Um die Erde: Eine Reisebeschreibung
Part 51
Der Himmel war grau, der Wasserspiegel blau, die Wellengipfel unter dem schaumigen Kamm prachtvoll grün-durchscheinend. Die +Sukur-Inseln+ werden sichtbar. Scheinbar mitten im Meer bäumt sich das Wasser empor, wie ein Springquell, -- von unterirdischen Riffen. Vier Wracks sind in dieser Gegend, aus den letzten zwanzig Jahren.
Nachmittags wird es windig, und am 8. Januar, an dem ich Morgens 26, Nachmittags 27° C. auf Deck im Schatten gemessen, erfolgt ein +Gewitter+, während wir kein Land zu sehen vermögen. Unser Capitän, der zwanzig Jahre diese Strasse fährt, kann sich nicht erinnern, jemals im rothen Meer ein solches beobachtet zu haben. Erstaunlich ist die zeitliche und örtliche Ausdehnung dieses Gewitters. Es dauert ¼ Tag, während wir 80 Seemeilen zurücklegen; es umgiebt das Schiff nach allen vier Richtungen der Windrose. Erstaunlich ist auch die Häufigkeit der Entladungen. Vor uns schwebt, scheinbar nicht hoch über dem Horizont, eine Gewitterwolke. Diese flammt auf, alle 5 oder 10 Sekunden, von bläulichem Licht erglühend; der Rand heller, als die Mitte. Mitunter wird plötzlich ⅛ oder ¼ des vor uns befindlichen Himmelsgewölbes für einen Augenblick erhellt, so dass man dabei die Uhr erkennen kann. Blitzstrahlen sind häufig, aber nicht so, wie jenes Aufleuchten. Die Strahlen sind zackig, scheinbar von nicht unbedeutender Breite, mitunter verästelt oder fast dreieckige Räume umschreibend; nicht bloss nach unten, sondern auch fast wagerecht verlaufend. Donner ist sparsam, nur für einen Theil des Gewitters hörbar.
Am folgenden Tage, den 9. Januar, ist es abgekühlt, Vormittags 23, Nachmittags 19½° C. Wir haben +Nordwind+; zum ersten Mal seit Bombay, finden wir es nicht mehr angenehm, auf Deck zu +sitzen+. Zwanzig Dampfer kommen an diesem Tag in Sicht; das ist aber nicht Zeichen eines grossartigen Verkehrs, sondern eines Hindernisses im Suez-Canal, das etwa 24 Stunden angedauert.
Am 10. Januar hält der Nordwind an, gegen Abend erblicken wir die öde, zackige +Sinai-Halbinsel+ und ferner an der afrikanischen Küste die Insel Schadwan (Scheduan) mit Leuchtthurm.
Mittwoch, den 11. Januar, erscheinen bei Sonnenaufgang beide Küsten des Golf von +Suez+; die westliche, steilere, roth bestrahlt. Beide sind wüst, nur in der Nähe von Suez einige grüne Plätze und Striche, an der Süsswasser-Leitung. Von 8 bis 10½ Uhr Vormittags bleiben wir vor Anker im Tewfik-Hafen von Suez, vor uns die mit jungen, aber bereits schattenspendenden Laubbäumen besetzte Uferstrasse. Als wir in den +Kanal+ hineindampfen, entrollt sich vor uns ein schönes Bild.
Zur linken der blaue Meerbusen und die Wüstenberge der afrikanischen Küste, vor uns rothe, steile Felsen und näher heran die Stadt, deren weisse Häuser platte Dächer zeigen, hier und da ein niedriger plumper Minaret und kleine Kuppeln, schüchterne Anfänge von Palmgärten, der Steindamm, auf dem der Eisenbahnzug zu dem an der Kanal-Einfahrt belegenen Kriegs- und Handelshafen (Port Ibrahim) hinfährt; nördlich von der Stadt der von grünem Pflanzenwuchs eingesäumte Süsswasser-Kanal, der hier in das nördliche Horn des Golfs von Suez sich ergiesst, zur rechten (und hinter uns) die flache Küste und Wüste und die fernen Berge der Sinai-Halbinsel.
