Über die weiblichen Brüste

Part 2

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Zwischen der Gebärmutter und den Brüsten herrscht eine beständige Mitleidenschaft. Ohne die Wege, welche zwischen beiden Organen Statt haben, anatomisch genau angeben zu können, so zeigt doch die Natur jedem Beobachter zu allen Zeiten jenen Consensus unverkennbar. Man betrachte den Wachsthum der Brüste bei jungen Mädchen, wenn ihre Mannbarkeit eintritt. Man berühre diese Zeugen ihrer Fähigkeit, und frage sie dann, oder beobachte sie doch wenigstens, ob nicht der Siz des Begehrens mitfühlt. Man bemerke die Veränderung desselben um die Reinigungsperiode, bei dem Anfang und Fortgang der Schwangerschaft. Man beobachte, wie das Saugen eines Kindes die Nachwehen und den Abgang der Kindbettreinigung vermehrt, oder wie ein trokkener Schröpfkopf auf der Brust einen Mutterblutsturz anhält. Man erinnere sich, daß die Brüste welk werden, wenn das Kind in der Gebärmutter abstirbt; wie die Milch der Weiber und der Thiere sich abändert, wenn wieder eine Schwangerschaft eintritt; wie die Menstrua der Weiber so spät nach dem Wochenbette erscheinen, wenn die Brüste häufig und lang ausgesogen wurden; wie die Brüste aussehen, wenn die Weiber ihre Reinigung verlieren; und wie gern endlich zu eben dieser Zeit die Gebrechen der Gebärmutter sich den Brüsten mittheilen: -- und man wird nach allem diesem um Beweise für eine Mitleidenschaft zwischen beiden Organen nicht verlegen seyn.

§. 12.

Milchbereitung.

In diesen eben beschriebenen Organen wird also die Milch bei dem Weibe, kurze Zeit nach der Entbindung zubereitet oder abgesondert. Die Hilfsmittel, wodurch dieses geschieht, sind die eigens ihnen von der Natur zu diesem Geschäfte verliehenen Kräfte. Die mancherlei Winkel der Gefäße, die Verschiedenheit ihrer Durchmesser, der Dichtheit ihrer Membrane, der Reizbarkeit, ein Anziehungsvermögen ähnlicher Theile, dienen alle zu diesem Endzwek. Die Quelle, aus welcher die Milch entspringt, ist das Blut, in ihm ist der Stoff dazu enthalten. Ganz neuerlich hat man in der Physiologie die Meinung aufgestellt, daß der Speisesaft vor seiner gänzlichen Verähnlichung mit dem Blute in die Brüste abgesezt und ausgeschieden werde.

§. 13.

Die Milch.

Diese Milch ist die erste Nahrung des Menschen; durch nichts würde diese Absicht auch besser erfüllet werden. Sie besteht aus einem käsichten, ölichten und wässerichten Theile, nämlich dem Käse, dem Rahm und der Molke. Sie hat einen süßen Geschmak und bildet eine blaulichte, bewegliche Dekke, wenn sie einige Zeit gestanden hat. Durch die Beimischung von Säuren gerinnt sie nicht wie die Kuh- oder eine andre Milch, wenigstens bei weitem nicht so schnell und so vollkommen. Die gute fette Muttermilch bekommt immer einen hellgelben Rahm und dieses ist daher wirklich ein wahres Zeichen einer guten Milch. Unter allen Milcharten ist die vorzüglichste in jeder Hinsicht die Frauenmilch. Sie enthält am wenigsten des käsichten Bestandtheils. Ihr am nächsten kömmt die Eselinnenmilch.

§. 14.

Beschaffenheit derselben.

