Part 4
Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit meine Leserinnen überhaupt vor dem Tragen dieser Panzer zu warnen. Ihr Einfluß auf den Wachsthum und die Bildung des Körpers ist nichts weniger als Schönheit, im Gegentheil eine wahre Verunstaltung. Die im natürlichen Zustande oben enge und unten weitere Brusthöhle wird durch sie unten und im ganzen Umfange verengert, oben auf eine Seite verschoben. Die Folge davon ist der sogenannte hohe Rükken. In der Schwangerschaft macht der sich ausdehnende und von der Gebärmutter beengte Leib eine weite Brusthöhle nothwendig, um die hinaufgetriebenen Eingeweide aufnehmen zu können. Warum wendet man denn alle mögliche Kunst an, sie vorher zu verengern? Die Wirkung der Schnürbrüste auf den weiblichen Brustkörper ist unvermeidlich die, daß die weichen Theile unter der Brusthöhle zusammengezogen und die im Unterleibe befindlichen Eingeweide hinaufgeschoben werden; daß die untern wahren Rippen ebenfalls gegen einander hinaufgeschoben werden, daß die rechten den linken näher kommen; daß die Brustbeine sodann in die Höhe steigen, schief oder gekrümmt werden, und daß endlich auch, bei fortdauernder Zusammenschnürung die untern wahren Rippen mit ihrem Brustende dem Wirbelende näher kommen. Mithin wird die Brusthöhle nach allen Seiten zu verengert, und die Wirbelsäule gekrümmt. Dabei giebt dann jene Brusthälfte am meisten nach, welche am schwächsten ist; sie wird am meisten ausgedehnt, und es entsteht endlich hier eine hohe Schulter. Die Lungen, der Magen und viele andere Unterleibseingeweide werden zusammengepreßt, der Kreislauf des Blutes wird in ihnen gestört und unregelmäßig gemacht. Daraus allein sind oft die unangenehmsten Zufälle und die schmerzhaftesten Krankheiten abzuleiten. Es giebt kein Frauenzimmer, welches durch Schnüren, folglich durch die Kunst, und nicht durch die Natur eine wie man es nannte, feine Taille erhalten hat; bei näherer Untersuchung findet man immer eine hohe Schulter, hohe Hüfte, oder schiefe eingedrükte Rippen oder wenigstens einen schiefen S förmigen Rükgrath. Die angesehensten holländischen Ärzte behaupten, daß in ihrem Lande, wegen der Schnürbrüste, unter tausend vornehmen Frauenzimmern nicht ein einziges gehörig gerade sey. Nachtheilig sind ebenfalls alle andere Moden, welche man an die Stelle der Schnürbrüste sezte, und die unter dem Namen des englischen Kreuzes, der Korsetten u. s. w. vorkommen, weil sie den Körper mehr oder weniger zusammenschnüren. Wer auf Knaben Acht gegeben hat, wie sie ohne alle Kunst gerader aufwachsen, als je ein geschnürtes Mädchen, an dessen Form man künstelte, bedarf keines Beweises, daß wenn das Korsett wirkt, es nur nachtheilig für den Körper wirkt, weil er es nicht braucht. Eine andere Wirkung der Schnürbrüste ist, daß Kinder, auch ältere Personen, welche stark und mehrere Jahre lang geschnürt worden sind, endlich ohne Schnüren nicht mehr bequem aufrecht stehen oder sich bewegen können, sondern, wie man sehr richtig sagt, zusammenfallen. Wenn sich daher Frauenzimmer zu sehr an die Schnürbrüste gewöhnt haben, so müssen sie dieselben nicht gleich bei der Schwangerschaft wegwerfen, sondern mäßig fortbrauchen, und ihrer nur allmählig sich entwöhnen, da die schnelle gänzliche Abwechselung einer andern unbedeutenden Gewohnheit dem Körper oft nachtheilig wird.
§. 38.
Vorzüge der modernen Kleidertracht.