Aber nach kurzer Fahrt hört die Aussicht auf, da sie von den Ufern versperrt wird; doch nicht für lange. Die Weichen, Signalstationen, kleinen Ortschaften bringen Abwechslung.
Bald erreichen wir den Bittersee, durch den das Fahrwasser mittelst zweier Reihen von Bojen bezeichnet wird, und erblicken vor der Dunkelheit noch gerade +Ismalija+. Dann aber werden die electrischen Scheinwerfer[648] vorn auf unserem Schiff entzündet, das majestätisch und sicher durch die Dunkelheit gleitet, den in einem kleinen Hafen des Kanals verankerten Truppen-Dampfer überholt, und Morgens um 8 Uhr in +Portsaid+ vor Anker geht.
Es gewährt eine eigenartige Befriedigung, auf einem neu geschaffenen Kanal mit Hilfe der neuesten Erfindungen durch das Gebiet eines der ältesten Culturvölker der Erde zu fahren.
Schon Setos I. und Ramses II. (um das Jahr 1300 v. Chr.) haben einen Kanal vom Nil zum Timsah-See und von da zum rothen Meer graben lassen. Necho (um 600 v. Chr.) und Darius Hystaspis (um 500 v. Chr.) haben einen neuen Kanal vom Nil zum rothen Meer geführt, die Ptolemäer, Trajan (98 bis 117 n. Chr.) daran gebaut, Amr, der Feldherr des Kalifen Omar, im 7. Jahrhundert n. Chr. die Wiederherstellung unternommen.
Aber bald war alles wieder verfallen, und nur schwache Spuren sind von dem Werk der Pharaonen und ihrer Nachfolger übrig geblieben.
Unser Leibnitz hat 1671 auf die Vortheile eines Schifffahrt-Kanals zwischen dem rothen und dem Mittel-Meer hingewiesen. Napoleon Bonaparte liess auf seinem Zuge nach Aegypten (1798) Vermessungen anstellen, die unglücklicherweise das irrige Ergebniss lieferten, dass der Spiegel des rothen Meeres gegen 10 Meter höher liege, als der des Mittelmeeres. In Wirklichkeit liegt der Spiegel der beiden Meere gleich hoch; nur ist bei Portsaid im Mittelmeer die Bewegung von Ebbe und Fluth fast unmerklich, bei Suez im rothen Meer beträgt sie 1 bis 2 Meter. +Ferdinand de Lesseps+ gebührt das Verdienst, die 300 Millionen Europäer den 700 Millionen Asiaten näher gebracht, alle Schwierigkeiten widerstrebender Staatsmänner, der Geldbeschaffung, der Oertlichkeit,[649] der Arbeit überwunden, mit Hilfe einer Aktiengesellschaft 1858 die Durchstechung begonnen und 1869 den Suez-Kanal, wie er mit gerechtem Stolz rühmt,[650] „fertig gestellt zu haben, frei, neutral, allen zugänglich und offen für den Weltverkehr.“
Die Länge des Kanals beträgt 160 Kilometer, die Breite am Wasserspiegel 50 bis 100 Meter, an der Sohle 22 Meter, die Tiefe 8½ Meter. Ausweich-Stellen sind angebracht, wo ein grosser Dampfer den andern vorbeilässt. Durch die in Ausführung begriffene Erweiterung und Vertiefung des Kanals sollen die Ausweichen fortfallen. Die Durchfahrt dauert mit dem Scheinwerfer 16 bis 22 Stunden; ohne denselben 40 Stunden, da dann das Schiff Nachts vor Anker liegen muss.
Die Gesammtkosten des Kanals betragen 400 Millionen Mark. (20 Millionen £, von denen 3½ im Besitz der englischen Regierung, die 1876 auf Betreiben von Beaconsfield dem Chediw seinen Antheil abkaufte.)