Kupferne Geschirre befördern das Gerinnen der Kuhmilch. Mit einem Vergrößerungsglase untersucht, nimmt man in derselben eine Menge ungleich geformter Kügelchen wahr, deren größere Beweglichkeit vorzüglich davon abhängt, ob die Milch frischer ist, oder schon lange gemolken wurde. Die Molken enthalten ein unter dem Namen Milchzukker bekanntes Salz. Das destillirte Milchwasser verhält sich nicht gerade wie einfaches destillirtes Wasser; sein Geruch und Geschmak, und die Leichtigkeit, mit der es sich verändert, zeigen hinlänglich, daß dasselbe mehrere andere Körper aufgelößt enthalte. Das Residuum der Milch nach abgezogenem Milchwasser giebt, auf freiem Feuer behandelt, eine klare und sehr durchsichtige Feuchtigkeit, und bei fortgesezter Destillazion erhält man etwas Öl, kohlensauern Ammoniak, und am Ende brennbares Gas. Der Rest ist eine schwammigt ausgedehnte Kohlenmasse, welche sich sehr schwer einäschern läßt. Die Asche davon färbt den Veilchensyrup grün, und mit der Schwefelsäure vermischt, entstehen salzsaure Dämpfe. Der Rahm sondert sich am besten und vollkommensten ab in weiten und offenen Gefäßen, bei vollkommener Ruhe, und in einer mäßig warmen Temperatur. Der Rahm existirt schon in der Milch, so bald sie aus dem Euter des Thiers ausfließt. Eben so ist die Butter, ganz wie sie ist, in dem Rahm gebildet, und nach allen ihren Eigenschaften, welche man kennt, enthalten. Die Butter bedarf weder zu ihrer Konkreszibilität, noch zu ihrer mehr oder weniger gelben Farbe eines neuen Zutritts des Oxygens. Das Stoßen ist daher auch das alleinige Mittel zur Bereitung derselben. Die Jahreszeiten, die Natur der Nahrungsmittel und der physische Stand des Thiers haben auf die Eigenschaft und die Farbe der Butter den größten Einfluß. Die Häutchen, welche sich immer bei der abgerahmten Milch bilden, wenn man sie erwärmt, verdanken ihre Entstehung zunächst dem Zutritt der atmosphärischen Luft. Sie verhalten sich chemisch gerade wie der käsichte Theil der Milch. Die erste bald nach der Geburt aus den Brüsten abfließende Milch oder das sogenannte Kolostrum ist in Rüksicht der Butter, des Rahms und des käsichten Theils von der ordinären Milch wesentlich unterschieden. Auf ein Pfund Kolostrum kann man füglich anderthalb Unzen Butter rechnen, und gerade von dieser großen Menge an fettiger Substanz hängt seine Eigenschaft ab zu laxiren und bei den Neugebohrnen das Kindspech fortzuschaffen.

§. 15.

Veränderung der Milch.

