Über die weiblichen Brüste

Part 5

Chapter 53,496 wordsPublic domain

In dem Wochenbette sorge man für die vollkommenste Ruhe des Körpers und der Seele, für die Vermeidung aller Erkältung, und auch im Gegentheil alles dessen, was Hizze machen, was beunruhigen könnte. Man hüte sich also vor Geräusch, vor hellem Lichte, vor großen Gesellschaften in der Wochenstube, vor Ärgerniß, vor schweren Bettdekken und heißen Zimmern, vor Kraftsuppen, starken Weinen oder Kaffee u. dgl. Man trinke dünnen Kamillenthee, Kalbfleischbrühen oder andere lauwarme, gelind auf die Haut wirkende Getränke und sorge für leichtverdauliche Speisen. Wenn es an Öffnung fehlt, so nehme man einige sanfterweichende Klystiere. Der Busen wird ganz zwanglos gehalten, und nur mit erwärmten Tüchern bedekt. Es ist gut, wenn die Wöchnerinnen dabei viel und abwechselnd auf einer oder der andern Seite liegen. Nur so lange der Zufluß der Milch noch beträchtlich stark ist, gilt obige Empfehlung für eine weniger nahrhafte Diät; nachher müssen sie zu einer stärkendern Fleischdiät allmählig übergehen. Das Hinzuströmen der Milch in die Brüste ist, weil es plötzlich mit oder ohne Reiz des Saugens geschieht, der Mutter fühlbar im ganzen Umkreis der Brust von hinten nach vorn. Dieser sogenannte Einschuß kommt bald seltener bald häufiger vor, während der Verdauung, und wenn das Kind eben anfängt zu trinken, am häufigsten. Zuweilen ist die Empfindung für die Mutter schmerzhaft, zumal wenn die Ausführungsgänge an den Warzen dabei auf kurze Zeit verschlossen sind, so daß die Milch gar nicht oder nur wenig auslaufen kann. Auch die Säuglinge überströmt dieser plözliche Milchzufluß manchmal so, daß man sie für den Augenblik von der Brust abhalten muß.

§. 51.

Verhaltungsregeln bei dem Stillen.

Jedes Kind, wenn es anders gesund und stark genug ist, keine örtlichen Fehler im Munde oder am Gaumen hat, nimmt die Warze und richtet sich dieselbe ordentlich zu. So oft das Kind durstig, oder eigentlich hungrig sich fühlt, giebt es deutliche Merkmale, daß es die Brust seiner Mutter sucht. Vorzüglich beobachtet man dieses, wenn es neben der Mutter im Bette liegt, und den mütterlichen Dunst- und Wärmekreis genießen kann. Noch bedarf es desselben zu seinem Gedeihen, wie das junge Hühnchen noch der dekkenden Brutwärme und der Fittige seiner Mutter bedarf. Eine wahre, ihr Kind zärtlich liebende Mutter wird wohl nicht während dem Säugen einschlafen, und dadurch Gefahr laufen, dasselbe im Schlaf zu drükken oder fallen zu lassen; davon nachher (§. 74.). So etwas ließe sich allenfalls nur von einer gemietheten Säugamme befürchten. In den ersten vierzehn Tagen muß die Mutter dem Kinde, wenn es nicht schläft, wenigstens alle zwei Stunden, und nicht zu viel auf einmal zu trinken geben, in der Folge seltener. Doch halte sie sich hierinnen so viel möglich an eine bestimmte Ordnung. Die Gewohnheit dem Kinde, so oft es schreiet, die Brust zu reichen, ist gewiß nicht ohne Nachtheil. Es ist rathsam, daß die Säugende mehr Speisen aus dem Pflanzen- als aus dem Thierreiche genieße; nur dann wann sie einen Mangel an Milchvorrath verspürte, suche sie durch den Genuß von frischgemolkener Kuhmilch, von Eiern, Fleischbrühe, Bier, Gerstentisane, und andern sehr nahrhaften Substanzen diesem Mangel abzuhelfen. Sie muß sich öftere Bewegungen in freier Luft machen, und sich vor allen Leidenschaften hüten, welche die Gesundheit untergraben. So ist es auch z. B. bekannt, daß der Zorn durch die Milch die traurigsten Folgen für das Kind hervorbrachte. Selbst der Beischlaf, wenn er nur irgend zur Unmäßigkeit sich hinneigt, kann dem Säugling oder der Säugenden nachtheilig seyn. In der Regel hört bei den Weibern während der Stillzeit das Monatliche auf zu fließen, und damit geht zugleich die Eigenschaft desselben verlohren zu empfangen und von neuem schwanger zu werden. Indessen giebt es auch Ausnahmen von diesem Naturgesez, und die Frauen, welche, indem sie noch ein Kind an der Brust, und dabei regelmäßig ihre Periode hatten, wieder schwanger wurden, sind so selten eben nicht. Öfters haben auch säugende Mütter, bei denen wie gewöhnlich die Reinigung ausgeblieben, zu der Zeit, wo sie hätte kommen sollen, einige unbehagliche Empfindungen in dem Körper, Kopfweh, Leibschmerzen u. dgl.

