Part 8
Die Operazion ist die bei weitem zuverlässigere Kur dieser Krankheit. Sie ist in den meisten Fällen das einzige Mittel, und würde weit öfter gelingen, wenn man sie nicht als das lezte, sondern als das erste Mittel betrachtete. Man trennt mit dem Messer die äußere Haut, und schält sodann die ganze Geschwulst heraus. So hört die ganze Ursache der Krankheit, aller Schmerz und Beschwerde auf, und die zurükgebliebene reine und einfache Wunde heilt in kurzer Zeit. Indessen darf man doch nur unter gewissen Bedingungen Hülfe von ihr erwarten. Der eigentliche Zeitpunkt dazu ist der, wo der Scirrhus eben anfieng schmerzhaft zu werden; später gelingt sie selten. Die zu operirende Kranke muß außerdem ziemlich gesund seyn, und der Krebs darf von keiner fortwirkenden innerlichen Ursache unterhalten werden. Und dann kommt es auch noch darauf an, daß die ganze Geschwulst rein ausgerottet werde, und daß nichts davon zurükbleibe, sonst kömmt die Krankheit wieder. Die Ausrottung durch das Messer findet also nur bei dem Scirrhus, und bei dem verborgenen Krebse statt; da wo dieser schon in ein offenes Geschwür übergegangen, kann man sich von ihr keine Hülfe mehr versprechen.
§. 86.
Palliativmittel.
Der Krebs ist oft unheilbar, weil man seine Ursache nicht genau entdekken konnte, oder weil es zu weit damit gekommen war, und man die rechte Zeit zu der Operazion ungenüzt verstreichen ließ. Der Wundarzt begnügt sich in diesen Fällen, die Zufälle zu lindern, welche am dringendsten sind: er erneuert zu dem Ende öfters den Verband, und reinigt das Geschwür mit Alaunwasser, Chinadekokt oder mit Kalchwasser. Die Reinigungswasser kann man mit einer Feder, oder wo nicht gut beizukommen ist, mittelst einer Sprizze anbringen, aber beide Arten der Anwendung müssen mit der leichtesten Hand geschehen, damit nicht die Geschwüre gereizt, und der Pazientin die Schmerzen vermehrt werden. Der Breiumschlag aus gelben Rüben, oder ein Kataplasma aus Kartoffeln, um die Unebenheiten des Geschwürs zu bedekken, sind zuträgliche Mittel; sie beugen öfters dem abscheulichen Gestank oder den faulen Ausdünstungen vor, welche den Pazienten so wie den Umstehenden äußerst beschwerlich sind. Die äußerliche Anwendung des Bilsenkrauts oder der Schierlingsblätter fruchtet hingegen nichts. Wenn große Massen des Geschwürs blau und brandig werden, so muß sie der Wundarzt ganz sanft hinwegnehmen, indem er sie mit der Zange faßt, und von ihren Verbindungen absondert. Blutungen in dem Krebsgeschwür lassen sich gemeiniglich durch einen gelinden Druk oder durch zusammenziehende Mittel stillen, z. B. durch das Auflegen von Kompressen, welche mit ätherischem Terpentinöl oder mit Salpetergeist befeuchtet worden. In der Krankenstube muß die Luft, so oft als nur möglich ist, erneuert, und mit den Dämpfen von Essig, oder von aromatischen Kräutern durch das Verbrennen gereinigt werden. Innerlich wird nun ebenfalls die Kranke nach Beschaffenheit der Umstände zwekmäßig behandelt. Man muß dabei jenen dringenden Zufällen, die sich hier einfinden, der Mattigkeit, dem hektischen Fieber und den Schmerzen zu begegnen suchen, und daher seine Zuflucht hauptsächlich zu dem Gebrauch der Chinarinde und des Opiums nehmen. Besonders ist das leztere, indem man nach und nach mit der Gabe desselben steigt, ein unvergleichliches Mittel, ja das einzige Labsal für die unglüklichen Kranken der Art.
