Ueber die Arsenikvergiftung ihre Hülfe und gerichtliche Ausmittelung

Part 15

Chapter 153,579 wordsPublic domain

[Fußnote 120: Daß die laugensalzige Schwefelleberauflösung ein viel geringeres Verbesserungsmittel und Gegengift des Arseniks genant zu werden verdient, als =Navier= wähnt, sieht man aus folgenden Gründen: 1.) Laugensalzige Schwefelleber wirkt in wenig Wasser aufgelöst giftartig, sie zerfrist Federn, Hare, Knochen und alle thierische Theile in kurzer Zeit zu einer Gallerte; stärker verdünt wirkt sie doch noch mit heftigem Reizze. 2.) Ist der Arsenik nicht in Auflösung, sondern in Pulvergestalt, wie gewöhnlich im Magen vorhanden, so kan die Schwefelleber noch lange als Aezmittel auf die Wände dieses so leicht entzündlichen, wohl gar schon entzündeten Eingeweides reizzend und äzzend wirken, ehe seine etwanige Kraft, den almählig aufgelösten Arsenik zu zerstören, statt finden kan. 3.) =Navier= mag sagen, was er will, die Schwefelleber läst doch nur in so fern seinen Schwefel fahren, und nur in der Mase, als sein Laugensalz durch das Zumischen des Arsenikwassers so wie irgend einer andern Säure gesättigt und verschlukt wird, und so fält der Schwefel =rein= und =ohne den mindesten Antheil an Arsenik= nieder. Diese leztere Behauptung fält in die Augen, wenn man bedenkt, daß der Schwefel ganz weis ohne die mindeste Gilbe (ohne die Operment nicht entstehen kan) sich präzipitirt, besonders aber dadurch, daß neutralisirtes Arsenikwasser von Leberluft nicht angegriffen oder als Operment niedergeschlagen wird. Mit einem Worte Schwefelleber mit Arsenikwasser zur Sättigung gemischt, wird nichts mehr noch weniger als Arsenikmittelsalz, (und der reine abgeschiedne Schwefel fält zu Boden.) Ein Vortheil, den man anderweit viel leichter, gefahrloser und angenehmer erreichen kan. Seine chemischen Versuche können auch mit keiner Genauigkeit angestelt seyn, da er versichert, die Schwefelleber und das Arsenikwasser müsten heis zusammen geschüttet werden, wenn ein Niederschlag erfolgen solle, (da doch, wie sich jeder überzeugen kan, ein häufiger Niederschlag bei 40° Fahrenh. erfolgt) und das Präzipitat wäre schmuzigweis (da doch das Präzipitat völlig weis ist, wie von Schwefelmilch). 4.) Der abscheuliche, unerträgliche Geschmak der selbst verdünten Laugensalzleber ist kein geringer Grund ihrer Verwerflichkeit. 5.) Nur frisch bereitete Leber bewirkt einen Niederschlag, lang aufbewahrte ist viel unkräftiger. Schwerlich kan sie so geschwind frisch bereitet werden, daß der Vergiftete durch den Verzug nicht leiden solte, gesezt sie wäre auch hülfreich. Auf dem Lande ist ihre Bereitung gröstentheils unmöglich.]

[Fußnote 121: Sie besizt gleiche Aezlichkeit, gleich abscheulichen Geschmak, ist gleich unkräftig und nur der entstehende schwerauflösliche Kalkarsenik macht sie etwas hülfreicher.]

[Fußnote 122: Arsenikwasser schlägt aus Eisenvitriol nichts nieder. Die Eisenauflösung in Essig präzipitirt sich durch Arsenik nicht. Dinte wird von Arsenikwasser nicht niedergeschlagen. Dies sind Thatsachen, aus genau angestelten wiederholten Versuchen abgezogen. Hiezu gehört, daß alle dephlogistisirte Luft vorher aus dem dabei anzuwendenden Wasser getrieben werde, und während des Versuchs davon entfernt bleibe, die bekanntlich das Eisen aus der Vitriolsäure abscheidet, und ein Eisenkalkpräzipitat bewirkt, das sich nicht in Vitriolsäure wieder auflöst, welches doch Eisenarsenikniederschlag thun muß.]

