Unschuld: Ein modernes Mädchenbuch
Part 5
Ihre Befürchtungen hatten sich nicht getäuscht. Es wurde so schlimm, daß sie sich gezwungen sah, wieder in ihre Einsamkeit zurückzukehren. Das Leben war aber drüber halb vergangen und dem Herbste blüht kein neuer Mai.
Du Arme, Süße, sagten die Freundinnen. Du weinst um ein verpfuschtes Leben!
Ei nein! sagte sie. Zwar schön war es nicht, doch weiß ich nicht, was ihr habt. Warum soll ich nur an mich denken? Ist denn mein kleines Einzeldasein schon wert eines so großen Gejammers! Ein Mensch allein, was ist das? Nichts. Alle, alle, die Menschheit! Erst die hat ein Schicksal, ein Leben, einen Weg, eine Zukunft.
Die kleine Zwischenkette des Leides, die ich im Dasein repräsentiere...! (Sie machte eine verächtliche Handbewegung, als wäre das gar nicht der Betrachtung wert.)
Und mein Dasein ist gar nicht so umsonst, als ihr meint. In dem Verfehlten meines Lebens habe ich soviel erlernt, beobachtet, was ich andern warnend geben kann, damit ihr Weg einst lichter wird. So ist die ganze Jugend, alles Blühende, Hoffnungskünftige der Menschheit meine Familie.
Die Schwarze seufzte tief auf.
Erzähle du nun, flüsterten die anderen. Aber es lag nicht das Oberflächliche klatschsüchtiger Neugierde darin, sondern der Durst, aus den Bechern der Geschicke das Leben zu ergründen.
Die Schwarze seufzte nochmals mit den Augen nach dem Spiegel hinüber --: Ihr könnt es euch nun nicht vorstellen, aber ich war schön, verehrt, angebetet.
Eine Sirene, eine Sphinx nannten mich zitternde Männerlippen in scheuer Verehrung. Und ich war stolz! Aber glücklich! nein! ich war es nie. Immer lag noch etwas in mir, was ans Licht kommen wollte. Ein Ewig-Ungeborenes sehnte am Grunde meiner Seele. Ich will euch alles gestehen, sagte sie leidenschaftlich. Verurteilt mich, aber sagen muß ich es. Seht, einstmals lebte ich wie ein Pfau. Nein, es ist häßlich, dies so zu schildern.
Ich empfand es anders. Ich war ganz trunken von Leben, Jugend, Schönheit. Ich berauschte mich an dem, was Spiegel und Männer sagten. Alle Menschen sah ich mühend um Macht und Ansehen, und ich kam und siegte. Das war wie zu stark betäubender Blumenduft -- man taumelte lächelnd dahin. Zwar manchmal fühlte ich etwas in mir, als gäb es Welten von Innerlichkeit darin, die unberührt dastanden, wie das Schweigen mächtiger Urwälder. Aber dorthin kam meine leichte Seele nie. Sie fürchtete Dunkel und Gefahr.
Jetzt aber sehe ich es, ich vergeudete mein Leben. Von allem Herrlichen hab’ ich nichts genossen. Als meine Seele noch vibrieren konnte, war ich nichts als der Götze für fremde Verehrung. Was habe ich davon? Nein, nie war ich glücklich!
Die Dichterin, die bisher von allen ungesehen im Dunkel saß, sprach mild: verurteile dich nicht! Auch das war Leben! Und auch du hast dein Teil dem Ganzen gegeben. Denn wenn du auch selbst scheinbar nichts gethan noch gewollt, so hast du die Träume der Schaffenden befruchtet. Und auch dein Leben ist gesegnet.
Nun war die Blonde an der Reihe. Sie sprach ganz schüchtern: Ihr Lieben, von meinem Leben ist wenig zu berichten. Wenn ich nicht euren gütigen Ernst sehe, so müßte ich schweigen, so uninteressant ist es. Seht ihr, es giebt Blumen, die blühen jeden Frühling. Und manche, die gar nicht aufhören zu blühen. Ich kann es gar nicht fassen, aber es ist so.