Die Bestandtheile der Milch von verschiedenen Thieren richten sich nach dem Futter, welches das Thier genießt. Die Milch einer Kuh, die ein wässerichtes Gras frißt, hat wenig Käse. Vom Genusse des Bitterklees (+trifolium pratense+), des wilden Knoblauchs (+allium latifolium palustre+), der Münze, (+mentha sylvestr.+), des wilden Senfs (+thlaspi+), und des Liebstökkels (+ligusticum+) bekommt die Milch einen bittern Geschmak. Die Butter in Neuyork schmekt nach Zwiebeln, weil man den Knoblauch von den Feldern nicht ausrottet, welches die Fütterung verdirbt. Eine Art Saudistel (+sonchus+) soll den Geschmak der Rennthiermilch verderben. Auch sollen die schirmtragenden Pflanzen den Geschmak der Milch verändern. Die Milch der Kühe, welche +Wolfsmilch+ gefressen haben, erregt Brechen und Durchfälle. Auch nach der +Gratiola+ soll sie eine purgirende Eigenschaft bekommen. Die Milch der Kühe, welche mit +Färberröthe+ gefüttert wurden, bekam eine rothe Farbe; eben diese Wirkung soll der Genuß der +Opuntia+ haben. Der Safran soll sie gelb, der Indigo sie blau färben. Nach bloßen Pflanzenspeisen ist die Milch der Amme sehr zur Säure geneigt, nach bloßen Fleischspeisen wird sie gar nicht sauer. Kranke wollen es sogar am Geschmak der Eselinnenmilch haben merken können, ob das Thier gehörig gestriegelt war oder nicht. Die Milch der Eselin, die auf einem offenen Plaz weidete, erregte dem Kranken immer Passion, wenn sie von dem Knaben genekt war. Wenn Säuglinge das Wechselfieber haben, so giebt man der Amme die Fieberrinde, um das Fieber des Kindes zu heilen. Beischlaf, Geilheit und die monatliche Periode verderben die Milch der Ammen. Purgirmittel, die die Amme nimmt, laxiren das Kind mit, oft das Kind allein. Diätfehler der Mutter wirken auf das Kind, es bekommt leicht Windkoliken, wenn sie Kohl, Hülsenfrüchte und andere blähende Speisen gegessen hat. Ein Rausch der Amme in starken geistigen Getränken soll dem Kinde Konvulsionen zugezogen haben. Heftige Leidenschaften der Amme, Zorn, Ärger, Indignation, können ihre Milch so verändern, daß sie wie ein Gift wirkt, Erbrechen, Durchfall, Konvulsionen, Epilepsie und den Tod erregt.

§. 16.

Anwendung dieser Beobachtungen in der Heilkunde.

Auf diesen Erfahrungen, daß die Nahrungsmittel des Thiers die Natur der Milch verändern, beruht der Vorschlag der Ärzte, ihr absichtlich eine arzneiliche Kraft mitzutheilen. Besonders hat man zu diesem Behuf die Ziegen vorgeschlagen, die am leichtesten ein Futter von verschiedener Art fressen. GALEN rühmte vorzüglich die gesunde Milch zu +Stabiae+, einer Stadt in Kampanien, weil die Wiesen daselbst viele gute Kräuter trugen, RÖSNER empfiehlt gegen die Wassersucht die Milch der Kühe, die mit Mauerkraut (+parietaria+) gefüttert sind. Bei der englischen Krankheit der Kinder soll man ihnen die Milch von Thieren geben, die +Färberröthe+ unter dem Futter bekommen; bei der Hämorrhoidalkrankheit soll man die Milch von Thieren trinken lassen, die mit der Steinnessel (+urtica minor+), bei der Verstopfung von Thieren, die mit Salat und Portulak gefüttert sind.

II.

Krankhafte Erscheinungen bei dem Bau und den Verrichtungen der Brüste.

§. 17.

Verschiedenheit in der Form der weiblichen Brüste.

Die Lage der Brüste, ihre geringere oder stärkere Entfernung von einander richten sich theils nach der Größe derselben selbst, theils nach der Beschaffenheit des Brustgewölbes, theils auch nach dem Drukke der Kleidungsstükke, mit welchen man im frühern Alter die Brüste bedekte. Kleine Brüste stehen oft weit voneinander ab, besonders bei hageren, schlanken Personen; da hingegen kurze, untersezte Weiber oft starke, auffallend mehr zusammenstehende große Brüste haben. Blonde und gelbhaarige Mädchen haben feine, zarte und schöne weiße Brüste; Brünetten und schwarzhaarige aber weniger weiße. Bei jenen zeigen sich daher auch die blauen Adern stärker und häufiger, als bei diesen. Eine gelbliche oder bei Brünetten braunere Farbe bekommen die Brüste oft nach vielem Stillen, im Ganzen oder nur an einigen Stellen. Bei Weibern, welche sich viel der Sonne aussezzen, findet man oft ihre obere Hälfte davon braun gefärbt. Wenn ein reizbares Frauenzimmer von Schaam durchdrungen wird, so bekommen ihre Brüste so gut als ihre Wangen die Schaamröthe. Es giebt viele Männer, besonders braune, schwarzhaarige, welche Haare auf der Brust haben. An dem weiblichen Busen finden sie sich selten, nur einzeln aber stark, und auch nur bei Brünetten. Wenn eine Frauensperson eine sehr große Brust hat, so ist daraus noch nicht zu folgern, daß sie auch sehr viel Milch absondern kann; denn manchmal ist es blos die Menge des Fettes, was den großen Umfang macht. Es kann eine ganz kleine Brust doch genugsam Milch zur Stillung eines Kindes hergeben. Mittelmäßig große Brüste sind in dieser Rüksicht die vorzüglichsten. Bei gleichförmig ausgedehnten Brüsten sind die Warzen gerade nach vorne, bei andern mehr voneinander entfernten aber nach dem Arm oder der Seite hin gerichtet. Plattgedrükte Brüste sind immer eine Folge von engen Kleidern, Schnürbrüsten u. dgl. Nach oft wiederholtem Stillen wird der Busen welk, runzelicht und hängend. Eben so nach langdauernden, abmagernden Krankheiten und im hohen Alter.

