Tutti Frutti, Erster Band (von 5) Aus den Papieren des Verstorbenen
Part 9
In neuester Zeit haben sich zwar diese getadelten Ansichten schon in etwas geändert -- die nothwendigen Folgen der frühern Verfahrungsweise sind aber auch leider bereits nur zu vielfach eingetreten, nämlich Deteriorirung der meisten Rittergüter in Bezug auf ihren Werth, und noch weit mehr Vernachläßigung derselben hinsichtlich ihres äußern Glanzes, Verschuldung des größten Theils derselben durch das ganze Land, und daraus immer mehr überhand nehmender Mißcredit ihrer Besitzer. Und doch möchte bei richtigerer Beurtheilung des inne habenden Standpunktes, und bei größerer +Liebe+ zu demselben, vielleicht kein Wirkungskreis belohnender, ehrenvoller, verdienstlicher um den Staat selbst, und zugleich reicher an vielfachem Genuß gewesen seyn! Ja, ohngeachtet der so sehr bejammerten bösen Zeiten, ohngeachtet der langen Litanei von Klagen, als z.B. über zu schwere, unverhältnißmäßig vertheilte Abgaben, über eine besonders stiefmütterliche Behandlung der Grundbesitzer von Seiten des Gouvernements, das, wie die Unzufriedenen behaupten, alle Staatslasten in letzter Instanz auf den Landbewohner fast allein zusammenhäufe und den Capitalisten ziemlich leer ausgehen lasse; über die Verwirrung und Unzahl der Gesetze, namentlich über die Mängel des bestehenden Hypothekenrechts, welches durch Langsamkeit und Peinlichkeit des Verfahrens allen Credit zerstöre, und an dessen, wie der übrigen Gesetze Revision, man zwar stets arbeite, aber nie ein Resultat zum Vorschein bringe;[22] über eine zu langsame, zu theure und zu schreibselige Justizverwaltung, die ohngeachtet aller Milde und Liberalität der Gesinnung für die Schuldigen, dennoch für den unschuldigen Bürger drückend werde, indem sie, statt, wie es ihr Beruf sey, Streit mit Schnelle zu schlichten oder ihn zu verhindern, im Gegentheil durch ihre Organisation Prozesse, wie Pilze ein befruchtender Sommerregen, unzählbar aus dem ergiebigen Boden hevorlocke und pflege; über zu vieles Einmischen der Behörden in alle Privatverhältnisse, wie zu vieles Bevormunden und Regieren überhaupt, dem Krebsschaden der neuern Zeit; vor allem aber über die stets zunehmende Zahl, und den, unter einem so gütigen und wohlwollenden Herrscher doppelt unerträglichen, Despotismus der ganzen Beamtenhierarchie, welche schon aus Instinkt vorzüglich den Grundbesitzer als ihren natürlichen Feind betrachte, und ihn daher immer mehr und mehr wehrlos zu machen suche, ein Uebel, das man zwar einsähe, ja zugäbe, aber mit zu viel Apathie dennoch immer mehr um sich greifen lasse u.s.w., -- ohngeachtet dieser, ohne Zweifel sehr übertriebenen, Klagen, ja selbst ohngeachtet der zerstörenden Art wie die Ablösungsgesetze ausgeführt werden, sage ich, würden dergleichen Mängel und Mißbräuche, wenn sie auch ganz so existirten, wie man sie schildert, meiner Meinung nach, dennoch immer nur theilweise Verarmungen, nur zeitliche Entbehrungen und Mißverhältnisse, aber nie so dauernde Noth, so vielfachen gänzlichen Ruin, so allgemeine Herabsetzung des Bodenwerthes auf dem Lande hervorgebracht haben, wie wir es jetzt leider fast durchgängig, als die eigene Schuld früherer Sünden, erleben müssen.