[Fußnote 123: (S. 23)]

[Fußnote 124: Gegengifte S. 23. und 90. Auch =Gmelin= (Mineralgifte S. 117.) nimt =Salzsäure= als einen Bestandteil des weissen Arseniks an. Der alchymische Erzvater =Becher= scheint hierin der Vorgänger aller übrigen zu seyn, /physica subterran. lib. 1. Sect. 6. cap. 8./ S. 543; oder vielmehr der sonst gute Scheidekünstler =Libav.= (/Comment. in Alchym./) noch vor ihm. =Neuman= (chemische Vorles. zweit. Th. S. 491.) nimmt ausser der Salzsäure noch Vitriolsäure im Arsenik an, und der Herr Bergrath =Pörner= Salzsäure oder Vitriolsäure mit Kieselerde verbunden. Diese für so gewiß ausgegebnen Säzze bedurften Berichtigung, wenigstens Bestätigung, da sie so vielfach und widersprechend vorgetragen wurden.

Ich destillirte reines Quellwasser mit dem Hutabkühler dergestalt langsam, daß das erhaltene Produkt weder die Auflösung der Schwererde in Essigsäure, noch die Auflösung des frischbereiteten Silbervitriols im mindesten trübte, also von aller Vitriol- und Kochsalzsäure völlig frei war.

In einem Pfunde dieses höchst reinen destillirten Wassers lösete ich, durch Kochen, 250 Gran weissen Arsenik auf. Nun tröpfelte ich in einen Theil dieser krystallhellen Auflösung, um zu erfahren, ob weisser Arsenik Vitriolsäure enthalte, etwas von meiner Auflösung der selbst bereiteten Schwererde in Essigsäure ein, und die Mischung blieb völlig hell, hielt also nichts von Vitriolsäure.

In einen andern Theil dieses Arsenikwassers tröpfelte ich nun, um die für so gewiß ausgeschriene Salzsäure des weissen Arseniks zu entdecken, frischbereitete Silbervitriolauflösung -- in noch einen andern Theil desselben aber etwas Quecksilberauflösung in Scheidewasser, bei einer Kälte von 40° Fahrenh. bereitet; aber in beiden Fällen erfolgte nicht die mindeste Trübung, nicht das mindeste Zeichen vorhandener Salzsäure.

Gleiche Versuche stelte ich mit einer starken Fliegensteinauflösung in eben diesem reinen destillirten Wasser und einer ähnlichen Auflösung des rohen Arseniks oder Giftmehls an -- mit demselben Erfolge. Diese Arsenikarten halten also weder Vitriol- noch Salzsäure, wenn man diese gegenwirkenden Mittel für die beweisendsten ansieht. Ich erinnere hier beiläufig, wie ich durch wiederholte Versuche fand, daß 39 Grane Präzipitat (Kalomel) aus dem im Kalten bereiteten Quecksilbersalpeter durch Kochsalzsäure gefält, 33-4/5 Gran des erstern und 5-1/5 Gran des leztern andeuten.]

[Fußnote 125: Die warmen Quellen enthalten keine Schwefelleber und keinen Schwefel in Substanz, wohl aber Schwefelleberluft in verschiedenem Verhältnisse und einige oft unbeträchtliche Salze.]

[Fußnote 126: D. i. von warmem Seifwasser.]

[Fußnote 127: a. a. O. /Cap. 21. hist. 1. (L. Bat. 1733.)/ S. 352.]

[Fußnote 128: /Obs. 16./ S. 209.]

[Fußnote 129: Eine Person verschlukte (ungefähr eine Drachme) Arsenik, sie as Milchbrei darauf, erbrach sich bald, und ward gerettet; /Commerc. litter. Noric. ann. 1738./ S. 212.]

