderbeeren (~Juniper berries~) 1 „ Aniskörner, zerstoßen (~Anise-seed, bruised~) 1 „ Wachholderbranntwein (~Gin~) 1 Pint.

Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen, dann seie es durch. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll. Bei Ohnmachten und Todesgedanken kann Mutterkrautthee (~Motherwort~) mit einem Theelöffel voll Kampfer-Spiritus gegeben werden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Sind die Eingeweide verstopft, öffne man sie vermittelst einer Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~), zwei Theile, doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~), ein Theil, von dem 3 bis 15 Grane als eine Dosis gegeben und je nach Ermessen genommen werden können.

Wenn sich eine Neigung zu saurem Magen einstellt oder es zeigen sich andere Verdauungsbeschwerden, so gebe man Magnesia und präparirten Kalk, oder auch zehn Grane Rhabarber (~Rhubarb~) mit ungefähr einem Theelöffel voll Magnesia einmal des Tages.

Als ein stärkendes Mittel möge das folgende angewendet werden:

Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 1 Drachme. Leptandrin (~Leptandrin~) 1 „ Weinsteinsäure (~Tartaric acid~) 1 „

Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Black cohosh~) in hinreichender Menge. Mische und theile es in vier Gran-Pillen; dreimal des Tages eine Pille.

Hysterie, Bauchnervensucht.

Dies ist ein Leiden, welches besonders dem weiblichen Geschlechte von nervöser oder nervös-sanguinischer Gemüthsart, mit heitern, lebhaften, heftigen Gefühlen und lebendiger Einbildungskraft eigen ist. Der Name ist aus dem Griechischen genommen und bezeichnet die Gebärmutter, wahrscheinlich weil gewisse Störungen des Geschlechtssystems Ursache zu dieser Krankheit wurden.

+Ursachen.+ Zarte, nervöse Gemüthsbeschaffenheit, Beschränkung auf schlecht ventilirte und überheizte Zimmer, das Lesen von die Einbildungskraft aufregenden Büchern, der Besuch von theatralischen Vorstellungen, enge Schnürbrust, Mangel an Bewegung und Schlaf, außerordentliche Langeweile, üppige Lebensweise. Als die hervorragendsten Ursachen können geistige Erregungen, wie Aerger, Zorn, Kummer, Schreck, enttäuschte Liebe, Aussicht auf Unannehmlichkeiten, üble Gerüche oder Unverdaulichkeit bezeichnet werden.

+Symptome.+ Ein Anfall von Hysterie folgt in der Regel auf Niedergeschlagenheit und begleitet Krämpfe von mehr oder weniger Dauer, sie wird häufiger bei Wittwen und Unverheiratheten, als bei Verheiratheten gefunden, sowie auch derartige Anfälle wahrscheinlicher zur Zeit der monatlichen Reinigung, als zu irgend einer anderen eintreten. In der Regel wird vor oder während des Anfalles ein Gefühl, als ob eine Kugel von der linken Seite des Unterleibes nach dem Hals aufstiege, welches ein Gefühl von Ersticken verursacht, wahrgenommen. Die Kranke weint und lacht abwechselnd oder verschafft sich durch Schluchzen und eine Fluth von Thränen, sowie durch Ringen der Hände und Raufen des Haars, Luft. Zuweilen wird der Körper und die Glieder krampfartig zusammengezogen und die Kranke sträubt sich vielleicht so heftig, daß die Kraft von mehreren Personen erforderlich ist, um sie zu halten. Der Kopf wird zurückgezogen und es tritt Delirium oder Bewußtlosigkeit ein. Es giebt nur wenige Symptome, welche die Krankheit anzeigen.

+Behandlung.+