Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)

Part 23

Chapter 231,959 wordsPublic domain

_Natter_. (_Cerastes_) _Hornschlange_ -- nach dem Volksglauben auch die _Königsschlange_ genannt, weil sie, laut jenem, eine Krone auf dem Haupte haben soll. Die arabischen Gaukler pflegen der Hornschlange zarte Vogelklauen einzusetzen, um damit das Volk zu täuschen.

[58] Vers 477.

_Bürgerkrone_, war bei den Römern eine große Auszeichnung für Jenen, der in der Schlacht einem Bürger das Leben gerettet hatte. Sie war von Eichenlaub gemacht, und führte die Aufschrift: »_Ob civem servatum._« Bei Schauspielen, oder im Senate, wo sie getragen wurden, stand die ganze Versammlung vor ihm auf.

[59] Vers 520.

_Cornelia_, die Mutter der Gracchen, war die Tochter des älteren Scipio, des Siegers bei Zama, und hatte zwei Söhne, Tiberius Sempronius, und Cajus, mit ihrem verstorbenen Gatten, Tib. Semp. Gracchus, erzeugt, der zweimal Consul war, und die Insel Sardinien eroberte. Jene beiden, von ihrer trefflichen Mutter gebildeten, und mit den schätzbarsten Eigenschaften ausgerüsteten Söhne, fanden in den, von ihnen erregten bürgerlichen Gährungen (der ältere im J. 133, und der jüngere im J. 121 vor Chr.) den Tod, indem sie als Tribunen zu sehr nach der Volksgunst gestrebt, und das agrarische Gesetz gegen den Senat durchzusetzen gesucht hatten. (__Liv._ I. 41. c. 12. -- _Valer. M. Plutarch_ etc._)

Zehnter Gesang.

[60] Vers 116.

_Zender_ und _Gingir_, zwei große, gen Süden unterhalb des Aequators liegende Länder in Afrika, unter dem 50-55. Grad der Länge, und dem 5-8. Grad der Breite.

[61] Vers 117.

_Gleicher_, Aequator der Erde, oder Aequinoctial-Linie, und von den Seefahrern die _Linie_ genannt, ist derjenige größte Kreis unserer Erdkugel, der von den Polen der Erde in allen Punkten um neunzig Grade absteht. Alle Orte, die er durchschneidet, haben gleich lange Tage und Nächte: daher der Nahme _Aequator_.

[62] Vers 146.

_Altai_, auch _Belgian_ genannt, ein großes Gebirg Asiens in der Nord-Tartarey, und im Königreiche Montgal.

[63] Vers 146.

_Ural_, in der tartarischen Sprache ein _Gürtel_, ist die beinahe 300 Meilen lange Gebirgskette, die von dem caspischen Meere beginnend, Europa von Asien scheidet, und Sibirien von dem übrigen Theile Rußlands trennt.

[64] Vers 160.

_Samum_ von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa]; von den Türken _Samyel_, und in Afrika Hamaddan genannt, ein heißer Wind, der in den Monathen Juni und Juli in Arabien, Persien, Babylonien, und in den Wüsten von Aegypten; aber am heftigsten, zuweilen schon im März und noch im November, in Nubien weht. Er dauert höchstens nur 7 bis 8 Minuten, aber er tödtet augenblicklich Alle, die aufrecht stehen; daher ist es nöthig, sich auf das Antlitz niederzuwerfen, die Sohlen dem Winde zuzukehren, und so wenig als möglich Athem holend, den Mund auf den Boden zu pressen. So streicht er dann unschädlich vorüber, da er zwei Schuh hoch über der Erde dahin zieht, aber dennoch ein heftiges Zittern und starken Schweiß verursacht. Die Thiere tödtet er zwar nicht, doch senken auch sie den Kopf zur Erde, und zittern am ganzen Leibe. Die Vorbothen des Samums sind, nach Brüce, röthliche Sandsäulen, die sich in die Luft erheben und stets näher schweben. Die Getödteten werden sogleich schwarz und zu Mumien gedörrt. (_Brüce's Reisen &c. im Auszug Rinteln_ I. S. 496 und S. 129 folg. &c. -- __Thevenot Voy.__ 295. -- Ives II. 83. &c.)