Der Ueberschuss, den die Gesellschaft 1887 erzielt, betrug 29_{,7} Millionen Francs. (Einnahmen 60_{,5}, Ausgaben 30_{,8} Millionen Francs.) Sie nimmt 10 Francs für die Tonne und ebenso viel für jeden Reisenden. Die Gebühr, die ein Schiff zu zahlen hat, ist ganz anständig, für unsre Imperatrix in runder Summe 50000 Francs. Im Jahre 1887 benutzten den Kanal 3137 Schiffe mit einem Netto-Gehalt von 5900000 Tonnen, davon 2330 englische, 185 französische, 159 deutsche. Die Entfernung von London nach Bombay ist um das Cap der guten Hoffnung 10719 Seemeilen, durch den Suez-Kanal 6274. Die Abkürzung der Fahrt durch den Suez-Kanal beträgt für Dampfer nach Bombay von Brindisi 37, von London 24, von Hamburg 24 Tage. Aber da Dampferfahrt um das Cap nicht lohnend war, wegen der Schwierigkeit der Kohlenbeschaffung, so hat man eigentlich gegenüberzustellen:
Segelfahrt von London nach Bombay 100 Tage. Dampfschifffahrt „ „ „ 26 „
Die Eröffnung des Suez-Kanals hat bewirkt, dass der Welthandel von der Segel- zur Dampf-Schifffahrt überging, zumal gleichzeitig die zusammengesetzten Maschinen aufkamen.
+Portsaid+, eine Schöpfung des Kanals, hat schon 21000 Einwohner, Niederlassungen aller grossen Dampfschifffahrts-Gesellschaften, auch unsres norddeutschen Lloyd, und einen äusserst lebhaften Verkehr. Nachdem ich mich an dem fesselnden Hafenbild der aus- und einladenden Schiffe aller Nationen erfreut, gehe ich an’s Land, kaufe ägyptische Cigaretten und vertraue mein Haupt einem italienischen Haarkünstler an.
Mittags fahren wir ab, am 14. Januar erblicken wir Morgens die schneebedeckten Felsen von Candia und haben bei rauhem Wetter gegen den Wind zu kämpfen, so dass unser Log-Bericht von 250 Seemeilen der schlechteste wird, den unser Capitän jemals gemacht. Am 15. Januar erblicken wir Morgens Cephalonia, um 11 Uhr Korfu und lagern Abends für eine Stunde im Hafen von Brindisi.
Dienstag, den 17. Januar, Morgens, erreichen wir unter Schneegestöber (bei - 2° C. im Steuerhäuschen) die Stadt Triest, können aber nicht in den Hafen hinein, der leider an +unrichtiger+ Stelle angelegt zu sein scheint, sondern landen in der Bucht von Muggia.
Wunderbar ist der Anblick des von dem Nordwind (Bora) gepeitschten Meeres. In Triest war es grimmig kalt. Der Nachtzug brachte mich trotz der Schneeanhäufungen glücklich über den Karst und nach Wien. Von hier fuhr ich mit dem Eilzug nach Dresden. +Am 19. Januar+ 1893 +kam ich in Berlin an+, nach einer Reise von 171 Tagen über eine Strecke von 48092 Kilometern.
Fast ist es mir, wie ein schöner +Traum+. Aber die wechselnden Bilder stehen +lebendig+ vor meinem Auge. Mein Herz ist voll Dankbarkeit gegen das +neunzehnte Jahrhundert+, das die Entfernung vernichtet und solche Reisen ermöglicht hat.
Entfernungen:
Kilometer 1. Berlin -- Bremerhafen | 408. 2. Bremerhafen -- New-York 3600 See-M. | 6660. 3. New-York, Washington, Baltimore, | Philadelphia, New-York 456 Engl. M. | 753. 4. New-York -- Albany 143 E. M. | 229. 5. Albany -- Niagara -- Owen Sound 486 E. M. | 782. 6. Owen Sound -- Fort William 555 See-M. | 893. 7. Fort William -- Vancouver 1900 E. M. | 3058. 8. Vancouver -- Yokohama 4283 See-M. | 7744. 9. In Japan bis Kobe 614 E. M. | 987. 10. Kobe -- Hongkong 1367 See-M. | 2637. 11. Hongkong -- Colombo 3096 See-M. | 5875. 12. In Ceylon 444 E. M. | 714. 13. Colombo -- Calcutta 1380 See-M. | 2550. 14. In Indien | Calcutta -- Darjeeling | und zurück 758 E. M. | Calcutta -- Benares 476 „ | Benares -- Lucknow 200 „ | Lucknow -- Cawnpur 35 „ | Cawnpur -- Agra 240 „ | Agra -- Delhi 243 „ | Delhi -- Bombay 890 „ | Bombay -- Ellora | und zurück 468 „ 3310 E. M. | 5330. Bombay -- Triest 4367 See-M. | 8082. Triest -- Wien -- Berlin | 1390. --------------+------ 48092.
