Um die Erde: Eine Reisebeschreibung

Part 28

Chapter 283,455 wordsPublic domain

An dem Ufer des See’s steht eine öffentliche Büchersammlung für die wissensdurstigen Singhalesen. Von einem Regenguss überrascht, trat ich in ein kleines Haus und war erstaunt, in dem jungen Besitzer einen gebildeten Mann zu finden, der, in Colombo erzogen, hier in mässiger Wohlhabenheit lebt und keinen grösseren Wunsch zu haben schien, als einmal eine Reise nach Europa zu unternehmen. Auf den Abhängen von den Hügeln zum See liegen die Häuser der Wohlhabenden, namentlich der Theepflanzer; auch das von einem Deutschen verwaltete kleine Gasthaus (Villa Florence), von dem ich vorher nichts erfahren.

Neben dem Tempel steht das Landhaus des Gouverneurs und die Wohnungen einiger anderen Würdenträger, dicht dabei sind die spärlichen +Reste des alten Königspalastes+ zu finden. Nachdem die Mauern beseitigt, die Gräben ausgefüllt, neue Gebäude auf dem Platz der Ruinen errichtet sind, kann man aus dem blossen Anblick keine Vorstellung von dem alten Herrschersitze gewinnen. Das einzige Gebäude, das der Zerstörung entgangen, ist die Empfangshalle, ein geräumiger Saal, getragen von reich geschnitzten Teakholzsäulen. Wo eine morsche Säule durch eine neue ersetzt worden, erkennt man den Verfall der einheimischen Kunst.

Hier pflegte einst der unumschränkte Herrscher Nachts auf einem hohen, dunklen Verschlag zu thronen, während die Seitenwände des mit Wachsfackeln erleuchteten Saales von den Reihen der kauernden Höflinge eingenommen wurden; auf allen Vieren und wirklich „den Staub des Erdbodens leckend“ mussten seine Minister und, wer sonst zugelassen war, zum Throne kriechen. Jetzt steht die Halle leer; sie wird als Bezirksgericht verwendet.

Wenige Schritte vom Hotel, und wir sind in der +Stadt der Eingeborenen+. Die ganzen Vorderseiten der niedrigen Häuser in der Hauptstrasse sind von Läden eingenommen, wo die üblichen Lebens- und Genussmittel, von denen ich schon gesprochen, und die einfachen Geräthschaften feilgeboten werden. Hier und da giebt es auch Lager von Gross-Kaufleuten in Reis, Tabak, Arecanüssen u. dgl. Die Leichtigkeit, mit der Bettler erhalten, was sie wünschen und brauchen, macht uns erklärlich, weshalb die Regierung so gut wie nichts für die Armen-Pflege ausgiebt.

Die grossen, tellerförmigen Hüte der Kandy-Häuptlinge, wie sie auf älteren Abbildungen, neueren Lichtbildern und auch auf den lebensgrossen, bemalten Thonfiguren im Museum zu Colombo sich finden, vermochte ich in den Strassen von Kandy nicht zu entdecken.

Mit dem +Einspänner+, der allerdings hier in den Bergen etwas theurer ist, als in den Strassen von Colombo, fahre ich über Lady Horton’s und Lady Mc. Carty’s Spazierweg, der um die Hügel sich windet und an deren steil abfallender Ostseite einen wunderbaren Blick über das Thal und das felsige Bett des +Mahaweli-Ganga+[353] gewährt. Es ist dies der grösste Fluss der Insel, seine Länge misst 270 Kilometer, sein Gebiet umfasst ein Sechstel des Flächeninhalts von Ceylon; er entspringt in einem Thal zwischen Peduru und dem nächsten Rücken des Adams-Pik-Stockes, fliesst erst nordwärts, dann östlich umbiegend in einem Bogen um die Stadt Kandy herum, hierauf wieder nordwärts, um schliesslich bei Trinkomale zu münden.

Auf diesen Spazierfahrten zeigt sich auch gelegentlich ein gutes Stück +jungfräulichen Buschwaldes+ (Dschungel): undurchdringliches Gebüsch, jeder Baum durch Schlinggewächse in eine Laube verwandelt. Alles grün und blumig von unten bis oben.

