Um die Erde: Eine Reisebeschreibung
Part 52
[65] Ich hatte in New-York meine Fahrkarte von dort bis Yokohama gekauft (für 276 Dollar) und die schriftliche Versicherung einer eignen Cajüte erhalten. -- Wie anders, als bei der Gesellschaft Florio-Rubattino, auf deren Schiffen ich sowohl zu Tunis wie auch zu Neapel die bezahlte Cajüte für meine Frau und mich erst durch ein besonderes Trinkgeld an Schiffsbord erlangen konnte!
[66] +Boy+ heisst er, von Vancouver bis Bombay.
[67] Number one, Number two u. s. w. -- Zwei mal zwei amerikanische Dollar zahlt der anständige Reisende für die Aufwartung von Vancouver bis Yokohama, und noch einige Kleinigkeiten dazu.
[68] „You +will+ fight with Russia, -- when the Russian have occupied London, not earlier.“ Solche Aussprüche kennzeichnen den wagehalsigen Character der üblichen Kannegiessereien.
[69] Die Chinesische Regierung zieht Europäer als Zollbeamte vor.
[70] Mercator’s Projection.
[71] Es sind da zwei verschiedene Kurse für Hin- und Rückfahrt gezeichnet.
[72] 24×60 = 1440.
1444/360 = 4.
[73] Ich schreibe dies in der Hoffnung, dass durch Veröffentlichung dieser haarsträubenden Schäden eine Besserung angebahnt werde. Im vorigen Jahrhundert wurden Auswandrer zu Schiff von Europa nach Amerika befördert, ohne dass der Capitän die Verpflichtung übernahm, sie zu verpflegen; gelegentlich sprang ein Unglücklicher mit Weib und Kind über Bord, um dem Hungertod zu entgehen. Dies ist gesetzlich abgestellt. Aber die Eisenbahngesellschaften dürfen noch heute Auswandrer elf Tage hindurch befördern, ohne für ihre Verpflegung Sorge zu tragen.
[74] Ich gebe, aus leicht begreiflichen Gründen, nicht die wirklichen Namen.
[75] Für den Forschungsreisenden ist das +Lichtbildgeräth+ gewiss unentbehrlich, für den Vergnügungsreisenden eine Last. Allenthalben kann man weit bessere Lichtbilder +kaufen+. Im Nationalpark von Yellowstone stellte ein Amerikaner den Ausbruch des Bienenkorb-Geisers ein, ohne das überraschende Naturschauspiel mit seinen Augen zu sehen. In Indien sah ich eine Sammlung von Lichtbildern japanischer und indischer Tempel; die +Gattin+ des Amerikaners war auf +jedem+ Bilde zu erkennen, die Tempel viel weniger.
[76] Portugiesen heissen im Osten die Mischlinge, die in den beiden Colonien +Macao+ (China) und +Goa+ (Indien) leben und nur wenig portugiesisches Blut besitzen. Die meisten sind in untergeordneter Stellung, Führer, Aufwärter zu Wasser und zu Lande, Handwerker; wenige Gasthofsbesitzer und Kaufleute, Aerzte.
[77] Die Untersuchung ist eingehend, aber höflich und ehrlich. Wie viel höflicher sind diese Beamten, als die in New-York und in Ala gegen Jedermann und als die zu Paris gegen Reisende, deren Koffer die Aufschrift Berlin trägt? Wie viel ehrlicher sind sie als die zu Konstantinopel, die den Koffer nicht durchwühlen, wenn man ihnen zwei Francs überreichen lässt, oder die zu Smyrna, die unsere Waschgeräthe auf die Strasse packen und darnach Bakschisch heischen?
[78] Die Werke, die ich auf der Seereise, z. Th. auch in Japan, gelesen oder durchgesehen, und denen ich zu grossem Danke verpflichtet bin, sind die folgenden:
1. Handbook f. travellers in Japan by B. H. Chamberlain & W. B. Mason. London 1891.
2. Things Japanese, by B. H. Chamberlain, London 1891. (Geistreich und witzig.)
3. Japanese houses by Morse, London 1888.
4. The real Japan. By H. Norman, London 1892. (Gut, aber eine Partei-Schrift.)
Dazu kamen noch +später+, zu Hause:
5. +Rein+, Japan, Leipzig 1881-1886. (Unbestritten das +Hauptwerk+ über Japan.)
