Part 2
Ein ähnliches Product beschreibt ~Amat. Lusitanus~ _curation. medicinal._ Cent. VI. curat. 53. schol. p. 612. „_Certo scimus chimico artificio puerum conflatum esse, et omnia sua membra perfecta contraxisse, ac motum habuisse: qui cum a vase, vbi continebatur, esset extractus, moueri desiit. Nouit haec accuratius_ ~Julius Camillus~, _vir singularis doctrinae et rerum occultarum et variarum hac nostra aetate magnus scrutator, et Hetrusca sua lingua scriptor diligentissimus et accuratissimus._“
[4] Man sehe seine _Génération de l’homme et des animaux._ Par. 1750. 12. wie auch die _Observ. sur l’hist. nat._ I Th. und seinen freylich etwas misgestalteten Fötus selbst mit lebendigen Farben vorgestellt. Taf. A. fig. 3.
[5] _Essay de Dioptrique._ Par. 1694. 4. S. 230. wo der scharfsichtige Mann eine genaue Abbildung des in die Hülle eines Saamenthierchens eingewickelten und auf seine Befreyung harrenden Kindchens gibt.
[6] ~Galenus~ von den Lehrsätzen des Hippocrates und Plato: im Vten Band der +Chartier+. Ausg. S. 147.
[7] Es ist zwar ganz wohl begreiflich, wie ein solcher kleiner Umstand von manchen Beobachtern entweder in der Erwartung größerer Merkwürdigkeiten ganz übersehen, oder aber nicht anmerkenswerth gefunden wurde. Doch scheint der sorgfältige ~Rösel~ darauf geachtet zu haben. _Hist. der Polypen._ im III B. der _Insectenbelustig._ S. 490.
[8] Eine gleichfalls schon anderwärts bemerkte Erscheinung. Man sehe die Abh. der Hrn. ~Fabre~ und ~Louis~, _des playes avec perte de substance_ in den _Mém. de l’ac. de Chirurgie. vol IV._ S. 64. u. 106.
[9] So sagt z. B. ~Newton~ in den Quästionen an der 2ten Ausg. seiner Optik, S. 380. der +Clarkischen+ Uebers. „_Hanc vocem_ attractionis _ita hic accipi velim, vt in vniuersum solummodo_ vim aliquam _significare intelligatur, qua corpora ad se mutuo tendant; cuicunque demum_ causae _attribuenda sit illa vis._“
[10] Noch am bestimmtesten druckt sich doch ~F. Bonamico~ der bekannte Aristoteliker darüber aus, _de formatione foetus_ p. 528. „_Spiritus in aërea seminis substantia comprehensus, aspersus autem a calore caelesti, et vi a patre accepta, et ea quam a coelo participat, in vterum foeminae coniectus, concoquit materias a foemina infusas et pro ratione ipsarum variis modis afficiens efficit instrumenta. Dum vero ea fabricat appellatur Facultas_ διαπλαστικη seu δημιουργικη. _Sed vbi exstructa fuerint instrumenta, vt iis vti queat, quae prius erat vis formatrix, illis vtens degenerat in animam._“
[11] So z. B. S. 12. „_Vis vegetabilium essentialis ea est vis, qua humores ex circumiacente terra, vel aliis corporibus colliguntur, subire radicem coguntur, per omnem plantam distribuuntur, partim ad diversa loca deponuntur, partim foras expelluntur._“
S. 13. „_Quaecunque vero sit haec vis, sive attractrix, sive propulsiva, sive aëri expanso debita, sive composita ex omnibus hisce et pluribus; modo praestet enarratos effectus, et ponatur, posita planta et humoribus nutritiis applicatis, id quod experientia confirmatum est: sufficiet ea praesenti scopo et vocabitur a me vis vegetabilium essentialis_“
und in Anwendung auf die Erzeugung der Thiere S. 73. „_Embryonem hoc tempore (ovo sc. 36 horas incubato) ex substantia ovi nutriri demonstrant illius volumen auctum, perfectiones acquisitae, absentia cuiuscunque alius materiae, consumtio albuminis et vitelli succedens, experimenta inferius recensenda; consequenter: transire particulas nutrientes ex ovo ad embryonem: et existere vim, qua id perficitur, quae non est systaltica cordis et arteriarum, neque hinc facta pressio in venas vicinas, neque harum compressio a motu musculorum, dirigentem absque canalibus, viam determinantibus, adeoque analogam illi (§. 1.) quam aeque vocabo_ essentialem.“
[12] Doch übergehe ich dabey alle diejenigen, zum Theil ausnehmend scharfsinnigen Gegengründe, die schon in einer kürzlich unter folgendem Titel erschienenen, überaus witzigen und angenehmen Schrift der Evolution entgegen gestellt sind: _Zweifel gegen die Entwickelungstheorie. Ein Brief an Hrn._ ~Senebier~ _von_ L.. P.. (~Patrin~). _Aus der französischen Handschrift übersetzt von_ ~G. Forster~, _Göttingen_, 1788. 8.