[65] Vers 358.

_Kairvan_ (Cairoan, Carvan), eine Stadt im Gebiethe von Tunis nicht ferne von dem Meerbusen von Kabesch. Sie war die erste, welche die Muhamedaner in Afrika, unter dem dritten Kalifen in Syrien, Ottmann, gegründet hatten, und wegen ihrer hohen Schule berühmt. Doch wurde sie, bald nach der Heimkehr Carls V. von Tunis, mit diesem Königreiche vereinigt. (_Marmol. Africae L. 6._)

[66] Vers 359.

_Constantina_ (Cuguntina), die Stadt, nach Einigen das alte Cirtha, in Nord-Afrika, liegt auf einem hartzugänglichen Felsengebirge, weßwegen sie überaus fest ist, und gehört nun zu Algier. Zu Anfange des vierten und fünften Jahrhunderts sind da zwei Concilien gehalten worden, von welchen in den Werken des h. Augustinus die _Acta_ aufbewahrt sind.

[67] Vers 510.

_Die volle Lage geben_, heißt das schnelle Abfeuern aller Kanonen auf der Seite eines Kriegsschiffes.

[68] Vers 732.

_»The Emperor marched into the Goletta through the breach; and turning to Muley-Hassan, who attended him, »Here« -- Says he -- »is a gate open to you, by which you shall return to take possession of your dominions.« (_Robertson Histor. of Charles V. III. T. Book V._)_

Eilfter Gesang.

[69] Vers 44.

_Vampyren_, die größte Gattung der Fledermäuse; und unter diesen wird hier der so genannte _Blutsauger_ (_V. Spectrum_) gemeint, dessen Heimath die neue Welt, Surinam, Guiana, Brasilien u. s. w. ist. Durch das Wehen seiner Flügel erquickt er den Schlummernden, leckt ihm mit seiner rauhen Zunge die Haut auf, und wenn das Blut, an welchem er sich satt gesogen hatte, aus einer Hauptader strömt, so kann sich der Fortschlummernde leicht verbluten. (_S. Tob. Wilhelm Unterh. aus der Naturgeschichte der Säugethiere_, 1. Thl.)

[70] Vers 255.

_Valladolids Turnierbahn_. Carl V. ließ in seinem bereits vorgerückten Jünglingsalter noch wenig von dem hohen Verstande, und der Thatkraft ahnen, die ihn in der Folge als Herrscher so sehr auszeichneten, so, daß Viele, die nicht tief genug sahen, versucht waren, ihn für blödsinnig zu halten, bis er auf dem Turniere zu Valladolid (im J. 1517), durch seine Gewandtheit in allen ritterlichen Uebungen, und den Wahlspruch seines Schildes: »__Nondum!__« All' in Erstaunen setzte. (Siehe _Freih. von Hormayrs Oestr. Plut. 6. Heft_ S. 423.)

[71] Vers 259.

Während Carl V. nach seiner Wahl zum röm. Kaiser, und wegen entstandener Feindseligkeiten mit Frankreich, in Deutschland, in den Niederlanden und in England, von Spanien abwesend war, brach Empörung und Bürgerkrieg in allen Theilen dieses Königreichs aus. Er begann im Mai 1520 zu Toledo, wo das Haupt der Empörer, Don Juan de Padilla, Sohn des Commandanten von Castilien, war, und in den spätern Gefechten, im April des Jahrs 1521 von dem Generale der königlichen Truppen gefangen und enthauptet ward. (__Robertson History of the Reign of the Emp. Charles V. II. Volume. B. 3.__)

[72] Vers 262.

_Franz I._, König von Frankreich, bewarb sich sehr heiß um die deutsche Kaiserkrone; da aber diese seinem Nebenbuhler, Carl V., zu Theil ward, so trieb ihn, von jener Zeit an, die Rachgier unaufhörlich, diesen zu demüthigen, und ihm in seinen Unternehmungen Hindernisse in den Weg zu legen. Vereint -- und Beide hatten so viele Ursache, sich gegenseitig zu achten! -- hätten sie unsäglichem Jammer, der erst Deutschland, dann mehrere Länder Europa's traf, wehren können. (_Siehe obiges Werk_, II. B.)