Doch giebt es eine Pflanze, die blüht nur einmal und siecht dann hin -- seht ihr! So eine Liebesblume wie die Aloe war ich. Mein zages und vielleicht stolzes Herz schoß nur einmal zur Liebesblume empor. Einen hab’ ich geliebt, hab’ ihm ein Kind gegeben. Außer meinem Gatten habe ich nichts gewünscht, geliebt, geträumt. Nun ist er tot. Da fühle auch ich mich sterben.
Die Dichterin drückte ihr die Hand. Du Allzureiche, Vielverschweigende, sprach sie. Nur der Durstige weiß beredt des Trankes Erquickung zu schildern.
Die Hagere seufzte: Ja, ihr! Aber was soll ich sagen! Ihr wißt, ich bin Frauenrechtlerin, habe einen nun bekannten Namen, jedes Blatt citiert mich. Man betrachtet mich förmlich als die Berufene, über die künftige Stellung des Weibes in der Gesellschaft zu entscheiden. Weib, Gesellschaft, Stellung, ich pfeife nun auf sie!
Wie ich jetzt so nachdenkend mit euch sitze, scheint es mir, als hätte ich mich in eine Einseitigkeit verbissen, die so schlimm ist als irgend eine andere. Ich nahm an, daß wir Frauen höchst unwürdig lebten. So als eine Art Püppchen für Männer. Nette Tändeldinge ihrer freien Stunden. Nichts weiter. Mir graute davor. Ein Gattenfang! Damit ist das Leben aus. Und sonst nichts für uns an den Tischen des Lebens! Und dieses ekelhafte Hinarbeiten auf dieses eine Ziel. Sonst nichts. Wenn ich nur diese verschiedenen Weiblichkeiten sehe, sich drehend und Augen rollend vor allem, was männlich ist! Nein, ich kann euch diesen Ekel nicht mitteilen. Die große Leidenschaft, die hätte ich wohl anerkannt, auch in meiner radikalsten Emancipierungsperiode. Aber ihr werdet mir zugeben, daß die gewaltige Liebe, die sich einsetzt und behauptet gleich einem Naturgeschehnis, selten ist, wie die Sintflut.
Also blieb nichts, als dieses kleine Stückchen Speck, das verlockend in der Mausfalle der Ehe hing. Und das waren wir, und immer wieder wir! Thränen der Wut habe ich über unser Los geweint! Glaubt es mir!
Dann dacht ich mir so ungefähr: weg mit diesem falschen Königstum und Sirenentum des Weibes. Verdient, plagt euch, arbeitet! Das hat auch sein Königliches. Es giebt euch Freiheit, damit ihr nicht so um den Mann zu buhlen braucht. Und dann, wenn wir arbeiten wie er, wollen wir auch seine Rechte haben.
Aber, nun werde ich +irr+ an mir. Ueber die erste Jugend hinaus, die ich keusch und stolz, nichts wissend von Liebe verbracht hatte, scheint unauslöschlich all das, was ich verdammte, in köstlichsten Lockfarben. All’ das, was ich öffentlich vertrete, verwünscht mein Inneres. Ich zweifle. Oft bringe ich Stunden dahin, im Innern zu widerlegen, was ich doch überzeugt einst geschrieben habe. Oft auch kommt mir dieser Schmerz, als hätte ich die Frauen, statt zur Selbständigkeit zu noch Sklavenhafterem verleitet: nämlich zur Nachahmung der Mannesthätigkeit. Dann... dann hätte ich ihrer Natur den Boden unter den Füßen weggezogen, so daß sie rettungslos versinken müssen. Seht ihr, das ist schrecklich!