[Fußnote 130: Es verdient angemerkt zu werden, daß die ältesten Schriftsteller, die weissen Arsenik und die Vergiftung damit kanten, schon den Genuß schleimichter breiähnlicher und fetter =Speisen= als dienliche Gegenmittel empfahlen. =Rhases= /2. Continent. cap. 2. (usus cibariorum unctuosorum et viscorosum.) Avicena lib. 4. fen. 6. tr. 1. cap. 9./ Vorzüglich verdient der Gebrauch der Schokolade in dieser Absicht empfohlen zu werden. =Bonet= /med. septentr. coll. part. 2. sect. 7. obs. 38./ S. 376. -- ohne Schaden Arsenik in Schokolade genommen. /Eph. N. C. ann. 3. obs. 40./ S. 68. -- Ein Paar Kinder, die vom Arsenik die schreklichsten Zufälle litten, wurden durch einen Milchbrei völlig hergestellt. =Wepfer= /hist. cic. cap. 21. hist. 10. (L. B. 1733.)/ S. 360. Hat man demnach einige dieser breiähnlichen Flüssigkeiten, Mehl- oder Reisbrei, Schokolade, Brodmus u. d. gl. bei der Hand, so wird man anfänglich sehr viel damit ausrichten, ehe die eigentlichen Gegenmittel bereitet sind und wenn die Gefahr sehr dringend ist.]

[Fußnote 131: Will der Kranke selbst die Hülfe beschleunigen, folglich mehr trinken, so können ihm in diesen zwei Stunden noch etliche Pfunde dieser Flüssigkeit mehr gereicht werden.]

[Fußnote 132: Den zehnten July 1786, gab ich zwei sechsjährigen Haushunden jedem zwei Drachmen weissen Arsenik in etwas Wasser ein. Ich war versichert ihr Magen war leer, denn sie hatten acht Stunden gehungert und seit drei Stunden nichts gesoffen. Nach zehn Minuten hatten sie sich schon mehr als dreimal übergeben. Dem einen, der mir der schwächlichste schien, schüttete ich gleich nach Verflus dieser ersten zehn Minuten etliche Unzen starkes Seifendekokt warm ein, und so ferner nach jedesmal erfolgten Erbrechen, welches immer leichter und leichter ward, bis ein Durchlauf nach drei Stunden ihn völlig wieder herstelte, da doch vor dem Eingeben das Würgen ihm heftig konvulsivisch den Körper zusammenzog.

Der andre erbrach sich blos in den ersten funfzehn Minuten, überhaupt etwa fünfmal, dann sas er ruhig, nur etwas traurig, zuweilen stand er auf, und die Bauchmuskeln zogen sich ohne erfolgendes Erbrechen wiederholtemale einwärts. Nach einer halben Stunde schwankte er im Stehen, und mußte sich sezzen, dann mit vorwärtsgestrekter Schnauze legen. Er schnarchte stark in dieser Lage mit offenen Augen. Seine natürliche Wärme verminderte sich um diese Zeit schon merklich, ungeachtet er noch auf Liebkosungen wedelte und auf Drohungen entfliehen wolte. So nahm binnen kurzem seine Schwäche oder vielmehr seine Betäubung dergestalt zu, daß er anderthalb Stunden nach der Giftnahme sich lange stosen lies, ohne aufzustehn, blos den Kopf richtete er auf, der aber bald wieder niedersank. Nach zwei Stunden lag er ruhig auf der Seite, mit offenen Augen, war fast kalt, und gab auf alles Schlagen nicht die mindeste Empfindlichkeit zu erkennen. Nach fünf Stunden war es noch eben so mit ihm. Ich eröfnete ihn, und er war ganz ohne Bewustseyn, ohne Gefühl. Das Zwergfell und das Herz bewegten sich noch ganz kräftig, die Bauchmuskeln hatten noch ihre ganze Irritabilität, der Magen aber und der Zwölffingerdarm nicht die mindeste. Beide waren inwendig durchaus entzündet und brandig. Ich habe durch wiederholte Versuche dieser Art bemerkt, daß alle Hülfe zuspät war, wenn sie erst nach Zurückbleibung des Erbrechens erfolgt, solte es auch erst kurze Zeit nach der Giftgabe seyn. Dann ist die Irritabilität des Magens schon erstorben, (obgleich die Entzündung noch fortschreitet) und die Kraft des Giftes, das Empfindungs- und Lebensprinzipium nach und nach verlöschen zu machen, hat sich schon durch das Nervensystem verbreitet. Welches Mittel soll dieser fast allmächtigen Kraft reagiren, und Leben und Empfindung wieder anfachen, unter diesen Umständen? Versüster Vitriol und Salpetergeist schienen mir einige gewünschte Wirkung dieser Art zu besizzen.]