[73] Vers 265.

Den Titel _christlichste Majestät_, führten die Könige von Frankreich bis auf die neuesten Zeiten, und zwar seit Chlodwig dem G. J. 496, wo er ihm selber von dem Pabst beigelegt ward.

[74] Vers 266.

Franz I. war der erste christliche Fürst, der mit dem Erbfeind der Christenheit offenbar in ein Bündniß trat. La Forest, sein Geschäftsträger in Constantinopel, schloß (im J. 1336) solches mit Solyman II. ab, vermöge welchem dieser Neapel und Ungarn feindlich überziehen sollte. Es wurde ihm auf eine furchtbare Art Genüge geleistet! (_Siehe obiges Werk_, III. B.)

[75] Vers 278.

Man sehe _Vogts Staats-Relationen_. VI. Bandes 2. Heft.

[76] Vers 289.

Der _Bauernkrieg_ in Franken und Schwaben wurde durch _Johann Böhme_, einen Bänkelsänger im Würzburgischen, veranlaßt, wo er Freiheit und Gleichheit aller Stände predigte. Der Krieg kam dort im J. 1525 zum Ausbruch, und kostete über 50,000 Bauern das Leben. Mehr als 180 Schlösser und Burgen lagen im Schutt, und 26 Klöster waren vernichtet. -- Er verpflanzte sich auch nach Sachsen und Thüringen, wo _Thomas Münzer_, erst Schullehrer in Aschersleben, dann Prediger in Zwickau, sich mit dem Haupte der Wiedertäufer, _Klaus Storch_, verband, und später zu Altstedt in Thüringen die Gemeinschaft der Güter predigte. Er kehrte nach Sachsen zurück, verband sich mit einem andern Schwärmer, _Pfeiffer_, und sammelte einen großen Haufen Aufrührer um sich, bis er gegen die ausgesandten sächsischen, hessischen und braunschweigischen Heerhaufen (15. Mai 1525) die Schlacht verlor, sammt seinem Anhänger, Pfeiffer, gefangen, und in Mühlhausen hingerichtet ward. (__Sleidan. de statu rel._ L. 5. -- _Fabritius de orig. Sax.__)

[77] Vers 293.

_Der dreißigjährige Krieg_ (von 1618-1649) -- eine Folge der Reformation -- biethet ein Schauspiel unerhörter Grausamkeiten dar. Während diesen ward Deutschland von einem Ende zum andern durch Mord und Brand verödet, und um viele Millionen Menschen ärmer gemacht. Der westphälische Friede setzte ihm zwar ein Ziel; aber was durch ihn zerstört worden, wird wohl keine Zeit mehr ersetzen. (_Siehe Schillers und Westenrieders Geschichte des dreißigjährigen Krieges._)

[78] Vers 315.

Die Geschichte von beinahe zwei Jahrzehenden vor der Völkerschlacht von Leipzig liefert die unwiderlegbaren Belege zu dieser Stelle!

[79] Vers 320.

18. Oktober 1813!!

[80] Vers 328.

_Leser!_ möchte dir der Zuruf nicht fremd seyn, welchen der gütigste Landesvater am 1. Hornung 1806 an seine Völker richtete, und der mit den Worten beginnt: »Ich habe meinen guten und treuen Völkern den Frieden gegeben!« -- und mit den Worten endet: »Durch das wechselseitige Band des festesten Vertrauens und der innigsten Liebe mit meinen Unterthanen verbunden, werde ich nur dann erst glauben, meinem Herzen als Fürst und Vater genug gethan zu haben: wenn Oestreichs Flor fest gegründet, wenn vergessen ist, was seine Bürger litten, und nur das Andenken an meine Opfer, an ihre Treue, und an ihre hohe unerschütterliche Vaterlandsliebe noch lebt!«

[81] Vers 342.