6. Die preussische Expedition nach Ostasien. Nach amtl. Quellen. Berlin 1864. (Königl. G. Oberhofbuchdruckerei.)
7. +Exner+, Japan, Leipzig 1891.
8. +Netto+, Papierschmetterlinge aus Japan, Leipzig 1888. (Das beste volksthümliche Buch über Japan.)
9. +Wernich+, Geogr. med. Studien, Berlin 1878.
10. +G. Bousquet+, Le Japon de nos jours, Paris 1877.
Ferner E. +Kämpfer+, Japon, Lemgo, 1777, sowie einige Abhd. d. +deutsch. ostas. Gesellsch.+, und auch der englischen.
[79] Nach chinesischen Annalen drangen um 1200 vor Chr. tatarische Stämme nach Korea und den östlichen Inseln vor.
[80] Die Photographien der Japaner sind eigentlich besser und billiger, als die unsrigen.
[81] Die Chinesin und Malayin gefällt dem europäischen Auge minder; selbst die Hindufrau ist trotz der „arischen“ Abstammung nicht anmuthend für uns.
[82] Struppiges Haar, das man bei Frauen und Mädchen in Südchina und Vorderindien oft genug sieht, habe ich bei keiner Japanerin gefunden, auch nicht bei einer Bäuerin oder Bettlerin.
[83] Dies gilt für die Samurai (Adligen), welche +früher+ in dem Gürtel links +zwei Schwerter+ trugen. -- Was heutzutage im Gürtel der Japaner wie ein Dolch in der Scheide aussieht, ist -- ein Besteck für die Tabakspfeife.
[84] Früher waren sehr abenteuerliche üblich: Kappen, wie die der Lazzaroni; Deckel, wie die Cerevis unserer Studenten. Heutzutage tragen manche bei japanischem Gewand europäische Fuss- und Kopfbedeckung.
[85] Mikado heisst +hohe Pforte+, +Tenno hoher König+.
[86] +Shogun+ heisst Obergeneral. Die Europäer setzten irrthümlich +Taikun+. Aber +Taikô+ oder Taikô-sama wurde +Hideyoshi+ (1591 n. Chr.), nachdem er vom Bauernsohn zum Herrscher von Japan sich emporgeschwungen, zum Zeichen seiner +Rangerhöhung+, benannt.
[87] Dai = gross, mijo = Name.
[88] Wörtlich +Wächter+ (nämlich der Fürsten). 1878 wurde zur Bezeichnung des niederen Adels das chinesische Wort +Shizoku+ eingeführt. -- Heutzutage giebt es höheren Adel (kwaziku), niederen (shizoku) und Volk (heimin). Die beiden ersten Classen machen 5 Procent der Bevölkerung aus. Jeder Bürger muss seinen Namen und Stand auf einem Holztäfelchen am Hauseingang anbringen, auch die im Innern des Landes lebenden Europäer.
[89] +Chamberlain+, der sich hauptsächlich auf +Satow+ stützt. (Things Japanese. London 1891, 314 fgd.)
Rein, Japan, Leipzig 1881, I, S. 513 fgd.
[90] Auch bei den alten Aegyptern wird das Opfer für den Todten als königliches Geschenk bezeichnet.
[91] Lehrer aus der Familie Çakya. (Nach Andern Einsiedler von Çakya?)
[92] In einem kleinen Orte Schottlands sah ich die drei Kirchen dreier verschiedener Secten: aber an jeder war die gleiche Inschrift: „Nach dem Gottesdienst findet eine Geldsammlung statt.“
[93] Wir nennen ihn Confucius, und Mencius seinen Schüler +Moschi+.
[94] Ein fast 2000 Jahre altes Buch des +Cho-kiu-kei+, des chinesischen Hippocrates.
[95] +Rein+, Japan, I. Abschnitt.
[96] Uebrigens ist es eine +Missheirath+. Die Fichte ist in Japan so herrlich, wie irgendwo in der Welt; die Palme klein und verkümmert.
[97] 1883 zählte die Stadt 80000 Einwohner mit 4000 Fremden. Unter letzteren waren 2681 Chinesen mit 150 Firmen, 595 Engländer mit 55 Firmen, 253 Nordamerikaner mit 27 Firmen, 160 Deutsche mit 22 Firmen, 109 Franzosen mit 15 Firmen. 1890 waren es 720 Engländer, 257 Amerikaner, 201 Deutsche, 120 Franzosen. Der Einfluss der deutschen Kaufleute ist in stetiger Zunahme begriffen.