Der Art ist es denn, ich wiederhole es, auf ganz folgerechte Weise dahin gekommen, daß in unsrem Vaterlande, welches eine so hohe Stufe der Cultur für sich in Anspruch nimmt, der Landadel, oder Stand der Gutsbesitzer überhaupt, weil er stets noch etwas andres seyn wollte, als wozu er berufen war, nicht nur fortwährend immer mehr verarmt, sondern auch in demselben Grade in der öffentlichen Meinung sinkt, als andre Stände in derselben steigen. Seine Mitglieder nach ihrem eignen Maßstabe gemessen, pflegen nun wirklich nur dann noch im Publico, wie bei der Behörde, Ansehn zu genießen, wenn sie zugleich mehr oder weniger als bloße Gutsbesitzer sind, besonders, versteht sich, wenn sie als Räthe irgend einer Klasse mit Staatsangelegenheiten zu experimentiren befugt wurden, obgleich leider in den meisten Fällen dieser Art wohl der Staat eben so wenig, als ihre Güter großen Nutzen davon verspüren mögen.
Man werfe mir hier nicht ein, daß in constitutionellen Reichen die großen Grundbesitzer, die Aristokratie, ebenfalls einen bedeutenden Antheil an den Staatsgeschäften nehme. Fürs Erste +haben wir gar keine Aristokratie im wahren Sinne des Worts+ (meiner Ueberzeugung nach auch ganz entbehrlich in einem absolut regierten Staat, wo nur die Aristokratie des Dienstes gilt, aber gewiß ein unumgänglich nothwendiges Institut zur Bildung einer +stabilen und kräftigen constitutionellen+ Monarchie, sowohl zur Sicherung des Throns als der Rechte des Volks), sondern nur titulairen Adel ohne Beruf und Bedeutung, an ihrer statt, ein höchst trauriges Aequivalent! Zweitens aber ist der Antheil an Staatsgeschäften bei einer ächten Aristokratie so verschiedner Natur, und dem eignen Besitze so angemessen, ja mit ihm verwachsen, daß die öffentlichen Funktionen +jener+ Gutsherren, statt ihrem Interesse je hinderlich zu seyn, dasselbe überall in gleichem Verhältniß mit dem Vortheil des Ganzen nur befördern müssen, vorausgesetzt freilich, daß die Individuen selbst von richtigen Staatsansichten in ihrer Handlungsweise ausgehen, was aber eben die Bedingungen einer vernunft- und zeitgemäßen Aristokratie im Voraus verbürgen würden. Doch wie selten sieht man in Ländern, wo schon ähnliche Verhältnisse, wenn gleich unvollkommen, bestehen, z.B. in England, den Chef der Familie, den Grundbesitzer, in den speciellen Dienst des Gouvernements treten -- nur außerordentliche Talente oder außerordentlicher Ehrgeiz, oder gänzlich zerrüttete Umstände vermögen ihn in der Regel dazu, und der Fall gehört immer zu den Ausnahmen. Desto eifriger suchen dagegen die jüngern Söhne, +ohne+ Landbesitz und aristokratische Befugnisse, sich dem Staatsdienste zu widmen, und sind gewöhnlich sehr froh, ihre Laufbahn damit zu beschließen, daß sie sich den Wirkungskreis und die Vortheile erworben haben und in Ruhe das verwalten und genießen dürfen, was den älteren Brüdern die Geburt schon gab, und dessen würdige Führung diese daher vom Anfang an als ihren wahren Beruf ansehen.
