Part 3
Alle die über Schönheit dachten, sie studierten und nachbildeten, alle Künstler des Alterthums, gebildete Griechen und Römer, und unsere neuen Künstler haben an ihren Kunstwerken die weibliche Brust nur in mäßiger Größe angebracht. Diese Mäßigkeit im Umfang scheint zu dem bescheidenen Schmuk und zu dem Erforderniß der Schaamhaftigkeit zu gehören; und sie stimmen fast alle auch darin überein, daß eine übermäßige Fülle dieses Schmuks der Proporzion schade, und nichts weniger als schön sey. Schön ist nur der Busen, welcher in gemäßigter, sanfter Fülle, in dem genauesten Verhältniß mit dem Körper steht; der alle seine Gefühle in seinen feinen Nerven gleichsam vereinigt, und reizbar jede hohe Empfindung des unter ihm schlagenden Herzens und jeden Grad der beschäftigten Sinnlichkeit, wie der Blik eines sprechenden Auges ausdrukt. Schön ist nur der zarte, sanfte weiße Busen, der unerschlafft und unabgestumpft von Kränklichkeit mit Jugendkraft schlägt, der sich unbefangen und schaamhaft verhüllt, und keusch und gesund die Hoffnung zu einer künftigen gesunden Mutter giebt. Die Huldgöttinnen thronen darauf. Anmuth und Liebe küssen sich hier. Wie auf dem Titelkupfer:
So stand sie da halb abgewandt, Und dekte mit der einen Hand Die holde Brust, die kaum zu dekken ist.
WIELAND.
§. 26.
Diätetik im Allgemeinen.
Die Brüste, aus denen in Zukunft das Kind eine gute Nahrung erhalten soll, müssen selbst gesund, dürfen weder zu groß noch zu klein seyn. Jene geben wegen dem schlaffen Bau selten eine gute Milch, oder auch wohl zu wenig, weil der Druk, welchen die Menge Fett auf die Drüse macht, die freie Absonderung hindert. Bei dieser sind die Ausführungsgänge verstopft, oder nicht weit genug, so daß oft, troz aller angewandten Mühe, kein Tropfen Milch zum Vorschein kommt. Die Mündungen der Gefäße müssen offen, nicht durch Ansammlung widernatürlicher Feuchtigkeiten verschlossen seyn. Auch muß die Warze zylindrisch, glatt, ohne Narben und Schwämmchen seyn, und die gehörige Größe haben. Die zu große macht dem Kinde eben sowohl Schwierigkeiten im Saugen als die zu kleine, zurükgezogene. Sie dürfen auch nicht zu weich, zu empfindlich seyn, sonst würden sie leicht aufgesogen. Hieraus entstehen unaufhörliche Schmerzen für die Säugende, Ermattung und Schwäche für den Säugling.
Oft wird schon zu dergleichen unangenehmen Zufällen für die künftige Mutter in der frühen Jugend durch mancherlei schädliche Dinge, welche leicht zu vermeiden gewesen wären, wie z. B. durch eine fehlerhafte Kleidung, der Grund gelegt. Im Allgemeinen muß die Lebensordnung in Hinsicht auf Speise und Trank, Schlafen und Wachen, Bewegung und Ruhe gut eingerichtet seyn. Es würde mich zu weit von meinem Plane abführen, wenn ich dieses alles hier genauer erörtern wollte. Einer jeden sorgsamen Hausmutter müssen ja gute diätetische Regeln, sey es aus Büchern, aus Erfahrung, oder von Ärzten belehrt, bekannt seyn. Nur auf einige Gegenstände möchte ich sie besonders aufmerksam machen. Es ist auch in Hinsicht auf die vortheilhaftere Ausbildung des Busens nicht gleichgültig, ob das Mädchen sich oft genug sorgenlos in freier Luft bewegt, oder nicht, von was für Nahrungsmitteln sie sich besonders nährt, ob diese leicht verdaulich und stärkend genug sind oder nicht. Erhizzende Getränke und zu sehr gewürzte Speisen haben einen entschiedenen Nachtheil für die Schönheit und die Dichtheit des Busens, wenn sie zu oft und zu stark genossen werden. Alles was die Nerven sehr angreift und anspannt, macht sie nachher auch desto schlaffer. Frauenzimmer, die gesund bleiben wollen, müssen sich eben deswegen auch vor Erhizzungen und großen Anstrengungen durch Laufen, Tanzen und zu lange fortgesezten Gesang sorgfältig hüten.