§. 87.
Vorurtheile und Charlatanerien in der Kur des Brustkrebses.
Es gieng dem Brustkrebs, wie vielen andern Krankheiten, deren Heilung selten gelingt: gerade gegen diese hat man die meisten Mittel. Man bat gegen denselben die seltsamsten Besprechungen, Anhängsel und Exorzismen angewandt; oder Sprüche aus der Bibel, die man in frommer Absicht in Papier wikkelt, und nahe an dem krankhaften Theil trägt; das Auflegen der Hand eines sterbenden Menschen, oder eine Kröte, ein Stükchen rohes Kalbfleisch, die hornigte Substanz von dem Schenkel eines Pferdes, oder den Urin eines mit lauter Ziegenmilch sich nährenden Kindes; und was dergleichen ungereimte Dinge mehr sind. Es haben sich zu allen Zeiten Leute gefunden, welche vorgaben, Mittel wider den Krebs zu besizzen. Alle großen Städte werden von dergleichen Großsprechern heimgesucht, und diese sind entweder vorsezliche Betrüger, oder es sind gutmeinende Personen, welche in ein gewisses Familienarkanum ein großes und unbedingtes Zutrauen sezzen. Durch die Kur solcher Fälle, welche doch von den wahren krebsartigen Übeln ganz verschieden waren, haben Ärzte sowohl, als auch unkräftige und ganz unnüzze Mittel große unverdiente Lobsprüche erhalten. Ohne die Verschiedenheit der Geschwülste in der Brust zu kennen, oder zu verstehen, ob sie wirklich krebsartig waren, oder nicht, hat man manche glükliche Heilung für eine Krebskur ausgegeben, unbedeutende oder gar schädliche Mittel eingeführt, und dadurch verhindert, daß die wahren und vernünftigen Kunstregeln angewendet werden konnten. Ärzte oder Wundärzte von rechtschaffenem Karakter sind in ihren Versprechungen, wenn sie über Fälle von Krebskrankheiten zu Rathe gezogen werden, höchst behutsam, indem sie die großen Schwierigkeiten, welche die Kunst, nur einige zu heilen, zu übersteigen hat, und die gänzliche Unmöglichkeit mehrere zu heben, nur gar zu gut kennen. Der Geheimnißkrämer verspricht kühner Weise eine Kur, zieht den Pazienten mit seinen schmeichelhaften Vorspiegelungen auf seine Seite, wendet Drohungen oder Besänftigung an, erregt Furcht oder Hoffnung, je nachdem es die Umstände für ihn erfordern, -- und so werden die Kranken das Opfer ihrer unbedachtsamen Leichtgläubigkeit.
§. 88.
Schlußbemerkung.
Warum ich meinen Lesern hier auch die Ursachen und Gefahren jener fürchterlichen Krankheit, des Brustkrebses, zu schildern versuchte, das geschah vorzüglich deswegen, daß sie sich vor ihren Ursachen, vor ihrer Entstehung hüten könnten; daß sie sich bei der Entdekkung eines Knotens in der Brust, auch des geringsten, sogleich darüber mit Beiseitsezzung aller unzeitigen Schaamhaftigkeit Raths erholen sollten, und daß sie sich nie einem unberufenen Laien, nie einem Quaksalber anvertrauen möchten: So wie ich bei der ganzen Schrift überhaupt nur die Absicht haben konnte, über die verschiedenen Übelseynsformen an den weiblichen Brüsten, die Kranken selbst aufzuklären, ihnen die sichersten Verhütungsweisen zur Beherzigung vorzulegen, und sie zu überzeugen, daß die Behandlung der schon vorhandenen Krankheiten nur von dem ächten Heilkünstler erwartet werden könnte.
XI.
Beobachtungen.
§. 89.
Mangel an Milch.
