Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)

Part 8

Chapter 83,301 wordsPublic domain

Siehe, schon war die Stunde der heißersehneten Landung Jetzt an dem Abend genaht; schon rief, vom Borde Karthago's, Schimmernd, die Kaiserflagge zum Kampf! Von dem Zug' an den Küsten Kehrte Ulloa zurück', ein Trauernder, ob des Gefährten, Der, mit dem Schiff' in den Grund gebohrt, dem Heere geraubt ward. Selber bewegt, rief doch den am Bord versammelten Feldherrn, Wo er des Angriffs Weise berieth, der Kaiser, erheitert: »Jetzo, das Höchst' im Blick, laßt uns die Trauer beherrschen, Die uns die Brust erfüllt -- jetzt muthig und rasch an die Landung! Gegen Zafrano hinaus, an der Meer'sbucht östlichem Saum hin Schiffen, den Feind zu täuschen, wir erst; dann, kehrend im Eilflug, Bleib' uns zur Linken der Wasserthurm, zur Rechten der Salzthurm: Wir erringen das Ziel, wo Ulloa erspähte die Anländ. Segen mit euch im schrecklichen Sturm und Drang der Entscheidung!« Jen' enteilten. Ihm trat, voll demuthheuchelnden Mißtrau'ns, Muley Hassan entgegen im Raume des Schiffs, und begann so: »Herr, dich dränget dein Herz in den Kampf! Der Weltenerschaffer Gebe dir Ruhm; doch soll ich, indeß du im Felde dich abmühst, Müßig weilen am Bord? Gewähre mir eines der Schiffe, Das mich schnell nach der Meeresbucht von Kabesch, dem Städtchen Führe, wo mir, zum Trost, die tapfern Bewohner noch treu sind, Auch das kühne Gebirgsvolk dort schon harret des Aufrufs: Abzuschütteln das Joch von Hairaddins grausamer Herrschaft. Dorther schaff' ich dir bald Hülfsvölker, und schaffe dir reichlich Mundvorrath für das Heer, das solchen entbehrt in Karthago's Wüstem Gefild, wenn fern des Krieges ersehnetes Ziel winkt.« Sagt' es mit scheuverwendetem Blick'. Ihm entgegnete jener: »Hassan, du bebst, und starr'st umher im zweifelnden Mißtrau'n? Fasse nur Muth! Gleich soll das schnellhinsegelnde Schiff dich Führen nach Kabesch hinauf; dann kehr' im Glücke mir wieder.« Also der Kaiser, und sah dem raschenteilenden Fürsten, Sinnend, nach: er hatt' ihn errathen. Doch jetzt ihn zu rüsten Trug ihm mit heiterer Stirn' Ernest, der grauende Reiter, Den der herrliche Max, sein ruhmvollthronender Vorfahr, Liebte mit Vaterhuld, das treffliche Schwert und die Spornen, Auch den Harnisch und Helm aus dem hüllenden Schranke herüber. Silbern strahlte die Wehr', umrändert mit goldenem Laubwerk, Ihm von der Brust; hell blitzte der goldene Kamm von dem Helm her, Deß' stahlblinkendes Dach kein damaszenischer Säbel Je durchhieb', und das Schwert umfaßte des Wehrgehängs Purpur, Funkelnd von Perlenreih'n, und blitzend in Edelgeschmeides Wechselndem Farbenglanz. So stieg er, gerüstet, zum Bord' auf.