[13] Er schrieb mir selbst d. 28. Aug. 1776. „Ich danke der Vorsehung, die mir so viele Lebenszeit gegeben hat, daß ich eine neue Auflage der Physiologie habe ausarbeiten können, ohne die ich der Welt viele Fehler würde zu wiederlegen gelassen haben.“
Zweyter Abschnitt.
_Prüfung der Haupt-Gründe für die vorgegebne Präexistenz des präformirten Keims im weiblichen Eye, und Gegengründe zu ihrer Wiederlegung._
Am 13^{ten} May 1758. ward in der Versammlung der königlichen Societät der Wissenschaften zu Göttingen die berühmte Abhandlung des Hrn. ~von Haller~ ihres damaligen Präsidenten über die Bildung des Herzens im bebrüteten Küchelgen abgelesen, worin man nachher das _argumentum crucis_ zu Gunsten der präformirten Keime zu finden geglaubt hat. Ihr Verfasser sagt nemlich, er habe gefunden, daß die Haut des Dotters im bebrüteten Ey mit den Häuten des daran hängenden Küchelgens, und die Blutgefäße des letztern eben so mit den Adern der sogenannten _figura venosa_ des Dotters continuirten. Nun aber habe der Dotter mit seiner Haut schon im Eyerstock der unbefruchteten Henne präexistirt, folglich nach aller Wahrscheinlichkeit auch zugleich mit derselben, obgleich unsichtbar das damit continuirende Küchelgen. -- Doch druckte sich der vorsichtige Mann anfangs immer noch behutsam und gleichsam schwankend über diese Schlußfolge aus[14].
Hr. ~Bonnet~ hingegen, der bald nachher seine Betrachtungen über die organisirten Körper herausgab, und schon vorher für die Entwickelung der präformirten Keime eingenommen war, faßte gleich die Hallersche Bemerkung, erklärte sie für schlechterdings unwiederredlich, und hielt durch sie die Wahrheit jener Hypothese für ganz ausgemacht erwiesen[15].
Und nun erst ließ sich auch Hr. ~von Haller~ immer mehr und mehr von der Wichtigkeit dieser seiner Bemerkung einnehmen, so daß er in den spätern Schriften kein Bedenken trug, sie für eben so entscheidend auszugeben, als sein Freund ~Bonnet~.
* * * * *
Da ich selbst ehedem in Schriften so gut wie hundert andre Naturforscher und Physiologen auf diese berühmte Bemerkung als auf den Grundpfeiler des Evolutionssystems gefußt habe, so darf ich um so weniger Anstand nehmen, nun jetzt meine Verwunderung zu äußern, wie in aller Welt wir allesammt einer im gegenwärtigen Falle so schlechterdings nichts beweisenden Behauptung ein so vermeintlich unwiederredliches Gewicht haben beylegen können!