Frau K., gebohrne B. verlebte ihr jugendliches Alter in häuslicher Eingezogenheit, ohne andern Krankheiten, als etwa nur krampfhaften Beschwerden in dem Magen und Unterleibe, und einer scharf nässenden Entzündung der Hautdrüsen in dem Gesichte ausgesezt gewesen zu seyn. In ihrem fünf und dreißigsten Jahre verheirathete sie sich, und man hatte ihr Hoffnung gemacht, daß mit dieser Veränderung ihre vorigen Leiden aufhören sollten. Sie ward bald Mutter und gebahr einen Sohn vollkommen natürlich, den sie selbst zu ernähren entschlossen war. Allein zu meinem größten Erstaunen zeigte sich auch gar kein Tropfen Milch in den Brüsten, ohngeachtet diese ihrem Bau und Ansehen nach gesundheitsgemäß beschaffen waren, und ohngeachtet der neugebohrne Knabe mit allen Kräften an der ausgebildeten Warze sog. Man verschaffte dem Kinde eine Säugamme von dem Lande, in deren Redlichkeit man die wenigsten Zweifel sezzen konnte, und für die Mutter verlief die Zeit des Wochenbettes ohne alle weitere Beschwerden. Bald darauf ward sie zum zweitenmal schwanger, und brachte diesesmal nach mancherlei glüklich überstandenen Ungemächlichkeiten Zwillinge zur Welt, und zwar abermals zwei Knaben. Früh und hungrig genug fielen diese über den Busen der Mutter her, aber ohne auch nur etwas der Nahrung ähnliches zu erhalten. Die Brüste schwollen nicht auf, und schmerzten nicht, die Wochenreinigung floß wie gewöhnlich, die Mutter blieb gesund, und den Kindern mußte man anderweitige Nahrung verschaffen. Nach dieser Zeit bekam sie keine Kinder mehr, und genoß einer so ziemlich dauerhaften Gesundheit.
§. 90.
Eiterung der Brüste.
Eine arme Frau, K., sechs und zwanzig Jahr alt, mager und schwächlich, Mutter von zwei Kindern, begehrte den 24. Julius 1792 meine Hülfe. Sie hatte seit ihrem lezten Kindbette vor acht Wochen eine böse Brust, welche jedoch in der Zeit wieder besser geworden war. Diese Person war öfters rothlaufartigen Krankheiten, auch einmal seit dem Wochenbette einem dreitägig intermittirenden Fieber unterworfen, welche aber bei der richtig angewandten Hülfe bald wieder verschwanden. Ich fand die linke Brust roth, hart gespannt, geschwollen, nach der Achselhöhle zu besonders schmerzhaft, und nebst der Narbe eines zugeheilten Geschwürs noch ein offenes, aus welchem viel Eiter sich ergoß. Sie klagte über öfteres Schaudern, mit abwechselnder Hizze, über Nachtschweise, Mattigkeit, Schwere in den Gliedern, und Trokkenheit in dem Munde. Sie hatte wenig Appetit, einen kleinen, ziemlich geschwinden Puls, und ihre Nahrung bestand meistens in schwachem Kaffee. Ihr Kind, welches sie aus der rechten ganz gesunden Brust selbst schenkte, schien seit einiger Zeit aus Mangel an Nahrung abzunehmen, war schwach und weinte oft. Ich ließ die Schmierereien von alten Weibern, von denen sie Gesundheit erwartete, weglegen, und verordnete einen Breiumschlag mit Leinsaamen überzuschlagen, und die Wunde mit ungesalzener Butter auf Karpei zu verbinden. Der Schlaf war ziemlich gut; die Öffnung selten, hart und trokken. Sie bekam auf eine Salzmixtur den 25. Julius mehrere Stuhlgänge. Den 30. Julius. Die Brust wurde röther, es zeigten sich hier und da mehrere weiße