[98] Der fünfte, Niigata, an der Ostküste von Nippon, steht nur auf dem Papier der Verträge, da fremde Schiffe, wegen der Sandbarre an der Flussmündung, nicht in den Hafen gelangen können.
[99] Japans gesammte Ausfuhr betrug 70, die Einfuhr 66 Millionen Yen im Jahre 1889.
[100] Beide Verkehrsanstalten sind in vorzüglicher Ordnung. Depeschengebühr nach Europa für das Wort ungefähr 9 Mark. Nach 24 Stunden hat man die Antwort. Sie wurde mir, ohne dass ich es verlangt hatte, nach Nikko nachdepeschirt.
[101] Bund oder Bunder heisst Uferstrasse.
[102] Man zählt in Japan durchschnittlich 66 Erdbeben im Jahre.
[103] Ich sah solche Prachtstücke in anatomischen Sammlungen Japans.
[104] Hori-mono = tätowiren, und horu, graben; mono, ein Ding.
[105] 10000 Pfd. Sterl. kostete die Meile mit englischen Ingenieuren, später 3600 mit japanischen. Bis 1882 baute die Regierung allein. 1890 gab es 551 englische Meilen Staatsbahn, 569 Privatbahn, etwa 700 Meilen waren in Bau, und ebensoviele in Aussicht genommen. Wie gewaltig ist auch in dieser Hinsicht das ungeheure China von dem thatkräftigen Japan überholt! -- Es giebt mehrere kleine und eine grosse japanische +Dampfschifffahrts-Gesellschaft+ (Nippon Yusen Kwaisha), die nicht bloss die japanischen Häfen, sondern auch Shanghai anläuft.
[106] Jeder Japaner, ob hoch oder niedrig, nimmt täglich (oder mindestens zwei Mal in der Woche) ein heisses Bad (Yu, von 38-45° C.), das in den öffentlichen Anstalten etwa 2 Pfennige kostet. Professor +Bälz+ hat auf Grund einer 16jährigen Erfahrung die Vorzüge dieser heissen Bäder hervorgehoben.
[107] 4 Yen den Tag für die ganze Verpflegung mit grossem Zimmer im ersten Stockwerk.
[108] +Odawara hyōgi.+ Die Hojo-Daimio’s beriethen 1590 n. Chr. im Schloss zu Odawara, ob sie ausfallen und angreifen oder auf die Vertheidigung sich beschränken sollten. Ehe sie zu einer Entscheidung kommen konnten, stürmte +Hideyoshi+ das Schloss.
[109] 1 Yen Gehalt, 1 Zehrung.
[110] In dem Budget des Kaiserreiches Japan für 1889/90 sind die Ausgaben für die Polizei mit 382554 Yen angesetzt. (Unsere gute Stadt Berlin hat 4000000 Mark jährlich für die Polizei beizusteuern.)
[111] In Japan werden sie jetzt als „Fremde“ bezeichnet. Hier müssen die Herren Engländer sich selbst „foreigners“ nennen, ein Titel, mit dem sie in Europa alle Nichtengländer -- beehren.
[112] Mit dem +Gold+ sind die Japaner schlecht gefahren. Im 15. Jahrhundert n. Chr. galt 1 Theil Gold = 9½ Silber, 1765 1 Gold = 11,35 Silber, 1855-1860 1 Gold = 4,6 Silber. So verschwand das Gold aus dem Lande. Und da nunmehr die Regierung den Preis der Goldmünzen höher ansetzte, als ihr Werth in Europa war; so erhielt sie den noch nicht eingeschmolzenen Rest zurück und machte wieder Schaden.
[113] Bekanntermassen ist der Silberdollar der Vereinigten Staaten genau ebenso gross und schwer und von demselben Feingehalt, gilt aber 4 Mark 20 Pfennig -- wegen des Credits der Vereinigten Staaten. Aber im gewöhnlichen Verkehr Ostasiens gelingt es nicht, diesen höheren Preis zu erzielen. [Wenige Monate, nachdem ich dies geschrieben, ist der +Silbersturz+ erfolgt.]
[114]
1 Mon = 0,01 Sen = 0,03 Pfennig. 4 Mon = 0,04 Sen = 0,12 Pfennig.
[115] Die Staatsschuld betrug 1889 gegen 300 Millionen Yen, darunter gegen 50 Millionen Banknoten.