Dort entblößt' er den Stahl: ein Ruf erscholl aus dem Schiffsraum, Donnernd rings in dem Busen des Meers. Wie am glühenden Mittag Wetterschweres Gewölk' auffleugt: da regt sich kein Lüftchen; Brüllend kehren die Heerden heim; die kreischenden Vögel Flieh'n zum Gehölz', und es fährt die häusliche Schwalb' in dem Hofraum, Wechselnden Fluges, umher, dem Boden nah', und die Lachen Streifend mit fächelndem Fittig -- der Mensch, im Busen beklommen, Stehet verstummt; doch jetzt aufblitzet es, kracht es herunter: Flammen entprasseln dem Dach', und fernher sauset der Hagel: Also die Stille zuvor, eh', landunggebiethend, der Aufruf, Donnernd, erscholl, und d'rauf, wie ein Strom entstürzet der Schleußen Weiteröffnetem Thor', und Wogen auf Wogen sich drängen: Also strömten vom hohen Verdeck' in die flachen Galeeren Drängende Scharen herab, und ordneten schnell sich in Reihen, Während der Reiter das Roß festhielt an dem Zaum: denn gewahrend Drüben das Land, umtobt' es im Raum des engenden Fahrzeugs. Gegen Zafrano hinaus, dem spähenden Feinde zur Täuschung, Strebten sie erst, und eilig dahin entsandt' er die Horden Seines Volks: da flog an dem fernen Gestade der Staub auf (Aehnlich dem Nebel, der, nach dauerndem Regen des Herbstes, Dicht am Gebirg fortwallt) durchblitzt von den Waffen der Krieger, Und verwirrtes Getös', und Geschrei, und das Wiehern der Rosse Brausete laut von der staubverhülleten Küste herüber. Wieder ertönt' ein donnernder Ruf vom Borde des Kaisers: Siehe, und dieser galt, zum Sturm' aufbiethend die Krieger! All' aufschrie'n zugleich vor jubelndem Muth', und, die Seiten Wendend, flogen vereint die Galeeren zum herrlichen Ziel hin. Von den Rudern gepeitscht, aufschäumte das Meer, und der Fahrwind Saust' in dem Segelgewölk der dichtnachfolgenden Schiffe. Solches gewahrend, sandte der Feind unzählige Kugeln Von dem fernen Gestad' und den Wällen der Veste Goletta. Schrecklicher Donner erscholl. Doch als die Gegner, dem Salzthurm Nah', vorstürmten im eilenden Lauf: da wendete blitzschnell Wechselnd, der Steuermann die räumigen Seiten des Schiffes Nach dem bevölkerten Land. Sie spie'n aus flammenden Schlünden, Wie der Hagel prasselt, und saust, die Saat des Verderbens, Brüllend, hinaus: von nah' und fern aufbrannten die Hütten, Und des Feindes Geschütz lag rings, vernichtet, im Staub dort; Seine Horden entfloh'n, und Goletta's Donner verstummte.

Dreimal die Länge des Manns, schied noch ein Raum die Vereinten Von dem Gestad', als Deutschlands Volk,[41] den ragenden Speerschaft Senkend hinab in den Grund, im sausenden Schwunge der Glieder, Allen zuvor, den feindlichen Boden errang, und es wähnten Dort die Krieger noch lang': es schwanke der Boden, und weiche Unter den Füßen zurück. Rasch hüpften die muthigen Rosse Nach dem Strande hinaus; der sandigen Bahn sich erfreuend, Hüpften, und sprangen, und schlugen sie aus, und wieherten laut auf. Scharen auf Scharen entstiegen dem Bord', und bedeckten das Ufer Weitumher, wie im Morgenwind' aus tieferen Thälern, Kräuselnd, der Nebel sich hebt, und des Bergs Abhänge verhüllet. Doch nun trat im schimmernden Waffenschmucke der Kaiser Freudig an's Land, und hob sich im kreisenden Schwung' auf das Streitroß, Das, von erles'nem Blut und Geschlecht', und herrlich gestaltet, Auf Andalusiens blühender Flur, freiweidend, heranwuchs. Als er, die Reihen entlang, hinflog auf dem schnaubenden Rosse, Tönte Gejauchz' ihm nach; er rief den Geordneten also: »Krieger, wir stehen auf Feindes Land, wo herrlich des Ruhmes Laufbahn glänzt, und Gott uns ruft zur Christenerrettung! Schweben die Sieg' euch vor entschwundener Jahre? Gedenk't ihr Eures errungenen Ruhms, nicht harrend entflammenden Aufrufs Tapfer zu seyn? Ihr denkt's: denn Muth in den glühenden Augen Seh' ich, der nur vorwärts strebt, und voll Todesverachtung Lächelt im brausenden Sturm der Donnergeschosse. Nur haltet Eisern auf Mannszucht stets, und auf Ordnung. Wer solche verschmähet, Schafft Unheil sich selber, und schafft dem Heere Verderben. Ha, schon nahet der Feind! Jetzt vor: in geschlossenen Reihen Greift die Unzähligen an, und erringt euch herrlichen Siegsruhm!« Sagt' es, und hieß nun links und rechts die Flügel des Heeres Rasch vorgeh'n, und eilen, gesondert, des Vorder- und Nachzugs Ordnungen, er in der Mitte zugleich mit dem tapferen Guasto, Ueber Hispania's Volk, und Oestreichs Scharen gebiethend.