Endlich muß ich nur mit ein Paar Worten noch der Kleidertracht unserer Frauenzimmer im Allgemeinen und des Einflusses derselben auf ihr körperliches Wohl gedenken. Lange schon war es der Wunsch vernünftiger Ärzte, die Damen möchten sich doch im Ganzen weniger steif und bequemer kleiden. Jezt scheint es, Dank sey es dem Genius der Mode, dahin gediehen zu seyn. Für unser Jahrzehend mag also wohl jene Warnung in Betreff der Schnürbrüste zu spät kommen. Man erinnere sich nur an den ehemaligen steifen gezwungenen Staat, in welchen man die Frauenzimmer pfropfte, an die angespannten hohen Frisuren, an die Kleider mit langer widerspenstiger Taille, mit schmalen Falten, so platt wie ein Lineal auf den Rükken geheftet, an die weiten Fischbeinrökke, Poschen und Polstern. Wie schön sticht dagegen der jezt herrschende griechische Geschmak ab, welcher die weibliche Welt mit freierer Zierde beseelt! Das Haar ist von seinen Fesseln gelößt, der Wuchs ist von allem neidischen Zwang frei gemacht. Und in Hinsicht auf die Gesundheit ließe sich den Frauenzimmern kein besseres Kostüme wünschen, als das, welches jezt die Mode fast allgemein befiehlt. Die kleine Last dieser Kleidergattung ruht immer auf den Schultern, und so wird der Körper auf keine Weise durch sie gedrükt oder beschwert. Die Hüften, das Bekken, dieser so bedeutende Theil der künftigen Mutter, wird nicht mehr durch die Menge und Schwere der Rökke in seiner freien Ausbildung gestört. Sähe man denn ferner auf die Schönheit, welche durch diesen oder jenen Anzug erhöhet wird, ein Umstand, den freilich auch unsere besten Weiber in Betrachtung ziehen; so ist es gar keinem Zweifel unterworfen, daß man sich in jener Kleidung wirklich sehr zu seinem Vortheil auszeichnet. Einem jeden Frauenzimmer, sagt eine beliebte Schriftstellerin, ist es nun vergönnt, da der Zwang in der Mode aufgehoben worden, und eine reizende Nachläßigkeit an dessen Stelle gekommen ist, die tausendfältig zerstreuten weiblichen Reize in ein näheres Licht zu sezzen. Wie zeigt die lange Chemise die Umrisse der Schönheit so sanft verhüllt, so wahr und doch so bescheiden; wie freundlich, majestätisch fliessen die Falten des Roks bis an die Erde herab, und machen das Auge begierig, den artigen Fuß zu sehen, den sie bescheiden verhüllen!
§. 39.
Möglicher Mißbrauch der neuen Mode.
Wie glüklich sind daher unsere Frauenzimmer in der kultivirten Klasse von Bürgern bei der neuen Mode, vermöge welcher sie wieder die schöne Gestalt annehmen, die wir an den griechischen Statuen bewundern! Doch muß man auch hierinnen nicht zu weit gehen, und die kurze Taille nicht übertreiben. Unsere galanten Damen binden ihre Rökke nicht selten so hoch, daß die Brüste dadurch queer durchschnitten und in zwei Provinzen getheilt werden. Wie nachtheilig ein solches Verfahren der Gesundheit seyn müsse, darf wohl nicht erst erwiesen werden. Daß es nebenbei das Frauenzimmer entstelle, wird jeder Mann von Geschmak bestätigen. Wäre es nicht am besten, wenn die Taille ein paar Zoll unter den Brüsten anfienge?
Ein Kranz von goldenen Amaranten, Der frei auf braunen Lokken schwebt, Ein Kleid von Musselin, besezt mit feinen Kanten, Dem hier und da ein Röschen eingewebt, Ein Gürtel, der des Busens Fülle hebt, War all’ ihr Schmuk, denn Schnürbrust und Buffanten Von Wallfischbein, sind keine Mädchentracht, Die hat ein Zwerg und Krüppel nur erdacht.
AHDIM von SCHWARZ.
IV.
Sorgfalt für die Brüste, während der Schwangerschaft.
