Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)
Part 5
Schaudernd vor Angst und Entsetzen, vernahm ihr Gatte des Greises Kläglichen Ruf, er schrie, noch die Räuber im Aug', auf die Fluthen Lautaufjammernd, hinaus, und both unendliche Lösung. Ha, schon wähnt' er, entzückt, die kehrenden Segel zu schauen -- Freundliche Laute zu hören vom Bord: da brauste der Sturmwind Plötzlich aus Westen heran: die triegenden Laute verhallten, Und an des Himmels Rand, wie ein leis' entfliehendes Wölkchen, Schwand ihm das Schiff! Der Mond erneute sein wechselndes Licht schon Siebenmal, seit er an dem Küstenlande der Räuber, Forschen, und biethen hieß des Goldes die Fülle zur Lösung. Doch nun sandte von ihrem Geschick die entsetzliche Bothschaft Hugo: zu Tunis, in Draguts Gewalt, des wilden Korsaren, Lebe Mathild', und wieg', als unglückselige Mutter, Bald den Säugling im Schooß: denn nimmer zur Wonne des Vaters, Ach, und voll Liebe nach ihm, erduld' unendlichen Jammer! Alsbald ahnet' er diesen im Geist', und kaltes Entsetzen Fuhr ihm durch Mark und Gebein. Doch jetzt dem rühmlichen Heerbann Bebte vor Freude sein Herz. Er nahte mit leuchtenden Augen -- Trieb, und drängte die Krieger zugleich, und die hurtigen Schiffer Eilig an Bord: nicht hörend des Volks umschallenden Jubel, Nicht des Vaters segnenden Ruf, dem nimmer die Hand er, Fromm, und kindlich gesinnt, mehr küßt, nicht die silberne Scheitel, Oder das freundliche Aug': da er bald hinsinket vor Tunis. So, mit Guasto vereint, entschiffte Neapels Geschwader, Gegen Sardinia's Höh'n, des ringsumflutheten Eilands, Steuernd, dort in dämmernder Frühe die herrliche Seestadt Cagliari zu schau'n, und zu harren des mächtigen Kaisers: Denn ihr wurde der Ruhm, aus dem schimmernden Port Europa's Furchtbare Macht, vereint, zu entlassen nach Afrika's Küsten.
Vierter Gesang.
Horch, Barcellona's Thürmen entschallt mit jubelndem Wohllaut Glockengetön'; erschütternd rollt des eh'rnen Geschützes Freudendonner vom Wall', und im Port, wo unzählig die Masten, Gleich dem entblätterten Wald, aufragen zum Himmel, erglänzen Flaggen und Wimpel umher, die bald im bläulichen Luftraum, Von umgaukelnden Winden gerafft, wie silberne Wölkchen Flattern, und bald, am thürmenden Mast heruntergesunken, Schlängelnd, über den Bord hinsäuseln zum schäumenden Abgrund. Unabsehlich, die Straßen entlang, erglänzt von den Erkern Festlich der Teppiche Pracht. Dort winken aus jeglichem Fenster Blumen in Meng', und hauchen elysische Düft' an den Häusern Lieblich umher. Doch welch' ein Lärm auftobenden Jubels Füllet die Fenster zugleich, und die Erker; die schwindligen Höhen Ragender Zinnen und Thürm', mit unzähligen Menschen? Es starren, Wang' an Wange gepreßt, ein Haupt aufragend vom Haupt noch, Alle, mit leuchtendem Aug', in die wimmelnde Straße herunter, Während die wogende Menge hinaus auf den stäubenden Heerweg Braust, wo Ludwig, der Held, und Doria, mächtigen Anseh'ns, Ordnen die Krieger in Reih'n, dem nahenden Herrscher zu Ehren. Jetzo noch lauter erschallt, wie unendliches Rauschen der Sturmfluth, Schön und furchtbar zugleich, ein Ruf: »Hoch lebe der Kaiser!