§. 27.
Unter allen Empfehlungen aus der Diätetik ist die zur Mäßigkeit die hauptsächlichste, und hier, was den Genuß und das Entbehren betrifft, wie überall, geht man am sichersten den Mittelweg.
Gleich Einsiedlern zu fasten, zu darben am reichen Naturmahl. Ist nicht der Göttin Befehl, nur Prassergerichte versagt sie. Mäßigkeit, unter’m Gefolg Hygieens die lieblichste Huldin, Sey Vorlegerin dir. Demeter besezze vor allen Dir mit dem Marke der Ähre den Tisch, mit Früchten Pomona, Pales mit nährender Milch, und, wenn die Gewalt der Gewohnheit Fordert des Fleisches Genuß, mit der Blüthe der röthlichen Herde Oder dem heurigen Spätling der Trifft. Dir nähret der Bergforst Zartes Gewild, den Fasan, das Haselhuhn und den Birkhahn. Daß zu kosten dir nimmer gelüste von jenem Gefieder, Welches im Schilfmeer nistet, die Wildniß oder den Sumpfteich Mit Schwimmfüßen durchrudert! Sein Fleisch zwar nennt der Prasser Schmackhaft; doch dich verleite sein Lob zum verbotenen Genuß nicht! Nur des Akkerer’s Hunger bezähmet die böotische Nahrung, Welche der Bataver preßt, und der Hirt in den Thalen der Alpen. Ceres Geschenk, zu festen, gequollenen Klumpen geründet Und in dem wallenden Kessel zum zähen Teiche verdichtet, Sey nur dem Fröhnling und Drescher ein willkommenes Gerichte. Nur die Kraft des Athleten verdaut die gesalzene Nahrung, Durch den Rauch des Herdes gehärtet im rußigten Schornstein. Feindlicher aber der Dauung und unheilbringender ist ihr Keinerlei Kost, als thierisches Fett und das Öl der Gesäme, Sammt dem schmeidigen Mark der dunkelgrünen Olive. Auch der Speisen Genuß, von Indiens feurigster Würze Duftend, verwehrt dem Siechen der Rath heilkundiger Männer. Nie belaste den Tisch der gallischen Küche Gemengsel! Nie, wenn selbst dir ein König sie rühmte, die scharfe Polenta! Fürchte den Brauch, das Mahl zu beschließen mit künstlichem Naschwerk, Das den befriedigten Gaumen anreizt zum lüsternen Hunger. Traun! ein Feind Hygieens erfand den heillosen Misch einst, Allzugeschikt durch Außengestalt die Näscher zu lokken, Daß er begieriger ihn zu seinem Verderben genießet. Doch zu bestimmen vermag selbst Päon der Nahrung Wahl nicht; Jenem behagt ein Genuß, der Andern in Gift sich verwandelt. Jeglicher sey sein eigner Berather, oder erkunde, Was ihm frommet, und was ein unergründlicher Abscheu Ihm zu kosten verbeut, den noch kein Weiser enträthselt. Rheinwein kröne das Mahl! Im goldenen Becher vermähl’ ihn Mit dem lautern Krystall des bluterfrischenden Heilquell’s. Während das flüssige Silber sich unter Geschäum und Gesprudel Rasch mit dem blinkenden Traubengold im Pokale vereinbart, Trinke den perlenden Trank, der alle Sinne begeistert.
NEUBECK.
§. 28.
Üble Haltung. Leidenschaften.
Durch einen plumpen Gang, durch eine üble Haltung des Körpers, indem man den Kopf nach vorne sinken läßt, die Brust zurükzieht, und den Bauch herausstrekt, steht der Busen in einem sehr übeln Lichte. Ein Anstand hingegen, bei welchem Frauenzimmer den Kopf gerade, und frei aus der Brust heraus tragen, der die Schultern zurük und die Brust also gehörig gerade richtet, ist gewiß schön, und einer guten Haltung eben sowohl als der Gesundheit angemessen.