§. 40.
Erscheinungen an den Brüsten zu dieser Zeit.
Schon oben (§. 11.) erwähnte ich des genauen Zusammenhangs, in welchem die Gebärmutter mit den Brüsten steht. An allen Veränderungen, welche in jener vorgehen, nehmen diese mehr oder weniger Antheil. Der Eintritt der monatlichen Reinigung bei Frauenzimmern, ist fast immer mit einem kleinen Schmerz in den Brüsten verbunden. Die beste Gelegenheit aber, uns hiervon zu überzeugen, ist in der Schwangerschaft. Einige Wochen nach der Empfängniß schwellen die Brüste nach und nach an, werden fester und geben dem Druk weniger nach. Man bemerkt ein Spannen oder Stechen darinnen, woraus bisweilen eine wiewohl sehr geringe Beengung des Athems entsteht. Die Knötchen um die Warze herum werden hart und erheben sich. Es fließt bei einem kleinen Druk manchmal schon in den ersten Monaten der Schwangerschaft, öfter aber doch später hin gegen das Ende derselben eine weiße Feuchtigkeit aus den Brüsten. Dieses ist in Hinsicht auf das künftige Stillen ein gutes Zeichen. Es wird dadurch erleichtert, die absondernden Gefäße der Drüse werden freier. Um die weiblichen Brüste zu ihrer Bestimmung, der Milchabsonderung, welche gleich nach der Entbindung eintritt, und wozu ein vermehrter Trieb des Bluts nach diesen Theilen erfordert wird, fähiger zu machen, empfehle ich Ihnen dringend in den lezten Wochen der Schwangerschaft das Auflegen erwärmter Tücher auf diese Theile; nur muß man darauf sehen, daß sie beständig und unausgesezt warm gehalten werden. Entsteht die Frage, ob eine Person schwanger sey oder nicht, welches zu entscheiden eben nicht selten seine großen Schwierigkeiten hat, so berüksichtigen die Geburtshelfer vorzüglich dabei die hier genannten Erscheinungen an dem weiblichen Busen.
§. 41.
Vorbereitungen der Warzen zum Stillen.
Außerdem was überhaupt von der Sorgfalt für die Brüste gesagt worden ist, hat eine Schwangere noch besonders auf die Warzen zu sehen. Sie müssen erhaben und hart genug seyn, um auf keine Weise nach der Geburt Hindernisse im Saugen zu machen. Damit die Warzen, welche zu klein sind, verlängert werden, so muß man sie öfters mit den Fingern reiben und anziehen, und durch Wärterinnen oder Kammerfrauen daran saugen lassen. Es ist schon öfters in dem Verlauf dieser Schrift von dieser Angelegenheit die Rede gewesen, und ihrer großen Wichtigkeit wegen, muß ich hier auf das neue darauf aufmerksam machen. Man nennt dieses Geschäfte, wobei man die Brauchbarkeit der Warzen, welche das Kind mittelbar ernähren sollen, die Warzen formiren.
§. 42.
Warzenhüte.