Verbesserungen.
Seite 49, letzte Zeile, lies 1440/360 = 4.
S. 56, Z. 21, lies +ihre Nummer+.
S. 68, Z. 13, lies +deutsche Meilen+.
S. 78, Z. 3 von unten, lies +von der Vorstadt+.
S. 84, Z. 2, lies +Papst+.
S. 178, Z. 8 von unten, lies +Der mit+.
S. 190, Z. 19, lies +seit Jahrhunderten+.
S. 215, Z. 27, lies +Verpflegung+.
S. 236, Z. 10, lies +einer jener+.
S. 264, Z. 26, lies +der leider zu früh f. d. W.+
S. 304, Z. 17, lies +von wenig mehr als+ 100.
S. 337, Z. 17, lies +gelangten, und+.
S. 349, Z. 15, lies +Ghulam+.
S. 352, Z. 30, lies +im Louvre+.
S. 363, Note 1, füge zu: 8590 +in ganz Deutschland+ 1892.
S. 370, Z. 10 von unten, lies +dauert+ 60 +Stunden+.
S. 371, Z. 21, lies +Reuleaux+.
S. 411, Z. 19, lies +Schah+.
S. 419, Note, füge hinzu: In einem zweiten Briefe schreibt Herr Dr. Ign. Goldziher: Der Satz, die Welt ist eine Brücke, gehet darüber, aber nehmet darauf nicht bleibenden Aufenthalt, wird als von Christus (Al Masîh, Messias) herrührend in der mohamedanischen Spruch-Literatur erwähnt. Meine Quelle ist Al-Garîb al-Isfahânî, Muhâdarât al udabâ’, ed. Kairo, II, 217.
Fußnoten:
[1] Der Platz in der ersten Cajüte kostet 400 bis 500 Mark, also ungefähr 50 Mark für den Tag; der Platz im Zwischendeck etwa 100 Mark. Die ganze Verpflegung ist eingeschlossen, nur Bier und Wein müssen besonders bezahlt werden.
[2] Zu 75 Kilogramm-Meter in 1 Secunde; also gleich 12×13000 = 156000 Menschenkräften.
[3] Die 1884 in England gebaute „Eider“, 450′ lang, hatte 6 Millionen Mark gekostet. Die Flotte des norddeutschen Lloyd zählt 76 Dampfer, von denen nur 25 weniger als 1000 Tonnen messen.
[4] Ein Drittel der vollen Ladung ist Kohle. (Für ungefähr 17 Tage.)
[5] Auf meiner ersten Reise über den atlantischen Ocean im Jahre 1887 habe ich (natürlich in Begleitung des Capitäns, da es sonst nicht gestattet ist,) das Zwischendeck besucht. 600 Reisende waren dort untergebracht, in drei Abtheilungen; die erste ist für ledige Frauen, die zweite für Familien, die dritte für ledige Männer. Jeder hat seine eigene Lagerstätte mit Stroh-Sack und Kopf-Kissen; für eine Decke hat er selber zu sorgen, doch kann er dieselbe, die er auf seiner Fahrt durch den amerikanischen Continent so nothwendig braucht, zum Selbstkostenpreis von der Gesellschaft des norddeutschen Lloyd in Bremen oder Bremerhafen beziehen. Dies Zwischendeck war besser eingerichtet und gelüftet, als irgend eines, das ich zuvor gesehen. Namentlich denke ich noch mit einem gewissen Grauen an das des russischen Dampfers, welcher 500 russisch-katholische Pilger von Odessa nach Palästina beförderte. Aber bei bewegter See herrschte auch im Zwischendeck der „Eider“ das graue Elend. Willenlos liegen oder hocken alle, jung und alt, auf Betten und Gängen. Pausbäckige Kinder, denen die dicken Thränen über die Wangen laufen, klagen „Mutting, ich sterbe,“ lassen aber doch das wohlgeschmierte Butterbrod nicht fallen.