Denn -- gesetzt auch, daß jene Continuation der Häute und Blutgefäße des Dotters mit den Häuten und Blutgefäßen des bebrüteten Küchelgens seine Richtigkeit hätte (-- gesetzt nemlich; denn die Sache selbst ist, wie die sorgfältigste genaueste Beobachtung gelehrt hat, noch ganz und gar zweifelhaft, und, wie jeder zugeben wird, der selbst bebrütete Eyer untersucht hat, sehr schwer mit Gewißheit zu behaupten --): so folgt ja daraus noch bey weiten nicht, daß diese Häute und Gefäße, wenn sie auch wirklich nun mit einander _continuirten_, deshalb auch von je zusammen _coëxistirt_ haben müßten! Genug Erscheinungen an organisirten Körpern zeigen das erstere, ohne daß man sich wird beykommen lassen, daraus das zweyte zu folgern. So aus dem Gewächsreich gleich ein Beyspiel statt vieler: die sonderbaren Vegetationen die an allerhand Pflanzen durch den bloßen Stich der Gallwespen verursacht werden, vorzüglich die sogenannten Schlafäpfel oder Bedeguar[16] an den wilden Rosenstöcken. Die Rinde des Rosenstocks überzieht auch diese ganzen moosartigen aber _zufällig_ entstandnen Gewächse, und wenn man frische oder einige Tage lang eingeweichte Schlafäpfel mit dem Aste, an welchem sie sitzen, durchschneidet, so zeigt sich der Uebergang der holzigen Gefäße des Rosenstocks in den holzigen Kern des Bedeguar aufs sichtlichste, und zuweilen mit einer ausnehmenden Sauberkeit. Sollen aber darum auch diese so zufälligen Producte einer kleinen Mücke von je mit dem Rosenstocke _coëxistirt_, und in allen Aesten und Blättern aller Rosenstöcke der Welt auch überall eingewickelte Keime für zahllose Schlafäpfel _präexistiert_ haben, die alle aufs Gerathewohl da gelegen hätten, bis endlich das tausendmal tausendste von ihnen durch den wohlthätigen Stachel eines hinzufliegenden Cynips zur Entwickelung angetrieben worden?
Und nun im Thierreich -- Wie oft werden nach den zufälligsten Entzündungen von Eingeweiden etc. durch Ergießung plastischer Lymphe neu erzeugte Häute und in diesen, oft binnen wenigen Tagen neue Blutgefäße gebildet, die beiderseits mit den Häuten und Gefäßen der benachbarten Eingeweide _continuiren_, ohne daß man daraus ihre beständige _Coëxistenz_ mit denselben zu folgern, sich wird einfallen lassen. Und damit man nicht etwa einwende, dieß seyen blos widernatürliche Erscheinungen im krankhaften Zustande der Thiere, so erinnere man sich der neuerlich so berühmt wordnen, sogenannten _Hunterschen_ Haut, die jedesmal nach einer fruchtbaren Empfängnis den künftigen Aufenthalt der nun zu erzeugenden Leibesfrucht und ihrer Hüllen vom neuen auskleidet, und deren Blutgefäße, zumal da wo die Adern der Nabelschnur in ihr Wurzel schlagen sollen, aufs sichtlichste mit den Blutgefäßen der Mutter selbst continuiren.
In allen diesen angeführten Fällen wuchert gleichsam die neu erzeugte Haut und ihre Gefäße aus den benachbarten Eingeweiden heraus, und so würden in der Anwendung aufs bebrütete Hühngen auch seine Gefäße und Häute erst aus des Dotters seinen ausgetrieben werden können.
Allein es läßt sich auch noch ein zweyter Fall gedenken, den auch schon ein scharfsichtiger Naturforscher, Hr. ~Paul~[17] der Hallerschen Demonstration entgegengesetzt hat. Gesetzt, daß jene Dotterhaut mit ihren unsichtbaren Gefäßen schon im Eyerstock der Henne präexistirt habe, so kan ja demohngeachtet das Küchelgen erst während des Bebrütens erzeugt, und nur die Blutgefäße desselben in die Adern jener Haut _eingepropft_, und so beide mit einander verbunden worden seyn.