Siehe, den Vorderzug, der tausend tyrolische Schützen Zählete -- sie, vor allen geübt, das Schwarz' in den Scheiben Und in dem Busen das Herz aus dem schmetternden Rohre zu treffen, Führete Lichtstein vor, und es folgten ihm, leuchtenden Blickes, Tausend Reiter, Bohemia's Söhn', in Eisen gehüllet; Aber das Fußvolk, das in dem Heere das Leichte benennet, Und aus den Reih'n der allvereinten Völker erwählt war, Rief Toledo in's Feld: fünftausend erlesene Krieger. Links an dem Flügel des Heers, Lusitania's Krieger und Flanderns, Einend, schaltete Ludwig, der Held, und zehenmal tausend Krieger zu Fuß gehorchten ihm. Rechts, an der Zahl und an Kampfmuth Gleich, gehorchten Alarkons Ruf Italia's Völker. Diesem zur Seit', entboth dreitausend geharnischte Reiter Alba zum Kampf', und, jenem gesellt, beherrschte der Sprößling Hunyadis, gleich an der Zahl, roßtummelnde, kühne Magyaren. Aber im Nachhalt stand, mit dem tapfern Mendoza, der Ritter Edele Schar, und zugleich den Blick auf den Heldengebiether, Eberstein, gerichtet, der Hauf' gewaltiger Deutschen.

Jetzo mit Allah-Geschrei und wildauftobender Mordgier Nahte der Feind, und Staub quoll auf. Wie im Laufe des Lenzes Hoch im Gebirg' ein Brand durchwüthet die Waldung: da glimmt nur Dunkel die Gluth aus dem saftigen Holz, nur qualmender Rauch steigt Auf in die bläuliche Luft: so umhüllte der Staub die Umgegend. Dragut jagte die Scharen heran. Voll glühender Mordlust Sah er nur Feindes Blut, und dachte, die landenden Haufen Schnell zu erwürgen im Kampf; doch jetzt, die Geordneten schauend, Saß er erstarrt, und stumm in dem Sattel: ihm stockte der Odem. Dann aufstöhnet' er laut, und rief zu den folgenden Scharen: »Mußte sie heute so bald entflieh'n die neidische Sonne, Uns nicht gönnend den Ruhm, des Feindes verächtliche Haufen Schnell mit würgender Hand vom Antlitz der Erde zu tilgen? Aber sie schaue noch hier mit den letzten, verlöschenden Blicken Unseren Sieg, und die Erde, von feindlichem Blute geröthet.« Und er entriß alsbald dem Numidier, fluchend, den Bogen, Zielte, und schoß: da schwirrte der Pfeil in der sausenden Luft hin, Und durchbohrte die Brust Waldsteins, des tapferen Feldherrn, Der aus den Mauern Prags, Bohemia's glänzender Hauptstadt, Kühn in den Kampf auszog, und daheim die Mutter und Gattinn, Jammernd, verließ. Sie harren, und schau'n