§. 18.

Gestörte Organisazion der Brust, wie z. B. nach Eitergeschwüren, welche in der Schwangerschaft oder dem Wochenbette geöffnet werden mußten, oder von selbst aufbrachen, geschehen kann, hat eine ungleiche Milchbereitung zur Folge. In der einen Brust wird eine gute, süße, in der andern aber eine bittere, säuerliche oder wässerichte Milch abgesondert. Durch alle folgenden Wochenbette erhält sich alsdann gern die Milch so ungleich, so daß die Säuglinge sie nicht gerne nehmen wollen. Die Farbe der Warzen und ihres Hofs ist in verschiedenen Subjekten sehr verschieden. Bei Blondinen finden sich gewöhnlich diese Theile rosenroth, bei Brünetten dunkler, braunroth. Diese Farbe bleibt entweder die ganze Schwangerschaft hindurch oder sie wird noch mehr erhöhet, selten aber blässer, als sie außer der Schwangerschaft war. Zuweilen ist der Hof groß, zuweilen klein, und so daß er ganz zu mangeln scheint; einmal sind kleine Runzeln, ein andermal hervorstehende Wärzchen darauf zu bemerken. Mancher Hof hat einen ganz bestimmt gezeichneten Umfang, ein anderer verliert sich der Farbe nach ganz unvermerkt in die übrige Haut. Nicht immer steht die Größe der Warzen im Verhältniß mit der Größe der Brüste. Eine große Brust kann eine kleine Warze, und umgekehrt eine kleine Brust eine große Warze haben. Zufälligerweise sind die Warzen bald kürzer, bald länger, bald breiter u. s. w.

§. 19.

Besondere Abweichungen von dem gewöhnlichen Bau.

Die rechtmäßige Residenz des weiblichen Busens ist der erhabenste Theil der vordern Brustfläche, auf dem großen Brustmuskel zwischen der dritten und sechsten wahren Rippe. Beide Brüste sind durch das Brustbein getrennt. Allein zuweilen liegen sie zu hoch oder zu niedrig, sich so nahe, als wenn sie zusammengeschmolzen wären, oder so entfernt von einander, als wenn sie sich flöhen.

Eine Frau hat zwei Brüste, dieses ist die gewöhnliche Zahl. Doch BARTHOLIN erzählt die Geschichte einer Frau, die drei, und CABROLICUS die Geschichte einer andern, die gar vier Brüste gehabt haben soll. HALLER und PLOUCQUET führen ähnliche Fälle an. Auch will man Beobachtungen von Amazonen haben, die nur eine oder gar keine Brust hatten. Sie litten entweder an einem ursprünglichen Mangel derselben, oder hatten sie durch Abszesse, Geschwüre, den Krebs und durch die Amputazion des Messers verlohren.