« Sieh', er kam! Von Mendoza geführt, dem tapferen Feldherrn, Schritten vor ihm achttausend Krieger -- im Heere die Alten, Die, in der Reihe der Jahre versucht, und gestählt in Gefahren, Siegbeherrschenden Muths und entscheidender Stärke sich rühmten. Jetzo nach Wirbel und Schlag der heerebewegenden Trommel, Nahten sie all' im gemessenen Schritt, die Gewehr' an die Schulter Pressend im Arm, und zum Schall der Feldschalmeien und Flöten, Ehernen Klange des Horns und des Brummrohrs tiefen Gewaltton Mengend, im schönen Verein, ihr fernhinhallendes Schlachtlied. Schauder ergriffen das Volk. Den Altgedienten am Fuß nach Folgte die herrliche Schar viertausend erlesener Reiter, Welch' erst jüngst in Hispania's Gau'n die Stimme der Cortes Aufboth, Jünglinge noch, doch lechzend nach Kampf und Gefahren. Hufesgerassel erscholl in's Geklirr des Waffengeschmeides Und in den ehernen Ruf der schmetternden Kriegesdrometen. Doch was schleudert noch helleren Glanz in den sonnigen Straßen, Blendend, umher? Wer nennte die Rossebändiger würdig, Die von silbernen Rüstungen blank, die ragenden Lanzen Nervigen Rechten vertrau'n? Zweihundert der edelen Ritter Sind es: die »Blüthe« genannt des hohen, hispanischen Adels. Aber vor allen hervor, ein Viergestirn in der Heersmacht Strahlen: Alba[30] der stattliche Held, der kühne Alarcon, Welchem zur Huth Frankreichs gefangener König vertraut ward, Vor Pavia im Sieg;[31] Sarmento, und Garzia Lasso,[32] Der, ein Sänger und Held, das blitzende Schwert und der Lyra Gold'ne Saiten mit einem Kranz zu umschlingen, sich sehnte. Jetzt entflammte sich jegliches Aug'. Der mächtige Kaiser Folgte der edelen Schar, und grüßte das jubelnde Volk dort Links und rechts, mit freundlichem Blick. Sein feuriges Prunkroß Wölbete stolzer den mähnigen Hals, und tanzte die Straßen Munter hinab: nun hin, nun her sich wendend, im Halbkreis. Dort, wo in festlichgeordneten Reih'n sein harrte das Fußvolk, Hemmt' er den Rappen, und sah: wie fertig das blanke Gewehr sie Schwenkten mit einetem Schlag'. Er winkte den schaltenden Führern Dank, die rasch zur Stirne den Degen erhoben, und senkten, Huldigend; dann aufschrie'n laut: »Marsch!« durch die hallende Stadt hin. Und in dem Jubelgedräng fortwogten die trefflichen Scharen: Eilend hinab in den Hafen, am Bord der harrenden Schiffe, Nun zu beginnen die Fahrt nach Afrika's fernen Gestaden.
Staunend ersah die Meng' im Gefolge des mächtigen Kaisers Muley-Hassan. Er hob die trauerumflossenen Augen Nicht von der Erd' empor, und schwieg; doch inniges Mitleid Weckte der Jammer des heimathlosumirrenden Königs. Jetzo dem Herrscher genaht, rief Doria laut vor den Scharen: »Sehnest du dich schon heut nach dem Raum' _Karthago_, des Heerschiffs, Das vor jeglichem groß und kunstbeflissen gezimmert, Prangt in dem Port, und vom Schilde den Kranz unsterblichen Ruhmes Weist, der dir erblüht auf Karthago's rühmlicher Stätte? Oder gefällt dir's mehr, zu ruhen im schönen Palast hier, Den dir schmückte die Stadt, Barcellona, mit liebender Sorgfalt?« »Nichts von Ruhe noch Rast mir gesprochen,« so sagt' ihm der Kaiser, Eifernd, »jetzt, wo mir's nur lauter im glühenden Busen Pocht, und stürmt; kein Schlaf die ermüdeten Augen erquicket, Die nur Tunis im Grau'n der einsamen Nächte, nur Tunis Schau'n in der Helle des Tags, und Schlacht, und Sieg, und Errettung! Spannet die Segel! Uns winkt, gebiethend, Afrika's Meerstrand.