durch quellende Zähren Oft nach der Straße hinaus, die er ging, und harren vergeblich Freudigen Wiederseh'ns: ihn decket die Erde von Tunis. Seitwärts sprang sein Roß, und er sank, festhaltend den Zaum noch, Häuptlings hinab, und färbte mit glühendem Blute den Boden. Draguts Hohngelächter erscholl; zu den Seinen sich wendend, Rief er grimmig: »Seht, der Himmel verkündigt den Sieg uns, Der die mordende Spitze gelenkt! Ein feindlicher Führer Schläft dort, blutend, im Staub', und wird wohl nimmer erwachen. Ha, nichts sehnlicher wünschte mein Herz, als alle mit einmal Also vernichtet zu schau'n, daß keiner entrönne dem Tod hier!« All' aufbrüllten zugleich: Numidier, Mauren, und Türken; Schwangen den ragenden Speer, und tummelten feurige Ross' um. Dicht, wie Flocken des Schnees herstürmt der heulende Nordwind, Flog ihr Geschoß: hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln, Sausenden Lanzen vermengt. Da fiel in den Reihen des Vortrabs Mancher der Männer -- es wälzten sich blutende Ross' in dem Staub dort. Doch schon brauste mit reisigem Volk' und verhängetem Zügel Lichtstein hin, um mächtiger, vorgebeugt aus dem Sattel, Einzuhau'n, links, rechts, in die wimmelnden Haufen, und Haufen Sanken in Ströme von Blut. Tyrols kampfrüstige Schützen, Mit Toledo's erlesener Schar den Reisigen folgend, Eilten im Sturmschritt vor, und feuerten rasch in die Reihen Tödliches Blei: nun einzeln, dann vereint, im Gekrach, hin. Hunderte stürzten, und jetzt, ergriffen von Angst und Entsetzen, Wandte den Rücken der Feind: er floh in dem stäubenden Feld fort. Bald schied unabsehlicher Raum die Streitenden. Guasto, Nahend dem Herrscher voll Hast, erhob die warnende Stimme: »Schnell entfloh der Feind; doch wie, so er, sinnend auf Unheil, Uns zu erlauern im Hinterhalt, den Rücken uns wendet? Hemme des Vortrabs Lauf, und gebiethe des Lagers Umwallung, Da noch Rogendorf an dem Strand des Meeres sich abmüht, Auszuschiffen die Wucht des ehernen Donnergeschützes, Auch die dunkele Nacht, gefahrendräuend, herabsinkt.« Also der Greis, und Gewährung ersah er im Auge des Kaisers. Einer der Herolde, die, rittfertig, und stets an der Seit' ihm Harrten des Winks, hinüber, herüber zu jagen im Schlachtfeld, Eilt' im Fluge hinaus, und rief sein »Halt!« an die Scharen, Die, an die Stelle gebannt, zugleich dem Worte gehorchten.