[116] Sha = Wagen, chinesisch. Oft hört man nur diese Silbe ausrufen. (Japanisch heisst der Wagen Kuruma.) Die Engländer schneiden dem Wort den Kopf ab und zerquälen die Selbstlauter, bis sie +rikshaw+ fertig bringen.
[117] H. Meyer wurde im Winter bei 3° in 4 Stunden 46 km weit gezogen!
[118] Ganz anders in Indien. Von Abu Road nach Abu Mountain (16 englische Meilen) befördert uns die Jinrikisha in sechs Stunden. Sechs Mann sind dabei thätig. Als ich ein Drittel des Weges gemacht, versuchten sie, mir einen schlechtgesattelten Ponny aufzuschwatzen.
[119] Als ich 1890 mit meiner Frau in der Vorstadt Pankaldi, wo wir unser Mittagsmahl in einer befreundeten Familie genommen, Abends nach Pera zurückfuhr, setzte sich mein Wirth mit gespanntem Revolver auf den Kutscherbock.
[120] +Tenno Mutsu Hito+, geb. 1852, regiert seit 1868 mit Eifer und Weisheit. Als die Kammern kürzlich die Panzerschiffe nicht bewilligten, sagte er: „Die Worte sind überflüssig. Die Schiffe müssen gebaut werden. +Ich+ steuere aus meinem Privatvermögen 600000 Yen bei.“ Ebensoviel gab er für den Biwa-Canal. (Die Civilliste betrug 1889/90 3½ Millionen Yen, doch sind Apanagen und Tempel auf sie angewiesen. -- Staatseinnahmen 76½ +Millionen Yen+, 42 aus Grundsteuer, 14 vom Schnaps (Sake), 4 Zölle. Ausgaben 76½ Millionen Yen, 20 für Staatsschuld, 12 Ministerium des Krieges, 6 der Marine.) Als ein Reiterstandbild des Kaisers auf der Niju-Brücke vorgeschlagen wurde, verwarf er den Plan, damit nicht die Fremden unter den Füssen eines Pferdes hindurch in den Palast kommen müssten. Er hat, nach altem Gebrauch, seiner Regierungszeit einen besonderen Namen gegeben, und zwar Mei-ji, d. h. erleuchteter Frieden. Verschiedene Briefe meiner japanischen Freunde aus dem Jahre meiner Reise (1892) sind datirt: Im Jahre 25 Mei-ji. Seit dem Jahr 1873 ist unser Kalender in Japan angenommen, statt der schwerfälligen und zusammengesetzten Zeitrechnung der Chinesen.
[121] „Das Feuer ist die Blume Tokyo’s.“ Japanisches Sprichwort.
[122] Im Gegensatz zu Saikyo, östliche Hauptstadt, d. i. Kyoto.
[123] Und der anderen japanischen Städte. Dieselben sehen sich zum Verwechseln ähnlich, soweit nicht ein altes Schloss ihnen Eigenart verleiht.
[124] +Rein+ I, 480.
[125] Das ganze +Clubhaus+ kann in +eine+ Halle umgewandelt werden, wenn die Zahl der Gäste dies erfordert.
[126] Das japanische Papier, aus dem Rindenbast des Maulbeerbaumes, ist zäh und zerfliesst nicht im Wasser. Beim Schreiben braucht man kein Löschblatt. Es ist brauchbar als Fensterabschluss; mit Firniss behandelt, wird es lederartig: mit Oel getränkt, wasserdicht, zu Regenmänteln. Werth der japanischen Papierfabrikation 5 Millionen Yen 1887, der Ausfuhr 244000 Yen.
[127] Ein englischer Arzt in Kyoto überreichte mir eine „Denkschrift zur Verhütung der Kurzsichtigkeit unter den höheren Classen,“ worin er die Fenster aus Papier tadelt und solche aus Glas empfiehlt. Aber es ist unmöglich, diese für 40 Millionen Menschen augenblicklich zu beschaffen.
[128] Schlafgewand, Matratze und +Halsschemel+ (makuro) mit Schlummerrolle, besonders für die Frauen, um den Kopfputz zu schonen. Ich sah dies seltsame Möbel auch in Krankenhäusern.
[129] Japanese houses by +Morse+, London 1888, (Sampson Low, Fleetstreet).