Erhabenheiten, welche endlich aufplazten; dabei verlohr sich der Schmerz sowohl als die Geschwulst derselben, und an dem Rand auch die Härte, nachdem aus drei Öffnungen viel Eiter geflossen war. Innerlich reichte ich der Kranken einen Absud von Quekken, Löwenzahn, Cichorien, Bittersüß und Fenchel. Den 5. August fand sich nur oben an der Brust noch eine harte Stelle, die ich jezt allein mit dem Kataplasma bedekken ließ; unten herum war alles weich geworden, und hier schikten sich schon die Öffnungen zu der Heilung an. Pazientin klagte sehr über Mattigkeit; um ihr zuvorzukommen, um die Kräfte zu unterstüzzen, gab ich ihr ein konzentrirtes Dekokt von der Bruchweidenrinde. Den 15. August. Keine Beschwerden mehr. Die Brust war in ihrem ganzen Umfange kleiner und weicher geworden, eine ganz unbedeutende Härte war noch in deren Mitte überblieben, auf welche, wenn man drükte, noch Eiter aus den obern Löchern hervorkam. Noch hatte sie den besondern Umstand bemerkt, daß ihr etwas weniges Milch aus der Warze derselben kranken Brust geflossen; dieses hielt ich für ein gutes Zeichen, daß nämlich in den Milchgefässen keine Stokkungen und Hindernisse mehr waren. Sie durfte indessen natürlicherweise doch auf dieser Seite das Kind nicht anlegen, welches ohnehin auch jezt Nahrung genug aus der gesunden Brust hatte. Den 30. August. In der kranken Brust fand sich nur noch eine Öffnung, wenig des besten gekochten Eiters und viele Milch, welche man durch den Druk des Fingers herauspressen konnte. Sie war weich, und der gesunden an Größe gleich. Den 10. September war die Kranke vollkommen geheilt.
§. 91.
Eiterung der Brust.
+Caroline K+, gebohrne N, hatte den 19. August 1798 zum erstenmal einen muntern Knaben gebohren, welcher gleich nachher mit sehr vielem Appetit die Brust seiner Mutter tapfer anzog. Indessen schwoll ihr doch der Busen den 23. und 24. August sehr stark an; es entstanden hier und da, besonders in der rechten, fühlbare Knoten: weil aber für den Abfluß der Milch theils durch das Kind selbst, theils durch die Anwendung der elastischen Zugflaschen hinlänglich gesorgt war, so wollte ich nur den Zufluß vermindern, und erlaubte nur eine ganz dünne Diät für diese Tage, und zwar mit dem besten Erfolg. Den 26. August waren die Brüste ganz in Ordnung; die Warzen, für welche in den lezten Schwangerschaftsmonaten gehörig mit dem Auflegen des Franzbranntweins gesorgt war, blieben ohnehin gesund. Den 26. aß die Wöchnerinn mit sehr gutem Appetit, vielleicht nur etwas zu viel. Den 27. Abends bekam sie auf einmal einen heftigen Frost, welcher zwei Stunden dauerte, darauf Hizze mit Irrereden, Durst, schnellen vollen Puls, Trokkenheit, und Schmerz in der rechten Brust. Den 28. Sehr dünne Diät, die strengste Ruhe, ein Abführungsmittel, Dampfbäder von Hollunder- und Malvenblüthen-Absud an die leidende Brust, Aussaugen derselben durch das Kind, welches sich dazu bereitwillig fand. Abends darauf bekam die Kranke einige Stühle, an der Brust hatte sich unten alles zusammengezogen, sie war roth, heiß, bei der Berührung und bei dem Milcheinschuß sehr schmerzhaft. Ich ließ sie mit einem Kataplasma aus Milch und Wek bedekken, in einem oben