§. 52.

Aufgesogene Warzen.

Ferner haben Wöchnerinnen noch besonders auf die Warzen Rüksicht zu nehmen, der oben angeführte Gebrauch des Franzbranntweins wird fortgesezt; und die aus Korkholz verfertigten Warzenhüte werden fortgetragen. Nur muß man jedesmal, ehe das Kind trinkt, die Warzen mit Milch oder süßem Rahm befeuchten. Auf diese Art wird man gewiß dem Aufsaugen derselben vorgebeugt haben. Sollte sich indessen dieser lästige Zufall schon ereignet haben, so hat man noch oft in folgendem ein Heilmittel dagegen. Man gießt nämlich guten Franzbranntwein in eine breite Untertasse, und läßt an einem warmen Orte, auf dem Ofen, oder im Sandbade ein Stük Kandiszukker verschmelzen, so bleibt auf dem Boden ein dikker klebriger Saft sizzen. Dieser wird auf die durchgesogenen Stellen geschmiert, bis sie geheilt sind. Unter allen Mitteln, die man dagegen vorgeschlagen hat, verdient dieses den Vorzug. An eine solche Brust muß dabei das Kind seltener angelegt werden, und während dem Stillen hält die Säugende selbst über die Warze hin ein doppelt zusammengelegtes Stükchen feinen Musselin, ein Mittel, welches sie sehr erleichtern wird. Die Ursache des Wundwerdens der Brustwarzen liegt bisweilen in dem Kinde, wenn der Speichel desselben bei dem Zahnen, oder bei andern Krankheiten eine gewisse Schärfe annimmt, oder sie liegt auch in der Beschaffenheit der abgesonderten Milch. Sollten sich in einem Falle, welcher bei schon bejahrten Erstgebährenden eintreffen kann, die Warzen verhärtet finden; so müßte man sie mit etwas Mandelöl oder süßem Rahm bestreichen, um sie nachgebender zu machen. Sind die Milchkanäle, wie es bei unreinen Menschen oft geschehen mag, mit Schmuz, mit einer Kruste bedekt, so müßte man diese mit Seifenwasser oder mit Butter zu erweichen und wegzunehmen suchen, um sie zu ihrer Bestimmung vorzubereiten. Bei exkoriirten Brustwarzen darf man den Säugling nicht sogleich von der Brust entfernen. Die Liebe zu dem Kinde macht, daß die Schmerzen von der Mutter leichter ertragen werden, und bei dem fortgesezten Säugen hat selbst der Speichel des Kindes eine lindernde und heilende Eigenschaft. Erstrekte sich indessen die Entzündung auf den Umkreis der Warze, auf die Brust selbst, fruchteten die Mittel zur Zertheilung dieser Krankheit gar nichts, würden die Schmerzen unter dem Säugen so heftig, daß für die Konstituzion der Pazienten im Ganzen zu fürchten wäre; so müßte man allerdings von dem Säugungsgeschäfte abstehen.