Am nächsten Nachmittag fuhr ich nach +Askyra+, auf guter Strasse und über eine ordentliche, eiserne Gitterbrücke, die den Mahaweli überspannt und, wie die meisten Brücken im Innern, von den englischen Pionier-Soldaten erbaut worden ist. Brückenzoll ist zu zahlen. Sehenswürdigkeiten sind die Bildsäule des schlafenden Buddha und -- Arbeitselephanten. Ich sah am Flussufer ein mächtiges Thier, das auf Befehl seines Lenkers die bekannten Kunststücke machte. Aber der Mann war mit dem Trinkgeld von 50 Cents nicht zufrieden, indem er behauptete, dass sein Thier 500 £ werth sei.

Da dieser Ort gerade durch seine Arbeitselephanten berühmt ist, wollte ich mehr davon sehen und fuhr weiter über die Brücke zu einem Dorf, spähte allenthalben umher, fragte Engländer, die überhaupt keine Antwort gaben, fragte Einheimische, die, gut gekleidet, die Vermuthung, dass sie englisch verständen, erregten. Einer von diesen antwortete auch und war klüger und witziger, als wir stolzen Europäer voraussetzen, wie ich das schon öfter bei Morgenländern gefunden. „Arbeitselephanten sind hier nicht zu treffen, aber dort drüben am Ufer des Flusses ist einer.“ -- „Den habe ich gesehen; der macht nicht viel; das habe ich in meiner Heimath schon besser gesehen.“ -- „Wenn du zu Hause so viele und so gute Elephanten sehen kannst, weshalb reisest du so weit über das Meer und kommst nach Askyra, um Elephanten zu besichtigen?“

Uebrigens sah ich am nächsten Tage auf der Strasse einen mächtigen Elephanten, der einen gewaltigen Balken spielend zog, wie ein Kind seinen Puppenwagen.

Der schönste Ausflug von Kandy geht nach +Peradenia+. Eine Zweiglinie der +Eisenbahn+ führt dorthin; aber es gehört die ganze Thorheit und unangebrachte Sparsamkeit eines „Wegweisers für Reise-Gesellschaften“ dazu, um +sie+ für den Besuch des Gartens zu empfehlen, der meilenweit sich erstreckt und hier, in den Tropen, nicht zu Fuss, sondern nur im Wagen besichtigt werden kann. Ich fahre also in meinem Einspänner des Morgens früh südwärts die schöne Strasse, welche eigentlich eine zusammenhängende Vorstadt bildet. Jedes der niedrigen, vorn mit Holzsäulen und Schattendach versehenen Häuschen besitzt einen hübschen Garten mit Palmen und Brotfruchtbäumen. Gruppen von Eingeborenen kommen mir entgegen, die den Markt von Kandy mit frischen Früchten und Lebensmitteln versorgen.

Pira-deniya, nahe dem Mahaweli Ganga, wurde 1371 n. Chr. zum Herrschersitz des Königs Wikram Bahu III. erkoren; doch ist keine Spur von dessen Bauten geblieben. Auch von den Zuckerrohrpflanzungen, welche, nach dem Vorgang der Holländer, hierselbst im ersten Drittel unsres Jahrhunderts von den Engländern angelegt wurden, ist nicht viel mehr zu sehen, da sie nicht recht einschlugen; das Rohr wuchs zwar reichlich, blieb aber wässrig und zuckerarm. Wohl aber liegt hier eine grosse +Thee-Factorei+, die ich, nach mürrischer Gewährung seitens des Besitzers, eines alten, dürren, einsilbigen Schotten, in Augenschein nahm.

Allerdings gestehe ich gern, dass die Maschinen zum Trocknen und Sichten der würzigen Blätter mehr Zutrauen einflössen, als die Handarbeit, die ich in Japan gesehen, woselbst zu den unter freiem Himmel auf dem Boden zum Trocknen ausgebreiteten Theeblättern Hühner und andre Vögel unbehinderten Zutritt hatten.

An der Einfahrt zum +botanischen+ Garten von Peradenia empfing mich freundlichst ein singhalesischer Gehilfe des abwesenden Leiters, Herrn Dr. +Trimen+; nahm in meinem Wagen Platz, zeigte die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, indem wir hier und da ausstiegen und eine Strecke zu Fuss gingen, und erklärte mir in verständlichem Englisch die Wunder der Pflanzenwelt.