Drüben auf schmählicher Flucht riß Dragut den schnaubenden Läufer Plötzlich am Zaum, daß er, lautaufstöhnend, sich bäumt', und zurück sank. Attila war ihm genaht: es reizte der schreckliche Krieger Ihn, den Schrecklichen einst, und noch erbebt' er vor Ingrimm, Daß er, des sterblichen Leibes beraubt, nicht lenkte die Feldschlacht Mehr, nicht Gemetzel geboth, und gräßliche Länderverheerung. Leise haucht' er ihm jetzt an die Seele den schmähenden Vorwurf: »Dragut, du fliehst, nicht erwägend den Ruhm des entschwundenen Lebens, Nicht die Worte voll Muths und glänzender Siegesverheißung? Kehr' in Eile zurück: so folgen die fliehenden Scharen Schamerfüllt, dir alle; wo nicht, so suche dir selber Ruhm in dem einzelnen Kampf. Vielleicht gelingt es dir heut noch, Glücklich bewahrt, hier deinen ergrimmtesten Gegner zu tödten.« Als er des Geisterruf's erregende Laute vernommen, Wüthete Dragut noch mehr: er spornte den fliehenden Haufen Oft sein Streitroß vor, und trieb noch diesen und jenen, Scheltend, zurück'. Ihm horchte der Maur' und muthige Türk nur: Denn der Numidier floh g'en Tunis in Eile hinüber. Sieh', oft naht in dem Feld der Furcht erstarrendes Schreckbild Nur dem Feigen: er wankt; dann fleugt es vom Gliede zum Glied hin, Und der Tapfere wankt mit dem Feigen: sie wenden den Rücken All', und entfliehn. Wie fern auf dem Meere der brausende Sturmwind Wogen auf Wogen wirft, und Schiff' an Schiffen zerschmettert: Also stürzen sie fort, verderbend, und weder des Führers Scheltender Ruf, noch Strafe dereinst hemmt jetzo die Flucht mehr: Denn unbändige Furcht ergriff die ausreißenden Scharen. Aber so weit wie ein Ball, vom schmetternden Rohre geschleudert, Fleugt, schied drüben ein Raum nur mehr Toledo's und Lichtsteins Krieger vom Feind', als Dragut, von starrendem Staunen gefesselt, Hemmte das feurige Roß. In fest geschlossenen Reihen Harrten die Christen sein, und der zahllosen Scharen, und standen Ruhigen Blicks. Da rief er die schmähenden Worte herüber: »Seh' ich vor Todesfurcht in Stein verwandelt die Helden? Kommt, wenn Einer es wagt, ja zehen, und dreißig, und fünfzig, Gegen mich anzukämpfen im Feld, wie dort auf Granada's Flur mein Volk, der Rittersitte wohl kundig, mit euch focht, Eh' uns Verrath und Uebermacht Hispania's Herrschaft -- Fluch dem Frevel, entriß! Nun kommt, mir werde der Ruhm dann: Keiner obsiegte der Macht des Satanbändigers Dragut!« Schon aufbrauste zuvor des Prahlers Worten Toledo's Heldenbrust; doch, als ein Nahme von drüben heran scholl, Welcher der schrecklichst' ihm war, und verhaßteste aller auf Erden, Da hielt er sich nicht mehr; er spornte sein schnaubendes Reitroß Auf die Fläche hinaus, und schrie dem Wüthrich entgegen: »Ha, nur dich, den Räuber des edelsten Weibes, des meinen, Suchte mein glühendes Aug': nicht wirst du künftig mehr prahlen!« Also mit lautem Gejauchz' aufschwang er den blitzenden Degen Ueber des Gegners Haupt, und es wäre, zerschmettert, gesunken, Wenn nicht Attila schnell, wie ein Blitz, der oben im Nachtgrau'n, Leuchtend die Wolken durchzischt, heruntergeflogen, sein Streitroß Drängte zum Seitensprung: denn fühlbarer nahen dem Thier noch, Und in den Nächten zumal, des Geisterreiches Bewohner, Bald vom Zorn gereitzt, und bald nur neckenden Launen Folgend: da schmiegt sich die winselnde Dogg' an die Füße des Menschen, Der mit Verwunderung horcht, und hinaus in das schweigende Nachtgrau'n, Schaudernd, starrt; im Gehöft' aufflattern die kreischenden Hühner; Laut mit Geschrei entstürzen die Vögel dem Wald', und die Hirschkuh Fährt aus dem rauschenden Laub' in die Höh', und horchet mit Beben: Denn hell blitzte