Oft erreicht man seinen Zwek durch die sogenannten Warzenhüte, kleine wie ein runder Hut geformte Maschinen, welche man aus Buchsbaum, oder Ebenholz, aus Elfenbein oder Blei verfertigt. Diese alle aber sind zu hart, und machen durch den Druk mancherlei Beschwerden. Die leztern sind sogar gefährlich, indem die sauer gewordene Milch das Metall angreifen und viel Unheil stiften kann. Man bedient sich noch anderer, welche aus Jungfernwachs bestehen; sie haben aber den Nachtheil, daß sie durch die Wärme der Brust erweicht werden, und nachgeben. In Frankreich hat man dieselben aus feinem, nicht durchlöcherten Pantoffelholz bereitet. Diese Warzenhüte sind ohnstreitig in jeder Rüksicht die vorzüglichsten. Mit Hülfe einer seidenen Schnur um den Hals werden sie befestigt. Man muß sie einige Monate vor der Niederkunft beständig liegen lassen. Die ausgehöhlten Muskatennüsse, welche in manchen Städten zum Herausziehen der Warzen üblich sind, verdienen keineswegs empfohlen zu werden, weil durch das Öl der Nuß die Haut zu weich, zu mürbe, und nachher bei dem Saugen leicht wund wird. Die Warzen können, wie gesagt, nicht besser zu ihrem nachher zu leistenden Dienste vorbereitet werden, als durch das Tragen der Warzenhüte. Neuerdings lernte ich eine andere Art von Warzenhütchen kennen, welche mir auch gute Dienste thaten. Sie bestehen aus Gypserde, sind rund, zylindrisch, und nur so viel durchbohrt, daß eben die Warzen hineinpassen. Vor dem Auflegen werden sie in Branntwein getaucht, und wenn dieses öfter, täglich beinahe, wiederholt wird, so bekommen die Warzen endlich jene Festigkeit und Dauer, welche sie vor dem Wundwerden in dem Wochenbette schüzt.
§. 43.
Ringe von Federharz.
Eingedrükte Warzen können ferner durch irdene Tabakspfeifen, durch besondere Saugwerkzeuge, wie die +Stein’sche+ Brustpumpe ist, oder durch Ringe von Federharz hervorgezogen werden. Die leztern beschreibe ich hier nach ihrem Erfinder, dem Herrn Professor OSIANDER in Göttingen. Man wählt eine gewöhnliche Federharzflasche, so wie man sie bei den Materialisten zu kaufen bekömmt, und schneidet solche in Streifen von der Länge und Breite eines Zolls. In der Mitte eines jeden Stüks schlägt man mittelst eines Werkzeugs, welches die Sattler zum Durchschlagen runder Öffnungen in das Leder gebrauchen, ein Loch von ohngefähr drei Linien im Durchmesser. In einige macht man eine weitere, in andere eine engere Öffnung, je nachdem man sie alsdann für die Größe der Warzen, und nach Beschaffenheit der Dehnbarkeit des Harzes nöthig hat. Ein solch durchlöchertes Stük erwärmt man, faßt es an beiden Enden, und zieht es langsam auseinander, so weit es sich ohne einzureißen thun läßt. Will man nun verhüten, daß sich eine ausgezogene Hohlwarze, oder eine von Natur zu kurze Warze, nachdem sie hervorgezogen worden, nicht wieder zurükziehe; so bringt man einen solchen stark ausgedehnten Ring über dieselbe, und läßt ihn dicht an der Brust zusammenlaufen, so verhindert er das Zurükgehen derselben. Der Ring darf aber nicht so fest schließen, sonst schwillt die Warze zu sehr an und schmerzt; er darf aber auch nicht zu weit seyn, sonst zieht sich die Warze zurük und der Ring fällt ab. Man muß daher immer mehrere von verschiedener Weite in Vorrath haben, um den dienlichsten daraus wählen zu können.
§. 44.
Abhärtung der Warzen.
Durchgesogene Warzen machen der Mutter, so oft sich ihr der Säugling nähert, die unausstehlichsten Schmerzen, und werden nicht selten die Ursache, daß das Kind entwöhnt werden muß. Es verlohnt sich also wohl der Mühe, daß man dieses zu verhüten suche. Alle Mittel, die man in der Absicht vorgeschlagen hat, sind solche, welche zusammenziehen und die Haut hart machen. Es giebt ihrer eine große Menge, und es wäre viel zu weitläuftig, sie alle hererzählen zu wollen. Das beste, und welches ich aus vielfältiger Erfahrung kenne, ist Franzbranntwein oder Arak. Hiermit müssen die Warzen mehrere Wochen lang vor der Entbindung, des Tages etlichemal bestrichen werden; man läßt ihn etwas einziehen, und troknet es nachher mit einem feinen Tuch ab. Zuweilen reicht es hin, sie blos mit kaltem Wasser, welches mit Weingeist, Lavendel- oder köllnischem Wasser vermischt ist, zu betupfen. Die Engländerinnen haben eine eigne Methode, die schwammichten Warzen vor dem Wundwerden zu verwahren. Sie nehmen ein Stük Brod, brennen darein mit dem glühenden Feuerstörer beim Kamin ein Loch, so daß die Warze hineinpaßt, und befeuchten es dann oft mit rothem Wein.