[Fußnote 133: Diese sechs Pfund dünnere Seifenauflösung halten also 19 bis 20 Loth Seife; man kan sie frisch verfertigen, wie die stärkere, wenn man 20 Loth geschabter Seife in 5-1/3 Pf. kochendes Wasser quirlt, bis zur gleichartigen Auflösung.]

[Fußnote 134: Eben dies' rühmt =Morgagni= aus Erfahrung, /de sed. et caus. morb. ep. 59. §. 8./]

[Fußnote 135: =Quelmalz= fand ihn in einer Vergiftung mit einem halben Lothe weissen Arsenik sehr vortreflich; /Commerc. litter. Nor. 1737./ S. 220.]

[Fußnote 136: Im Nothfalle kan man Kreide an der Stelle nehmen, da dann aber die Mischung etwas längeres Glühen erfordert.]

[Fußnote 137: Auf dem Lande kan die Bereitung in einer Schmiedeesse geschehen.]

[Fußnote 138: Da diese Kalkleber (aschgrau von Farbe) stets trocken bleibt, so hält sie sich sehr lange kräftig in einem zugepfropften Glase. Alle feuchtenden Schwefellebern zersezzen sich sehr geschwind, auch mit Korke verwahrt.]

[Fußnote 139: M. f. §. 67.]

[Fußnote 140: M. s. =Fr. Hoffman= /diss. de erroribus vulgaribus circa venena./ Halle, 1718. 4to.]

[Fußnote 141: Ihn fand =Quelmalz= in einer sehr starken Arsenikvergiftung dienlich, /Commerc. litt. Nor. 1737./ S. 220.]

[Fußnote 142: =Odier= rühmt es bei Arsenikvergiftungen gleichfalls aus Erfahrung.]

[Fußnote 143: Das Fressen im Mastdarme vom abgehenden Arsenikgifte ist oft sehr heftig brennend; S. 45. /Histor. admirand./ im Anhange zu =Diomed. Cornarius= /consil. medic. (Lips. 1599.)/]

[Fußnote 144: Das hier gewöhnliche Erbrechen nach etwas starken Mahlzeiten dauert oft einige Jahre nach einander =Wepfer= /hist. cic. cap. 21. hist. 2/ S. 354. (über drei Jahre.)]

[Fußnote 145: Drei Jahre nach einander, =Wepfer= /hist. cic. cap. 21. schol. 3./ S. 369.]

[Fußnote 146: Die Milch der nicht wiederkäuenden Thiere wird durch fremde Dinge nicht so leicht verändert, gesäuert, oder geschieden, enthält nicht so viel Käse und nicht soviel Butter, als die, der wiederkäuenden; leztere läst sich auch bei diesen leichter trennen. Deshalb ist vorerst die Menschen- dann die Esels- und endlich die Pferdemilch zu empfehlen, und nur im Nothfall die Kuh- oder Ziegenmilch anzuwenden; m. s. =Young= /de lacte part. 1. cap. 8. sect. 3./ und /part. 2. cap. 2. sect. 1. lemma 5./]

[Fußnote 147: Alle andre Nahrungsmittel erregen bei Geschwächten oder Wiedergenesenden eine Art kleinen Fiebers, vermehren also das schleichende schon anwesende Fieber, (daher das Erbrechen solcher Kranken, der Schauder, und die fliegende Hizze bald nach der Mahlzeit) Milch wird ohne Fieber vom schwächsten Magen verdaut, =Ch. Young= /de lacte part. 2. cap. 2. sect. 1. lemma 1./ (=Sandifort= /Thesaur. Tom. 2./ S. 553.)]