In Ansehung der Größe der Brüste haben wir uns ein gewisses mittleres Maaß als Normalmaaß abgesondert, welches wir als das schönste und gesundeste annehmen, und merkliche Abweichungen von demselben für fehlerhaft halten. Bei einigen afrikanischen Völkern, bei den Bewohnern des Südmeers, in Egypten, in Portugal findet man ungewöhnlich große Brüste, die bis unter den Bauch herabhängen, über die Schultern geworfen, und unter den Armen durchgestekt werden können, um das Kind auf dem Rükken zu säugen. Auf dem Kap soll man Geld- und Tobaksbeutel aus den Brüsten der Hottentottinnen bereitet, feil haben. Ach unter uns hat man dann und wann solche ungeheuer große Brüste beobachtet, welche übrigens dabei gesund oder krank waren. BORELL, WELSER, SALMUTH und LESKE erzählen Fälle von Brüsten, die zehn, zwölf, ja gar vier und sechzig Pfund gewogen haben. MANDELSLOH führt ein Beispiel von einem zweijährigen Mädchen an, dessen Brüste so groß wie bei einer säugenden Frau waren, und die schon in ihrem dritten Jahr ihre Reinigung bekam. Ein solches monströs großes Euter ist weder schön noch gesund; es beleidigt das Auge, hindert die freie Bewegung der Arme, die Respirazion durch seine Schwere, und pflegt durchgehends eher arm als reich an Milch zu seyn. Fälle des Gegentheils, Brüste die so klein sind, daß sie ihr Geschäft nicht verrichten können, finden wir noch häufiger. Manche Weiber, die Mannjungfern und besonders die langen, dürren, und hektischen Schatten haben eine platte Brust, wie die Mannspersonen; die Haut ist auf die Rippen aufgeleimt, und die Brustwarze gleichsam in die Knochen eingeschroben. Sind die Eierstökke bei Thieren vor der Mannbarkeit weggeschnitten, so sollen gar keine Brüste entstehen, auch sollen sie sich wieder verzehren, wenn diese Amputazion nach der Mannbarkeit vorgenommen wird.

§. 20.

Die Form einer Halbkugel ist wohl der gewisse Umriß, den eine schöne Weiberbrust haben soll. Um desto kränkender ist es für das weibliche Geschlecht, daß es sich die Natur so oft erlaubt, von dieser Normalform Ausnahmen zu machen. Gewöhnlich pflegt schon das erste Wochenbette diese Form mehr oder weniger zu verlezzen. Man findet sie kegelförmig, zugespizt wie eine Birne, plattgedrükt wie einen Fladen, walzenförmig wie einen Handschuh, oder hängend und sakförmig wie Nester der Beutelmeise. Solche Difformitäten sind, außer dem Verstoß gegen die Regeln der Schönheit, auch dem Geschäfte der Brüste mehr oder weniger nachtheilig.

Es giebt einen gewissen Grad von Derbheit und Härte der Brüste, den wir ihre natürliche Härte nennen, und welcher theils von der Kohärenz der festen Theile, theils von dem Gegendruk der Säfte und des Fettes entsteht. Allein oft finden wir sie zu schlaff, welk, hängend, oder zu hart und starr. Die Derbheit der Brüste ist gleichsam der Barometer der weiblichen Gesundheit. Hat das junge Mädchen getanzt, getrunken, Nächte durchgeschwärmt, so sind am Morgen ihre Brüste welk und ohne Ton. Troz aller Künste haben die leichten Jungfern welke Brüste vom Übermaaß des Beischlafs und der Schwächungen, denen sie bei ihrer Lebensart ausgesezt sind. Jede übermäßige Anstrengung des Körpers und der Seele, nagender Kummer, schwärmerische Traurigkeit, unglückliche Liebe, hizzige und chronische Krankheiten rauben den Brüsten ihre Spannkraft. Eben diese Wirkung hat das Alter, das öftere Stillen und häufige Manipulazionen der Brüste. Ein plözliches Welkwerden des Busens in der Schwangerschaft ist oft ein Vorbote einer bevorstehenden Frühgeburt. Im Gegentheil kann bei dem Eintritt der Reinigung, bei dem Mangel derselben und bei der Mutterwuth, die Derbheit der Brüste ihr natürliches Maaß überschreiten. Zu viel Reizbarkeit und Kontraktilität der festen Theile und ein zu starker Andrang der Säfte sind die Ursachen dieses Zustandes.