§. 53.

Heilmittel bei durchgesogenen Warzen.

Zur Heilung wunder Brustwarzen hat man eine große Menge Mittel empfohlen. Darunter gehören z. B. Rosenpomade, Kakaobutter, Eieröl, Zinkblumen in Rosenwasser aufgelößt, Quittenschleim mit Löffelkrautsaft, Eiweiß mit süßem Mandelöl, Myrrhenextrakt mit Quittenschleim, Lavendel- und Maiblumenspiritus, peruvianischer Balsam, Rosenhonig mit Borax, der Saft von gelben Rüben, Bilsenkrautsalbe, Kalchwasser, rother Wein, u. a. m. Sie können alle in verschiedenen Graden der Krankheit und bei hartnäkkigen Fällen hier und da Nuzzen geleistet haben. Indessen gehört doch die Bestimmung zu ihrem Gebrauch, und die Auswahl derselben, dem Arzte. Herr WENDELSTADT wandte bei wunden Brustwarzen eine besondere Maschine an, um die Schmerzen dabei zu lindern, und ihnen zur Heilung Ruhe zu verschaffen. Er bediente sich nämlich blecherner, anderthalb Zoll hoher Hüte. Das Blech ist glatt und wohl verzinnt. Der Zylinder hat zwei Drittheile eines Zolls im Durchmesser seiner Breite, und sein oberes Ende besteht aus einer runden Platte mit fünf oder sechs ziemlich starken Löchern. Außen über dem Zylinder, eine Linie breit von dem untern Ende, ist ein starker Eisendraht angelöthet, und der Zylinder selbst ruht auf einer oben konvexen und unten konkaven Scheibe, mit einem runden Loch, so groß als dessen Höhle. Über denselben zieht man die Haut von der Spizze eines Kuheuters, welche man unter dem benannten Draht mit einem Bindfaden befestigt. Das obere Ende des Kuhstrichs bildet nun durch den nicht ausgefüllten Raum einen leeren Zipfel, in dessen obern Theil man eine Öffnung schneidet, um einen Durchzug zu der Warze zu haben. In dem Sommer, bei großer Hizze werden die Kuhstriche leicht stinkend; man muß ihrer mehrere vorräthig halten, sie oft erneuern und in kaltem Wasser aufbewahren. Der Erfinder dieser Maschine glaubt, daß bei dem Gebrauch derselben das Stillen ohne Schmerzen hergehe, daß das Kind hinlänglich mit der Milch seiner Mutter genährt werde, und die Warzen heilen könnten. FIBING hat eine dieser ganz ähnliche Maschine von Ebenholz zu demselben Behuf empfohlen. Schade, daß die Ausführung dieses Vorschlags so vielen Schwierigkeiten unterworfen ist, welche im Allgemeinen nicht so leicht zu überwinden seyn dürften. Das Kind kann die künstliche Warze nicht gut fassen, es muß schon sehr stark ziehen, bis es etwas Milch bekommt, und saugt doch immer viel Luft ein.

§. 54.

Milchausziehen.