[Fußnote 148: =Young= a. a. O. /lemm. 7./ (S. 554.)]

[Fußnote 149: Das mit häufigen Blutgefäsen durchwebte (dritte) Zellgewebe.]

[Fußnote 150: =Young= a. a. O. /lemma 9./ (S. 554.)]

[Fußnote 151: =Young= a. a. O. /lemma 2./ (S. 553.)]

[Fußnote 152: =Thom. Young= /de lacte/ (=Sandifort= /Thesaur. disp. Tom. 2./ S. 536) /cap. 2. sect. 5./]

[Fußnote 153: Wenn der Magen nicht allzuschwächlich ist, und man den Wein, der Milch wegen, vermeiden will.]

[Fußnote 154: Das =Quassienholz= ist unter den bittern Droquen wohl diejenige, die am wenigsten erhizt, und deshalb hier so dienlich ist, des Rennthiermoses und der Wurzel der bittern Kreuzblume (/polygala amara/) nicht zu vergessen.]

[Fußnote 155: Man nenne sie nun italienische Vergiftung oder Bergsucht.]

[Fußnote 156: Wenn uns gleich Fälle aufgezeichnet worden, wo die Schwefelwässer in den chronischen Folgen der Arsenikvergiftung eben nicht viel Dienste thaten; /Eph. N. C. dec. 3. ann. 9 et 10./ S. 390. ja sogar welche, wo sie geschadet zu haben scheinen könten; =Haen= Heilmethode viert. Band S. 328. so mus man doch bei Beurtheilung dieser Fälle sehr behutsam seyn. Im erstern konnte das Bad zu Wisbaden die ungeheuren Verwüstungen in dem ganzen Nervensystem, in den innern und äussern Sinnen und dem algemeinen Empfindungssizze doch wohl eben so wenig heben, als irgend ein andres Mittel auf der Welt. Es gab hier keine Arseniktheile zu vererzen und auszuführen, Stärkung war das einzige Indikat, das aber freilich durch das warme Bad schlecht befriedigt ward -- in der Geschichte, die uns =Haen= aufzeichnete, ist es offenbar, daß die meisten im Körper befindlichen Arseniktheile noch in den ersten Wegen hiengen, da das Achner Bad gebraucht ward. Es wirkte wie ein andres schweistreibendes Mittel; welches die Gifttheilchen eben so in die Substanz der Muskeln und an die Nerven treibt, wie alle die Beispiele lehren, wo nach innern Vergiftungen Kontrakturen und Lähmungen entstanden, (§. 133.) gröstentheils auf Mohnsaft- und andre schweistreibende und verdünnende Mittel, man sehe die merkwürdigsten Fälle dieser Art in /Commerc. litr. Nor./ 1738. S. 212, und 1737. S. 219.