der Geist an dem Auge des schlummernden Thier's hin: So, von dem Geiste geschreckt, aufsprang der schnaubende Rappe Draguts. Ihm zerhieb Toledo's sausender Mordstahl Nur die bärtige Wang', und sie blutete. Siehe, nicht säumte Dragut, und vorgebeugt, durchrannt' er die Linke Toledo's Jetzt mit dem mächtigen Speer, daß schnell der leitende Zügel Ihr entsank! Ein schrecklicher Kampf, und im Kampfe der Tod nur, Hätte die beiden getrennt: da flog, gesendet von Lichtstein, Hanno, der Stabs-Herold, an die Seite Toledo's; er faßte Dort sein Roß an dem Zaum', und führt' es zurück' in die Reihen. Jammernd folgt' ihm der Held: er dachte den Gegner zu tödten. Dragut knirschte vor Wuth, und entwich: das Strömen des Blutes Raubt' ihm die Kraft. Nun rief er dem maurischen Scharengebiether: »Muhamed Temtes, ein Hort sey du des tapfersten Volkes, Und ein Zeuge vor Hairaddin mir: nicht erbebend in Feigheit Wär' ich gewichen dem Feind. Die blutende Wunde zu stillen, Eil' ich zur Stadt, wo mir der kräuterkundige Diener, Hugo, umhüllen sie soll mit dem weheinschläfernden Balsam, Und bald kehr' ich zurück', allwärts ein Schrecken der Gegner.« Also jagt' er davon: doch jener den kommenden Scharen Kühn entgegen zu kämpfen, bereit, sah forschend zum Rückhalt: Denn er hörete dort unfreundlichen Donner; vernahm auch Würgender Feinde Geschrei, und ihm pochte das Herz in dem Busen.

Doch, wer ordnete dort die entscheidende Rückenbestürmung? Traun, ein Held, Aurel, der erst mit den herrlichen Schiffen Malta's nahend dem Strand, die feinddurchwimmelte Gegend Mächtig bestreichen ließ aus ehernen Schlünden und Mörsern! Donnergebrüll' erscholl ringsum; aufwirbelte Sandstaub Nah' und fern', und die Feind' entstürzten vor Schrecken den Reihen. D'rauf verließ er den Bord mit fünfzig der tapfersten Ritter, Tausend Kriegern gesellt, drang vor, und wüthete, mordend, Jetzt in dem Rücken des Heer's. So wüthet die nächtliche Windsbraut Durch das Föhrengehölz: der Eigner jammert am Morgen, Schauend die Stämm' auf Stämme gehäuft, in grauser Verwüstung. So im Gesicht von Lichtstein, so in dem Rücken von Malta's Kühnem Helden bekämpft, ausriß in wilder Verwirrung All' das unzählige Volk, und wandte nach Tunis den Lauf hin.

Hairaddin trabte den stäubenden Weg mit den _Schrecklichen_ näher: Also hieß er die Schar viertausend erlesener Türken, Die er sich selber erlas aus den kühnsten und tapfersten Kriegern. Wohl erwies sich ihr Muth; wohl waren die Muthigen furchtbar: Denn wo es galt, und, gehemmt, die Wage des Schlachtengeschickes Schwankte, da mußten sie vor, zu erringen des eisernen Feldes Herrlichen Preis, und zu steh'n, muthfest, im Kampf der Entscheidung. Als er den wirbelnden Staub, und im Staube die fliehenden Haufen Gegen sich kommen sah: da erwog er im Herzen, noch zweifelnd: Ob er den Schrecklichen erst die Losung gebe zum Morden, Um in dem Blute der Feigen den Grimm zu sänftigen; oder, Scheuend den Wankelmuth der Tunisier, heute noch schone? Gleichwie im Aethergefild der schiffaufstürmende Luftball, Jählings vom Flammenhauche gerafft, des mächtigen Windes Wechselndem Strom' zu Beut' umfleugt, und nimmer des Schiffers Leitung gehorcht, nun hier- nun dorthin schwebend im Luftraum So, daß Grauen ihn faßt, und sinnverwirrender Schwindel: Also wankt' er umher. Ihm nahete Muhamed Temtes Jetzt mit dem flüchtenden Volk'. Er riß sich, ergrimmter, den Säbel Von der Hüft', und schlug mit der Breite der Klinge den Feldherrn Ueber die Stirne, daß ihm aus den Augen sprühten die Funken. Aber der Sclave lächelte nur, und folgte von weitem: Denn auch Hairaddin floh, und das Volk nachbrausete zahllos.