Solche glückliche Verhältnisse, welche langsam erblüht, jenseits des Kanals eine für lange Zeit so bewundernswürdig gebliebene Staatsmaschine hervorgebracht, und selbst bei monströsen Mängeln und Mißbräuchen, dennoch ein wohlthätiges, öffentliches Leben und eine größere nationelle und persönliche Freiheit gegründet haben, als irgendwo im übrigen Europa zu finden ist, sind uns jedoch fremd, und müssen uns aus vielen Gründen höchst wahrscheinlich auch noch lange fremd bleiben. Erscheinen sie indeß einst, so werden sie, dem Fortschreiten der Zeit gemäß, sich nicht nur anders, sondern ohne Zweifel auch noch weit zweckmäßiger, besser und selbst wahrhaft freier bei uns gestalten -- eine Hoffnung auf die Zukunft, die nichts Unrechtmäßiges enthalten kann. Da sie aber jetzt einmal nicht da sind, und in der That auch mit dem besten Willen von oben und unten, noch gar nicht da seyn können, uns aber dafür so Manches entschädigt und gewiß keine absolute Monarchie ~de jure~, nur halb so viel Freiheit ~de facto~ gewährt, als die unsrige, so ist uns vaterländischen Landbesitzern um so mehr zu empfehlen, vom Hundertsten und Tausendsten ein für allemal zu abstrahiren, nach Göthes Rath, Politik und Staat für sich selbst sorgen zu lassen, und uns nur der eignen, entweder schon angebornen, oder früh gewählten Bestimmung ganz und allein zu widmen. Die, welche es versuchen, werden dabei negativ sich viele unnütze ~pia desideria~ und manchen Verdruß ersparen; positiv aber auch noch an sehr mannigfachem, nützlichem Wissen, an baarem Vortheil, an Ansehn, und wie ich glaube, auch an Genuß und Vergnügen, nur gewinnen können. Nur müssen sie nicht wähnen, genug zu thun, wenn sie sich als Gutsbesitzer, +bloß+ potenzirte Landbauern zu seyn bestreben. Damit zwar sollen sie allerdings anfangen, aber dann, ihrem höhern Wirkungskreise angemessen, auch weiter gehen, und alles Gute und Schöne des Lebens in ihren Bereich zu ziehen suchen, so weit sie nur können, doch immer mit Bezug auf einen bleibenden Vortheil +für ihren Besitz+. Ist also zuerst für die bestmöglichste Bewirthschaftung ihrer Güter gesorgt, so wird die ästhetische Ausschmückung derselben folgen müssen. Dieser kann sich dann jeder edlere Luxus, wie er dem Geschmacke des Besitzers am besten zusagt, anschließen, es seyen nun Sammlungen von Gegenständen der Kunst und der Wissenschaft, neue Zweige der Industrie, Musterwirthschaften, oder andere gemeinnützige Anstalten, kurz Alles, was in dem Bereiche der Mittel liegt, um das Familieneigenthum fortwährend nicht nur werthvoller, sondern auch +würdiger+ in seiner Erscheinung für jede Zeit und in jedem Sinne zu machen.
So allein werden dann im Stillen die Elemente wieder gegründet werden, die jetzt ganz verloren zu gehen drohen, und durch welche eben eine dauerhafte Aristokratie hauptsächlich gebildet werden muß -- nämlich ein +ansehnlicher und ein als der Stolz des Landes geachteter Grundbesitz+, wie er z.B. England schmückt, und jeden Ausländer, selbst wider Willen mit einem wahren Respekt vor dem Lande erfüllt, wo ein solcher Zustand des Grundbesitzes nicht nur einzeln erlangt, sondern bei den höhern Classen fast allgemein geworden ist.
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+Die Hoffnung+ verläßt uns zwar nie, aber sie blinkt meistens nur auf uns herab, wie jener Stern, den Tag für Tag, früh und Abend, der ermattete Wanderer wohl immer sieht, aber nimmer erreicht; der ihn bald als Lucifer, bald als Venus, bald als Morgenstern, bald als Abendstern anlächelt, und in dieser Viereinig- oder Vierbeinigkeit fort und fort verrätherisch bethört. -- Und doch -- wer könnte ohne diese Täuschung leben!
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Freiheit der Presse scheint ein unentbehrliches Bedürfnis unsres Geistes werden zu wollen, seit der Entdeckung der Menschenrechte; wie Thee und Kaffee es für unsre Magen geworden sind, seit den Entdeckungen des Welthandels.
Drei neue interessante löschpapierne Zeitungs-Artikel.
1) In der Nacht vom 18ten zog in Pruntrut eine +Ratte+, unter dem Vortragen einer dreifarbigen Fahne mit wüstem Lärm und dem Gebrülle: es lebe die Freiheit! -- aus einem Schlupfwinkel hervorbrechend, nach dem Amthause.