So lange heimliches Kneipen und plözliche Kolikschmerzen sich noch zuweilen nach innern Arsenikvergiftungen einstellen, so lange kan der Gebrauch der die ersten Wege ausleerenden (gelinden) Mittel nicht völlig unterbleiben. Handelt man nicht nach dieser Vorsicht, und bedient sich dagegen der schweistreibenden, so erfolgt ganz gewis, wie in unserm vorhabenden Falle, Kontraktur, Zusammenziehung, Steifigkeit und brennende Schmerzen der Muskeln der Gliedmaßen. Ueberdies bestätigen die Kräfte der schwefelleberluftigen Wässer bei den Folgen der Arsenikvergiftung (wenn wirkliche daherrührende Kontrakturen oder vielmehr Lähmungen schon entstanden und nun zu heben sind.) angesehene Männer aus Erfahrungen. =J. M. Dietmann= /diss. Examen thermar. austriaco-badensium. (Viennae 1732.) cap. 5. §. 61./ S. 74. -- Ein herumziehender Arzt gab einem Abte ein mineralisches Drastikum (daß es nicht Spiesglanz, wie er vermuthet, sondern Arsenik gewesen, beweisen die Zufälle) er bekam langwierige Kolik, ward gelähmt, und bekam zugleich die heftigsten Schmerzen in den Armen mit Ausschlage verbunden, das Meinersdorfer warme Bad stellte ihn völlig wieder her; =Diomed. Cornarius= /consilia medicin. cons. 5./ S. 53. u. f. -- Wie vortheilhaft die warmen Bäder bei Kontraktur, Lähmung und Konvulsionen, die auf Arsenik entstanden, angewandt werden, bestätigt =Plenck= /Toxicologia/ S. 274. -- Die bösartigen Wunden, die arsenikalische Wässer einem Klaubesteiger oft tief in die Haut frassen, heilte das Wolkensteiner (schwefelleberlufthaltige) Bad oft zur Verwunderung; =Schrey= Wolkensteiner Badeschaz (Frft. 1696.) S. 48.]

[Fußnote 157: 90 bis 96 Grade Fahrenheitischer Leiter ist die rechte Mittelwärme dieser Bäder, die nicht viel erhöhet werden darf.]

[Fußnote 158: Ueber eine Menge italienischer Bäder sehe man =Baccius=, über die französischen =dü Clos=, über einige in England =Güidott=, =Lukas=, =Monro=, =Falkoner=, über die ungarischen und siebenbürgischen =Cranz=, über die deutschen =Hoffman= und =Zückert=.]

[Fußnote 159: Da diese Behandlung auch das Brunnenwasser mild macht.]

[Fußnote 160: =Scheele= von Luft und Feuer. Leipzig 1782. S. 163.]

[Fußnote 161: Vorzüglich bei übermäsiger Schlaflosigkeit; =Scheffler= a. a. O. S. 205.]

[Fußnote 162: Ich nehme den einzigen krystallisirten Grünspan aus.]

[Fußnote 163: Gegen das langwierige Fressen des Magens nach Arsenikgift, spanischer Wein sehr hülfreich, =Bierling= /thesaur. obs. et cur. I. §. 8./ S. 13.]

[Fußnote 164: =Scheffler= Ges. d. Bergleute S. 174 und 176.]

[Fußnote 165: Steifigkeit und Lähmung in den Füsen von Arsenik hob ein warmes Kräuterbad; =Haen= Heilmethode viert. B. S. 329.]

[Fußnote 166: Arseniklähmung eines Studenten nach vier Wochen durch Opiate gehoben; /Eph. N. C. dec. 2. ann. 4. obs. 12./ S. 36.]

[Fußnote 167: =Marat= (/Memoire sur l'électricité medicale, à Paris, 1785./) der durch seine Zweifel gegen fast alle arzneiliche Kräfte der Elektrisität sich den Preis der Akademie zu Rouen erschlich, will auch nichts von ihrer guten Wirkung bei den Nachwehen der scharfen Gifte (/crispation des Nerfs/) wissen, gegen die bejahenden Beobachtungen so vieler rechtschafnen Männer; wird aber hoffentlich niemand überzeugen. Bei =Haen= (Heilmethode 4ter B. S. 329.) half sie doch der auf Arsenik erfolgten Lähmung der Gliedmasen einigermasen ab, und stelte einige Bewegung wieder her; wiewohl sie mir hier etwas zu zeitig angewandt worden zu seyn scheint, ehe noch die gehörige Ausleerung des Gifts durch die Haut zu Stande gebracht war, sonst hätte sie gewis mehr gethan.]