Warum Mannes-Wissenschaft? rief sie, während die Hälfte der Zuhörerinnen sie nicht verstand. Was ist das! Weil sie es so gefunden haben, soll es so die absolute Wahrheit sein? Nichts ist es, als ihre Anschauungsweise. Man kann einen Berg von oben und unten und rechts und links betrachten. Warum ist es gleich das Einzig-Richtige, von woher die Männer ihn sahen. Und seht ihr, gerade zu diesem Schauen hab ich die Frauen verführt. Vielleicht wäre aus ihnen selbst heraus in Generationen einmal etwas gekommen. Niemand kann sagen, was. Aber Etwas! Ich fühle es, daß es möglich gewesen wäre. Und muß es Wissenschaft sein? Dies Männliche, die Wissenschaft!
+Im Gehirn liegen noch feinere Möglichkeiten, den Dingen beizukommen, als das Denken!+
Die Hagere hatte sich in Eifer geredet. Keine der Anwesenden verstand sie, kaum eine war darunter, die nur nachfühlen konnte, welches innere Martyrium über diesem selbstlosen Frauenleben lag. Nur das Aeußerliche, Lächerliche daran wurde ihnen klar.
Und weil sie nun schon am Spötteln waren, so kritisierten sie sich heimlich gegenseitig.
Die Närrin, die niemand angeschaut!
(Das war die Hagere.)
Die muß auch gelebt haben! Wer weiß, was für ein zweideutiges Dasein!
(Das war die Schwarze!)
Könnte auch eine Entfettungskur gebrauchen, statt sich zur Jugenderzieherin aufzuschwingen!
(Das war die Volle.)
Ach! was für ein fades Dasein! Ob sie’s nicht bereut!
(Das war die Blonde.)
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Die Dichterin schien noch ganz nachdenklich über die Worte der Hageren. Dann sprach sie: Kränke dich doch nicht! Was du uns zuriefest ist wahr.
Verstand ich dich recht, so sagtest du: des Mannes Herz ist der Boden eures Wesens. Ihr beurteilt euer Leben darnach, ob ihr nur seichtwurzelnde Blümchen darin wart, Eintagsblüten, oder starke Pflanzen mit tiefgehenden, weit verzweigten Wurzeln. Was du da fandest, ist doch wahr! Und dein Weg und Wollen dann! Was kann ein Mensch, der in heiligem Glauben einem Ziele zustrebte, Gütigeres den Künftigen sagen, als: seht, da liegt der Fehler, so dürft ihr es nicht machen. Soviel ist nun gewiß.
Alle betrachteten nun die Dichterin. Sie war ja ungefähr in ihren Jahren. Aber das Merkwürdige ihres Aeußeren schien, daß man bei ihr weder an Jugend noch Alter dachte. Es lag etwas über ihrem Wesen, wie bezaubernde Beleuchtung auf einer einfachen Landschaft. Dieses Licht aus ungeahnten Weiten und seine Farben sah man. In ihm schien alles zu liegen.
Höre mal, riefen alle. Du bist uns deine Geschichte schuldig. Erzähle nun auch du. Wir haben uns jede nicht übel zugerichtet. Nun solltest auch du offen sein!
Ach liebe Freundinnen, sagte die Dichterin, wie gerne würde ich das thun! Aber mein Leben war wesentlich einfacher als das eure. Ich könnte euch eigentlich nur Episoden mitteilen, die auch wohl nicht der Bedeutung wert schienen, für mein Inneres aber unvergeßliche Daseinsquellen wurden. Dennoch aber will ich euch erzählen, damit ihr seht, daß ich offen sein möchte wie ihr es wart. Und hauptsächlich darum, weil ich euch für die heutige Stunde unseres Zusammenseins dankbar sein werde, solange ich atme.
Keine so großen Einleitungen! Erzähle! Erzähle!
Die Dichterin wurde noch bleicher, sah noch versonnener aus, dann sprach sie: Als ich ganz jung war, hatte ich auch dieses berauschende Lebensgefühl, wie es eine von euch geschildert hat. Nur -- seht ihr -- nicht an mir selbst.
Sah ich Frauen mit den Blicken des Jubels in den Augen, die dahinschwebten wie von den Wolken des Stolzes getragen, da fühlte ich, was sie empfanden.