2) Man besorgt keine Hungersnoth mehr in Mastricht, da der Herzog Bernhard mit 400 +Magen+ der Stadt zu Hülfe kommen wird.
3) Zwei Dampfschiffe, eins vom Haag, das andre von Cöln, sind heute in Antwerpen angekommen und haben mit dem Befehlshaber der Citadelle eine lange Unterredung gehalten.
Drei dem Vorigen analoge Regierungs-Erlasse.
1) Die Regierung zu Z....., lange schon berühmt durch ihre Genialität, dehnte ihren Regierungseifer sogar einmal bis über die Landesgrenze hinaus, indem sie kurz nach Abtretung eines Theils des Königreichs R.... übersah, daß die Stadt U.... ihrem alten Beherrscher verblieben war, und in diesem Irrthume befangen, dem dortigen Buchhändler +Schöps+ wegen Verkauf eines verbotenen Buches ein Strafmandat zusandte.
Die kurze Antwort war:
„Es muß mein Name Schöps, wegen seiner großen Verbreitung in der angrenzenden Provinz, wohl die unschuldige Ursache seyn, daß Eine Hochlöbliche Regierung zu Z..... mich zu den ihrigen zählt. Ich bin daher so frei, Hochdieselbe hiermit gehorsamst zu benachrichtigen, daß die Stadt U..., nach Versicherung aller Geographen, annoch einen Theil der N....schen Lande ausmacht, und bis jetzt hier noch nichts verlautet hat, daß dieselbe einer fremden Regierung unterworfen worden sey, weßhalb es wohl zweckmäßig seyn wird, wenn vor der Hand das gnädigst gegen mich erlassene Strafmandat ganz unter uns bleibt. Einer hochweisen Regierung zu Z. submissester
F. +Schöps+ ~jun.~“
2) Dieselbe Regierung schrieb erst ganz kürzlich an einen Landrath folgendermaßen:
„Es ist nicht mehr zu dulden, daß, bei der grassirenden Viehseuche, fremde Ochsen eingelassen werden. Daß solches bereits geschehen, darüber müssen wir Ihnen unser Mißfallen zu erkennen geben, und zeigen Ihnen hiermit an, daß im Wiederbetretungsfalle Sie ohne Weiteres todt gestochen werden sollen.“
Das große S mag freilich auf Rechnung eines humoristischen Abschreibers kommen, aber der vortreffliche Styl des Erlasses war zu verführerisch, um ihn mit so leichter Mühe nicht noch etwas zu verbessern.
3) Der Schauspieldirector B...... bat um Erlaubniß, in L..... spielen zu dürfen. Es wurde ihm abgeschlagen, weil schon ein Anderer, besser Protegirter, diese Erlaubniß erhalten. Der Mundirende nahm aber die angemerkte Nummer der Verfügung aus Versehen mit in den Text auf, so daß Herr B...... nicht wenig erstaunt war, folgenden Bescheid zu erhalten:
„Die von Ihnen erbetene Erlaubniß kann aus 3345 erheblichen Gründen nicht genehmigt werden.
D. K. R. z. Z.
Zweite Abtheilung.“
Ein Portrait.
Im Traum erschien mir neulich ein furchtbarer Riese. Eines seiner Beine war der Thurm des Straßburger Münsters, das andere der von St. Stephan zu Wien. Seine Uniform war himmelblau und an der linken Brust trug er die Venus und den Uranus, an der rechten drei Cometen. Sein Kopf war weiß gepudert, als sey es der eines Oberkammerherrn, und wie ich näher hinsah, war besagter Kopf nur der Tschimborasso.
Da streckte er die Finger aus, das waren die Strahlen des Nordlichts, und aus den feurigen Farben fiel ein glühender Funke herab und wirbelte nieder aus ungemeßner Höhe, und wie ich ihm voll Entsetzen mit den Augen folgte, so ward er bald größer, bald kleiner, gleich einem Irrlichte, bis er endlich die Form eines Menschen annahm.