[Fußnote 168: /Esprit des Journaux, Juillet 1785./ S. 322. /etc./ und ebend. /Novembre 1785./ S. 356.]

[Fußnote 169: =Huber= in /Nov. Act. N. C. vol. 3. obs. 100./ S. 532.]

[Fußnote 170: =Kunkel= /opusc. chym. cap. 3./ S. 43. rühmt schon alkalische Flüssigkeiten gegen den Schaden, den er durch äusserliche Auflegung anrichtet. -- Man kan auch nach Reinigung der Wunde mit Seifwasser, Oel nach Vorgang des =Verzascha= (=Wepfer= a. a. O. /cap. 21, schol. 4./ S. 372.) in die Wunde mit dem besten Nutzen einreiben. Die üblen Folgen einer Aufstreichung des weissen Arseniks mit Butter vermischt auf ein Grindkopf (örtliche Entzündung, Erbrechen, Halsentzündung) ward mit innern und äussern schmeidigenden Mitteln (Oel, Schleimen und Milch) gehoben, /Act. N. C. Vol. 9. obs. 37./]

[Fußnote 171: =Scheffler= a. a. O. S. 176.]

[Fußnote 172: Ein Kunststeiger, dem von arsenikhaltigen Röschen die Haut an verschiedenen Orten tief angefressen wurde, half sich oft durch Baden im Wolkensteiner Bade zur Verwunderung; s. =Schrey= Wolkensteiner Badschatz (Frft. 1696.) S. 48.]

[Fußnote 173: Auf dem Strossenbaue und in den Scheidestuben nur läst sich dies von den Arbeitern nicht wohl thun.]

[Fußnote 174: Nächstdem solten die Steiger den troknen oder wohl gar schon bergsüchtigen nicht öftere Nachtschichten aufgeben. Die Häuer selbst solten ihr Brod, das sie gewöhnlich in der halben Schicht verzehren, nicht im Staube liegen lassen, oder mit bestäubten Fingern anfassen, auch fleisig nach der Schicht sich den Mund ausspülen, und Erkältungen vermeiden. Sie sowohl als die Schürer und übrigen mit arsenikhaltigen Erzen Beschäftigten, solten ihre mänlichen Jahre erwarten, ehe sie heiratheten, und überhaupt mäßiger im Beischlafe seyn. Sie solten das übermäsige Brantweintrinken und Tabakrauchen entweder ganz unterlassen, oder doch sehr einschränken, wenn sie nicht vor der Zeit elend und bergfertig, sich, den Ihrigen und der Knappschaftskasse zur Last fallen, und einem schmählichen Tode schon in dem Sommer ihrer Jahre entgegen sehen wollen.]

[Fußnote 175: In Apotheken und Fabriken solte der weisse Arsenik nie anders als im Luftzuge und unter Einsprengung des Wassers gestosen und gepülvert werden, und dennoch mus Mund und Nase dabei verbunden seyn.]

[Fußnote 176: /Arg. L. 1. §. 5. ff. de ventre inspiciendo/ -- =Abbas Panormitanus= /ad c. proposuisti X de probat. n. 10./ -- =Feltman= /de cadav. inspic. cap. 40. n. 3./ -- =Alberti= /jurispr. med. Tom. 1. p. 1. cap. 1. §. 27./ S. 20.]

[Fußnote 177: Rechtmäsig promovirter Doktor oder Linzenziat. =Feltman= a. a. O. /cap. 44./ und /cap. 49. n. 4./ bis /10/. =Alberti= a. a. O. /cap. 1 §. 27./ S. 20. -- /Instit. de satisd. §. ult./ -- =Zittman= /medic. forens. c. 2. cas. 34/. und /61/.]

[Fußnote 178: Lezt angeführte Schriften und =Bohn= /de offic. med. dupl. p. 2. cap. 2/, S. 541.]

[Fußnote 179: =Carpzov= /prax. crimin. part. 1. qu. 26./ und andre.]