[130] Ich ersuche ihn, erst den Strassenschmutz in New-York, Chicago, Frisco mit der Nase zu prüfen und dann nach Berlin zu kommen.
[131] Sie vertreten die Stelle unserer Leichensteine; besitzen aber, wegen der Verehrung der Ahnen, bei den Japanern eine weit höhere Bedeutung.
[132] +Harakiri+ heisst Bauch-Schnitt; den Japanern scheint das chinesische Wort +seppuku+ gewählter, wie manchem meiner Fachgenossen -- +Laparotomie+.
Im Mittelalter eine Sitte der besiegten Krieger, die nicht in Feindeshand fallen wollten, wurde es um 1500 n. Chr. ein +Vorrecht+ der Daimio und Samurai, um, zur Todesstrafe verurtheilt, dem Henker zu entgehen, -- gerade wie früher in manchen Ländern +Europa’s+ wohl der Edelmann enthauptet, der Bürger gehängt wurde.
Hinter dem japanischen Edelmann stand sein Freund; sowie der erste den Dolch in den Leib stiess, hieb der zweite ihm mit scharfem Schwert das Haupt ab.
Harakiri als Strafe ist abgeschafft, als Selbstmord kommt es noch vor. 1881 hat ein junger Officier aus Yezo im Tempel von Saitokuji zu Tokyo, an dem Grabe seiner Ahnen, so den Tod gesucht und gefunden, um durch die That sein Vaterland auf die von den Russen drohende Gefahr eindringlicher aufmerksam zu machen, als seine Worte es vermocht.
[133] Das 50. Gesetz des Jeyasu oder (Gongen-sama) lautet: An dem Mörder des Herrn oder Vaters soll man Rache nehmen, und auch die weisen und klugen Männer gestatten nicht, dass man mit ihm zusammen unter dem Himmel lebe. Wenn Jemand Rache nehmen will, so ist in den Registern des Gerichtshofes nach Jahr und Monat der Zeitpunkt festzusetzen, bis zu dem er seine Absicht auszuführen hat.
[134] Auf einem der Festessen sah ich ein drolliges Singspiel: Eine junge Frau erschien, mit einem blühenden Kirschzweig über der Schulter, schrieb Liebeslieder und hing sie an die Zweige des Kirschbaums.
„Tragen möcht’ ich ein Kleid, wie die Blüthe der Kirschen gefärbet; Sind erst die Blumen verwelkt, mahnt es mich später an sie.“
(Japan. Liedersammlung, übersetzt von Dr. Lange.)
[135] Dieselbe Beobachtung machte ich in den Museen von Hongkong, Calcutta, Bombay.
[136] Auch die alten Aegypter gaben der Mumie kleine Thon-Figuren mit ins Grab, die sogenannten +Stellvertreter+ („wòsbt“), die in den elysäischen Gefilden des Jenseits für den Todten die Arbeit leisten sollten.
[137] Es ist das immerhin nicht so schlimm gewesen, wie die Mittel der spanischen Inquisition.
[138] In dieser Künstelei leistet die japanische Gärtnerei geradezu Erstaunliches.
[139] Bis Yokohama hatten meine Havanna’s gereicht. In Japan giebt es billige Manilla-Cigarren, wie wir sie bei uns kaum kennen, von der Form der Havanna-Cigarren und den geringeren Sorten derselben an Güte nur wenig nachstehend; das Stück kostet 15 Pfennige. -- Dass der gebildete Japaner dem Gast das eigne Tabakspfeifchen aufnöthige, ist eine Fabel.
[140] +West-Haupt-Gebet-Tempel.+ In der späteren Beschreibung von Kyoto folgen einige Bemerkungen über Tempel und Secten der Buddhisten in Japan.
[141] Auch unsere geliebten Griechen waren in diesem Punkte nicht viel klüger. Beim Hippocrates steht ein unsinniger Satz, von dem wir jetzt wissen, dass die Griechen ihn von den alten Aegyptern sich einreden liessen.
[142] Jetzt sind dieselben, in kleinerem Maassstab, für den Hausgebrauch, auch bei uns eingeführt.
[143] Nikko = Sonnen-Glanz.
[144] Das japanische Maass ist +Koku+ = 180 Liter, im Werth von 2½-5 Dollar. (Das Einkommen des Daimio betrug jährlich 10000 Koku Reis und bei den mächtigsten sogar 1 Million Koku.)