Wie das unbestimmte Wesen endlich vor mir stand -- da war es der Teufel, und wir wurden bald recht gute Freunde. Doch mein Himmel! wie ganz anders ist dieser beschaffen, als man sich ihn vorstellt. -- Nur der verewigte +Hauff+, der ebenfalls sehr mit ihm liirt war, hat uns irgend eine vernünftige Auskunft über ihn gegeben. Ich stellte ihn nachher, als er mir schon ganz alltäglich geworden war (denn der Mensch gewöhnt sich an alles) einer sehr liebenswürdigen Dame von meiner Bekanntschaft vor, mit der er dann, wenn mich nicht alles trügt, noch intimer wurde, als mit uns Beiden. Neulich fand ich nun, von ihrer Hand auf drei mit Nadeln an einander gesteckte Zettelchen geschrieben, eine Schilderung meines guten Freundes, die von ihrem Schreibtisch gefallen war. Die weibliche Naivität derselben entzückte mich. Hier die treue Abschrift:
„Ach! -- Satanas ist weder häßlich, noch trägt er Hörner. Auch ist er durchaus nicht mit einem.... wenigstens mit keinem Pferdefuße behaftet. Derselbe ist im Gegentheil sehr wohlgewachsen, lang, schmächtig, von sehr geschmeidiger Gestalt, und seine Gliedmaßen alle von der schönsten Proportion. Ach! hierin fehlt ihm nichts. Sein Auge funkelt wie ein Stern und wechselt alle Augenblick. Eben so belebt, voller Ausdruck und Veränderlichkeit ist seine ganze Physiognomie. Im ruhigen Zustande erscheint sie oft schwermüthig, wie die eines Dichters. Zornig sah ich ihn nie, gewöhnlich sieht er freundlich und gutmüthig aus, zuweilen gar schwärmerisch, immer aber doch klug und verschmitzt. Er gebehrdet sich äußerst anständig, erröthet wie ein Mädchen, wenn es Noth thut, und weint mit Leichtigkeit. Sein Haar ist mit höllischem Rabenschwarz gefärbt, nur +ein+ rothes habe ich bemerkt, an der linken Seite seines Stutzbärtchens, das sich gar nicht vertilgen läßt. Die Farbe seines Gesichts ist blaß, doch die Haut sehr fein und eben. Schmale Lippen, weiße Zähne, lange, zarte Finger, feine Füße. In der Kleidung ist er einfach, aber mit recherchirter Nachläßigkeit. -- Dieses interessante Aeußere gehört gewiß zu seinen großen Listen, und da er so unbefangen und anmuthig damit umher zu schwänzeln weiß, bald mit vornehmen, bald mit herablassenden Mienen, so merkt, wie +ich+ wohl gewahr werde, das alberne Schaafgeschlecht der Menschenkinder, welches nichts andres, als einen Greuel und Spuk in ihm sucht, niemals, mit wem es zu thun hat.
Am sichersten wäre er aber doch daran zu erkennen, daß er das garstige Höhnen selten, das Foppen aber nie lassen kann -- und doch leider auch dabei nur einen steten Werber für seinen eignen Dienst abgiebt. Seine Talente sind außerordentlich, man kann sichs wohl denken! sein Witz unerschöpflich, seine unverschämte Blödigkeit aber besonders unnachahmlich.
Er ist ein unwiderstehlicher Meister in Vorspiegelungen und Ueberredung. Auch hält er gern Vorlesungen, besonders liest er den Götheschen Faust vortrefflich. Daß er das Incognito über Alles liebt, wird man leicht begreifen; große Herren sind nicht gern genirt. Das irdische Leben zu genießen weiß er wie Keiner. Wenn er dabei Nüsse knackt, speist er sie gewöhnlich allein und wirft die Schaalen den andern an die Nase, findet jedoch immer eine gute Entschuldigung dafür.
Alles, was ihm nahe kömmt, sucht er zu verführen, besonders das schöne Geschlecht, der Verräther! wobei es doch scheint, daß er selbst -- das Sündigen immer noch mehr als die Sünde liebt. Wenn er sich aber erst in die Herzen recht zu schleichen und einzunisten gewußt hat, so daß er nicht mehr herauszubringen ist, -- dann paradirt er mit Indifferentismus, spielt den englischen Dandy und sinnt nur auf neue Maleficien. Ach!“
Soweit die junge Dame.