[6] Die Schiffe haben ihre Schicksale. Die „Eider“ ist inzwischen wrack geworden; und die „Spree“ hatte, ehe ich die Heimath wieder erreichte, einen Bruch der Schraubenwelle erlitten, wobei die Umsicht und Thatkraft des Capitäns aufs beste sich bewährt hat.
[7] Stewards.
[8] Frankreich zahlt Unterstützung an Dampferlinien gegen 27000000 Mark.
England gegen 17500000 Mark Deutschland „ 4720000 „ Italien „ 7000000 „ Oestr.-Ungarn „ 4000000 „ Russland „ 5000000 „ Vereinigte Staaten „ 1100000 „ Mexico „ 2000000 „ Japan „ 897000 „
[9] Von Southampton bis Bremen 420 Seemeilen.
[10] Needles.
[11] log record.
[12] pool, wörtlich Einsatz.
[13] Nach Westen macht, wenn alles übrige gleich ist, der Dampfer scheinbar über ein Dutzend Meilen mehr an jedem Tage, als nach Osten. Denn nach Westen zu werden jedem Tag ungefähr 45 Minuten zugegeben, nach Osten abgezogen.
[14] Von Greenwich.
[15] Von den +Nadeln+ ab gerechnet.
[16] Wegen des zwischen Europa und Nordamerika vorherrschenden Südwestwindes legten die Packetboote die Fahrt von Liverpool nach New-York durchschnittlich in 40 Tagen, den Rückweg in 23 Tagen zurück.
[17] 1818 war das mit Dampfmaschine versehene Segelschiff Savannah von Nordamerika bis Liverpool in 26 Tagen gefahren, wobei 18 Tage unter Dampf.
[18] 1887 auf der Eider noch sieben Tage und etliche Stunden. -- Der Hamburger Schnelldampfer Bismarck hat 1892 nur 5 T. 20 St. gebraucht.
[19] 1 Tag = 24 Stunden = 24×60×60 = 86400 Secunden.
7 Tage = 7×86400 = 604800 Secunden oder Umdrehungen. Auf der Eider waren es etwa 777600.
[20] So eine Welle hat einen Durchmesser von mehr als 2 Fuss, die Schraubenflügel von mehr als 20 Fuss. Die Welle geht von der Maschine, die in der +Mitte+ des Schiffes sich befindet, bis zum hinteren Ende, besteht aus mehreren Theilen und besitzt Widerlager, so dass sie bei der Drehung nicht nach vorn gleiten kann. Natürlich ist ihre Austrittsstelle durch eine mächtige Stopfbüchse gegen das Eindringen des Wassers geschützt.
[21] Höchst mangelhaft war die Einrichtung auf dem Dampfer Brindisi der englischen P. & O. Gesellschaft, von Hongkong nach Colombo. Um 11 Uhr wurde die Dynamomaschine abgestellt, alle Cajüten waren dunkel. Mein Nachbar, ein Capitän unserer Kriegsflotte, und ich selber forderten (und erlangten) Kerzen für die leeren Leuchter unserer Cajüten.
[22] Die 24 Stunden des Tages sind in sieben Wachen eingetheilt: Erste Wacht von 8 Uhr Abends bis Mitternacht; mittlere Wacht von Mitternacht bis 4 Uhr Morgens, Morgenwacht von 4-8 Uhr, Vormittagswacht von 8-12 Uhr, Nachmittagswacht von Mittag bis 4 Uhr. Erste Hundewacht von 4-6 Uhr, zweite Hundewacht von 6-8. Durch diese Eintheilung ändern sich die Wachen für jeden Mann an jedem Tag.
[23] Die „+Elbe+“ des norddeutschen Lloyd führte 1887 für 1000 Menschen 28000 Pfund Fleisch, 24000 Pfund Mehl u. dgl., 48000 Pfund Eis, 8000 Flaschen Bier und dazu noch 1000 Liter, 2000 Fl. Rheinwein u. s. w.
[24] Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten auf einer Kugeloberfläche liegt in dem grössten Kreis, der durch jene beiden Punkte und den Mittelpunkt der Kugel gelegt wird.
[25] Klaproth, 1841. Vgl. Poggendorff’s Geschichte der Physik, 1879, S. 98.
[26] 1 Faden gleich 6 Fuss.