§. 45.
Krankhafter Zufluß der Milch nach den Brüsten.
Es giebt Fälle, wo schon in der Schwangerschaft der Zufluß des Bluts nach den Brüsten zu stark wird, und daher zu häufige Milchabsonderung, fieberhafte Bewegungen, Beängstigungen und Schmerzen entstehen. Die Ursache davon sind Vollblütigkeit, gestörte Verdauung, angehäufte Unreinigkeiten in dem Magen und den Gedärmen, Würmer, u. dgl. m. Solche Kranke müssen daher eine leichtverdauliche, nicht allzunährende Diät führen, mehr Gemüse als Fleischspeisen, viel verdünnende Getränke genießen, sich öftere, nicht anstrengende, Bewegungen machen, und für die Unterhaltung der Leibesöffnung durch gelind abführende Arzeneien, Weinsteinlimonade u. dgl. besorgt seyn.
Herr Hofrath JÖRDENS zu Stadt am Hof sah eine Hirtin von sechs und zwanzig Jahren, bleicher Gesichtsfarbe, gesundem, starkem Körperbau und phlegmatischem Temperament. Ihre Brüste waren schon in ledigem Zustande ziemlich stark. In ihrer dritten Schwangerschaft schwollen sie mit dem Ausbleiben des Monatlichen zusehends. Sie ragten weit über den Unterleib hervor, so daß man der Frau ihre Schwangerschaft nicht ansah. Wenn sie saß, so lagen sie völlig auf den Schenkeln und bedekten sie zur Hälfte. Vom Druk der Arme auf den Theil derselben, welcher sich unter den Achseln nach hinten zog, hatte die rechte Brust eine tiefe Furche, die linke außer derselben einen besondern birnförmigen, ziemlich großen Anhang, der unter der Achsel gegen den Rükken zu völlig hervortrat. Ihre Farbe war gelb-röthlich, spekkigt, mit Schweis bedekt. Auf den Druk mit dem Finger behielten sie eine Zeit lang Gruben, und alle Falten des Hemdes bildeten sich darauf ab. In der Ruhe hatte sie keine Schmerzen, wohl aber bei dem Husten und bei der Bewegung der Arme einige Engbrüstigkeit. Ihr erstes Kind konnte sie wegen Warzenmangel nicht säugen, ihr zweites Kind starb gleich nach der Geburt, und das dritte Kind kam acht Wochen zu früh und war todt, vielleicht von dem Druk der Brüste auf den Unterleib. Nach dem Milchfieber trat Milch ein. Zertheilende Umschläge und das Ausdrükken hob die schmerzhafte Spannung. Drei Wochen nachher hatten die Brüste die Hälfte ihrer vorigen Größe, nach fünf Wochen waren sie völlig gesunken, runzelicht und schlaff.
§. 46.
Wundwerden der Brüste.
In der unter einer großen herabhängenden Brust gebildeten Falte wird manchmal die Haut roth, wund und schmerzhaft. Für manche, besonders fette Frauenzimmer, ist dieses eine große Beschwerde. Oft ist eine im Körper herumirrende spezifische Schärfe daran Schuld; ein andermal wird dieses Übel durch scharfen Schweis, oder durch Krazzen, wozu Mädchen bei angehender Mannbarkeit, oder in der ersten Schwangerschaft von einem beständigen Jukken aufgefordert werden, oder durch die aus den Korsetten hervorstehenden Fischbeine veranlaßt. Nach der Entfernung der verschiedenen Ursachen besteht die Hülfe dagegen darin, daß man die wunden Stellen mit frisch bereitetem Kalchwasser oder Goulardischem Wasser einigemal täglich wascht, und dann trokken gezupfte Leinwand auflegt, um das Reiben zu verhüten. Die hier etwa schon gebildeten eiternden Stellen auf der Haut können leicht mit Bleisalbe geheilt werden.