« Doria führt' ihn an Bord. Ihm folgte der munteren Schiffer Hurrahgeschrei und unzähligen Volk's nachjubelnder Segen, Bis er vom hohen Verdeck die Treppe hinunter im Schiffsraum Leis' entschwand. Und siehe, dem Staunenden öffnete dort sich, Prunkend, ein hoher Saal, auf deß' aufwölbenden Himmel Titian selbst ein Meisterwerk mit zaubrischem Pinsel Schuf, nach Doria's Wink! Ein Schlachtfeld hatt' er gebildet. Fern, wie in Nebel gehüllt, erspähet der schärfere Blick nur Fliehende Feind' am Gebirg: so winzig ist Alles und Jedes Dort mit dem zarten Duft der dämmernden Ferne, verschmolzen. Näher heran, am Rain des saatdurchschlängelnden Baches, Wirft sich die Reiterschar auf Reiter, zum letzten Gemetzel Spornend das Roß, und es fleugt, und schnaubet, mit wallenden Mähnen, Flammendem Aug' -- fort über zerschmetterter Leichen und Waffen Blutigen Wust, an des Gegners Roß. Die schrecklichen Kämpfer Schleudern den blinkenden Speer, und schrein, und brüllen den Schlachtruf -- Und uns däucht: als töne Geschrei von dem klaffenden Mund her. Aber schon kommen vom Waffengefild, dem dräuenden Sieger Folgend, mit Schmach im Blick', und die Händ' am Rücken gebunden, Scharen Gefangner herauf, wo Constantin,[33] Kaiser des Weltreichs, Von dem Rosse sich wirft, die Kniee zum Staube zu beugen: Denn, noch schaut er, in Wonne verzückt, das Kreuz an dem Himmel Flammen im Sternenkranz; noch sieht er der hohen Verheißung Himmlische Wort' in dem strahlenden Kranz: »Du siegest mit ihm nur.«
Dort zu dem herrlichen Bild', erschüttert tief in dem Herzen, Sah der Kaiser empor, und trocknete schweigend die Thränen. Abendröthlicher Glanz ergoß durch leuchtende Fenster Strömend, sein heiliges Licht in dem Saal', und liebliche Stille Herrschete. Jetzt geboth sein flammendes Auge der Abfahrt Donnernden Ruf: er scholl vom Borde der hohen Karthago Freudig dem horchenden Krieger an's Ohr; durchbrüllte der Seestadt Thürmende Straßen, der Felsenhöh'n verborgenste Schluchten Rings im Gefild', und verhallte mit oft auftobendem Grimm noch, Fern' am drönenden Rand des bläulichen Himmelsgewölbes. Plötzlich erwachte Getös' und geschäftige Hast in dem Hafen. Zahllos flattern die Segel vom Mast'; an den ächzenden Winden Knistert das Seil umher, und bald enttauchet der Anker Zackige Wucht den Wogen, und ruht in die Quer' auf dem Balken, Vorn' an des Schiff's Brustwand. Die leitende Nadel betrachtend, Sitzet der Steuermann bedächtig am Ruder, und rauschend Folgt ein jegliches Schiff dem Ruderboot', an dem Schlepptau, Fort auf des Meeres Höhen hinaus, wo ein günstiger Fahrwind, Sausend von Mitternacht, vorwölbet die schimmernden Segel. Aber es drängte das Volk sich am Strand', und bethete, weinte, Jauchzte den Schwindenden nach. Wohl Mancher lief an dem Ufer, Keuchend, noch hin, und schwenkte das wehende Tuch in den Lüften -- Schwenkte den Hut, »zum Lebewohl,« den theuern Bekannten! Zwar nicht jauchzte die liebende Braut, nicht die zärtliche Mutter Mehr an dem Strand; doch muthig bezwangen sie dennoch die Thränen: Denn auf rühmlicher Bahn enteilten die Lieben der Heimath.