Und kannte ich Tiefeinsame, Männer, Helden des Schaffens, dann beglückte mich die Weihe ihrer entsagungsvollen Einsamkeit.
Ich-Selbst liebte draußen im Freien zu sein. Oft brachte ja das Geschick das, was Menschen Unglück und Leid nennen. Aber wenn ich für mich allein hinausging, so etwas Kleines, Erbärmliches, ein Menschlein nur! -- Da wurde mir sicher zu Mute. Ich ging wie geborgen unter dem Firmamente, das wie ein goldgesticktes Gewölbe schien und doch ein tiefes Grauen von ungeheuerlichen, glühenden Welten ist. Dann wurde das Denken leer. Denn wie hätte ich Kleines, ich Nichts das Billionenmal Größere und Machtvollere begreifen können! Aber ich löste mich auf. Wurde Gefühl von jenem Gefühl, Kraft von der Allkraft, Wirkung vom Allwirken...
Nein, nein! riefen alle! Erzähl uns von dir. Was gehen uns die Sterne an!
Eben das ist ja mein Leben und euer Leben...
Nein! Etwas Positives! Hast du geliebt? Sag!
Ich habe +auch+ geliebt, sprach die Dichterin mild.
Die Frauenrechtlerin dachte: +auch!+ wie sie das sagt! Vielleicht geht sie den herrlichen Erlösungsweg, den ich meinte und nicht fand. Sie, die in Einfalt wandelt. Und sie grübelte der Satzfolge nach. Nicht: auch ich habe geliebt, hatte sie gesagt. Sondern: ich habe +auch+ geliebt. Darin lag es deutlich ausgesprochen. Unter den Erlebnissen meines Lebens war +auch+ Liebe. Aber nicht das +Einzigste+, sondern nur Eins mit darunter.
Die übrigen waren enttäuscht. Nichts mehr? sagten die andern.
O ja! die Blumen z. B. sprach die Dichterin.
Nein, das meinen wir nicht.
Und Ihr-Selbst heute, ihr Lieben! Wie ihr so eure Schicksale mitteilet, die so völlig verschieden waren -- da kam mir das Dasein wie eine große Blume vor. Die einen sind die Blütenblätter und die anderen der Samen, wieder andere die Kelchblätter und andere die Wurzeln im dunklen Erdreich... Und alle müssen andere Schicksale haben, das liegt ohne ihr Wollen in ihnen. Aber alle zusammen sind die Wunderblume „Leben“.
Sie ist verrückt! dachten die Zuhörerinnen. Aber tiefer, als in ihrem Denken fühlten sie, daß der Dichterin Einfalt lauschend am pulsenden Herzen des Lebens lag.
Und so seien wir geweiht.
Im Veilchenbund, einem Kränzchen junger Mädchen, kam es zu bedenklichen Zerwürfnissen. Isolde, Lina, Bella und die schwarze Bertha liebelten herum, flirteten mit jedem Mann, den sie erblickten und fanden nichts reizender, als Bräute oder junge Frauen zu kränken, indem sie mit deren Männern kokettierten.
Den tieferen Naturen des Veilchenbundes erschien das jedoch weder so lustig, noch heldenhaft, noch auch wert, um die heilig schönen Stunden ihrer Jugend darauf zu vergeuden.
Etwas lag in ihnen, das den noch Unwissenden vom Leben erzählte, von der tragischen Schwere, die über dem Dasein liegt.
Obwohl ihre Unschuld noch nichts erlebte, so hatten sie durch Beobachtung manches erfahren. Ihre lichten Seelen sahen manches Schmutzige, welches sie anders gewünscht hätten. Oft fragten sie, warum man ihnen das Häßliche verschwieg, wenn es nun einmal da war. Wenn es einmal dräuend auch über ihr Leben kommen mußte, das sie so gerne sternenrein und zart gewünscht hätten! Und sie zitterten vor der Rohheit des Daseins.