Gleich am Eingang ist ein herrlicher Gang von indischen +Gummi-Bäumen+ (Ficus elastica), die bis 100 Fuss in die Lüfte sich erheben und gewaltige Kronen von 50-60 Fuss Durchmesser ausbreiten, während ihre mächtigen Wurzeln ebensoweit, wie der Stamm emporsteigt, schlangengleich über den Erdboden fortkriechen, hier und da durch eine säulenartige, natürliche Stütze mit den niedrigeren Zweigen verbunden.

Gleich darauf folgt eine wunderbare Gruppe von +Palmen+, die kaum ihres Gleichen findet an Schönheit und Mannigfaltigkeit. Alle auf der Insel +einheimischen+ Palmenarten sind hier vereinigt. (Uebrigens sind es doch nur 12 von den 600 Palmen-Arten, welche der Wissenschaft um die Mitte unsres Jahrhunderts bekannt waren; jetzt ist die Gesammtzahl auf nahezu 1000 gestiegen.)

1) Da ist die schlanke +Kokospalme+ (Cocos nucifera), deren walzenförmiger, nur 2 Fuss dicker Stamm in anmuthiger Biegung bis 100 Fuss hoch in die Luft steigt, gekrönt mit einem Büschel von 18-20 Fuss langen Fiederblättern, unter deren Ansatz ein dichtgedrängter Haufen von Kokos-Nüssen in allen Stufen des Wachsthums und der Reife prangt.

2) Die kerzengrade und dünne +Areca-Palme+ (Areca catechu), die bis über 40 und 50 Fuss emporsteigt, mit einem Büschel abgestutzter Fiederblätter, -- ein Pfeil vom Himmel geschossen, nach dem Wort der Hindu-Dichter.

3) Die +Fächer-+ oder +Palmyra+[354]-Palme (Borassus flabelliformis) wird bis 90 Fuss hoch und 2 Fuss dick und hat eine prachtvolle Krone bis 9 Fuss langer, fächerförmiger Blätter.

4) Die +Zucker-Palme+ oder Kitul (Caryota urens).

5) Die herrlichste aller Palmen ist die +Talipot+ oder Schattenpalme (Corypha umbraculifera), deren gerader Stamm 70 und selbst 100 Fuss ansteigt, und deren majestätische Krone aus herabhängenden, fächerförmigen Blättern von 16 Fuss Durchmesser besteht. 30 bis 40 Jahre wächst die Palme und sammelt Kräfte, um dann plötzlich +einmal+ aufzublühen: ein ungeheurer, 20 und selbst 40 Fuss hoher Blüthenstamm schiesst empor; aber nachdem sie tausende von neuen Keimen ausgestreut, ist ihre Kraft erschöpft, ihr Leben erstirbt. Einen blühenden Baum habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen.

6) Die Palme des Reisenden[355] (Urania speciosa), gehört gar nicht zu dem Palmengeschlecht, aber zu den schönsten Gewächsen der Erde; die Gesammtheit der mächtigen langgestielten Blätter, deren Wurzeln kunstvoll verflochten sind, stellt einen einzigen ungeheuren Riesenfächer dar.

Von den fremden Palmen, die hier angepflanzt sind, will ich schweigen und nur beiläufig eines herrlichen Ganges von Königspalmen (Oreodoxa, aus der Havannah) gedenken; aber vielleicht ist es angebracht, ein paar Worte zu sagen über die Bedeutung, welche die Palmen für Ceylon besitzen.