Gram, Kummer und Sorgen haben den nachtheiligsten Einfluß auf die Blüthe des Mädchens. Wie oft hat nicht schon eine heiße, hauptsächlich durch übel gewählte Romanenlektüre veranlaßte Sehnsucht, gewisse Bedürfnisse im mannbaren Alter zu befriedigen, die Furcht eine alte Jungfer zu werden, betrogene Liebe u. dgl. die physische Schönheit erstikt, im Ganzen sowohl als in einzelnen Theilen untergraben! Wo Gram und Kummer in der Seele herrschen, da ist, wenn sie den Körper sehr angreifen, nie ein fester, gesunder Busen. Nichts bleicht früher die Wange, nichts erschlafft geschwinder den Busen als heimliche, verschwiegene Liebe. Was kann daher zur Erhaltung und Bewahrung des schönen Busens mehr zu empfehlen seyn als Ruhe, Leidenschaftloßigkeit und Sorge für die Gesundheit der Seele. Keines der häßlichen Laster, kein Neid oder Zorn, keine Eifersucht, die Geist und Leib verunstalten, dürfen in dem weiblichen Gemüthe herrschen.
§. 29.
Onanie.
Eltern und Erzieher müssen ein wachsames Auge haben, daß ihre Zöglinge nicht in das alles verderbende Laster der Selbstbeflekkung verfallen. Auch für das künftige Stillen hat es die schädlichsten Folgen. Selten erlauben es die Kräfte einer ehemaligen Selbstbeflekkerin ihr Kind zu säugen; und wenn dieses doch wäre, so wird nie ihre Milch dazu tauglich seyn. Mäßigkeit in Befriedigung des Geschlechtstriebes, selbst der erlaubten, ist für alle Zeiten und auf jeden Fall nicht genug zu empfehlen: denn durch nichts wird körperliche Gesundheit und Schönheit früher zerstört als durch wollüstige Ausschweifungen und vorzüglich durch die abscheuliche Sünde der Onanie. Das erste Gift dieser Zerstörerin ist an dem weiblichen Busen bemerkbar; der wird bald schlaff, hängend und welk, da er vorher voll Gesundheit strozte. Dahin ist dann die Zierde des schönen Mädchens; dahin die Freude der künftigen, gesunden, ernährenden Mutter!
§. 30.
Beförderung der Reinlichkeit. Waschwasser.
Reinlichkeit ist der Gesundheit unsers Körpers im Allgemeinen so zuträglich als nothwendig; sie ist es auch den Brüsten. Man muß sie täglich mit lauwarmem Regenwasser und Seife abwaschen, und die Hemden oft wechseln, damit die Schweislöcher offen und frei erhalten werden. An sich schon ist diese Vorsicht nöthig, weil sich um die Brust herum eine klebrige Feuchtigkeit ansammelt, welche sich verdikt, und die kleinen Milchkanäle verstopft. Zu einer andern Zeit, und in einer andern Absicht, nämlich um die Haut zu stärken, müssen sie wieder mit kaltem Wasser, mit Wein, oder Stahlwasser gewaschen werden. Man macht eine Stahlkugel glühend, und wirft sie in das zu dem Waschen bestimmte Wasser und läßt sie darin liegen, so lösen sich eine Menge kleiner Eisentheilchen auf, und das Wasser wird stärkend. Der Eselinnenmilch hat man die Eigenschaft zugeschrieben, daß sie die Haut glätte, entrunzele, zart und glänzend erhalte. Unsere Kuhmilch, wenn sie fett genug ist, wird eben diese Dienste thun, besonders mit dem Safte von Kamillenblumen vermischt. Schwächliche Brüste kann man durch den Dampf von frischgeschlachteten Thieren heilsam stärken. Daher und durch den Genuß von nahrhaftem Fleisch und mit Mark gekräfteten Suppen, der schöne volle Busen unserer jungen Fleischerinnen. Auch das Waschen mit Fleischbrühe, oder mit Reisbrühe, worin kräftiges Rindfleisch gekocht ist; oder mit dem klebrigen Dekokt von Kälberfüßen, die man mit Milch und Wasser lange kocht, und wohinein man nachher einige Tropfen Weingeist träufelt; oder mit bitterer Mandelmilch, mit kräftiger Markbrühe versezt; alle diese verschiedenen Mittel können für kränkelnde Busen, welche frühzeitig zu erschlaffen scheinen, einige Hülfe leisten. In mehreren Gegenden Deutschlands findet man durchaus die jungen Brauerstöchter sich an Busenschönheit auszeichnen; es scheint, als ob der Dampf von warmem Wasser oder Bier ihnen diesen Vortheil leiste.
§. 31.
Sommerflekken.