Hr. ~von Haller~ hat diesen Einwurf laut und geradezu verworfen, und es für schlechterdings _unmöglich_ erklärt, daß die unendlich zarten Adern des dann noch microscopisch kleinen Küchelgens in die großen Gefäße des riesenmäßigen Dotters eingepfropft werden könnten[18].
Nun und eben dieser unendlich verdienstvolle Mann, der diese Einpfropfung beym Küchelgen unmöglich nennt, der ergreift hingegen im nemlichen Werke[19], da wo er von der menschlichen Befruchtung handelt, eine völlig gleiche Einpfropfung der Blutgefäße ohne alles Bedenken! Er nimmt nemlich an, der unendlich kleine menschliche Keim der nun aus dem Eyerstocke in die Mutterhöhle angelangt sey, der solle nun mittelst seines Mutterkuchen an derselben befestigt werden. Und wie das? Nicht anders als durch Einpfropfung seiner microscopischen Nabelgefäßgen in die riesenmäßigen Blutgefäße der Gebärmutter. --
* * * * *
Die neuern Verfechter der Evolution machten, wie wir gesehen haben, den Eydotter zur Stütze ihrer Hypothese.
Weit früher schon hat man sich des _Froschlaichs_ zu gleichem Zweck bedienen wollen.
~Swammerdam~ nemlich verkündigte vor mehr als hundert Jahren die wunderbare Entdeckung, daß der schwarze Punkt im Froschlaich das in allen seinen Theilen vollkommen ausgebildete Fröschgen sey, das auch schon im Eyerstock obschon fast unsichtbar präformirt gelegen habe u. s. w.[20]
Dem guten Mann scheint geahndet zu haben welch ein mißliches, vergängliches Ding es mit aller zeitlichen eitlen Ehre solcher Entdeckungen sey, und bekanntlich suchte er dafür bald hernach ein solideres Glück der Mystik im Schooße bey Mamsell ~Bourignon~. Denn wirklich hat nun jetzt die undankbare heutige Welt jene wunderbare Entdeckung dem berühmten Hrn. Abt ~Spallanzani~ zugeschrieben, der sie freylich in mehrern Schriften, zumal aber im zweyten Band seiner Abhandlungen[21] mit vieler Umständlichkeit vorgetragen hat.
Auch er nennt nemlich das schwarze Fleckgen im befruchteten Froschlaich geradezu Kaulquappe oder junges Fröschgen[22]. Und da nun dieses Fleckgen im unbefruchteten Laich doch schon eben so aussieht, wie im befruchteten[23], so ist nach seiner Logik nichts natürlicher, als daß dasselbe auch im erstern und schon in Mutterleibe Kaulquappe oder junges Fröschgen gewesen ist[24].
Ich weis nicht, was man von einem Chemiker urtheilen würde, dem es beliebte, ein Klümpgen Silberamalgama deswegen einen Dianenbaum zu nennen, weil doch wenn nun verdünnte Silberauflösung dazu käme, sich allerdings so ein Baum daraus bilden würde, und da nun ein solches Klümpgen außer der Silbersolution übrigens eben so aussähe, als nachdem es so eben unter dieselbe gebracht worden, so müsse folglich auch in jenem der _präformirte_ Dianenbaum präexistirt haben u. s. w.
Man muß sich schämen, eine Behauptung noch lange wiederlegen zu wollen, von deren absoluten Ungrund sich jedes gesunde, präjudizlose und im Beobachten nur nicht ganz ungeübte Auge alle Frühjahr überzeugen kan. Wer sich je die kleine Mühe gegeben hat, das Froschlaich genau zu untersuchen, der wird gestehen müssen, daß der Einfall, das schwarze Fleckgen in demselben zum Kaulquappen zu demonstriren, die glücklichste Anwendung von der Logik des Bruder +Peter+ im Mährgen von der Tonne sey, der auch seinen Brüdern das hausbackne Brod für einen exquisiten Hammelbraten andemonstriren wollte.