Aus eigner Beobachtung und Erfahrung kann ich noch einige nicht unmerkwürdige Notizen hinzufügen.
Ich weiß unter andern bestimmt, daß Satan einmal die feste Absicht hatte, unter die Frömmler zu gehen. Seine kräftige Natur hielt es aber nicht aus. Nach wenig Wochen fuhr er aus der Haut, und seit dieser Epoche schreibt sich auch seine neueste Metamorphose eigentlich her. Hörner, Pferdefuß und Gestank ließ er der heiligen Gemeinde zurück zu beliebigem Gebrauch. Seit Kurzem ist er nun, (denn auch der Teufel kann sich nicht ganz vom Zeitgeiste losmachen) ein Liberaler geworden und geht ernstlich mit allerlei Reformideen um; ja, es verlautet sogar, daß er der Hölle eine Constitution oktroyiren werde.
Viele arme Seelen schmeicheln sich bereits mit der Hoffnung, ihre Peiniger künftig nicht mehr von Gottes Ungnaden, sondern durch eigne Wahl zu erhalten. Sie wollen, sagen sie, dann mit Vergnügen doppelt so viel leiden.
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Meinungen sind eine eigne Sache! Sie tragen den Sieg über jedes persönliche Interesse davon. Man sehe z.B. und bewundere die Holländer (ich spreche von den alten). Nichts hat sie mehr bereichert, als die große Entdeckung der Härings-Einsalzung, und es war vorzüglich das strenge katholische Fasten, welches ihren ungeheuren Absatz in dieser Waare bedingte, so daß man jetzt noch zu sagen pflegt: Amsterdam sey auf Häringsköpfen gebaut. Demohngeachtet wurden die Holländer mit Passion +Protestanten+, schafften die Fasten ab und würden gern alle Welt zu demselben Entschluß gebracht haben, hätten sie auch keinen einzigen eingesalzenen Häring mehr an dieselbe absetzen können.
Es giebt noch viele andere, aber vielleicht minder rührende Beispiele von erhabner Uneigennützigkeit.
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Wie bei Shakespeare fast immer der Tragödie ein komisches Element beigemischt ist, so verhält es sich auch in der Welt-Tragödie. Es ist nicht leicht, in Europa jetzt das Lächerlichste herauszusuchen. Mir scheinen indeß gewisse Südländer, in ihrer Rolle als Harlekin-Eisenfresser, der nicht einmal den Angriff abwartet, um davon zu laufen, viel Anspruch darauf zu haben. Das Lustigste aber ist, daß diese Sclaven, deren einzige wahre Charte nur in mit der Pritsche genudelten Macaronis besteht, nun gar ihrem infailliblen Pabst +auch+ einen Constitutions-Haarbeutel anhängen möchten!
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Vielleicht klagt man doch mit Unrecht über die neue Zeit, daß sie Alles umzustoßen suche, ohne etwas Besseres dafür aufzustellen.
Wollt Ihr denn, wenn Ihr ein Zimmer malen laßt, den Erfolg nach +dem+ Zeitpunkte beurtheilen, wo man die alte Farbe von den Wänden abkratzt, und die neue nur erst eingerührt wird? Wartet bis sie aufgetragen seyn wird und trocken ist. Taugt sie dann nichts, so habt Ihr Recht zu sagen: Besser, man hätte es beim Alten gelassen!
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Mangel an guter Erziehung ist den Deutschen mit Recht vorzuwerfen. Dies ist ein großer Mangel; denn Erziehung ist dem Anzug zu vergleichen und Kleider machen Leute, wie das Sprichwort mit Recht sagt. Sie verändern zwar das +Wesen+ des Menschen nicht, aber doch seine äußere Erscheinung, die wie ein +halbes Selbst+ wirkt. Dasselbe thut die Erziehung. Sie verdeckt geschickt die Blößen, hebt das Vortheilhafte heraus und bekleidet das Ganze mit Anstand, indem sie uns durch Gewohnheit einem Zwange unterwirft, den die Gesellschaft als Opfer für ihre Wohlthaten fordert.
