Über die weiblichen Brüste

Part 9

Chapter 9588 wordsPublic domain

Frau W. geb. S., 21 Jahr alt, kam den 15. Dezember 1800 mit ihrem ersten Kinde nieder. Sie war im Ganzen gesund, hatte nur zu viele Milch; die Brüste waren steif, knotig, gaben dem Druk nicht nach; die Warzen erhoben sich nicht gehörig, waren zurükgezogen, und das Kind wollte nicht recht trinken. Sie hatte kein bedeutendes Milchfieber, wohl aber einmal den 24. und 26. Dez. Abends Kopfweh gehabt. Sie mußte das Kind oft anlegen mit Gedult und Ernst, wenig oder gar nichts essen, in dem eigentlichen Verstande hungern, die Brüste mit Butter einschmieren und dabei nach den Warzen hinstreichen lassen, die Warzen selbst mit der elastischen Flasche herausziehen, mit Branntwein abhärten, und nachher beständig Glasflaschen anlegen lassen. Durch diese einfache Behandlung kam alles in kurzer Zeit in die gehörige Ordnung. Allein den 13. Februar 1801, als sie zum zweitenmale Wöchnerinn wurde, und die obigen Mittel nicht mit der gehörigen Standhaftigkeit gebrauchte, bekam sie eine förmliche Entzündung an der rechten Brust, welche auch in Eiterung übergieng, und wo sich den 27. Febr. der Abszeß von selbst öffnete, und während eines mäßigen Eiterergusses bei der Anwendung von Kataplasmen und einem höchst einfachen Verband mit der Digestivsalbe den 10. Merz geheilt war. Indessen bin ich überzeugt, daß dieser Unfall durch mehr Sorgfalt, wie das erstemal, auch hätte verhütet werden können. So erinnere ich mich einer andern Frau, bei welcher ich einen Brustabszeß behandelte, den sie sich nur aus Nachlässigkeit zugezogen hatte: denn indem sie ihr Kind während der Stillzeit nur immer aus einer und derselben Brust hatte trinken lassen; so entstanden in der andern Knoten, welche sich entzündeten und eiterten.

§. 96.

Wunde Brustwarzen.

Frau d’A. --, eine junge Erstgebährende, welche kaum von der Kräzze geheilt war, als sie den 1. Oktober 1801 entbunden wurde, bekam, da sie nunmehro in dem Wochenbette das Kind stillen wollte, und zu dem Behufe säugen ließ, große Risse und Schrunden in den Brustwarzen, welche den sorgfältig angewandten gewöhnlichen Mitteln zu ihrer Heilung sorgfältig widerstanden. An dem Hofe um die Warzen herum, zeigten sich an beiden Brüsten, kleine weiße äußerst jukkende Bläschen, welche eine Jauche von sich gaben. Ich ward diese nicht sobald gewahr, als ich eiligst das Kind von diesem verderbten Busen entfernen ließ; denn dem Ansehen nach mußte ich sie für ein Produkt des noch in der Haut des Körpers vorhandenen Kräzzestoffs, für wahre Kräzpusteln halten. Der Erfolg bestätigte es auch, indem sie mit den bekannten Mitteln gegen die Kräzze, mit der Schwefelsalbe, bald und glüklich geheilt wurden.

§. 97.

Scirrhus.

Fräulein von G. aus P., 36 Jahr alt, unverheirathet, von hagerm Körperbau, trug einen harten Knoten von der Größe eines Taubeneies in der linken Brust, in welchem bei der Erscheinung des Monatlichen und bei dem Wechsel der Witterung stärkere oder schwächere, immer aber nicht unbedeutende Schmerzen entstanden. Aufmerksam darauf fragte sie mich den 12. November 1801 darüber um Rath. Da dieses Frauenzimmer sonst in allen Hinsichten eine vollkommene Gesundheit genoß, so begnügte ich mich blos, ihr ein zwekmäßiges Regimen vorzuschreiben. Gemüthsbewegungen aller Art wurden möglichst beseitigt. Sie mußte alle erhizzende Getränke vermeiden, und sich überhaupt sehr ruhig verhalten. So schadete es ihr z. B. augenbliklich, wenn sie je einmal zu dem Tanzen sich verleiten ließ. Auf dem leidenden Theile wurde ununterbrochen fort ein zarter Hasenpelz getragen. Dabei verlohren sich vorerst die Schmerzen gänzlich, und im Januar 1802 fieng hierauf der Knoten an sich in mehrere kleine Parthien zu theilen und in dem April desselben Jahres war er ganz verschwunden, und die Brust vollkommen gesund.

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