Die Sommerflekken, diese ungebetenen Gäste in der Haut der Frauenzimmer, besonders der blonden und rothen, verschonen sogar auch manchmal nicht den Busen. Es ist eine eigne krankhafte Beschaffenheit der Haut, gegen die man schon viele und mancherlei Mittel, aber fast immer vergeblich vorgeschlagen hat. Am besten scheint noch das Waschen mit dem Wasser der Frühlingskresse oder der Lilienblätter zu wirken. Wenigstens kann man, wenn der Sonnenstrahl den Busen getroffen und ihn gelb gemacht hätte, mit dem Absud der bittern Brunnenkresse, indem man die Blätter derselben mit Wasser gekocht und kalt werden lassen, sehr leicht am Abend diesen Sonnenbrand abwaschen. Ich empfehle hier eine Art Seife, welche nach den Zeugnissen von Vielen eins der besten Schönheitsmittel ist. Sie besteht aus einem halben Pfund bitterer und einem halben Pfund süßer Mandeln, beides fein gerieben, ferner ein Loth Borax fein gestoßen, etwas Milch und das Gelbe von zwölf frischen Eiern wohl untereinander gearbeitet und in einer verzinnten Kastrolle auf Kohlen gekocht. Wenn sich die Masse von dem Löffel lößt, so ist sie fertig, und zum Gebrauch mischt man davon etwas unter das Waschwasser. Gegen gelbe Flekken auf dem Busen, was man sonst Leberflekken nennt, so groß und breit sie auch seyn mögen, welche ich oft zu vertreiben, Gelegenheit hatte, dient nach meiner Erfahrung die Auflösung von Borax in Wasser, etwa eine halbe Unze in sechs Unzen, am besten. Sie wird des Morgens mit einem Tuch aufgestrichen, und so läßt man es an der Luft eintroknen.
§. 32.
Verunreinigung durch Schminke.
Wenn man sieht, wie das eine Frauenzimmer ihren Busen durch die herunterhangenden falschen oder natürlichen Haarlokken, ein anders durch das Besprengen derselben mit parfümirenden Ölen, oder gar ein drittes durch Schminke verunreinigt; so wird man die Empfehlung der Reinlichkeit in besondern Fällen desto dringender finden. Von Parfümerien darf man ja nichts auf den Busen kommen lassen, indem die mehresten dieser Art gelbe Flekken auf der Haut machen. Die Gewohnheit, Medaillons, welche in Metall gefaßt sind, auf dem bloßen Busen zu tragen, ist deßwegen schädlich, weil sie leicht einen Ansaz erzeugen, der die zarte Haut mit Schärfen flekt. Sie schaden aber auch durch ihre Kälte. Die Mode falsche Lokken in den Busen hinunter laufen zu lassen, ist eben so sehr zu vermeiden. Die Spizzen der Haare krazzen die Haut und machen Ausschläge. Man sehe nur die Stirn bei jungen Herrn mit Titusköpfen. Durch Schminke sind unzählig viele schöne Busen verdorben und häßlich geworden; so bald sie abgewaschen ist, wird die große Vergelbung der Haut sichtbar, sie ist welk, zusammengeschrumpft, die Brüste sind völlig erschlafft. Die Schminke an und für sich ist häßlich und der Reinlichkeit zuwider. Wenn Weiber nun gar blaue Adern anlegen, so ist diese Koketterie eben so schmuzzig als lächerlich. Eine klare durchsichtige und folglich schöne Haut kann keine Schminke mit aller ihrer Kunst bilden. Auf Theatern, oder bei Hofe, oder wenn irgendwo man in die Nothwendigkeit versezt ist, sich weiß schminken zu müssen, sey man vorsichtig in der Wahl der Schminke, und reibe die Brüste auch nur wenig ein. Die beste der Art ist das +Blanc de Perles+, und wird aus orientalischem Talg und Wallrath gemacht. Es fehlt nicht an Beispielen, daß durch den Gebrauch der weißen, metallischen Schminken die allgemeine Gesundheit des Körpers Schaden litt, und daß dadurch Krämpfe, Koliken u. dgl. veranlaßt wurden.
§. 33.
Bedekkung des Busens.