_St. Just_. Nicht ferne von der Stadt Placenzia, in Estremadura, lag das einsame Kloster der Hieronymitaner, St. Just, das Carl V. viele Jahre vor seiner Abdankung zu seinem einstigen Asyl erkoren hatte. Es lag in einem lieblichen Thale mit einem hellen Bach, mit Hügeln und Wäldern umher, und war wegen seiner gesunden Luft berühmt. Einige Monate vor seiner Ankunft erschienen dort Werkleute, die seine aus fünf bis sechs Klosterzellen bestehende Wohnung, mit einem Ausgang in den Garten, den er selbst pflegen, und dem andern in die Capelle, wo er seine Andacht halten wollte, bereiteten. Er zog daselbst am 24. Februar des J. 1557 ein, und starb am 12. September 1558 in seinem 59. Lebensjahre.

Zwölfter Gesang.

[82] Vers 336.

_Grätz_, die Hauptstadt der Steyermark, und der Sitz des Guberniums von Inner-Oestreich, mit beiläufig 40,000 Einwohnern.

[83] Vers 340.

Im Jahre 1532 stand Solymann II. mit einer ungeheuren Macht vor Wien, und zog sich bei der Annäherung Carls V., der an der Spitze eines Heeres von mehr denn 90,000 Mann zum Entsatz herbeieilte, durch Ungarn bis nach Constantinopel zurück. (__Jov. Hist._ L. 30. p. 100._)

[84] Vers 344.

Bei der Beschreibung des letzten Kampfes vor Tunis, führt Jovius (__Hist._ L. 34. p. 361 _apud Schard.__) die Worte Carl V. an, der mitten im Kugelregen Del Guasto diese Antwort gab. (_»Subridens Caesar, et ne id timeret, subdens, quando Augustorum Caesarum nemo unquam tormenti violentia concidisset.«_)

[85] Vers 555.

Psalm 125.

[86] Vers 608.

Robertson sagt von der Plünderung der Stadt Tunis durch die Christen (__History of the Reign of the Emperor Charles_ V. Vol III. p. 115_): »_Above thirty thousand of the innocent inhabitants perished on that unhappy day, and ten thousand were carried away as slaves._« -- Eutropius im Werke (__Diarium Expeditionis Tunetanae_ p. 334. _apud Schard.__) sagt: »_Post introitum Imperatoris in urbem, ecce tibi Miles Hispanus aliquotque alii stationarii, passim in aedes magno impetu irruunt, .... _Mauros resistentes_ occidunt, spoliant, compilant, evertunt omnia cum pulvere._« -- __P. Jovius Hist. Lib._ 34. pag. 363 _apud Schard__ sagt: »_Primus inhiantium praedae impetus, uti invadentium et effringentium fores varii casus tulerunt, promiscua caede cruentus fuit._« -- Beide setzen hinzu: »__Caesar sevitiae modum imposuit, pronunciarique jussit, capitale fore, si quis Tunetanum violaret civem, aut in servitutem abduceret.__« -- Sepulveda, dem Carl V. sein ganzes Leben erzählte, und mit jenen Beiden ihm gleichzeitig war, sagt: »_In hac direptione ex oppidanis _pauci_ gladio conciderunt, et hi suo magna ex parte stulto consilio, qui muros rebus desperatis, ne conati quidem tueri, suas domos, uxoresque et liberos defendere quidam tentaverunt. Qua temeritate milites irritati _in nonnullos_ sine discrimine parumper saevierunt, praesertim Germani etc._« (Siehe: __Opera P. Sepulvedae_ Vol. I. p. 405. Matriti ex Typ. Reg. 1780._) -- Dieß zur Würdigung obiger Geschichte!

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.

Satzzeichen wurden in eindeutigen Fällen stillschweigend korrigiert. Einige wenige weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben (vorher/nachher):

[S. 50]: ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und lauft auf dem Sandpfad ... ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und läuft auf dem Sandpfad ...

[S. 405]: ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: vil'afah]; von den ... ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa]; von den ...