Die +Kokospalme+ scheint in Südindien einheimisch zu sein, sie ist aber auch über die tropischen Gegenden von Amerika und Afrika verbreitet. Es giebt kein Land der Erde, wo die Kokospalme besser gedeiht, als auf Ceylon, namentlich in der Südwestgegend der Insel, dem Haupt-Wohnsitz der Singhalesen. Sie liefert fast alle Lebensbedürfnisse und nährt einen grossen Theil der Bevölkerung. Die Rinden-Fasern der Kokosnuss werden verarbeitet zu Garn, Matten, Stricken, Schiffstauen; Kleidungsstücke, Bürsten, Hüte, Matratzen werden daraus bereitet. Der weisse Kern der Nuss liefert Nahrung, die Milch in der Höhlung ein Getränk. Nach Mahawanso hat Dutugaimunu (161 v. Chr.) die Milch der Kokosnuss für den Cement der Ruanwellé-Dagoba verwendet: das ist das älteste Zeugniss über die Anwesenheit der Kokospalme auf Ceylon. Aus dem Kern wird Oel gepresst, und dieses zum Salben, für Seifen und in Lampen benutzt; der Rückstand zu Viehfutter. Die gewöhnlichen Oelpressen der Eingeborenen, die ich zu Colombo sah, werden von Ochsen bewegt; es giebt deren 2000 auf der Insel. Die der Europäer, z. B. des Herrn Freudenberg, werden mit Dampfkraft betrieben; aber auch einzelne wohlhabende Eingeborene haben schon Dampfmaschinen angeschafft. Die getrockneten Kerne (Copra) werden auch zum Zweck der Oelgewinnung nach Europa ausgeführt. Zu Schmarda’s Zeit (1854) galten 1000 Copra 40 Schilling; 1000 Nüsse 60. Die harte Schale der Nuss wird zu Löffeln, Bechern, Lampen verarbeitet, aus dem Abfall feines Kohlenpulver gewonnen. Palmwein erhält man auch von der Kokospalme und bereitet daraus Arrak, Essig und Zucker. Die Blätter dienen zum Decken der Hütten, zum Flechten von Matten, Körben und Hüten, die Stengel zu Stäben und Zäunen; das Holz zum Bau von Möbeln und Häusern, von Böten und Flössen. Die Singhalesen rühmen begeistert die +hundert nützlichen Anwendungen+ der Kokospalme; nach dem Volksglauben muss sie hinsiechen, wenn sie nicht im Bereich der menschlichen Stimme wächst. Das ist auch ganz richtig, da sie sorgsame Pflege erfordert. Sie gedeiht am besten in der Nähe der Meeresküste, auch noch bis zur Höhe von etwa 2000 Fuss, und wird neuerdings sorgfältig in den neubewässerten Gebieten, z. B. in Anuradhapura, angepflanzt. Die Früchte reifen in Ceylon zu jeder Jahreszeit. Jeder tragende Baum liefert jährlich 80 bis 100 Nüsse (8 bis 10 Quart[356] Oel) und bringt etwa einen Thaler jährlich, wie mir Herr Freudenberg mittheilte. Absatz der Erzeugnisse ist immer möglich. Nach Tennents Berechnung waren 1860 an 20 Millionen Kokospalmbäume auf Ceylon vorhanden, jetzt dürften es 30 Millionen sein.[357] Mit Kokospalmen sind auf Ceylon 500000 Acres (oder 200000 ha) bepflanzt, die aber, mit Ausnahme von 30000, den Eingeborenen gehören. 500 Millionen Kokosnüsse werden jährlich auf Ceylon geerntet. (Daraus folgt, dass bei weitem nicht alle Bäume den vollen Ertrag an Nüssen bringen.)

Was für den Süden Ceylons die Kokos-, ist für den Norden die +Palmyra+-Palme. 40000 Acres sind mit letzterer bepflanzt und liefern 70 Millionen Nüsse, die bedeutend kleiner sind, als die der Kokospalme. Beide Palm-Arten tragen Früchte vom 8. bis 12. Jahre an und sollen 150 bis 300 Jahre alt werden. Die +Palmyrapalme liefert ein Viertel der Lebensbedürfnisse+ für die Bewohner der Nordprovinzen Ceylons. In einem +Tamil-Gedicht+ werden 800 Nutzanwendungen des prachtvollen Baumes beschrieben.

Die Früchte geben Nahrung und Oel, der Saft Palmwein und Zucker, der Stamm Bauholz, die Blätter Bedachung, Sonnenschirme, kleine Zelte, Zäune, Matten, Körbe, Hüte, Fächer und +Schreibpapier+ für die Schriften der Singhalesen.