Eine Zeit lang gab man der Erziehung zu viel Freiheit; jetzt scheint man sie fast wieder zu sehr einzuschränken. In Oesterreich z.B. sind, wie man mir erzählt, die Universitäten, gleich den Schulen, in Klassen eingetheilt, und die Studenten in letztern erhalten auch noch zuweilen Hiebe.
Dagegen ist man auf der andern Seite wiederum so liberal gewesen, den Gebrauch einzuführen, daß, wenn ein Student daselbst Doctor wird, während seiner Disputation ein fortwährender infernalischer Lärm von Trompeten und Pauken stattfindet, der kaum ein Wort zu vernehmen gestattet. Hierdurch sehen sich Schwache großmüthig unterstützt, und etwanigen Spöttern wird zugleich dadurch auf die radicalste Weise das Handwerk gelegt. Im frommen Berlin verfährt man nach dem biblischen Spruche: die Letzten sollen die Ersten seyn, weßhalb auch an der dasigen Universität ein Pedell 800 Rthlr., und ein Professor nur 400 Gehalt erhält. Bei den sächsischen Universitäten sind auch wesentliche Veränderungen eingetreten. Niemand kann mehr, wie einst ~Dr.~ +Barth+, seinen Pudel Doctor werden lassen[23], und diejenigen, welche nur Magistri waren (man nannte sie auch Professoren der unentdeckten Wissenschaften) haben das Privilegium verloren, mit Zwirn und Hosenträgern, Fleckkugeln und....... handeln zu dürfen, welches manche früher mit großem Erfolge betrieben. Dafür sind sie jetzt zu dem Titel ~Doctores philosophiae~ avancirt, wahrscheinlich jedoch ohne dadurch philosophischer geworden zu seyn.
Eine der timidesten Erziehungen, die mir vorgekommen, war die des jungen Grafen D. in Berlin. Unter andern unzähligen Beschränkungen hatte man ihm auch nie erlaubt, anders als bei schönem Wetter mit seinem Hofmeister auszugehen. Dies erweckte in dem jungen Gemüthe die sonderbare Leidenschaft, sich, es koste was wolle, einmal beregnen zu lassen. Vergebens! man ließ ihn nie aus den Augen. Endlich wird einmal während eines Platzregens der Hofmeister plötzlich abgerufen, schließt aber doch wohlweißlich die Thüre hinter sich zu. Kaum ist er fort, so eilt der hoffnungsvolle Majoratsherr ans Fenster, reißt es auf, rückt einen Stuhl heran, biegt sich weit heraus und fühlt nun ganz entzückt das kalte Tropfbad. Da hört er den Fußtritt des schon wieder zurückkehrenden Hofmeisters. Er will vom Stuhl herabspringen, glitscht aus, fällt zum Fenster hinaus und -- bricht den Hals.
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Am letzten Tage des vergangenen Jahres erhing sich ein Gutsbesitzer in meiner Nachbarschaft grade um ¾ auf Mitternacht.
Dieser Mann muß eine verzweifelte Furcht vor dem Jahre 1833 gehabt haben!
Sollte es noch schlimmer werden können?
Eine wahre Anekdote.
Der junge P....., damals ein hülfloser und verlassener Studiosus, ward durch einen sehr geringen Mann dem Herrn K....r, einem wohlhabenden Amtmann in der Gegend von Leipzig, zur Erziehung seiner Kinder empfohlen, und nach einigem Zögern glücklich angenommen. Er erwarb sich indeß bald, nicht nur die vollkommenste Zufriedenheit seines Principals, sondern auch durch verschiedene ausgezeichnete Gastpredigten in den nahen Kirchspielen, so wie durch sein sanftes und gewinnendes Betragen überhaupt, die allgemeine Liebe der ganzen Umgegend.