§. 47.
Ausschlag an den Brüsten.
Es ereignet sich zuweilen, daß die Brüste mit einem Kräzze-, Flechten- oder venerischen Ausschlag befallen werden. Dann muß man sich bei dem Arzte Raths erholen. Blattern entstehen zuweilen einzeln an den Brüsten, wenn Mütter oder Ammen ihre blatterkranken Säuglinge an die Brust legen. Doch betreffen sie fast immer blos die Haut, bleiben örtlich, und machen keine große Beschwerde. Ich selbst sah in einer bösen Blatterepidemie, welche wir hier in Frankfurt hatten (im Herbst 1796) eine bessere Mutter, welche der Liebe zu ihrem Kinde alles aufzuopfern fähig war, daran leiden. Sie legte ihren schwer erkrankten Säugling an die Brust, und bekam bald darauf eben solche schwarze Blattern, wie das Kind sie gehabt hatte, an beide Brüste. Sie eiterten tief, mußten aufgeschnitten werden, und nahmen nur langsam Heilung an. Säuglinge, welche an Schwämmchen im Munde leiden, theilen diese Geschwürchen leicht den Warzen der Mutterbrust mit, und man hat alsdann dieselben örtlichen Heilmittel anzuwenden, welche gewöhnlich gegen jene gerichtet werden. Wenn in dem Wochenbette bei einem zu starken Andrang von Milch die Umstände es nöthig machen sollten, sie durch eine Hebamme oder Wärterinn aussaugen zu lassen, welche Personen sich an vielen Orten eigends diesem Geschäfte unterziehen, so sey man vorsichtig in der Wahl dieser Subjekte. HEINEKEN in Bremen erzählt ein Beispiel, wo mehreren Frauenzimmern von einer venerischen Aussaugerin das Gift mitgetheilt wurde. Einige bekamen Geschwüre an den Brüsten, andern aber wurde die Krankheit ohne diese Lokalaffekzion mitgetheilt, und zeigte sich in Geschwüren im Halse, Ausschlag und andern Symptomen. Alle diese Übel waren so hartnäkkig und langwierig, wie man es höchst selten nach der gewöhnlichen Anstekkungsart antrifft; die mehresten, welche nachher schwanger wurden, kamen entweder frühzeitig nieder, oder gebahren todte Kinder, welche unverkennbare Spuren des Übels an sich trugen. Einige Kinder kamen zwar lebendig zur Welt, bei vielen derselben bemerkte man aber schon bald nach der Geburt venerische Zufälle, von welchen sie das Opfer wurden.
V.
Die Brüste nach der Entbindung.
§. 48.
Eintritt der Milch in die Brüste.
Die wichtigste Veränderung, welche mit den weiblichen Brüsten vorgeht, ist der Eintritt der Milch in dieselben. Dieser Zeitpunkt fällt in die ersten, gemeiniglich den dritten Tag nach der Entbindung, und ist immer mit einem Fieber, dem sogenannten Milchschauer, begleitet, welches nach Beschaffenheit der Umstände stärker oder geringer, von längerer oder kürzerer Dauer ist. Der Zug des milchartigen Stoffes nach den Brüsten wird durch den Fieberfrost bestimmt, der sich nach der Menge, nach der guten Beschaffenheit jener Flüssigkeit, und nach dem übrigen Zustand der Gesundheit verhält, bald schwach, bald stark ist, bald früher, bald später erscheint, und bald den Anfang eines leicht vorübergehenden Fiebers, bald eine sehr hizzige, gefährliche, bald eine langwierige Krankheit ist. In der Regel ist also dieser Milchfrost und ein leichtes Milchfieber das gehörige Mittel der Milchbereitung, und so wie er vorüber ist, so sagt man, die Milch ist eingetreten. Hart und angestopft werden nun die Brüste, sie strozzen von Milch und nun kizzelt das Kind wollüstig mit seinen Lippen die höchst empfindliche Warze, lispelnd drükt es dieselbe gelinde, steif und schwellend verbreitet die Warze dieses behagliche Gefühl in der ganzen Brust, die Nerven derselben werden in den thätigsten Zustand versezt, und die Ab- und Aussonderung geht zum unendlichen Vergnügen der Mutter richtig von statten. Wenn die ganze Säftemasse des Weibes hierzu vorbereitet ist, wenn von der Natur zum Wohl des Kindes und der Mutter diese Absezzung in den Busen so dringend veranstaltet wird, wenn man die Masse und das Quantum des Milchstoffs im Körper eines wohlgenährten Weibes gleich nach der Geburt betrachtet, und sich in der Lage findet, wo man diesem großen Zwek widerstrebt, -- nicht säugt, und anstatt die Milchsekrezion zu befördern, dieselbe geflissentlich unterdrükt; so soll man wahrlich sich nicht wundern, wenn dadurch so großes Unheil entsteht. Und wie oft finden sich die Ärzte unserer Zeiten nicht in diesem Falle!