Endlich richte man noch sein Augenmerk dahin, daß in dem Wochenbette die Brüste nicht zu sehr anlaufen, nicht hart werden, und daß die Milch in denselben nicht stokke. Die Mutter muß deswegen eine Brust so oft hergeben als die andere. Um den naturgemäßen Ausfluß von Milch zu erhalten, oder wieder herzustellen, dazu trägt schon eine angemessene Seitenlage sehr viel bei. Hauptsächlich besteht aber die Hülfe bei der in dem Busen stokkenden Milch darinnen, daß man die Brüste durch wiederholtes Einreiben von ungesalzener Butter erweiche, und so den Ausfluß der Milch befördere. Die Butter wird vorher warm gemacht, und von der Wärterin ganz gelinde, indem sie die Brust von hinten nach vorn hin streicht, täglich einigemal eingerieben. Bald darauf wird das Kind angelegt. Wäre die Milch in zu großer Menge da, oder das Kind nicht stark genug, alle Milch auszuziehen, und zu verbrauchen; so müssen die Brüste auf eine andre Weise ausgeleeret werden. Zu diesem Endzwek nimmt man noch andere neugebohrne Kinder zu Hülfe. An manchen Orten giebt es Weiber und Wartfrauen, die sich dem Geschäfte des Aussaugens unterziehen. Sie müssen einen ganz reinen Mund haben, und ihn jedesmal vor dem Ansaugen ausspülen. Junge Hunde dazu zu nehmen, wie man sonst wohl that, ist ein gar zu ekelhaftes Mittel. Einer der berühmtesten Geburtshelfer, STEIN, hat uns, unter dem Namen der Brustpumpe, die Erfindung einer eignen Maschine, zum Behuf der Zubereitung der Brüste und ihrer Entledigung von der überflüssigen Milch, hinterlassen. Sie besteht aus einer proporzionirlichen kleinen und bequemen Luftpumpe mit einem schiklichen Rezipienten statt der Glokke. Sie wirkt außerordentlich stark und darf nur, in seltenen, von dem Arzte zu bestimmenden Fällen, mit der äußersten Vorsicht angewandt werden, wenn dadurch nicht peinliche Schmerzen für die Mutter entstehen sollen. Die besten und bequemsten Milchsauger, deren ich mich immer mit dem größten Nuzzen bedient habe, sind aus einer Flasche von elastischem Harz gemacht, an deren Ende ein in der Gestalt und Größe der Warze ausgehöhlter Zylinder von Horn befestigt ist. Man hat dabei den Vortheil, daß man den Druk und den Zug mäßigen kann, wie man will. Sie wird, nachdem sie zusammengedrükt, und die Luft also daraus entfernt worden ist, auf die Brust gesezt, so zieht sich die Milch von selbst aus. Für den öftern Gebrauch derselben ist es nothwendig, sie öfters zu reinigen, weil die darin sizzen gebliebene Milch scharf wird und die Flasche angreift. Auch kann man sich in dem Nothfalle blos einer gläsernen Flasche mit einem langen Halse, oder eines mit einem glatten und gehörig weiten Rande versehenen Arzneiglases bedienen. Hinten erwärmt man diese Gläser, um die Luft darin zu verdünnen, legt sodann den Hals auf die Brust, damit die Warze inwendig hineinkommt. Auf diese Art wird ebenfalls in kurzem die Milch ausgesogen werden, welches noch dadurch erleichtert wird, daß man vor der Anwendung den ganzen Umfang der Brust nach der Warze hin gelinde zusammendrükt. In diesem Falle eines Überflusses von Milch kommt sehr viel auf die Diät an; sie muß weniger nahrhaft seyn. Mehrentheils ist eine abführende Arznei nöthig.

§. 55.

Entwöhnen des Kindes.