* * * * *
Doch die Verfechter der mütterlichen Keime sind weiter gegangen. Sie haben sich geradezu auf Fälle berufen, wo sogar _Mädgen_ in aller ihrer jungfräulichen Unschuld durch die unzeitige Entwickelung eines solchen kleinen Keims guter Hoffnung worden.
Wie doch die Dinge zuweilen sonderbar zusammentreffen müssen. Gerade im nemlichen Jahre, da ~Swammerdam~ seine obgedachte Entdeckung im Froschlaich kund that, ereignete sich, nach dem in den Tagebüchern der kaiserlichen Akademie der Naturforscher von einem berühmten Leibarzt seiner Zeit, dem Dr. ~Clauder~ gegebnen Bericht, in Sachsenland ein _Casus_, der mit jener Entdeckung wie Schachtel und Deckel zusammen paßte. Eine Müllersfrau kommt mit einem Mädgen in die Wochen, das einen ungewöhnlich hohen Leib mit zur Welt bringt. Acht Tage hierauf wird das kleine dickleibige Mädgen „mit großen Wehtagen und Unruhe befallen, sehr weinend und ängstlich, daß alle die Umstehende nicht anders vermeint, als es würde im Nu sterben. Immittelst gebieret das kranke Kind ordentlicher Weise ein artiges, vollständiges, lebendiges Töchterlein, in der Länge des mittlern Fingers, welches auch getauft worden. Bey und während der Geburt ist alles an Afterbürde und andrer Unreinigkeit abgegangen, beide Kinder aber sind kurz folgende Tage hierauf gestorben.“[25]
Der Hr. ~von Haller~ setzt richtig diese Geschichte nebst einer anderen aus den Schwedischen Abhandlungen, wo man bey der Section eines Mädgen, Knochen, Zähne und Haare in einer Geschwulst des Gekröses gefunden, unter die Hauptstützen der Wahrheit der mütterlichen Keime[26].
Aber auch in ~Schmucker’s~ vermischten chirurgischen Schriften beschreibt ein ~Anonymus~ die Leichenöffnung eines Mädgen, bey dem man _statt der Gebärmutter_ einen runden, harten mit Haaren bewachsenen Körper einer starken Wallnuß groß gefunden, der ein misgestaltnes Kinderköpfgen vorgestellt. Das Köpfgen habe zwey vollkommne Zähne und in seiner Cavität etwas Gehirn-ähnliches gehabt etc.
Da die Verfechter der mütterlichen Keime immer so laut und dringend protestiren, daß man doch ihren _Beobachtungen_ nicht bloßes Räsonnement entgegen stellen solle, so enthalte ich mich auch hier alles Räsonnements, sondern will ihnen blos Zug für Zug, Beobachtung gegen Beobachtung vorlegen, nemlich von nicht minder merkwürdigen und unterhaltenden und ungefähr eben so glaubwürdigen Fällen, wo sich auch _Mannspersonen_ oder andre männliche Thiere in gesegneten Leibesumständen befunden haben sollen, und ich hoffe nicht, daß diese meine, den _mütterlichen_ Keimen gerade wiedersprechende Autoritäten, der Gegenpartie ihren nachstehen dürfen.
* * * * *
Dem Fall z. B. aus den schwedischen Abhandlungen setze ich einem aus der Geschichte der königl. Akad. der Wissenschaften zu Paris entgegen, da ein _Abbé_ mitten in einem Versuche über das Zeugungsgeschäfte sehr zur Unzeit unterbrochen ward, und von Stund an in gewissen Theilen die einmal ein andrer _Abbé_ der heil. ~Abaelard~ durch einen ähnlichen Anlaß ganz eingebüßt hat, eine harte Geschwulst fühlte. Es kam zur Operation, und sein Wundarzt versichert der königlichen Akademie, dem Hrn. Patienten ein verhärtetes Kindgen[27] aus besagten Theilen geschnitten zu haben.