Was nun die Kleidung betrifft, so müssen die Brüste immer leicht bedekt, immer vor dem freien Zutritt der Luft verwahret seyn. Ohnstreitig hat dieses den stärksten Einfluß auf ihre Schönheit und Gesundheit. Was am mehresten Gedeihen und Wachsthum des Busens befördert, ist Wärme. Warum verhüllt man denn bei rauher Witterung selbst das Gesicht durch den Schleier; warum bewahrt man es durch Fächer und Schirm vor der brennenden Sonnenhizze; warum bedekt man die Arme mit Handschuhen? Alles um der Haut ihre Zartheit, Weiße, Glätte und Schönheit zu erhalten. Sollte sich denn diese Sorgfalt nicht vorzüglich auf den zärtern Busen anwenden lassen? Können da nicht noch leichter Flekken, Vergelbungen, Härten sich ansezzen? Kann die Kälte da nicht am ersten Zusammenschrumpfungen erzeugen, und Reiz und Schönheit nehmen? Möchte man es doch immer für die erste Pflicht der Ehrbarkeit halten, den Busen anständig zu verhüllen, indem dabei Gesundheit und Schönheit gleiche Vortheile haben. Sein ganzer Bau und seine Empfindlichkeit erfordern Wärme und Verhüllung, und nur dabei gedeiht er und erhält schöne, feste Fülle. Der unbedekte Busen läßt der Neuheit, dem ersten Reize also, nichts übrig, und eben so wenig der gespannten Erwartung oder der blühenden, verschönernden Einbildungskraft. Schönheit ohne Schaamhaftigkeit ist nicht mehr Schönheit. Ein berühmter Mahler der Vorzeit wollte das höchste Ideal weiblicher Schönheit durch seinen zauberischen Pinsel darstellen: er wählte sich sieben der schönsten Mädchen seiner Gegend aus, die ihm sizzen sollten, um von einer jeden die vorzüglichste Schönheit in sein Gemälde zu übertragen. Sie erschienen, nur Eine blieb aus. Das Bild war fertig, man bewunderte es, man prieß den Künstler. Nur dieser war damit nicht zufrieden: wenn ihm nur die eine nicht ausgeblieben wäre, dann wäre sein Gemälde vollkommen. Wer ist die? fragte man ihn. -- Die Schaamhaftigkeit!
J’aime à contempler les appas Dont la nature orna Glycère. Mais mon oeil jaloux ne veut pas Qu’ils soient vûs de toute la terre. Quoi donc, un rival odieux Viendra pour mon tourment encore Promener un oeil amoureux Sur ce sein charmant, que j’adore!
§. 34.
Entblößen des Busens.
Unmöglich kann ich nach alle dem, jener hier und da eingeschlichenen Mode, den Busen mehr oder weniger zu entblößen, das Wort reden. Unsere Generazion verträgt, unsere Erziehung erlaubt es durchaus nicht. Man sagt, unsere ehrwürdigen Voreltern, die alten Deutschen, hätten den Busen offen getragen, und wenn es allerdings unter die frommen Wünsche gehörte, ihnen wieder näher zu kommen; so ist doch dafür und darinn ein himmelweiter Unterschied. Man erzählt sogar eine interessante Begebenheit, welche zu jener Sitte die Veranlassung gegeben haben soll, die ich, um unpartheiisch zu seyn, hier anführen muß. „Die Sikambrer, ein fränkischer Volksstamm, fiengen in einer blutigen Schlacht an, sich, vom Kampfe ermüdet, zurükzuziehen. Der Muth ihrer Feinde wuchs, so wie sich der ihrige verlohr. Sie flohen. Da warfen sich ihnen aus ihrer Wagenburg ihre Weiber und Töchter entgegen, rissen im Schmerz und Verzweiflung ihre Kleider auseinander, und entblößten ihre Brust. Feige, riefen sie, ergreift zum leztenmal euer Schwerdt und durchbohrt unsere Herzen. Wollt’ ihr, daß die Genossinnen eures Ehebettes die Schande der Sklaverei in Feindes Händen erleben sollen? Seyd barmherzig, wenn ihr nicht tapfer seyn könnt; tödtet uns, dann eilt, euer schimpfliches Leben zu retten. Das goß neuen Muth in die Brust der Männer. Voll süßer Rükerinnerungen blikten sie ihre Weiber an, kehrten zurük in die Schlacht, fochten mit Löwentapferkeit und entrissen ihren Feinden den Sieg. Zum Andenken dieser That nun trugen die Weiber von diesem Tage an ihren Busen offen.“ (+Aurora.+ 1804. No. 29.) Wäre diese Sage der Wahrheit gemäß, so hätte diese Mode allerdings einen schönen, edlen Ursprung.
§. 35.
Besondere Gewohnheiten.