Zu diesem Zwecke werden die jungen Palmblätter glatt und geschmeidig gemacht, in Streifen (ola) von 2-3 Zoll Breite und 1-3 Fuss Länge geschnitten, mit zwei Löchern durchbohrt, auf einen Faden gezogen und zwischen zwei Holzdeckeln aufgehoben. (Ich sah in Kandy ganz kleine Palm-Bücher, angeblich heiligen Inhalts, die nicht grösser waren, als die Fläche meiner Hand.) Geschrieben wird mit eisernem Griffel; die Furchen der Schrift werden mit einer Aufschwemmung von Kohlenpulver in wohlriechendem Oel sichtbar, gleichzeitig die Blätter dadurch haltbar gemacht, da der Geruch die Ameisen abschreckt. Die heiligen Bücher der Singhalesen sind in Pâli geschrieben, die rein wissenschaftlichen (über Stern-, Rechnen-, Heil-Kunde) in Sanskrit, die schön-wissenschaftlichen, welche hauptsächlich der neueren Zeit angehören, in Elu, das von dem gesprochenen Singhalesisch mehr im Styl als im Bau abweicht.

Das Alphabet stammt aus dem Altindischen. Fast alle singhalesischen Bücher sind in Versen abgefasst.

Von den heiligen enthält Pithakattyan die Lehre der Buddhisten in 592000 Stanzen, Atthakatha die Erläuterung in 361500; am beliebtesten sind daraus Buddha’s Reden. (Pansiya-panas-jataka-potu, wörtlich die 550 Wiedergeburten.) Diese Reden sind in’s Singhalesische übersetzt und füllen 2000 Palmblätter von 29 Zoll Länge mit je neun Zeilen.

Das +feinste+ Schreibpapier wird von dem Blatt der +Talipot-Palme+ gewonnen.

Die +Zucker-Palme+ liefert auch Sago. Ein tüchtiger Baum giebt in 24 Stunden 100 Pinten[358] Palmwein. 30000 Acres sind auf Ceylon mit dieser Palme bepflanzt.

Die +Nuss der Areca-Palme+ hat einen weissen, rothgeäderten Kern, welcher Fett, Emulsin, Zucker, Gerbsäure und einen rothen Farbstoff enthält. Ein Stückchen der Nuss wird in ein grünes Blatt des +Betel+-Pfeffers (piper betel), das an der Innenseite mit Kalk-Brei bestrichen ist, eingeschlagen, und dieser Bissen gekaut. Hundert Millionen Menschen sind diesem Genussmittel ergeben, das die Zähne schwarz, das Zahnfleisch und den Speichel roth färbt, aber die Esslust anregt und die Verdauung und Ernährung dieser reis-essenden Völker befördert. Singhalesen und Hindu vergessen eher Speise und Trank, als Betel-kauen. Mann und Frau, Jung und Alt huldigen diesem Brauch. Jeder Singhalese hat seine Betel-Büchse bei sich, die in ihrer grösseren Abtheilung Areca-Nuss und Betel-Blätter, in der kleineren etwas (calcinirten Muschel-) Kalk -- chunam -- enthält. Als ich im Postwagen den ganzen Tag neben dem Kutscher sass, lernte ich diese Geheimnisse genügend kennen. Die Betel-Büchsen der Reichen sind wahre Kunstwerke; solche sieht man auch im Museum zu Colombo. Mahawanso erwähnt, dass schon im 5. Jahrhundert v. Chr. Betel-Blätter das Geschenk darstellten, welches eine Prinzessin ihrem Verehrer zu senden pflegte; und dass Dutugaimunu (161 v. Chr.) den Arbeitern seiner Dagoba die fünf Würzen zum Kauen spendete. Die Frau eines singhalesischen Ministers schickte ihrem Gatten Betel ohne Kalk, in der sicheren Erwartung, er würde sofort nach Hause kommen, um das Vergessene zu holen, und so -- dem geplanten Mordanschlag entrinnen. Schon die Portugiesen führten aus Ceylon Areca-Nüsse aus gegen den Reis, der von Südindien eingeführt werden musste; die Holländer jährlich 35000 Centner, unter Monopol. Jetzt werden jährlich aus Ceylon 100000 Centner ausgeführt im Werthe von ebensoviel Pfund Sterling. Viel wird im Lande verbraucht. 65000 Acres sind auf Ceylon mit Areca-Palmen bepflanzt.