§. 21.

Fehler der Brustwarze.

Auch die Brustwarze ist, wie wir zum Theil schon oben (§. 18.) gesehen haben, mancherlei Fehlern der Form unterworfen. Sie soll ganz gefehlt haben und ein andermal doppelt da gewesen seyn. Bei unverheiratheten Personen findet man oft statt der Papille eine Grube. Bei dem Stillen kehrt sich durch das Saugen die nach innen gesenkte Haut heraus und die Warze ist da. Zuweilen ist sie so lang und dik, daß das Kind sie kaum mit dem Mund umfassen kann. In einigen Warzen fehlen die Öffnungen der Milchgänge, welches ein ursprünglicher Fehler seyn kann, oder meistens von einem Druk der Schnürleiber herrührt. Endlich bekommt sie zuweilen besonders vom Krebs und der französischen Seuche Risse, Geschwüre und schwammichte Auswüchse.

§. 22.

Milch bei Männern.

Die Brüste neugebohrner Kinder beiderlei Geschlechts sind mit einer serösen Feuchtigkeit angefüllt, welche durch den Druk aus den Brustwarzen entfernt werden kann. Einige Ärzte leiteten daraus, wiewohl fälschlich, den Ursprung des Kindswassers her.

Äußerst selten sind die Fälle, wo auch bei dem Manne eine milchartige Feuchtigkeit aus der Brust kam. Herr von HUMBOLDT sah, wenn man öffentlichen Nachrichten (+Hamburger+ Zeitung 1800 St. 89.) trauen darf, in dem spanischen Amerika, und zwar in der Hauptstadt Kanada einen Mann, der so viele und gute Milch hatte, daß er schon seit fünf Monaten ein Kind stillte, weil seine Frau daran verhindert wurde.

§. 23.

Fehler in der Milch und in deren Bereitung.

Oft fehlt die Milch, wo sie da seyn sollte, die Brüste bleiben nach der Geburt welk; es erzeugt sich gar keine Milch oder es sondert sich ein unbedeutendes Etwas ab, das mehr Lymphe als Milch ist. Ein andermal sondert sich zu viel Milch ab, die Brüste schwellen stark an, schmerzen, das Kind kann vor Geschwulst nicht saugen, und die Mutter wird durch den übermäßigen Zufluß von Säften entkräftet. HALLER erzählt von einer Frau, die außer der Milch, welche das Kind sog, noch täglich drei Maaß derselben verlohr; und von einer andern, die sechs Pfund Ziegenmilch trank, und davon einen solchen Zufluß der Milch bekam, daß ihre Brust fast geplazt wäre, und was erst durch das Saugen vieler Kinder bezwungen werden konnte. Zuweilen finden wir Milch bei Personen, die keine haben sollten, bei Kindern, Jungfern, Männern und alten Weibern (§. 22. u. §. 69.). Oft wird die Milch durch ungewöhnliche Wege, durch eine Wunde des Fußes, durch die Geburtstheile ausgeleert. SCHURIG erzählt von einer Frau, welche während der Schwangerschaft das Bein zerbrochen hatte, die Knochen waren zersplittert, es entstand ein großes Geschwür, das bis auf ein kleines Loch am Fußgelenk zuheilte, aus welchem vor der Geburt zu der Zeit des Vollmonds Blut, nach der Geburt die Kindbettreinigung und dann mehrere Wochen lang eine große Quantität Milch abfloß. Eben derselbe erzählt ein anderes Beispiel von einem neunzehnjährigen Mädchen, dessen Brüste unmäßig anschwollen und Milch gaben. Als sie diese aus den Brüsten vertrieb, stellte sich bei ihr eine Reinigung durch die Gebärmutter ein, die wie wahre Milch aussah und roch. Es giebt fast keinen Theil des Körpers, aus welchem man nicht dann und wann hat Milch ausfließen sehen: aus dem Munde, den Augen, dem Nabel, dem Rükken, der Biegung des Schenkels, aus den Füßen u. s. w.