Freudig schiffte des Kaisers Macht im sausenden Wind hin; Eilte den Balearen, im Flug, g'en Osten vorüber, Und umkreisete bald im Süden Sardinia's Vorland: Nahend der herrlichen Stadt Cagliari, mit Guasto's Geschwader Sich zu der Heeresfahrt nach Afrika's Küsten zu einen. Doch nun schwebte die Nacht mit weitverbreiteten Flügeln, Leiseren Fluges, herab, und umhüllte des Meeres Gewässer. Guasto's Macht trieb noch, auf der wogenden Wüste verschlagen, Fern Cagliari's ersehnetem Port, in der dunkelen Nacht um: Denn jetzt führt', unhemmbaren Flugs, ein brausender Nordwind Ihn nach dem meereinengenden Thal hinunter, wo vormals Stets, der Charybdis zugleich und der furchtbarn Scylla der Schiffer Zitterte. Dort erscholl ihm jetzt urplötzlicher Aufruhr Von dem Schooße des Aetna heran. Mit Entsetzlichem schwanger Lag er, kreißend, in Weh'n. Er wüthete: stürzende Felsen Schleudernd mit lautem Gekrach', Orkanengetümmel, und Gluthsturm, Weit in den Tiefen umher, daß rings das Meer und der Erdkreis Schwankte vor Angst, bis er jetzt aus- des Grauens Geburt warf. Erst aus dem finsteren Schlund', in meilenmessendem Umfang, Quoll Rauch auf: weithin am Himmel die Sterne verschlingend, Und in dem wirbelnden Flug durchzuckt von bläulichen Blitzen; Dann aufbrauste wie Staub, vom Winde gerafft an dem Kreuzweg, Odemberaubender Schwefelqualm und Aschengestöbers Dichtes Gewölk, und jetzt, in wüthender Eile geschleudert, Rasselten glühende Stein' ihm nach; jetzt hob sich die Flamme Himmelempor, und leuchtete fern' in die finstere Nacht hin. Rings erglühte das Meer. So hoch die Flamm' an die Wolken Loderte, sank ihr Bild so tief in's dunkle Gewässer Nieder, und warf in die Unterwelt hellleuchtende Funken. Aber den kreißenden Berg durchwühlten noch stärkere Wehen. Unterirdischer Donner rollt', aufrauschten die Wogen -- Schlugen das schäumende Haupt im Kampfe zusammen; des Aetna Scheitel erbebte: denn, o des grausenerweckenden Anblicks, Jetzt ausspie sein Schlund die glühende Lava: sie wälzte Breiter und flammender stets, die feurigen Wogen herunter; Laut aufheulten die Lüft', und die Schöpfung schauderte ringsum! Doch Del-Guasto's Heer flog dann im sausenden Sturmhauch Eiliger fort auf dem Meer, Sardiniens Küsten entgegen.
Aber nicht war in des Berg's Abgründen allein der Empörung Wildes Getümmel erwacht: auch hoch in den Lüften begann jetzt Furchtbardräuender Kampf und seelenerschütternder Aufruhr: Denn von des Aetna Fluren umher, unendlich verbreitet, Hob der Flamme Gewalt auf rastlos fächelnden Schwingen Schnell die Dünste der Erd' empor zu des Aethers Gefilden. Wie, der stützenden Balken beraubt, ein Schacht in dem Erzberg Plötzlich zusammenstürzt: da rollen zertrümmerte Felsen, Rollet die Erde, der Wald in die Tief', und weit aus dem Abgrund Fleugt Staub auf, und Getös' einsinkender Berge: so stürzte In den verdünneten Raum, vom glühenden Süden herüber, Dann sich die Meeresluft, und weckt' im Fluge des Sturmwinds Kaum