[27] Die Seemeile ist gleich der mittleren Meridianminute = 1852 Meter.
Die preussische Meile ist 24000′ = 7420 Meter, die engl. (Statute m.) 5280′ = 1609 Meter.
[28] Auf dem Weltmeer ist es doch etwas kühler. Während diesseits und jenseits die fürchterlichste Hitze wüthete, mass ich auf dem Schiffe um die Mittagszeit 19° C. im Schatten, in der Nähe von New-York 22°C. und selbst 23°C. Die Temperatur des Wassers war 13°, aber so lange wir im Golfstrom verweilten, 15-17°. (Zu New-York +Nachts+ im Schlafzimmer 22°, zu Washington 30° C, August 1892.)
[29] Stets mässig, habe ich während der 65 Seefahrtstage auf dieser Reise nicht eine einzige Mahlzeit versäumt, wohl aber manche Gänge. Oliven, wie Sardinen in Oel, Kraut, Thunfisch vermeide ich stets an Schiffsbord.
[30] Man miethet ihn für 4 Mark und lässt ihn mit seinem Namen bezeichnen. Früher musste man einen Stuhl kaufen, was auch jetzt noch zwischen Vancouver und Bombay nothwendig ist.
[31] Phocaena communis, 2-3 Meter lang, lebt gesellig im nordatlantischen Ocean. Von den Matrosen Meerschwein genannt. (Englisch porpoise.)
[32] Alle halbe Stunden schlägt die Schiffsglocke, um 8½ Uhr Vormittags 1 Mal, um 9 Uhr 2 Mal und so fort, d. h. um 12 Uhr Mittags 8 Mal. Dann beginnt das Spiel von vorn, für jede der sechs Schichten von je 4 Stunden.
[33] Besonders im Süden, wo neue Sternbilder auftauchen.
[34] Ohne dunkles Schutzglas ist die Beobachtung schwierig und nicht ganz genau.
[35]
(_a_ + _c_)^2 = _b_^2 + _c_^2 _b_^2 = _a_^2 + 2_ac_ oder, da _a_^2 gegen 2_ca_ verschwindet, _b_ =√(2_c_×_a_).
2_c_, der Erddurchmesser, ist 1900×24000′ = 45000000′.
√(2_c_) = 6500′ = 1 Seemeile. _b_ = 6500′ · √(_a_′) = √(_a_′) in Seemeilen.
Ist unsere Erhebung über den Wasserspiegel
_a_ = 9 Fuss, so wird _b_ = 3 Seemeilen, _a_ = 25 „ „ „ _b_ = 5 „ _a_ = 36 „ „ „ _b_ = 6 „
Diese +angenäherte+ Formel ist leichter zu behalten, als die genauere, welche ich später in +Breusing’s+ Steuermannskunst (Bremen 1890, Seite 184) gefunden. [_b_ = 3568 Meter×√_a_.]. Unser „Handbuch der Navigation, herausgegeben vom Reichs-Marineamt (Berlin 1891)“ enthält die folgenden +genauen+ Angaben, mit denen meine angenäherten genügend stimmen.
Augeshöhe Sichtweite
M. Sm.
3 3,6 8 5,89 12 7,21 . . . . . . . . . . 33 11,95
Hat der gesehene Punkt _P_ die Erhöhung α und unser Auge diejenige von _a_; so ist die Gesammtentfernung _AP_ = _b_ + β = √(_a_′) + √(α′).
Ist α = 100′ (Mastspitze), _a_ = 25′; so sieht man _P_ doch nicht auf 10 + 5 = 15 Seemeilen, weil die Mastspitze zu wenig sich abhebt. Aber Leuchtfeuer werden auf 20 bis 30 Seemeilen gesehen, -- jedoch nicht auf 75, wie der prahlerische Reisende dem rechnenden vergeblich weiss zu machen sucht. Denn 5000′ hoch stellt man kein Leuchtfeuer.]
[36] Von P. Dörffel, Berlin.
[37] Damals ahnten wir noch nicht, wie berüchtigt die Einwohner durch selbstsüchtige, feige Roheit einige Wochen später, zur Cholerazeit, sich machen sollten: mit Dolchen, Revolvern, Flinten, Aexten hinderten sie die Landung der Reisenden, welche von der amerikanischen Regierung dorthin geschickt worden waren.