Man darf mit dem Säugen weder zu lange anhalten, noch zu früh damit aufhören, und die gewöhnliche und beste Stillzeit ist wohl bis in den zehnten Monat. Wenn sich eine stillende Mutter wieder schwanger fühlen, oder wenn bei ihr die monatliche Reinigung sich einfinden sollte, dann halte ich es für rathsam, das Kind abzugewöhnen. Fälle, wo wegen unvermuthet eingetretener Krankheit der Mutter oder des Säuglings dieser entwöhnt werden muß, bleiben der Bestimmung des Arztes überlassen. Kömmt also die Zeit des Entwöhnens, so hat man wieder auf verschiedenes Rüksicht zu nehmen, damit durch diese Veränderung weder die Stillende noch der Säugling Schaden leide. Den Regeln der Natur nach, wird keine Milch abgesondert, wenn kein Ausfluß derselben mehr Statt findet, wenn das Kind nicht mehr angelegt wird. Dann versiegt gleichsam die Quelle. Allein dieses muß schlechterdings nur nach und nach geschehen, wenn es keine Beschwerden verursachen soll. Man läßt das Kind, welches entwöhnt werden soll, immer weniger und seltener trinken: erst des Tages nur ein Paarmal, dann nur des Nachts, immer weniger, und endlich gar nicht mehr. Acht oder vierzehn Tage Zeit kann man zu diesem Geschäfte anwenden, um am bequemsten zu dem Ziel zu kommen. Mittlerweile ersezt man dem Kleinen die abgegangene Nahrung der Muttermilch, durch Thiermilch, leichte Suppen u. s. w. Die Mutter enthält sich dabei der zu nahrhaften fetten Speisen, ißt überhaupt nicht viel, macht sich Bewegung genug, nimmt vielleicht im Nothfalle ein Abführungsmittel, trinkt etwas Thee von Salbeikraut, und bedekt die Brüste mit Kampfer auf Baumwolle gestreut. In dem Busen verspürt die entwöhnende Mutter gewöhnlich ein Prikkeln, ein Jukken. Bemerkte man indessen doch hier und da Milchknoten in den Brüsten, oder daß die Milch stokte, so muß man die Zertheilung von jenen und den Ausfluß von dieser durch das öftere Einschmieren von warmer ungesalzener Butter befördern, so wie das nämliche (§. 54.) in dem Wochenbette zuweilen nothwendig wird. Durchaus schädlich ist das Zusammenschnüren und feste Binden des Busens für eine Mutter, welche ihr Kind entwöhnt. Alle sogenannte milchvertreibende Pflaster sind unnüz, viele schädlich, indem sie die freie Ausdünstung der Brust verhindern. Die meisten derselben bestehen aus Bleikalchen, und ihr Gebrauch ist deswegen an sich schon sehr bedenklich. Ich habe viele Mütter gekannt, welche bei dem Entwöhnen ihrer Kinder die Milch aus den Brüsten vertrieben, indem sie dieselben mit Hanf bedekten, andere indem sie geraspeltes Horn darauf streueten. Beide Mittel mögen in jeder Hinsicht unschuldig seyn. Lächerlich und abentheuerlich genug aber ist jenes, eine Guirlande von durchbohrtem Korkholz in Schwefelfaden gefaßt, oder lebendiges Queksilber in einem Federkiel als Amulet, auf dem Busen zu tragen, in der Absicht, die Milch zu vertreiben.

VI.

Entzündung und Eiterung der Brüste.

§. 56.

Ursachen und Verhütung der Entzündung.