Schon sank tiefer die Nacht; schon gaukelten kühlere Lüftchen Ueber die See, und ringsumher aus unzähligen Augen Sah der funkelnde Himmel, als die Reisigen Lichtsteins, Kehrend, mit Staunen ersah'n, wie sie, nur im Blute zu ernten, Hier die Garben gehäuft in des Todes entsetzlichem Saatfeld. Auch die Helden des Felseilands mit dem kühnen Gebiether, Kehreten heim in die meerumwogte Behausung (am Bord nur Schlummert der Seemann süß) und dort aufzählend die Scharen, Mißten sie dreißig, im Streit gefallene Krieger mit Wehmuth. Also rang in dem Vorkampf jetzt der erhabene Kaiser Gegen Hairaddins Macht, und der treffliche Lagergebiether, Guasto, begann, im vereinten Müh'n unzähliger Krieger, Dort die schirmenden Wälle zu bau'n, wo er forschenden Blickes, Erst die Stell' erkor, auf welcher Karthago gestanden: Auf daß ihr herrliches Bild, aus Schutt und Trümmern sich hebend, Waffne des Kriegers Herz mit eisernem Muth' in der Feldschlacht. Gegen den Salzthurm hin, im sternnachbildenden Vorsprung Hob erlesenes Volk mit schimmernder Haue das Erdreich, Dämmend, zum Wall. Vor ihm aufgähnte der dunkele Graben, Und das ehrne Geschütz, von schnaubenden Rossen gezogen, Rasselte näher, und stand alsbald, in gemessenen Fernen, Aufgefahren umher, zu wehren dem feindlichen Andrang. Schnell erfüllten des Lagers Raum die jauchzenden Krieger, Dort zu erhöh'n in Hast die luftigen Zelte. Sie bohrten Pfähl' in den Grund; dann spanneten sie die schimmernde Leinwand Vom Querbalken des Daches hinab, an haftenden Pflöcken, Gegen der Stürme Gewalt sie festigend, dieß- und auch jenseits. Tausende standen erhöht, und flatterten, tönend, im Nachtwind. Aber vor allen ragte das Zelt des edelen Kaisers, Hochgewölbet, empor. Des höckergestalteten Lastthiers Wolle schirmte von außen das Zelt g'en Wetter und Regen; Innen deckte die Wände Damast, und ein eisernes Feldbett Stand in dem Hintergrund', umhüllt vom seidenen Vorhang. Aber mit Lächeln im Blick, der, rühmend, des Werkes Vollendung Würdigte, sprach der Kaiser, erfreut, zu Guasto, dem Feldherrn: »Herrlicher, so geling' es dir auch am kommenden Morgen, Schnell die Schanzen umher an Goletta zu bauen! Für jetzo Heiß' das Volk ausruh'n in des schirmenden Lagers Umwallung; Nach gehaltener Rast empöre der fröhliche Krieger Zahllos Flammen im Feld, bereite sein Mahl, und gedenke Heiterer Lust: nur möge der Wall nicht ermangeln der Wachen; Auch den Graben entlang mit hellumschauenden Blicken Forschend, die Vorhuth steh'n. Ermüdet will ich hier schlummern, Wenn nicht feindlich Geschrei mich weckt im nächtlichen Anfall.« Sagt' es, und ließ sich, gehüllt in den wolligen Mantel, im Sandstaub Nieder. Weder den schwellenden Pfühl, noch köstliche Speisen Kannt' er im Feld': erduldend jegliche Noth und Entbehrung Froh mit den Kriegern. Er lag in dem Kreis' umlärmenden Volkes Dort auf dem Sand', und bald umfing ihn der liebliche Schlummer.