Einige erzählten sich auch von Büchern, die sie heimlich gelesen hätten. Es waren dies ernste, traurige Werke, an denen man fühlte, wie weh es dem Autor that, daß er solche Menschen schildern mußte. Aber es waren eben Menschen und Uebelstände unserer Zeit.
„Abscheulich sind diese Bücher,“ sagte ein kleiner Blondkopf. „Warum schreiben sie nicht etwas Holdes, damit man das Leben anlachen kann! Sondern immer nur Trübes, Schreckliches, Gequältes.“
Die Mütterliche aber mit der weichen Stimme und den grüngrauen Augen umschlang sie und sprach: „Sei nicht traurig, auch du wirst stark sein.
Wir sind in einer Uebergangszeit. Vieles scheint uns roh, was bisher den Menschen nicht wehe that. Aber siehst du darin nicht ein Zukunftshoffnungsleuchten, daß die Menschen es ändern wollen?“
„Ja,“ sagte eine, „das geht nicht von heute auf morgen. Was Jahrhunderte als gut befunden wurde, kann nicht durch das einfache Bessererkennen auch schon geändert sein. Unsere Zeit hat auszuscheiden, für eine lichte Zukunft, wo die Menschen wieder froh sein können und dürfen.“
Die Blonde sprach: „Ich möchte so gerne lachen und glücklich sein.“
Und darauf die Mütterliche: „Wir alle wollten es, aber können wir es, wo so viele leiden? Unserer Enkel Enkelkinder werden vielleicht wieder froh und dankbar ins Leben sehen können. Unserer aber wartet ein Werk. Wir wollen einzig wahre Mütter sein. Nicht nur die Daseinsgebenden, auch die Lebengebenden! Nicht nur unserer Kinder, sondern auch anderer Kinder, ja allen Menschen.“
Eine rief begeistert: „Und alle Lüge und Trug sei von unserem Wirken verbannt.“
Und eine andere: „Wir wollen dann die Erfahrneren sein, die den Weg denen erleichtern, die über uns hinaus wachsen werden.“
Alle hielten bewegt inne.
Dann sprach die Mütterliche, ohne jemand anzusehen, mit ins Weite leuchtenden Augen:
„Nun ist unsere Zeit gekommen, nun dürfen auch wir Heldinnen sein. Nicht eine oder die andere, wie es da oder dort einst schon war, sondern alle, alle! Wissende, die dennoch die gute Saat auswerfen, obwohl die Ernte nicht zu erleben ist.“
Die Finstere sprach leise: „Immer wird es dasselbe bleiben, immer wird es elende Gemeinheit geben, Schlechte gab es und wird es geben.“
Es traf sie der strafende Blick aller: „Wäre es so oder anders, das ist nicht zu ergründen. Wozu also müßig darüber streiten! Halten wir, was wir uns versprachen: Das soll das uns Sichere sein.“
Denn wir haben des Lebens tragische Erhabenheit gefühlt und so seien wir geweiht!
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Der Roman von Tristan und Isolde ist das hervorragendste poetische Erzeugnis der modernen Romantik. Halb Geschichte, halb Dichtung schildert er die Schicksale des unsterblichen Liebespaares, die schon Wagner zu seinem grossartigsten Musikdrama begeisterten. Die tiefe Poesie des Romans steigert sich in einzelnen Abschnitten zu einem geradezu berückenden Glanz. Wie Tristan den Morholt erschlägt, wie König Marke um Isolde wirbt, wie beide dann alle Bitternisse der Liebe durchkosten, als Flüchtlinge verbannt und verfehmt durch den Wald Morois irren, wie Isolde wieder an den Hof Markes kehrt und das Gottesurteil wagt, durch das Liebesidyll im Schlossgarten hindurch bis zum endlichen Unheil des schwarzen und des weissen Segels -- es giebt keine Geschichte, die zugleich ergreifender und entzückender wäre, als dieser Roman. Seine Lektüre ist wie eine Wanderung im romantischen Märchenwald. Er ist ein Liebesbrevier vom höchsten Rang und ein Lebensbuch, das jedem seine eigenen Schicksale wiederspiegelt.
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