in dem Nakken zusammengebundenen Tuch tragen, und das Kind nur an der linken Seite anlegen. Darauf zog sich in der darauf folgenden Nacht die Milch hierher, und die rechte Brust wurde kleiner und weniger schmerzhaft. Den 29. folgte darauf Besserung in jedem Betracht. Den 31. August. In der Nacht hatte die Wöchnerinn ohne alle Veranlassung starken Frost, und mäßige Hizze gehabt; dieser ganze Vorfall war indessen nur von kurzer Dauer und endigte sich mit einem leichten Schweise. Oben auf der kranken Brust waren noch einige harte Knoten fühlbar, die mit Breiumschlägen belegt wurden. Bald darauf trank der Junge wieder aus beiden Brüsten, und somit gieng denn alles nach Wunsch bis den 14. September, wo plözlich in der rechten Brust Schmerzen, eine starke Geschwulst nahe an der Warze, ein Brennen bei der Berührung und bei dem Stillen entstanden. Ich suchte nun nicht allein den Zufluß zu vermindern, sondern auch die Milch abzuleiten, und verordnete zu dem Ende die dünneste Diät, abermals ein Abführungsmittel, und alle Viertelstunden einen neuen Breiumschlag. Troz allem dem nahmen die Schmerzen zu, besonders bei dem Saugen des Kindes; der Appetit verlohr sich ganz und gar. Den 17. September. Die Brust war von Milch sehr ausgedehnt, die Knoten größer und weicher; ich sezte alle meine Hoffnung auf die Ausleerung derselben, und schaffte zu dem Ende noch zwei fremde ausgehungerte Säuglinge herbei, welche auch, nachdem ich die Warze mit der elastischen Flasche hervorgezogen hatte, ziemlich viel wegtranken, und darauf erfolgte wirklich eine merkliche Besserung. Den 22. September hatte Pazientin wieder starken Schmerz; neben der Warze rechterseits fand sich auf der Brust aufsizzend ein kleiner Hügel von der Größe einer Haselnuß, glänzend roth, und weich. Den ganzen Tag lief die Milch ohne Zuthun von selbst aus. Dem Breiumschlage wurde Safran beigemischt. Den 23. anhaltende Schmerzen, die Geschwulst wurde immer erhabener, begränzter, und enthielt Eiter. Die auslaufende Milch war ganz rein. Die Kranke hatte heute schon etwas Fleisch gegessen und Wein getrunken. Abends, da die Schmerzen auf das höchste gestiegen waren, bekam sie eine kleine Gabe Opium, welche schnell wirkte, ein kleines Irrereden und dann Schlaf machte. Den 24. war endlich die Geschwulst geborsten, und wir hatten einen reinen, von der Natur geöffneten, Abszeß vor uns, welcher mit Eigelb und Terpentinöl auf Charpie gestrichen, verbunden wurde. Die Schmerzen ließen nach. Den 25. Pazientinn war wohl und munter, aus dem Geschwür ergoß sich wenig blutiger Eiter. Den 29. immer besser, sie aß und trank mit Appetit, der Abszeß näherte sich der Heilung, die kranke Brust war ganz ohne Schmerzen, und aus der andern wurde der Junge hinlänglich genährt. Schon den 4. Oktober war alles geheilt, dabei verlohr sich die Milch aus dieser Brust gänzlich, sie wurde kleiner und schief nach außen gezogen. Die Paar darinn zurükgebliebene Knoten hatten sich bis zu Ende des Oktobers durch die beständig hier unterhaltene Wärme auch zertheilt. Zwei Jahre nachher konnte unsere Genesene aus derselben Brust, so gut wie aus der andern, ein zweites Kind stillen.
§. 92.
Eiterung der Brust.