[145] Vgl. Von „New-York nach S. Francisco“, Leipzig, 1888, S. 195.
[146] Naturgetreue Nachbildungen des japanischen Hauses sind hier am besten zu haben.
[147] Der Tempel zu Eleusis, dessen Grundlagen jetzt glücklich freigelegt sind, scheint mir nach ägyptischen Mustern, wenngleich mit einigen Abweichungen, erbaut zu sein.
[148] Wer in +Ostindien+ eine Moschee betritt, ist im ersten Augenblick ganz verwirrt, da die Gebetnische nach +Westen+ liegt; aber die Richtung (Kibla) muss immer nach Mohammed’s Grab hinweisen.
[149] +Ise+ (südöstlich von Kyoto, an der Owaribucht) mit dem Tempel der Shinto-Sonnengöttin Amaterasu ist das +Nationalheiligthum der Japaner+. Fremde können wohl hinreisen, bekommen aber nicht viel zu sehen.
[150] Pagode, angeblich vom indischen bhagurati = heiliges Haus; richtiger wohl von +Dagoba+, Reliquien-Schrein.
[151] Kranich und Schildkröte sind Sinnbilder des Glücks und des langen Lebens.
[152] +Aeolus+, der Schaffner der Winde, gab dem Odysseus einen +Schlauch+ aus Ochsenhaut, worin er die Sturmwinde fest eingebunden. (Odyssee, X, 19). Die Uebereinstimmung kann auf Zufall beruhen. (Aber die Schiffersagen des zehnten Buches der Odyssee waren wenigstens den Singhalesen auf Ceylon im 4. Jahrhundert n. Chr. geläufig, da sie dieselben in ihre Chronik hineinflochten.)
In einem der Mausoleen sah ich einen Mann aus Bronze als Laternenträger, dem Entwurf nach ähnlich demjenigen von Pompeji. Aber ich erschrak förmlich über die ostasiatische Ausführung.
[153] Mit der Eisenbahn in 50 Minuten zu erreichen, wenn man in Ofuna Anschluss an die Zweigbahn findet.
[154] Die Bildsäule besteht aus Bronzeplatten, die einzeln gegossen, dann zusammengeschweisst und schliesslich noch mit dem Meissel bearbeitet sind. Das Gewicht soll 9000 Centner betragen. Man kann von hinten in das Innere hineinsteigen. Globetrotter haben früher sich auf Buddha’s Schooss photographiren lassen. Jetzt steht in der Nähe eine englische Inschrift: „Wandrer, wer du auch seist, ehre dieses uralte Heiligthum.“
[155] Dazu gehört der Hermes des Praxiteles. -- Zu Cairo sagte mir einst ein englischer Oberst von grosser Reiseerfahrung, er theile die Menschen in zwei Classen ein, je nachdem sie den Hermes zu Olympia gesehen oder nicht.
[156] Und einen grossen Theil des Gewinnstes vorwegnimmt.
[157] Wenigstens in dem der Chinesenstadt zu St. Francisco sassen die Damen, gleichförmig weiss gekleidet und weiss geschminkt, steif und wie leblos, zusammen hoch oben auf einer einzigen Galerie. In dem chinesischen Theater zu Hongkong sah ich nur ganz vereinzelte Frauen und Mädchen. -- Die höheren Stände in Japan erlauben ihren Töchtern nicht, die gewöhnlichen Theater zu besuchen.
[158] Im Theater zu Kyoto vermochte der „Führer und Dolmetscher“ durchaus nicht, den poetischen Namen des Stückes in verständliches Englisch zu übersetzen.
[159] Ichikawa Danyūro gilt für den grössten Schauspieler Japan’s. Seine Darstellungskraft und Gewandtheit ist bewunderungswürdig.
[160] Wie im Theater der alten Griechen und -- Shakespeare’s, so werden auch im japanischen Theater Frauenrollen von Männern dargestellt. Ebenso im Theater der Chinesen, nicht aber in dem der Hindu und Parsi. Für das Theater der Japaner ist dies um so seltsamer, als ihre moderne Bühne, im 17. Jahrhundert, von zwei Frauen (O-Kuri und O-Tsu) gegründet wurde. -- Die erstere war Priesterin, entfloh mit einem Krieger, verursachte durch ihre Schönheit den Tod eines Nebenbuhlers, trat mit ihrem Gatten in Yedo auf und wurde nach seinem Tode erst Lehrerin der Dichtkunst und endlich Nonne, um für die Seele ihres Opfers zu beten. -- Dass Frauen auf der japanischen Bühne nicht auftreten, wird verschieden erklärt, ein Mal aus Gründen der Sitte, das andre Mal -- weil es den Frauen an Begabung zur Schauspielkunst fehle!