Für uns Nordländer ist einmal die Palme der eigentliche Baum des heissen Südens, ja der König aller Bäume, da unsre schwärmerische Einbildungskraft das Fremde und Ferne leicht zu überschätzen pflegt. Aber wer die Tropen wirklich besuchen konnte, findet dort noch +andere Pflanzenwunder+, die den Blick nicht minder fesseln. Da ist das undurchdringliche grüne Dickicht des +Riesen-Bambus+. Es ist nur ein Gras, aber was für eines? An 100 schlanke, walzenförmige Stämme, jeder 1-2 Fuss dick, ganz dicht an einander gedrängt, weil aus gemeinsamer Kriechwurzel entsprossen, schiessen grade empor bis zu 100 Fuss Höhe, -- bis zu 60 Fuss ohne Verzweigung; dann aber breiten sie sich aus in den grünen Riesenbüschel der zartgefiederten Blätter, der eine Kreisfläche von 100 Fuss Durchmesser beschattet.

Von den tropischen +Farnbäumen+ werde ich bald, bei andrer Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen haben. Gewürznelken-, Muskatnuss-, Brotfrucht-Bäume und tausend andre kostbare und nützliche Pflanzen decken den grünen Rasen, alles wohl gepflegt, geordnet, bezeichnet. Denn der Pflege der tropischen Nutzgewächse wird grosse Sorgfalt zugewendet; Samen, Früchte, Ableger werden an Gärtner und Pflanzer vertheilt, und Versuche über Anbau und Einbürgerung angestellt. Auch die Schlinggewächse der Tropen, zum Theil mit herrlichen Blüthen und sogar ein Stück „Urwald“ kann man hier bewundern; nicht minder Orchideen und alle Blumen des Südens.

Es ist schwer zu sagen, worin für uns der Zauber der tropischen Vegetation liegt. +Schmarda+, ein feiner Naturbeobachter, stellte fünf Punkte zusammen: die massenhafte Entwicklung des Laubes, die grosse Mannigfaltigkeit in der Form, der Mangel geselliger Bäume, das kräftige Grün und die hellen Lichtreflexe der glatten, spiegelnden Flächen.

150 Acres oder 60 Hektaren bedeckt der Garten, der parkartig gehalten und an drei Seiten von der Krümmung des Mahaweli-Flusses umgeben ist. Seit 1830 besteht der botanische Garten zu Peradenia, nachdem ein solcher zuerst 1799 bei Colombo gegründet worden. Das Museum und das Denkmal für Dr. +Gardner+ verdienen besichtigt zu werden. Nach seiner Schätzung dürfte Ceylon 5000 Arten von Gefässpflanzen besitzen, also mehr als ganz Deutschland. Dr. +Thwaites+, der vorletzte Director des Gartens, hat 1864 eine Flora von Ceylon herausgegeben, in welcher 3000 verschiedene Arten von Gefässpflanzen beschrieben sind. Der jetzige Leiter des Garten, Dr. +Trimen+, hat einen Catalog der Pflanzen des Gartens veröffentlicht; mit einer vollständigen Beschreibung ist er noch beschäftigt.

Merkwürdig scheint nur, dass von dieser ausgezeichneten Gelegenheit zu botanischem Studium, welche der Garten zu Peradenia liefert, kein genügender Gebrauch gemacht wird. Ich fand daselbst keinen Studenten, keinen jungen Forscher. Und doch eignet er sich zu einer +botanischen Station+, gradeso wie der blaue Golf von Neapel zu einer zoologischen, welche daselbst durch die Thatkraft unsres Landsmanns Prof. +Dohrn+ in’s Leben gerufen worden. Dies ist übrigens schon von einem auf diesem Gebiet maassgebenden Forscher, von Professor +Häckel+, hervorgehoben worden. Aber neben dem Forschen müsste auch das Lehren betrieben und hierselbst eine +landwirthschaftliche+ Hochschule nach deutschem Muster, wenngleich wohl mit geringeren Ansprüchen, gegründet werden, wo die schwierigen Aufgaben der Thee-, Kaffe-, Cacao-Pflanzung +wissenschaftlich+ erläutert und dargelegt werden könnten. +Praktisch+ kann man die tropische Pflanzung nirgends in der Welt besser erlernen, als auf Ceylon.