besänftigte Wuth an Afrika's Felsengestaden. Dort auf des Atlas[34] Höh'n, des himmelanthürmenden Berges, Lag Gewittergewölk', und sandt' in die finsteren Thäler Röthliche Blitze herab. Nur leis' ummurrte der Donner Noch in dem Schooß des Gährenden; doch von dem brausenden Sturmwind Näher gejagt, aufflog's am funkelnden Himmel, und hüllte Plötzlich des Kaisers Wogenpfad in schreckliches Dunkel. Früh' erkannten die Schiffer, vom Bord die perlenden Fluthen Schauend: es nahe der Sturm. Sie zogen die dichtesten Segel Auf an den Mittelmast, und ordneten sorglich die Thau' all'. Doch nun brauste der Wind fern her: dem thürmenden Wall gleich, Hob sich vor ihm die Fluth, und rauscht' auf die gleitenden Schiffe Nieder, und dann aufwogten sie rings unendlich und furchtbar. Jetzo in Wolkenhöh'n auf dem Saum der heulenden Wogen Schwebten die Schiff', und jetzt, in des Meer's Abgründe geschleudert, Deckte sie dunkler Fluthen Nacht, wie verloren auf immer. Ueber das hohe Verdeck hinüber, herüber ergoß sich, Schäumend, der Wogen Meng', und netzte die flatternden Wimpel. Muhameds Aug' erglänzte vor Lust, nach den gährenden Blitzen Schauend im Donnergewölk, das über den Schiffen der Christen Grau'nvoll hing. Er winkte, voll Hast, den grimmigen Geistern Attila's -- winkte den Seinen zugleich: sie brausten im Eilflug Näher, und, wie die Schar der schwarzbefiederten Raben, Aufgeschreckt vom Knall todtschmetternder Büchse, vom Anger Laut, mit Geschrei, sich erhebt, und immer in engeren Kreisen Ueber des Schützen Haupt durchrauscht den sausenden Luftraum: So durchstürmten auch hier die unzähligen Geister der Wolken Gährenden Schooß, bis solcher in feindlicher Reibung entbrannt war. Siehe, da zuckte der Blitz, und zerriß den finsteren Himmel Schnell von Westen bis Osten hinauf! Dem rollenden Donner Drönte die Welt umher, und Ströme des sausenden Regens Peitschten, mit eh'rnem Geprassel, die Fluth. Fort krachte der Donner -- Krachte durch Sturmgeheul und Gebrüll der empörten Gewässer, Endlos fort. Wie links und rechts die Schiffe sich beugten, Hoben zum finstern Gewölk ringsher, entsetzlich zu schauen, Flammende Wogengebirg' ihr Haupt: denn strahlender Blitzglanz, Schwärze der Nacht, traf wechselnd das Aug' des erblindeten Volks hier! Sieh', und allen umher auf dem Bord' erblaßten die Wangen Jetzo vor Angst: sie harrten, verstummt, des nahen Verderbens; Doch der edele Kaiser sah nach dem Grauen des Meersturms In erhabener Ruhe hinaus: der hohen Verheißung Tröstender Strahl erfüllte sein Herz, das niemals gebebt hat. Bald entschwand im eilenden Flug das grause Gewitter. Regen sauste nicht mehr; die Winde verstummten; der Donner Wüthete nicht; nur fern' am Rande des wölbenden Himmels Murrt' er dumpfer noch fort, wo flatternde Blitze zuweilen, Kehrend, und fliehend zugleich, die dunkeln Gewässer erhellten. Aber noch lange tobte das Meer, bis leise zu Hügeln Schwanden die Wogengebirg', und die Hügel zu fluthenden Eb'nen.