Bald ist die Milch zu dik, zu dünne; bald hat sie zu viel, bald zu wenig Käse oder Rahm. Man hat Beispiele von grüner, schwarzer, ölichter, versengter, mit Würmern verunreinigter Milch aufgezeichnet. MORGAGNI erzählt den Fall einer Frau, die eine grüne Milch in den Brüsten hatte; einen andern von einer Frau, bei der man eine dunkelgrüne und schwarze Feuchtigkeit aus der Brustdrüse ausdrükken konnte, und endlich noch einen Fall einer Person, die, so oft sie es wollte, eine dikke pechschwarze Feuchtigkeit aus ihren Brüsten ausmelken konnte, welche die Leinwand grasgrün färbte. Aus den Warzen szirrhöser Brüste fließt oft eine Menge mißfarbiger, gelber, stinkender Feuchtigkeit aus.

III.

Sorgfalt für die Brüste, vor und in den Jahren der Mannbarkeit, und in dem nichtschwangern Zustande.

§. 24.

Schönheit der Brüste.

Der Busen des Mädchens, gleichend jener schönen Rosenknospe, die sich zu sehnen scheint, mit den zärtesten Spizzen ihrer Tausendblätterichen ein liebliches lächelndes Grübchen zu machen; er der angebetete, so oft besungene, er ist und bleibt unter allen Zierden des schönen Geschlechts die reichste, die ausgezeichneteste. Nur hier, und immer hier auf ihm ruht das lüsterne Auge des Jünglings mit Wohlgefallen.

So schön Gesicht, -- gedrungen zugespizt So junge Brust, worauf wie in der Schwüle Des Sommers, reif der Unschuld Knospe sizt, In jeder Miene redende Gefühle Ein Aug’, in welchem sanfte Gottheit blizt. Wie Sonnenbild bei einem Sommerregen, Strahlt diese Brust in klarem Quell hervor, Jezt wallet sie von sanften Wellenschlägen Gehoben aus der Perlenfluth empor.

+Eleusinische Geheimnisse+.

Diese, ähnliche und andre schmeichelhafte Ekstasen konnten den Frauenzimmern nicht unbekannt bleiben, und es ist demnach kein Wunder, daß sich ihrer viele, überall und öfters, gerne dem angenehmen Geschäfte unterzogen, jene Vorzüge geltend zu machen, und die Reize des Busens durch alles, was ihnen nach dem jedesmal herrschenden Geschmakke die Kunst darbot, zu erhöhen. Schon in der Geschichte älterer Zeiten bei den Griechen und Römern findet man hiervon Beweise. Auf der Statue der medizeischen Venus sind die Brüste besonders schön dargestellt. Auf einer antiken, in der großherzoglichen Sammlung zu Florenz befindlichen, Gemme ist die Venus mit einem Band abgebildet, welches unterhalb der Brüste ihren schlanken Körper umschlingt. Diese Busenbinde war ehemals ein sehr wichtiges Stük des weiblichen Anzugs. Mit ihr wurde der schönste Theil des weiblichen Körpers mit aller der Grazie, die wir noch in den schönsten Denkmälern des Alterthums bewundern, unterbunden und zusammengehalten. Die Griechen nannten sie +Taenidion+, die Römer +Strophium+. Der bekannte Dichter OVID gab (in seiner Kunst zu lieben) den römischen Damen eigne Regeln über den Gebrauch dieser Busenbinde.

§. 25.