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=Brief aus Kandy,= 11. November 1892.

Das +Paradies+ war hier, wo jetzt ich weile. Das glauben Hindu und Buddhisten, Mohammedaner, Juden, Christen, Und schrieben davon manche Zeile.

Gar vieles stimmt, wenn ich es recht bedenke: Des Himmels Pracht, der Erde üpp’ge Fülle, Des Paradieses Feig’ in gelber Hülle; Mühlos erwirbt man der Natur Geschenke.

Auch Schlangen sah ich hier. Was soll ich reden? Ich +glaub’+, ich bin mit einem Fuss im Paradiese, Und trotz’ dem Engel, der mich d’raus verwiese. Und doch ist’s +falsch+. Es fehlt -- das +Weib+ in Eden.

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Nuwara Eliya.

Sonntag, den 13. November, Vormittags 10^h 45′, fuhr ich mit der +Eisenbahn+[359] südwärts und bergauf nach +Nanu-Oya+, 53 englische Meilen in 5¼ Stunden, und von da im Postwagen[360] nach +Nuwara Eliya+, 5 englische Meilen in 1 Stunde.

Entzückend ist von der Eisenbahn aus, die dem Oberlauf des Mahaweli-Flusses folgt, der Rückblick auf Kandy mit seinen Palmenpflanzungen und den umgebenden Bergen; ganz herrlich der Pflanzenwuchs zu den Seiten der Bahn. In der Höhe[361] von 2000 Fuss über dem Meere erblickt man, im November, blühende Rosen, Camelien, Chrysanthemum, stattliche Palmen und Bananen, sodann Theepflanzungen, ferner in einigem Abstand terrassenförmig angelegte Reisfelder, die in hellstem Grün prangen, endlich noch weiter ab die undurchdringlichen Gestrüpp-Wälder. Die hohen Berge der Nachbarschaft sind bis zur Spitze grün bewaldet. In der Höhe von 4000 Fuss hören die Palmen[362] auf, die Bananen noch nicht gleich. Alöe[363] bildet mächtige Hecken längs der ganzen Eisenbahnstrasse. Aber es sind nicht die kleinen Büschel, die wir aus unseren Gärten, oder die grösseren, die wir von Neapel und Sicilien kennen; sondern gewaltige, umgekehrte Pyramiden, aus deren Mitte der +Blüthenschaft+, einem Baumstamm gleich, emporragt. Der Mahaweli wird reissender, seine Ufer schroffer und steiler, die malerischen Schluchten öfters mit üppigem Dschungel besetzt. Die Haupt-Haltepunkte sind Gampola und Hatton, beide berühmt durch +Theepflanzungen+.

Diese nehmen zu, je höher wir steigen, und erstrecken sich, soweit der Blick reicht, nur unterbrochen von den Bungalow der Besitzer, ihren Maschinen-Häusern oder +Factoreien+, und kleinen Gruppen von Hütten, in denen die Tamilen, die Arbeiter der Pflanzungen, mit Weib und Kind hausen.

Von weitem sieht die Theepflanzung fast wie ein Weinberg aus. Die einzelnen Sträucher sind durch Zwischenräume von einander getrennt. Die +neuen+ Pflanzungen erinnern vielfach an die Weizenfelder, die ich in Oregon und Canada gesehen: Stümpfe verbrannter Bäume sind inmitten stehen geblieben, da die Ausrodung zu mühsam und kostspielig schien, und grosse Steine liegen zwischen den Sträuchern. Hier und da sieht man auch noch eine vereinzelte Kaffe-Pflanzung.

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Ich war in einen Wagen voll junger Theepflanzer gerathen. Es sind ganz tüchtige und angenehme Leute. Man sieht und hört ihnen an, dass sie thätig sind und ihr Fach verstehen. Gegen den Fremden sind sie zuvorkommend und mittheilsam. Die Missionäre werfen ihnen vor, dass viele von ihnen schwarze Frauen auf Zeit heirathen. John Ferguson räth dem Vater, der einen jüngeren Sohn nach Ceylon sendet, auch eine Tochter mitzuschicken; and then, when planters laid the foundation of pecuniary independence, +sisters would be exchanged+.