[38] Mein Brief, der meine Erlebnisse auf dem Dampfer meldete, wurde, mit deutschen Briefmarken ausgestattet, in den deutschen Postbriefkasten an Bord unseres Schiffes geworfen. Wir haben einen Postbeamten an Bord, der die nach Deutschland bestimmten Briefe sofort im Hafen auf einen heimkehrenden Postdampfer befördert, (wozu in New-York an jedem Tag Gelegenheit sich bietet,) so dass mein Schreiben nach 10 Tagen in Berlin sein kann. Meine glückliche Ankunft brauche ich nicht nach Hause zu telegraphiren. Sowie wir in Sandyhook sichtbar geworden, ist die Nachricht durch den Draht nach New-York, und von hier nach Bremen und Berlin befördert worden. Zehn Minuten nach Ankunft des Telegramms in Berlin hat die Gesellschaft des norddeutschen Lloyd dasselbe in mein Haus zu den Meinigen gesendet.
[39] Da ich diesmal nur New-York, Washington, Baltimore, Philadelphia besucht; so verzichte ich auf eine genaue Schilderung der Reise durch die +Vereinigten Staaten+ und verweise den Leser auf mein Büchlein: „+Von New-York nach S. Francisco+“ (Leipzig 1888), wo er eine Schilderung der amerikanischen Eisenbahnen, der Städte Chicago, St. Paul und Minneapolis, Portland, S. Francisco, Mormon City, Denver, ferner vom Niagarafall, vom Nationalpark und vom Yosemite-Thal finden kann.
[40] Canadian Pacific Railroad, C. P. R.
[41] Das ist allerdings auch mit der nördlichen Pacificbahn durchführbar.
[42] Vgl. die Schrift „Canadian Pacific Railway“.
[43] Day-line.
[44] „No European river is so lordly in its bearing.“ Das ist amerikanische Ausdrucksweise. (Spread eagle style.)
[45] West-shore und N. Y. Central.
[46] Es ist nicht angebracht, an dieser Stelle den Niagara zu beschreiben. Meine eigene Schilderung findet der geneigte Leser in dem letzten Kapitel des obenerwähnten Büchleins.
[47] An Bord des Dampfers ist weder Bier noch Wein, ja nicht einmal Selterswasser zu haben! Das ist gesundheitswidrig, übertrieben und heuchlerisch.
[48] Auf der Meeresfahrt haben sie sich +nicht+ bewährt.
[49] Rapids.
[50] Im Jahre 1890 gingen durch S. St. M. 8,4 Millionen Tonnen; durch den Suezcanal 6,9. Aber die Waaren, die den letzteren passiren, sind kostbarer.
[51] Das ist ebenso, wie in den Vereinigten Staaten. Vgl. mein Büchlein, S. 14.
[52] Natürlich ist das auch in den Vereinigten Staaten möglich. Aber dort werden Erschwerungen der Einwanderung geplant, und die socialen Streitigkeiten sind gelegentlich recht unangenehm. Als ich durch Buffalo kam, war die Eisenbahn von Soldaten besetzt, da die Ausständigen die Wagen anzuzünden suchten.
[53] Three sisters.
[54] Bow river.
[55] Hot Springs.
[56] Grand View.
[57] Devils lake oder Minnewonka.
[58] Great Divide.
[59] Mitten im Urwald liest man an den Bäumen die Ankündigung: „Werthvolles Land preiswürdig zu verkaufen.“
[60] Flächeninhalt des stillen (grossen) Oceans 160 Millionen qkm, des atlantischen 80, des indischen 73, des südlichen Eismeeres 20, des nördlichen 15, der Erdoberfläche 509, der fünf Erdtheile nebst den beiden Polargebieten 135.
[61] Occidental and Oriental Steamship Co.
[62] An der Nordwestecke der Vereinigten Staaten (Washington, Oregon) ist man neidisch auf das Aufblühen von Vancouver und gründet eine neue „pacifische“ Eisenbahnlinie mit Anschluss für Yokohama.
[63] Beaver.
[64] Inlet, eine nur durch eine schmale Strasse mit dem Pugetsund zusammenhängende Bucht.