Wenn der Zufluß der Milch nach den Brüsten immer unterhalten wird, ohne daß damit der Ausfluß derselben in dem richtigen Verhältniß steht, so bilden sich Stokkungen und Milchknoten. Das Übel, wovon hier die Rede ist, kann durch eine verkehrte und schlechte, oder im Anfange versäumte Kur sehr bös und hartnäkkig werden. Um so mehr sollten unsere Wöchnerinnen Vorurtheile vergessen, Pfuscher und Quaksalbereien vermeiden, und frühzeitig genug bei dem Arzte Hilfe suchen. Zu Stokkungen in den Milchgefäßen der Brüste werden unsere Frauenzimmer durch hysterische Anlage, Luxus, sizzende Lebensart, schlechte Diät, fortdauernden Einfluß der ehemals getragenen Schnürbrüste, und Untauglichkeit der Warzen zu dem Stillen, besonders disponirt. Zuweilen nach einem unmäßigen Verhalten, nach einer Verkältung, heftigen Gemüthsleidenschaften, nach einer schlecht betriebenen oder ganz unterlassenen Säugung, überfallen dergleichen Entzündungsgeschwülste die Wöchnerinnen plözlich. Es fließt dabei wenig oder gar keine Milch aus den Warzen, und die Achseldrüsen von dieser Seite sind mehr oder weniger angeschwollen und schmerzhaft. Sind diese Knoten eben erst entstanden und von keiner beträchtlichen Größe; so können sie oft noch zertheilt werden, indem man Baumwolle, welche vorher mit Kampfer bestrichen und bestäubt worden, auf die Brüste legt. Statt dessen kann man auch fein gestoßenen weißen Zukker nehmen, ihn auf Kohlen streuen und den Rauch mit ausgekämmter, ausgebreiteter Baumwolle auffangen, und damit die Brüste bedekken. Vor allen diesen, und den in der Folge anzugebenden Mitteln ist es nothwendig, den kranken Theil des Busens in einem Tragebeutel ruhen zu lassen: man hängt nämlich die Brust in ein Handtuch oder in eine Serviette, welche in dem Nakken befestigt wird, so daß sie ihrer eignen Schwere nicht überlassen bleibt. Der Milch muß nebenbei ein Ausweg geschafft werden, durch die aus dem oben Gesagten hinlänglich bekannten Mittel, aber auf eine langsame und ganz gelinde Art. Besonders nöthig ist diese Vorsicht bei zarten, reizbaren Subjekten; da muß man sich mehr auf die erweichende Methode verlassen, als auf die unbedingte Anwendung der Zuggläser. Es muß dieses, wie gesagt, ganz gelinde geschehen, wenn es nuzzen, und sonst nicht vielmehr Stokkung und Spannung vermehren, folglich schaden soll. Unter gewissen Umständen sind nicht selten die mit troknen aromatischen Kräutern gefüllten und durchnäheten Säkchen mit gutem Erfolg zu der Heilung angewandt worden. Oft entsprechen schon zu Anfange der Entzündung einem sichern Heilplane die erweichenden Kataplasmen (§. 60.), welche nicht zu schwer und besser ziemlich trokken als zu naß aufgelegt werden. Die Milch wird unter dem Gebrauch derselben insgemein zu dem Ausfließen gebracht, und sie befördern, unter bedingten Umständen, eben so gut die Zertheilung als unter andern Verhältnissen die Eiterung der kranken Stelle.

§. 57.

Heilmittel bei der Entzündung in geringerem Grade.

Eines der besten Mittel zur Zertheilung von hartnäkkigen und beträchtlichen Stokkungen in den Brüsten ist der Gebrauch der erweichenden Dampfbäder. Hollunder- und Kamillenblüthen werden mit heißem Wasser aufgegossen und gekocht. Davon läßt man den Dampf, welcher während dem Kochen aufsteigt, unter einem flanellenen Lappen an die kranke Brust ziehen. Diese Operazion muß, wenn sie helfen soll, täglich einigemal wiederholt werden. Die nämliche zertheilende Eigenschaft hat der Dampf von dem Weinessig auf heiße Steine gegossen. Es ist bei dieser Lage der Dinge selten nothwendig, die Pazienten an eine strenge Diät zu erinnern; der Appetit ist in diesen, so wie in allen ähnlichen Krankheiten, ohnehin dasjenige, was die Pazienten am wenigsten plagt. Auch muß deshalb die Kranke nicht ein für allemal an eine strenge vegetabilische Diät gebunden werden. Damit die Ausdünstung gehörig vor sich gehen könne, so sorge man für einen immer gleichen Grad von Wärme in dem Wochenzimmer. Hat die Pazientin andauernde Leibesverstopfung, so sezt man ihr ein erweichendes Klystier. Ist das Fieber heftig, die Geschwulst, Röthe und der Schmerz der Brust beträchtlich, so ist es rathsam, die Pazientin mitunter einige Dosen Salpeter zu acht bis zehn Granen mit Zukker und Wasser, oder sonst in einem angemessenen Vehikel nehmen zu lassen. Nebst dem kann ein höherer Grad der Entzündung und des Fiebers auch eine oder die andere Aderlässe nothwendig machen.