[Fußnote 180: =Feltman= a. a. O. /cap. 50/ und /51/. =Karls des /V./ peinl. Halsger. Ord.= /art. 149/. -- der Eid steht /Ordinat. Cam. imperial. p. 1. tit. 85./]

[Fußnote 181: =Baldus= /in prima constit. ff. n. 16./ -- =Mascardus= /de probat. vol. 2. concl. 1037./ -- =Pacianus= /de prob. cap. 47. n. 20, 21./ -- =Gail= /obs. III. n. 13./ -- =Rütg. Ruland= /de commissar. part. 1. lib. 4. cap. 15./ -- =Bohn= /de off. med. p. 2. cap. 2./ S. 543.]

[Fußnote 182: =Classenius= und =Ludovici= /not. ad C. C. C. art. 147./ und /149./ -- =Bruneman= /process. de testibus. cap. 20. n. 93./ -- =Stryk= /de jure sens. disp. 1. cap. 2. n. 28/ bis /32./ -- =Ebenders.= /in us. mod. lib. 48. tit. 8. §. 2./ -- =Carpzov.= a. a. O. /qu. 26. n. 38. 39./ -- =Alberti= a. a. O. §. 28. S. 20.]

[Fußnote 183: Daß Kaiser Karl bei jeder Leichenbesichtigung, wo über Tödlichkeit ein Urtheil zu fällen ist, eine besondre Vereidigung verlangt, kömt, wie =Feltman= bemerkt, daher, daß zu seiner Zeit, die vom Doktoreide höchst verschiedne Verpflichtung eines Physikus oder gerichtlichen Wundarztes noch nicht eingeführt war. Nun aber finden die Rechtsregeln statt: »Eid ist nicht ohne Ursache zu wiederholen.« /Arg. L. 13. §. 6. ff. de jurejur/. -- und »Von niemand vermuthet man, er werde dem einmal geleisteten Eide zuwider handeln.« /Arg. L. fi. C. ad L. Iul. repet./ -- =Pacianus= /de probat. lib. 1. cap. 46. n. 22./]

[Fußnote 184: Man sehe die Schriftstellen des leztern Paragraphs.]

[Fußnote 185: =Zacchias= /Quaest. med. leg. lib. 5. tit. 2. qu. 1. n. 2./ -- =Ludovici= /Comment. ad C. C. C. art. 147./]

[Fußnote 186: =Feltman= a. a. O. /cap. 3./ S. 14. und 165. -- =Welsch= /rel. vuln. lethal. cap. 15./ S. 121, 122. -- =Bohn= /de off. med. dupl. p. 2. cap. 3./ S. 557, und /cap. 4./ S. 594. /de renunciat. vuln. sect. 1. cap. 1./ S. 18. -- =Alberti= a. a. O. /cap. 14./ S. 278.]

[Fußnote 187: =Oldekop= /tit. 4. obs. crim. 47. n. 5./ -- =Kreß= /Comment. ad. C. C. C./ S. 330. -- =Carpzov= /pr. cr. part. 1. qu. 26. n. 32./ und /53./]

[Fußnote 188: /C. C. C. art. 149./]

[Fußnote 189: =Feltman= a. a. O. /cap. 52./]

[Fußnote 190: =Bohn= /de off. med. dupl. p. 2. cap. 4./ S. 595.]

[Fußnote 191: =F. Pacianus= /de probat. lib. 1. cap. 43./ -- =Bohn= /de off. med. d. p. 2. cap. 4./ S. 578.]

[Fußnote 192: =Bohn= /de offic. med. dupl. part. 2. cap. 4./ S. 600. und /cap. 5./ S. 620. =Alb. v. Haller= Vorles. üb. d. ger. Arzneik. zweit. Bandes erster Theil. S. 349.]

[Fußnote 193: =Valentini= /Pandect. med. leg. part. 2. Introd. thes. 8./ -- =Bohn= a. a. O. S. 590.]