Frau S., 39 Jahr alt, welcher ich sechs Wochen zuvor bei einer schweren Geburt Hülfe geleistet, ließ mich den 14. Januar 1799 rufen. Das Kind war gesund. Schon seit mehreren Tagen, so erzählte sie, hätte sie Röthe und Schmerz an der Brust bemerkt, darauf die Milch mit Flaschen ausgezogen; sie hätte sich erkältet, einen Rothlauf u. s. w. Ich entdekte bei näherer Untersuchung auf der linken Brust eine große harte, rothe und ekkichte Geschwulst, welche Eiter enthielt, wie sich aus der deutlich wahrzunehmenden Fluktuazion ergab. Die Kranke gieng dabei herum, und klagte sonst über nichts. Ich legte das mit Gummi bereitete Diachylonpflaster auf und den 17. Januar hatten sich zwei Öffnungen untereinander formirt; dort war die Haut faul und schwarz, es floß ein dünner, stinkender Eiter aus, und rundum war die Brust sehr hart; weswegen ich einen Breiumschlag anwandte, und den Abszeß mit Digestivsalbe verband. Den 19. hatten sich die Öffnungen erweitert, der Eiter wurde dikker und besser; die Person blieb dabei munter und gieng fortdauernd ihren Geschäften nach. Das Kind blieb auch gesund, und fand in der heilen Brust mit Hülfe der Suppen und etwas Thiermilch seine Nahrung. Von nun an verminderte sich die Härte und Geschwulst, so wie der Eiterausfluß immer mehr und mehr, so daß ich den Verband seltener wechselte, und den 4. Februar war die Kranke vollkommen genesen.
§. 93.
Eiterung der Brust während der Schwangerschaft.
M. Pächtersfrau auf dem ***hof, 24 Jahr alt, zart gebaut, blond von Haaren, war eben jezt zum zweitenmal schwanger, und spürte seit sechs Wochen die Bewegung des Kindes, hatte auch wegen Anfällen von Schwindel, Kopfschmerzen u. dgl. schon zur Ader gelassen. Ihr erstes Kind war nunmehro anderthalb Jahre alt, und sie hatte es gerade sechs Monate gestillt, als sich die Milch aus den Brüsten ganz unvermerkt verlohr. Nachdem sie sich erkältet, und darauf Schmerzen in der Brust bekommen, aus welcher in dieser Schwangerschaft sich viele lymphartige Feuchtigkeit ergossen hatte, sah ich sie den 2. Februar 1800 zum erstenmal. Die ganze linke Brust war dik, heiß, hart und rund ausgespannt, und eine Stelle über der Warze erhaben und roth. Ich ließ sie sogleich kataplasmatiren, mit Milch, Wek und Safran, sie blieb bei ihrer gewohnten Diät, und trank etwas Wein. Den 4. bemerkte ich Fluktuazion der dikken Haut ungeachtet. Den 6. fand ich zwei Stellen über der Warze, wie weiße Knöpfchen, da nämlich, wo der Eiter sich vorzüglich herausdrängen wollte, und wo die Haut dünner geworden war. Die Brust war noch sehr roth, hart und groß, halbrund aufsizzend. Bei einer etwas stärkern Berührung des einen von jenen weißen Hügeln mit dem Finger, plazte derselbe auf, und nach und nach ergoß sich eine erstaunliche Menge, wenigstens ein Pfund, Eiter mit Blut und Jauche vermischt. Während dem ich den Eiter auspreßte, ließ ich der Pazientinn immer Zeit sich zu erholen, gab ihr Wein zu trinken, und etwas Starkriechendes, weil ihr eine Ohnmacht drohete. Die Brust nahm hierauf wieder ihre natürliche Größe an, und wurde ganz weich. Ich bedekte die kleine Wunde mit einem Klebepflaster. Den 7. fand ich bei dem Verband eine kleine runde Öffnung, die mit einem koagulirten Blutpfropf verstopft war. Ich preßte ihn heraus, und es folgte ihm sehr viel Eiter, welches auch immer in den folgenden Tagen, wo die Wunde mit