Die Geschichte von der Müllersfrau in den Tagebüchern der kaiserlichen Akad. der Naturforscher, denke ich mit einer andern in den _Philosophical Transactions_ aufzuwiegen, da ein männliches Windspiel ein lebendiges junges Hündgen _per anum_ von sich gegeben haben soll. Statt der Hrn. ~Clauder~ und ~Otto~ die jene Geschichte bezeugen, nenne ich zwey Gewährsleute, auf die England stolz seyn muß: Dr. ~Wallis~ und ~Edm. Halley~.
Endlich dem _anonymus_ bey ~Schmucker~ setze ich einen _anonymus_ beym ehrwürdigen ~Fr. Ruysch~ entgegen, der diesem ein ähnliches Product, nemlich eine knochichte Schaale wie eine halbe Wallnuß verehrte, die er nebst vier vollkommnen Backzähnen und einem Knaul Haare vom Magen einer männlichen Leiche losgeschnitten zu haben versicherte.
Das wäre denn also Autorität gegen Autorität. Ich glaube man kan nicht gewissenhafter zu Werke gehn, als ich hier zu Werke gegangen bin; und in so fern, dächte ich, wären wir wenigstens quitt. Doch riethe ich, wenns gefällig wäre, überhaupt beym gegenwärtigen Streite, diese Art von Hülfstruppen vor der Hand aus dem Spiele zu lassen; ich stellte die meinigen blos darum auf, weil die Gegenpartie mit den ihrigen ins Feld zu rücken für gut befunden hatte.
* * * * *
Das ist das Hauptsächlichste, was ich den berühmtesten Beweisen, die von den Vertheidigern der präformirten mütterlichen Keime für die sinnlichst entscheidenden ausgegeben werden, entgegen zu setzen habe.
Diesen darf ich aber nun noch einige andere aus Erfahrung bewiesene Gegengründe beyfügen, die ohnehin wohl den Werth jener Einschachtelungshypothese bey unbefangenen und nachdenkenden Lesern zu bestimmen, hinreichend seyn dürften.
So z. B. die durchgehends bestätigte Erfahrung, daß sich auch dem bewaffnetesten Auge doch nie sogleich -- sondern immer erst eine geraume, zum Theil beträchtlich lange Zeit, nach der Befruchtung die erste Spur des neuempfangnen Menschen oder Thiers, oder Gewächses zeigt. Es lohnt sich nicht der Mühe, jetzt noch die fabelhaften Sagen des ~Hippocrates~ und so vieler nachherigen guten Alten zu rügen, die in den ersten Tagen nach der Empfängnis schon völlig kenntliche ausgebildete menschliche Leibesfrüchte gesehen zu haben meinten. Sie werden bey den wenigen Hülfsmitteln und der seltnen Gelegenheit in jenen Zeiten um so verzeihlicher, wenn man bedenkt, daß selbst neuere Aerzte von ungleich mehr ausgebreiteter Erfahrung in diesem Fache, noch ähnliche solche Behauptungen gewagt haben. So hat uns ~Mauriceau~ mit Abbildungen von Leibesfrüchten von 3⅓ Tagen, von einem Tag u. s. w. beschenkt, und so haben ~Malpighi~ und ~Croune~ schon im unbebrüteten Ey einer getretnen Henne, und letztrer sogar in Windeyern von Hünern, denen sich noch nie ein Hahn genaht hatte, das Küchelgen und seine Theile gesehn zu haben, versichern dürfen.
Kein vorsichtiger und zuverlässiger Beobachter wird aber vor der dritten Woche der Schwangerschaft einen ungezweifelt wahren, menschlichen Embryo, oder im bebrüteten Hühnerey in den ersten zwölf Stunden auch nur eine dunkle, und vor Ende des zweyten Tages, eine deutliche Spur des Küchelgens gesehn haben. Vor diesem, einer jeden Gattung von Thieren und Gewächsen von der Natur auf längere oder kürzere Zeit vorgeschriebenen Termin[28], ist schlechterdings ihre neuempfangene Brut nicht zu erkennen: ein Umstand, der bey der Vollkommenheit unsrer Vergrößerungsgläser und andrer mechanischen Hülfsmittel und Handgriffe der Theorie der präformirten Keime gewiß nichts weniger als günstig seyn kan.