§. 49.
Milchfieber. Anlegen des Kindes.
Das Milchfieber fängt, wie gesagt, mit einem Froste oder leichtem Schauder an, dann folgt Hizze, Unruhe, beschleunigter Puls, etwas beengter Athem, Kopfweh, Durst. Die Kranke empfindet einen stechenden Schmerz in den Brüsten, und durch die Ausdehnung derselben ein Spannen unter den Armen von den Schultern her. Nach Mitternacht läßt alles dieses nach, indem ein häufiger, säuerlich riechender Schweis, welcher über den ganzen Körper gleichmäßig ausgebreitet seyn soll, zum Vorschein kommt. Zuweilen zeigen sich diese Zufälle den andern oder den dritten Tag gegen Abend noch einmal, aber nicht in dem Grade. Indessen erheben sich die Warzen, werden steif, geben einige Feuchtigkeit, und ihr Hof bekommt eine dunklere Farbe. Man fühlt einige ungleiche Geschwülste in den Brüsten, sie fangen an zu schmerzen, zu prikkeln, zu spannen, sich auszudehnen, bis sie endlich ganz mit Milch ausgefüllt sind. Hart wie kleine Knäule von Schnüren fühlen sich dann die vollen verschlungenen Milchgefäße an. Je weniger die Brust Fett hat, je welker sie ist, desto deutlicher fühlt man die Gefäße. Dieses ist der gewöhnliche Vorgang der Natur, so wie er in den Gesezzen derselben gegründet ist. Er ist ganz gefahrlos, wenn nicht zufällige Umstände dazwischen kommen, und erfordert weiter keine besondere Hülfe von Seiten des Arztes.
Man suche nur den Zufluß der Milch nach den Brüsten zu befördern, und dieses bewirkt man am besten durch das frühzeitige Anlegen des Kindes. Ich kann Ihnen dieses nicht genug empfehlen. Sobald als die Mutter sich von der Entbindung erholt hat, oder längstens zwölf Stunden darnach muß es geschehen, und dann trinkt das Kind die Milch allmählig hinweg, oder es leitet sie gleichsam in den Busen und befördert so fort durch wiederholten angenehmen Reiz der Säugung in der Folge immer in gehörigem Maaße einen gelinden Zufluß und Ausgang von Milchstoff, so daß desselben nie zu viel oder zu wenig in den Brüsten wird, und also daher weder Spannung noch Schmerz, weder Fieber noch Krankheit entstehen. Unter diesen Verhältnissen ist selbst das Milchfieber eine kaum bemerkbare Erscheinung. In jenen Gegenden, wie in der Lausiz, wo, nach öffentlichen Nachrichten (aus der +medizinischen Nazionalzeitung+) gewohnheitsmäßig die Mutter das Kind nicht eher an die Brust legen darf, als bis es getauft ist, rächt sich die Natur für dieses abergläubische Vorurtheil auffallend genug an der Mutter.
§. 50.
Verhalten im Wochenbette.