[161] Aehnlich wie in der Götterdämmerung vor Brunhild’s Felsgemach.
[162] Das griechische Theater besass bereits eine Maschine (Ekkyklema), um das Innere eines Hauses, wenn es erforderlich wurde, nach aussen zu drehen. Vgl. +Aristophanes+, die Acharner, Z. 409. +Euripides+: „Man drehe mich heraus.“ (Ἀλλ’ ἐκκυκλήσομαι).
[163] Gelegentlich sieht man das heutzutage auch auf unserer Bühne.
[164] J. L. +Klein+ erklärt, im III. Band seiner so ausführlichen Geschichte des Drama, die Schauspiele der Japaner für „matte Abbilder oder groteske Nachahmungen des Theaters der Hindu oder Chinesen.“ Aber er schrieb 1866, d. h. zu einer Zeit, wo unsere Kenntniss von Japan noch sehr gering war.
[165] Mit Recht betont er (1866) des Königs Çudraka’s Stück „Der Kinderwagen“ (aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.), dasselbe Stück, das wir heutzutage als +Vasantasena+ so sehr bewundern.
[166] Chamberlain, Things Japanese, S. 412.
[167] Chikamatsu Monzaemon und Takeda Izumo.
[168] Dies Stück ist ins Englische übersetzt und auch einige No-Dichtungen. Aber wir sind noch weit davon entfernt, den Inhalt des japanischen Theaters zu kennen.
[169] Auch zur Bereitung der beliebten Tunke +Soya+ verwendet.
[170] Fleisch wird wenig genossen, die Buddhisten verabscheuen es wegen der Lehre von der Seelenwanderung. 1882 wurden im ganzen Reich nur 36000 Stück Rindvieh geschlachtet; in Berlin 1890/91: 124593 Rinder und 115431 Kälber. Der Fisch wurde in Japan nothgedrungen von der Seelenwanderung ausgenommen. Das Meer von Japan wie seine süssen Gewässer wimmeln von Fischen, da der Räuber Hecht fehlt.
[171] Arbeiten aus der K. jap. Militärärztlichen Lehranstalt. I, 1. 1892.
[172] Vergl. die Erörterung bei J. +Munk+, Virchow’s Arch. B. 132, S. 150. Bei uns braucht der Arbeiter täglich 110 g Eiweiss, 56 g Fett und 500 g Kohlehydrat. (J. +Munk+ & +Uffelmann+: „Die Ernährung“. 2. Aufl. 1891. S. 346.)
[173] Ebendaselbst. S. 329.
[174] Victor Hehn, Kulturpflanzen und Hausthiere. 5. Aufl. Berlin 1887. S. 406.
[175] Die getuschten Lichtbilder von Land und Leuten, die man in Tokyo, Yokohama, Kobe kaufen kann, sind eigentlich besser und billiger, als die unsrigen.
[176] Man könnte es „Aller-Seelen-Tempel“ übersetzen. (Chinesisch sho = einladen, kon = Geist, sha = Tempel.)
[177] Die japanische Regierung hatte +bereits+ 1869 die preussische gebeten, ihr einige tüchtige militärärztliche Kräfte zu überlassen. Die Herren Oberstabsarzt Dr. +Müller+ und Stabsarzt Dr. +Hoffmann+ kamen, da ihre Abreise durch den Krieg verzögert ward, im August 1871 in Yedo an.
[178] Kitsune-tsuki. -- Es giebt auch auf dem Lande Fuchs-Eigner (Kitsune-mochi), schlaue Betrüger, welche den Aberglauben zu unrechtmässigem Vortheil ausbeuten.
[179] Ist es doch noch nicht lange her, dass wir sogar in unserem Vaterland von Besessenheit und Teufelaustreibung vernommen haben. -- +Kämpfer+ (Geschichte von Japan III, 2) fand schon 1692 in Japan „den Glauben, dass der Fuchs manche Menschen (gerade wie bei den Christen der Teufel) besitze.“
[180] Dazu kommen noch neuerdings eine Ackerbau- und eine technische Hochschule.