Eben so wenig ist abzusehen, wie in aller Welt die Gönner der präformirten Keime, die unzähligen Fälle von Entstehung und Ausbildung ganz zufälliger Weise neuerzeugter, im natürlichen Bau gar nicht existirender organischer Theile mit ihrer Einschachtelungshypothese zusammen reimen wollen.
Nur gleich wenige Beyspiele der Art statt vieler.
Eine Frau wird guter Hoffnung, aber ihr Kind ist nicht in dem eigentlichen Ort seiner Bestimmung, sondern darneben in einer der beiden Fallopischen Röhren empfangen worden, die berstet endlich bey zunehmendem Wachsthum des armen verirrten Geschöpfes, und dieses fällt nun in die Bauchhöhle der Mutter. Was thut die Natur? Sie ergießt eine Menge plastischer Lymphe, die sich zu deutlich organisirten Häuten bildet, und den Fötus incrustirt, wie eine Mumie einwickelt und dadurch die der Mutter sonst tödliche Fäulung desselben verhütet; so daß sie nun noch lange Jahre mit dieser zwar lästigen, aber doch nicht gefährlichen Bürde herumgehen kan. Die nachherigen Leichenöffnungen aber zeigen offenbar, daß diese durch einen Zufall veranlaßten neuerzeugten Membranen mit zahlreichen Blutgefäßen durchwebt sind[29], die doch wohl schwerlich im vermeinten Keime schon präexistirt haben können?
Ein Mensch bricht beide Röhren im Vorderarm, hält sich bey der Heilung nicht ruhig, so daß die Natur den Bruch nicht wie sonst durch eine Beinschwiele zusammen leimen kan. Was thut sie dagegen? sie bildet im Bruche für beide Röhren zwey neue Gelenke, im ganzen gleichsam einen zweyten Ellnbogen, der für sich allein und ohne Hülfe der andern Hand volle Beweglichkeit hat.
Ein anderer verrenkt den Schenkelkopf aus dem Hüftknochen und die Natur bildet ihm in selbigem eine neue Pfanne[30].
Ein Kind kriegt im Mutterleibe durch den zufälligsten Anlaß, z. B. blos durch unmäßige Liebesbezeugungen des Vaters gegen die schwangere Mutter, einen Wasserkopf, wodurch die Hirnschaale ungeheur wassersüchtig aufgetrieben wird, und mächtige leere Zwischenräume zwischen den ausgedehnten flachen Knochen derselben entstehen. Die Natur sucht zu helfen, und sprengt einzelne kleine Knochenkernchen in diese Zwischenräume, die zu Zwickelbeinchen werden und diese gefährlichen Lücken möglichst ausfüllen, die sonst so weit auseinander stehenden Knochen miteinander verbinden, und die Hirnschaale schließen helfen. Diese Zwickelbeinchen gehören aber nicht zum natürlichen Bau, und finden sich daher auch nur sehr selten bey Thieren oder an den Schedeln von wilden Völkern; können folglich auch wohl schwerlich im Keime präformirt gewesen seyn. Und doch sind es wahre, einzelne, abgesonderte Knochen, mit _ächten_ Näthen eingefaßt. Und zwar werden sie nicht etwa blos von den benachbarten natürlichen Näthen der flachen Knochen umschlossen, sondern oft liegen ihrer so viele dicht neben- und untereinander, daß die mittlern darunter ganz offenbar auch ihre eignen neuerzeugten Näthe bilden. Wie kunstreich aber ist nicht der Bau einer ächten Nath mit ihren doppelten und dreyfachen Reihen von Zäpfgen und Grübgen, die so bewundernswürdig in einander greifen.