Als die Sonn' ihr Strahlenhaupt aus den duftenden Wogen Aufhob; ringsum das Meer, und über dem Meere der Himmel Golden erschien: da rief vom Korbe des schwindligen Mastbaums Laut der Späher herab: »Uns nahen des Feindes Geschwader.« Sieh', und des Himmels Rand' entschwebten die feindlichen Segel, Gleich dem Gewittergewölk' in glühender Stunde des Mittags! Jetzt auf jeglichem Schiffsverdeck war Lärm und Gewimmel Spähenden Volks. Es bebten vor heißem Verlangen die Krieger, Bald in des Feindes Auge zu schau'n, und im Kampf der Entscheidung Ihm zu vergelten die Schmach der verheereten Küsten der Heimath. Aber vor allen sah Held Doria gierig vom Bord hin: Prüfend des Fernrohrs Wundermacht, das selber der Künstler, Janssen von Middelburg[35] zum Ehrengeschenke dem Kaiser Both: er lohnt' ihm's reichlich mit Gold und ehrendem Beifall, Schätzer alles Verdiensts, und Würdiger solcher Erfindung. Attila brauste heran, und sah nach den wogenden Schiffen Finster hinab; doch jetzt dem spähenden Doria nahend, Drängt' ihn die Neugier mächtiger hin, voll Hast zu erforschen: Was sich im schimmernden Rohr dem Helden für Wunder gestalten? Als er gebückt, ihm gleich, das Auge dem Glase genähert, Fuhr er betroffen zurück. Er bückte sich wieder, und forschte Jetzo mit freiem und jetzt bewaffnetem Aug' auf dem Meer' um, Schauend nach Al-Mansors Schiffsmacht, die weit in dem Anlauf Deckte das Meer. Er lächelte sinnend, und wiegte das Haupt oft; Doch nun hob er ergrimmter sich auf in den schimmernden Luftraum, Wo der Scythen erlesene Schar sein harrte. Dem Geist war Schnell das Geheimniß enthüllt: wie hier auf dem wölbenden Glasfeld Sich des Entfernten Bild abspiegelte, dann in des Auges Krystallfluth der Strahl, gebrochen, vom Glas' zu dem Glas' fort Strömt': im helleren Wiederschein, der Seele zur Anschau. Zorn entflammte sein Aug'. Er rief den Geistern ergrimmt so: »Sey es der Nachwelt Ruhm: nur Trug zu ersinnen, und Arglist! Was die Ferne verhüllt, bannt dieß erfindende Volk sich, Herrschend in seine Gegenwart mit dem schimmernden Fernrohr. Daß sein Donnergeschoß hinstreckt in der Ferne die Reihen Tapferer, däucht ihm Gewinn. Es rühmt sich: die Höllenerfindung Kürze den Krieg, und spricht von Schonung im blutigen Schlachtfeld. Ha, nicht also kämpften wir einst: denn nah' in die Augen Sah'n wir gerne dem Feind! Wohlan, nun laßt uns die Scharen Al-Mansors empören zur Wuth und mordender Blutgier!« Jene entfloh'n. Doch Doria sah die bläulichen Wogen Schäumen am stürmenden Kiel wohl hundert feindlicher Schiffe, Die von dem Bord Schlachtruf herdonnerten, trotzend auf Kühnheit Kampferfahrenen Volks und auf Sieg', errungen im Raubzug. Jetzt auf den Höhen des Meer's, unferne der Stadt Cagliari, Hemmte der Kaiser die Schiff' im Lauf, die anstürmenden Gegner Dort zu erwarten bereit. Ihm einte sich Guasto's Geschwader, Jauchzend, und weit umher bedeckten die Schiffe die Meersfluth. Auf den Zinnen der Stadt, auf den Warten der Berg' und der Hügel, Harrt' unzähliges Volk; so harrten im schimmernden Luftraum, Hingegossen auf zartes Gewölk (doch feindlich geschieden) All' die Geister, voll Gier, der grauenerregenden Seeschlacht. Aber nur Muhamed sah mit herzzernagendem Kummer Al-Mansors verderblichen Trotz. Von Thränen umflossen Glänzte sein Aug', und er rief den Seinen, ein heuchelnder Seher: »Eben vernahm mein Ohr den Flug des nächtlichen Schicksals, Dem, ach, ewig bestimmt, vorschwebt des sterblichen Menschen Wohl und Weh' -- dem Al-Mansor mit seinem Geschwader Nimmer entflieht! Nach Afrika fort, wo Hairaddin freudig Unserer Stimme gehorcht: ihm wollen wir Rettung ersinnen!« Brausend schwebt' er, mit seinem Gefolg', in der heulenden Luft hin; Doch in den schimmernden Höh'n, des nahen Kampfes gewärtig, Harrten die übrigen all', und sah'n auf die Fluthen hinunter.