Digestivsalbe verbunden wurde, der Fall war. Den 11. war die Wunde zugeheilt, und den 12. verspürte vorübergehend die Kranke einige flüchtige Stiche in der Brust, ohne daß sie übrigens in ihrer Gesundheit gestört worden wäre; sie war munter, aß, trank und schlief. Indessen schwoll die Brust wieder auf. Den 13. entstanden Schmerzen, Hizze und Fieber. Den 14. öffnete sich auch diese neuentstandene Geschwulst, und es ergoß sich hier abermals eine ungeheure Menge aus einer größern gequetschten Wunde. Während dem das Ganze mit Digestivsalbe immerfort verbunden wurde, und der Eiterausfluß auch fortwährte, entstand den 20. Februar eine zweite Öffnung neben der alten, und sogar späterhin noch eine dritte. Die Menge des Eiters blieb sich immer gleich, er wollte gar nicht abnehmen, und kam oft ganz aus der Tiefe, aus den Milchgefäßen hervor, so daß man ihn heraussprizzen konnte. Dabei war er von der besten Konsistenz und ganz ohne Geruch. Die Brust fand ich immer weich, schmerzenlos, und die Frau nahm ehender an Gesundheit zu als ab, und verrichtete sogar alle ihre Geschäfte mit Leichtigkeit. Ich mußte mich daher begnügen, das Geschwür durch einen einfachen, aber sorgfältigen Verband der offenen Stellen immer rein zu erhalten. Zu meinem größten Erstaunen verzog sich die Heilung desselben außerordentlich lang, nämlich den ganzen Monat Merz und April hindurch. Endlich wurde die Kranke den 11. Mai von einem gesunden Mädchen leicht und glüklich entbunden, den 13. erfolgte das gewöhnliche Milchfieber. Ich ließ das Kind nur an die linke Brust legen, und die Wöchnerinn an der eiternden rechten eine Glasflasche tragen. Den Verband erneuerte ich jezt öfters. Der abfließende Eiter näherte sich an Beschaffenheit immer mehr der Milch, und nahm aus den kleinen frischrothen Öffnungen an Menge ab, weil aus der Warze zu viel in das Glas lief. Den 21. Mai kam viel Blut aus der Wunde; allein bis zum 26. verminderte sich indessen dieses auch, so wie noch mehr der Eiter aus der Wunde. Sie heilte nach und nach zu, und bald floß nur helle klare Milch aus der Warze in das anhängende Glas, so daß die Wöchnerinn den 29. Mai ihr Kind auch an diese vormals kranke Brust legte, und dasselbe daraus, so wie aus der gesunden noch geraume Zeit stillte. Diese Geschichte giebt ein merkwürdiges Beispiel davon ab, wie selten Geschwüre bei Schwangern heilen; denn offenbar wurde hier blos durch die Schwangerschaft die Genesung verzögert, besonders da in dieser ganzen Zeit der Zufluß der Säfte vorzüglich nach den Brüsten geht.
§. 94.
Milchknoten.
Frau W. in E. seit sieben Wochen Kindbetterinn, 28 Jahre alt, von sehr reizbarer Konstituzion, stillte ihr Kind selbst; den 8. September 1800 fand sich in der rechten Brust nach innen zu ein Knoten von der Größe eines Hühnereies, der bei dem Berühren schmerzte. Ich ließ erweichende Breiumschläge überlegen, die hier vorhandene Milch mit der elastischen Flasche aussaugen, und den Knaben allein aus der andern Brust trinken. Ihre Warzen waren vormals wund gewesen, aber durch den Gebrauch von Franzbranntwein mit Zukker geheilt worden. Den 16. Sept. Noch keine Besserung, der Knoten war stehen geblieben, hatte sich aber auch nicht entzündet. Nun ließ ich Dampfbäder von Hollunder- und Malvenblüthenabsud machen, und den 25. Sept. war alles verschwunden und die Wöchnerinn geheilt.
§. 95.
Eiterung der Brust.