Es würden wohl seltener Abszesse in den Brüsten vorkommen, wenn der Gebrauch der Werkzeuge, die stokkende Milch auszuleeren, nie versäumt würde. Es sollte jede Hebamme die dazu erforderlichen Instrumente besizzen und anzuwenden wissen. CONRADI hob die hartnäkkigsten Stokkungen und Entzündungen in den Brüsten durch einen fleißigen Gebrauch der Sauggläser und der erweichenden Überschläge. Am sichersten erreichte er seinen Zwek, wenn er unmittelbar auf die Brust eine erwärmte Auflösung des Weinsteinsalzes oder des Salmiaks mit Opium in dünnen Kompressen und darüber die Kataplasmen von Leinsaamen legte. Um das Wundwerden der Warzen zu verhüten, läßt man diese von den Kompressen unbedekt, bestreicht sie mit Branntwein und legt kleine Warzendekkel darauf. Man weiß, wie wirksam die Brechmittel zu der Beförderung der Verrichtungen der lymphatischen Gefäße sind, um dadurch die entferntesten Stokkungen aufzulösen; sie zertheilen daher oft auch sehr geschwind die frisch entstandenen Milchknoten.

§. 58.

Höherer Entzündungsgrad.

Wären aber die Brüste sehr stark geschwollen, roth, heiß und sehr schmerzhaft, also heftig entzündet, und hätten alle oben angegebenen Mittel, kühlende und eröffnende Arzneien, säuerliche Getränke, erweichende Klystiere, selbst Aderlässe, diese Erscheinungen nicht verhütet oder gebessert; so muß man doch noch immer für die Zertheilung der äußerlichen Entzündung besorgt seyn. Man bedekt in dieser Absicht die Brüste mit lauwarmen Umschlägen, welche auf folgende Art bereitet werden. Man kocht nämlich Salbei, Melissenkraut und Wolverleiblüthen von jedem eine kleine Handvoll in einer Maaß Wasser ab, und taucht, nachdem es durchgeseiht worden, feine flanellene Tücher hinein, und legt sie, die Gegend der Warze ausgenommen, über den ganzen Umfang der entzündeten Brust. Sie dürfen aber nicht zu heiß aufgelegt, und müssen oft erneuert werden. Man sezt sie so lange fort, bis daß die Röthe, Geschwulst und die Schmerzen in dem leidenden Theile aufhören, welches in den meisten Fällen bald geschieht, und dann muß der Milchausfluß durch das Anlegen eines oder mehrerer Kinder oder durch die Saugmaschine befördert werden. Jene Überschläge erfordern indessen in ihrer Anwendung eine große Genauigkeit; man kommt daher leichter zu dem Ziele, wenn man den aromatischen Kräuterabsud in eine Schweinsblase füllt, diese zubindet, und lauwarm der Pazientin über die leidende Brust legt. Daß eine zu große Nässe auf der Haut dadurch noch verhütet wird, dieses kann auch in einzelnen Fällen Vortheil bringen.

§. 59.

Eiterung.

Nähmen aber in dem Gegentheil die Zufälle zu, wäre die Hizze in dem Körper stärker, der gelassene Urin sehr roth, die Haut trokken, würde der Schmerz noch heftiger, klopfend, die Geschwulst größer, härter, dunkelroth, empfände die Kranke ein Frösteln oder Überlauf; dann ist es wahrscheinlich, daß die Entzündung sich nicht zertheilen, sondern in Eiterung übergehen werde. Die Schmerzen ziehen sich gleichsam auf einige Punkte zusammen, sie sind schneidend und wie durchfahrend; es zeigen sich hier und da eine und die andere Stelle an der Brust glänzender, weicher und erhabener als der übrige Umfang. Wenn mehrere oder alle diese Umstände in dem gehörigen Grade vorhanden sind; so ist das Aufbrechen des kranken Theils nicht mehr zu vermeiden, und die Periode der Eiterung ist schon eingetreten. Freilich wäre dieses ein schlimmer Ausgang; er würde aber gewiß, wenn man die oben angegebenen Verhaltungsregeln genau befolgte, fast immer verhütet werden; nur selten möchte wohl das Übel so hartnäkkig seyn.

§. 60.

Breiumschläge.