Jedoch ist es auf der andern Seite eben so fehlerhaft, wenn Frauenzimmer den Busen unter einer Menge Tücher verstekken, welche gleich Wällen aufgethürmt sind, von denen man kaum das Kinn sehen kann. Sie werden dadurch gegen die auch sanfte Luft so empfindlich, daß sie beständig mit katarrhalischen Zufällen u. a. m. zu kämpfen haben. Freilich macht hier die verschiedene Jahreszeit einige Abänderung nothwendig, und es war so übel nicht, wenn ehemals unsere Frauenzimmer Kissen von Pelz oder Eiderdunen bei großer Kälte unter das Halstuch stekten. In Indien tragen einige Weiber Futterale über den Busen von proporzionirter Größe in einem kleinen Wamms mit halben Ermeln, welches blos die Brust, und weder den Rükken noch den Unterleib bedekt. Dieses Kleidungsstük erhält den Busen so wohl, daß viele Europäerinnen, welche nach Indien kommen, sich selbiges anschaffen. Die alten Römerinnen hielten es einstens für schön, ihren Busen so viel möglich platt und niedrig zu erhalten, und bedienten sich zu dem Endzwek gewisser Maschinen. Es ist noch nicht lange, als man gerade das Gegentheil für schön hielt. Die Mode verfiel auf das andere Extrem, und wollte, daß die Brüste ein volles Ansehen hätten. Um sie zu erhöhen und hervorquellen zu machen, legte man Schnürbrüste an, und es ist wahr, sie können dadurch hinaufgeschoben werden, aber nichts ist ihrer Gesundheit und ihrer Schönheit nachtheiliger. Denn auf diese Art werden sie erschlafft, und sinken, sobald jener Druk von außen aufhört, um desto tiefer herunter, und bleiben wie ein paar Säkke hängen. Noch jezt sind, nach der Versicherung unserer neuesten Reisebeschreiber, die gemeinen Nordholländerinnen so in die Schnürbrüste verliebt, daß sie sie weder bei Tage noch bei Nacht ablegen, selbst nicht während der Schwangerschaft oder der Stillzeit. Um dem Kinde die Brust zu reichen, öffnen sie ein Schieberchen, welches zu diesem Zwek oben an der Schnürbrust angebracht ist, die volle Brust tritt hervor, das Kind trinkt, und der Busen wird wieder in seinen Kerker zurükgezwängt.
§. 36.
Einfluß der Schnürbrüste auf den Busen.
Eine der vorzüglichsten Rüksichten, welche man bei der Bekleidung der Brüste zu nehmen hat, ist die, daß sie auf keine Weise gedrükt, gepreßt oder gereizt werden. Und das ist gerade das, was am häufigsten durch die Schnürbrüste veranlaßt wurde. Es kann sich nicht fehlen, daß der untere Rand der Brüste durch den Druk des obern Theils der Schnürbrust leide. Sie werden zwischen den harten Rippen und dem Schnürleib als einem ebenfalls harten Körper so sehr gepreßt, daß sie nachgeben müssen. Die Brustwarzen werden eingedrükt, ziehen sich zurük, und treten nachher, wenn sie sich dem Munde des Kindes darbieten sollen, nicht genugsam hervor. Hieraus entstehen für die Mutter die peinlichsten Schmerzen, und das Bestreben des Geburtshelfers, sie hervorzuziehen, ist oft vergeblich, so daß die Mutter zu ihrem und des Kindes Schaden, von dem Säugen abstehen muß. Man hat leider sogar Beispiele von einem so starken Pressen der Schnürbrüste auf die Milchdrüsen, daß die Gefäße zum Theil verengt, und zu der Milchaussonderung ganz untauglich wurden, woraus dann Entzündung, Geschwülste, Aufbrechen der Brüste, u. s. w. entstand. Mir selbst sind die Fälle öfters vorgekommen, wo bei jungen Frauenzimmern die Geburten in der schönsten Ordnung von statten giengen, bis man wollte das Kind an die Brust legen lassen. Wie verdrießlich ist es da nicht, ganz platte, niedergedrükte Warzen zu entdekken, die das Kind ohnmöglich fassen kann! Die Ursache davon ließ sich leicht entdekken: sie haben von Jugend auf Schnürbrüste getragen; unbekannt mit dem Vorgang des Wochenbettes, war es ihnen nie eingefallen, für die Warzen zu sorgen, oder jemand darüber zu berathen. Nicht selten ist man da gezwungen, bei nicht geringen Schmerzen, und, mancherlei Gefahren die Milch zu vertreiben, und indessen die Brüste von Nahrungssaft strozzen, müssen die guten Mütter den gerechten Wunsch, ihre Kinder selbst zu stillen, aufgeben.
§. 37.
Nachtheile der Schnürbrüste im Allgemeinen.